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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Manfred Angerer:

Lebenssplitter treffen sich in einem Haus

Eine allgemeine Theorie des Vergessens von José Eduardo Agualusa

Die eher verstörte und (aus verständlichen Gründen) sich sozial absondernde Ludovica lebt mit ihrer Schwester und ihrem Schwager im Wohlstand abgesichert in Luanda. Nach deren Verschwinden knapp vor der Revolution in Angola mauert sie sich in der Wohnung des Hochhauses ein und vegetiert die nächsten 30 Jahre allein mit ihrem Hund.

Daneben werden Lebenssplitter unterschiedlicher Menschen aus dem Angola jener Zeit der Revolution geschildert, die im Laufe der Zeit alle für kürzer oder länger in diesem Hochhaus zusammentreffen und das EIne mit dem Anderen verbinden.

Ein sehr feinfühliges Buch mit einem fulminanten und sehr berührenden Ende, das auch nach dem Zuklappen des Buchdeckels noch einige Zeit nachwirkt.

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Erst Psycho, dann Krimi, dann happy end

Der Abgrund in dir von Dennis Lehane

In durchaus schöner und bildhafter Sprache liest man sich zunächst lange durch die Empfindungen von Rachel auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater, den ihre Mutter bis zu ihrem frühen Tod nicht preisgegeben hat. Der Erfolg im Außen, vermutlich auch gepaart mit einer optischen Attraktivität von Rachel, führt zu einem Leben steil auf der Erfolgsleiter nach oben und bald wieder zurück, weil das Trauma, nicht zu wissen, wer der eigene Vater ist, eben deutliche Spuren in ihrer Seele hinterlässt.

In der nachfolgenden Ehe mit einem liebevollen Mann kann ihre Seele etwas heilen, bis sie sein Doppelleben durchschaut, selbst in den Strudel seiner kriminellen Machenschaften gerät und dabei aus ihrem Selbsterhaltungswillen heraus keine Rücksicht auf ihre psychischen Belastungen mehr nehmen kann.

Am Ende ist alles gut und beide gehen ein paar Leichen hinterlassend gestärkt in ihre (hoffentlich gemeinsame und etwas friedlichere) Zukunft.

Eine durchaus ansprechende Sommerlektüre.

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Eine spannende Gewissensfrage

Die Frau, die liebte von Lewis Janet

Wer aufgrund des Titels erwartet, ein mehr oder weniger tiefgründiges Liebesdrama aus den USA zu lesen zu bekommen, wird enttäuscht werden. Janet Lewis verarbeitete bereits 1941 einen Kriminalfall aus dem 16. Jahrhundert in Frankreich in Romanform sehr ansprechend, vielschichtig und spannend erzählt.

Getragen wird die Geschichte von der Gewissensfrage der Protagonistin, ist der liebevolle Mann, der behauptet, mein Mann zu sein, tatsächlich mein Mann oder ist er es nicht und lebe ich in dauerndem Ehebruch?

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schweres Thema, leicht geschrieben, überraschend einfaches Ende

Jud von Georg Thiel

Es hat lange gebraucht, das Buch in die Hand zu nehmen; schon wieder dieses Thema. Dann war es aber kurzweilig, tiefgehend und sehr berührend, wie Georg Thiel mit dem Thema "Nazi" umgegangen ist. Er schafft die Gratwanderung zwischen berührend und Wut auf das, was einige unserer Vorfahren getan oder unterlassen haben, herrlicher Ironie auf die österreichische Obrigkeitshörigkeit und einer aus der Tiefe der vorurteilsbehafteten Erinnerung geprägten Milieustudie desseinerzeitigen Landlebens an der Grenze zwischen Ost und West.

Zwischendurch von der Geschichte etwas gestelzt, aber mit einem hervorragenden Sprachwitz. Absolut erstklassig das für mich sehr überraschende Ende. Und alles dreht sich letztlich um ein Bild.
Sehr empfehlenswert, sollte in keiner Bibliothek fehlen.

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Helikoptereltern bis zum Mord?

Alles über Heather von Weiner Matthew

Kurz und dicht geschriebene Geschichte über eine amerikanische 1-Kind Wohlstandsfamilie mit gut verdienendem aber unzufriedenen Mann Mark, sich nur um die ("no na ned") hübsche Tochter Heather kümmernde Mutter und Hausfrau Karen und Einblicken in das Leben des jungen Hilfsarbeiters Bobby, der auf der andern Seite der sozialen Skala aufgewachsen ist.

Bobby, der auf der Baustelle des Appartementhauses, in dem Mark und Karen in einer Luxuswohnung leben, tauscht mit der schöne Heather Blicke und entfaltet seine (derbe) Fantasie. Mark, der diese Blicke bemerkt und seine eigenen (sorgenvollen) Fantasien entwickelt, sieht keine andere Lösung seine Tochter zu schützen, als Bobby umzubringen, was er auch tut.

So weit so knapp.

Bemerkenswert und faszinierend ist die Dichte der Darstellung der sehr geschickt verarbeiteten Klischees der Entwicklung dieser Wohlstandsfamilie und ihrer Alltagsprobleme, das Auseinanderleben im Laufe der Jahre und Jahrzehnte und die (berechtigte oder übertriebene?) Sorge um das Wohlergehen des einzigen Kindes, das wohl über so manche emotionale Lücke in der Ehe von Karen und Mark hinwegträgt. Im Gegensatz dazu die kurze und knappe aber ebenso eindrucksvolle Schilderung der Entwicklung von Bobby, der offenbar keine Chance für sein Leben bekommen sollte.

Eine sehr schöne und dichte Sprache mit etlichen Passagen, die gelegentlich dazu bewegen, das Buch wegzulegen und die Worte und Inhalte nachklingen zu lassen.

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Geschichten aus der Einschicht oder 2 Männer auf der Flucht

Acht Berge von Paolo Cognetti

Eine schöne und sehr detailreich geschriebene Geschichte über zwei Freunde, Pietro und Bruno, die seit ihrer Kindheit durch ihre Liebe zu den Bergen, konkret einen Talschluss im Bereich der Monte Rosa an der italienisch schweizerischen Grenze, ihr Leben lang verbunden sind. Eine Freundschaft, die über die Zeiten und die Distanz trägt, in der offenbar nicht viel gesprochen sondern mehr gemeinsam wahrgenommen und erlebt wird, bis hin zu langen einsamen Zeiten in der jeweiligen Hütte.

Sehr schön erzählt sind die Schilderungen der Wanderungen.

Die Kehrseite: Bruno wird mit seiner Lebensgefährtin Bergbauer in der Einschicht und ist nicht bereit, dies aufzugeben, um seinem Kind und seiner Lebensgefährtin eine wirtschaftliche Basis zu schaffen, sondern führt lieber seinen Betrieb in die Insolvenz und sich selbst in die Armut und Einsamkeit. Pietro flüchtet generell vor Beziehungen zu Frauen, bevor sie ihm zu nahe kommen, und landet irgendwie in Nepal. Dazu gesellt sich ein bisschen Geschichten der Väter und Mütter, die das Verhalten von Pietro und Bruno verständlicher machen. Der Roman endet schließlich mit der Rückkehr von Pietro nach Nepal, der Arbeit der Kindesmutter als Aushilfskellnerin, um sich und das gemeinsame Kind über die Runden zu bringen, und mit dem Tod von Bruno in einer Lawine.

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Sehr berührend, faszinierend geschrieben und sehr nachdenklich machend

Underground Railroad von Colson Whitehead

Die Geschichte eines Sklavenmädchens aus Georgia, dem durch ein Netzwerk von Menschen über viele Umwege und Zwischenstationen die Flucht aus der Sklaverei gelingt. Ein bedrückender Inhalt, grandios geschrieben und bis zur letzten Seite spannend.

Trotz einiger abstoßender Szenen war es mir nicht möglich, das Buch längere Zeit wegzulegen, ich habe es in einem Satz durchlesen müssen.

Für empfindsame Gemüter: vorher warme Socken anziehen.

Das Buch ist wichtig und vermutlich zur richtigen Zeit auf dem Markt.

Wichtig, weil Colson Whitehead die Grausamkeiten der Sklaverei und Gräueltaten der Grundbesitzer und Sklavenaufseher in den Südstaaten der USA auch mit einem gewissen seinerzeitigen ?Selbstverständnis? darstellt, nach welchem die Sklaven nicht als Menschen sondern als Produktionsfaktoren gesehen wurden, die nach rein ökonomischen Kriterien handzuhaben, also brutalst auf das Funktionieren zu trimmen und zum richtigen Zeitpunkt zu entsorgen sind. Damit lenkt er den Focus auf ein Kapitel der amerikanischen Geschichte, das bei uns nicht allgemein im Bewusstsein ist, in der Geschichte der Menschheit aber sehr wohl einen ?angemessenen Platz? in der Kategorie von Holocaust, Stalin, Mao, Kolonialherrschaften, Genozide, uvm. ?verdient?.

Zur richtigen Zeit, weil das Buch auch zeigt, dass es an uns liegen wird, mit den ?anderen? Menschen, wer auch immer die sind oder sein werden, grundsätzlich menschenwürdig umzugehen. Und zwar egal, ob ?unser Boot voll? erscheint oder ?America First? als Motto hinausposaunt wird oder machthungrige Populisten/innen Keile in eine Gemeinschaft treiben, indem sie zwischen den ?unsrigen?, als den guten und wertvollen, und den ?anderen? als den bösen und minderwertigen, unterscheiden und so eine moralische innere Rechtfertigung für die Verfolgung der anderen aufbauen.

Empfehlung: kaufen und lesen und bei manchen derzeitigen politischen Ansagen an dieses Buch denken.

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Faszinierend

Geständnisse Roman. Ausgezeichnet mit dem Hon'ya Taisho award. Gebunden. von Minato Kanae

Grandios, wie in dieser Geschichte die subtile aber sehr wirkungsvolle Rache einer Lehrerin für den Mord an ihrer 4jährigen Tochter durch 2 Schüler ausgebreitet wird. Grandios, wie die Tat und deren soziale Ursachen aus der Sicht der beiden Schüler geschildert wird. Grandios auch das Kunststück, eine an sich grausame Geschichte in einer Sprache zu erzählen, die - bei den Schilderungen der Lehrerin - immer die Höflichkeit bewahrt und dadurch die geschilderten Handlungen noch stärker wirken lässt.

Für mich eines der besten Bücher der letzten Jahre.

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Als wir jung waren

Strandbadrevolution von Kurt Palm

Ja, ja, so in etwa war es, als wir jung waren und einige geglaubt haben, die Welt verändern zu müssen, woran sie wegen dem Unverständnis der Älteren gescheitert sind. Damals war Kroatien noch Jugoslawien, der Wurzenpass noch eine große Herausforderung für Kupplung und Bremsen überladener Autos und viele junge Burschen hatten ihre Mühe ihre hormonellen Bedürfnisse so auszuleben, wie es ihren Phantasien entspricht.

Also: ein durchaus gelungener Rückblick in die scheinbar "schöne alte Jugendzeit" der heute so um die 60-jährigen, nett erzählt, aber ohne große Überraschungen oder sprachlichen Besonderheiten. Empfehlenswert für alle, die in die eigene Jugend ein bisschen eintauchen wollen und vielleicht bei der einen oder anderen Sequenz sich an das selbst Erlebte wieder zu erinnern, ohne Verklärung des Blickes in die Vergangenheit.

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Leben im Alltag erfüllt mit offene Sehnsucht im Herzen.

Seltene Affären von Bayer Thommie

Die berührende Geschichte eines Mannes knapp über 60, der 2 spannende Berufe ausübt, unter der Woche Miteigentümer und Chef de Rang eines Restaurants in Frankreich und am Wochenende Autor von Kurzgeschichten für seinen Zwillingsbruder, der mit seiner großen Liebe verheiratet ist, und daneben von einer Beziehung zu der Frau träumt, die seine Wohnung in seiner Abwesenheit sauber hält.

Sehr ruhig, sanft und in einer schönen Sprache erzählt. Passt ausgezeichnet zum Lesen in der jetzigen Jahreszeit auf einem gemütlichen Sofa mit einem wärmenden Getränk und Zeit, ab und zu das Buch wegzulegen und über das Gelesene nachzuspüren.

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