Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PFIFF:
Frauenschicksal während der Kriegswirren in London
Bilder einer Ausstellung; Nr.28717 von Macpherson Camilla
Claire leidet nach einer tragischen Fehlgeburt und gibt die Schuld daran ihrem Ehemann. Es kriselt, obwohl sich ihr Mann liebevoll um sie bemüht.
Als ein Paket mit einer Fotographie und Briefen einer entfernten verwandten ihres Mannes auftauchen, versenkt sich Claire darin. Daisy, die Briefschreiberin, schickt 1943 jedes Monat einen Brief an ihre Cousine Elisabeth.
In jedem Brief beschreibt sie ein Gemälde der Londoner Nationalgalerie, das monatlich während der Kriegszeit ausgestellt wird und die aufkeimende Liebe zu einem Maler.
Claire beschließt, sich auf Daisys Spuren zu begeben und liest jeden Monat einen Brief und schaut sich das beschriebene Gemälde in der Galerie an. Dabei lernt sie einen sympatischen Mann kennen und verabredet sich mit ihm. Als dieser ihr zu nahe kommt, flüchtet sie und besinnt sich.
Die Aufarbeitung des Lebens und des tragischen Endes von Daisy haben auf Claire eine therapeutische Wirkung. Sie findet wieder zu ihrem Mann und wagt einen neuen Versuch, ein Kind zu bekommen.
Ganz behutsam und einfühlsam verknüpft McPherson die Schicksale der beiden Frauen durch die Aussage der bekannten Gemälde.
Eine berührende und kluge Geschichte.
Verdis Glanzzeit
Verdi von Peter Härtling
Härtling beschreibt die letzten Jahre aus Verdis Leben, seine Erfolge mit ?Otello?, seinen ?Falstaff?, die mühsamen Reisen nach Paris, um dann doch den Erfolg zu genießen, seine liebevolle Beziehung zu seiner zweiten Ehefrau, der berühmten Sängerin Peppina Strepponi, deren für ihn so schmerzhaften Tod, seine Stiftungen für Künstler, einfach sein ganzes Wesen.
Härtling versteht es, die wichtigsten Stationen dieses großen Musikers und Menschen aufzuzeichnen und dem Leser zu vermitteln.
Es ist immer wieder wunderbar, Härtlings Biographien zu lesen, wie über Robert Schumann und Fanny Hensel.
Spanienepos
Das Lied der Freiheit Roman von Falcones Ildefonso
Spanien, Sevilla 1748: Die große Säuberungswelle von Ferdinand VI steht bevor, in der er versuchte, alle Zigeuner in Spanien zu verhaften und zu Zwangsarbeiten zu verpflichten.
Caridad, eine freigelassene Sklavin aus Havanna begegnet der jungen Zigeunerin Milagros. Zwischen beiden entwickelt sich eine große Freundschaft, trotz der unterschiedlichen Herkunft und des Widerstands der Familie von Milagros.
Für Caridad ist es fast unmöglich, ohne Ausbildung, ohne Geld und als Freigelassene Schwarze eine Arbeit zu finden. Sie wird ausgenützt, geschlagen, vergewaltigt und inhaftiert.
Milagros heiratet ihre große Liebe, die sich als fataler Irrtum herausstellt. Sie wird in Madrid als Künstlerin entdeckt und gefeiert, wird aber damit nicht glücklich und fängt an zu trinken.
Ihr Großvater, der eine Strafe auf einer spanischen Galeere abbüßen musste und es überlebte, wird der große Held im Leben der beiden Frauen.
Ein schillerndes Epos, das in den über 750 Seiten eindrucksvoll das Leben von Minderheiten im Spanien des 18. Jhdts. beschreibt.
Laurenti in schlechter Gesellschaft
Die Zeitungsfrau von Heinichen Veit
Teresa Fonda, die einen kleinen Zeitungsladen in Triest betreibt, muss ihre Kinder alleine versorgen, da ihr Mann, Diego Colombo, vor über 20 Jahren auf einem in die Luft gesprengten Boot ums Leben gekommen ist.- Oder doch nicht? Zweifel kommen auf, als ihn Daria Bono, die Tochter des an den Rollstuhl gefesselten obskuren Geschäftsmanns Lino Rosa, in einem Mitarbeiter am Hafen erkannt haben will.
Daria leitet ein Seniorenheim mit eiserner Hand und hat anscheinend ihre Hände in verbrecherischen Unternehmungen.
Auf jeden Fall hat Commissario Laurenti viel zu tun, um hinter die Verbindungen zwischen den Kriminellen zu kommen und aufzuklären, wer hinter Diebstählen und Schmuggel steht. Die Zeitungsfrau Teresa dürfte der Knotenpunkt sein.
Selbst der Kaisers von China ist nicht unsterblich
Cox von Christoph Ransmayr
Der britische Uhrenmachermeister Alister Cox wird von Qiánlóng, dem Kaiser von China gebeten, nach China zu reisen, um eine einzigartige Uhr zu bauen, eine Uhr, die die verschiedenen Stadien des menschlichen Lebens und die subjektiv gefühlte Geschwindigkeit messen kann.- Ein kompliziertes Unterfangen.
Aber Cox hat viel Erfahrung und Phantasie und gute Mitarbeiter, die ihm helfen, diese fast unmögliche Aufgabe zu lösen.
Cox lernt das Leben am chinesischen Hof kennen, aber nur am Rande, da der Kaiser gut bewacht und abgeschottet ist.
Die Erzählform von Ransmayr wirkt fast etwas altmodisch, episch und märchenhaft. Man ist in eine andere Welt versetzt, hineingezogen in den großartigen Roman, der über die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens philosophiert, sogar wenn es um den mächtigsten Mann der Welt geht, den Kaiser von China.
Berührende Geschichte zweier junger Chinesinnen
Cox von Christoph Ransmayr
In der Deutschübersetzung ist das Buch erschienen als ?Der Seidenfächer?. Ist vergriffen, also habe ich die englische Ausgabe gelesen und war fasziniert, schockiert und unheimlich betroffen.
Lisa See beschreibt das Leben im China des 19. Jhdts., die Sitten und Bräuche, die vor allem die Mädchen und Frauen unterdrückt und benachteiligt hatten.
Nur Söhne waren gefragt, die neugeborenen Mädchen nichts wert. Nur durch eine exzellente Erziehung und ein überragendes Aussehen konnte die Chance einer guten Heirat, womöglich eines gesellschaftlichen Aufstiegs ermöglicht werden. Dazu gehörte es, den 6-7 jährigen Mädchen die Füße zu bandagieren, das Fersenbein mit dem Vorfuß und den eingeklappten 4 kleineren Zehen so einzuquetschen, dass der Fuß möglichst klein wurde, bis zu 7cm. Die Mädchen nähten sich eigene Schuhe, stickten an ihrer Aussteuer, Geschenken für die Familie des zukünftigen Mannes.
Es war üblich, dass 2 Mädchen zu Laotongs, zu Blutschwestern, bestimmt wurden, damit sie sich gegenseitig Fertigkeiten beibrachten und sich in einer eigenen Frauengeheimschrift, Nu Shu, Briefe schicken konnten, in denen sie ihre Herzen ausschütten konnten, ohne von Männern verstanden zu werden.
Es würde zu weit führen, mehr zu erwähnen. Es ist auf jeden Fall lesenswert und interessant, über diese für uns Mitteleuropäer so unbekannte Kultur zu erfahren.
Entzückende Liebesgeschichte
Der Hirtenjunge. von Camilleri Andrea
Ein Junge aus einer armen Fischerfamilie in einem sizilianischen Dorf nimmt einen Job als Ziegenhirte in den Bergen an.
Er fühlt sich fremd. Ihm geht das Meer ab mit seiner salzigen Luft. Er muss seine Essgewohnheiten umstellen. Der Geruch der Ziegen , der Wassermangel, die Einsamkeit. Alles Dinge, an die er sich langsam gewöhnen muss.
Eine der Melkerinnen raubt ihm seine Jungfräulichkeit. Als sie gegen eine ältere Frau ausgetauscht wird, gehen ihm ihre Zärtlichkeiten ab.
Eine der Ziegen überrascht ihn durch ihre Zutraulichkeit. In Ermangelung menschlicher Ansprache wählt er sie als Gefährtin, beschützt sie vor paarungswilligen Böcken, kuschelt sich in der Nacht neben sie und hält es für eine Aufforderung, als sie sich ihm mit dem Hinterteil präsentiert. Er verliebt sich in sie und behandelt sie wie eine Gefährtin.
Camilleri erklärt und beschreibt das Verhältnis des Jungen so feinfühlig und verständnisvoll, dass der Leser nicht unangenehm berührt ist, im Gegenteil, er fühlt mit und ist gerührt.
Der junge Hirte bewährt sich, ist ehrlich und fleissig.
Als der Junge genug Geld verdient hat, damit sein Vater ein eigenes Fischerboot kaufen kann, kehrt er zurück an die Küste, genießt das Meer, den Fischfang und seine Familie.
Als er auf Wunsch seines Padrone befördert wird und zurück auf die Alm kommt, kann er gerade noch verhindern, dass seine Ziege, die inzwischen zu einem Skelett abgemagert ist, geschlachtet wird. Er päppelt sie wieder auf.
Die Tochter seines reichen Arbeitgebers kommt mit ihrer Zofe, um an einem nahe liegenden See Erholung zu finden. Es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen ihr und dem Jungen, nicht zuletzt durch die beiderseitige Zuneigung zu der kleinen Ziege.
Bei einem Bootsunglück ertrinkt das Zicklein, der Junge rettet das Mädchen.
Wieder zurück im Dorf erkrankt das junge Mädchen und die Hoffnung auf eine Genesung schwindet. Ihr Vater lässt den Jungen holen. Ihm gelingt es, ihren Lebenswillen wieder zu wecken. Da das Mädchen wegen eines Geburtsfehlers hinkt, hat sich ihr Vater damit abgefunden, dass ihre Heiratschancen gering sind. So ist er glücklich, dass sie den hübschen, tüchtigen Jungen liebt und gibt sie ihm zur Frau.
In der Beschreibung der Hochzeitsnacht erlebt der Leser eine große Überraschung und versteht, was die beiden jungen Eheleute verbindet.
Dieses Buch bestätigt das ungeheure Schreibtalent Camilleris, seine Feinfühligkeit mit dem Umgang von heiklen Themen. Bei ihm wirkt alles selbstverständlich und richtig.und gehört unbedingt in eine Bibliothek, in der schon einige Camilleris stehen.
Wunderbares Debut einer begabten Autorin
Mr. Chartwell. von Hunt Rebecca
Esther Hammerhans, eine junge Bibliotheksangestellte im Westminster Palace, sucht im Juli 1964 einen Untermieter für ein freies Zimmer in ihrem Reihenhaus in Battersea in London.
Als einziger Interessent meldet sich ein großer, schwarzer Hund namens Mr. Chartwell, alias Black Pat. Er ist ihr nicht geheuer.
Sie ist unsicher, wie sie sich ihm gegenüber verhalten soll. Das mächtige Tier ist rüpelhaft und unberechenbar.
Esther sieht dem 2. Todestag ihres Mannes, Michael, entgegen und versinkt in eine düstere Stimmung.
Zugleich bereitet sich der neunundachzigjährige Winston Churchill auf sein Ausscheiden aus dem Parlament vor. Auch er erhält Besuche von Mr. Chartwell. Nicht zufällig ist das der gleiche Name wie Churchills Landhaus in Kent, in dem Esther seine Abschiedsrede tippen soll.
Churchill bemerkt die depressive Stimmung der jungen Frau, nicht zuletzt weil er selbst seit Jahren unter Depressionen leidet. Er will ihr helfen und versucht, sie zu unterstützen, sich vor dem schwarzen Hund zu retten.
Die Beschreibung des zotteligen, sabbernden, gewaltigen Tieres symbolisiert seine monströse Macht.
Mitunter verschwindet der Hund, um immer wieder zu kehren und Esther und Winston Churchill zu peinigen.
Wir erfahren in diesem Roman über die vielen Tiefschläge des englischen Premiers, seinen Kampf mit seinen Depressionen und andrerseits der Lebenskrise von Esther Hammerhans, die sich nach dem Selbstmord ihres Mannes Vorwürfe macht, ihn nicht genügend unterstützt zu haben.
Ihr neuer Kollege und Verehrer Corkbowl und ihre Freunde Beth und Oliver geben ihr die Kraft, sich gegen Mr. Chartwell zu wehren.
Dieser Debütroman der jungen Autorin überrascht durch seine reife Ausdrucksweise, die charmante Ironie und phantasiebetonte Aussage, die Behandlung eines ernsten Themas.
Das Buch behält vom Anfang bis zum Ende seine Spannung und überrascht immer wieder durch seine originellen und ungewöhnlichen Metaphern, die sich auf das Thema Depressionen beziehen.
Ich musste es immer wieder weglegen und über das Gelesene nachdenken.
Ein wirklich beeindruckender, lesenswerter Roman. Ich bin schon auf das nächste Werk dieser interessanten Autorin gespannt.
Tiefgründige Ironie
Die Sekte der Engel von Camilleri Andrea
Andrea Camilleri erzählt in bekannt eloquenter Manier von einer wahren Begebenheit, die er jedoch romanhaft verfremdet. Mit feiner Klinge und ironisch beschreibt er die Vorfälle in einem sizilianischen Städtchen, die Einwohner und deren Beziehungen zueinander.
Ihm gelingt es, das heikle Thema "Missbrauch durch Kleriker" humorvoll und kritisch darzustellen.
Der Lesegenuss überdeckt jedoch nicht das brisante Sujet.
In diesem Roman geht es um eine skrupellose Priesterclique, die fromme, zum Teil unschuldige und naive Frauen dazu bringt, sich deren sexuellen Phantasien zu unterwerfen.
Als einige Frauen und Mädchen zugleich schwanger werden, breitet sich in der Gemeinde Unbehagen aus und die Einwohner versuchen, dem Übeltäter auf die Spur zu kommen.
Gerüchte und Getratsche liefern eine herrliche Situationskomik und lassen zeitweise den traurigen Ursprung der Geschichte vergessen.
Hauptthema ist aber der Umgang mit der Wahrheit, deren Enthüllung für die Opfer meist ein hoher Preis ist, nach dem Motto "Cui bono".
Die einzelnen Charaktere sind witzig und prägnant beschrieben, komödiantisch überzeichnet, sympathisch, naiv, klug, scheinheilig, gerissen, ängstlich und mitleiderregend.
Spannend ist der Wechsel von Humor zu Empörung, Amüsement zu Ekel. Ein Wechselbad der Gefühle, das den Leser bei der Stange hält und ihm die Möglichkeit frei lässt, ob er sich unterhalten oder belehren lässt oder beides.
Camilleri schafft es, mit seinem leichtfüßigen Stil das Thema des Missbrauchs in der Kirche nicht klischeehaft wirken zu lassen. Das Buch ist absolut empfehlenswert.
Mittelalterkrimi
Madonna. von Lange Kathrin
Nach "Cherubim" und "Seraphim" erzählt der letzte Band der Mittelaltertrilogie von Kathrin Lange die Geschichte von Katharina Jacob weiter.
Deutschland anno 1493: Nur äußerst knapp ist Katharina Jacob einst dem Tod entkommen. Vor zwei Jahren haben die Engelmorde ganz Nürnberg erschüttert und Katharina musste befürchten, auf dem Scheiterhaufen als Hexe verbrannt zu werden.
Inzwischen ist die Witwe und Heilerin von jeglicher Schuld freigesprochen worden und hat ihren Platz im Leben gefunden. Sie kümmert sich um die Armen und Kranken der Stadt und setzt alles daran, um endlich ihr großes Glück zu finden. Doch dann geraten Ereignisse ins Rollen, die einfach alles verändern. Kurz nacheinander werden mehrere Menschen mit aufgeschnittener Kehle gefunden und alles deutet darauf hin, dass Katharina etwas mit den Morden zu tun hat.
Plötzlich muss Katharina um ihre Zukunft fürchten, denn sie ist von Feinden umgeben. Und diese schrecken vor nichts zurück - noch nicht einmal vor Mord oder dem Teufel. Als kurz danach der Dominikaner Heinrich Kramer in Nürnberg auftaucht, ziehen dunkle Gewitterwolken über die Stadt. Der Mönch will Hexen brennen sehen und setzt alles daran, auch Katharinas Leben ein grausames Ende zu bereiten. Aber zu ihrem Glück steht ihr mit dem Patrizier Richard Sterner ein Mann zur Seite, der vor nichts und niemandem Angst hat. Er ist ihre große Liebe und der Mann, mit dem sie eines Tages viele Kinder haben möchte. Doch Richard hat ganz andere Probleme: Eines Tages wacht er blutverschmiert neben einer der Leichen auf und gerät so selbst unter Verdacht.
Nun kann Katharina einzig noch auf die Hilfe von Donatus und dem Nachtraben Arnulf zählen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder und begeben sich bei den Recherchen in große Gefahr. Intrigen und dunkle Machenschaften verlangen ihnen alles ab und führen Katharina geradewegs in die eigene Vergangenheit. Dort findet sich die Lösung zu diesem Rätsel - und endlich die Erlösung, auf die sie schon so lange gewartet hat.
"Madonna" bietet dämonische Spannung und ein Lesevergnügen von der ersten bis zur letzen Seite. Kathrin Langes Milieubeschreibungen machen es dem Leser leicht, sich ins Nürnberg des Mittelalters zu versetzen und das Schicksal der handelnden Personen hautnah mitzuerleben.










