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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Nil_liest:

Katar – wo liegt das?

Freitag ist Sonntag in Katar - Zwischen Tradition und Moderne - unser Alltag im reichsten Land der Welt von Frida Benedikt

Ihr wollt mal aus eurem doch sehr eintönigem Alltag entkommen? Kein Problem! Dann macht es euch gemütlich und lest ‚Freitag ist Sonntag in Katar‘ von Frida Benedikt! Am besten in der prallen Sonne! ;0)
Frida Benedikt, übrigens ein Pseudonym um ihre Familie zu schützen (was sehr löblich ist).

Sie lebte von 2014 bis 2017 mit ihrem Mann und ihren Kindern in Katar und hat aus ihren Erfahrungen und Erlebnissen, die zum Teil uns aberwitzig vorkommen, zum Glück ein Buch gemacht.
Sie führt uns anhand von kurzen Kapiteln durch die knappen 3 Jahre ihres „Abenteuers“ und beschreibt Erlebtes, wie beispielsweise die Suche nach einer Wohnung verlief oder Arztbesuche als Frau. Man denkt, alltäglicher könnte es nicht werden, wenn vom Autofahren die Rede ist oder von Haustieren ….aber Achtung, es ist einfach Vieles, wenn nicht ALLES anders. Haustiere in Katar, da denken die locals an Kamele nicht an Hunde und Katzen!
Klar, natürlich taucht sie auch kulturell mit uns ab in die arabische Sprache, in den alltäglichen Klang des Muezzin und was an Ramadan passiert und natürlich die Reflektion der Frauen in dieser traditionellen Gesellschaft. Aber alles aus einer Beobachtenden, absorbierenden Haltung heraus, nie überheblich, nie ablehnend, nur ab und an überfordert mit der Andersartigkeit, aber sie schafft es auch einzutauchen oder versucht es zumindest so weit es geht, denn es ist eine Klassengesellschaft, was auch erörtert wird.
Ich war noch nie in Katar und hatte bisher nur ein vages Bild, dass nun viel bunter und vielfältiger ist. Ich habe viel gelernt über die Katari und ihr Land, wurde trotz viel Input auch sehr gut von Frida Benedikt unterhalten dabei.
Lesenswert! Vor allem momentan, wo man doch eher im Kopf reisen sollte als in echt.

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Was ist der Trumpf: Moral oder Gerechtigkeit durch Schuld?

Die Wahrheit der Dinge von Markus Thiele

„Gerechtigkeit ist Wunschdenken.“ (Seite 31)
Mich überzeugt immer, wenn jemand weiß wovon er schreibt und bei Markus Thiele liest man diesen Kenner deutlich durch die Zeilen! Er ist von Hause aus Anwalt. Der neuste Coup von ihm: „Die Wahrheit der Dinge“ ist ein gelungener spannungsgeladener Politkrimi.

Wenn nun ein Könner auch noch real existierend Begebenheiten als Grundlage für die Fiktion heranziehen, wird es umso spannender. Die „Vorbild-Fälle“ die hier eingeflossen, sind Marianne Bachmeier und Amadeu Antonio Kiowa. Aber keine Sorge, die muss man vorab nicht kenne.
Geschickt tauchen wir Leser:innen in zwei unterschiedlichen Handlungssträngen parallel in das Geschehen ein, manches mal verwundert es einen und die Frage steht im Raum wie das alles zusammen kommt, aber keine Sorge: es passt!
Vor allem begleitet man den Richter Frank Petersen und taucht mit ihm in seinen letzten Fall ab und auch in seine persönliche Selbstfindung. Im Vordergrund dieses Buches steht das komplexe Zusammenspiel von moralischer Beurteilung im Bezug zu einer gerechten Verurteilung durch die Klärung der Schuldfrage.
Wir als Leser werden direkt mit der Justiz konfrontiert und wie versucht wird Gerechtigkeit herzustellen. Viel Futter für den Kopf um mal das System zu überdenken. Mich erinnerte es entfernt an Ferdinand von Schirach, der auch ähnliche Fragestellungen aufwarf.

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Die vergessene Vorreiterin: Die Königin der Tretkurbel

Die Rebellion der Alfonsina Strada von Baldelli Simona

Alfonsina Strada war ihrer Zeit weit voraus, heute bezeichnet man sie bewundernd als willensstarke Frau, die sich ihren Platz in der Männerdomäne des Radrennsports erobert hat! Sie war die einzige Frau die je am Giro D’Italia teilnahm! Ach, sie haben diesen Namen noch nie gehört? Was eine Schande, aber so ging es mir vor dem Lesen dieses guten Romanes auch.

In „Die Rebellion der Alfonsina Strada“ wird die Lebensgeschichte dieser Dame erzählt. Es beginnt mit ihrem Todestag, den 13 September 1959 und der Text springt munter vor und zurück zu bestimmten Ereignissen und wichtigen Lebenspunkten. In der Summe ist alles wichtige enthalten was ihre Biographie ausmacht und natürlich auch die feinen Nuancen die dazwischen liegen – was wird die gedacht und gespürt haben? Wie erging es ihr?

Simona Baldelli hat sich feinfühlig in die starke Frau mit dem Fahrtwind im Haar hinein gedacht und Fakten in Fiktion verwandelt und uns somit eine wunderbare Frau näher gebracht. Das Einzige was mich störte, waren die zeitlichen Sprünge innerhalb einiger Kapitel. Mag das Kapitel mit 1959 betitelt sein und dann springt sie wiederum in Gedanken in das Jahr 1924 muss der Leser sich manchmal noch mal bewusst machen wo man in ihrem Lebenszeitstrahl gerade steckt. Sonst haben mich die Sprünge nicht gestört, im Gegenteil lockert es die Geschichte doch auf und wird sie nicht stupide vom Anfang bis zum Ende erzählt, hat die Strada doch einige Höhen und Tiefen erlebt.

Ein interessanter literarischer Kniff ist die Art wie sich Alfonsina im Roman mit ihren Toten verständigt. Sie erscheinen ihr ab und an und Alfonsina erzählt ihnen was sie selbst nicht mehr erleben können. Hier handelt es sich hauptsächlich um die toten Geschwister, die durch Krankheiten und Hunger früh verstorben sind.

Was den Schreibstil anbelangt, muss man Simona Baldelli ein großes Lob aussprechen sowie ihrer Übersetzerin Karin Diemerling. Der Roman ist wie eine Daunendecke in die man sich einhüllen mag. Die Gegenwart wird ausgesperrt und man ist mit Alfonsina gedanklich auf dem Rad und saust durch die Zeit. Die Prosa ist fließend und was dem Italienischen scheinbar sehr liegt auch streckenweise poetisch.

Fazit: Sehr gelungen – erfahren sie mehr über eine vergessene Ikone des Radrennsports!

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Bitte einsteigen und bereichern lassen!

Machen Sie mal zügig die Mitteltüren frei von Susanne Schmidt

Ein essentielles Transportmittel sind die Busse des ÖPNV weltweit. Sehr unterschiedlich ausgestaltet und getaktet bereichern sie das öffentliche Leben oder machen es teilweise erst möglich. In Deutschland sticht das äußerst gut ausgebaute Busnetz der BVG in Berlin ins Auge mit seinen leuchtend gelben Bussen.

Susanne Schmidt hat ihre Erfahrungen als Busfahrerin in einem Buch nun literarisch ausgefeilt zusammengefasst in „Machen Sie mal zügig die Mitteltüren frei“, erschienen bei hanserblau.
„Die ganze Stimmung unserer Stadt sitzt im Bus. Großzügig wird hier Frust mit Lust vermischt, Frechheit mit großer Schnauze zu klugen Sätzen verquirlt, zu viel Egoismus fällt schon mal vom Sitz, Dummheit wird in Berliner Manier auf den Arm genommen.“ (S.200)
Kein Buch für einen schnellen Gag und auch nicht ein Schenkelklopfer nach dem andere, erwarten Sie bitte keine Anekdotensammlung, dies ist ein ernstzunehmendes literarisches Buch. Wer Marzahner Fußpflegerinnen mag, wird diese Busfahrerin lieben! (Anspielung auf ‚Fußpflege in Marzahn‘).
Susanne Schmidt, eine selbstironisch reflektierte Frau, hat um die letzte Jahrtausendwende die Chance genutzt und ist als erfahrene gestandene Frau Busfahrerin der BVG geworden. Dieses Buch ist eine Reflektion des Erlebten von der Bewerbung bis zur Kündigung.
Ich habe sehr viel über den Beruf selbst gelernt, was alles zu wissen, wieviel Verantwortung zu tragen ist und wie einsam es sein kann und vieles mehr! Hier werden nicht platt Fakten abgespult, sondern auch die Zwischentöne gehört und das auch noch literarisch angenehm verpackt! Pro Kapitel wird ein Thema beleuchtet, nie einseitig und facettenreich gut geschrieben! Auf jeden Fall wird man für den Beruf sensibilisiert mit all seinen Belastungen und zum Schmunzeln kommt man auch. Nur Vorsicht, wenn man dieses Buch gelesen hat, kann man zur Nervensäge für alle anderen werden, sichtet man einen ÖPNV-Bus, denn man hat plötzlich viel zu teilen und zu sinnieren.
„Sinnvolle Veränderungen warten lange draußen vor der Tür.“ (S 174) Susanne Schmidt setzt sich auch kritisch mit dem System auseinander, aber respektvoll und als Leser merkt man wie sehr ihr die BVG am Herzen liegt.

Fazit: Unbedingt im Bus lesen, bereichern lassen und den/die Busfahrer:innen freundlich grüßen!

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Über sich hinauswachsen in den Ferien

Mission Hollercamp Band 1 - Der unheimliche Fremde von Lena Hach

Wie? Alleine ohne Eltern oder Großeltern in die Ferien fahren? Das hat meine Kinder sehr beeindruckt. Hatten sie doch noch nie dieses Vergnügen und konnten sich hier via Buch in eine ungekannte Situation hineindenken. Denn im Auftakt Band der neuen Reihe „Mission Hollercamp“ mit dem Titel „Der unheimliche Fremde“ ist das die Ausgangsbasis.

Leon, Emily und Jakub verbringen ihre Ferien gemeinsam im Hollercamp auf einem Campingplatz und das ohne Verwandte! Schon mal aufregend.
Die Geschichte wird aus Leons Sicht erzählt und wird von Emilys Kommentaren begleitet. Die Freude ist bei allen groß, nur ist dieses Jahr etwas anders. Denn Cousine Charlotte kommt auch mit und stört die Gruppendynamik. Gelungen ist dabei, dass hier aus meiner Sicht eine sehr ehrliche und unterschiedliche Reaktion auf die veränderte Situation aufgezeigt wird und dies sich mit weiteren Erfahrungen und gemeinsamen Erlebnissen überdenkend verändert. Aber nicht nur Cousine Charlotte ist anders dieses Jahr und das ergründen die Kinder.
Lena Hach hat mit großem Bedacht die kindliche Interaktion dargestellt, was uns gut gefallen hat. Großartig finde ich, wie selbstverständlich Jakub sein Hörgerät braucht und endlich mal auch nicht nur perfekte, blitzschlaue und nette Kinder dabei sind. Alle Menschen haben ihre Ecken und Kanten, mache äußerlich, manche innerlich und natürlich variiert auch der Grad der Ausprägung. Bisher wurde dies selten bis wenig in Kinderbüchern berücksichtig, aber so langsam beginnt ein Umdenken was ich SEHR begrüße. An der Stelle muss ich den Mixtvision Verlag auch lobend erwähnen, denn sie trauen sich oft Dinge, die im Mainstream noch nicht selbstverständlich sind!
Die Altersangabe mit 10 Jahren finde ich schwierig. Zum einen, weil es sich hervorragend für die Grundschule eignet thematisch und inhaltlich und eben auch vorgelesen werden kann. Ab der 2. Klasse, so ab 8 Jahren definitiv ein lesenswertes Buch zum gemeinsamen entdecken und vorlesen. Da die Textmenge und Fülle natürlich nicht einem Erstleser entspricht, kann man dieses Buch zum Selbstlesen für gute Leser empfehlen ab der 3.Klasse, ca 9 Jahre. Natürlich ist 9-11 Jahren die perfekte Spanne, die ich aber als zu kurz erachte für so ein klasse Buch. Daher vorlesen ab 8 Jahren und Selbstleser für gut geübte ab 9 Jahren.
Band 2 „Das verlassene Boot“ ist auch schon erhältlich und steht auf unserer Lese-Liste!

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Zartbitter oder bittersüß?

Stay away from Gretchen von Abel Susanne

Nimmt man dieses Buch zum ersten Mal in die Hand oder liest den Klappentext kann schnell der Eindruck entstehen, es ist die hundertste Nachkriegsgeschichte die publiziert wird. Dieser Teil der deutschen Geschichte wird seit ein paar Jahren ausdauernd und wiederkehrend beleuchtet. Aber dieses Buch hat Qualitäten, die andere nicht haben.

Daher nicht gleich aus dem Rennen kegeln, wenn gerade nach neuer Lektüre gesucht wird!
In diesem Roman stehen aus meiner Sicht zwei Themen zentral im Fokus: Zum einen Eltern, die älter werden und für den rasanten Alltag eine Belastung bedeuten, da sie bedürftiger sind. Zum anderen die Lebensgeschichte der Mutter im Nachkriegsdeutschland, die ihren Platz finden musste mit einer belastenden Vergangenheit. Diese beiden Ebenen werden von der Autorin Susanne Abel wunderbar verwoben.
Der Sohn, Tom, ein erfolgreicher Nachrichtensprecher, erfährt, dass seine Mutter, Greta, im Krankenhaus ist, nicht wie erwartet in Bonn, sondern 400 km weit weg in Aschaffenburg. Nun kommt zu Tage was die Mutter geschickt verbergen konnte: Sie ist dement und braucht Hilfe. Ihm passt das wenig, ein Unsympath, aber realistisch gezeichnet.
Im Zuge dieser neuen Annäherung von Sohn und Mutter, erzählt sie ihm zum ersten Mal ihre Geschichte, ihren Lebensweg mit den vielen Tiefen, die sie erlebt hat. Bittersüße Erinnerungen. Es wird Vieles ausgesprochen was die Mutter zeitlebens belastet hat, aber keine Worte dafür fand, nun im hohen Alter mit der Demenz muss es raus.
Und dabei steht besonders eine Geschichte im Fokus: Ihre Liebe zu einem Alliierten GI. Etwas was damals verteufelt wurde von beiden Seiten. Hier im Roman wird dieses Thema eingehend beleuchtet, denn der GI ist Afroamerikaner. Mir war der Themenkomplex im Ansatz bekannt um die damals sogenannten „brown babies“, aber es in einer fiktiv persönlichen Geschichte gebetet zu lesen ergreift mehr und macht sprachlos.
Sprachgewand schreibt Susanne Abel und seitenfliegend habe ich das Buch gelesen. Macht es doch einerseits Spaß zu lesen und andererseits ist man erschüttert wie Menschen miteinander umgehen.
Nicht nur hat sie die Nachkriegsgeschichte plastisch und ergreifend beschriebene, auch die Demenz der Mutter ist gut gezeichnet und man hat den Eindruck, dass die Autorin weiß wovon sie schreibt.
Fazit: Eine klare Leseempfehlung! Wer als Erwachsener seine Eltern noch hatte, sollte sich denen auf Augenhöhe widmen und echtes Interesse an dem zeigen was die ureigene Geschichte der eigenen Eltern ist bevor es zu spät ist!

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Raue West-Berliner Nostalgie

Teufelsberg von Lutz W. Kellerhoff; Lutz Wilhelm Kellerhoff

Lange mussten wir warten auf den zweiten Wurf des Trios Lutz/Wilhelm/Kellerhoff. Ihr gemeinsames Debüt gaben sie mit „Die Tote im Wannsee“ (2018) und nun geht es weiter mit „Teufelsberg“.
Meine Begeisterung hält an, denn wieder werden wir zurückversetzt ans Ende der 60er Jahre nach West-Berlin und auch Kommissar Wolf Heller ist wieder der Ermittler der Stunde.

Dieses Mal wird die Frau eines Richters erwürgt. Das brisante daran: die Tote war Jüdin. Auch die jüdische Gemeinde wird bedroht und Wolf Heller muss schnell und umsichtig handeln um das Schlimmste zu verhindern, denn die Nichte der Toten wird auch noch entführt!
Spannend ist es wieder und auch wenn ich mich wiederhole. Hier haben die drei Autoren wieder ein großartiges Zeitportrait geliefert das als Kulisse für den Krimifall dient. Die Gefühlslage der Stunde wird hier großartig transportiert. Und erschreckend sind die Parallelen zu heute.
Die Charaktere sind schlüssig und rund, so mancher kantig und rau, macht das Personalkabinett sehr lesenswert.
Auch wenn hier wieder 3 Autoren am Werk waren, es ist rund, liest sich gut wie aus einer Hand geschöpft. Spannend, rasant und auch tiefgründig wird es ab und an. Alles drin um niveauvoll unterhalten zu werden aus meiner Sicht.
Mein Fazit bleibt unverändert zu dem des ersten Falls: Ein Muss für alle ehemaligen West-Berliner und für Krimi-Fans, die es mögen, wenn das Buch mehr zu bieten hat als einen Fall zu lösen.

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Pole der Gegensätzlichkeit

Teufelsberg von Lutz W. Kellerhoff; Lutz Wilhelm Kellerhoff


543 geballte Seiten Familie! Das könnte einem zu viel erscheinen. Mögen doch die meisten nur limitiert die eigene Bagage ständig mit ihren Unzulänglichkeiten in nächster Nähe haben. Aber genau das wird hier seziert. Familie kann man sich nun mal nicht aussuchen.
Es ist Weihnachten 1981. Siri und Pentti haben in der Summe 12 lebende Kinder.

Einige sind schon Flüge geworden, leben in größeren Städten und kommen aber zu Feiertagen wieder nach Hause ins finnisches Dorf Tornedal, wie auch zu diesem Fest. Da der Vater, Pentti, mürrisch und jähzornig daherkommt und die Stimmung verdirbt, aber die Mutter Siri eine herzensgute liebeverströmende Sanftmut in Person ist, kommt es zu Reibung und das Unglück ist vorprogrammiert. Die Kinder ertragen es nicht wie der Vater die Mutter unentwegt schlecht behandelt.
Bei 12 Geschwistern denkt ihr sicherlich, wie soll man die alle auseinanderhalten! Gott sei dank, gab es zu Beginn ein Personenregister auf das man immer mal wieder zurückgreifen kann. Ohne diese Übersicht wäre es in der Tat schwieriger. Und, wer das physische Buch kauft, hat den Vorteil auch ein Lesezeichen mit allen Personen stets am rechten Fleck zu haben.
A propos Personen, sie werden in Teilen recht isoliert betrachtetet und dann doch wieder in die Geschichte eingebunden. Nach dem Lesen habe ich erfahren, dass die Autorin Nina Wähä, die im Übrigen auch Schauspielerin ist, als Grundlage bereits geschriebene Kurzgeschichten hatte und diese zu einem Gesamtwerk zusammenfügen wollte. Beim Lesen gab es an der ein oder anderen Stelle Verwunderung, da es etwas entkoppelt wirkte, nun ist mir klar warum. Das soll der Autorin aber nicht zu lasten gelegt werden, denn dies ist ein außerordentlich gelungenes Debüt! Ihr Schreibstil hat mich mitgezogen und nach Skandinavien verschleppt zu dieser verunglückten Situation. Nicht nur lesbar, sondern niveauvoll unterhalten auf ihre eigene Art und Weise! Denn es gibt auch eine auktoriale Erzählerin, die uns als Leser ab und an aufs Gleis setzt und Hinweise einstreut.
Spannend ist das Ganze allemal, fast wie eine krimihafte Familiengeschichte und ein Ausleuchten der so unterschiedlichen Geschwister. Einige sind einsam, es gibt bilaterale Allianzen, auch Kaputte die problembeladen sind, Sonderlinge, werdende Eltern. Ein bunter Strauß an Geschwistern, was es nicht einfacher macht.
Vaters Wort und Mutters Liebe ist ein lesenswerter skandinavischer Roman, nachdem das Bedürfnis hat sich der eigenen Familie zu widmen.
PS: Erschienen im Heyne Hardcore Verlag, aber lasst euch davon nicht irritieren. Habe schon das ein und andere aus dem Verlag gelesen und es ist eher hardcore unkonventionell oder hardcore kreativ -halt anders!

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Carla is back - wir sind begeistert!

Carla Chamäleon: Zoff im Zoo von Franziska Gehm

Wir waren bereits begeistert vom ersten Band „Oh Schreck, ich bin weg!" allerdings haben wir den gehört und nicht gelesen. Wenn man Carla, 11 Jahre, noch nicht kennt, sollte man wissen, dass Carla unter Chamäliose „leidet“. Wie kennt ihr nicht? Die gute Carla wird unsichtbar, wenn sie nervös wird oder es eine mega peinliche Situation gibt.

Keine Sorge an alle, die Band 1 noch nicht gelesen haben, zu Beginn wird noch mal alles erklärt.
Nun folgt Band 2 „Zoff im Zoo“! Carla hat ihre "Unsichtbarkeit" überwunden und ist jetzt gewillt sie einzusetzen! Wunderbar, Carla hat sich weiterentwickelt. Sie ist nun Mitglied im Geheimbund "Die Kavaliere", die gutes Tun wollen im Geheimen. Der erste Auftrag führt sie in den Zoo und da passieren die kuriosesten Dinge und schon wieder oh schreck, ihr Feind scheint auch mit der Umgebung verschmelzen zu können wie sie! Was nun!?!?
Franziska Gehm hat wieder ihren Fundus an guten Ideen angezapft und hat ein spannendes Kinderbuch geschrieben, dass auch mit viel Witz daherkommt! Uns hat der zweite Band fast noch besser gefallen als Band1 und wir freuen uns schon jetzt auf Band 3 „Wer ist hier der Big Boss?“
Durchsetzt ist der Text mit Schwarz-Weiß-Illustrationen, die aber nur dezent zum Einsatz kommen. Wenn welche da sind, fanden wir sie gut und auch nett als Auflockerung von der Geschichte.
Geeignet ist das Buch super für Grundschüler, zum Vorlesen wie auch zum Selbstlesen. Allerdings ist die Textmenge pro Seite nicht zu verachten, also eher schon für geübtere Leser:innen. Aber ich glaube an die Kraft des guten Textes und somit in guter Hoffnung, dass die neue Generation Leser:innen hier auch viel Lesen will, weil es so spannend ist.

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Für wen ist dieses Buch gedacht?

Die nicht sterben von Dana Grigorcea

Reizen tut uns die Lektüre, hat man schon oft die vielen Schlagwörter gehört die sich in diesem Roman niederschlagen wie Walachei, dass wir alle ab und an in den Mund nehmen und auf einen verlassenen Landstrich referenzieren oder auch der berühmte Dracula, den wir dank Bram Stoker sogleich als Vampir vor dem eigenen inneren Auge sehen.

Dana Grigorcea, die selbst in Burakest geboren wurde (1979) und nun in der Schweiz ihre Heimat gefunden hat schrieb mit ‚Die nicht sterben‘ einen Roman der sich in keine bekannte Schublade pferchen lässt. Der Roman mag nirgends so recht hineinpassen. Hochliterarisch durch gute Prosa und viele Metareferenzen wird es zur guten Literatur. Die Vampirin gibt dem ganzen einen grotesk abgefahrenen Trashtouch á la Tarantino. Und dann noch die historischen Abrisse Rumäniens in die ferne und die nahe kommunistische Vergangenheit geben dem ganzen ein historischen Anklang.
Die preisgekrönte Autorin schickt ihre Protagonistin, eine junge Malerin aus Bukarest zurück in ihre Kindheitserinnerungen der Sommerfrische in ein kleines Dorf am Rande Transsilvaniens. Dort verbringt sie mit ihrer Tante erneut einen Sommer in dem sich vieles ereignet. Nicht nur findet man in der Familiengruft die Leiche eines Jugendfreundes sondern das auch gleich auf dem Grab von Vlad dem Pfähler. Der lokale Bürgermeister, der wie ein Fähnlein im Winde sich schon unter kommunistischer Führung bereichert hat, auch nun große Pläne schmiedet um einen Dracula-Park zu errichten.
Und in diese Geschichte gebettet, wird die Protagonistin zur Vampirin und fliegt über die Wälder und das Blut fließt. Es hört sich schräger an als es ist, kann man doch nachvollziehen, wie sie sich den Ereignissen hingibt.
Genauso lernt der Leser aber auch was es mit Vlad, dem Pfähler auf sich hatte im 15. Jahrhundert. Diese Passagen haben mir persönlich am allerbesten gefallen und mich ungemein historisch bereichert.
Was mich eher ratlos zurück lies, waren einige Stellen, an denen ich ohne Drittwissen nicht weitergekommen wäre. Denn, dass Jonny ein bekannter Fleischschmuggler im Ostblock war konnte ich nicht ahnen. Oder gar drei Seiten Tischgespräch auf Latein ohne Übersetzungshilfe, da muss ich passen.
Nun ihr seht, meine Frage zu Beginn: Für wen ist dieses Buch geschrieben? Diese Frage ist und bleibt unbeantwortet, da es einerseits vielfältig, andererseits absurd und abgehoben ist und zugleich faszinierend gutgeschrieben.
Ja, dass muss man der Autorin definitiv zugutehalte, sie schreibt großartig und es liest sich gut. Dana Grigorcea hat ein Händchen für die Wörter. Selbst bei harten Themen ist ein ironischer Unterton zu hören wie auf Seite 177: „"Ja, mutig sind die Menschen nur mit den Schwachen, den Mächtigen aber setzen sie nichts entgegen. Ist das gerecht?"
Ich hätte es nicht missen wollen. Machen sie alle ihre Genre-Schubladen zu und lesen sie mal rein. Ich wäre gespannt was Sie dazu meinen! Und wenn es tröstet, es sind keine 300 Seiten.

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