Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Peter Burk:
Schicksalsberg im Winter
Nanga im Winter von Moro Simone
Kaum einen anderen Namen verbindet man mehr mit Winterbegehungen in den höchsten Regionen dieser Welt. Die Rede ist von Simone Moro, dem italienischen Ausnahmebergsteiger aus Bergamo. In seinem siebten Buch dreht sich alles um Simones Versuche, seinen Schicksalsberg, den 8125 m hohen Nanga Parbat in Pakistan als erster im Winter zu besteigen.
Schon nach den ersten, der 86 (kurzen) Kapiteln wird dem Leser klar: hier berichtet einer, der genau weiß was er will, der seine Unternehmungen bis ins Detail plant und der nicht aufgibt, bevor er am Ziel ist. Auf dem Weg dorthin gibt es zuweilen zwischenmenschliche Reibereien, die Simone auch offen kommentiert. Bei der dritten, letztendlich erfolgreichen Winterbegehung kommt es zu Streitigkeiten mit Daniele Nardi – der verlässt die Expedition und Simone hält an seinem Traum fest.
Wetterguru Karl Gabl gibt Ende Februar 2016 grünes Licht aus Innsbruck und so ist es am 26. Februar so weit: am Nachmittag stehen Simone und seine Weggefährten auf dem Gipfel; nur Tamara Lugner entscheidet sich kurz vorher umzukehren, um nicht für immer am Berg zu bleiben. Alle erreichen wieder gesund das Basislager und setzen damit einen Meilenstein in der Geschichte des winterlichen Höhenbergsteigens.
Das Buch von Simon Moro ist kurzweilig und liest sich flüssig. Allerdings geht es nicht sonderlich in die Tiefe, wie der Autor selbst zugibt. Bei der Schilderung von persönlichen Erlebnissen und Empfindungen bleibt er an der Oberfläche. Aber vielleicht ist das ja genau sein Erfolgsrezept; die Dinge nicht zu nah an sich herankommen zu lassen und einen kühlen Kopf zu bewahren.
Aufnahme in die Bergbibliothek empfohlen!
Berg 2017 von Deutscher Alpenverein; Österreichischer Alpenverein; Alpenverein Südtirol; Axel Klemmer
Zeitschrift Band 141: im Gegensatz zum doch recht nüchternen Untertitel bestechen die Inhalte des diesjährigen Alpenvereinsjahrbuchs durch Vielfalt aber auch durch eine gehörige Portion Mut zur Kritik. In den sechs, mittlerweile zum jährlichen Standard gewordenen Rubriken (z. B. BergWelten, BergMenschen) kommen bekannte und weniger bekannte Autorinnen und Autoren zu Wort und stellen unserem Umgang mit der Bergwelt mal mehr, mal weniger in Frage.
Der Gebietsschwerpunkt liegt in diesem Jahr im Sellrain, diesem recht übersichtlichen Tal (samt seiner Seitentäler) in der Nähe von Innsbruck, das ein Synonym für den immer beliebter werdenden Skitouren-Tourismus geworden ist. Nicht zuletzt deshalb, weil es zum entscheidenden Zeitpunkt die Weichen in die (vermeintlich) richtige Richtung gestellt hat. Dass jede Medaille eine Kehrseite hat, sieht man an überfüllten Parkplätzen am Gasthaus Praxmar oder am Gasthaus Lüsens an einem sonnigen, schneereichen Frühjahrs-Wochenende. Die dunkle Seite der Wasserkraft, von der heimischen Energiewirtschaft als ökologisch gepriesen, kennen wohl wenig. Überraschend heftig kritisiert Luis Töchterle die Energiepolitik der TIWAG, die in den Tiroler Gewässern ihre Spuren hinterlässt. Die sichtbaren, wie Staumauern- und wehre oder Bäche, die plötzlich im Nichts verschwinden, kennt man. Aber dass fast alle Jungfische jedes Jahr durch den sog. Schwallbetrieb im Inn abgetötet werden, ist hinlänglich wenig bekannt.
Wie immer ist es die Mischung, die auch das diesjährige Jahrbuch Berg 2017 wieder lesenswert macht. Einzig allein die Themen Spitzenalpinismus und Wettkampfdisziplinen wirken, wie bereits in den letzten Ausgaben, etwas aneinandergereiht, aber dürfen natürlich in einem Jahrbuch nicht fehlen.
Persönliche Highlights: das Portrait über die Sellrainer Stadtwäscherinnen, eine in den 1970-er-Jahren ausgestorbene Zunft; der Kugler-Bauer, ein echtes Original aus Matrei am Brenner; oder der Beitrag über echten oder künstlichen Schnee inklusive dem Interview mit dem Ökologen Dr. Christian Newesely - spätestens hier wird klar, dass der Skitourismus auf dem Holzweg ist, wenn er auf Beschneiung samt riesiger Speicherteiche und Schneekanonen setzt.
Als Bonus erhalten zusätzlich noch die Alpenvereins-Mitglieder die AV-Karte Stubaier Alpen/Sellrain.
Vom Leben des Schönwettergurus
Ich habe die Wolken von oben und unten gesehen von Karl Gabl
Vor einigen Wochen hatte ich die Gelegenheit, bei einer Lesung von Professor Dr. Karl "Charly" Gabl zusammen mit Michael Pause im Alpinen Museum dabei zu sein. Der wohl bekannteste alpine Meteorologe ist ein bescheidener Mann, das zeigte sich bereits im unterhaltsamen Gespräch in München und wird durch seine nun vorliegende Autobiographie bestätigt.
Und von 15 Bergsteigergrößen und -protagonisten, allesamt bestens mit Charly befreundet, in kurzen Beiträgen (übersichtlich durch graue Seiten vom übrigen Text abgegrenzt) eindrucksvoll belegt.
Ganz chronologisch geht der Protagonist in seinem 240-seitigen Selbstportrait vor und führt den Leser durch ein Stück Alpingeschichte: Von den 50'er- und 60'er-Jahren mit einfachster Ausrüstung und haarsträubenden Seiltechniken hin zu den wilden 70'ern mit einem Weltrekord auf 7492 Meter Höhe, der höchsten bis dahin in Angriff genommenen Skiabfahrt. 1978 übernimmt er die Leitung der Zentralanstalt für Meteorologie (ZAMG) in Innsbruck und wird deren Entwicklung über 30 Jahre entscheidend prägen. Immer mehr wird er in dieser Zeit zum Berater für Expeditionen in den höchsten Bergregionen der Welt. Selbst heute noch, nach seiner Pensionierung, verlässt kaum ein Extrembergsteiger das letzte Camp vor dem Gipfelversuch, ohne im Vorfeld mit Charly per Satellitentelefon telefoniert zu haben. Aber auch ganz normalen Wanderern steht er mit seinem Wetterinformationen im Radio mit Rat und Tat zur Seite.
Natürlich, wie kann es bei einem aktiven und erfolgreichen Bergsteiger anders sein, spielt auch das Thema Lawinen eine entscheidende Rolle im Leben von Karl Gabl. Sei es durch den tragischen Tod seiner Cousine in einer Lawine in St. Anton oder 12 Jahre später, als sein eigenes Elternhaus von der "Lehna" erwischt wird. Das Buch enthält fundierte Betrachtungen der jeweiligen Auslöser für diese Unglücke und geht großen Katastrophen, wie z. B. der Lawine von Galtür, auf den Grund.
Daneben dürfen zahlreiche Schilderungen über persönliche Erlebnisse, wie die Zeit im Internat, die Wege mit der Familie und die Zeit mit seiner zweiten Frau Stephanie nicht fehlen. Das Buch ist schön bebildert und nahezu alle Aufnahmen stammen vom Autor selbst. Alles in allem eine kurzweilige und entspannende über und von einem sicherlich gutherzigen Menschen.
Der Kantsch ließ sie warten
Ich werde dich nicht warten lassen von Nives Meroi
Drei Anläufe brauchte Nives Meroi, um "ihren" Gipfel, den Kangchendzönga zu erreichen. Was im Wettlauf der Frauen um die höchsten Gipfel der Welt beginnt, wird zum Kampf gegen den drohenden Tod ihres Mannes und zu einem Wendepunkt im Leben der beiden Bergsteiger. In diesem sehr persönlichen Buch erzählt die italienische Spitzenbergsteigerin von ihren drei Versuchen, den dritthöchsten Berg der Welt zu erreichen - immer an ihrer Seite ist ihr Mann Romano, der so schön sagt, dass er zuweilen "an nichts denke und deswegen auch nichts zu sagen habe.
" Romano erkrankt schwer beim ersten Versuch am Kantsch, Nives verzichtet auf den Gipfel, lässt ihn nicht warten und kehrt mit ihm ins Basislager zurück.
Das Buch ist kein Bergsteigerbesuch im herkömmlichen Sinne, sondern eine persönliche Schilderung der Erlebnisse rund um die Expedition der beiden im Himalaya. Kritische Worte an den Medien und an dem modernen Tourismus mit seinen kommerziellen Expeditionen sind keine Mangelware. Aber ist Nives Meroi nicht Teil dieser Maschinerie? Beide sind konsequent im alpinen Stil ohne künstlichen Sauerstoff unterwegs und echte Alleingänger. Trotzdem nutzen auch sie die gegebene Infrastruktur und sind im gewissen Sinne auch Getriebene unserer heutigen Zeit, zugegeben auf sehr sympathische Art und Weise.
Viel erfährt man über Land und Leute Nepals: Nives Meroi gewährt Einblicke in das politische Leben der Himalaya-Republik und bringt dem Leser die Bräuche (z. B. die obligatorische "Puja") und die Menschen näher. Eine Hauptfigur darf nicht fehlen - die Chronistin des Himalayas, Elizabeth Hawley. Mit ihren stolzen 92 Jahren führt nach wie vor kein Weg an ihr vorbei, wenn es darum geht, bergsteigerische Höchstleistungen zu vollbringen. Selbst wenn es drei Mal sein sollte.
Kurzum, ein schönes, ein anderes Buch, das deutet auch schon der Titel an. Ein Buch der stillen Töne, nicht sonderlich spektakulär und auch nicht allzu umfangreich bebildert.
Stubai - einfach schön
Stubai. Die Berge und das Tal von Zak Heinz
Mit "Stubai" macht Heinz Zak an der Stelle weiter, wo er mit seinem hervorragenden Bildband zum Karwendel aufgehört hat. Und setzt dabei das unglaublich schöne, süd-westlich von Innsbruck gelegene Tal in Szene, das manche nur von einem kurzen Seitenblick an der Mautstelle in Schönberg oder als Gletscherskigebiet im Winter kennen.
Doch obwohl hier sogar eine Trambahn von Tirols Landeshauptstadt hergeht, hat das Tal seine Ursprünglichkeit bewahrt und kann mit einer Vielfalt von landschaftlichen Höhepunkten aufwarten.
In gewohnt gekonnter Art setzt Heinz Zak die Natur mit prachtvollen, oft doppelseitigen Bildern, voll in Szene und gibt dem Buch mit zahlreichen Geschichten und Anekdoten seine persönliche Note. Ob Biwaknacht auf Habicht oder Wildem Pfaff, Winterüberschreitung der Kalkkögel oder Highline am Ilmturm, der Mann ist stes für Überraschungen gut. Informative Beschreibungen, wie z.B. des beliebten Stubaier Höhenwegs oder der Seven Summits Stubai ergänzen den Bildband mit einem informativen Part. Und immer bleibt dazwischen Raum für etwas Mystik.
Tolle Aufmachung, schöne Farben und viele ungeahnte Perspektiven - jeder, der das Stubai, liebt, sollte sich dieses Buch anschaffen.
lawine 5.0
lawine. Das Praxis-Handbuch von Rudi Mair; Patrick Nairz
Lawinenkunde ist ein diffiziles und problematisches Thema: Schwierig, weil es neben immer wiederkehrenden Abläufen doch immer auf den Einzelfall und die eine (falsche) Entscheidung ankommt. Heikel, weil jeder Unfall mit viel Leid verbunden ist und immer die Frage gestellt wird, wie das denn passieren konnte.
Bei den Mustern setzt dieses Buch an und war schon bei seinem ersten Erscheinen vor einigen Jahren eine willkommene Abwechslung und Ergänzung in der klassischen Lawinenliteratur (ohne diese in Frage zu stellen). Hier wird die Theorie gekonnt mithilfe der Praxis erläutert und anhand zehn immer wiederkehrender Schnee- und Wetterverhältnissen bzw. jahreszeitlichen Problematiken bildlich dargestellt.
Nun liegt die fünfte, vollständig überarbeitete Auflage vor. Der einzige Wermutstropfen ist die Tatsache, dass es den Autoren Rudi Mair und Patrick Nairz wieder gelungen ist, zahlreiche neue Lawinenunfälle der letzten zwei bis drei Jahre in das Handbuch zu integrieren ? ein trauriger Beweis dafür, dass man trotz guter Vorbereitung und umsichtigen Handels immer wieder auch selbst in solche Situationen gelangen kann, wenn man im freien Gelände unterwegs ist.
Das Handbuch ist durchwegs verständlich zu lesen, die zehn Muster einprägsam und logisch, die Aufmachung ansprechend (mit vielen Skizzen und Beispielen) und modern. Es ist für den Einsteiger, den erfahrenen Skibergsteiger und auch den Profi gleichsam geeignet. Die beiden Autoren haben eine ganz eigene Herangehensweise an das Thema gewählt und das ist ihnen offensichtlich gelungen: zahlreiche Lawinenwarndienste haben sich den Gefahrenmustern angeschlossen und ihren Lagebericht entsprechend umgestaltet. Und so erkennt man an auch den besonderen Praxiswert dieses Buches: am besten am Abend vor einer Tour den Lagebericht bzw. die Tendenz für den nächsten Tag prüfen und das einschlägige Gefahrenmuster einprägen - und dann danach handeln!
Tirol in 12 besonderen Momenten
Tirol 2016 von Rudi Mair; Patrick Nairz
Wer kennt es nicht, das Gefühl, dass die Zeit und die Tage nur so dahinschwinden. Das Gefühl der Vergänglichkeit haben Kalender von Natur aus inne - kaum ist das Jahr vorbei hat man keine Verwendung mehr für sie. Anders bei diesem Kalender mit Bildern vom Fotografen Thomas Defner aus Igls. In 12 schönen Bildern hat er die landschaftlichen Reize Tirols über die Jahreszeiten festgehalten, vom Gailtal bis ins Karwendel, über die Kalkkögel in die Ötztaler.
Ein schöner Begleiter durch 2016, der in keiner Tiroler Hütte fehlen sollte. Besonders gefällt mir das Juni-Bild vom Schmirntal, mit dem Weiler Kasern. Ein Kleinod in Mitten unberührter Landschaft, und das nur wenige Kilometer Luftlinie vom Brenner entfernt.
... immer in Frieden nach Hause gekommen ...
"Es wird schon gut gehen" von Wolfgang Nairz; Horst Christoph
Wie eine Zeitreise muten so manche Briefe von Wolfgang Nairz an seine Frau Edith an. Dabei ist es gerade einmal 36 Jahre her, dass er und mit ihm die bis dahin erfolgreichste Everest-Expedition in mehreren Teams den höchsten Berg dieser Erde erklomm. Postläufer holten die Briefe aus dem Basislager, Reporter waren noch direkt vor Ort und taten Kunde an ihre Zeitungen, man verknipste Filme.
Die moderne Technik hat solche Dinge obsolet gemacht und doch ist vieles am Everest noch wie früher. Wenn man das als einer, der noch nie dort war, so sagen darf. Die Gefahren des Khumbu-Eisbruchs, dem Ostern 2014 sechszehn Sherpas zum Opfer fielen. Das Nadelöhr am Hilary-Step, das trotz Fixseilen immer noch ein großes Hindernis darstellt. Oder die unberechenbaren Gefahren von Wetter und purer Höhe.
Der Journalist Dr. Horst Christoph hat zahlreiche Interviews mit dem "Wolfi" geführt - dabei ist dieses schöne Buch über dessen Lebenswerk als Bergsteiger, Expeditionsleiter und Ballonfahrer herausgekommen. Von den jugendlichen Anfängen mit Hermann Buhl im väterlichen Wohnzimmer, der berühmten Expedition von 1978 am Everest (Messner und Habeler erreichten damals als erste Menschen den Gipfel ohne künstlichen Sauerstoff), bis hin zu der von ihm gegründeten NepalHilfe Tirol.
Es ist alles gut gegangen beim Wolfi und man kann ihm nur wünschen, dass alles so bleibt. Das Buch bringt dem Leser den Menschen Wolfgang Nairz näher und es spricht für ihn, wenn er sagt, dass all seine Expeditionsteilnehmer Freunde geblieben sind, auch nach den gemeinsamen Unternehmungen. Die 272 Seiten des üppig bebilderten Bandes kommen in schöner Aufmachung daher und durch wechselnde Erzählarten, Interview-Ausschnitte, Briefe und kurze Gastbeiträge ist für reichlich Abwechslung gesorgt.
Highlight für mich sind allerdings die 12 Seiten von Rudolf Alexander Mayr über "die blauen Bomber". Wolfi und Rudi als Versuchskaninchen der Pharmaindustrie, bei dem Versuch, den Zapfen Dhaulagiri mit links niederzureißen. Absolut lesenswert!
Das Paradies hinter der Porta Claudia
Karwendel von Heinz Zak
Kurz hinter dem Sylvensteinsee beginnt für mich Münchner das Paradies, genauer gesagt bei Vorderriss, wo die Straße in das Rißbachtal abzweigt und sich nach und nach, rechts und links die Täler und Berge auftun. Der Innsbrucker hingegen tut sich noch leichter, er braucht nur aus der Haustüre raus und auf seine Nordkette aufsteigen, schon ist er in einer anderen Welt.
Das Karwendel bleibt für mich einzigartig - möglicherweise liegt es daran, dass ich kein anderes Gebirge kenne, wo die Gegensätze von Zivilisation und Abgeschiedenheit so stark aufeinanderprallen. Man denke nur an den großen Ahornboden an einem schönen Herbsttag und an die verlassenen Engalmen im tiefsten Winter. Aber vielleicht ist das nur eine sehr persönliche Meinung.
Persönlich geht es auch im Bildband von Heinz Zak zu und ich finde, dass gerade durch diese eigene Note dem Autor, Fotografen, Kletterer und Slackliner aus Scharnitz ein ganz großartiges Werk gelungen ist. Selten habe ich Aufnahmen von diesem Gebirgszug in einer solchen Brillanz gesehen, geschweige denn selbst machen können. Man kann nur erahnen, welche Strapazen er sich ausgesetzt haben muss, solche Eindrücke einzufangen - wobei, wenn ich mir den Heinz Zak in Gedanken so vorstelle, dann war letztendlich keiner seiner Unternehmungen eine Qual für ihn, sondern wahrscheinlich pures Vergnügen. Wer sonst würde mit einem Loch im Kopf gleich den nächsten Tag wieder ins Gelände ziehen.
Aufmachung, Qualität, Grafik, Druck, alles top - auch erwähnenswert sind die kurzen Beschreibungen der wichtigsten Gipfelziele und die Berichte über die Überschreitungen der vier Karwendel-Hauptkämme. Wer wissenswerte Fakten über Fauna und Flora des Gebiets sucht, wird selbstredend fündig. Da muss schon mal das Wasser der jungen Isar als Adler herhalten, einfach fantastisch. Klar, auch Trendsportarten wie Slacklinen, Down-Hill fahren oder Kajaken kommen mit Wort und Bild zum Zuge.
Ich kann jedem Liebhaber des Karwendels dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen.
Bibel des Freeskiings
Powderguide Free Ski von Jimmy Odén
Wenn ich an meine ersten Ausflüge im ungesicherten Skigelände zurückdenke, dann kommt mir immer noch das Schaudern. Ein Risikomanagement gab es bei uns nicht, wir fuhren einfach drauflos, weil wir schon eine Spur sahen, die fast unberührten Hänge waren viel zu verlockend. Von Sicherheitsausrüstung damals keine Spur - im nächsten, schneearmen Winter sahen wir dann, über welche Gletscherspalten wir hinweggefahren waren.
Sicher, ein bisschen Glück gehört im Leben auch dazu.
Heutzutage kommt man an einem gewissen Mindestmaß an Sicherheit nicht mehr vorbei, das Dreigestirn des Skialpinismus (egal ob Tourengeher oder Freerider) - LVS-Sonde, Schaufel und Piepser - wird gebetsmühlenartig von der Industrie und den Medien gepredigt, doch allein das Pflichtprogramm reicht nicht aus. Wer eher zur Kür neigt, dem sei die nun in deutscher Sprache erschienene Bibel des Freeskiings von Jimmy Odén wärmstens ans Herz gelegt. Ich kenne das englische Original (das vor ca. 10 Jahren erschienen ist) nicht, aber mit diesem Buch haben der Autor und die Herausgeber Tobias Kurzeder und Knut Pohl alles richtig gemacht. Tolles, zeitgemäßes Layout (die wichtigsten Punkte werden in gelber Schraffur herausgestellt), gute Grafiken, geniale Bilder aus aller Welt. Kein Thema fehlt in den insgesamt 12 Kapiteln - ob Wetter-, Lawinen- oder Seilkunde, Tipps zur Ausrüstung oder zur Ersten Hilfe, alles kann man sehr detailliert nachlesen und selbst ein Laie kann schwierige Sachzusammenhänge gut nachvollziehen. Inhaltlich ist das alles auf der Höhe der Zeit, sozusagen auf Stand von Wissenschaft und Technik. Für die Adaptation an hiesige Verhältnisse im Alpenraum haben die beiden Herausgeber gesorgt. Etwas ungewöhnlich sind die einigen Seiten mit Werbung, die über die 416 Seiten verteilt sind, aber nicht wirklich störend.
Kurzum: das Buch sollte in einer gut sortierten alpinen Bibliothek nicht fehlen - ich kenne keine vergleichbare Zusammenstellung. Und sicherlich hilft einem auch der ein oder andere Ratschlag, zukünftig eine bessere oder sogar die richtige Entscheidung in brenzligen Situationen "da draußen" zu treffen - leider kommen diese öfters als man denkt.











