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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Manfred Angerer:

Ausgezeichnet, für mich aber ein klein bisschen enttäuscht

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens von Stradal J. Ryan

Eine sehr schöne Lebensgeschichte der als faktisches Waisenkind (im Roman verlässt - auch das soll vorkommen - die Mutter ihr Baby und lässt den Vater damit sitzen, der bald an Herzinfarkt stirbt und dessen Verwandte das Mädchen betreuen) aufgewachsenen Eva Thorvald zum Superstar der Kochszene des Mittleren Westen.

Sehr ansprechend die verschiedenen Szenen als Blitzlichter auf verschieden Abschnitte im Leben von Eva und großartig die Kulmination zum grandiosen, sündteuren und exklusiven "stand up" Essen, bei welchem der Autor die verschiedenen Handlungsstränge und Protagonisten sehr gekonnt zusammenführt.

Leider habe ich mir nach dem Titel mehr und phantasievollere Rezepte erwartet.

Absolut empfehlenswert vermutlich für all jene, die einen Bezug zur Gegend des Mittleren Westens und zu den vielen Musikgruppen, die in die Handlungen eingebaut sind, haben. Das hat mir leider gefehlt.

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Interessant, aber schade

Das Geheimnis der verlorenen Zeit von John Wray

Eine großartige aber nicht einzigartige Idee, ein Buch über 3 Generationen einer Familiengeschichte zu schreiben, eine sehr schöne und bildhafte Sprache, sehr komplex verwobene Handlungsstränge, ein durchaus fesselnder Spannungsbogen; eigentlich alles, was ein spannendes Buch für ein längeres Lesevergnügen (immerhin über 700 Seiten) braucht.

Leider ist mir der Einstieg in die Geschichte sehr schwer gefallen, ebenso das Durchhalten, weil die Handlungsstränge so komplex verwoben sind, dass ein paar Tage Lesepause zu lange für einen einfachen Wiedereinstieg in die Geschichte war. Und dann das Ende. Hier hatte ich den Eindruck, dass dem Autor die (Ideen)Luft ausgegangen ist, die durchaus spannenden Handlungsstränge auf einen Punkt zusammenzuführen, der dem Ende einen gewissen Pep oder eine Überraschung bringt. Für mich nichts dergleichen, sondern eher: soll das nach 700 Seiten alles gewesen sein?

Schade. Deshalb nur durchschnittlich.

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Sehr berührend und zum Greifen nahe

Am Rand von Hans Platzgumer

Eine sehr schöne, aber auch bedrückende Geschichte aus dem Milieu einer ?Südtiroler Siedlung? in Vorarlberg. Das ?Wirtschaftswunderland? aus dem Blickwinkel des Protagonisten, der nie eine tiefe emotionale Beziehung zu seiner Mutter bekommen konnte; wen wundert es, bei dieser Vorgeschichte. Der Vater selbst ist unbekannt.

Sein Leben entwickelt sich von der Kinderbande über Karate und Gelegenheitsjobs in eine dauerhafte Beziehung zu einer sehr selbst bestimmten aber in sich gekehrten jungen Frau, die allerdings kinderlos bleibt, bis der Zufall ihnen in Frankreich ein Findelkind zuspielt das sie ohne Rücksicht auf die Bürokratie mitnehmen und in ihr Leben integrieren.
Der Roman zeichnet ein für mich sehr gut nachvollziehbares eher bedrückendes Bild emotionaler Einsamkeit vieler Menschen im Vorarlberg vor der Jahrtausendwende, vor allem derer, die aus den Südtiroler Siedlungen stammen, dort aufgewachsen sind und kaum oder nur sehr schwer Anschluss an echte Vorarlberger bekommen haben. Er ist auch voller Überraschungen, teils sehr bedrückender Art, aber ohne zu erdrücken. Die Geschichte ist für mich als gebürtigen Vorarlberger gut verständlich, sehr vieles spiegelt das Stimmungsbild, das ich von den 70er Jahren im Ländle hatte, sehr gut wieder.
Rolf Dobelli schildert in ?Massimo Marini? das Schicksal eines Gastarbeiterkindes aus Süditalien in der Schweiz, das geprägt war vom Migrationsbestreben, ein besserer Schweizer zu werden und Karriere zu machen, wohl auch gefördert von einer intakten Familie. Hans Platzgumer beschreibt in ?Am Rand? auch ein Migrationsschicksal, aber von der Ausgangslage von Wirtschaftsflüchtlingen aus dem damals armen Südtirol in den wohlhabenderen Norden, die vermutlich wegen der emotionalen Verarmung keine guten Chancen hatten.
Die Sprache erscheint mir anfangs etwas holprig, wird aber mit der Fortdauer des Eintauchens in die Geschichte immer stimmiger.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, was vielleicht auch mit meiner Herkunft aus Vorarlberg zusammenhängen könnte.

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Grandios

Der Trick von Bergmann Emanuel

Die grandiose Verknüpfung vom Schicksal des 1914 in Prag geborenen Mosche Goldenhirsch, Sohn aus einer jüdischen Dreiecksbeziehung, durch die Wirren seiner strengen und kaltherzigen Jugend, die Flucht in das Reich der Magie und Illusion, die (schmerzhaften und entwürdigenden) Wirren des Nationalsozialismus mit dem Wunsch des 10 jährigen Max Cohn im Los Angeles des Jahres 2007, mit Hilfe der Zauberkraft dieses großen ?Zabbathini? bei seinen in Scheidung lebenden Eltern wieder eine Liebe entfachen zu können.

Meisterhaft wechselt Emanuel Bergmann ständig vom Damals in das Hier und hin und zurück, beschreibt auch sehr bedrückende Situationen mit einer berührenden Leichtigkeit, die eine kräftige Portion Nachdenklichkeit hinterlässt und führt am Ende die Lebensgeschichten der Protagonisten auf einen überraschenden und dennoch so plausiblen Punkt zusammen.

Absolute Leseempfehlung.

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Anspruchsvolle Freizeitlektüre

Letzter Bus nach Coffeeville von Henderson J. Paul

Ein nettes Road-Movie von generationsüberschreitenden zusammengewürfelten Schicksalen; eine Auseinandersetzung mit Alzheimer und einem Stück amerikanischer (Rassen)Geschichte aus der Retrospektive betrachtet. Angenehm tief gehende Lektüre, ein bisschen Zeitgeschichte, ein bisschen Liebesgeschichte, ein bisschen Lebensgeschichte, ein bisschen Krankengeschichte und viel Warmherzigkeit verbunden mit erfrischender Leichtigkeit.

Richtig feine und durchaus anspruchsvolle Freizeitlektüre.

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Lesevergnügen mit berührendem Hintergrund

Am Ende bleiben die Zedern von Jarawan Pierre

Der Beginn war eher mühsam, auch wegen meiner emotionalen Vorbehalte zum Thema Flüchtling heutzutage. Als sich dann immer mehr die Familiengeschichte aufgetan hat, wurde daraus ein sehr feinfühliges Lesevergnügen mit vielen überraschenden Wendungen, und gelegentlich sehr pathetischen Schilderungen.

Zeitweilig sind mir einige Themen etwas ?aufgesetzt? vorgekommen, so als ob die eine oder andere politische Botschaft doch noch in die Erzählung eingebunden werden soll.

Andererseits zeigt das Buch viele historischen und politischen Hintergründe zum Verständnis (oder Unverständnis) der derzeitigen politischen Situation im Libanon, die wohl für die ganze Region Gültigkeit haben dürften.

Losgelöst davon eine sehr bunt geschriebene Geschichte des Erwachsenwerdens mit dem Hauptthema, woher komme ich und wohin will ich (sollen müssen?), damit ich reif und erwachsen für meine Liebe werde. Und sehr gelungen der Schluss: Überraschung perfekt!

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Fabelhafter Genuss

Fabelhafte Eigenschaften von Adam Soboczynski


Eine Beziehungsgeschichte zwischen 3 HauptprotagonistInnen, deren FreundInnen, Eltern, BerufskollegInnen, Zufallsbekanntschaften; alles irgendwie aus den (unendlichen?) Tiefen des alltäglichen Lebens der 3 intellektuellen und teils sehr wohlhabenden DINKIS (double income, no Kids). Überaus treffsicher beschreibt der Autor die Sorgen, Nöte und Probleme des Künstlers Hans, der Unternehmerstochter und Kunstjournalistin Julia (beide von Ihren Eltern mit für ihr Leben mehr als ausreichendem Vermögen ausgestattet) und des Architekten Sebastian, alle so um die 35 bis 40, kinderlos, nicht verheiratet und oft (aber nicht immer) zutreffend in der persönlichen Bewertung des Verhaltens des jeweils anderen und dessen voraussichtlichen Auswirkungen auf das eigene psychosoziale Wohlergehen.

Daneben gibt es auch einige sehr lesenswerte ?Seitenhiebe? auf die Elterngeneration, die wohl einigen von uns nicht ganz unbekannt sein dürften.

Ein subtil-sarkastischer Streifzug durch eine (schein)heilige Welt, geprägt von sehr lebensnah ineinander verschlungenen Handlungssträngen und - trotz oder wegen der oft langen Satzkonstruktionen - getragen von einem hervorragenden und auffallend sicheren Schreibstil. Die Geschichte selbst hat zu den verschiedenen Handlungssträngen keinen klaren Anfang und kein die jeweiligen Situationen auflösendes Ende, sondern steigt in die Beziehungsgeflechte ein, beschreibt diese sehr präzise und verlässt sie nach einiger Zeit. Hier einzutauchen war für mich ein Lesehochgenuss.

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Leichter flockiger Freizeitmix

Der Fisch in der Streichholzschachtel von Martin Amanshauser

Man nehme ein paar schräge Gedanken von Arto Paasilinna, lege ein bisschen von der tiefgründigen Leichtigkeit einer Vea Kaiser in den Topf und mixe das Ganze so durch, dass- wie bei Jonas Jonasson - der erzählerische Spannungsbogen aus leichter Tiefgründigkeit unterbrochen von herzerfrischender Situationskomik über knapp 600 Seiten nie nennenswert abflacht.

Ein großes Kompliment an Martin Amanshauser zu diesem Roman, den ich im Urlaub in wenigen Tagen gelesen habe; vor allem getrieben aus der Neugier, welche teils sarkastischen, teils skurrilen Sequenzen denn nun als Nächstes kommen. Freizeitlektüre für jede Gelegenheit auf sehr hohem Niveau, gepaart mit Schmunzel- und Lachgarantie.

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Sehr empfehlenswertes Eintauchen in eine Scheinwelt

Hotel Alpha Roman von Watson Mark

Die Geschichte von Howard York, einem Londoner Hotelier, erzählt über rund 3 Jahrzehnte von seinem Chefportier und Freund Graham und seinem adoptierten blinden Sohn Chas.

Ein bewundernswerter Mann mit einem bewundernswerten Leben, dem so ziemlich alles gelingt. Von der heldenhaften Rettung des kleinen Chas aus einem brennenden Hotelzimmer, der Integration des erblindeten Chas in die eigene Familie, seiner ständigen und intensiven Präsenz im Londoner Gesellschaftsleben bis zur ständigen erfolgreichen Adaptierung des Hotels an die technische Entwicklung und die geänderten Bedürfnisse der Gäste; zusammen ein perfektes und beneidenswertes (Schein) Bild .

Das alles noch erzählt in einer für mich sehr schönen und bilderreichen Sprache, welche allein das Lesen des Buches zum Genuss macht.

Dann taucht ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit auf, welches Schritt für Schritt gelüftet wird und zum Bröckeln der Fassade des Howard York führt. Dann ist er nicht mehr der alles überstrahlende Held, sondern steht ziemlich entblättert da.

Ein Buch, wunderbar zu lesen, wunderbar geeignet, sich in die bildhafte Sprache hineinfallen zu lassen, und ein Buch, das mit mancher philosophischen Formulierung sehr zum eigenen Nachdenken anregen kann.

Sehr empfehlenswert!

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Ausgezeichnet

Der Löwensucher von Bonert Kenneth

Eine jüdische Familie flieht in den 20iger Jahren aus Litauen nach Südafrika. Die Mutter hat ein entstelltes Gesicht, der Vater, ein Uhrmachermeister, hat sich selbst verkrüppelt, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen. Die Tochter, Rively, nutzt alle Möglichkeiten der Bildung und wandert schließlich nach Palästina aus.

Der Hauptprotagonist, der Sohn Isaac, lebt so widerspenstig, wie seine roten Haare vom Kopf abstehen.

Das Leben von Isaac ist geprägt vom großen Wunsch seiner Mutter, in einer schönen Gegend ein großes Haus zu besitzen. Um dieses Ziel zu erreichen, geht Isaac stur den Weg, scheut auch nicht davor zurück, Gelder, durch die Verwandte aus dem von den Nazis besetzten Litauen zur Flucht verholfen werden soll, zu veruntreuen.

Ein Familienepos aus der Welt der Verfolgten, Kleinen und nicht Mächtigen; getragen von der immer wieder kehrenden Frage, warum das Gesicht der Mutter so entstellt ist und welche (grauenhaften) Ereignisse in der Vergangenheit ihre Schatten auf das Handeln der Personen in der jeweiligen Gegenwart werfen.

Das Werk ist imposant, wenn auch auf den ersten paar hundert Seiten etwas langatmig geraten und in einigen Szenen nicht besonders überzeugend. Es hätte meinem Lesevergnügen gut getan, manche Zipfel der Decke der Vergangenheit etwas früher zu lüften, um bei mir vielleicht mehr Verständnis für die eine oder andere Handlungsweise des jüdischen Rotschopfes Isaac zu bewirken.

Hervorragend geschildert, ist das Aufwachsen und Leben im Spannungsverhältnis zwischen arm und reich, Juden und ?Grauhemden?, Schwarzen und Weißen und dabei auch die unterschiedlichen Arten der Diskriminierung einzelner Bevölkerungsgruppen zueinander. Sehr subtil arbeitet der Autor manch heftige Kritik am Verhalten des jüdischen Rotschopfes Isaac gegenüber anderen, ebenfalls nicht privilegierten Bevölkerungsgruppen heraus.

Ein absolut lesenswertes Buch, das aber Zeit zum Lesen braucht, um die Dichte der Erzählung sich ausbreiten zu lassen.

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