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Rezensionen von Furbaby_Mom:

Mega guter Regional-Krimi, der Lust auf "Meer" macht!

Mordseefest von Emmi Johannsen

Wow, wie kommt es, dass ich erst jetzt - zum Erscheinen des 3. Bandes - von dieser genialen Reihe erfahre?! Ich bin komplett be-geis-tert von Emmi Johannsens Schreibstil, der die perfekte Mischung aus Authentizität und Wortwitz bildet!

Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr das farbenfrohe Cover betrachtet? Ich finde es ja ulkig gestaltet - mit der partylustigen Möwe hat es definitiv Wiedererkennungswert und strahlt wohliges Urlaubsfeeling aus -, ursprünglich hatte ich jedoch etwas Sorge, ob das Werk nicht zu klamaukig geschrieben sein würde.

Zwar mag ich humorvoll erzählte Krimis deutlich lieber als jene, in denen Gewalt und Blutvergießen dominieren (- Cosy Crime ist genau mein Ding! -), aber zu seicht sollte es bitte nicht sein. Ich kann nur sagen: Gott sei Dank habe ich, angetan vom Klappentext und aufgrund meiner von Cornelia Engels Verliebt-auf-Borkum-Reihe geweckten Borkum-Liebe, zu diesem Buch gegriffen! Wow!! Ich wurde daran erinnert, mich an das zu halten, was ich selbst stets predige: Never judge a book by its cover. Never! Junge, Junge, was wäre mir da Tolles entgangen!

Lokalkolorit pur! Traumhaft atmosphärische Beschreibungen der Insel, die liebevoll in die Handlung einfließen - wie Wellen, die sanft an den Strand schwappen (anstatt, wie es bei vielen Büchern der Fall ist, mit der Holzhammer-Methode à la 'okay, jetzt kommt eine Seite lang die Ortsbeschreibung, ehe es handlungstechnisch vorangeht').

Glaubwürdige, lebensnahe Dialoge (nicht nur der Hauptfiguren), die dermaßen real auf mich wirkten, dass ich das Gefühl hatte, selbst als unauffällige Beobachterin mitten im Geschehen zu stecken. … wobei ich insgeheim ganz froh darüber war, dass ich gewisse schicksalsträchtige Strandpartys (jawohl, Plural) aus der Sicherheit meines Lesesessels heraus genießen konnte und manchen Figuren, deren Empathielosigkeit mir eine Gänsehaut beschert hat, nie im echten Leben begegnen werde.

Liebenswerte Charaktere! Caro (warmherzig, neugierig, hilfsbereit) und Jan (smart, charismatisch, bodenständig) sind ein mega sympathisches Duo – kein romantisches Pärchen, wohlgemerkt, obwohl durchaus das ein oder andere Fünkchen zwischen ihnen zu sprühen scheint. Aber auch die pfiffigen Wortgefechte zwischen Caro und dem Polizisten Bachmann sind ein Träumchen, ich habe mich königlich amüsiert!

Der Schreibstil: flott und modern, voller Humor, umgangssprachlich, ohne dabei plump oder verkrampft locker zu wirken, mit leisen Tönen an den richtigen Stellen und clever gesetzten Kapitelübergängen, sodass die Spannung unaufhaltsam gesteigert wird. Ich kam sofort prima in die Story rein und obwohl ich die Vorgängerbände nicht kannte, fühlte sich dank der angenehmen Erzählweise alles vertraut an.

Gekonnt führte die Autorin mich auf falsche Fährten und ließ mich rätseln, wer Täter und Opfer sein könnten bzw. welche Geschichte sie beide miteinander verbindet. Warum starb ein erfahrener Fallschirmspringer aufgrund eines defekten Schirms – handelt es sich um einen tragischen Unfall oder steckt etwa Sabotage dahinter? Abgesehen von seiner hochschwangeren Witwe scheint niemand um den Toten zu trauern, im Gegenteil. Von den Insulaner:innen, die normalerweise wie Pech und Schwefel zusammenhalten und sich umeinander sorgen, hört Caro nur abfällige Bemerkungen über den Verunglückten. Warum war Roland Fehrmann so verhasst? Oh, und erwähnte ich, dass auch Hunde eine kleine Rolle spielen? Man spürt, dass die Autorin selbst Hundemama ist, die Frau kennt sich aus! Was habe ich geschmunzelt bei den Szenen in der Hundeschule! Ich sage nur: Leberwurst = Hundekoks.

Fazit: 5 ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dieser rundum gelungene Regional-Krimi macht Lust auf "Meer"! Ein Muss für alle Borkum-Fans und Cosy-Crime-Liebhaber:innen! Ich freue mich schon jetzt riesig auf Band 4 und auf das nachträgliche Entdecken der Vorgängerbände.

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Super niedliches Kinderbuch, aber das Thema Mut kommt kaum vor

Nobbi, der Mutmachhase (Band 3) - mach mit, hab Mut und alles wird gut! von Maike Bollow

Nobbi ist ein ganz besonderer Hase. Nicht nur, dass er am Bauch einen Beutel hat, genau wie ein Känguru – er ist obendrein auch ein Mutmachhase, der sich durch Hilfsbereitschaft und Einfühlungsvermögen auszeichnet. Seine Freunde wissen, dass sie sich immer auf Nobbi verlassen können, denn mit seinen extra langen Lauschern hört er sich ihre Probleme an und weiß stets einen Rat.

Die niedliche Hauptfigur im gleichnamigen Mitmachbuch von Autorin Maike Bollow und Illustratorin Stefanie Reich dominiert den in ansprechenden Farben gestalteten Hardcover-Umschlag der 32 Seiten umfassenden Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt. Ebenfalls auf dem Cover abgebildet ist Nobbis entzückender kleiner Freund, der Vogel Flatterpiep.

Für mich steht und fällt ein bebildertes Kinderbuch mit seinen Illustrationen. Diese waren hier mein klares Highlight! Die süßen, farbenfrohen Abbildungen von Nobbi und seinen Freunden erstrecken sich jeweils über Doppelseiten und laden zum Entdecken von Details ein, ohne überladen zu wirken. Der Textanteil ist überschaubar und zeichnet sich durch leicht verständliche Dialoge mit kurzen, aussagekräftigen Sätzen aus. Zahlreiche Laute wie ju-huuu, ui, hui, pst, mhm oder plitschplatsch eignen sich hervorragend für ein animiertes Vorlesen.

Beinahe jede Textpassage endet mit einer in einer anderen Textfarbe abgedruckten Aufforderung an die junge Leserschaft, so werden wir z.B. aufgefordert, uns etwas zu wünschen, richtiges Zähneputzen vorzumachen oder ein Flugküsschen zu Nobbi zu pusten. Etwas sonderbar fand ich die Aufforderung, an einem in der Geschichte vorkommenden Baum zu schütteln, da dies Kinder dazu verleiten kann, direkt auf die Seite mit dem abgebildeten Baum zu greifen und daran herumzureißen. Zwar heißt es, man sollte vorsichtig sein, aber bei einem beherzten Zugreifen ist dann schnell ein Riss im Papier.

Bereits im Untertitel ("Mach mit, hab Mut und alles wird gut!") des nunmehr dritten Bandes der bei Edel Kids Books Nobbi-Reihe wird deutlich, dass das Thema Mut ein zentrales Element darstellen soll – dies war in meinen Augen nicht der Fall. Die im Klappentext erwähnten Hilfestellungen, die Nobbi mitunter dem Uhu und dem Bibermädchen Lilli leistet, waren zwar lieb, hatten allerdings nichts mit Mut zu tun. Einzig die an den schüchternen Siebenschläfer gerichtete Aussage "»Eine Prise Mut und Lachen hilft dir prima mitzumachen«" geht in diese Richtung, die doch eigentlich die Hauptaussage des Werkes hatte sein sollen – Ermutigung und Beistand zu erhalten in Situationen, in denen man sich etwas nicht traut, in denen man Zuspruch benötigt, um etwas zu wagen. In der Schule hätte es geheißen: Ausarbeitung super, Hauptthema leider verfehlt. Ich möchte betonen, dass mich dies zwar verwundert, aber nicht gestört hat, da ich aktuell nicht nach einem Mutmach-Buch Ausschau gehalten hatte, und wir uns folglich an dem ansonsten sehr putzigen, empfehlenswerten Werk dennoch erfreuen konnten.

Fazit: Wir vergeben 4 liebevolle Sterne. Unser Spatz war vom Cover (und dem illustrierten Innencover) enorm angetan und auch von der restlichen Aufmachung begeistert; dank der Mitmach-Gesten wurde es ein interaktives Leseerlebnis. Als Mama freute ich mich natürlich darüber, dass der Vorgang des Zähneputzens spielerisch in die Handlung integriert worden ist.

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Absolutes Wohlfühlwerk!

Man muss sich nur trauen von Renate Bergmann

"Uns hat nie ein Mann das Haushaltsbüdschee zugeteilt, sondern immer wir den Kerlen das Taschengeld, so sieht das aus! Und wir haben nie geheiratet, weil wir mussten, sondern immer nur, weil wir wollten. Nicht wie diese ganzen operierten Nackedeis heutzutage, die sich einen reichen Fußballspieler angeln, weil es mit der Schule nicht so geklappt hat.

"

Ich liebe, liebe, liebe die Buchreihe um die kultige Online-Omi Renate Bergmann! Bestsellerautor Torsten Rohde hat es mal wieder geschafft, mir zauberhaft humorvolle und entspannte Lesestunden zu bescheren. Ich kann nur sagen: Der Buchtitel "Man muss sich nur trauen" (erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, März 2022) ist Programm. – Genau diesen Satz möchte ich nämlich jedem zurufen, der bisher noch nicht das Vergnügen gehabt hat, einen Plausch mit Renate erleben zu dürfen.

Ich muss gestehen, als ich damals zum ersten Mal die kunterbunten Buchcover gesehen habe, war ich zunächst SEHR skeptisch gewesen und vermutete irgendeinen seichten Klamauk dahinter. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass sich ausgerechnet diese Bücher zu einer meiner Lieblingsreihen entpuppen würden! Ich schwanke noch hinsichtlich der Frage, was mich mehr fasziniert – meine Bewunderung dafür, dass ein Autor des Jahrgangs 1974 erzählerisch völlig selbstverständlich und absolut glaubwürdig in die Rolle einer 82-jährigen Berlinerin schlüpfen kann oder die Tatsache, dass ich mich mit Mitte 30 in vielen 'ihrer' Aussagen tatsächlich wiedererkenne. So oder so, es war mal wieder ein Genuss sondergleichen! Ich habe dauergeschmunzelt und mich königlich amüsiert, und gewisse Wortkreationen wie "Knödelmädchen"/"Knödelkinder" oder "lebensdoof" werde ich definitiv in mein alltägliches Vokabular übernehmen. Hihihi, würde die Renate jetzt kichern.

Dieses Mal begleiten wir die vierfache Witwe (Jetzt gucken Se doch nich so! – Wollen Sie etwa andeuten… Oma Bergmann ist jedenfalls keine, die ihre Männer um die Ecke bringt, da hört sich doch alles auf! -) während sie die Hochzeit ihrer besten Freundin Getrud vorbereitet. Das Trudchen ist ebenfalls 82 Jahre alt, seit 10 Jahren verwitwet, seit Kindertagen mit Renate befreundet und, man glaubt es kaum, seit über 2 Jahren fest verbandelt mit dem Gunter Herbst. Doch irgendwie "klemmt", da noch was, die beiden bewegen sich keinen Meter in Richtung Altar und kommen nicht zu Potte. Der Spruch passt besonders gut, weil Gertrud mit Nachnamen ja - noch - Potter heißt, verstehen Se? Aber da schau her, jetzt fange ich auch schon in bester Bergmann-Manier an, Sie in ein Gespräch zu verwickeln. Herrje. Wo war ich? Genau. – Es geht nichts voran in Sachen Eheschließung.

"Da ist was durcheinandergekommen! Es heißt: »Drum prüfe, wer sich ewig bindet« und nicht »Drum prüfe ewig, wer sich bindet«!" Zum Glück nimmt sich Oma Bergmann nun persönlich dieser zwischenmenschlichen Angelegenheit an, es gibt schließlich so viel zu beachten im Hinblick auf das organisatorische Drumherum, Sie machen sich ja kein Bild! Angefangen beim Hochzeitstermin: "Berlin kann manche Dinge eben nicht so gut. Als in der Verwaltungsschule Flughafen, Radwege und neue Personalausweise auf dem Stundenplan standen, waren wohl alle krank. Und auch im Standesamt gibt es nur Probleme. Heiraten geht nur von Montag bis Freitag, sonst müsste am Samstag je jemand arbeiten, und wo kämen wir denn da hin!"

Besonders interessant fand ich die Erinnerungen an frühere Hochzeitsbräuche und Traditionen auf dem Land. Wir lesen zudem von Brieftauben und Pferdekutschen, dem Mammutthema Kleiderwahl, Blumenarrangements, Einladungen und Sitzordnung, Menüwahl, Fotografen und dem wohl leider unvermeidlichen Auftritt des Kinderchores von Frau Schlode (- "Die Schlode würde sich nicht abhalten lassen. Es hätte […] keinen Sinn gehabt, den Termin zu verschweigen – die Frau kriegt alles raus! Die hat ihre Spitzel in allen Behörden sitzen und kommt dann doch." -). Auch der Besuch der Hochzeitsmesse, inklusive Gertruds spontaner Tanzeinlage, ist ein Brüller!

Jetzt könnte man meinen, bei so viel Planung könne nichts schiefgehe. Hihi, sage ich da wieder nur. "Im Grunde hatten wir nichts falsch geplant. Nur: Welcher Plan geht schon auf im richtigen Leben? Es kommt immer anders, als man denkt. Da können Se vorher grübeln und überlegen, so viel Sie wollen, wenn das Schicksal einmal falsch abbiegt, stehen Se da mit Ihrem Plan und können nur noch zugucken, wie der Schlamassel seinen Lauf nimmt."

Am liebsten hätte ich noch ewig weitergelesen; Renate ist mit ihrer selbstreflektierten, erfrischend ehrlichen, direkten, aber niemals unhöflichen Art, ihren klugen Lebensweisheiten und ihrem Humor ein echtes Unikat und unheimlich herzlich! Sie spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, nennt die Dinge beim Namen und schreckt auch nicht vor moderner Technik wie Händi, Fäßbock und Finstergram zurück. Ich möchte mich nie von ihr verabschieden, jedes Bergmann-Buch ist für mich wahrer Balsam für die Seele – nachdem ich die letzte Seite umgeblättert habe, fühle ich mich stets, als hätte ich gerade einen netten Nachmittag mit Kaffee und Kuchen bei meiner Lieblingsnachbarin hinter mir, und hoffe gleichzeitig, dass es nicht allzu lange dauern wird, bis der nächste Band erscheint.

Fazit: 5 begeisterte Sterne. Na los, trauen Se sich und schnappen sich dieses herrliche Büchlein!

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Süße Small-Town-Romance

A History of Us - Nur drei kleine Worte von Jen DeLuca

Das hübsche, rosafarbene Cover strahlt durch die zart angedeuteten Bildelemente sowie die fliegende Feder eine Leichtigkeit aus, die mich auf eine romantisch-optimistische Love Story hoffen ließ und ich wurde nicht enttäuscht. Sympathische Figuren, Kleinstadt-Feeling und modern-flotte, humorvolle Dialoge haben mir unterhaltsame Lesestunden beschert.

"A History of Us – Nur drei kleine Worte" (KYSS / Rowohlt Taschenbuch Verlag, März 2022) ist der dritte Band der Willow-Creek-Reihe von Jen DeLuca. In angenehm fröhlicher, aber nicht verkrampft-heiterer Manier erzählt die Autorin von der 40-jährigen April Parker, die bisher rein für ihr Kind gelebt hat und damit konfrontiert wird, dass es nun - da ihr Töchterchen Caitlin zu einer eigenständigen jungen Frau herangewachsen ist und demnächst aufs College gehen wird - eventuell endlich mal an der Zeit wäre, an ihre eigenen Bedürfnisse zu denken.

Aprils Leben steht gerade Kopf. Als alleinerziehende Mutter sollte sie eigentlich an Herausforderungen gewöhnt sein, doch wie soll sie sich mit der neuen Realität anfreunden, in der ihr kleines Mädchen bald daheim ausziehen wird? Die letzten achtzehn Jahre hatten sie und ihre Tochter ein Team gebildet, sie beide gegen den Rest der Welt. Wo ist die Zeit geblieben? Obendrein drängt sich Caitlins Vater Robert, "der letztendlich kaum mehr als ein Samenspender gewesen war", plötzlich in ihr Leben. "Was zum Teufel dachte er sich dabei, sich jetzt zu melden, um eine Siegerrunde als Vater zu drehen?" Ach ja, und dann ist da noch der lokale Frauenschwarm Mitch, der mit einer besonderen Bitte an sie herantritt – er benötigt nämlich für eine bevorstehende Familienfeier noch dringend eine Vorzeige-Freundin.

Ich muss zugeben, anfangs fand ich trotz des locker-amüsanten Schreibstils nicht so recht einen Zugang zu den Figuren. Die Charakterzeichnung wirkte etwas seicht, doch gegen Mitte des Werkes revidierte ich meinen Eindruck. Ich konnte Aprils zurückhaltendes Verhalten und ihre Angst vor dem Kleinstadt-Tratsch nachvollziehen, schließlich hatte ihr Ex sie verlassen, als sie ihn am dringendsten gebraucht hätte, und damit ihr Vertrauen in andere Menschen erschüttert. Die "Scham und der Schmerz, von dem Mann zurückgewiesen worden zu sein, der versprochen hatte, mich für immer zu lieben, waren immer noch da […]. Es schien leichter, fortan direkt das Schlimmste von den Leuten zu erwarten, als noch einmal enttäuscht zu werden". Kein Wunder, dass sie lieber unauffällig unterm Radar fliegt – wenn man schon von dem Menschen verletzt worden ist, den man als seinen Seelengefährten betrachtet hatte, was kann man dann wohl von gänzlich Fremden erwarten?! "Ich klang immer unbekümmert, weil das die einfachste Art war, durchs Leben zu kommen."

Mitch machte es mir mit seinen teilweise übertrieben flirty Bemerkungen und Spitznamen zu Beginn ebenfalls schwer, ihn ins Herz zu schließen. Er war nett, aber seine Art … es war mir zu viel. Allerdings zeigt sich im Umgang mit seiner Familie, dass hinter seinem scheinbar unerschütterlichen Selbstbewusstsein ein durchaus feinfühliger Mann steckt, was eine willkommene Überraschung war. Ich hätte mich am liebsten an den Tisch der Malones dazugesellt und ihnen gehörig die Meinung gegeigt, zum Glück hat April dies für mich übernommen.

Ich finde es toll, wie die Autorin den Altersunterschied zwischen den Hauptfiguren thematisiert hat, denn oftmals habe ich den Eindruck, dass es von unserer Gesellschaft als selbstverständlich angesehen wird, wenn ein Mann mit einer jüngeren Frau zusammen ist, während die Konstellation ältere Frau-jüngerer Mann noch immer ein Tabuthema zu sein scheint. Warum ist das so, frage ich mich – und habe daher diese Storyentwicklung sehr begrüßt.

Die Idee, die einzelnen Bände der Reihe rund um ein Mittelalter-Festival (- die Wohltätigkeitsveranstaltung Willow Creek Renaissance Faire -) aufzubauen, ist genial; das nenne ich mal ein außergewöhnliches Setting! Ich mag romantische Komödien um vorgetäuschte Beziehungen, dies war also ein weiterer Pluspunkt.

Fazit: Eine süße Small-Town-Romance!

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2. Fall des Donnerstagsmordclubs

Der Mann, der zweimal starb von Richard Osman

Mit seiner international gefeierten Buchreihe 'Die Mordclub-Serie' hat Richard Osman auf Bookstagram solche Wellen geschlagen, dass ich natürlich die Ohren gespitzt habe – eine neue Cosy-Crime-Reihe? Das wollte ich mir mal näher anschauen. Als Fan von Krimis, die eher mit charmanten Amateurdetektiven und einem idyllisch-ländlichen Setting als mit blutrünstigen Schauplätzen punkten, war ich vollends begeistert von der Idee, einem rüstigen Seniorenquartett beim Lösen von Kriminalfällen über die Schulter zu gucken.

Da der zweite Band des Donnerstagsmordclubs gerade erschienen war (List Verlag/Ullstein, Januar 2022), nutzte ich diesen als Reiheneinstieg und hatte keinerlei inhaltliche Verständnisschwierigkeiten, auch wenn es durchaus hin und wieder Anspielungen auf die Entwicklungen im ersten Band gibt.

Was die Handlung betrifft, verweise ich auf den akkuraten Klappentext, in welchem die wichtigsten Infos gekonnt eingestreut und ein paar relevante Details clever ausgelassen worden sind, um die Story entsprechend anzuteasern – Chapeau!

Der Schreibstil war zunächst sehr ungewohnt für mich – ich lese selten Geschichten, die im Präsens und aus der Sicht einer allwissenden Erzählstimme geschrieben sind, wobei es im vorliegenden Werk interessanterweise Ausnahmen gibt, so wird Joyce' Perspektive in der Ich-Form wiedergegeben. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob es mir gelingen würde, mich mit diesem Stil anzufreunden, er wirkte eine Spur zu neutral, zu entrückt auf mich, allerdings sind die schrullig-exzentrischen, größtenteils liebenswerten Charaktere so einnehmend beschrieben worden, dass ich ruck, zuck in den spannend-unterhaltsamen Roman vertieft war, der immer wieder überraschende Wendungen für mich bereithielt. Nicht nur Elizabeth, Joyce, Ibrahim – der in dieser Episode ziemlich viel verkraften muss – und Ron brachten mich mit ihrem trockenen Humor und ihrer naiv-unverzagten, leicht realitätsentrückten Lebenseinstellung zum Schmunzeln, sondern auch die Polizistin Donna und ihr Vorgesetzter Chris (der neuerdings in einer Beziehung mit Donnas Mutter Patrice ist und seitdem ungesunden Snacks abgeschworen hat). Die gängigen Altersklischees (wie Probleme mit der modernen Technik) hat der Autor mit einem Augenzwinkern in die Handlung eingebettet.

Volle Punktzahl gibt es für die gemütliche Atmosphäre – die verschlafene, von wunderschöner Natur umgebene Seniorenresidenz Coopers Chase in der Grafschaft Kent wirkte so heimelig auf mich, dass ich Elizabeth, Douglas und Poppy auf ihrem konspirativen Spaziergang am liebsten begleitet hätte.

Fazit: Kluger, britischer Humor, ein skurriler Kriminalfall und ein Grüppchen scharfsinniger Senioren – definitiv eine gelungene Mischung. Bis auf die Tatsache, dass ich generell kein Fan von dem Konzept der Rache/Selbstjustiz in Büchern bin, habe ich mich wunderbar amüsiert.

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Spannend, aber nicht so catchy wie erhofft

Four Houses of Oxford, Band 1 - Brich die Regeln von Anna Savas

Puh, ich muss sagen…ich bin ernüchtert. Der Klappentext klang so vielversprechend. Das Cover gefiel mir so gut. Das gesamte Konzept erinnerte mich enorm an Stefanie Hasses Matching-Night-Dilogie, die zu meinen absoluten Highlights zählt. Wahrscheinlich hatte ich unterbewusst gehofft, dass ich mit Anna Savas' Dark-Academia-Romantasy-Reihe ein ähnlich berauschend positives Leseerlebnis haben würde – und gemäß dem Motto 'be careful what you wish for' bekam ich genau das: eine Geschichte, die sich wie eine Kopie von "Matching Night" anfühlte, mich jedoch unterm Strich weniger packen konnte.

Damit meine ich nicht, dass bei jeder Romantasy-Story, überhaupt bei jeder Story, das Rad neu erfunden werden müsste. Aber wenn schon eine ähnliche Geschichte, dann bitte in 100%ig überzeugender Ausarbeitung, sodass sie zumindest ein wenig eigene Substanz, einen eigenen Charakter hat. Nun könnte man sagen: "Moment, im vorliegenden Werk gibt es schließlich Magie und in Matching Night nicht, ha!" Das ist natürlich richtig und ein bedeutender Unterschied. Dennoch ging dieser Punkt für mich im Gesamtkonzept einfach ziemlich unter. Hauptsächlich geht es um ein "Spiel" der Studentenvereinigungen Diamonds, Hearts, Cross und Spades – und das Wort setze ich in Anführungszeichen, weil besagtes Spiel ziemlich sadistisch, um nicht zu sagen gestört ist. Klar sollen die Figuren einen persönlichen Einsatz bringen, klar sollen sie an ihr Limit gehen, allerdings sollte das Ganze insgesamt im Bereich fun to read bleiben, und in meinen Augen war es das nicht immer. Viele Aktionen und Verhaltensweisen wirkten erzwungen und teilweise undurchdacht bzw. widersprüchlich auf mich.

Vom Setting war ich leider enttäuscht. Das war meines Erachtens das größte Minus des Buches. Was mir fehlte? Das Uni-Flair. Offiziell befinden wir uns auf dem Campus der Oxford University. Gespürt habe ich davon nichts. Weder an kulturellen Eigenheiten (Bräuche, Musik, Sprache, Essen, etc.) noch an landschaftlichen Beschreibungen der Umgebung. Anfangs gab es einen Vermerk zum Wetter, aber das war es auch schon. Wird nebenbei auch ein wenig studiert? Eventuell, allerdings dreht sich alles nur um die von den Novizen zu bewältigenden Aufgaben und um die unerklärliche Magie – von der man am Ende des Bandes noch immer nicht weiß, wie sie überhaupt zustande kommt. Zumindest ein paar Antworten auf die vielen offenen Fragen wären schön gewesen. Vielleicht wird dies im 2. Band näher erklärt, ansonsten bliebe dieses Story-Element nur oberflächlich angekratzt.

Mit Finley und Harper, aus deren beider Perspektive erzählt wird (wobei der Schwerpunkt auf Harpers Sichtweise liegt), sowie mit der Nebenfigur Lexie hat die Autorin sympathische Charaktere geschaffen, mit denen man mitfiebert und denen man die Daumen drückt, dass sie heil aus der ganzen Misere rauskommen, die sie sich mit dem Beitritt zu den mysteriösen Vier Farben eingebrockt haben. Der Romance-Aspekt blieb eher im Hintergrund. So richtig wollte sich bei mir kein Herzklopfen für die Hauptprotagonisten einstellen, die sich einst in einer Pflegefamilie kennen- und lieben gelernt hatten, ehe Finley aus Harpers Leben verschwunden war und ihr das Herz gebrochen hatte. Hier interessierten mich eher ihre Einzelschicksale. Was ist mit Finleys bestem Freund Dorian geschehen, warum hatte er sterben müssen? Wer sind Harpers leibliche Eltern?

Am sonstigen Schreibstil von Anna Savas gibt es nichts zu rütteln, sie erzählt emotionsgeladen, flott und modern, und setzt gekonnt Kapitelübergänge, sodass die Spannung immer weiter gesteigert wird und man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Hier und da ein paar Informations-Bröckchen, dort ein paar Überraschungsmomente, super! Vom fiesen Cliffhanger, der mir ein böses Kopfkino beschert hat, fange ich gar nicht erst an. Dieses Ende kam echt abrupt – unabhängig von den Punkten, die mir weniger gefallen haben, muss ich Band 2 lesen, weil ich ansonsten wohl vor lauter Neugier platzen würde.

Fazit: Minimal (durch Hinzufügen von Magie) abgewandelte Version von einer anderen College-Dilogie, nur deutlich weniger atmosphärisch, aber trotzdem spannend und mit sympathischen Hauptfiguren.

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Must-Have für Bridgerton-Fans!

Bridgerton: Der inoffizielle Guide für alle Lords und Ladys von Charlotte Browne

Ich gehe mal stark davon aus, dass jeder, der dieses herrlich amüsante, überaus unterhaltsame Werk zur Hand nimmt, ohnehin bereits ein Bridgerton-Fan ist, sei es aufgrund der Buchreihe von Julia Quinn oder der gleichnamigen Netflixserie, deren zweiter Staffel ich aktuell ungeduldig entgegenfiebere.

– Allen Freunden der sympathischen Bridgerton'schen Großfamilie spreche ich hiermit eine uneingeschränkte Leseempfehlung aus.

Das zauberhafte Cover des edlen Hardcover-Büchleins ist ein absoluter Hingucker im Regal! Besonders gut gefällt mir, dass hier das Farbschema der Promo-Bilder der Serie aufgenommen worden ist. Auch die restliche Ausstattung ist hochwertig und macht richtig was her – ein fliederfarbenes Lesebändchen, ein hübsches Innencover im Regency-Stil und bebilderte Kapitelüberschriften.

Angemerkt sei vorab, dass der Inhalt sich rein auf tatsächliche historische Fakten (Daten, Ereignisse, reale Persönlichkeiten) sowie auf die TV-Serie (nähere Infos zu den Dreharbeiten: Locations, Kostüme, Musik, etc.) bezieht; die Handlungen der einzelnen Bücher werden nicht aufgegriffen. Da ich als Janeite Regencywerke (und -serien) liebe, hatte es nicht lange gedauert, bis der Bridgerton-Hype auch mich gepackt hatte, und schon war ich Feuer und Flamme für die liebenswerten Figuren.

Der Schreibstil dieses Serien-Begleitbuchs ist locker und humorvoll, mit einem Augenzwinkern fasst die Autorin die überlebenswichtigsten Tipps und Tricks zusammen, damit wir uns auf und neben dem Parkett der feinen Gesellschaft nicht blamieren. Von A wie Anstandsdame bis Z wie zeitgenössische Literatur (und Zitate) findet alles Erwähnung.

Wie lauteten die wichtigsten gesellschaftlichen Regeln (kultiviertes Verhalten, Besuchsetikette, Werbungsphasen, Auftritte in der Öffentlichkeit, Flirttechniken mittels Taschentuchs bzw. Fächers, …)? Wer waren die damaligen Celebrities und welchen Einfluss hatten ihre Schicksale auf den Rest der Bevölkerung? Was waren kulturelle Trends, was erachtete man als en vogue? Ob Beratung in Stilfragen zur Kleidungs- und Frisuren-Mode, die neuesten Skandale oder die vergnüglichsten Tänze, die man beherrschen musste - dieser Leitfaden vereint gekonnt Geschichte und Serienfakten. Nun bin ich bestens im Bilde, sei es hinsichtlich der verschiedenen Arrangements von Halstüchern oder der Perfektionierung des Errötens.

Zusätzlich gibt es immer mal wieder witzige Tests (laut Charaktertest bin ich eine Mischung aus Daphne und Penelope), ein Spiel sowie Ausmalbilder – wobei ich es wohl nie übers Herz bringen werde, etwas in dieses Buch zu zeichnen.

Mein liebster Abschnitt war das umfangreiche Wortverzeichnis der Regencybegriffe (Bezeichnungen für Damen und Herren, frevelhafte Aktivitäten, Beleidigungen, Geld, Liebe und Ehe). Hier musste ich mehrfach lachen; zu schade, dass man diese Redewendungen heutzutage nicht mehr verwendet! Wenn ich das nächste Mal "in hohen Seilen" in einer Buchhandlung stehe und meinem "Korinther" erkläre, dass ich gleich mehrere Bücher kaufen möchte, werde ich wohl sicherheitshalber meinen "Latz einschläfern", selbst wenn ich dadurch "dem Hauptwachmeister entkomme" und eine "Spinne verschlucke", da ansonsten die Gefahr besteht, dass ich "teufelsblau" werde. Ganz reizend fand ich übrigens auch den Ausdruck "nach April und Mai riechen".

Fazit: Ich hatte sehr angenehme Lesestunden. Ein Must-Read für alle Bridgerton-Begeisterten und Regency-Interessierten!

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Gut, aber nicht der triumphale Abschluss, den ich mir gewünscht hätte

Bridgerton - Hochzeitsglocken für Lady Lucy von Julia Quinn

Als großer Bridgerton-Fan hatte ich dem letzten Band aus der international gefeierten Buchreihe Julia Quinns sowohl gespannt als auch mit einer gehörigen Portion Wehmut entgegengesehen; ich wollte unbedingt wissen, wie der letzte ledige Sprössling der sympathischen Großfamilie unter die Haube kommt, war allerdings noch nicht bereit, mich anschließend von den Figuren zu verabschieden, so sehr genoss ich es, für ein paar Lesestunden Teil ihrer Welt zu sein.

Vielleicht lag es an meinen recht hohen Erwartungen, da ich den Schreibstil der Autorin mittlerweile zu kennen glaubte, doch ausgerechnet bei Gregorys Geschichte fehlte mir etwas.

Es ist ein guter Regencyroman, aber im Vergleich mit den Vorgängerwerken verblasst er. So wie die weibliche Hauptfigur, Lady Lucinda Abernathy (kurz: Lucy), das Gefühl hat, stets im Schatten ihrer bildhübschen, reizenden besten Freundin und Herzensschwester Hermione Watson zu stehen, ging es mir mit der Story – sie war neben den anderen Bänden "auf jede ersichtliche Art etwas weniger" bzw. "nicht so ganz".

Während Lucy mir im Laufe immer weiter ans Herz wuchs - sie ist schließlich auch eine bemerkenswerte junge Frau, loyal, intelligent, liebenswert, aufrichtig, familienorientiert -, konnte ich mich, so leid es mir tut, für Gregory, dem eindeutig ein Ziel im Leben fehlte, kaum erwärmen. Damit meine ich nicht, dass er sich negativ verhalten hätte, im Gegenteil, ich fand es beeindruckend, dass er z.B. fest an die wahre Liebe glaubte und bereit war, mit großer Geste darum zu kämpfen. Er hat eben wirklich das Pech, der vierte Sohn der Familie zu sein – und all seine Brüder erschienen mir schlichtweg bemerkenswerter, wacher, feuriger, eindringlicher beschrieben. Müsste ich Gregory eine Temperatur zuordnen, wäre es ein Lauwarm; nicht ungemütlich, aber halt nichts dauerhaft Behagliches.

Der Einstieg in die Handlung startete gleich mit einer ungewöhnlich dramatischen Szene: Gregory stürzt in eine Kirche, wo gerade eine Trauung stattfindet, und wirft sich der Braut (eines anderen Mannes) in theatralischer Geste zu Füßen; er erklärt der geschockten Dame vor versammelter Gesellschaft seine Liebe und fleht sie an, stattdessen lieber ihn zu heiraten. Wer die Frau ist, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht, und wie sie auf Gregorys spontanen Antrag reagiert, müsst ihr ebenfalls selbst lesen!

Ich hatte mich komplett darauf verlassen, ein fulminantes Reihenfinale zu lesen, ein Feuerwerk der Emotionen zu erleben, und wünschte mir einen gebührenden Abschied von allen Bridgertons. Letztlich war ich aufgrund der wenigen Szenen mit der gesamten Bridgerton-Familie tatsächlich ein klein wenig enttäuscht; ihr Anteil ist ziemlich gering, viel zu wenig für ein Reihenende. Zwar gab es humorvolle Passagen, die typisch Quinn'schen Irrungen und Wirrungen - wer liebt wen und wann wird geheiratet – und der Start verlief, aus oben genannten Gründen, enorm mitreißend, doch irgendwie packte es mich insgesamt einfach nicht.

Fazit: Nicht der triumphale Abschluss, den ich mir gewünscht hätte, wobei dies angesichts des nach wie vor angenehmen Schreibstils der Autorin Jammern auf hohem Niveau ist. Ich vergebe 3 ½ solide Sterne und bedanke mich für diese wundervolle Buchreihe, die in das Bücherregal einer jeden Janeite gehört.

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Wunderschönes Setting

Golden Hill Touches von Nicole Böhm

Im Auftakt ihrer bei MIRA Taschenbuch erschienenen Golden-Hill-Trilogie entführt uns Nicole Böhm in die romantisch-raue Natur des U.S. Bundesstaates Montana, wo für die Hauptprotagonisten Parker und Clay Gegenwart und Vergangenheit aufeinanderprallen. Ich hatte schon viel Positives über den Schreibstil der Autorin gehört und kann diesen Eindruck nun aus eigener Erfahrung bestätigen, insbesondere im Hinblick auf die intensiv ausgearbeiteten Figuren sowie das atemberaubend schöne Setting, welches mich direkt zu Beginn für die Geschichte eingenommen hatte.

Ich liebe es, wenn Tiere ein tragendes Element der Handlung sind, zudem haben Pferde mich schon immer enorm fasziniert. Folglich kam ich an diesem Buch, in welchem es um den Wiederaufbau einer Familienranch - inklusive Pferdetherapiestätte – geht, nicht vorbei.

Elf lange Jahre sind vergangen, seitdem Parker die Ranch seiner Großeltern in Boulder Creek verlassen hat. Wider Erwarten hatte er einst genau an jenem Ort sein Herz verloren, wohin er eigentlich zur Strafe geschickt worden war – der verwöhnte Sohn aus reichem Hause hatte sich in Denver, Colorado einen Fehltritt nach dem anderen geleistet und seine Eltern waren der Meinung gewesen, etwas Abstand täte ihnen allen gut. Nie hätte Parker damit gerechnet, dass ihm ausgerechnet diese Natur, die ihm zunächst wie eine trostlose Einöde und der Inbegriff von Langeweile vorgekommen war, eines Tages Trost spenden würde und dass er seine gesamten Ersparnisse aufbrauchen, sich sogar haushoch verschulden würde, um das von seinen Großeltern verkaufte Land zurückzugewinnen. Vorläufig scheint sein Plan aufzugehen, aber die Einwohner des gemütlich-verschlafenen Städtchens sind nicht bereit, ihm das rebellische Verhalten seiner wilden Teenagerjahre zu verzeihen. Hier, wo der wilde Westen noch lebendig ist und ein Handschlag als ein schriftlicher Vertrag gilt, muss Parker sich ihr Vertrauen erst wieder verdienen. Und auch Clay, deren Welt damals nach Parkers überstürzter Abreise zusammengebrochen war, ist nicht gerade begeistert, dass er nun zurückgekehrt ist – und bleiben möchte.

So wundervoll das Setting Boulder Creek von der Autorin gezeichnet worden ist, ich habe mich dort lange Zeit ebenso unbehaglich gefühlt wir Parker. Man spürt die allgemeine Abneigung, die ihm von allen Seiten entgegenschlägt und teilweise tat er mir richtig leid. Umso empörter war ich, als er obendrein mit offensichtlichen Sabotageakten zu kämpfen hatte. Auch in Clay konnte ich mich prima hineinversetzen, wobei Parkers Perspektive für mich unterm Strich angenehmer zu lesen war bzw. er durchgehend mein Lieblingscharakter des Romans geblieben ist. Die innige Beziehung zwischen ihm und seiner Schwester Sadie gefiel mir ausgesprochen gut und ich freue mich schon sehr auf ihre eigene Geschichte!

Zwar gab es spannungstechnisch ein paar Passagen, in denen ich mir etwas mehr Action bzw. ereignisreichere Szenen gewünscht hätte, doch dafür konnten mich die Pferdeszenen ausgleichend verzaubern.

Fazit: Ein stimmungsvoller, gut durchdachter Liebesroman, der Pferdeliebhaber ebenso überzeugen wird wie Naturfreunde, USA-Fans und Leser:innen, die einen ruhigen Handlungsverlauf schätzen. Band 2 und 3 stehen bereits auf meiner Wunschliste!

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Very British

Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar von Robert Thorogood

Judith Potts ist eine 77-jährige, schrullig-sympathische, exzentrische Seniorin mit einem messerscharfen Verstand, die für ihr Leben gerne puzzelt, beruflich Kreuzworträtsel für Zeitungen anfertigt, immer ein Döschen Fruchtbonbons in der Tasche parat hat und sich jeden Abend - gerne nach einem Nacktbad in der Themse - ein Schlückchen Whisky gönnt.

In Marlow ist die Witwe mit ihrer unverblümten, schnörkellos-frechen Art bekannt wie ein bunter Hund, wohnt sie doch in dem wunderschönen alten Herrenhaus, dessen beeindruckende Fassade zum Glück nicht darauf schließen lässt, wie unaufgeräumt und verstaubt es drinnen aussieht. Judith kümmert sich nicht groß um Ordnung, gemütlich muss es sein. In vielen von Judiths Eigenarten habe ich mich wiedererkannt, sei es ihr Schimpfen über Tauben oder ihre Wertschätzung von Kindern, ihr Optimismus, ihr Gerechtigkeitssinn oder ihre Neugier. Sie ist sehr facettenreich ausgearbeitet worden und hat die klassischen Ecken und Kanten, die man sich von Romanfiguren immer wünscht, damit sie glaubwürdig erscheinen. Selbiges gilt für ihre neuen Bekanntschaften, die Hundesitterin Suzie, die nie ein Blatt vor den Mund nimmt, und die ordnungsliebende, perfektionistische Pfarrersfrau und Anwärterin auf den Titel 'Hausfrau des Jahres': Becks Starling – "also eigentlich Becky Starling, also eigentlich Rebecca". Dass diese drei so gänzlich unterschiedlichen Damen plötzlich zueinander gefunden und sich angefreundet haben, liegt daran, dass Judiths beschauliches Leben und die von ihr geschätzte Ruhe empfindlich gestört worden sind, denn "Stefan Dunwoody, ihr Freund und Nachbar, war erschossen worden" – und die Polizei tritt auf der Stelle. Detective Sergeant Tanika Malik, die neben Becks aufgrund ihrer unterschwelligen Liebenswürdigkeit und nahbaren Art zu meinen Lieblingsfiguren des Werks zählt, staunt nicht schlecht über die eigenmächtigen Ermittlungen des sonderbaren Trios. Und als es zu einem zweiten Mord kommt, wird es immer gefährlicher im malerischen Marlow.

Die Gesamtkonstellation der Figuren gefiel mir hervorragend, obwohl ich mich nicht für alle weiblichen Hauptfiguren 100%ig erwärmen konnte. Sowohl Judiths als auch Suzies zum Teil dreistes Verhalten und ihre oftmals (grundlos) trotzige Wortwahl empfand ich als einen Tick zu respektlos. Mag sein, dass man sich im Alter sagt, man müsse auf gewisse gesellschaftliche Gepflogenheiten keine Rücksicht mehr nehmen, doch ein wenig mehr Taktgefühl hätte ich schön gefunden. Von den Hintergründen der Mordfälle war ich sehr überrascht, auf diese clevere Lösung wäre ich nie gekommen. Der Weg dorthin hatte vor allem im letzten Drittel ein paar Längen, die der Geschichte leider etwas an Spannung und Tempo geraubt haben.

Das wundervolle Setting war eines der Highlights für mich, ich würde sofort nach Marlow ziehen! Die Beschreibungen dieses reizenden Städtchens haben es mir total angetan. "An einem Ende der High Street befanden sich eine elegante georgianische Hängebrücke und eine alte Kirche am Flussufer, am anderen stand ein prunkvoller Obelisk, und dazwischen säumten historische Gebäude aus mehreren Jahrhunderten die Straße. Über der High Street waren auf ganzer Länge rot-blaue Wimpel angebracht, die alles zu einem ästhetischen Ganzen, zu einer kleinstadttypischen Postkartenidylle zusammenfügten".

Fazit: Herrlich charmantes Setting, größtenteils sympathische Figuren und ein interessanter Plot, wenn auch mit kleinen Längen. Ich freue mich auf den 2. Band der Reihe und spreche eine Leseempfehlung für alle Fans von Cosy-Crime-Storys aus.

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