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Rezensionen von Bibliomarie:
Kreta - zwischen Tradition und Moderne
Kretisches Schweigen von Milonás Nikos
Eine uralte Legende auf Kreta besagt, dass Ende Mai im Morgengrauen die Seelen der tapferen Krieger, die Drousolites, sich aus dem Sand erheben und in Richtung Frangokastello ziehen. Immer sammeln sich eine Menge Touristen um dieses Schauspiel zu erwarten. Doch dieses Jahr finden sich keine Seelen, sondern Knochen, als sich einige Zuschauer einen Windschutz in den Sand graben möchten.
Michalis Charisteas wird mit seinem Kollegen nach Sfakia geschickt und trifft auf eine misstrauische, schweigende Bevölkerung. Die Abneigung gegen den Staat und alle seine Organe ist greifbar und wenn nicht der örtliche Revierleiter Alekos Tatsopoulos einen guten Draht zu den Männern hätte, wäre eine ordentliche Untersuchung kaum möglich gewesen.
Aber natürlich sind es nicht die Überreste der mythischen Kämpfer, auch wenn die stolzen Kreter das gerne glauben würden, es ist viel profaner. Die Skelette sind viel jünger und weisen Schussverletzungen auf. Auf Charisteas und Koronaios warten schwierige Ermittlungen.
Tolle Landschaftsbeschreibungen gibt es in vielen Krimis. Aber der Autor hat bei seinen Kreta-Romanen ein Alleinstellungsmerkmal. Nicht nur, dass er kenntnisreich und liebevoll über die Insel berichtet und viele historische Detail einfließen lässt, er bringt auch die besonderen Charakterzüge der Kreter dem Leser nahe. Das wirkt auf mich sehr authentisch und schlüssig. Wenn eine männerdominierte Gesellschaft über Generationen gewöhnt ist, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und Konflikte auf ihre eigene Art zu lösen, kann schon eine Parallel-Justiz entstehen. Athen ist weit und die griechischen Regierungen hatten nicht immer das Wohl ihrer Bürger im Auge, das hat sich fest in den Kretern verankert und macht die Arbeit für Charisteas nicht einfach.
Dazu kommt ein privater Konflikt. Er und seine deutsche Freundin Hannah wissen nicht, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben werden. Hannah, als promovierte Kunsthistorikerin findet auf Kreta kein Wirkungsfeld und so sehr sie die Insel liebt, auch die Familie Charisteas in ihr Herz geschlossen hat, kann sie sich ein Dasein nur als Hausfrau und Mutter nicht vorstellen. Michalis will Hannah entgegenkommen, aber er ist Kreter durch und durch und kann sich für seinen Teil nicht vorstellen in einem anderen Teil der Welt heimisch zu werden. Selbst bei Besuchen bei Hannah in Berlin vermisst er schon bald sein heimisches Umfeld. Auch hier stoßen Tradition und Moderne aufeinander. Aber man wäre nicht in Griechenland, würde man dafür nicht auch eine Lösung finden.
Ein verzwickter Fall mit viel Spannung und viel zwischenmenschlichen Konflikten, der sehr gut aufgebaut ist und mich in Bann zog. Nikos Milonás ( Frank D. Müller) hat seine Liebe zu Kreta in einem sehr guten Kriminalroman zum Ausdruck gebracht und sticht auch deshalb aus der Menge der Landschafts-und Urlaubskrimis heraus.
Tödliche Adria
Adria mortale - Bittersüßer Tod von Margherita Giovanni
Ende der Fünziger Jahre war ein Italien-Urlaub ein Traum für Deutsche. So machen sie auch die jungen Frauen Elke und Sonja mit ihrem Motorroller auf den Weg. Als sie sich verfahren und dann auch noch das Benzin knapp wird, stranden sie in Pesaro del Monte. Aber der charmante Signor Rossi überzeugt sie vom kleinen unbekannten Ort und in der hübschen Pension der Signora Pellegrini finden sie eine günstige Unterkunft.
Doch dann wird Signor Rossi tot an einem Feldweg gefunden und gleich mehrere Dorfbewohner geraten unter Verdacht. Als dann noch in Federica Pellegrinis Schuppen ein Glas mit Rattengift gefunden wird, beschließt sie, selbst ein wenig zu schnüffeln und sich nicht allein auf Commissario Garibaldi zu verlassen.
An diesem Krimi hat mir vor allem der ganze Hintergrund gefallen. Die Frühzeit des Tourismus in Italien, Urlauber aus Deutschland, die misstrauisch Spaghetti beäugen und ihnen dann mit Messer und Gabel zu Leibe rücken. Rückständige Dorfbewohner die jede Neuerung ablehnen und den aufkeimenden Tourismus mit Sorge sehen und die anderen, die da das große Geschäft wittern. Rossi war ein Landschaftsschützer und offensiv gegen Ausbaupläne, vielleicht auch ein Motiv für seinen Tod oder war doch eher sein Ruf als Verführer?
Die Autorin – der italienische Name ist das Pseudonym einer deutschen Schriftstellerin – hat dieses Dorf und seine Bewohner fabelhaft ausgestaltet. Man findet jeden Typ: den gerissenen Geschäftsmann, den schmachtenden Jüngling, das schüchterne junge Mädchen, ein frustriertes spätes Mädchen und eine ganze Reihe klatschsüchtiger Matronen, vor denen nichts verborgen bleiben kann. Federica Pellegrini ist die Außenseiterin, sie ist Witwe, stammt aus dem Süden und trägt Hosen! Kein Wunder, dass alle sie gern als Täterin sähen.
Der Krimi selbst entwickelt sich eher langsam. Ein typischer Cosy Crime, der eher unterhalten, als durch atemlose Spannung auffallen möchte. Das sorgte bei mir für einen kleinen Durchhänger in der Mitte des Buches, allerdings wird das durch die tolle Stimmung aufgefangen. Die Auflösung ist durchaus überraschend und sehr menschlich.
Elke und Sonja werden um einige Erfahrungen reicher aus dem Urlaub zurückfahren. So wie sie mit dem Beginn des Buches auftauchen, entschwinden sie am Ende auch wieder. Den gelungen gewählter Untertitel sollte man nicht überlesen.
Ein schöner Sommerkrimi, unterhaltsam und stimmungsvoll.
Paartherapie auf Dänisch
Sex ist immer noch schön, aber Weihnachten ist öfter Roman von Marie Schwarzkopff
„Wenn die Kinder aus dem Haus und der Hund tot, fängt das Leben an…..“ Ist diese Volksweisheit wirklich richtig? Morten und Anna machen eine ganz andere Erfahrung. Haben sie sich auf diese Zeit gefreut, ist ihre Beziehung plötzlich aus den Fugen geraten. Missverständnisse, Ärger und die Frage „Lieben wir uns eigentlich noch?“ stehen im Raum.
Auch ein Paartherapeut trägt nicht zur Lösung der Frage bei.
Doch dann soll ein gemeinsamer Sommer auf einer kleinen dänischen Insel die Beziehung retten. Es wird ein turbulenter Sommer, der Anna und Morten vor viele Fragen und Probleme stellt.
Auch wenn der Titel und die Inhaltsbeschreibung amüsant und unterhaltend klingen und dieses Versprechen auch hervorragend eingelöst wird, habe ich sehr viel Wahres und Tiefgang in der Geschichte gefunden. Bei so mancher Szene konnte ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen, musste mir aber gleichzeitig auch an die eigene Nase fassen.
Ja, die Autorin hat sehr Lebenserfahrung und Empathie in ihrem Roman verarbeitet und weil sie es auf so eine unterhaltsame, leichte Art macht, fühlt man sich in diesem Buch so richtig wohl. Die kleine, fiktive Insel scheint wie ein Sehnsuchtsort zu sein, an dem man wieder zu sich und zu seiner Liebe findet. So fiktiv wie Insel, soll auch der Roman sein – aber ganz ehrlich – das haben schon viele Paare so erlebt und sie werden alle sagen, so ist das wirkliche Leben.
Wer Unterhaltung möchte und auch gern einmal spontan über Szenen lachen kann und dennoch einen gewissen Anspruch an ein Buch hat, findet hier genau die richtige Lektüre.
Loslassen und Neuanfang
Der Himmel ist hier weiter als anderswo von Valerie Pauling
Felicitas hat das Leben übel mitgespielt. Jung wurde sie Witwe und steht nun mit ihren vier Kindern allein da. Ihre Wohnung wurde ihr gekündigt und seit den dramatischen Ereignissen um Jans Tod, kann und mag sie ihre Geige nicht mehr zur Hand nehmen. Damit fällt ihr Verdienst als Orchestermusikerin und Geigenlehrerin weg.
Als sie auf einem Immobilienportal ein altes großes Haus im Alten Land entdeckt – ein ehemaliger Gasthof – kauft sie ihn spontan. Endlich Platz für ihre Kinder und private Geigenstunden kann sie sicher auch dort geben.
Aber es ist alles nicht so rosig, der Bau ist marode und die Sanierungskosten übersteigen bald ihre Möglichkeiten und auch ihre Kinder sind fordernd. Nicht alle Dorfbewohner stehen ihr wohlwollend gegenüber, gut, dass wenigstens ein Nachbar, der Tischler Jesko ihr mit Rat und Tat zur Seite steht.
„Der Himmel ist hier weiter als anderswo“ – der Titel hat mich sofort für das Buch eingenommen. Er weckt ein wenig Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einer weiten Landschaft. Das Buch ist sehr schön geschrieben, die Autorin schafft es schnell, mich in das Leben von Fee und ihren Kindern zu ziehen. Ich habe den Gasthof vor mir gesehen, den verwilderten Garten und den maroden Bootssteg und hätte es am liebsten der Protagonistin nachgemacht und mich auf die Arbeit gestürzt.
Natürlich fehlen die Schwierigkeiten nicht, die Probleme mit der pubertierenden Tochter, dem schulmüden Sohn und der liebenswerten Martha, die ein ganz besonderes Kind ist. Der kleine Golo dagegen ist ein – manchmal altkluger – Sonnenschein, dem die Herzen zufliegen.
Die Autorin hat ihre Protagonisten sehr menschlich gezeichnet, sie wirkten wirklich immer echt und lebensnah. Ich hatte das Gefühl, dass Valerie Pauling ihre Figuren mit Sympathie erdacht hat.
Eine warmherzige Geschichte vom Loslassen und einem Neuanfang, natürlich ist die Liebesgeschichte mit Jesko schon vorprogrammiert, das hat mich aber nicht gestört. Auch das alle Probleme sich immer schnell in Wohlgefallen auflösen, darf in einem Roman so sein. Schließlich möchte ich mich unterhalten. Das ist der Autorin mit ihrem Buch auch sehr gut gelungen.
Mandeln und Mord
Schweigendes Les Baux von Cay Rademacher
Im Februar zeigt sich in der Provence schon der Frühling. Die Mandelbäume blühen und auch Roger Blanc genießt vor seiner Mühle die milden Tage. Aber viel Muße hat er nicht. In einem alten Steinbruch bei Les Baux, der für Kunstausstellungen umfunktioniert wurde, liegt ein Mann mit durchgeschnittener Kehle.
Es handelt sich um den Privatdetektiv Ripert, der sich auf Kunstraub spezialisiert hatte. Tatsächlich wurde er von Monsieur Féraud engagiert, den reichen Besitzer eines Mandelhains und Kunstsammler, der sich auf die lokale Künstlerin Adry Novoli spezialisiert hat. Aus seinem Besitz ist ein kleines Gemälde verschwunden, da nur die Familie oder enge Freunde dazu Zugang hatten, wollte er die Suche diskret einem Privatdetektiv übergeben.
Nicht ganz logisch für Blanc, da die Bilder der Malerin keinen hohen Geldwert hatten, Ripert als Experte dagegen sehr teuer war.
Aber es gibt noch mehr Ungereimtheiten in der Familie Féraud und auch Detektiv Ripert war noch einem weiteren, ganz anders gelagerten Fall auf der Spur.
Wie immer entwirft Cay Rademacher einen interessanten und vielschichtigen Plot, der von Beginn an spannend und auch ein wenig rätselhaft ist. Je weiter Blanc mit seinen Ermittlungen kommt, desto interessanter werden das Miträtseln und die Motivsuche für den Leser.
Für einen Autor der selbst in der Provence lebt, darf natürlich auch die Landschaft eine prägende Rolle spielen und diesen Hintergrund gestaltet Rademacher sehr genussvoll, ohne sich in belanglosen Beschreibungen zu verlieren. Inzwischen ist mir Blancs Mühle schon sehr vertraut und fast schon ein Sehnsuchtsort geworden. Blancs Privatleben ist wieder in ruhigere Bahnen gelenkt worden, nachdem das gefährliche Spiel mit der Affäre mit Madame le Juge sein Ende gefunden hat und auch auserzählt war.
Capitaine Blanc ist ein Polizist der sehr auf sein Team setzt und Marius Tonon ist ihm inzwischen ein guter Freund und Fabienne Souillard als Computerspezialistin unentbehrlich geworden. Mir gefällt die Entwicklung der Figuren im Lauf der einzelnen Fälle.
Aber jeder Fall ist völlig in sich geschlossen und man hat als Leser keine Wissenslücken, wenn man die vorgehenden Bücher nicht kennt.
Rademacher und Provence-Krimis, das passt!
Jeden Mittwoch in der Bretagne
Mittwochs am Meer von Oetker Alexander
Alexander Oetker ist mir bisher nur von seinen schönen, Frankreich-Sehnsucht weckenden Krimis bekannt. Aber auch als Thriller-Autor hat er seine Fangemeinde. „Mittwochs am Meer“ ist nun ein ganz anderes Genre, aber Cover und Beschreibung des Buchs hat mich gelockt.
Maurice van den Berge ist Insolvenzverwalter und jeden Mittwoch fährt er in die Bretagne um einen maroden Betrieb zu retten oder abzuwickeln.
Je nachdem die Entwicklung verläuft. Eines Tages lernt er an der Hotelrezeption Dominique Vial kennen und es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Aber Dominique ist verheiratet, auch wenn ihr Mann nur sporadisch in Bretagne kommt. Und sie hat noch ein besonderes Geheimnis, das eng mit Maurice erster großer Liebe verknüpft ist.
Die sommerlich leichte Liebesgeschichte, mit einer kleiner Brise Melancholie hat mir gefallen. Sie ist gekonnt und mit leichter Hand geschrieben. Charmant wird die Wandlung eines Menschen erzählt, der sich keine Gefühle mehr gestattet. Der sich in seine Arbeit vergräbt und dem es lange genügte, die Erwartungen seiner Eltern, seines Milieus zu erfüllen. Aber von einem Augenblick zu nächsten ist alles anders, sein Leben wird auf den Kopf gestellt. Es ist ein vom Umfang her kleiner Roman, an einem Sommernachmittag ausgelesen, aber eine Geschichte, die den Leser beschwingt zurücklässt.
Das gelungene Cover verlockt schon bei einem flüchtigen Blick das Buch in die Hand zu nehmen und die Leser werden nicht enttäuscht.
Ausgezeichneter historischer Kriminalroman
Verlorene Engel von Goldammer Frank
„Verlorene Engel“ spielt 1956 und ist der neueste Band der Dresdner Nachkriegskrimis.
Max Heller ist inzwischen eine feste Größe der Kriminalpolizei der DDR. Nachdem seine alte Beinverletzung endlich erneut operiert und gerichtet wurde, kann er schmerzfrei gehen. Auch privat scheint es zum Besten zu stehen.
Zwar hat letztendlich die Flucht in den Westen zu seinem Sohn nicht geklappt, aber er hat sich mit dem System arrangiert. Auch wenn er weiß, dass inzwischen das Ministerium für Staatssicherheit wie ein Krake alle Bereiche des Lebens in diesem Staat durchdringt.
Eine Serie von Vergewaltigungen macht der Polizei zu schaffen. Zumal jetzt zum ersten Mal auch eine Frau den Angriff nicht überlebte. Sexualverbrechen sind ein Tabu-Thema. Es darf nicht sein, was dem Bild des „neuen“ Menschen widerspricht. Die Opfer sind völlig unterschiedlich, aber der Dresdner Mob hat natürlich sofort Schuldige ausgemacht. Außenseiter werden auch in diesem Staat gnadenlos ausgegrenzt und verdächtigt.
Da auch zwei russische Soldaten abgängig sind, mischt der Große Bruder mit. Alexej Saizev und Heller kennen sich seit dem Krieg und haben eine fragile Beziehung aufgebaut.
Bei den Dresden Krimis von Frank Goldammer schätze ich den zeitgeschichtlichen Hintergrund ganz besonders, er ist mir fast wichtiger als der Spannungsaufbau. Sein Plot nimmt – wie immer – ein gesellschaftlich relevantes Thema auf. Vergewaltigungen, wie überhaupt Sexualdelikte wurde gern totgeschwiegen, denn das passte überhaupt nicht in das Bild, das die DDR darstellen sollte. Umso größer ist der Druck, der auf Heller lastet.
Wenn ich Frank Goldammer lese, sehe ich Dresden immer wie in einem S/W Film vor mir. Die Atmosphäre der Stadt, das Zeitbild fängt der Autor sehr lebendig ein. Ich meine fast, die Gerüche und Geräusche wahrzunehmen.
Ausgezeichnet sind seine Charaktere dargestellt. Die Figuren sind vielschichtig gezeichnet, sind wirken real und haben wie alle Menschen ihre Stärken und Schwächen. Das macht sie auch so besonders. Sie passen einfach in die Zeit und in das Milieu. Hier möchte ich eine Figur besonders hervorheben: das junge Fräulein Schöneich, die Schreibkraft, die sich unbedingt als Polizistin bewerben möchte und sich deshalb als Lockvogel zur Verfügung stellt.
Für mich ist der Krimi wieder ein sehr spannendes Stück Zeitgeschichte.
Stein und Bein
Mit fünfzig erwartest du Meer von Elli Voss
Werner war schon immer zuverlässig, treusorgend und verantwortungsbewusst. Vielleicht hat sich Romy genau wegen dieser Eigenschaften für ihn entschieden. Auch wenn sie die Familienurlaube meist an staubigen Ausgrabungsstätten verbrachten, denn als leidenschaftlicher Archäologe kannte Werner keine schöneren Ziele.
Aber jetzt wird Romy Fünfzig und tatsächlich hat sich da so etwas wie Langeweile in die Ehe eingeschlichen. Aber dann überrascht sie Werner mit einer romantischen Reise nach Italien, ein Open Air Konzert mit ihrem Lieblingssänger inklusive.
Doch dann findet Romy beim Kofferpacken eine Hotelquittung für ein Doppelzimmer in Werners Jacke und die Romantik-Reise ist ein Kaffeefahrt-Schnäppchen mit Heizdecken und Kochtopfverkauf. Einzig die etwas unkonventionelle Lilo als Mitreisende heitert Romy etwas auf. Als bei einer Raststätte sich Romy und Lilo etwas verspäten, ist der Bus weg. Werner ist einfach ohne sie abgefahren – ausgerechnet ihr zuverlässiger Werner!
Nun beginnt ein turbulentes Abenteuer, das die beiden so unterschiedlichen Frauen Romy und Lilo zu Freundinnen werden lässt und Romy noch eine ganze Menge Erkenntnisse beschert.
Elli Voss hat sehr realistisch eingefangen, wie sich eine gute Ehe allmählich in pure Langeweile verwandelt, ohne dass es die Ehepartner merken. Dabei schreibt sie unglaublich komisch und kann Alltagsszenen wunderbar zuspitzen. Ich habe mich immer wieder beim Schmunzeln, Kichern und beifälligem Nicken ertappt. Ihre Dialoge sind zum Schreien komisch und bringen richtig Tempo in die Geschichte.
Dazu kommt der Ideenreichtum des Plots. Wenn sich Romy und Lilo auf eigene Faust nach Italien aufmachen wollen und endlich einen Bus finden, der die beiden Gestrandeten mitnimmt, beginnt ein Abenteuer, bei dem wirkliche kein Auge trocken bleibt. Auch Schmetterlinge im Bauch kann man erleben.
Eingestreut - und das ist ein besonderes Plus – sind Abdrucke aus Romys Ratgeber-Kolumne einer Frauenzeitschrift. Nun hat sie die Gelegenheit ihre Ratschläge selbst umzusetzen.
Mir hat der Roman ausgesprochen gut gefallen, dabei fand ich besonders gelungen, dass es bei allem Witz auch leise Szenen gibt. Auch ein Leben jenseits der Fünfzig hat noch aufregende Momente und Erlebnisse.
Kreta Krimi
Kretische Feindschaft von Nikos Milonás
Es gibt eine große Zahl von deutschen Autoren, die ihre Liebe zu Ländern und Landschaften mit einem Krimi ausdrücken. Meist wählen sie dann auch ein passendes, landestypisches Pseudonym. So versteckt sich hinter dem Namen Nikos Milonás der deutsche Autor Frank D. Müller.
In diesem Krimi spielt Kreta die Hauptrolle, man merkt die Verbundenheit des Autors mit der Insel, seine Sympathie für die Kreter, ihren Eigenarten, ihrer Lebensweise und natürlich ihrer Küche.
Diese Beschreibungen nehmen deshalb auch einen breiten Raum ein. Der Plot und seine Figuren laden dazu ein.
Michalis Charisteas ist ein Mittdreißiger, Kriminalpolizist in Chania und lebt immer noch im ehemaligen Kinderzimmer der Wohnung, die über der Taverne der Familie liegt. Liiert ist er mit der Kunsthistorikerin Hannah aus Berlin, die alle paar Monate nach Kreta kommt. Immer ein großes Ereignis für die Familie, die Hannah schon vereinnahmt hat. Mutter Loukia sähe sie gern als Ehefrau und Mutter ihrer Enkelkinder, was immer für Stirnrunzeln bei Michalis und Hannah sorgt.
Ihr aktueller Besuch wird von einem ärgerlichen Fall überschattet, der viel von ihrer gemeinsamen Zeit kostet. Der Bürgermeister einer kleinen Küstenstadt ist verschwunden und ein Tag später wird der Wagen mit der Leiche abgestürzt von der Küstenstraße gefunden. Sofort besteht der Polizeichef auf einen tragischen Unfall, aber für Michalis und seinen Kollegen stellt sich die Sache etwas anders dar. Aber Ermittlungen sind unerwünscht und Indizien und Beweise werden ignoriert oder sogar vernichtet. Das lässt Michalis keine Ruhe, auch wenn er sich damit in die Nesseln setzt.
Der Kriminalroman ist ein typisches Urlaubsbuch, es macht Laune und ist unterhaltsam. Der Fall spielte für mich nicht die Hauptrolle, zu sehr legt der Autor Augenmerk auf das ganze Drumherum. Dem wird viel Platz eingeräumt und ich habe es nicht mal ungern gelesen. Schließlich ist der Urlaub per Buch im Augenblick die einzige Möglichkeit.
Der Krimihandlungsstrang hätte aber durchaus spannender sein dürfen und die Ermittlungsarbeit stringenter. Immer wenn eine Spur sich auftat, wurde die Ermittlung durch die diversen Chefs gestoppt, nur um später klein beizugeben, weil Michalis wieder ein Indiz ausgegraben hat, das selbst der korrupte Gouverneur nicht ignorieren konnte.
Kurz gesagt, ein nettes Kreta-Buch mit Krimi und ganz viel griechischen Lebensgefühl. Jammas!
Clemmie und Pug
Lady Churchill von Benedict Marie
Die Autorin wählt für ihren neuen Roman wieder eine Protagonistin die ganz im Schatten ihres Mannes verschwindet- Clementine Churchill. Sie legt ihr Buch ganz nach dem Motto an Hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau. Auf die Ehefrauen von Politikern trifft das sicher besonders zu.
„In den Geschichtsbüchern wird höchstwahrscheinlich nur der Name meines Mannes stehen, obwohl alles, was er sagt und tut, auch meine Handschrift trägt.
Die Zeit wird es wohl weisen."
Clementine stammt aus gutem, aber nicht vermögendem Haus. Dazu kommt, dass der Ruf ihrer Mutter nicht untadelig ist. Als eine Tante ihrer Mutter, Lady St Helier, sie zu einer Gesellschaft einlädt, trifft sie auf den jungen, aufstrebenden Winston Churchill. Dessen Abstammung ist untadelig, sein Großvater ist der Duke of Marlborough. Aber als Sohn eines jüngeren Sohnes hat er zwar einen guten Namen, aber kein Vermögen. Für seine beruflichen Pläne ist aber eine Ehefrau an seiner Seite unerlässlich. So macht er Clementine sehr bald einen Heiratsantrag.
Clementine ist gebildet, vielseitig interessiert und charaktervoll. Die Ehe wird eine schwierige, aber gute werden. Für Clemmie, wie sie genannt wird, ist es klar, dass sie hinter den Plänen ihres Mannes steht und trotz Kindern und einem fordernden Haushalt ihm jederzeit Unterstützung gibt.
Er befolgt im Gegenzug bedingungslos ihre Ratschläge und oft scheint es nur einen mahnenden, fordernden Blicks von Clemmie zu bedürfen um Winston zu lenken. Diese Rolle behagt ihr auch mehr, als die Rolle der Mutter. Ab und zu plagt sie das schlechte Gewissen, wenn sie ihre Reisen, ihre Erholung immer ohne Kinder oder Familie plant, weiß sie sie doch in guter Obhut der diversen Nannys. Diese mehrwöchigen Erholungsaufenthalte sind ihr wichtig, sie braucht sie um Kraft zu tanken. Trotzdem bleibt immer das Gefühl, als Mutter versagt zu haben.
Aber sie bleibt sich treu, ein Rückzug auf die Familie allein, kommt für sie nicht infrage. Zu sehr ist sie an Politik interessiert und vor allem an den Auswirkungen auf die Frauen. Sie engagiert sich für das Frauenwahlrecht und ist sicher, Churchills Sinneswandel in dieser Frage ist allein ihr zu verdanken. Während der Kriege wird sie aktiv in diversen Organisationen tätig. Es ist fast beängstigend, mit welcher Energie Clementine ihren Mann antreibt, vor allem auch in den Phasen von Churchills Depressionen. Sie ist die Frau, die mehr Einfluss auf die Politik Churchills hatte, als seine Berater. Sie zahlt auch klaglos den hohen Preis dafür.
Der Vorteil eines Romans über eine bekannte Persönlichkeit, die nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, ist, dass die Autorin auf Eckdaten und dokumentiere Ereignisse zurückgreifen kann, die Leerstellen dazwischen aber ganz im Sinne ihres Romans füllen kann. Das macht die Autorin auf spannende Art und Weise und ihr gelingt es, ein farbiges und lebendiges Zeitbild zu schaffen. Es beleuchtet die Churchills Politik aus einem ganz privaten Blickwinkel.
Ein lesenswerter Roman mit vielen zeitgeschichtlichen Bezügen.











