Kunden em pfehlungen
Rezensionen von goejos:
Vergangenheitsbewältigung
Die Akte Adenauer von Ralf Langroth
Eine packende Geschichte. Welche Ralf Langroth in die Akte Adenauer gepackt hat. Philipp Gerber, Deutscher mit starker amerikanischer Vergangenheit, hat gleich mehrere Aufgaben zu erfüllen und er steht da meistens alleine da, weil er noch nicht weiß, wem kann er trauen und wem nicht. Außerdem plagen ihm persönliche Probleme: Seine Freundin June ist in die Staaten zurückgereist und er lernt eine Journalistin kennen und lieben, welche leicht kommunistisch angehaucht ist.
Als dann auch noch Adenauer mit einem persönlichen Problem an ihn herantritt, verbessert das nicht gerade seine Situation. Da zu soll er auch noch einen Mordanschlag an einem Politiker vor der Wahl verhindern und eine Art Terrororganisation zerschlagen. Ein bisschen viel für einen Kriminalhauptkommissar, welcher selbst noch nicht genau weiß, auf welcher Seite er steht. Langroth hat das Alles routiniert in dieses Buch verpackt. Spannend und fesselnd geschrieben. Ein Buch, welches man nur ungern zur Seite legt. Außerdem erfährt man noch einige Sachen über die Zusammenarbeit zwischen Amerika und Deutschland in den Jahren des Wiederaufbaues.
Lohoff´s Zoff
Berlin Heat von Johannes Groschupf
Tom ist Wohnungsvermittler für reiche Berlintouristen. Und er kann auch noch viele andere Dinger dazu liefern. Er verdient gut, aber er verspielt alles und noch mehr in Wettbüros. Er hat Schulden und die Eintreiber sind mehr als gefährlich. In seiner Not lässt er sich auf ein gefährliches Spiel ein.
Durch die Vermietung beteiligt er sich an der Entführung eines rechtsradikalen Politikers. Er steckt bis über den Kopf in Schwierigkeiten. Die Polizei und die Geldeintreiber. Tom verstrickt sich immer mehr in diesen Teufelskreis, aus dem es fast kein Entrinnen gibt. Eine Geschichte, spannend und hautnah erzählt und mit einem dramatischen Ende. Groschupp beschreibt lebendig das Widererwachen von Berlin nach der Corona-Krise in all seinen Facetten. Eine Geschichte, welche einem fesselt und nicht loslässt beim Lesen. Interessantes und lesenswertes Buch.
Familienchronik
Dein ist das Reich von Katharina Döbler
Eines vorweg: Trotz Allem ein großes Werk. Die Autorin hat hier eine Geschichte zusammengetragen und veröffentlicht, welche sich über Jahrzehnte hinweg, erstreckt. Etwas verwirrend dabei, sind die vielen Familienverwicklungen. Man verliert schon mal den Überblick dabei. Man kann zur Kolonialisierung stehen wie man will, es wurde auch Gutes geleistet.
Dass das Ganze unter dem Vorwand der Christianisierung geschah, ist eine andere Geschichte. Aber zurück zum Roman: Das Cover ist nicht nach meinem Geschmack, aber die Leseprobe hat mich neugierig gemacht und so machte ich mich an das Gesamtwerk heran. Es ist nicht leicht zu lesen, es hat seine Längen und man muss genau aufpassen, sonst verliert man den Überblick über die einzelnen Familien. Zeitweise wird man auch von der Wortgewalt der Erzählung mitgerissen, dann plätschert sie wieder still dahin. Eindrucksvoll auch die Schilderung der Einheimischen von Neuguinea und ihrer Lebenswelt. Interessant auch die Berichte über die Bemühungen der Missionare und deren Schwierigkeiten bei der Christianisierung. Interessant auch das Anwerben von Männern und Frauen für die Mission in Bayern in Neuendettelsau.
Das Ganze wird von einer Enkelin erzählt, die von ihrer Großmutter Linette stückchenweise darüber informiert wird. Erst als sie selbst älter wird, interessiert sie sich mehr für ihre Vorfahren und stöbert in alter Unterlagen und kommt so manchen dunklen Geheimnis auf die Spur.
Wenn die Logik irrt.
Siehst du, wie sie sterben? (Thriller) von Gunnar Schwarz
Die Psychologin Frieda Rubens soll der Polizei helfen, einen Frauenmörder zu fassen. Es gibt bereits drei Opfer, alle Prostituierte, durchnummeriert und mit Zeichen versehen. Dass ihr Exfreund, Kriminalkommissar Marc Wittmann, diese Mordserie bearbeitet, macht dieses Unterfangen nicht einfacher. Doch Frieda kniet sich in den Fall und glaubt den Hintergrund zu erkennen.
Doch das Morden geht weiter und die Ermittlungen drehen sich im Kreis. Doch plötzlich erkennt Frieda den wahren Hintergrund für die Morde, doch da ist es fast schon zu spät. Faszinierender Thriller, psychologischer Hintergrund, grausame Tötungsrituale, Spannung bis zum Schluss. Hervorragend geschrieben, trotz der Schilderungen der tödlichen Verletzungen nie ausufernd. Für einen Laien etwas zu viel Psychologieverhalten erklärt, was zeitweise zu Langeweile führt, aber nur kurz. Interessant auch, auf den Grund und die Durchführung der Morde muss man erst kommen. Ein Bravo dem Autor.
Leben mit der Besatzung.
Die Toten vom Gare d'Austerlitz - Kriminalroman (Eddie Giral 1) von Chris Lloyd
Juni 1940. Die Deutschen in Paris. 4, durch Giftgas ermordete Polen in einem Waggon. Ein Selbstmörder, welcher seinen Jungen mit in den Tod genommen hat. Kein schöner Beginn für Inspektor Eduard Giral. Major Hochstetter, ein deutscher Offizier von der Abwehr, wird ihm zur Seite gestellt. Mal als Gegenspieler, mal als Helfer.
Giral leidet noch immer unter einem Kriegstrauma. Er ist von seiner Frau und seinem Sohn getrennt und lebt in einer kleinen Wohnung. Er will unbedingt den Giftmord aufklären. Plötzlich ist Jean-Juc, sein Sohn, wieder da. Dieser will weiterkämpfen und sich zur französischen Truppe durchschlagen. Er verachtet ihn auch wegen seiner Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hochstetter. Wegen seiner beharrlichen Verfolgung der Giftmorde macht er sich nicht nur in seiner nächsten Umgebung Feinde. Auch die SS und die Abwehr heften sich auf seine Fersen. Aber Giral verfolgt beharrlich seine Ziele, ohne dabei seinen Sohn aus den Augen zu verlieren. Spannendes Buch, hervorragend und fesselnd geschrieben, gibt es einen Einblick in die Welt der Pariser Besatzung mit den Deutschen. Ein bis zum Ende lesenswertes Werk mit historischem Einschlag. Gutes Cover.
Leben und Sterben lassen
Der Abstinent von Ian McGuire
James O`Connor wird von Dublin nach Manchester versetzt. Dort wurden gerade 3 Männer, angebliche Anhänger der "Fenians", gehängt. Er soll die Drahtzieher dieser Bewegung ausfindig machen. O`Connor, seit dem Tod seiner Frau dem Alkohol verfallen, jetzt aber strikter Abstinenzler, nimmt die Fährte von Stephen Doyle, einem Kriegsveteranen, auf, welcher ihn ebenfalls Töten will.
Es entspinnt sich zwischen den Beiden ein Kampf auf Leben und Tod. O`Connor muss schwere Rückschläge einstecken, auch in den eigenen Reihen hat er fast keine Freunde. Dramatische werden die Ereignisse im 19. Jahrhundert zwischen Engländern und Iren erzählt. Menschenleben spielen in diesen schicksalsschweren Tagen keine große Rolle. Keiner traut Keinem. Freunde gibt es nicht viele. Düster sind auch die Lebensverhältnisses und gute Arbeitsplätze selten. Der Roman gibt ein naturgetreues Bild von dieser schrecklichen Zeit. Man liest gespannt und gefesselt bis zum doch etwas überraschenden Ende. Hervorragendes Bild einer wirren Epoche.
Alles für die Tochter
Der Abstinent von Ian McGuire
Sarah erfährt dass sie Bauchspeicheldrüsenkrebs und nur mehr ein halbes Jahr zu leben hat. Sie fliegt mit ihrer Tochter Jessica von Berlin nach England zu ihren Großeltern. Dort will sie versuchen, für Jessie Pflegeeltern zu finden, damit sie in Frieden sterben kann. Doch alles kommt en bisschen anders, als Sarah es sich vorstellt.
Sie lernt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, sie zieht aufs Land und versucht den Krebs zu bekämpfen. Sie lernt neue Freunde kennen, muss Rückschläge einstecken und mit der Erkenntnis leben, dass ihr Leben bald zu Ende sein wird. Oder doch noch nicht? Rührselige und zeitweise etwas übernatürliche Geschichte. Von viel Leid und Enttäuschungen durchzogene Geschichte. Viele unerwartete und überraschende Wendungen. wer Schicksals- und Liebesgeschichten mag, kommt hier voll auf seine Rechnung. Auch eine Spur Dramatik ist vorhanden. Über den Schluss kann man geteilter Meinung sein. Aber, es lohnt sich, dieses Werk zu lesen.
Aller Neuanfang ist schwer.
Der gekaufte Tod von Stephen Mack Jones
August Snow, ehemaliger afroamerikanischer Polizist, kehrt als reicher Mann in seine Heimatstadt Mexicantown, Detroit, zurück. Er hat seine korrupten Polizeikollegen angezeigt, wurde gefeuert und hat den Schadenersatzprozess gewonnen. Als eine der mächtigsten Unternehmerinnen der Stadt tot aufgefunden wird, nimmt er sich vor, ihren Tod zu klären.
Sie hat ihn kurz vorher um Hilfe gebeten und er hat abgelehnt. Dass er dabei vielen Leuten und vor allem einer mächtigen Organisation gewaltig auf die Füße tritt, merkt er bald. Sein Leben ist von nun an immer in Gefahr und er macht überraschende Bekanntschaften. Aber nicht alle wollen nur sein Bestes. Hervorragend geschrieben, spannend bis zum letzten Satz. Humor kommt auch nicht zu kurz. Außerdem erfährt der Leser auch einiges über die Essgewohnheiten in dieser Gegend. Auch das Problem schwarz gegen weiß wird abgehandelt. Abschließend: Ein Buch, welches Einem gefangen nimmt und man unbedingt zu Ende lesen muss. Ein Lesevergnügen.
Die Geister, die ich rief ...
Mama allein zu Haus von Barbara Becker; Christiane Soyke
Barbara und Christiane, zwei Frauen, welche sich jahrelang ihren Kindern während der Schulzeit gewidmet haben. Doch jetzt ist die beschwerliche Zeit vorbei. Die Schule ist abgeschlossen, die Kinder ziehen aus. Endlich Ruhe und Freizeit - glaubt man. Was ist plötzlich los: Auf einmal fehlt etwas, was früher einem den Tagesanfang verdorben hat.
Doch jetzt, wo man den Jungen nicht mehr zur Schule drängen muss, zum schnelleren anziehen auffordern und auf den letzten Zacken zur Schule gefahren hat, ist jetzt nur Ruhe in der Früh. Es fehlt der gewohnte, "stressige" Tagesablauf. Bis die Beiden erkennen, dass es auch noch ein Leben nach der Bemutterung gibt. Aber diese Umstellung ist nicht so einfach zu bewältigen. Ob den Beiden dieses gelingt, verrät dieses Buch. Humorvoll und lebensnah wird hier von dieser Umstellung berichtet. Für einen Mann ist sicher nicht Alles nachvollziehbar, trotzdem ein lesenswertes und humorvolles Werk über den Wandel von Bemutterung zur Freiheit über dien Tag.
So lehrreich kann lesen sein!
Fürchtet uns, wir sind die Zukunft von Lea-Lina Oppermann
Theo studiert auf der Akademie Klavier. Er wohnt in einem kleinen Zimmer zusammen mit Panzer, einer Schildkröte. Dann lernt er Aida kennen, eine ausgeflippte Kommilitonin, welche ihn augenblicklich fasziniert. Sie führt ihn in die Gruppe „Wir sind Zukunft“ ein. Sie hat einen Hirntumor, ihr bleibt nicht mehr viel Zeit, aber sie will die Zukunft verändern.
Und mit ihr Valentin, Phyllis und Raul. Sie setzen verrückte Aktionen, welche ihnen Aida vorgibt. Panzer stirbt. Sein Klavierlehrer, Prof. Goldstein, meldet in bei einem renommierten Klavierwettbewerb an. Aber diese Proben dafür vernachlässigt er zugunsten der ZUKUNFT. Als er aber die Wahrheit hinter der ganzen Geschichte von ZUKUNFT entdeckt, bricht eine Welt für ihn zusammen. Ob er darüber hinwegkommt? Ein wunderbarer, einfühlsamer Roman, welcher leicht zu lesen ist, aber immer wieder zum Innehalten und Nachdenken anregt. Auch das ziemlich einfallslose Buchcover kann den ausgezeichneten Eindruck dieses Romanes nicht trüben. Einfach ausgedrückt, dieses Buch muss man gelesen haben.










