Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Emmmbeee:
Ungewöhnliche Trauerbewältigung
Schlangen im Garten von Stefanie vor Schulte
Trauer ist individuell, und es gibt kein Wie oder Genug oder Zu wenig. Dass eine Familie einen so ungewöhnlichen Weg wie das Verspeisen des mütterlichen Tagebuchs wählt, nachdem diese gestorben ist, dürfte allerdings selten vorkommen.
Stefanie vor Schulte hat mit ihrem Roman „Schlangen im Garten“ ein Buch vorgelegt, zu dem ich nur schwer vorgedrungen bin.
Da habe ich mir bei ihrem Erstling „Junge mit schwarzem Hahn“ bedeutend leichter getan.
Die häufigen Metaphern bedingen ein Mitdenken, ein ständiges Interpretieren. Man muss genau lesen, darf die Seiten keineswegs überfliegen. Doch das Durchhalten lohnt sich, denn gegen Schluss entwirren sich die Fäden allmählich, und einige Querverbindungen schälen sich heraus. Mit dem Verlauf der Handlung kommen immer mehr Personen hinzu, die seltsame Dinge tun. Man muss schon sehr aufpassen, dass man den Überblick und den Faden nicht verliert.
Viele Stellen wirken reichlich surreal, man wähnt sich über weite Strecken in einem Fantasyroman. Manchmal ist die Sprache im Telegrammstil gehalten: kurze oder halbe Sätze, einfacher Punkt statt Fragezeichen, sodass die Fragen zu Feststellungen werden.
Insgesamt ein meisterlich behandeltes Thema, das uns alle angeht. Zu einem Lieblingsbuch wird der Roman mir allerdings nicht.
Eine Frau, die ihren Mann steht
Matrix von Lauren Groff
Zu einer Zeit, da Frauen fast überall unterdrückt und bei der Eheschließung enteignet wurden, wächst Marie heran, die nicht in einer normalen Vater-Mutter-Kind-Familie erzogen worden ist. Starke Frauenbilder hatte sie von klein auf vor Augen. Da sie als unehelicher Sproß des englischen Thrones geboren wurde, glaubt Königin Eleonore von Aquitanien, mit ihrer Halbschwester nach Belieben verfahren zu können, und schickt sie in ein völlig heruntergekommenes, verarmtes Kloster.
Maries Einstand ist denn auch ein äußerst armseliger. Doch bald kann sie sich aufgrund ihrer Klugheit und ihres Geschickes durchsetzen, und davon profitieren auch die übrigen Nonnen und das umliegende Land. Doch Neid und Eifersucht gibt es überall.
Mir gefällt schon mal das Thema, das bisher so wohl noch kaum angeschnitten wurde. Doch auch der Erzählstil, die Sprache der Übersetzerin Stefanie Jacobs, ein nicht unwesentlicher Faktor, hat mich von Beginn an sehr gern lesen lassen.
Die Spannung hält sich durch alle 9 Kapitel hindurch. Die Handlung hat Drive und ist doch nicht aufregend, sie fließt trotz der Veränderungen ruhig dahin. Eine Ausnahme bildet natürlich die Abwehr der anstürmenden Rüpel, welche nachts durch das Labyrinth einbrechen und zum Kloster gelangen wollen. Wie klug umgehen die Nonnen doch das Gebot „Du sollst nicht töten“!
Die Charaktere der Nonnen sind sehr plastisch herausgearbeitet, man sieht sie richtig vor sich und kann ihre Reaktionen vorausahnen. Auch vom Zustand der Abtei konnte ich mir ein gutes Bild machen.
Mit Maries Tod endet zwar der Roman, nicht jedoch das Bestehen ihres Klosters. „Und die Stunden verstreichen, und die Arbeit geht weiter“, so lautet der letzte Satz.
Die Gestaltung des Covers lässt vermuten, dass sowohl die Strahlkraft dieser Äbtissin als auch ihre Visionen dargestellt werden sollen. Erst auf den zweiten Blick habe ich die Schönheit des Bildes erkannt.
Auf der Rückseite des Schutzumschlags sind die Reaktionen von drei Autorinnen angeführt. Mich freut es, dass Louise Erdrich mit einer überzeugenden Aussage darunter ist. Obwohl ich historische Romane sonst nicht so mag, dieser hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Ich empfehle ihn allen, die sich darüber freuen, dass es zu allen Zeiten starke und gescheite Frauen gab und die gute Literatur schätzen.
Außerirdisch und doch sehr irdisch
Der Mann, der vom Himmel fiel von Walter Tevis
Ein Humanoider von einem anderen Planeten trifft mit einem Auftrag in Kentucky auf. Dort beginnt er mit seinen andersartigen Technologien zu wirken und hat zunächst viel Erfolg damit. Doch Reichtum schafft Neider und verursacht Misstrauen. Von da her sehr irdisch, denn das passiert Tag für Tag.
Das alles lässt aber auch an Jesus Christus denken, der quasi ebenfalls von einem anderen Stern kam, mit einer Mission und zum Scheitern verurteilt.
Bitte, wertet das nicht als Blasphemie, aber der Gedanke liegt nahe.
Ich habe etwas Zeit gebraucht, um in den Roman und seine Charaktere hineinzufinden. Kaum war die Rede von diesem High-Tech-Labor, ahnt man auch schon, dass es kein Happy End geben wird. Sehr unheilverkündend ist alles, der Untergang war mir immer vor Augen.
Über allem schwebt David Bowie, denn der Roman, bereits 1962 geschrieben, wurde 1976 mit ihm in der Hauptrolle verfilmt. Der humanoide Außerirdische namens Thomas Jerome Newton ließ sich damals in idealer Weise vom Sänger verkörpern. Zu dieser Zeit kannten wir Bowie als bunt eingefärbten Ziggy Stardust und fast ausgemergelt schlank, der Alien in Person.
Ich fand die Sprache lebendig, eingängig und flüssig, den Text spannend. Doch da ich keine Science-Fiction-Leserin bin, würde ich das Buch trotzdem kein zweites Mal lesen. Die Umschlaggestaltung finde ich passend und ansprechend.
Erschütternde Familiengeschichte
Die Wunder von Elena Medel
Spanien in den Jahren zwischen 1969 und 2018, zwei Frauen. Die ältere von ihnen wird durch ihre Lebensjahre begleitet. Sie ahnt im Alter, dass sie soeben ihrer Enkelin begegnet ist. Dazwischen der Verlauf einer Familie in Aufstieg und Absturz. Doch worum es eigentlich geht und mich tief berührt hat, ist die schmerzhafte Entfremdung zwischen Müttern und ihren Töchtern.
Mir gefällt der Schreib- und Erzählstil von Elena Medel, von der ich zuvor noch nichts gelesen habe. Dennoch fand ich nur schwer in diesen Roman hinein. In elf Kapiteln, die zeitlich vor- und zurückspringen, wird eine erschütternde Familiengeschichte ausgebreitet.
Diese Zeitsprünge können sehr verwirren, weil erst viel später aufgelöst wird, was im betreffenden Abschnitt angedeutet wurde. Im folgenden handelt es sich ja wieder um eine andere Person in einer anderen Zeit. Ist aber jemand ein langsamer Leser oder legt längere Zeit das Buch aus der Hand, ist es für ihn schwierig, wieder hineinzufinden, denn er wird wahrscheinlich das Geflecht neu entwirren müssen. Auch hat sich mir die Bedeutung des Titels bis zum Ende nicht erschlossen.
Vermisst habe ich sowohl ein Glossar für die spanischen Ausdrücke als auch eine Zeittafel, in der das politische Geschehen auf der iberischen Halbinsel verzeichnet ist. Das ist in Mitteleuropa nicht allzu vielen Leuten bekannt. So kann man nur rätseln, von wessen Beerdigung die Rede ist und sich die Reaktionen darauf zusammenreimen.
Deshalb empfehle ich diesen Roman nur Kennern der spanischen Geschichte seit 1968 weiter.
Afrika nähergebracht
Danke, Afrika! Was ich zwischen Dschibuti und Marokko fürs Leben lernte. von Lena Wendt
Wenn man wie Lena Wendt einen Kontinent bereist, kommt es zu tiefergreifenden Begegnungen und Erfahrungen. Anders geht es gar nicht, aber man muss sich auf Land und Menschen auch einlassen. Genau das hat die Autorin getan.
Ein Querschnitt durch ihre Reisen und Erlebnisse, bunt gemischt. Doch nicht nur die schönen Touristenseiten beschreibt die Autorin, sondern auch die problematischen, vor denen wir gern die Augen verschließen: tiefe Armut, Hass, Rassismus, Mangel, Unterdrückung, doch auch viel Hoffnung.
Sie lässt auch die Afrikaner selbst zu Worte kommen, was den Reiseberichten eine beachtliche Authentizität verleiht. Fotos. Ein wenig Humor.
Natürlich bestehen viele Unterschiede, in der Lebensweise, der Ernährung, der Kultur, den Traditionen. Doch Lena Wendt hebt auch die Gemeinsamkeiten hervor, was mir sehr sympathisch war.
Insgesamt ein Buch für alle, die Afrika ein wenig – oder noch gar nicht kennen.
Open Start auf Sylt
Schlaflos auf Sylt von Claudia Thesenfitz
Merle wird 50 und will mit Mutter und Stiefvater drei Tage lang still auf der Insel Sylt feiern. Doch Eltern und Schwestern überraschen sie mit einem Riesenfest, zu dem sie 50 unerwartete Gäste geladen haben.
Ein hübsches Coverbild, ein paar farbig beschriebene Ansichten von Sylt, eine durchprogrammierte, vielseitige Geburtstagsfeier, jede Menge Charaktere.
So ganz nebenbei werden die Probleme des Mangels an Servicekräften und bezahlbarem Wohnraum auf der Insel gelöst. Auch für nicht wenige Beteiligte eröffnet sich ein neuer Start. Statt open end ergibt sich zur Abwechslung mal ein open start.
Aber sonst? Über weite Strecken, ich denke dabei an allzu ausführliche Lebensrückblicke und das endlose philosophische Gespräch zu früher Stunde unter stark angetrunkenen Menschen, wirkte der Roman auf mich etwas langatmig. Die diskutierten Perspektiven waren denn auch reichlich ausgelutscht.
Manche Personen fand ich überzeichnet, sie wurden für mich dadurch unglaubhaft. Für etliche Gäste wurde das Fest zur Partnertauschbörse. Es gab durchgeschüttelte Beziehungen, Tantra, Outings, Ärger, Tränen, Enttäuschungen am laufenden Band. Vieles war vorhersehbar und zumindest für uns mitdenkende Leser keine Überraschung.
Warum „schlaflos auf sylt“ ein Glücksroman sein soll, hat sich mir nicht ganz erschlossen. Vielmehr entpuppt es sich als Ratgeber für Menschen um die 50.
Was mir aber gar nicht gefallen hat waren die vielen Füllwörter, noch dazu in textnaher mehrfacher Wiederholung. In dieser Hinsicht hätte ich der Autorin mehr Sprachkunst zugetraut. Schön fand ich hingegen, dass Claudia Thesenfitz sich auf dreieinhalb Seiten hinweg bei so vielen Menschen bedankt.
Als Strandlektüre eignet sich der Roman durchaus. Die Ansprüche dürfen nur nicht allzu hoch liegen.
How to kidnap the rich
Bekenntnisse eines Betrügers von Rahul Raina
Ramesh ist das Gegenteil eines Aussteigers, wie wir diese Gruppe von Menschen heute verstehen. Er möchte in erster Linie der Armut und seinem gewaltbereiten Vater entkommen. Er ist intelligent genug für eine höhere Bildung. Durch die Förderung der Nonne Claire steht er kurz vor den All India Examen.
Sein Ziel, ein Aufsteiger zu werden, ist in greifbare Nähe gerückt.
Kurz davor jedoch öffnet sich ihm eine andere Möglichkeit, um zu Geld zu kommen. Ein Reigen von Lüge, Gaunerei, Schwindel, Betrug, Korruption, Erpressung und sogar Kidnapping beginnt. Nicht umsonst lautet der englische Originaltitel „How to Kidnap the Rich“. Die rasende Jagd nach den Millionen überflügelt den Kampf ums bloße Überleben schon bald. Zwar endet der Roman nicht so, wie unser Held es sich erträumt hat, doch er landet auf der Seite der Gewinner.
Der Leser hastet von Seite zu Seite mit den beiden Hauptpersonen Ramesh und Rudi wie die Figur auf dem Cover. Schon bald fragt er sich, wann denn der Ballon dieses ergaunerten Höhenfluges endlich platzen wird.
Bereits der erste Satz ist ein Anreißer. Doch bis es zum angedeuteten Kidnapping kommt, dauert es etwa den halben Roman. Auch sonst ist der erste Teil (bis Kapitel neun) erfüllt von Ankündigungen. Und weil diese so oft vorkommen, verblasst mit der Zeit ihre Wirkung als Cliffhanger, finde ich. Der Autor springt wie ein Gummiball ständig vor und zurück, mir persönlich wurde es ein wenig zu viel.
Der Spannungsbogen ist also durchaus gegeben, die Schilderungen wurden vom Übersetzer Alexander Wagner sehr farbig und lebendig wiedergegeben. Wir Leser gewinnen viel Einblick in die Welt der Inder, der höheren ebenso wie der niedrigsten Kaste. Doch auf die reichliche Einstreuung von Fäkalausdrücken hätte ich locker verzichten können, obwohl diese Sprache authentisch sein mag und ich diesbezüglich tolerant bin.
Im Anschluss an das letzte Kapitel ist zum besseren Verständnis ein großzügiges Glossar angefügt. Wem empfehle ich diesen Roman? Wohl eher solchen Lesern, bei denen eine gepflegte Sprache nicht unbedingt an erster Stelle steht.
Wieder vereint am Ferienort
Sommerschwestern von Monika Peetz
Die Schwestern Doro, Yella, Helen und Amelie treffen sich nicht mehr oft und haben einander ein wenig aus den Augen verloren. Sie erkennen jedoch schnell, wie wenig sie im Grund voneinander wissen, als ihre komplizierte Mutter eine Familienkonferenz in den Niederlanden einberuft. Und das ausgerechnet an jenem Ort ihrer früheren gemeinsamen Ferien, an dem ihr Vater tödlich verunglückt ist.
Jede reagiert unterschiedlich auf die Ankündigung ihrer Mutter. Doch keine von ihnen hat auch nur im Geringsten erwartet, was schließlich auf sie zukommt.
Die deutlichste Figur ist Yella, von den andern Frauen erfährt der Leser nicht so viel. Das ist schade, denn als Erzählerin sehe ich Yella nicht. Deshalb erscheint mir zum Beispiel ein wenig mehr Licht auf Helen geraten. Auch über die Mutter möchte ich mehr wissen. Aber dann wäre der Roman wohl ausgeufert.
Das Erzähltempo fand ich sehr unterschiedlich. Mal war ich gefesselt, dann wieder habe ich mehrere Seiten hintereinander quergelesen, weil es mir zu langatmig war. Ich kam den Figuren schon nahe, hätte selbst aber gern ein paarmal den Stift angesetzt. Wie die Autorin die einzelnen Personen gezeichnet hat, ist hingegen faszinierend.
Auch gefielen mir die Schilderungen der Orte und Stationen in Holland. Allerdings haben mir manchmal die sprachlichen Übersetzungen gefehlt, denn nicht immer hat sich mir ganz erschlossen, was die Ausdrücke bedeuten.
Die Umschlaggestaltung hat es mir angetan, denn sie drückt mit wenigen Mitteln vieles aus: Sommer, Strand, Weiblichkeit, Nachdenklichkeit, Rückbesinnung und Zukunft.
Durchaus ein Sommerbuch, das uns zwischen seinen Seiten ans Meer entführt.
So hätte es sein können
Fast ein Idyll von Susanne Falk
In ihren halbwegs wahren Geschichten im Band „Fast ein Idyll“ legt uns Susanne Falk eine Reihe von Episoden vor, wie sie durchaus hätten stattfinden können. Nur grad eben nicht. Kaiser Franz Joseph I. bildet Anfang und Schluss, und zwischen seinen ausgebreiteten Armen tummeln sich diverse Größen aus Kunst, Dichtung, Wissenschaft, Mode, Theater, Musik, Gesellschaft etc.
Immer wieder tauchen Jane Austens Briefe an Cassandra auf.
Die Geschichten geben Einblick in das Leben dieser Prominenten, auch wenn sie nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Aber endlich weiß ich, was es mit Schrödingers Katze auf sich hat, obwohl ich mit Quantenmechanik sonst absolut nichts am Hut habe.
Mir gefällt Falks lockerer Sprachstil, die kurzen Stories, die Abwechslung zwischen den Epochen und Schichten. Das Buch liest sich flott und erheiternd – und schon ist man am Ende.
Ich empfehle es allen, denen zumindest der Großteil der Personen bekannt ist. Die bisher weniger bekannten lernen wir jedoch beim Lesen ein bisschen kennen.
Sprachpralinen
Auf der Zunge von Jennifer Clement
Eine Frau versucht, vor der Strenge ihres Ehemannes zu fliehen, um nicht erdrückt zu werden. Sie streift durch die Stadt New York und begegnet verschiedenen Menschen, meist Männern, und lässt sich auf sie ein.
Ist es nur Fantasie, oder geschieht dieser Frau wirklich, was die Autorin von ihr erzählt? Anfangs habe ich nur schwer hineingefunden, in dieses Buch, das kein Roman sein will.
Dann aber genoss ich zunehmend die anspruchsvolle Sprache, die bilderreich, fantasievoll, poetisch, alle Sinne ansprechend daher sprudelt.
All die Begegnungen, die Jennifer Clement beschreibt, müssen einem erst einfallen. Und was sie daraus macht, ist ein Bilderbogen, der sich kreuz und quer durch eine Großstadt spannt. Auch wenn es nicht immer gleich offensichtlich ist, führt eine Begegnung zur anderen. Immer wieder kommen die Feuerleitern an den Hauswänden vor, die Schutz und Einbruchsgefahr gleichzeitig darstellen. Besonders angesprochen hat mich das kurze Kapitel vom Astronauten, das vollends wie ein surreal atemloser Traum klingt.
Ja, es ist eine Sehnsuchtshymne, der Ausbruch einer eingeengten Frau, die nur durch diese Spaziergänge den kontrollierenden Ehemann kompensieren kann. Das Fremdgehen, meist wohl nur in ihrer Fantasie, lässt sie die festgefahrene Ehe ertragen. Ihr Mann sollte froh sein, dass sie diese Tür gefunden und geöffnet hat.
Das Buch bietet einiges an Philosophie und jüdischer Weisheit. Schon deshalb darf man es nicht überfliegen. Vielleicht, damit wir beim Lesen innehalten und die einzelnen Sprachpralinen intensiver goutieren, lässt Clement zwischen den kurzen Texteinheiten Zeilenabstände wie zwischen einzelnen Abschnitten. Das verleiht der Geschichte eine zusätzliche Leichtigkeit. Die vorletzte Seite habe ich mehrmals gelesen, um die Aussagen in ihrer Vielfalt in mich aufzunehmen.
„Auf der Zunge“ ist eins der wenigen Bücher, bei denen ich bedauert habe, dass ich am Schluss angekommen war.











