Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Ewa Wiercinska:
Genial, fantastisches Buch
Marschlande von Jarka Kubsova
Jarka Kubsova hat mit ihrer Geschichte mich kürzlich wieder an die sieben Todsünden, Hochmut, Wollust, Völlerei, Neid, Zorn, Trägheit erinnert. Sie enthüllt das faszinierende System der sieben Hochgefühle . Vom Scheiterhaufen bis zum Shitstorm (realer Scheiterhaufen), auf der Jagd nach den Sündenböcken.
Dieses Buch verändert meine Wahrnehmung und meine Perspektive. Aber es berührt auch – ganz ohne Kitsch – mein Herz.
„Big Brother is watching you“
Going Zero von Anthony Mccarten
Hochspannender Triller von Anthony McCarten. Wem von 10 Personen gelingt es , 30 Tage unauffindbar zu bleiben? Wer hat die Chance gegen die modernen, totalitären Überwachungsmaßnahmen von heute, und warum? Wird die künstliche Intelligenz den Menschen ersetzen können? Oder kann ihn unterstützen und helfen? Was muss der Mensch machen, dass künstliche Intelligenz seine Entfaltung erweitert und sie nicht vermindert?
Orwells bedrückende Zukunftsvision „1984“scheint Wirklichkeit geworden.
Die Freiheit des Individuums ist abgeschafft. Dagegen hilft nur kritisches Denken. Von Menschen für eine menschliche Welt.
Aussergewöhliches Buch, erzählt aus mehrperspektivischer Betrachtung
Männer sterben bei uns nicht von Annika Reich
Die Geschichte über Grossmütter, Schwestern, Töchter und Mütter. Über das Leben nach eigenen unkonventionellen Regeln, wo das Schweigen und Verschweigen zum Mittel der Kontrolle über andere ausgeübt wird. „ Die Vergangenheitsbewältigung ist für die Schwachen, beschäftigte man sich damit machte man sich zum Opfer.
Für eigene Schwäche ist man selbst verantwortlich und aufkommende Gefühle werden weg gesegelt. Sie machten einsam“.
Annika Reich spielt mit dem Sinn und der Wirkung von dem Gesagten und Ungesagten, und lässt Spannung zwischen dem Geäusserten und Verschwiegenen entstehen.
Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht unserer Protagonisten Luise. Es gibt zwei Erzählfaden, die sich abwechseln: einerseits die Vergangenheit, vorwiegend Luises Kindheit, und andererseits die Gegenwart mit den Ereignissen rund um den Tod der Großmutter. Sie ist heute kein Kind mehr und nicht abhängig wie früher. Sie bricht die Kette des Schweigens und sucht die Erklärung.
Die Sprache ist sehr atmosphärisch und bildstark.
Aussergewöhliches Buch, weil in dem nicht alles gesagt wird, was gemeint wird, und wir verstehen immer mehr oder anders als gesagt wird.
Bewegendes Buch
Wovon wir leben von Birgit Birnbacher
über den täglichen Sieg über die Mittelmäßigkeit mit Disziplin, Mut, Überzeugung und Vision. Über freundliche Arroganz, die uns jetzt in der Gegenwart begleitet und nicht erlaubt ein Mensch unter Menschen zu sein.
Wovon kann ich leben und wovon nicht ? Was brauche ich? Was oder wer bestimmt mein tun? Die Frage nach Abhängigkeiten im Leben unserer Protagonistin Julia ist ebenfalls zentral.
Es ist unfassbar wie poetisch und sinnlich die Geschichte ist und dann auch noch philosophisch. Starke Leseempfehlung !!!
Der ständige Blick auf unseren Mangel verstellt uns den Blick auf unseren Reichtum
Jahre mit Martha von Martin Kordic
Martin Kordic erzählt uns, aus der eigene Perspektive in Ich-Form, die Geschichte eines Migrantenkindes aus Herzegowina, über die Irrwege seines jungen Erwachsenenlebens. Der Autor besitzt zudem die Gabe was ihm auffällt, seine Gedanken, Erfahrungen, Verhaltensweisen und Emotionen, in Worte zu fassen.
Der junge Zeljko bringt ein Teil seiner Identität ( Herkunftssprache, Familie, Name..) zum Verstummen und will einer mit Verstand, den man nicht herumschieben kann, Jimmy ein Deutscher werden.
Sein ständiger Vergleich mit den Deutschen, Minderwertigkeitsgefühle und geringes Selbstvertrauen hindern ihn authentisch zu sein, er ist nicht er selbst. Jimmy geht toxische Beziehungen ein, die ihn systematisch unterdrücken, um langfristig Macht und Kontrolle über ihn aufrechtzuerhalten.
Olga Grjasnowa sagt, man brauche die Herkunftssprache, um wirklich in Deutschland anzukommen. Das Selbstbewusstsein in Bezug auf ihre Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit wird gestärkt.
Fazit: Kluges großes Erzählprojekt für Brückenköpfe zu offenen Horizonten
Wenn Schweigen die Zukunft stiehlt
Schmelzwasser von Tschan Patrick
1947 kleiner Ort am Bodensee. Das kontaminierte „Schmelzwasser“ aus einem dicken Gletscher Nationalsozialismus hätte ja 1000 Jahre über Europa schmelzen sollen. Vier junge Protagonisten misstrauten ihren Eltern und haben genug von Gefügigkeit, Mief und Druck und möchten vom Albdruck des Nachgangs des Tausendjährigen Reiches befreit werden.
Sie agieren geeint mit einem Geist aus Literatur, Musik, Lifestyle inkl. gebratene Felchen und viel Chablis und bringen mit Ihrem Kampf ewiges Eis zum Schmelzen.
Fazit: Ein Höchst unterhaltsames und gekonnt erzähltes Sittenbild eines kleinen Ortes.
Spannende, bitterböse Satire
Bekenntnisse eines Betrügers von Rahul Raina
Ein junger Inder, Ramesh, ist „Prüfungsberater“. Er legt Prüfungen für die leistungsschwachen Kinder der indischen Eliten ab. Mit der ersten Zeile fängt es, zu donnern und blitzen in Alt- und Neu-Dehli an. Unser Ramesh ist ein erfrischender, zynischer und lustiger Erzähler. Er „kidnappt“ uns Leser auf eine rasante Fahrt, der schwer zu entkommen ist.
Alles drin, Indiens Regierung, ihre Superreichen, ihre geopolitischen Rivalen, Korruption, Heuchelei und Dynamik des modernen Indien.
Fazit: lesenswert, das Buch mit feinsinnigem Humor, Ironie, Krimi
Ein literarisches Denkmal für den Mann, der New York geprägt hat
Der große Fehler von Jonathan Lee
Wir betrachten neugierig das Leben eines großen Amerikaners Andrew Haswell Green (1820-1903). Mit „ Der große Fehler“ setzt Lee dem Vater des modernen New York ein literarisches Denkmal. Die Geschichte beginnt mit Greens Tod 1903 auf den Stufen seines Hauses in der Park Avenue. Es ist ein Buch von außergewöhnlicher Intelligenz und Still.
Geschrieben in einer wunderschönen, spielerischen, auch witziger Sprache. „Es passieren immer zwei Geschichten“ schreibt Lee „ die innere und die äußere, das Private in der Öffentlichkeit“. Die Frage, ob wir in Erinnerung bleiben könnten, wer wir waren oder was wir getan haben, bleibt offen.
Ein literarisches Vergnügen
Moralischer Schandfleck
Du existierst nicht von Miha Mazzini
„Computer ersetzt das Maschinengewehr“ und löscht unsere hoch Schwangere Protagonistin Zala aus dem slowenischen Bevölkerungsregister in ihrer Heimatstadt Ljubljana aus. Diese Geschichte geht unter die Haut. Und das ist nur eine von rund 25.000.
In 1992 verliert der junge Staat Slowenien jeden moralischen Halt und hat aus Bevölkerungsregister 25.
671 Einwohner "ausgelöscht". Die Menschen galten schon am nächsten Tag als illegale Einwanderer ohne ihre bürgerlichen, wirtschaftlichen und sozialen Rechte sowie das Recht auf medizinische Versorgung.
Fazit: Erinnerungsliteratur, unbedingt lesen und weiter erzählen
Ende eines skurrilen Männerbildes
Das Dämmern der Welt von Werner Herzog
Aus der wahren Geschichte des skurrilen Hiroo Onoda macht Werner Herzog, auf die ihm eigene Art , eine Story über manische, psychotische Pflichterfüllungen.
Trieb zwischen Wahnsinn und Fiktion, Realität und Traum in wunderschöner, poetischer, bildstarker Sprache.
Sehr attraktives Buch.











