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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von HEYN Leserunde Manfred Angerer:

Eintauchen in das volle Leben einer Band der 60er Jahre, leider ohne Songs hören zu können

Utopia Avenue von David Mitchell

Auf der einen Seite fasziniert mich das Buch wegen des detaillierten Eintauchens in die Musikwelt der 60er Jahre. Auf der anderen Seite bin ich oftmals überfordert von der Fülle der Details, die es mir schwer machten, das Buch einige Zeit wegzulegen und dann wieder weiterzulesen.

Am meisten fehlt mir aber die Möglichkeit, einige der im Text geschilderte Songs von Utopia Avenue zu hören.

Dabei müsste es wohl möglich gewesen sein, ein paar kleine Partituren abzudrucken, damit an der Musik Interessierte Leser Melodien nachspielen oder nachsingen können und so eine Ahnung vom Gesamteindruck des einen oder anderen Songs zu bekommen. Schade. Ich pflichte dazu Renate Pfeiffer bei, die sinngemäß schreibt, dass man Musik nur hören und nicht erzählen kann.

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Großartige Leichtigkeit gegen alten "Nazimief"

Schmelzwasser von Patrick Tschan

Eine tiefgründige und veritable Geschichte aus der schwäbischen Nachkriegszeit, die ungekürzt auch nach Vorarlberg verlegt werden kann. Mich berührt dieser Roman deshalb sehr, weil vieles, was Tschan als Roman erzählt, in mir (geb. 1956 und aufgewachsen in Vorarlberg) Kindheitserinnerungen wachgerüttelt hat.

Durch die lockere und oftmals sarkastische Schreibweise wird subtil die Tatsache der Durchdringung des öffentlichen Lebens noch Jahrzenhnte nach 1945 durch nationalsozialistisch geprägte Menschen vermittelt, was eigentlich logisch war, weil die damaligen „Systemerhalter“ eben nicht „einrücken“ mussten und so den Krieg überlebt haben. Eine der Folgen als Beispiel: mein Geschichtsunterricht (Maturajahrgang 1974) endete aus „pädagogisch-historischer Vorsicht“ (???) mit dem 1.Weltkrieg,.Über den 2.Weltkrieg und dessen Ursachen haben wir in der Schule nichts erfahren, ebensowenig zu Hause von denjenigen der älteren Generation, die den Krieg an der Front miterleben durften/mussten.

Mit einer Leichtigkeit, fernab von Oberflächlichkeit, erzählt Patrick Tschan diesen so wichtigen Wandel in unserer Zeitgeschichte, der wohl auch eine der Wurzeln der „68er -Bewegung“ war. Absolut lesenswert und gut geeignet, in den Geschichtsunterricht miteingebunden zu werden, allenfalls ergänzt um die vor kurzem verfilmte Biografie über Beate Uhse und den Filmklassiker „Wir Wunderkinder“ aus dem Jahr 1958 (Romanvorlage: Hugo Hartung, Regie: Kurt Hoffmann), an den dieser Roman fast lückenlos anknüpft.
Kompliment, auf dieses so heikle Thema mit der Leichtigkeit von scheinbar oberflächlichen Alltagsgeschichten einzugehen, und dann zB auf Seite 194 und 195 in zwei Absätzen tief die Diskrepanz aufzureißen zwischen den von Männern nach außen vorgetragenen Rechtfertigungsversuchen für den Krieg und ihr „Heldentum“ und den tatsächlichen Auswirkungen ihrer Traumata, von denen der Deckmantel des Schweigens ja nicht gelupft werden darf.

Für mich einfach großartig und jedenfalls wert, verfilmt zu werden.

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Großartiger Blick in Indien hinein

Bekenntnisse eines Betrügers von Rahul Raina

Eine tolle Story, ein sehr treffend beschriebenes Umfeld und vor allem ein Einblick in das Alltagsleben in Indien, das uns zumeist verborgen bleibt. Wer mutig ist, bucht eine Reise nach Indien zB in ein Ayurveda-Resort, verläßt dieses zumindest stundenweise und fährt oder spaziert durch Dörfer oder in Städten in Nebenstrassen.

Nach der Rückkehr schaut unsere Welt hier dann ganz anders aus. Das lässt sich mit diesem Buch erleben.

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Wunderschöner Text, obwohl trotz Mord kein Krimi und kein biographischer Roman

Der große Fehler von Jonathan Lee

Ein Mord am Beginn, der Täter sofort gefasst, das Motiv und die Hintergründe bleiben im Dunkeln und werden weder ausgeleuchtet noch angeblitzt, also kein Krimi.

Ein Roman über den "Erschaffer" des Central Park, der New York Public Library, des Metropolitan Museum of Art und irgendwie auch der Brooklyn Bridge in New York, ohne erzählt zu bekommen, worin konkret die Leistung, das Tun, das Wirken des Andrew Haswell Green an diesen Einrichtungen war, also auch keine Biographie mit gut nachvollziehbaren Handlungssträngen.

Dennoch sehr lesenswert, wegen der Sprache, der feinfühlig empathischen Schilderung einzelner Sequenzen aus dem Leben von Mr. Green und mit ihm im zeitlichen Zusammenhang stehender Personen. Eine Unzahl von Textpassagen, die einzelne Szenen lebendig und überraschend beschreiben oder Gefühle erwecken, die veranlassen, das Buch wegzulegen und die dadurch geschaffenen Bilder und Emotionen nachwirken zu lassen. So gelesen ist das Buch fantastisch.

Nur, was "Der große Fehler" war oder sein soll, hat sich mir nicht erschlossen. Deshalb nur 4 Sterne, weil der Titel und die Beschreibung für mich nicht zum Inhalt passen.

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Ein wichtiges Buch beim Blick über die Grenze

Du existierst nicht von Miha Mazzini

Erschütternd zu lesen, mit welch subtiler Brutalität der junge slowenische Staat vor nicht so langer Zeit versucht hat, von den tatsächlichen Bewohnern die von ihrer Herkunft offenbar weniger Gewünschten auszufiltern. Und erschütternd, wie sich das wie aus dem Nichts hereinbrechend auf die Protagonistin auswirkt.

Vom Thema her glatte 5 Sterne. Leider ist der Text etwas holprig und die Protagonistin in meinen Augen etwas überzeichnet, deshalb "nur" 4 Sterne. Dennoch eine absolute Pflichtlektüre und eine unbedingte Weiterempfehlung für alle, die einen Nahebezug zu unserem südlichen Nachbarn (und sei es auch nur als touristische Besucher) haben.

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Liest sich gut, Geschichte interessant

Das Dämmern der Welt von Werner Herzog

Die Geschichte über einen japanischen Soldaten, der das Ende des Krieges mit den USA nicht wahrgenommen hat und mit anderen seiner Truppe jahrelang auf einer abgelegenen Insel den Krieg vom "Untergrund" weitergeführt hat. Die Erzählung ist gelungen, aber inhaltlich und sprachlich doch etwas nüchtern.

Dennoch lesenswert, weil auch herauskommt, was bedingungsloser Befehlsgehorsam in einem Menschen auch bewirken kann, nämlich das Abblocken und Negieren der Realität. Im Zweifel bleibe ich bei meiner (von welcher Seite auch immer kommenden) vorgefassten Meinung, weil ich mich da sicherer fühle. Passt vielleicht auch ganz gut in die heutige Zeit.

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Nur Parodie?

Salonfähig von Elias Hirschl

Der Beginn ist viel versprechend, leider erlese ich im weiteren Inhalt nicht mehr das Erwartete.

So denkwürdig die (natürlich rein fiktiven) Einblicke hinter die Kulissen politischer Basisarbeit, das (ebenfalls nur fiktive) oftmals inhaltlich vollkommene aneinander Vorbeireden der politischen Protagonisten, das (natürlich nur in Romanen vorkommende) intensive Coaching und Rhetoriktraining für die perfekte Körperhaltung und den perfekten Auftritt losgelöst von Inhalten auch sein mögen, es bedarf für mich nicht dieser vielen Wiederholungen, um diese Inhalte parodistisch glaubwürdig zu bringen.

Rein nach meinem Leseerlebnis hätte ich das Buch schlechter bewertet. Aber in den Medien jüngst berichtete politische Aussagen von Personen, die möglicherweise nur zufällig in diesem Roman ansatzweise wiedererkannt werden könnten, haben doch die (natürlich vollkommen unbegründete) Vermutung entstehen lassen, an dem, was in diesem Roman beschrieben ist, könnte vielleicht doch ein kleiner Anflug von Realität dran sein.

Deshalb: doch lesenswert und 3 Sterne

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Lebensgeschichte komplex erzählt

Der Kolibri von Sandro Veronesi

Die Lebensgeschichte des Arztes Marco Carrera, erzählt in kurzen oder längeren Rückblicken, verschiedenen Briefen auch an die unerreichte Geliebte, Gesprächen mit dem Psychoanalytiker, und all das in Zeitsprüngen, versehen mit dem Datum oder Jahr des erzählten Geschehens, wodurch eine zeitliche Einordnung etwas erleichtert wird.

Den Versuch, mir bei jedem Abschnitt zu vergegenwärtigen, an welche Schilderung dieser anknüpft, habe ich bald aufgegeben, es hätte für eine graphische Darstellung eines sehr großen Blattes Papier bedurft. Ich glaube, es war dieses literarisch möglicherweise durchaus wertvolle Stilmittel der ständigen thematischen und zeitlichen Wechsel sein, der mir das Eintauchen in die Geschichte/n ebenso erschwert hat, wie die zwar sprachlich großartigen aber dem Leseverständnis eher abträglichen teilweise über Seiten sich hinwegschleppenden Sätze.

Ja, und die (Familien- und Lebens) Geschichte selbst ist über weite Strecken nichts besonders Außergewöhnliches. Erst ab der Mitte des Romanes kommen einige Entwicklungen auf, die in mir Neugier geweckt haben, das Buch mit gewisser Spannung zu Ende zu lesen. Und das war dann richtig erbaulich, auch wenn am Ende des Lebens von Marco Carrera, so wie bei jedem von uns, sein Tod steht.

Eine durchaus ansprechende Lektüre, aber nicht leicht genug für ein Lesen am Strand, sondern eher für ruhige (Lese)Zeiten in einem Wald oder einem gemütlichen Sofa, um, losgelöst von Alltagsgeräuschen, Satz für Satz wirken zu lassen.

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Andere Perspektiven

Kalmann von Schmidt Joachim B.

Wohltuend anders, den nicht alltäglichen Alltag eines bald verlassenen Fischerdorfes aus dem Blickwinkel und mit den Gedanken und den Äußerungen des geistig etwas zurückgebliebenen Protagonisten( früher: „Dorftrottel“) namens Kalmann mitzuerleben. Ein Krimi, der doch nicht der ist, von dem es den Anschein hat, sondern ein Anderer und viele Bemerkungen von Kalmann, die das scheinbar Offenkundige doch in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Leider habe ich zu viele Seiten gebraucht, um in die Faszination dieses Buches eintauchen zu können. Deshalb - sehr subjektiv von mir - nur 4 Sterne.

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Kurze Ewigkeit

Für die Ewigkeit von Helmut Krausser

Die Geschichte beginnt ganz nett. Töchterchen aus wohlhabendem argentinischem Haus verliebt oder „verspielt“ sich in den jungen Klavierlehrer, der mit ein paar dunklen Flecken seiner Vergangenheit belastet ist. Sie fliehen vor dem Vater des Töchterchens nach Rio de Janeiro, schlagen sich eine Weile durch, bis sie vom Cousin des Töchterchens entdeckt werden, der während Unzuchtshandlungen am Töchterchen von deren Vater erwischt und von bösen Handlangern desselben getötet wird.

Der Junge Klavierlehrer nimmt die Schuld auf sich und wandert ins Gefängnis, wo er 11 Jahre später an den Folgen einer Blinddarmentzündung stirbt;das Töchterchen heiratet einen (offenbar ihrem Vater genehmen) Fabrikanten, setzt mit ihm 4 Kinder in die Welt und stirbt später an Herzinfarkt als Folge exzessiven Alkohol- und Kokainkonsums.

Die ganze Haupthandlung spielt 1902 in Buenos Aires und Rio de Janeiro und spiegelt ein bisschen die damaligen sozialen Verhältnisse wider. Die Sprache ist kurz und knackig, einige Szenen sind sehr schön geschildert, berührt hat mich das Buch aber nicht oder hat mir einfach der Zugang gefehlt. Eine nette Sommerlektüre.

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