Kunden em pfehlungen
Rezensionen von skiaddict7:
Der Kampf um Gleichberechtigung
Die Dirigentin von Maria Peters
New York City, 1926: Antonia Brico wächst in ärmlichen Zuständen auf. Täglich arbeitet sie zwei Jobs, als Schreibkraft und als Platzanweiserin im Konzerthaus. Für eine Freizeit bleibt nicht viel Zeit. Immerhin kommt sie im Konzerthaus mit Musik in Kontakt. Die Mutter ist lieblos, der Vater immer bei der Arbeit.
Ihr großer Traum ist es, Dirigentin zu werden. Dass dieser Beruf typischerweise von Männern ausgeübt wird, ist ihr egal. Und so beginnt ein Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung der Leistung von Frauen.
Das Buch ist mitreißend geschrieben. Es wird in 3 Perspektiven erzählt: Antonias eigener, ihrem guten Freund Robin und ihrer großen Liebe Frank. Es ist in einer einfachen Sprache gehalten, was mich eher an ein Drehbuch als an einen Roman erinnert hat. Zudem liegt der Fokus teilweise zu sehr auf Antonias Liebesbeziehung. Die Erzählung basiert locker auf dem wirklichen Leben von Antonia Brico, obwohl viele Details erfunden sind. Ich fand das Buch spannend zu lesen. Eine berührende Geschichte über eine starke und interessante Frau!
Was am Ende zählt
Kostbare Tage von Kent Haruf
"Dad" Lewis hat nur noch wenige Wochen zu leben. Er hat Krebs im Endstadium. Mit dieser Nachricht fahren seine Frau und er zurück in die Kleinstadt Holt auf den Colorado Plains. Tochter Lorraine wird informiert und kehrt nach Hause zurück, um bei den Eltern zu sein. Mit dem Sohn besteht schon jahrelang kein Kontakt mehr.
Und so reflektiert "Dad" sein Leben: das Aufwachsen, das Kennenlernen der Liebe seines Lebens, seine Arbeit, seine Entscheidungen und Versäumnisse... Währenddessen zieht nebenan die achtjährige Alice ein, die ihre Mutter verloren hat und fortan mit ihrer Großmutter lebt. Ohne es zu merken, bringt sie neues Leben in die Kleinstadt und Lorraine und zwei alten, kinderlosen Frauen neue Lebensfreude.
Haruf schreibt in gewohnt ruhiger Manier über die wichtigsten Dinge im Leben. Am Ende sind es vor allem die Menschen in unserem Leben, die zählen. Haruf schafft es, den Leser mit seinem unaufgeregten und nüchternen Stil mitten ins Herz zu treffen. Ein kleines, ruhiges, und wichtiges Büchlein, welches ich mit vollem Herzen empfehle.
Ein origineller Reiseführer
HOLIDAY Reisebuch: Hiergeblieben! - 55 fantastische Reiseziele in Deutschland von Jens van Rooij
In "Hiergeblieben!" stellt der Autor fünfundfünfzig Reiseziele in ganz Deutschland vor. Originell ist dabei die Präsentation: ein Wahrzeichen einer bekannten Stadt wird mit Foto vorgestellt (z.B. die Golden Gate Bridge in San Francisco, das Jordaan-Viertel in Amsterdam, das Burgtheater in Wien, uvm).
Dann folgt das Foto eines ähnlichen Ortes in Deutschland. Dieser wird dann genauer vorgestellt.
Das Durchblättern des Buches macht Spass, ich konnte dabei einige Ideen für zukünftige Reisen sammeln. Zu den einzelnen Orten sind die Informationen dann eher spärlich, sodass man sicher noch weitere Informationsquellen konsultieren sollte.
Fazit: in Zeiten von Corona ein origineller, passender Reiseführer.
1000 Ziele in Deutschland
HOLIDAY Reisebuch: Wo Deutschland am schönsten ist von Axel Klemmer
Der Führer "Wo Deutschland am schönsten ist" von Axel Klemmer stellt auf 480 Seiten eintausend Ausflugsziele in ganz Deutschland vor. Gerade in der aktuellen Zeit ist ein heimatnaher Urlaub sicher sinnvoll. Der Fokus im Buch liegt vor allem auf Kunst, Kultur und Kulinarik. Ich finde das Buch schön gestaltet, das Layout ist bunt und enthält viele Fotos.
Beim Durchblättern kommen einem immer wieder Reise-Ideen, viele Orte habe ich mir markiert. Die einzelnen Ziele scheinen jedoch willkürlich ausgewählt und sind größtenteils wirklich nur sehr knapp beschrieben (meist ein kurzer Absatz). Da bleibt vieles unerwähnt! Ich hätte es mir etwas ausführlicher erhofft. Auch hätte ich gerne noch mehr "Natur"-Ziele unter den Ausflugsideen gefunden. Insgesamt ein solider Führer zum Sammeln neuer Reiseziel-Ideen.
Ein gelungenes Debüt
Flüchtig von Achleitner Hubert
„Alles ist flüchtig, aber nicht alles ist gleich flüchtig. Jedes Ereignis hat seine eigene Halbwertszeit. Ich will dir jetzt meine Geschichte erzählen, bevor sie sich zu sehr verflüchtigt. Denn ich schreibe nicht die Ereignisse fest, sondern nur meine Erinnerungen daran.“
Nach fast dreißig Jahren Ehe mit Herwig verschwindet Maria plötzlich.
Mit seinem Volvo, dem Großteil des Geldes und ohne einen Abschiedsbrief… Sie möchte Abstand zwischen sich und ihr Leben bringen. Zwischen ihre unerfüllte Ehe, ihren Beruf, ihre Heimat. Nach Jahren des Funktionierens und des Nebeneinanderher Lebens sucht sie ihr eigenes Glück. Sie begibt sich auf eine Reise durch Österreich, und von dort schließlich nach Griechenland, wo sie mehrere Monate hängen bleibt und das Leben neu entdeckt.
Hubert Achleitner, bekannt als „Hubert von Goisern“ ist in der österreichischen Volksmusikszene bekannt. Nun hat er seinen ersten Roman geschrieben. Ich war zuvor etwas skeptisch, muss aber nun sagen: Herr Achleitner, wieso haben Sie nicht schon früher mit dem Schreiben begonnen? Ich fand das Buch sehr interessant zu lesen. Diese sympathische österreichische Sprache, der poetische Schreibstil, die festgefahrenen Protagonisten, die zwar alles andere als modern denken, aber einfach das typisch Österreichische verkörpern. Dazu die griechischen Protagonisten, der heilige Berg, und dann das Klettern und Bergsteigen… Alles in allem eine sehr gelungene Kombination. Ich habe das Buch gerne und schnell gelesen, und kann es wirklich weiterempfehlen.
Eine wunderbar poetische Reise
Offene See von Benjamin Myers
„Romantik ist ein Gefühl, und Romantik ist Freiheit. Romantik ist Abenteuer und Natur und Wanderlust. Sie ist Meeresrauschen und Regen auf deiner Zeltplane und ein Bussard hoch über einer Wiese und das morgendliche Erwachen mit der Frage, was der Tag wohl bringen mag, um dann loszuziehen und es herauszufinden.
Das ist Romantik.“
Der zweite Weltkrieg ist gerade beendet. Robert ist sechszehn und hat seine Prüfungen hinter sich, als er sich auf eine Reise nach Südengland macht, um das unberührte Meer zu sehen. Eine letzte Reise, vor er seinem Vater als Bergarbeiter in die Tiefe folgt. Seine Reise führt ihn an die englische Nordseeküste, wo er zufällig auf Dulcies Cottage stößt. Dulcie ist eine lebenserfahrene, kluge, offene ältere Frau, die Gefallen an dem jungen Robert findet und in das erste Mal in seinem Leben als Erwachsenen behandelt und ernst nimmt. Er bleibt längere Zeit bei ihr, erledigt diverse Reparaturarbeiten am Hause, während sie ihm von ihrem Leben erzählt. Doch auch Robert schafft es, Dulcie nachhaltig zu beeindrucken und ihr Leben in eine andere Richtung zu lenken.
„Reisen ist die Suche nach sich selbst, glaub mir. Und manchmal genügt schon allein das Suchen.“
Benjamin Myers ist mit diesem Büchlein ein wunderschönes, poetisches Buch gelungen, das zum Träumen einlädt. Die Handlung ist ruhig, die Sprache einfach und poetisch. Die Protagonisten sind liebenswürdig, sodass man als Leser Robert und Dulcie schnell ins Herz schließt. Die englischen Küsten voll saftigem Grün eignen sich hervorragend als Schauplatz eines sommerlichen Romans. Eine hervorragende Mischung aus Geschichte, Abenteuer, Freundschaft und Philosophie. Ein wunderschönes Buch, welches klar zu meinen Highlights für 2020 gehört.
Ein stilles Buch, das nachwirkt – jedoch anders als erwartet.
Nach Mattias von Peter Zantingh
Mattias ist nicht mehr da. Mitte dreißig wurde er abrupt aus dem Leben gerissen. Er hinterlässt viele Lücken – bei seiner Partnerin Amber, seinen Freunden, seinen Eltern und bei scheinbar Unbekannten. Alle versuchen, irgendwie mit dem Leben weiterzumachen. Und das tun sie auf sehr unterschiedliche Weise.
Die Idee dieses Romans gefällt mir außerordentlich gut. Jedes Kapitel wird von einem anderen Protagonisten erzählt. Der Zusammenhang zwischen den Protagonisten bzw. die Verbindung zu Mattias wird manchmal erst nach und nach klar. Vom Aufbau her erinnerte ich der Roman sehr an „Der Sprung“. Nach einem berührenden Start verlor die Erzählung jedoch an Tiefe und konnte mich schlussendlich nicht so berühren, wie ich es gehofft hatte. Die Erzählung ist ruhig, manchmal schleppend, und stimmt den Leser nachdenklich. Ich bleibe stumm und nachdenklich zurück und frage mich, was der Autor mir damit mitgeben wollte.
Traurigkeit kindgerecht umgesetzt
Heute nicht von Timon Meyer
Niemand ist 24 Stunden, 7 Tage die Woche gut drauf. Das wissen wir Erwachsenen. Damit es auch für Kinder klar ist gibt es dieses Buch. Denn der Bär, der Löwe, das Krokodil, der Quala, der Lurch und der Panda haben alle keinen guten Tag. Doch sie wissen, dass es morgen wieder ganz anders aussehen wird.
Das Buch ist liebevoll illustriert mir bunten, detailgetreuen Bildern. Die Sprache ist einfach gehalten. Die Reime sind herzig und so, dass Kinder sie sich gut merken können. Das einzige was mich etwas stört, ist dass so unterschiedliche Tiere hier scheinbar alle zusammenleben, was ja nicht realistisch ist. Aber nun ja, es ist ein Kinderbuch, da sehe ich darüber hinweg. Ich finde die Nachricht des Buches wichtig, für große wie für kleine Kinder: es muss und wird nicht jeder Tag gut sein, es wird auch nicht jeder Tag gleich sein. Aber es kommen immer wieder bessere Tage. Ein sehr liebevoll aufgemachtes Buch!
Für meinen Geschmack etwas zu alternativ
Simply Clean für ein gesundes Zuhause von Becky Rapinchuk
Ich hatte mir von dem Buch viel erhofft. Es spricht ja nichts dagegen, sich ein paar Putzmittel selbst zu machen. Auch eine Anleitung zum Putzen klingt verlockend. Leider ist Becky Rapinchuk wohl ein bisschen zu „alternativ“ für meinen Geschmack. Sie ist der Meinung, dass jedes Putzmittel giftig und der Teufel ist.
Tja, die sollte man wirklich nicht trinken, aber dazu sind sie ja auch nicht da! Auch liebt Rapinchuk ätherische Öle, in praktisch jedem ihrer Rezepte sind welche enthalten.
Das Buch ist schön aufgebaut, es gliedert sich in eine Einleitung, ein Kapitel zum „Detox-Wochenende“, anschließend wird Raum für Raum aufgeräumt. Hier gibt es einige nützliche Tipps und Listen. ABER: immer wieder führt sie ihre eigenen Rezepte auf. Beim Kapitel „Badezimmer“ gibt es Rezepte für Kosmetik zum Selbermachen. Unter anderem Handdesinfektionsspray (welcher keinerlei desinfizierenden Eigenschaften hat), Toner und Gesichtswasser. Als Dermatologin kann ich leider nur zu gut beurteilen, dass diese Rezepte Schwachsinn sind. Kein einziger Inhaltsstoff der wirklich wirkt, und viele ätherische Öle und Hamamelis Extrakt etc. obendrauf – so ruft man Kontaktallergien hervor! Also danke, aber nein, danke! Insgesamt gibt es einige nützliche Tipps zum Aufräumen und Organisieren, somit ist ein Teil des Buches nützlich. Leider ist mir aber das meiste, insbesondere die eigenen Rezepte, zu alternativ.
Ruhig und intensiv
Was wir sind von Anna Hope
„Wir haben für euch gekämpft. Damit ihr alles erreichen könnt. Euch zuliebe haben wir die Welt verändert, und was habt ihr draus gemacht?“
Es ist 2004. Hannah, Lissa und Cate sind 29 und leben in einem Haus in London Fields. Sie genießen ihr Leben, leben in den Tag hinein, denken nicht an später.
„(...) Sie haben noch Zeit zu werden, wer sie später einmal sein wollen.“ Es folgt der Sprung zu 2010: die Situation hat sich grundlegend verändert. Hannah ist nun glücklich verheiratet und versucht verzweifelt, ein Kind zu bekommen, doch jeder Zyklus der künstlichen Befruchtung scheitert. Lissa ist deutlich weniger erfolgreich als Schauspielerin als sie sich ausgemalt hatte, spricht regelmäßig bei Castings vor und hält sich mit diversen Jobs über Wasser. Cate ist frisch verheiratet und Mutter eines Säuglings. Sie fühlt sich einsam, unverstanden, ängstlich und überfordert mit der neuen Situation. Auch mit dem Ehemann Sam ist es anders als sie es sich vorgestellt hatte, schließlich kannten sie sich erst relativ kurz. Die drei Freundinnen sind auseinander gewachsen. Sie treffen sich ab und zu, aber nicht jede kann sich auch für die andere freuen. Und jede der drei versucht, mit dem aktuellen Leben klarzukommen, das so ganz anders ist als in der früheren Vorstellung.
Anna Hope gelingt es mit einem ruhigen und deskriptiven Schreibstil, den Leser gut zu unterhalten. Die drei Protagonistinnen sind alle sehr unterschiedlich und auf ihre Weise interessant, so dass man sich als Leser wirklich in jede hineinfühlen kann. Im Buch selbst passiert eher wenig, was mich aber überhaupt nicht störte. Die Probleme sind alltäglich, es geht um das Erwachsen werden, um den Aufbau eines eigenen Lebens. Auch Feminismus bzw. Geschlechterrollen werden angesprochen, jedoch nur beiläufig. Ein ruhiger, aber intensiver Roman, den man auch als „Coming of Age“ Roman für Ende zwanzig/Anfang dreißig-jährige bezeichnen könnte.











