Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Erika Liebminger:
Erzählt auf unnachahmliche Weise!
Der Löwensucher von Bonert Kenneth
In einer Zeit, in der Juden auf der ganzen Welt verfolgt werden, beginnt die beeindruckende Geschichte von Isaac Helger, einem fünfjährigen rothaarigen Jungen, der mit seiner Mutter und seiner Schwester von Island nach Südafrika emigriert. Eine armselige Hütte in einem jüdischen Ghetto in Johannesburg, in der sein Vater eine Uhrmacherwerkstatt betreibt, wird sein neues zu Hause, die Straße sein Spielplatz, seine Spielkameraden sind Eingeborene.
Kenneth Bonert erzählt auf unnachahmliche Weise das Aufwachsen des jungen Mannes in einer chaotischen Welt. Einer Welt, die zum teil grausam und beklemmend ist, voll Unglück und Verrat, geplagt von angstvollen Träumen und einer verzweifelten Liebe. Was für eine Sprache, man wird einfach hineingezogen in die Geschichte mit faszinierenden Charakteren und der wundervollen südafrikanischen Landschaft.
Absolutes Sprachgefuehl!
Der Löwensucher von Bonert Kenneth
Mit unglaublicher Kompetenz und Besonnenheit schildert Stephanie Bart das Finale um die deutsche Meisterschaft im Boxen im Ju i 1933 und die Tragik um den aussergewöhnlichen Boxer Rukeli Trollmann, einem Sinto. Da natürlich nur einem Arier der Titel zustand sorgte die faschistische Führungselite dafür, dass die Regeln nach ihrem Gutdünken ausgelegt wurden.
Für Trollmann war es ein Kampf wie Don Quichotte gegen die Windmühlen. Mit absolutem Sprachgefühl findet Bart den Tonfall dieser Zeit und setzt mit diesem akribisch recherchierten Buch und vor allem der minutiösen Beschreibung des Kampfes , diesem einzigartigen Boxer ein literarisches Denkmal.
Ein beklemmendes, tief verstörendes Buch
Gebete für die Vermissten von Jennifer Clement
Zehn Jahre hat Jennifer Clement für dieses beeindruckende Buch in Mexiko recherchiert. Es handelt von einem Dorf in den mexikanischen Bergen, in dem es keine Männer gibt, sie sind irgendwann auf Arbeitsuche in Amerika verschwunden. Ein paar Frauen und drei etwa vierzehnjährige Mädchen leben in dem heissen Ort, wo es nur Gummibäume Schlangen Skorpione und ameisen gibt und viele Erdlöcher, in die sich die Mädchen verkriechen sobald sich ein Auto nähert, denn die Drogenmafia ist immer auf der Suche nach neuen Schönheiten.
Kein Wunder dass Frauen behaupten einen Sohn geboren zu haben und ihre Töchter sobald sie zehn Jahre alt sind so schminken, dass sie häss.ich aussehen. Paula, die schönste der drei, ist eines Tages verschwunden, Maria mit der Hasenscharte braucht sich kei e Sorgen zu machen und Ladydi, die die Geschichte so locker und berührend erzählt, landet unschuldig im Gefängnis.
Ein beklemmendes, tief verstörendes Buch von einem Leben inmitten von Armut, Gesetzlosigkeit, Grausamkeit und Gewalt und lässt doch in allem die unbändige Hoffnung nach überleben spüren.
Sankaran zeigt uns ein hartes, unsentimentales Indien!
Die Farben der Hoffnung von Sankaran Lavanya
Lavanya Sankaran verknüpft das Schicksal zweier Familien, deren Herkunft und soziale Stellung völlig unterschiedlich verlaufen, mit den politischen und sozialen Problemen des Landes.. Sie zeigt uns ein hartes , unsentimetales Indien, ein Land der Gegensätze. Seine grossartige Natur, seine Spiritualität, aber auch seine Realität, in der beide Familien auf ihre Weise versuchen sich dem Kampf gegen Korruption, Begünstigung und Selbstgefälligkeit zu stellen.
Umwerfend erzaehlt!
Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm von Sankaran Lavanya
Annas Erinnerungen sind der Lebensrückblick einer alten Frau, die bereits in jungen Jahren an massiven Gedächtnislücken litt. Ein Rückblick, der nur in ihrer Fantasie stattfindet. So liebt sie Spaziergänge mit Gott, besucht ihre sechs Kinder, die sie an unmöglichen Orten gefunden hat. Das Erste quoll beim Kneten aus einem Hefeteig hervor, zwei krabbelten ihr auf dem Flur entgegen, das Vierte fand sie in der Schokoladenschublade , eines war irgendwann auf der Couch und das Letzte entdeckte sie in einem leeren Blumentopf.
Sie möchte Augenblicke in einer Plastikdose einfrieren, damit man im Winter davon zehren könnte und sie erfindet Wortlisten gegen das Vergessen.
Was für eine unglaublich berührende Geschichte über die Kraft der Wörter und der Fantasie, umwerfend erzählt von Selja Ahava.
Ein berührender Roman!
funny girl von McCarten Anthony
Azime, eine junge Kurdin,hat eine streng traditionelle Familie und arbeitet im Möbelgeschäft ihres Vaters. Sie ist besessen von dem Wunsch ein Comedian zu werden und eine Burka zu tragen, ein Weg voll Angst und Schwierigkeiten. Anthony McCartens Funny Girl ist ein komischer und zugleich berührender Roman über eine junge Frau, die sich mit Mut und Provokation durchsetzt.
Eine Sammlung von Geschichten, die unglaubliche Einblicke in die menschliche Natur geben.
Wahn. von Kessler Christof
Der Neurologe Christof Kessler erzählt in beeindruckender Weise von interessanten und kuriosen Fällen aus seiner Praxis: von durch die Luft schwirrenden Gnomen, Vogelwesen und schwarzen Hunden als Helfer eines Mannes gegen die Mafia, von einem Partnertausch, der zur Katastrphe führt, von einer Frau, die sich nicht an die Gesichter ihrer Partner erinnern kann, von einem Kunstmaler, der plötzlich nicht mehr malen kann, von einem Mann, der zum Grapscher wird, von einem Freund, der durch die Behandlung eines Schlaganfalles von seiner Nikotinsucht geheilt wird und von einem älteren Herrn, der auf der Fahrt zu seiner Hochzeit sein Gedächtnis verliert.
Eine Sammlung von Geschichten, die unglaubliche Einblicke in die menschliche Natur geben.
KNOI. von Schalko David
Eine bizarre Geschichte über Schuld, Sex und Tod, eine Satire mit Kunstfiguren und Fantasienamen. Jakob,der Rita liebt, ist ein KNOI, lebt aber mit Jennifer, die eine ZONZ ist. Rita, eine FALA, gehört zum Zahnarzt Lutz, einem WAKS. Unsinn in skurrilen Abenteuern, bei dem die eigenen Figuren ständig diskreditiert werden.
Auf der wahnwitzigen Suche nach dem Glück verlieren sie sich in Nähe und Distanz,Zuneigung und Hass, und sind natürlich zum Scheitern verurteilt.
Eine mit viel Witz erzählte, unterhaltsame Geschichte.
Der Mann, der seine Frau vergaß von Schalko David
Mit erstaunlichem Geschick erzählt der Literatur- und Theaterwissenschaftler John O'Farrell vom Lehrer Jack Vaughan. Jack hat seine Familie verlassen und lebt in Scheidung, als er während einer Fahrt mit der Londoner U-Bahn aus heiterem Himmel sein Gedaechtnis verliert. Er liegt namenlos im Krankenhaus, doch die vage Erinnerung an die Fragmente einer Telefonnummer führen ihn zu seinem Freund Gary.
Bei seinen Bemühungen, in sein Leben zurückzufinden, verliebt er sich in seine eigene Frau und gewinnt sie zurück. Eine mit viel Witz erzählte, unterhaltsame Geschichte.
Die zum Teil abgehobene Sprache ist (...) gewöhnungsbedürftig.
Der Staubleser von Josef Brainin
Die wunderbare Welt des Antiquitätenhändlers Alfred wird auf ungewöhnliche Weise erzählt. Zwischen Barock, Biedermeier und Jugendstil sinniert er über seine jahrelang trainierte Kunst des Staubspurenlesens. Er weiss, dass wertvolle Möbel, Bilder oder Gegenstände ihre eigene Aura haben und Stimmen, die nur er versteht.
Seine heile Welt beginnt zu schwanken, als er sich auf eine Affäre mit Mutter und Tochter aus gehobenen Kreisen einlässt, und gerät vollends aus den Angeln, als er für die reiche Amerikanerin Betty ein Bild, das ihrer Familie während des Krieges von den Nazis geraubt wurde, wiederbeschaffen soll. Das gelingt ihm auch, doch findet er sich in einem Wirbel von Diebstahl, Bedrohung und Antisemitismus wieder, aus dem ihm die grosszügige Amerikanerin hilft, indem sie Teilhaberin seines neuen Geschäftes wird. Die zum Teil abgehobene Sprache ist allerdings gewöhnungsbedurftig.










