Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde, Irmgard Gstettner:
Analyse einer Familie
Der Kolibri von Sandro Veronesi
Beim zweiten Anlauf hatte ich das Buch zur Kur mitgenommen und ungestörte Lesestunden ließen mich dann immer tiefer in die Geschichte der Familie und des Protagonisten eintauchen. Sehr konzentrierte Handlungsteile, immer wieder unterbrochen von Rückblicken, die erst später Vorfälle in der Vergangenheit und deren Auswirkungen auf die Handlung erklären, verlangen Aufmerksamkeit.
Mit großer Anteilnahme habe ich die analytisch konzentrierten Darstellungen der Familiensituationen verfolgt und die seitenweise insistierenden Beschreibungen , z.B. die Angst, wenn man von einem Anruf in der Nacht aufschreckt und alle möglichen Unglücke Revue passieren lässt, haben mich an ähnliche Situationen erinnert. Das war mir dann auch etwas zu viel.
Alles in allem ein sehr lesenswerter Roman, dicht, intelligent und originell. Nur einige Figuren sind etwas zu schön, perfekt und zukunftsträchtig gestaltet, vielleicht als Gegengewicht zu all dem Unglück, das diese Familie verfolgte.
Die Unfähigkeit zu Lieben
Rose Royal von Nicolas Mathieu
Wer sich gerne in Beziehungstragödien vertieft, an männlichem Versagen und weiblicher Antwort darauf interessiert ist, dem ist diese gut geschriebene Story zu empfehlen.
Fehlender Respekt, Grobheit, Sprachlosigkeit Einsamkeit und mangelnder Trost des luxuriösen Umfelds sind meisterhaft beschrieben und treiben die Handlung voran.
Da kann man sich nur die Kugel geben oder geben lassen!
Letztendlich doch noch für die Ewigkeit
Für die Ewigkeit von Helmut Krausser
Letztendlich doch für die Ewigkeit
Die Geschichte der Flucht eines jungen Paares, das vom Vater verfolgt wird, da er die Liaison seiner jungen Tochter mit ihrem Klavierlehrer nicht duldet, ist nicht ungewöhnlich.
Aber wir Helmut Krausser sie erzählt, hat mich bis ans Ende des Buches gefesselt.
Mit den handelnden Personen durchlebt die Leserin viele Facetten von Eroberungslust, Verliebtheit, Liebe, Enttäuschung, Begierde und Lust.
Die junge Francisca und ihren Pianisten erwartet eine Reise voller Komplikationen, denen die junge Frau sich mit Schläue und unerwarteter Durchsetzungskraft stellt, während sich ihr Geliebter, Jorge, mit seiner Kunst und undurchsichtigen Vergangenheit als weniger kraftvoll und erfolgreich herausstellt.
Mit ironischer Distanziertheit und Sinn für Komik, aber nicht ohne Einfühlungsvermögen für die tragischen Ereignisse, beschreibt Helmut Krausser die Entwicklung der Beziehung der beiden, während sich der perfide Verfolger auf ihrer Spur befindet und der Versuch, ihn abzuschütteln bzw. ihn zufrieden zu stellen, dramatisch endet.
Ihre Schönheit und die dadurch geweckte Begierde erweisen sich sowohl als Vorteil für Francisca als auch als Verhängnis.
Am Ende bleiben ein nicht ganz geklärtes Verbrechen und ein nicht erwarteter Prozessverlauf spannend und etwas rätselhaft.
Keine Spur von Idylle
Vom Land von Dominik Barta
Wie stellt man sich gerne das Leben am Land vor?
Alles das, was man an Nähe, Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und Naturverbundenheit in der Stadt vermisst, findet dort statt.
Doch Dominik Barta rückt dieses Wunschbild zurecht.
Harte Arbeit, Sprach- und Ausweglosigkeit bestimmen den Alltag, zugezogene Städter und im Dorfgasthof untergebrachte Migranten stehen der tradierten Dorfkultur fremd gegenüber.
Ewiggestrige sehen sich im Aufwind und würden am liebsten alle Muslime und ihre kirchlichen Betreuer davon jagen.
Da bliebe von der Idylle rein gar nichts übrig, gäbe es nicht den 12 jährigen Daniel und seinen Opa, die sich mit dem jungen Muslim Toti anfreunden und ihm eine sinnvolle Tätigkeit durch die Mithilfe am Hof anbieten.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer.





