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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Christina P.:

Von Sirenen und anderen starken Frauen

Die Grimm-Chroniken - Der Gesang der Sirenen von Maya Shepherd

Der vierte Teil der Serie der Grimm-Chroniken startet langsam, um zum Schluss hin ordentlich an Tempo zuzulegen. Man erfährt von einer magischen Bibliothek, macht Bekanntschaft mit den gefährlichen Sirenen, entdeckt das düstere Geheimnis des Käptain Blaubart und ist bei einer folgenschweren Entscheidung dabei, welche Königin Mary trifft.

Zudem gibt es erste Hinweise, welche Macht Worten und Namen innewohnen kann. Auch gewinnen die Nebencharaktere langsam mehr an Bedeutung, so dass bisherige Geschehnisse und zukünftige Ereignisse geschickt immer mehr miteinander verknüpft werden.
Mir hat der vierte Teil deutlich mehr gefallen als der dritte Teil, da hier spannende Handlungen und das Aufdecken von Geheimnissen und Wissen wieder in einem besseren Verhältnis vorliegen. Die Verknüpfungen der einzelnen Personen machen die Story jetzt etwas komplexer und natürlich hat es sich die Autorin nicht nehmen lassen, auch hier wieder nicht nur Wissen zu streuen, sondern vor allem auch neue Rätsel zu säen, so dass die Neugier weiterhin vorhanden bleibt, was wohl hinter all den Geschehnissen stecken könnte. Der Schluss allerdings zog wie ein plötzlicher Wirbelwind durchs Buch, das ging mir dann fast schon etwas zu schnell.
Der Gesang der Sirenen ist der vierte Band eines Zyklus von 13 Bänden, in denen Märchenelemente geschickt zu einer "neuen Wahrheit" über die Märchen miteinander verknüpft werden. Ich empfehle, die Bände in ihrer Reihenfolge zu lesen, da diese aufeinander aufbauen.

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Familiendrama mit aussergewöhnlicher Erzählstruktur

Summer von Monica Sabolo

Die neue Wandfarbe ist Schuld: Plötzlich erinnert sich Benjamin Wassner wieder, als vor 24 Jahren seine 19-jährige Schwester Summer spurlos bei einem Picknick am Genfer See verschwand. Ein einschneidendes Erlebnis für den damals 14-jährigen schüchternen Jungen, der seine Schwester nahezu vergötterte.

Doch was damals wirklich geschah, weiß Ben bis heute nicht. Wird er Antworten finden in den Erinnerungen, welche er bis vor kurzem verdrängte?

"Ich möchte den Arm ausstrecken, aber ich bin wie gelähmt oder gar nicht da, die Fische schwärmen und spinnen ein dichter werdendes Netz um meine Schwester, bis sie sie ganz eingewickelt haben, ihre Haare treiben weiter im Wasser, doch ihr Körper ist fort." (Zitat S. 27)

Benjamins Erinnerungen an die Momente seiner Kindheit und Jugend kommen sehr durcheinander und verworren zurück, eine entsprechend chronologische Unordnung findet sich somit auch im Buch wieder. Zudem sind seine Erinnerungen teilweise recht düster und wirken, als würde er nicht richtig zur Familie gehören. Erst mit der Zeit schafft Benjamin es, Ordnung in sein Erinnerungschaos zu bringen und die richtigen Schlüsse aus seinen Beobachtungen zu ziehen, zu welchen er damals noch nicht in der Lage war. Dabei entwickelt sich der Roman von Seite zu Seite immer mehr zu einem Familiendrama.
Das Buch besticht durch seine poetische Wortwahl, welche manchmal passte, stellenweise jedoch wie übertrieben wirkte. Zudem stellte sich beim Lesen heraus, dass "Summer" vielmehr ein Buch über Ben selbst ist als nur über seine Schwester. Atmosphäre hat der Roman auf jeden Fall, die chonologische Unordnung von Bens teils stark subjektiven Erinnerungen machte das Lesen vor allem zu Beginn zu einer Herausforderung. Dennoch war es interessant mitzuverfolgen, wie Benjamin nach und nach den Vorhang lichtete und begann, seine Familie mit den Augen der Erkenntnis zu betrachten, wie Glanz und Glamour nach und nach erloschen.
Sehr gefallen hat mir, wie Monica Sabolo Benjamins Erinnerungen zu einem Knäuel verstrickte, aus dem lange Zeit nicht ersichtlich war, was die einzelnen Details für eine Bedeutung haben könnten. Auch ist Ben als in sich gekehrter Charakter gut gezeichnet, wenn auch mir von Kapitel zu Kapitel immer unsympathischer werdend. Ein atmosphärischer, etwas düsterer Roman mit einer aussergewöhnlichen chronologischen Erzählstruktur, bei welchem man als Leser miträtseln kann, welches Schicksal Summer einst erlitt.

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Schwächere Fortsetzung der Steampunk-Dilogie

Die Wedernoch von Stefan Bachmann

Bartholomew musste mit ansehen, wie seine Schwester Hettie durch ein Tor in die Elfenwelt verschwand. Jetzt versucht er mit allen Mitteln, sie wieder in die Menschenwelt zurück zu holen. Unterstützung findet er schon bald in einem Straßenjungen, der eine besondere Fähigkeit hat. Derweil versucht Hettie, in der Elfenwelt zu überleben.

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Der zweite Teil der fantastischen Steampunk-Dilogie von Stefan Bachmann (Teil eins: Die Seltsamen) spielt einige Jahre nach dem ersten Band und kommt anfangs nur langsam in Fahrt. Die Lage zwischen Elfen und Menschen hat sich zugespitzt, ein Krieg steht unmittelbar bevor. Im Gegensatz zum ersten Teil spielt die Story nun zu großen Teilen in der düsteren Elfenwelt, der Steampunk-Anteil ist somit deutlich reduziert, was ich sehr schade fand. Die Welt der Elfen funktioniert nach völlig anderen Regeln, sie ist brutal und stellenweise recht skurril. Auch wenn sie interessant gestaltet ist, konnte ich mich mit den teils willkürlich wirkenden Handlungen nicht so recht anfreunden, was den Lesespaß etwas ausbremste. Ebenso bleiben die Elfen als Protagonisten recht distanziert, man erfährt nur wenig über ihr Leben. Somit bleibt der zweite Teil der Dilogie etwas hinter dem ersten Teil zurück, rundet die Story jedoch gut ab.

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Ausgefallene Steampunk-Fantasy mit einigen Längen

Die Seltsamen von Stefan Bachmann

Bartholomew Kettle und seine Schwester würden gern wie normale Kinder zur Schule gehen und auf der Straße spielen - doch sie leben im Verborgenen, denn sie sind Seltsame, Mischlinge aus Mensch und Elfe, und somit nicht gern gesehen. Als der Junge beobachtet, wie ein Mischlingskind aus der Nachbarschaft auf mysteriöse Weise verschwindet, gerät er schon bald in Gefahr, als er die geheimen Pläne einer mächtigen Person durchkreuzt.

Doch auch ein junger Politiker wird durch Zufall auf die Taten aufmerksam. Und schon bald geraten die beiden in ein gefährliches Abenteuer...
Die Seltsamen ist der erste Teil einer fantastischen Steampunk-Dilogie. Durch ein besonderes Ereignis gelangten einst magische Wesen in die Menschenwelt und leben nun in Unterdrückung in einer Welt, welche dem alten England in einer Steampunk-Version ähnelt. Unnötig zu erwähnen, dass diese Wesen alles andere als glücklich mit ihrem Schicksal sind. Mir hat die Vermischung der Menschenwelt mit Feen, (Hoch-)Elfen, Kobolden und Faunen sehr gut gefallen, ebenso wie die vielen Maschinen, welche das Dampfzeitalter des Romans prägen. Geschrieben ist der Roman sowohl aus der Sicht des kleinen Barthy wie auch des Politikers Mr. Jelliby, welche aus völlig unterschiedlichen Schichten kommen und sich im Lauf des Romans begegnen. Der Roman lebt hauptsächlich vom Worldbuilding, die Spannung schwankte mir für meinen Geschmack zu sehr durch einige weniger spannende Durststrecken. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass man im Anschluss den zweiten Band "Die Wedernoch" lesen sollte, um nicht das Gefühl zu haben, mitten in der Handlung als Leser verlassen worden zu sein.

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Vier Aussenseiter im Kampf gegen Bestie (und) Mensch

Die Seltsamen von Stefan Bachmann

Mörderische Bestien kamen einst über die Welt und brachten den Tod für den Großteil der Menschheit. Davon berichten die Bestien-Chroniken, von mutigen Überlebenden aufgezeichnet. Einzig in der Stadt Kol lebt man durch eine magische Kuppel geschützt vor diesen Kreaturen, während ausserhalb der Stadt weiterhin Menschen ums Überleben kämpfen.

Doch auch in der scheinbar sicheren Metropole ist das Leben nicht ungefährlich, denn der größte Feind ist immernoch der Mensch. Dies ist die Geschichte von vier Aussenseitern, welche im Kampf gegen das Böse antreten...
Bestias ist der erste Teil einer Trilogie um die Bestien-Chroniken. Nach und nach lernt man die Hauptfiguren kennen, deren Schicksale sich schon bald in der Metropole Kol kreuzen werden. Da wäre zum einen das Straßenkind Tarl, den man nicht nur als Leser einfach gern haben muss. Die Magistudentin Ceres, der ihr Stottern einen gewaltigen Strich durch die Karriere zieht. Barbar Balger, welcher ausserhalb von Kol lebt und schlauer ist als so manch ein Stadtbewohner. Und Magnus, bei dem die Schicksale der vier Helden schon bald zusammenlaufen. Sehr interessant fand ich, wie vor jedem Kapitel ein Auszug aus den Bestien-Chroniken nach und nach schilderte, wie alles begann, wie die Bestien das Grauen über die Menschen brachten und die Chronisten in die Stadt Kol flüchteten, in welcher sie sich anfangs sicher glaubten. Das war deutlich interessanter zu lesen als ein Prolog vorweg. Zudem fiel mir positiv auf, dass der Autor sich nicht allzu lang mit Beschreibungen der Umgebung aufhielt sondern vielmehr Andeutungen und Schlüsselworte benutzte, insbesondere, um geschickt eine Vorstellung der Stadt Kol im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Dies ist ihm für meinen Geschmack hervorragend gelungen, so dass Greg Walters sich mehr auf die Handlung statt auf die Beschreibung von Stadt und Land konzentrieren konnte. Und Handlung gibt es bereits im ersten Band jede Menge. Die vier Helden wachsen nach und nach zu einem Team zusammen und müssen mehrmals um ihr Leben bangen. Ebenso lernt man die verschiedenen Monsterarten kennen, wobei das fünfte Monster - neben dem Monster Mensch - das gefährlichste ist. Mir hat die Mischung aus Macht und Intrigen, Vertrauen und Verrat, Magie und Gefahr sehr gut gefallen und ich bin gespannt, was die Freunde im nächsten Teil der Trilogie erwarten wird.

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Wer ist der Fremde in meinem Haus?

DIE WAHRHEIT von Raabe Melanie

Sarah Petersen fällt aus allen Wolken, als sie die Nachricht erhält, ihr Ehemann sei gefunden worden. Vor sieben Jahren verschwand Philip Petersen spurlos während einer südamerikanischen Geschäftsreise, eine Lösegeldforderung ging trotz seines hohen Vermögens nie ein. Ihre Freude ist verhalten, da sie als Alleinerziehende grad kürzlich erst den Verlust überwunden hat und eine neue Beziehung wagen wollte.

Am Flughafen trifft sie dann der nächste Schock: Der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist ein Fremder. Und er droht, sie würde alles verlieren, sollte sie zur Polizei gehen...
Das Buch beginnt ganz harmlos, wie Sarah ihr Leben meistert mit Job und Sohn. Ihren Mann ließ sie trotz Anraten eines Geschäftsfreundes von Philip nie für tot erklären, gab bis vor kurzem die Hoffnung nicht auf. Einfühlsam beschreibt Melanie Raabe, wie geschockt Sarah schließlich auf die Nachricht reagiert, Philip käme heim. Als dieser aus dem Flugzeug steigt erkennt sie ihren Mann auch gar nicht, ist buchstäblich wie gelähmt, als ein ihr völlig Fremder als ihr Mann dargeboten wird. Natürlich glaubt ihr in all dem Freudentaumel der Presse niemand, als Sarah Zweifel anmeldet, der Mann sei ein Betrüger, der nur an Philips Vermögen wolle. Doch sobald die beiden allein daheim sind, zeigt der Mann sich ihr von der kalten Seite.

"Was war das Schlimmste, was du je in deinem Leben getan hast?" (Zitat)

Das Buch ist hauptsächlich aus Sarahs Sicht geschrieben, immer wieder kurz unterbrochen von Passagen des Fremden, der behauptet, Sarahs Ehemann zu sein. Vor allem in Sarahs Abschnitten nutzt die Autorin gekonnt die Sprache als Stilmittel, drückt Sarahs Verwirrtheit und Angst durch Wiederholungen und lange Sätze aus, die ihren Gedankenfluss in ihrer Situation verdeutlichen. Durch das Zusammenspiel von Sarah und dem Fremden schaffte Melanie Raabe es sogar, zwischenzeitlich Zweifel in mir aufkommen zu lassen, ob Sarah nicht vielleicht doch keine so reine Weste hat, wie sie bisher immer vorgab. Der Verdacht, was hinter alldem stecken könnte, wechselte sowohl in Sarahs Überlegungen wie auch in meinen, so dass ich mir bis kurz vor Schluss nicht sicher sein konnte, wer der Fremde in Sarahs Haus wirklich ist. Erschwerend kam für Sarah hinzu, dass alle sie für die hysterische Person hielten, während der Fremde charmant alle Personen auf seine Seite zu ziehen schien.
Mir hat das Wechselspiel zwischen Sarah und dem Fremden, Sarahs innere Zerrissenheit und fast panische Angst sehr gut gefallen. Die Spannung, was es mit dem Fremden auf sich hat, blieb bis zum Schluss erhalten und nicht immer war ich auf Sarahs Seite. Ebenso gefiel mir die Auflösung, die ebenso hervorragend wie überraschend war.
Das Hörbuch wird als gekürzte Fassung im Wechsel gelesen von den Schauspielern Nina Kunzendorf, Andreas Pietschmann und Devid Striesow. Besonders die Passagen des Fremden haben mir sehr gut gefallen. Nina Kunzendorf schaffte es, die teils recht langen und atemlosen Sätze aus Sarahs Part gut zu sprechen. Leider war an ihrer Betonung immer wieder zu merken, dass der Text abgelesen wird, was mich stellenweise schon etwas störte.

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Ein magisches Abenteuer

DIE WAHRHEIT von Raabe Melanie

Bei der Flucht vor den Schlägertypen seiner Schule landet der neunjährige Finn versehentlich in Arthurs Buchladen. Die beiden freunden sich recht schnell an, da sie eines gemeinsam haben: Die Liebe zu Büchern und schönen Geschichten. Doch scheint in Finn eine besondere Gabe zu wohnen, welche die geheimnisvollen Buchwächter auf den Plan ruft.

Über sie lernt Finn, dass es besondere, magische Bücher gibt, die es zu beschützen gilt, da sie in den falschen Händen verheerende Katastrophen auslösen könnten. Und das Böse naht bereits mit großen Schritten...
"Buchwächter" ist ein unterhaltsames Abenteuerbuch mit einer kleinen Prise Humor, welches in einer fiktiven Stadt im England des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist. Als pfiffiger Bauerssohn hat Finn neben der Schule entsprechend viele Aufgaben daheim zu erledigen. Da gefiel mir, wie der Autor die damaligen Gegebenheiten wie Gebäude, Kutschen und Gesellschaft darstellte, wie er die Jungs über einen Wochenmarkt jagen ließ und auch auf Kleinigkeiten achtete, dass der Junge z. B. die meiste Zeit barfuss unterwegs ist und wie er mit seiner liebenswerten Familie lebt. Zudem ist das Buch mit liebevollen Zeichnungen versehen, welche das Buch optisch wunderschön aufwerten.
Neben Finns Welt, welche er als Realität kennt, hat Andreas Hagemann zudem eine Welt der Fantasie erschaffen, welche neben der unseren existiert und zu der Finn eine besondere Verbindung hat. Leider scheinen die Bewohner dieser Welt zunehmend vom Aussterben bedroht, weil die Menschen immer weniger Zeit haben, an sie zu denken. Das war ein sehr schöner Punkt, zumal in dieser Welt Figuren vorkamen, welche man selbst aus Märchen und Erzählungen kennt, wie den Wolf und die drei kleinen Schweinchen, Pinocchio oder Struwwelpeter. Und obwohl mir dies sehr gut gefiel, ist es doch zugleich auch ein kleiner Kritikpunkt meinerseits, da Fantasiefiguren vorkommen, welche erst später erdacht wurden. Wen diese Unstimmigkeit in der Zeitlinie nicht stört, hält mit dem "Buchwächter" ein wunderschönes, humorvolles Fantasyabenteuer in Händen! Viel Spaß beim Lesen!

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Project Surprise - Die Lösung gegen Langeweile in der Beziehung?

Muss es denn gleich für immer sein? von Sophie Kinsella

Als Sylvie und Dan von ihrem Hausarzt die freudige Nachricht erhalten, sie seien so kerngesund, dass ihre Ehe noch locker 68 Jahre halten würde, geraten die beiden in Panik. Zwar sind sie glücklich verheiratet und haben liebevolle Kinder, aber wenn man sich so innig kennt, wie soll man da solch eine lange Zeit glücklich zusammenleben, ohne, dass einem langweilig wird? Man sich gar auf die Nerven geht? Ihre erste Idee ist, sich fortan zu überraschen, um Pep in die Beziehung zu bringen.

Aber das geht natürlich gründlich schief...
Zu Beginn erzählt Sylvie recht liebevoll von ihrer Beziehung, den kleinen Macken ihres Mannes und wie sie sich in ihrem Leben so weit ergänzen, dass der eine sogar die Sätze des anderen beenden kann. Die Vertrautheit der beiden ist regelrecht spürbar. Zudem hat Sylvie eine sehr humorvolle Art, wodurch das Lesen gleich von Beginn an Spaß macht. Als die beiden begannen, sich möglichst schnell Überraschungen für den anderen auszudenken, führte das mehrfach zu Momenten, bei denen ich schmunzeln musste. Dabei spielte Nachbarin Tilda, welche ich auch sogleich ins Herz schloss, mit ihrer machmal doch recht direkten Art eine nicht unwesentliche Rolle. Erst, als es zu Spannungen in der Beziehung kommt, ein Missverständnis zum nächsten führt und Sylvie Angst hat, ihren Mann doch nicht so gut zu kennen, wie sie dachte, beginnt sie, hinter die Fassaden anderer Menschen und Paare zu blicken, allen voran der eigenen Eltern sowie der Schwiegereltern. Und auch in ihrem Job stehen plötzlich Veränderungen an, welche Sylvie vor neue Herausforderungen stellen. Doch wer wäre Sophie Kinsella, wenn nicht zum Schluss alles ein gutes Ende finden würde?
Ich fand den Roman sehr unterhaltsam und humorvoll geschrieben. Vor allem Tilda, die Nachbarin, hatte es mir mit ihrer erfrischend direkten Art sehr angetan. Neben den etwas langen Kapiteln störte mich jedoch, dass in Sylvies Leben einfach zuviel Aussergewöhnliches vorkam: Ihre Eltern (allen voran ihr besonderer Vater), ihre reiche Kindheit, ihre Top-Gene, ihr aussergewöhnlicher Job. Entsprechend hochgestochen war mir dann auch die Auflösung, welche hinter den Missverständnissen steckte, das war nichts mehr, was einem Durchschnittspaar geschehen könnte. Zudem war das Buch stellenweise etwas überzogen, das muss nicht sein. Zwar passte zum Schluss alles zueinander und mir gefiel vor allem, wie Sylvie allmählich lernte, dass sich manchmal auch ein Blick hinter die Fassade der Menschen lohnt. Dennoch fühlte sich für mich das Ende einfach zu weltfremd an, das war sehr schade.

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Drachenzähmen - nicht leicht gemacht!

Carim Drachentöter von Lena Knodt

Carim ist ein zurückgezogener Einzelgänger. Carim ist kein typischer Held. Carim tötet Drachen.
Und das kann er wie kein anderer. Als er ein Drachenei klaut, schlüft der Drache versehentlich, bevor er das Ei verkaufen kann. Und in Carim wächst der Plan, den Drachen als Waffe für seine Pläne zu benutzen.

Zugegeben, Carim ist zu Beginn wirklich kein Sympathieträger. Sein fast schon barbarischer Blutdurst schreckte mich erstmal ab. Als er jedoch dem Jungdrachen in seiner Höhle fernab in den Bergen gegenübersteht, begann der Protagonist mich langsam zu faszinieren. Drachenzähmen? Alles andere als leicht gemacht! Umso spannender war es zu beobachten, wie Carim und Vlynnar, ein doch recht wilder und feuriger Drache, langsam und unerwartet zu einem Team zusammenwachsen. Und als der König auf Carims Fähigkeiten aufmerksam wird und mit ihm einen höchst interessanten Deal - auch für den Leser - aushandelt, wird einem nach und nach klar, dass nicht nur Carims Körper, sondern auch dessen Seele von tiefen Narben gezeichnet ist und unter der rauen Schale ein gar nicht mal so übler Kerl versteckt ist.
In erster Linie hat mich an diesem Roman die Welt der Drachen fasziniert. Es sind wilde und gefährliche Tiere, vor denen die Menschen nicht ohne Grund gewaltigen Respekt haben. Mit dieser unbändigen Macht kämpft Carim, der ein Leben abseits der Menschen gewählt hat. Warum, wird einem nach und nach klar, da werd ich jetzt nichts vorweg nehmen. Doch auch, wie er mit seinem Drachen Vlynnar langsam zu einem Team zusammenwächst ist sehr spannend und einfach kein Vergleich zu anderen Mensch-Drachen-Freundschaften in der Fantasy-Literatur. Carim selbst wirkte auf mich zu Beginn brutal, abstoßend und arrogant. Und auch hier verstand es die Autorin, ihren Antihelden Entwicklungen durchlaufen zu lassen, durch welche er im inneren Konflikt mit sich selbst steht, hin- und hergerissen zwischen der Person, welche er seit Jahren ist und dem Menschen, den er vor langer Zeit dafür aufgab. Wer die Welt der Drachen mal nicht nur durch eine rosarote Brille sehen will und keine Scheu hat, einen Antihelden bei seinen blutigen Abenteuern zu begleiten, wird mit Carim definitiv seinen Spaß haben. Ein gelungener Einstieg in eine aussergewöhnliche Drachen-Trilogie.

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Über Manipulation und Unterdrückung

Die Perfekten von Brinkmann Caroline

Die wichtigste Überlebensregel: "Vertraue niemandem!" Rain ist ein Ghost, ein unregistrierter Menschen in einem komplett registrierten System. Eine Welt nach der unseren, in der die Menschen nach der Qualität ihrer Gene klassifiziert werden. Wie Geister verstecken Rain und Storm, ihre Mutter, sich vor dem Gesetz, weichen Überwachungsdrohnen aus und kämpfen ums Überleben.

Bis Rain einen fatalen Fehler begeht: Sie vertraut einem registrierten Menschen. Und setzt damit eine Ereigniskette in Gang, die ihr bisheriges Leben komplett zerstört...
Das Worldbuilding ist faszinierend: Nachdem die bisherige Menschheit durch Rücksichtslosigkeit und Egoismus die Welt fast zerstörte, leben im Königreich Hope die Menschen innerhalb sicherer Grenzen. Eingeteilt ist das Reich in Zirkel, welche für besondere Eigenschaften stehen, wie z. B. der grüne Zirkel für die Landwirtschaft oder der weiße Zirkel für die Forschung. Regiert werden die Menschen von den Gesegneten, genetisch bis zum Perfekten aufgewertete Menschen, die im luxuriösen goldenen Zirkel leben. Weitab davon liegt Grey, der graue Zirkel, geprägt von Industrie, Asche und Smog, welcher einem in hohen Konzentrationen die Atemwege verätzt. Hier kämpft nicht nur Rain ums Überleben, sondern versuchen auch andere, dem Smog und der Armut zu entkommen, indem sie sich in die reicheren Zirkel hocharbeiten. Perfekte Gene sowie herausragende Leistungen in der Schule sind dafür Voraussetzung. Auch Lark und seine beste Freundin Hail versuchen, als Sentinal und Forscherin in ein besseres Leben aufsteigen zu können. So könnte Lark auch seiner Familie ein komfortableres Leben ermöglichen, da Bewohner, denen eine genetische Einstufung geringer als eins oder eins-plus zugeteilt wurde, keine beruflichen Aufstiegschancen möglich sind. Als sich die Wege von Rain und Lark mehrfach kreuzen, ändert sich das Leben der beiden jedoch schlagartig, ohne, dass sie etwas dafür können. Denn im Untergrund regieren die Spines, eine Rebellengruppe, deren Macht bisher unterschätzt wurde...

"Die Dornen der Spines wachsen überall." (Zitat S. 452)

Mir hat vor allem die kämpferische Rain sehr gut gefallen. Sie und Lark umgibt jeweils ein Geheimnis, welches im Verlauf des Buches eine wichtige Rolle spielen wird. Und obwohl es im Leben von Rain mehrmals zu überraschenden Wendungen kommt, bleibt sie sich die ganze Zeit treu, verleugnet weder sich noch ihre Herkunft. Doch auch Lark ist ein Charakter, welcher sehr ausdrucksstark gezeichnet ist. Er ist im Herzen ein guter Kerl, der genau deswegen jedoch sich und andere unabsichtlich in Gefahr bringt. Dafür hab ich bei Rain mehrfach die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen, wenn sie sich nicht an die wichtigste Überlebensregel hielt und anderen vertraute - obwohl ihre Mutter ihr doch etwas anderes beibrachte.
Die Welt im Roman ist anschaulich beschrieben mit ihren verschiedenen Zirkeln, welche alle nach Farben benannt sind. Sehr gut wird beim Lesen deutlich, wie aus Ungerechtigkeit Hass, aus Hass Gewalt entsteht. Wie Macht durch Manipulation erwächst und ein Klassensystem auf Dauer nicht funktionieren kann, da Ungerechtigkeit zu Rebellion führt, führen muss. Und mittendrin befindet sich Rain. Der Regen. Der Neuanfang.
"Die Perfekten" ist ein grandioser, dystopischer Roman, welcher ein künstliches, auf Ungerechtigkeit bauendes Klassensystem sowie dessen Folgen beleuchtet. Ein beeeindruckender Roman um Vertrauen und Verrat, Liebe und Hass, Ignoranz und Hoffnung. Mit Spannung warte ich nun auf die Fortsetzung "Die Vereinten", in welcher das Schicksal der Bürger von Hope entschieden wird.

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