Kunden em pfehlungen
Rezensionen von skiaddict7:
Freundschaft fürs Leben im "Hollow Land"
Bell und Harry von Jane Gardam
Harry ist noch ein kleiner Junge, als seine Eltern beschließen, das geschäftige Treiben in London für den Sommer zu verlassen und nach Yorkshire zu fahren. Dort gibt es nur Moor, Hügel und ein paar Farmen mit Schafen und einzelnen Kühen. Die Hügel sind von ehemaligen Minen durchlöchert, weshalb der Ort auch hollow land genannt wird.
Schnell entwickelt sich zwischen Harry und Bell, dem jüngsten Sohn der Vermieter, eine enge Freundschaft, die das ganze Leben anhalten wird. Sommer für Sommer treffen sich die Familien in Yorkshire und erleben so einige Abenteuer.
Gardam schreibt wunderschön ruhig und poetisch. Das Buch ist überwiegend aus der Sicht von Bell geschrieben, in einer eher kindlichen Sprache aber auch mit einem gewissen Witz und Zynismus, so dass ich häufig über Bells Gedankengänge schmunzeln musste. Jedes Kapitel scheint in einem anderen Sommer zu spielen, und die Jungs erleben so einiges. Gardam schreibt über bedingungslose Freundschaft und Liebe, über das Leben am Land, und über Beziehungen. Ein Wohlfühlroman den ich gerne weiterempfehle!
Drei Schwestern in einer neuen Welt
Eine eigene Zukunft von María Dueñas
"Sie wollte nicht, dass er merkte, wie laut ihr unter den Blumen ihres Kleides das Herz schlug."
Die drei Schwestern Mona, Luz und Victoria wachsen in Malaga auf. Der Vater ist praktisch nie da, ständig auf See oder in fernen Ländern, wo er eine Reihe von Jobs annimmt und sich so über Wasser hält.
Als die Familie eines Tages in Spanien eine neue Bleibe benötigt, beschließt der Vater kurzerhand, die Familie nach New York zu holen, wo er den Traum hat, gemeinsam mit ihnen ein Restaurant zu führen. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihnen: nur wenige Wochen nach der Familienzusammenführung kommt der Vater auf tragische Weise ums Leben. Die drei Schwestern müssen nun selbst zusehen, wie sie in der neuen Welt überleben.
Anfangs bin ich schwer in die Erzählung hinein gekommen. Zu viele Charaktere, und es dauert, bis alle richtig in New York ankommen und der eigentliche Teil beginnt. Nach dem Tod des Vaters nimmt die Geschichte jedoch Fahrt auf. Die drei Schwestern sind sehr verschiedene, bodenständige, starke Frauen, mit denen ich mich gut identifizieren konnte. Der Autorin gelingt es, die Stimmung im bunten New York der 1930er einzufangen. Besonders die spanischen Viertel sind so beschrieben, dass man sich wie mittendrin fühlt. Der schreibstil ist teils sehr ausgeschmückt, was es manchmal schwierig macht zu lesen, andere Male gibt es wunderschöne Zitate. Fazit: Ein gelungener Roman über starke Frauen!
Erschütterndes Zeugnis
Die Nickel Boys von Colson Whitehead
«Werft uns ins Gefängnis, und wir lieben euch trotzdem (. . .) Aber seid gewiss, dass wir euch durch unsere Leidensfähigkeit zermürben und eines Tages unsere Freiheit erlangen werden.» (Martin Luther King Jr.)
Elwood Curtis, ein schwarzer Jugendlicher, wächst relativ behütet im Florida der 1960er Jahre auf.
Wissbegierig, fleißig, verlässlich und seriös arbeitet Elwood an seiner Zukunft. Heimlich ist er begeistert von den Reden Martin Luther Kings und träumt vom Ende der Rassentrennung. Durch harte Arbeit erhält er schließlich mit nur 16 Jahren ein Stipendium für Kurse am nahe gelegenen College. Er macht sich per Anhalter auf den Weg zum College, und da passiert es: er wird festgenommen, da er in ein gestohlenes Auto eingestiegen ist. Die Behörden machen mit Elwood kurzen Prozess: er landet in der "Nickel Academy", einer Besserunganstalt für Jungen in Florida, wo die Jungen missbraucht und ausgenutzt werden. Vor allem die schwarzen Jungen scheinen besonders zu leiden. Im "weissen Haus" werden die, die aus der Reihe tanzen, gezüchtigt - ein Ledergürtel saust wieder und wieder auf sie nieder, sie werden geschlagen oder sexuell missbraucht, teilweise bis zum Tod.
Basierend auf einer wahren Begebenheit, dem Missbrauch hunderter Jungen (vor allem Afroamerikaner) in der
Arthur G. Dozier School for Boys,
hat Whitehead es mal wieder geschafft, mich völlig in seinen Bann zu ziehen. Whitehead beschreibt nüchtern und unaufgeregt die furchtbaren Ereignisse, die sich so ähnlich tatsächlich bis vor wenigen Jahren zugetragen haben. Elwood ist ein wirklich sympathischer Protagonist, mit dem man bis zum Schluss hofft und von einer besseren Zukunft träumt - bis Whitehead den Leser am Ende mit einer überraschenden und berührenden Wende schockiert. Ein sehr wichtiges und berührendes Buch, das jeder lesen sollte.
Die ständige Suche
All das zu verlieren von Leïla Slimani
„Unzufriedene Menschen zerstören alles um sich herum.“ (S. 205)
Adele Robinson ist eine Journalistin, welche mit ihrem erfolgreichen Ehemann und ihrem dreijährigen Sohn in einem teuren Pariser Viertel lebt. Sie scheint alles zu haben, was man sich wünschen könnte – Schönheit, Reichtum, Liebe, Familie – wieso ist sie nicht glücklich? Wie kann man unzufrieden sein, wenn man scheinbar alles hat? Adele lebt ein geheimes (Zweit-)Leben, denn unter anderem scheint sie ein unstillbares Verlangen nach Sex mit verschiedenen, vorwiegend fremden Männern zu haben.
Sei es mit ihrem Chef, fremden Männern bei einer Dinner Party, in einer Galerie, etc. Sie ist bereit, alles für ihre Lust aufs Spiel zu setzen…
Ich mag französische Autoren, und ich hatte schon sehr viel über Leila Slimani gehört. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, das Buch war angenehm zu lesen. Slimani hat sich einem interessanten Thema angenommen, der Sexsucht bei Frauen. Ich fand ihre Herangehensweise interessant, aber leider hat die Geschichte insgesamt keine klare Aussage. Was genau will die Autorin mit der Handlung rüberbringen? Was will sie dem Leser mitgeben? Teils gibt es Aussagen und Passagen, welche zum Nachdenken anregen, doch das ganze wird von vielen, teils grotesken Sexszenen überschattet und endet in einem Cliffhanger, der für den Leser jedes Ende offen lässt. Insgesamt enttäuschend.
Gelungener historischer Roman über Italien und USA im 20. Jahrhundert
Bella Ciao von Raffaella Romagnolo
Romagnolo ist mit diesem Buch ein beeindruckender historischer Roman gelungen. Der italienische Titel, "Destino" (Schicksal) passt deutlich besser als das nichtssagende "Bella Ciao", dessen Relevanz zur Geschichte sich mir nicht erschließt. Wir schreiben das Jahr 1900 im kleinen Städtchen Borgo di Dentro, als Ms.
Giulia Masca Zeugin davon wird, wie ihre beste Freundin sie hintergeht. Sie flüchtet daraufhin nach Genua und gibt ihre gesamten Ersparnisse für ein Ticket nach New York aus. Dort baut sie sich ein neues Leben auf. Fast fünfzig Jahre und zwei Weltkriege später kommt sie zurück - auf der Suche nach Anita, ihrer besten Freundin von damals. Romagnolo beschreibt ruhig und genau die Geschehnisse zwischen Giulias Flucht nach Amerika in 1900 und ihrer Rückkehr in 1946. Über Erinnerungen baut sie die ganze Geschichte auf, Generationen von Arbeitern in Italien und ebenso in New York, bis zur Wiedervereinigung der Freundinnen. Und was für eine Geschichte: obwohl es sich um einen Roman handelt, sind doch viele historische Gegebenheiten eingearbeitet. Es gibt sehr viele Protagonisten, wobei die Geschichten nicht alle chronologisch erzählt werden, sodass es hilft, ab und zu einen Blick auf die Stammbäume zu Beginn der Kapitel zu werfen. Ich fand das Buch sehr spannend zu lesen und, obwohl traurig, zeigt sich doch wieder einmal, dass die Zeit alle Wunden heilt und dass Familie über alles gestellt werden sollte. Lohnenswert, aber keine leichte Lektüre.
Ein außerordentliches Debüt
Worauf wir hoffen von Fatima Farheen Mirza
Hadia, Huda und Amar wachsen als Kinder indischer Einwanderer in Südkalifornien auf. Das Buch beginnt mit Hadias Hochzeit. Sie heiratet einen Mann, den sie sich selbst ausgesucht hat. Hier treffen wir Amar, der die Familie vor drei Jahren verlassen hat. Was ist vorgefallen? Zahlreiche Rückblicke aus den Blickwinkeln sowohl der Geschwister als auch der Eltern lassen die Geschichte langsam komplett werden.
Fatima Farheen Mirza beschreibt ruhig und außerordentlich genau das Leben muslimischer Immigranten in den USA: der innere Kampf der Kinder, die Religion so zu akzeptieren, wie die Eltern es vor leben; der stete Versuch, bloß nicht als Gefahr wahrgenommen zu werden; der Versuch, die Eltern stolz zu machen und deren Erwartungen zu erfüllen; die Eifersucht unter Geschwistern und der Umgang der Eltern mit den eigenen Kindern. Behutsam, genau, wunderschön und mit einer traurigen Note beschreibt die Autorin diese mir so fremde Welt. Ein Buch über Familie, die Liebe zwischen Geschwistern und die Liebe der Eltern zu ihren Kindern. Obwohl mir die Welt der Muslime zu wenig vertraut ist, sind die Prinzipien doch universell. Ich habe dieses Buch geliebt und war traurig, als es zu Ende war. Ein großartiges Debüt, das auf viele weitere Romane der Autorin hoffen lässt.
Eine unglaubliche, poetisch erzählte Geschichte - ein Meisterwerk
Niemals ohne sie von Jocelyne Saucier
“In dieser Familie ging es nie darum, glücklich zu sein. Also kann man sich auch nicht beschweren, dass wir es nicht geschafft haben.”
Die Cardinals sind wie niemand sonst: eine Großfamilie mit 21 Kindern, welche in Norco im französischsprachigen Teil Kanadas aufwachsen. Norco ist eine Minenstadt.
Hier wird Erz abgebaut, und die ganze Stadt existiert nur wegen der Mine. Der Vater hat die Mine ursprünglich entdeckt, trotzdem blieb das erwartete Geld aus. Und so leben die Cardinals arm aber glücklich in den Tag hinein, immer auf der Suche nach einer weiteren Erz- oder sonstigen Ader. Der Vater scheint nur für den Bergbau zu leben, die Mutter ist mit ihren vielen Aufgaben sehr beschäftigt und meist in der Küche, und so scheinen die älteren Kinder die jüngeren zu erziehen.
30 Jahre später findet zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein Familientreffen statt. Der inzwischen über 80-jährige Vater soll eine Auszeichnung bekommen. Hierzu finden sich alle Kinder sowie die Eltern in einem Hotel ein. Doch wieso hat es die Familie ursprünglich in alle Himmelsrichtungen zerstreut? Welches Geheimnis verschweigen sie?
Es hat mich ein bisschen Zeit gekostet, um in das Buch hineinzufinden. Dann jedoch hat es mich nicht mehr losgelassen. Saucier beschreibt wunderbar poetisch, unaufgeregt wie auch realistisch die Geschichte einer Großfamilie mit 21 Kindern in einem Bergbaudorf in Kanada. Jedes Kapitel wird aus der Perspektive eines anderen Kindes erzählt. Die Autorin ist eine wunderbare Erzählerin. Ihre Charaktere sind vielschichtig und stark, jeder der Protagonisten auf seine eigene Art. Im Leben dieser Familie gibt es unglaublich viel Liebe, aber auch unglaublich viel Leid. Die Geschichte zog mich völlig in seinen Bann, ein wahres Meisterwerk!
Ein sehr wichtiges Buch zu einem Thema, das uns alle etwas angeht.
Der Welt nicht mehr verbunden Die wahren Ursachen von Depressionen - und unerwartete Lösungen von Hari Johann
„Du bist keine Maschine mit kaputten Komponenten. Du bist ein Tier, dessen Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Du brauchst eine Gemeinschaft. Du brauchst sinnvolle Werte, nicht die Schrottwerte, mit denen du dein Leben lang vollgestopft wurdest und die dir versichert haben, Glück entstehe durch Geld und den Kauf von Sachen.
Du brauchst sinnvolle Arbeit. Du brauchst die Natur. Du brauchst das Gefühl, dass du in der Welt respektiert wirst. Du brauchst eine sichere Zukunft. Du brauchst Bezug zu all diesen Dingen. Du musst die Schamgefühle loslassen, die entstehen können, wenn man missbraucht worden ist.“
Jeder von uns hat jemanden im Bekanntenkreis, der an Depressionen leidet. Vielleicht sind es sogar wir selbst, aktuell oder in der Vergangenheit. Egal was die Verbindung zur Depression ist, jeder hat im Leben auf irgendeine Weise ein- oder mehrmals Kontakt mit dieser Krankheit.
Johann Hari war noch ein Teenager, als bei ihm eine Depression diagnostiziert wurde. Er bekam Antidepressiva und ihm wurde gesagt, es handle sich um ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern im Gehirn. Jahrelang nahm er langsam immer höhere Dosen von Antidepressiva – jedoch ohne relevanten Effekt. In diesem Buch präsentiert Hari seine Recherchen zu dem Thema Depression und Angststörungen. Er ist um die Welt gereist, hat sich mit hunderten von Betroffenen und Ärzten und Psychologen unterhalten, und hat sich in die aktuelle Studienlage eingelesen. Dadurch hat er schließlich acht „Auslöser“ von Depressionen identifiziert. Die Auslöser sind schlüssig und man fragt sich, wieso dies neue Erkenntnisse sein sollen. Jedoch werden diese bisher von behandelnden Fachpersonen nicht unbedingt als solche beachtet. Häufig werden Patienten mit Depressionen einfach Antidepressiva verschrieben, ohne zu beachten, was eigentlich der Grund für die Episode war. Und, solange der Auslöser weiter besteht, ist die Tablette häufig nicht genug. Hari schlägt im Verlauf des Buches Lösungen für die jeweiligen Auslöser vor, die, wie er zugibt, jedoch nicht immer einfach umzusetzen sind. Dieses Buch ist ein Ansatz, damit wir als Gesellschaft endlich umdenken, und depressive Menschen besser unterstützen können. Ich kann Hari nicht bei all seinen Aussagen zustimmen. Teilweise ist das Buch schwer zu lesen, manche Punkte sind für meinen Geschmack ein bisschen zu ausführlich beschrieben. Dennoch ein außerordentlich wichtiges Buch, das JEDER lesen sollte, egal, ob er selbst betroffen ist oder nicht.
Ungewöhnlich faszinierend
Die zehn Lieben des Nishino von Hiromi Kawakami
„Hin und wieder wurden die Wellen lauter. Unaufhörlich stieg die Flut. Und wir saßen mit klopfenden Herzen in der Nacht.“
Hiromi Kawakami beschreibt auf ruhige und poetische Art in zehn Kapiteln das Leben und die Lieben des Yukihiko Nishino. Zehn Kapitel, zehn Liebhaberinnen: stets erzählt eine Frau in der ich-Form darüber, wie sie Yukihiko kennenlernt und wie sich das ganze zu einer Beziehung entwickelt.
Nishino ist eine Art japanischer Playboy; charmant, unnahbar und beliebt bei Frauen, und doch irgendwie undurchsichtig. Häufig hat er mehrere Frauen gleichzeitig, stets telefoniert er mit vielen Frauen. Die meisten scheinen es zumindest zu ahnen, dass sie nicht die einzigen sind – obwohl er es nicht immer offen ausspricht. Bei jeder nimmt er eine andere Rolle ein. Schon in der Schule scheint Nishino nach Liebe zu suchen und möchte mehr darüber erfahren – seit er seine geliebte ältere Schwester verloren hat. Er ist überzeugt, nicht lieben zu können und somit stets auf der Suche nach der wahren Liebe.
Die Idee dieses Buches, eine Person durch die Sicht mehrerer anderer zu beschreiben, fand ich faszinierend. Kawakami beschreibt nüchtern und bedacht eine Reihe von Szenen, die uns Nishinos Art und Persönlichkeit näherbringen. Die Geschichten sind nur annähernd chronologisch, dennoch ergibt sich in der Gesamtheit ein Bild des Lebens von Nishino. Ein Leben getrieben durch die Suche nach einer Liebe, die nie gefunden werden kann. Insgesamt wird das Buch wohl noch länger nachwirken. Hiromi Kawakami hat ein beeindruckendes Werk geschaffen, welches ich gerne weiterempfehle.
Wunderschönes, liebevoll gestaltetes Kochbuch mit tollen Rezepten
Ofirs Küche von Ofir Raul Graizer
Als erstes möchte ich sagen wie wunderschön das Buch gehalten ist. Ofir erzählt viele persönliche Geschichten über seine Heimat, seine Familie und das Kochen. Die Rezepte sind liebevoll gestaltet, komplett vegetarisch und teilweise vegan. Jedes Rezept hat ein Bild dazu, was ich hilfreich finde, weil ich mir sonst oft nicht vorstellen kann, wie die Speise auszusehen hat.
Bisher habe ich erst einige wenige Rezepte ausprobiert, die jedoch alle gelungen sind. Die über 70 enthaltenen Rezepte beinhalten verschiedene Brote, Beilagen (Salate und Dips), geröstete Gemüsegerichte, Saucen, verschiedene Tahin-Variationen, Gerichte mit Eiern, Gerichte mit Gemüse, Suppen und Eintöpfe, Salate, sowie Desserts. Die meisten Gerichte sind einfach zuzubereiten. Die Zubereitung wird genau beschrieben. Lediglich bei manchen Zutaten hatte ich Mühe, sie zu bekommen. Fazit: ein wunderschön gestaltetes Kochbuch, ein Muss für jeden Vegetarier!











