Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Dies ist kein Spiel
Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste von Kelly Mullen
"This is not a game" - Dies ist kein Spiel, genau wie der Originaltitel es sagt. Doch für Mimis (Rosemary) Enkelin Addie, die Gameentwicklerin ist, ist es genau das. Nur in echt. Als sie ihre Grossmutter zu einer Party zu einer Nachbarin - amerikanische Nachbars-Abstände nicht mitteleuropäische - begleitet und dort Gastgeberin Jane tot aufgefunden wird, wird ihnen schnell klar, dass die Einladungsnotiz nicht von Jane sein kann.
In dieser Notiz geht es um ein Geheimnis, dass Mimi bewahrt. Sie geht davon aus, dass auch alle anderen Gäste erpresst werden und eine solche Notiz erhalten haben. Mimi und Addie versuchen dem ganzen Rätsel auf die Spur zu kommen. Kontakt zur Aussenwelt gibt es keinen, da der Schneesturm am Lake Hurron auf Mackinac Island so stark war, dass niemand zu ihnen gelangen kann. Das Haus, eher eine moderne Burg, hat eine Schmugglervergangenheit und verfügt über etliche Geheimgänge und - zimmer, die die beiden aufspüren wollen.
Addie ist dabei in ihrem Element und während sie Rätsel um Rätsel löst, blüht sie nicht nur auf, sondern löst sich auch immer mehr von ihrem Ex-Partner Brian, gegen den sie gerichtlich angehen will, weil er sie mit der gemeinsamen Firma betrogen hat.
Die Grundidee fand ich nicht schlecht, aber mit dem Cast konnte ich nichts anfangen: weder konnten mich Mimi und Addie überzeugen, noch die restlichen Gäste und auch nicht das Hauspersonal. Ausnahmslos alle waren verdächtig und ausnahmslos alle fand ich leider unsympathisch.
Das macht es natürlich schwer, dann auch die Geschichte gut zu finden. Einige Ermittlungserkenntnisse fand ich nicht sehr logisch. Aber das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass ich zwar sehr gerne mit rätsle, wer in Krimis die Täter sind, aber mich weder Play Station reizen noch Escape-Rooms cool finde. Hier aber ging es eben um solche Ideen ("Wie komm ich aus diesem Zimmer raus?") und ich hatte ständig das Gefühl, dass sie gleich, wenn sie ein weitere Geheimnis der Gäste herausfinden, von irgendwoher Bonuspunkte bekommen. Dass ich eher vor einem Bildschirm sitze und das Spiel verfolge, als einen Krimi zu lesen. Von daher kann man immerhin sagen, dass der Schreibstil von Kelly Mullen sehr bildlich ist und man sich gut einfühlen kann in die Szenerie. Vielleicht ist es eher ein Krimi für Menschen, die gerne Computerspiele spielen.
Fazit: Zwar humorvoll und sehr ideenreich geschrieben, mir war es ein aber zu viel an unsympathischen Charakteren und generell zu vielen Personen (zwei oder drei weniger hätten für mich besser funktioniert), ein zu spezielles Setting (Schneesturm plus abgelegener Ort), und zu viel Game-Stuff.
3 Sterne.
Herbst und Winter in Grado
Alle weg von Stefan Maiwald
Dass "alle weg" sind, zumindest die Touristen, kenne ich von anderswo, wenn nach der Sommersaison die Trottoirs hoch genommen werden. So fühlte es sich damals jedenfalls für mich an, das Leben wird gemächlicher für die nächsten Monate. Man freut sich auf ruhige Monate, und wenn der Frühling dann kommt, auch wieder auf die hektischen Monate.
So ähnlich ergeht es auch Stefan Maiwald und den Bewohnern von Grado.
Monatsweise unterteilt, erzählt der Autor was in den jeweiligen Monaten in Grado läuft. Im Dezember zum Beispiel wie vielerorts Weihnachtsaktivitäten, die sich aber teilweise zu den Traditionen im deutschsprachigen Raum unterscheiden. Es sind mehr Anekdoten und kleinere Geschichten, über die er schreibt. Wahrscheinlich ganz im Stil seiner anderen Grado-Bücher, die ich nicht kenne, auf jeden Fall schwingt hier immer Humor mit.
Trotzdem hat mich das Buch nicht gepackt. Viele Zitate, also Sätze, die vorher geschrieben wurden, kommen in einem Rahmen auf Extraseite nochmals zur Geltung - das hätte ich nicht gebraucht. Ebenso wenig die Schilderungen des Tennis-Duells mit seiner Frau, auf das hin er trainiert und fast schon der eigentliche rote Faden im Buch ist. Da es oft erwähnt wird, hätte ich am Ende eine Pointe erwartet, die dann leider ausblieb.
Fazit: "Alle weg" ist zwar unterhaltend geschrieben, es holte mich aber nicht ab.
3.5 Sterne.
Dehnbar wie eine Katze
Katzentage von Ewald Arenz
"Katzentage" von Ewald Arenz ist ein sehr schön gestaltetes Buch, mit Illustrationen von Florian Bayer. Auch das eBook beinhaltet diese tollen Zeichnungen, die hervorragend zu der Geschichte von Paula und Peter passen.
Die zwei stranden nach einem Seminar in Würzburg. Ihre erste gemeinsame Nacht wird also spontan verlängert.
Beide sind Single, von daher könnte ihr Zusammensein eigentlich problemlos sein. Doch Peter würde gerne wissen, wie es weitergeht. Paula theoretisch auch, doch sie hat Angst, die sie nicht in Worte fassen kann und antwortetet deswegen knapp, eher kalt und verschleiert, sie sollen doch einfach geniessen ohne alles benamsen zu müssen.
Ich konnte beide gut verstehen, auf der einen Seite möchte man vielleicht wissen, ob die gemeinsame Zeit dem Gegenüber auch soviel bedeutet wie einem selbst. Auf der anderen Seite das Bedürfnis, einfach mal nur die gemeinsame Zeit geniessen ohne zu schauen wohin das führt, und ohne sich einen Kopf zu machen und vor lauter Gedanken, die einem im Kopf herumschwirren und eine Antwort suchen, die schöne, gemeinsame Zeit zu vergeuden und nicht im Hier und Jetzt zu sein.
Ihre Bonustage verbringen die beiden mit dem Erkunden von Würzburg und Umgebung, manchmal geniessend und Weisswein trinkend, manchmal humorvoll streitend und manchmal auch ohne einander, sich einzeln auch Zeit geben und nehmen.
Der Titel passt gut und macht Sinn: diese Bonustage sind wie eine Katze, die sich zuerst mit den Vorderbeinen und dann mit den Hinterbeinen streckt, dehnbar und ohne grosse Pläne ans Nachher. Es sich einfach gut gehen lassen, ohne Gedanken an Morgen - und dann vielleicht doch spontan den Mut haben, diese Atmosphäre auch Übermorgen noch mitzunehmen. Dies hat der Autor perfekt auf nur 128 Seiten eingefangen. Manchmal muss ein gutes Buch nicht viele Seiten haben, wenn man eine tolle Geschichte auch kurz erzählen kann.
Fazit: Eine wundervolle schnörkellose, aber dennoch verspielte und herbstliche Geschichte.
5 Sterne.
Tolles Geschenkbuch
Segen und Glück von Paulo Coelho
"Segen und Glück" ist ein Kurzgeschichtenband. Einige weihnachtliche Geschichten, die sich darin befinden, wurden schon veröffentlicht, alle anderen sind neu. Und doch kommen manche einem bekannt vor, teilweise sind es alte Legenden, neu verpackt.
Die kurzen Geschichten regen zum Nachdenken an.
Es sind 35 Geschichten über Gaukler, Kinder, Weise, Prinzen, Handwerker, Diener und eben auch über den Nachtfalter vom Klappentext.
Wer Geschichten sucht, die man auch mal vor mehreren Menschen vorlesen kann, z.B. an Seniorenveranstaltungen oder im Familienkreis, ist mit diesem Buch gut bedient. Die Geschichten bieten viele Themen an. Mir besonders gefallen hat "A, B, C, D", wo es um einen Jungen geht, der nicht weiss, wie er beten soll.
Paulo Coelho ist sich mit diesen Geschichten treu geblieben. Wer seine Bücher mag, mag "Segen und Glück" sicherlich auch.
Fazit: Ein tolles Geschenkbuch für sich selbst oder zum Verschenken.
4 Sterne.
"Ich möchte forschen, ich möchte schreiben"
In uns der Ozean von Theresia Graw
Theresia Graw schreibt in "In uns der Ozean" über das Leben von Rachel Carson, oft Ray gennant, eine Meeresbiologin und Schriftstellerin, geboren 1907. Graw zeichnet ein grossartiges Bild einer beeindruckenden Frau, die ihr Privatleben aufgab, für ihren Drang, Gutes zu bewirken. In jeder Zeile spürt man Rachels Liebe zu kleinen Dingen, ihre Begeisterung und Dankbarkeit.
Aufgrund der Familienverhältnisse muss Rachel das Forschungsinstitut verlassen und arbeitet fortan bei der Fischereibehörde, schreibt dort Texte für das regelmässig erscheinende Heft und kann bald darauf Geschichten für eine Radiosendung schreiben, in denen sie Hintergrundwissen lebendig erzählt. An dieser Arbeitsstelle lernt sie Dan Evans kennen, die beiden mögen sich, auch er nimmt die Welt durch Poesie und mit Liebe wahr. Leider aber entpuppt auch er sich als Mann seiner Generation, dessen Ehefrau zuhause sein und nicht arbeiten soll. Als sie später seine Stelle als Junior Meeresbiologin übernehmen kann, bleibt sie trotzdem Mitarbeiterin zweiter Klasse, indem ihr zum Beispiel Forschungsreisen verwehrt werden.
Später wird sie zudem freie Journalistin für Daily Sun und als es ihr endlich gelingt, ein wichtiges Naturbuch bei einem renommierten Verlag zu veröffentlichen, ist sie überglücklich, doch nur fünf Wochen später folgt der geschichtsträchtige Angriff auf Pearl Harbor und ihr Buch wird nicht mehr ge- und verkauft. Rachels Leben wird geprägt von Wirtschaftskrisen, Angriffen und Kriegen.
Sie kämpft vor allem gegen das Insektizid DDT und macht den Menschen klar, dass Fortschritt teilweise auch furchtbare Folgen haben kann - "Fortschritt ist nicht "grösser, schneller, billiger", sondern klüger zu werden." - und wahre Wissenschaft immer auch nach den Folgen fragt. Was bei den ersten, wenigen Studien zu DDT sträflichst vernachlässigt wurde.
Ausgehend von einem bevorstehenden TV-Interview im Jahre 1963 wechselt der Roman in Rachels Vergangenheit und kommt immer wieder in die Gegenwart, aber immer nur für kurze Szenen vor dieser wichtigen TV-Sendung, zurück, bis sich dann alles zusammenfügt.
Rachel, mittlerweile an Magenkrebs erkrankt, mobilisiert ihre eigenen Kräfte, damit sie gegen ihren Erzfeind argumentieren kann. Diese Sendung stellt sich als Höhe- und Wendepunkt ihres Kampfes heraus, sie gewinnt mit ihrem Auftritt an Gehör für diese wichtige Sache. Erst Präsident Kennedy setzt sich aufgrund der TV-Sendung für bessere Studien ein, ein Verbot für DDT erfolgt 1972 - acht Jahre nach Rachels Tod.
Doch auch Rays Privatleben spielt eine grosse Rolle in diesem Roman, der aus ihrer Sicht geschrieben ist. Erst sorgt sie für ihre Familie, adoptiert dann ihre Nichten, später den Sohn ihrer Adoptivtochter. Sie selbst kommt dabei jahrelang zu kurz, bis sie jemanden kennenlernt, doch diese Verbindung darf nicht sein.
Es ist auch eine Geschichte über sich ändernde Lebenspläne aufgrund der äusseren Umstände. Immer wieder hadert Rachel damit, denn Rachel liebte die Forschung, eigentlich aber auch das Schreiben. Als sie die Forschung aufgeben musste, war sie sich nicht im Klaren darüber, dass sie mit ihrer Erzählstimme und ihren Büchern schlussendlich womöglich viel mehr bewirkte als als Forscherin. "Ich möchte forschen, ich möchte schreiben, mit Geschichten berühren und aufrütteln." Das ist ihr auf jeden Fall gelungen!
Mich erinnerte das Buch stark an den Film "Erin Brokovich". Wem der Inhalt dieses Filmes gefallen hat, begeistert sich auf jeden Fall auch für "In uns der Ozean".
Von der ersten Seite an war ich gepackt von dieser intensiven Geschichte über diese unglaublich starke Frau. Genau wie es Rachel Carson mit ihren Büchern bewirkte, schafft es auch Theresia Graw uns das Leben und der Einsatz von Rachel Carson nahe zu bringen, mit einer unglaublichen Tiefe.
Fazit: Grossartige Story über eine starke Frau, äusserst feinfühlig erzählt. Ein Lese-Highlight!
5 Sterne.
Frech und scharfzüngig
Prinzessin Alice von Irene Dische
Die gehörlose Alice von Battenberg - Tochter von Prinzessin Victoria von Hessen-Darmstadt, Mutter von Philip, des späteren Gemahl von Queen Elizabeth II., verheiratet mit Andreas von Griechenland - die in mehreren Sprachen perfekt Lippenlesen konnte, die vielleicht in ihrem Körper gefangen war und ihre Aussenwirkung nicht immer abschätzen konnte, darf hier mit ihrer eigenen Stimme aus ihrem Leben erzählen.
Frech, gnadenlos und scharfzüngig.
Vielleicht ungewohnt für alle, die keine Ahnung von der Biografie der Prinzessin haben, und deshalb sollte man vor der Lektüre von Disches "Prinzessin Alice" zumindest ihren Lebenslauf gegoogelt haben, um zumindest ein bisschen Ahnung zu haben, auf was die Autorin alles anspielt.
Alice liebte Gott und die Lust, ihre Schwägerin Marie Bonaparte Sigmund Freund, Edwina Mountbatten liebte viele Männer. Diese drei Frauen stehen im Mittelpunkt dieses Romans, denn Marie und Edwina verbrachten viel Zeit mit Alice, brachten sie in eine Psychiatrische Klinik und halfen ihr aber auch wieder raus.
Es war ein sehr turbulentes Leben, das Alice führte. Historische Zeitumbrüche in Griechenland und Deutschland, der Krieg, der auch England nicht verschonte. Dazu die Gehörlosigkeit, die ihren Töchtern teilweise peinlich war, aber auch das überbordende Innenleben, das einen Weg nach aussen suchte. War Alice psychisch krank, bloss verrückt oder nahm sie sich einfach nur die Freiheit so zu sein, wie sie sein wollte, die Freiheit aus dem adligen Rahmen zu fallen? Diese Fragen haben sich schon viele Menschen gestellt, und nach der Lektüre von Disches "Prinzessin Alice" würde man dabei die Antwort wahrscheinlich in letzterem oder einer Kombination von allem finden.
Dische zeichnet ein sehr freies und faszinierendes Bild von Alice. Ich mochte diesen rasanten und sprachgewaltigen Schreibstil, da er eine neue Sichtweise auf diese sehr interessante historische Figur bietet.
Fazit: Irene Dische vermittelt einen beeindruckenden und sehr lesenswerten Eindruck von Prinzessin Alice von Battenbergs Leben, frech und scharfzüngig.
4 Sterne.
26 Geschichten
Menomorphosen von Jule Ronstedt
In "Menomorphosen" sammeln sich 26 Geschichten über Frauen im besten Alter. Nur empfinden das nicht alle gerade so. Die Frauen, deren Geschichten in diesem Buch erzählt werden - alle geschrieben von Autorin Jule Ronstedt -, sind alle plus minus 50 Jahre alt.
Sie schildern, an welchem Lebensabschnitt sie gerade stehen.
Die einen sind frisch getrennt und leiden, andere haben ihr Glück - das ganz unterschiedlich interpretiert werden kann - endlich gefunden. Einige sind kinderlos geblieben, andere erst gerade Mutter geworden. Olga freut sich, dass ihre Kinder endlich aus dem Haus sind und sie wieder selbst den ersten Platz in ihrem Leben hat. Elli hat Angst, mit ihrem Postmenopausen-Körper nach etlichen Jahren wieder in die Dating-Welt einzutauchen. Schauspielerin Greta bekommt nur noch namenlose Rollen als "Frau von...". Nele fragt sich, ob kosmetische Eingriffe vielleicht helfen würden, sich begehrter zu fühlen. Bei den einen ist die Brust, der Mann, die Eltern, der Job, die Energie weg und andere fragen sich, ob sie ihre Blümchenkleider in diesem Alter noch tragen dürfen oder besser nicht. Probleme, Sorgen, Freuden, wieder entdeckt oder verloren, Neuanfänge oder ein Weitergehen in bisherigen Pfaden: es sind viele Lebensbereiche, die behandelt werden; aber den allermeisten Frauen um die 50 ist es ein gut bekanntes Themenfeld, das die Autorin hier absteckt.
In manchen Geschichten begegnen wir einigen der porträtierten Frauen wieder, so dass es sich doch nicht so nach Kurzgeschichten-Band anfühlt. Ich freute mich jedenfalls über die hergestellte Verbindung. Alle dieser Frauen haben eines gemeinsam: sie sind gerade kurz vor, in oder nach der Menopause. Ich wünschte, ich hätte das Buch vor über zehn Jahren lesen können, als mir das "Menopossel" sehr früh begegnete und kein Arzt wusste, was los ist. Die Geschichten dieser fiktiven Frauen zeigen, dass alle da durch müssen, dass niemand die gleiche Geschichte hat, aber ähnliches Empfinden da ist und man nicht alleine ist, auch wenn sich das für die Frauen jeweils oft so anfühlt. Die Namen der Frauen umfasst das ganze ABC, deshalb gibt es von A-Z je eine Geschichte, 26 insgesamt.
"Menomorphosen" ist kein Buch, das man in einem Rutsch durch liest, sondern eher immer mal wieder eine Geschichte oder zwei aufs Mal. Die meisten Storys sind kurz, so dass man sie in fünf bis zehn Minuten gelesen hat - ideal zum Beispiel, wenn frau eine kurze Strecke mit dem ÖV unterwegs ist. Man könnte auch morgens beim Kaffee trinken eine lesen oder als Gute-Nacht-Geschichte. Oder aber, man schenkt das Buch anstatt eines Adventskalender sich selbst oder guten Freundinnen, die sich gerade in dieser Lebensspanne befinden. Ich wette, das Geschenk kommt gut an, weil es einfach mal was anderes ist und die Leserinnen abholt.
Fazit: Toll erzählte Geschichten über Frauen in allen Phasen der Wechseljahre und lesenswert für alle Menschen, nicht nur für Frauen, die gerade selbst darin stecken oder diese Lebensphase bereits durchgemacht haben.
4 Sterne.
Zucker ist Gift
Mord im Stadtpalais von Beate Maly
Kommissar Felix Zack isst für sein Leben gern, wie gut, dass ihn sein aktueller Fall in die Herrengasse bringt, wo Köchin Mila Sokol seit einigen Monaten für das leibliche Wohl der Bewohner dieses Stadtpalais sorgt - und ab nun auch für Kommissar Zack, der findet zu seinem Glück immer neue Ermittlungsansätze, um einen Grund zu haben, die Familie Steinhäusel zu besuchen, denn Herr Steinhäusel ist verstorben.
Alles deutet auf eine Vergiftung hin. Schuld soll die neue Köchin Mila sein, die zwar von der Zuckerkrankheit wusste und für Herrn Steinhäusel und seine zweite Ehefrau extra zuckerfrei kochte und backte. Gut, die junge Frau Steinhäusel ass eh kaum was, aber Herrmann Steinhäusel schätzte es sehr. Nun soll also Mila ein Fehler unterlaufen sein - dies behauptet die grosse Familie, die die Adventszeit traditionsgemäss bei Steinhäusels in der Herrengasse verbrachte.
Mila weist die Schuld von sich und beobachtete nicht nur die Ankunft der Familienmitglieder, darunter Schwestern und Kinder von Herrmann Steinhäusel, mit ihren Ehemännern- oder frauen und Verlobten, sondern beobachtet auch, wie sie miteinander umgehen. Ihre Beobachtungsgabe ist gut und ihre Rückschlüsse nimmt selbst Kommissar Zack gerne zur Kenntnis.
Felix Zack kann noch niemanden - ausser vielleicht Mila, denn wer so gut kochen und backen kann wie sie, muss doch unschuldig sein - ausschliessen, auch das weitere Personal ist verdächtig.
Beate Maly erzählt gewohnt lebendig wie es in dem grossen Haushalt zu und her geht, erläutert, weshalb gewisse Familienmitglieder ihre Gründe für den Mord hätten und schildert ein farbiges und der Zeit entsprechendes Bild von Wien anno 1910.
Die Adventsstimmung ist spürbar und auch die Spaziergänge von Felix Zack, dem schon bald ein streunender Hund hinterherläuft, kann man sich gut vorstellen.
Mila Sokol bäckt unter anderem "Powidltascherl". Bis zuletzt hatte ich keine Ahnung was "Powidl" sind, da das Wort nie erklärt wird. Auch auf den letzten Seiten folgte leider keine Erklärung, für die speziellen österreichischen Ausdrücke. Das fand ich schade. Ansonsten hat mich "Mord im Stadtpalais" gut unterhalten.
Fazit: Ein schöner Krimi für die Adventszeit.
4 Sterne.
Ein grosses Schauspiel
Mrs Potts' Mordclub und der Tote in der Themse von Robert Thorogood
Judit Potts wird zu Hilfe gerufen: Verity Beresford vermisst ihren Mann - und da Judit und ihr Mordclub bereits einen gewissen Ruf in Marlow hatben, setzt Verity ihr Vertrauen in die drei Frauen vom Mordclub. Der Polizei traut sie nicht.
Der Mordclub hingegen traut Verity nicht. Erst recht, als sich bald herausstellt, dass Oliver Beresford, der Gründer der Marlow Amateur Dramatic Society, kurz MADS, getötet wurde und jeder, der an besagtem Abend am MADS-Komitee-Anlass teilgenommen hat, mehrere Gründe gehabt hätte, Oliver ins Jenseits zu befördern.
Judit, Becks und Suzie finden immer weitere Motive, doch ihre Hauptverdächtige ist und bleibt die Witwe. Ob sie es am Ende auch tatsächlich war oder nicht, stellt sich erst am Ende dieses spannenden Falls, der mit vielen Wendungen überrascht, heraus.
Robert Thorogood spielt sehr geschickt mit den vielfältigen Motiven aller Verdächtigen: zum Beispiel die berühmte Lizzie Jenkins, die ihre Schauspielkarriere am MADS begann, der junge Mechaniker Toby Vincent, aber auch Kapitän Lance Goodman, der mal mit Suzie liiert war plus mehrere weitere Figuren.
DI Tanika Malik durften der Mordclub dieses Mal nicht unterstützen, aber wir wissen alle, dass die drei Frauen alles tun, um trotzdem zu ermitteln. Natürlich ganz inoffiziell und ganz anders deklariert. Sie geben sich jegliche Mühe, damit Tanika nicht an den Pranger gestellt wird. So wird Judit plötzlich Teil der Theatercrew und steht am Ende auf der Bühne.
Becks hat zeitgleich Zuhause ein Problem. Der neue Freund ihrer Tochter Chloe behagt ihr nicht und sie ist überzeugt, dass er es nicht ehrlich meint. Doch wie ansprechen, ohne Porzellan zu zerschlagen?
Mir hat sehr gut gefallen, dass man nie jemanden ausschliessen konnte, sondern bei allen immer wieder neue Motive auftauchten, sogar dann als weitere Verdächtige gefunden wurden.
Fazit: Dieser vierte Band überzeugt durch einen cleveren Plott, bei dem man bis zuletzt niemanden ausschliessen kann. Ein Highlight für alle Whodunit-Fans.
4 Sterne.
Als Junge verkleidet in der Sixtinischen Kapelle
Die Künstlerin von Rom von Pia Rosenberger
Pia Rosenberger erzählt in "Die Künstlerin von Rom" die fiktive Geschichte von Delia, die nach Rom reisen wird, um ihren Bruder zu suchen. Er soll die Werkstatt ihres Vaters übernehmen, damit Delia weiterhin als Bildhauerin arbeiten kann - das zumindest wäre ihr grösster Wunsch. Damit ihr nichts passiert, wird sie als Junge verkleidet und reist mit der Gauklerfamilie eines Mitarbeiters Richtung Rom.
Aus Delia wird Dario und ihr wird schnell klar, dass sie als Junge viel mehr Freiheiten hat, als wenn sie als junge Frau unterwegs ist. Vor allem in Rom wäre ihr Bewegungskreis zu klein, was ihr bei der Suche nach Rodolfo hinderlich wäre. Auch würde Delia nie als Schülerin von Michelangelo arbeiten können - dies gelingt ihr als Dario, vor allem aber durch ihr Talent.
Wäre da nur nicht Dottore Fabio di Pasquale, den sie auf der Reise kennengelernt hat und für den sie etwas empfindet. Doch der ist der seiner Cousine Bella, einer zickigen jungen Frau, versprochen.
Kyra, eine Seiltänzerin aus der Gauklerfamilie, soll ebenfalls bald verheiratet werden. Doch auch sie will wie Delia selbst entscheiden, ob und wen sie heiraten wird. Eigentlich wäre sie die perfekte Freundin für Delia, aber selbst sie darf nicht wissen, wer Dario in Wirklichkeit ist. Bald gelangt auch Kyra nach Rom, allerdings in ganz andere Kreise als Delia.
Rosenberger zeigt der Leserschaft die Stadt aus zwei Perspektiven: die der Unterwelt, in der Kyra verkehrt und die Welt der Kleriker und Künstler, in der Delia als Dario alle Freiheiten besitzt. Die Geschichte spielt zur Zeit als Papst Julian Geld brauchte, um den Petersdom zu vergrössern, was aber nur nebenbei erwähnt wird. Das verbindende Glied der beiden dargestellten Welten ist die Macht - und einige der Charaktere, die sich in beiden Szenerien bewegen.
Mir gefiel, wie Rosenberger die Szenen in der Sixtinischen Kapelle beschrieb und alles was mit Michelangelo und den Künstlern zu tun hatte. Kyras Liebesgeschichte fand ich am Ende vorhersehbar, aber der Twist hat mir trotzdem gefallen.
Weniger lesenswert fand ich einige Szenen um Dankwart und Kardinal Orsini, da hätte man vielleicht etwas kürzen können, denn insgesamt war mir die Geschichte mit ihren 525 Seiten zu lang. Zudem empfand ich einige Ausdrücke als zu modern, die passen nicht ins 16. Jahrhundert.
Fazit: Unterhaltend, aber die Geschichte vermochte mich nicht zu fesseln, auch wenn einige sehr gute Aspekte dabei sind.
3.5 Sterne.











