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Rezensionen von dorli:

Wenn der Teufel erwacht

Wenn der Teufel erwacht - Ein Fall für Jutta Stern und Tom Neumann 2 von Jennifer B. Wind

Wien. In einer Kfz-Werkstatt entdeckt ein Mechaniker im Kofferraum eines Autos zwei Leichen, die zahlreiche Verletzungen aufweisen. Die Halterin des Fahrzeugs ist geschockt und hat keine Erklärung dafür, wie die Toten in ihren Wagen gelangt sein könnten…

Jennifer B. Wind wartet in „Wenn der Teufel erwacht“ mit einem hochaktuellen Thema auf.

Es geht um Flüchtlinge. Es geht um Menschen, die ihre Heimat verlassen, nicht nur, weil sie dort keinerlei Perspektive mehr für sich sehen, sondern weil sie der ständigen Gefahr für Leib und Leben entkommen wollen. Es geht auch um die Strapazen und die Risiken, die solch eine Flucht mit sich bringt. Und es geht um Menschen, die die Verzweiflung und die Hoffnung der Flüchtlinge gnadenlos ausnutzen, um die miese Geschäftemacherei der Schlepperbanden und die barbarischen Methoden, mit denen sie arbeiten.

Jennifer B. Wind versteht es mit ihrem angenehm zu lesenden Schreibstil ausgezeichnet, den Leser in ihren Bann zu ziehen. Schon der Prolog hat es in sich. Schnell hat mich der Bericht des 22-jährigen Medizinstudenten Samir gepackt, der gemeinsam mit seinem Vater die Flucht über das Mittelmeer wagt. Genauso mitreißend erzählt Samirs Mutter Nesrin im zweiten Teil des Buches vom Krieg in Syrien. Davon, wie schwer es ist, ohne ihren Mann mit den beiden jüngeren Kindern im zerbombten Aleppo auszuharren. Nesrin macht sich schließlich mit den Kindern und ihrer Mutter auf den Weg nach Österreich – die Brutalität, die sie unterwegs erlebt, macht sprachlos. Es gelingt der Autorin hervorragend, Nesrins Gedanken und Gefühle zu vermitteln. Man spürt ihre Angst, den Schmerz und die Verzweiflung und hofft und bangt mit ihr, dass die Reise für sie ein gutes Ende nehmen wird.

Ermittlerin Jutta Stern kann ihre Kollegen anfangs nicht bei den Ermittlungen unterstützen, da sie nicht in Wien ist, als die Leichen in dem Kofferraum gefunden werden. Jutta brauchte nach dem Tod ihres Mannes Simon eine Auszeit und ist nach Indien gereist, um sich auf die Suche nach ihrem Vater zu begeben. Auch dieser Part der Geschichte wird von Jennifer B. Wind sehr fesselnd geschildert. Jutta erlebt furchtbare Dinge und verlässt Indien fluchtartig.

Die Ermittlungen zu dem Kriminalfall rutschen durch Juttas Erlebnisse und den aufwühlenden Geschehnissen rund um Samir und Nesrin ein wenig in den Hintergrund, was aber nicht heißen soll, dass nicht ermittelt wird. Chefinspektor Georg Kunze und sein Kollege Tom Neumann unternehmen alles, um Licht in das Dunkel um die toten Flüchtlinge zu bringen. Die Spurensuche wird sogar richtig dramatisch und bringt Tom unversehens in große Gefahr.

„Wenn der Teufel erwacht“ hat mich rundum begeistert. Die abwechslungsreiche, gut durchdachte und vor allen Dingen realitätsnahe Handlung sorgt für spannende Lesestunden. Absolute Leseempfehlung!

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Neuer Einsatz für die pfiffige Hobbyermittlerin Loretta Luchs

Ein Männlein liegt im Walde von Lotte Minck

In „Ein Männlein liegt im Walde“ - dem bereits 14. Fall für die genauso sympathische wie pfiffige Hobbyermittlerin Loretta Luchs - steht Lorettas Lebensgefährte Dennis Karger im Mittelpunkt des Geschehens.

Von dem anfänglichen Schock, dass Dennis Vater einer mittlerweile fast 20-jährigen Tochter sein soll, erholen sich sowohl Dennis selbst wie auch Loretta relativ schnell, doch dass Dennis kurze Zeit später der einzige Verdächtige in einem Mordfall ist, zieht beiden den Boden unter den Füßen weg.

Wie gut, dass Loretta ein hervorragendes kriminalistisches Gespür ihr Eigen nennt und die beiden sich zudem felsenfest auf die tatkräftige Unterstützung ihrer Freunde verlassen können – denn im Gegensatz zur Polizei, die sich aufgrund der Indizienlage sicher ist, mit Dennis den richtigen Täter dingfest gemacht zu haben, sind Loretta und ihr Umfeld davon überzeugt, dass Dennis einer raffiniert ausgetüftelten Inszenierung zum Opfer gefallen ist…

Lotte Minck beweist auch in dieser Ruhrpott-Krimödie wieder, dass sie nicht nur ein Händchen für eine gut ausbalancierte Mischung aus Humor und Spannung hat, sie versteht es auch ganz ausgezeichnet, ihr Personal echt und lebensnah darzustellen. Neben der Stammbelegschaft wirken auch alle anderen – wie zum Beispiel Dennis’ vermeintliche Tochter Miri, die dem Influencer-Wahn verfallen ist und glaubt, mit ein paar Fotos zu Ruhm und Reichtum zu kommen oder auch deren Mutter Angie, die sich selbst als Künstlerin sieht - absolut authentisch und überzeugen mit einem unterhaltsamen Zusammenspiel.

Es hat mir wieder wahnsinnig viel Spaß gemacht, mit „Hornbrillen-Girl“ und „Minipli-Man“ auf Verbrecherjagd zu gehen – „Ein Männlein liegt im Walde“ hat mich durchweg begeistert und mir ein paar vergnügliche Lesestunden beschert.

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Unterhaltsame Wild-West-Komödie

Zu Befehl, Frau Doktor! von Karen Witemeyer

Karen Witemeyer beginnt diese unterhaltsame Wild-West-Komödie mit einem grausamen Prolog – sie beschreibt das Massaker von Wounded Knee am 29. Dezember 1890. Ich habe nicht mit einem so heftigen Einstieg gerechnet, halte diesen aber für sehr gelungen, weil er nicht nur als Begründung dafür dient, warum Hauptmann Matthew Hanger und drei seiner Soldaten den Militärdienst quittiert haben, sondern auch deren starken Zusammenhalt und ihre Einstellung zu Recht und Unrecht erklärt.

Die vier Männer haben nach dem Ausstieg aus der Kavallerie die „Hangers Reiter“ gegründet und ziehen als Söldner durch Texas, um Kriminelle und Gesetzlose zur Strecke zu bringen. Als bei der Verfolgung von Viehdieben einer von ihnen von einer Kugel getroffen wird, empfiehlt jemand Matt, den Verletzten nach Purgatory Springs zu Dr. Jo zu bringen. In dem beschaulichen Ort angekommen, treffen die Männer in der Arztpraxis allerdings nicht wie erwartet auf einen dicklichen älteren Herrn, sondern werden von der attraktiven, schlagfertigen und äußerst kompetenten Dr. Josephine Burkett in Empfang genommen. Obwohl Josie und Matt sich sofort zueinander hingezogen fühlen, finden beide – wie sollte es zu Beginn einer romantischen Liebesgeschichte anders sein? - ausreichend Gründe, die es ihnen unmöglich machen, ein Paar zu werden. Und so reiten die Reiter neuen Aufgaben entgegen, nachdem der verletzte Mark Wallace wieder einigermaßen hergestellt ist, während Josie in Purgatory Springs zurückbleibt. Doch dann erfährt sie, dass ihr Bruder Charlie entführt wurde und ihr Vater nicht bereit ist, auch nur einen Cent Lösegeld für seinen nichtsnutzigen Sohn zu zahlen. Josie muss schnell handeln und wer könnte ihr bei der Befreiung ihres Bruders besser behilflich sein, als Matt und seine Reiter? Sie folgt dem Quartett - und ein genauso unterhaltsames wie spannendes Abenteuer nimmt seinen Lauf…

Karen Witemeyer hat einen frischen, humorvollen Schreibstil. Die Autorin erzählt die Geschichte im lockeren Wechsel mal aus Josies, mal aus Matts Sicht, so dass man als Leser bestens mitverfolgen kann, was beide über den jeweils anderen und die unterschiedlichen Situationen denken.

Die Wild-West-Atmosphäre ist Karen Witemeyer hervorragend gelungen; Texas wird genauso dargestellt, wie es in meiner Vorstellung in den 1890er Jahren gewesen sein muss: Staubige Straßen, galoppierende Pferde, rauchende Colts, ratternde Eisenbahnen, übles Gesindel, das sich in einsamen Schluchten versteckt usw. Ein gutes Händchen hat die Autorin auch für ihr Personal – alle Akteure bis hin zu kleinen Randfiguren bekommen schnell ein Gesicht und handeln entsprechend den ihnen zugedachten Rollen.

Besonders gut gefallen haben mir die stets an passender Stelle eingefügten Psalme und kleinen Gebete, die der Geschichte einen angenehmen christlichen Anstrich geben und die Handlung immer wieder bereichern.

Der Humor ist nicht so ausgeprägt, wie man es aus anderen Romanen der Autorin kennt. Es gibt anfangs den einen oder anderen munteren Schlagabtausch zwischen den Hauptfiguren, doch die Dialoge zwischen den beiden verlieren nach und nach das neckische Geplänkel. Josie tritt zwar sowohl gegenüber Matt und seinen Reitern wie auch im Lager der Banditen selbstbewusst und wortgewandt auf, dennoch ist ihr Auftreten nicht so kommandierfreudig, wie ich es aufgrund von Titel und Klappentext erwartet hatte.

„Zu Befehl, Frau Doktor!“ hat mir sehr gut gefallen. Eine leicht zu lesende, unterhaltsame Liebesgeschichte, eingebettet in eine herrliche Wild-West-Atmosphäre. Es hat Spaß gemacht, die Akteure auf ihren Wegen zu begleiten und ihr Miteinander und Gegeneinander zu beobachten.

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Humorvoller Föhr-Krimi

Nordseegeheimnis von Heike Denzau

Föhr. Kaum hat Raphael Freersen den Entschluss gefasst, die geerbte Friesendetektei weiterzuführen, flattert auch schon ein Auftrag auf seinen Tisch: er soll - als Patient eingeschleust - in der Kurklinik am Kliff eine Diebstahlserie aufklären. Gleich an seinem ersten Abend schließt er sich einigen feierlustigen Patienten an.

Als er sich in der Nacht angetrunken und etwas später als der Rest der Truppe durch den Keller in die Klinik zurückschleicht, rutscht er auf etwas Feuchtem aus, stürzt und kann gerade noch einen leblosen Menschen ertasten, bevor er das Bewusstsein verliert. Als er am nächsten Morgen in seinem Zimmer aufwacht, bekommt er erste Zweifel an seinem nächtlichen Erlebnis. Da es nirgendwo in der Klinik eine Spur von einem Verletzten oder gar Toten gibt und auch niemand vermisst wird, war die blutüberströmte Person wahrscheinlich nur ein mieser Traum. Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl und Raphael beschließt, ein wenig nachzuforschen…

„Nordseegeheimnis“ beginnt mit einem spannenden Prolog, der den Leser einen Blick auf ein 30 Jahre zurückliegendes Ereignis werfen lässt: Frederick beobachtet einen Unfall mit Fahrerflucht. Obwohl er genau weiß, wer am Steuer des Käfers saß und die 16-jährige Heidi überfahren hat, macht er eine Falschaussage…

Heike Denzau wartet auch in ihrem zweiten Krimi mit dem Föhrer Privatdetektiv Raphael Freersen mit einer abwechslungsreichen Handlung auf. Neben den spannenden Ermittlungen in der Kurklinik – bei denen der Leser prima über Täter und Motiv miträtseln kann – spielen auch die privaten, meist recht turbulenten Aktivitäten des Jung-Detektivs eine große Rolle.

Es sind die herrlichen Figuren, die dieser Krimiserie eine besondere Note geben. Die Akteure - allen voran natürlich Raphael selbst - beleben mit ihren Eigenarten, Macken und Besonderheiten die Szenerie und tragen mit ihrem lebhaften Zusammenspiel kräftig zur Unterhaltung bei. Raphael hat im Gegensatz zu seinem Zwillingsbruder Johannes ein ausgeprägtes Flegel-Gen. Er ist ein Mann, der Probleme frontal angeht und gerne ganz unverblümt die Wahrheit sagt. Obwohl er situativ durchaus charmant sein kann und bei Menschen, die er wirklich mag, ein mitfühlendes Herz zeigt, bestimmen machomäßige Kommentare, flapsige Antworten und ein oft ungehobeltes Benehmen sein Auftreten - dass sein Gegenüber sich dabei vor den Kopf gestoßen fühlen könnte, ist ihm schnurz. Besonders amüsant wird die Handlung immer dann, wenn der rüpelhafte Raphael Gegenwind bekommt und auf Leute trifft, die sich schlagfertig zu behaupten wissen.

„Nordseegeheimnis“ hat mir sehr gut gefallen – lebhafte Charaktere, unterhaltsame Situationskomik und eine knifflige Krimihandlung sorgen für ein kurzweiliges Lesevergnügen.

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Ein Richter im Kreuzfeuer der Kritik

Die Wahrheit der Dinge von Markus Thiele

Hamburg, 2015. Frank Petersen ist mit Leib und Seele Strafrichter. Er war bisher davon überzeugt, dass er seine Arbeit gut und richtig macht, wenn er durch sachliches und professionelles Prüfen der Fakten und Tatbestände die Wahrheit ans Licht bringt und dann entsprechend der Gesetze urteilt. Er glaubte bisher fest an die Objektivität seiner Urteile.

Dass der Bundesgerichtshof in den letzten zwei Jahren vier seiner Urteile wegen mangelnder Tatsachenfeststellung aufgehoben hat, traf ihn hart. Als er jetzt mit einem weiteren umstrittenen Urteil in die Kritik gerät und sogar seine Familie sich mit den Vorwürfen, er wäre überheblich, gefühlskalt und lasse sich von Vorurteilen leiten von ihm abwendet, gerät seine Welt vollends ins Wanken. Petersen beginnt, seine Denkweise zu hinterfragen. Als Auslöser für seine Krise sieht er einen vor fünf Jahren erlittenen Schock, als er während einer Verhandlung nicht achtsam genug war…

Corinna Maier hat durch rechtsextreme Gewalt die Liebe ihres Lebens verloren – 1990 wurde der Vater ihres damals ungeborenen Sohnes brutal zu Tode geprügelt. Damit nicht genug, Corinna musste miterleben, dass der Täter nicht als Mörder verurteilt wurde, sondern mit einer milden Strafe davonkam. Als knapp 20 Jahre später auch ihr Sohn ermordet wird, will sie kein weiteres Mal Ungerechtigkeit erleben müssen. Sie wartet das Urteil – Petersens Urteil – nicht ab, sondern erschießt den Mörder ihres Sohnes im Gerichtssaal…

„Die Wahrheit der Dinge“ hat mich von der ersten Seite an fest im Griff gehabt. Der Roman über Vorurteile, Fremdenhass und Selbstjustiz wird mitreißend erzählt und besticht durch die gekonnte Verknüpfung von Realität und Fiktion. Markus Thiele hat sich von zwei wahren Rechtsfällen inspirieren lassen: dem Fall Marianne Bachmeier - Bachmeier beging 1981 Selbstjustiz und erschoss im Lübecker Landgericht den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter - sowie dem Fall Amadeu Antonio Kiowa - Kiowa wurde im Dezember 1990 in Eberswalde von einem rechten Mob brutal ermordet.

Markus Thiele beginnt diesen Roman mit einem kurzen Prolog – dem Tag, als Corinna Maier in Petersens Gerichtssaal zur Waffe greift. Im Folgenden gibt es zwei Handlungsstränge – zum einen Petersen, sein rotierendes Gedankenkarussell und die Aufarbeitung seines Traumas und zum anderen die Erlebnisse der Medizinstudentin Corinna Maier von ihrer ersten Begegnung mit dem Gastdoktoranden Steve Otremba aus Pretoria im Jahr 1989 bis zu ihrer Haftentlassung 2015.

Der Part, in dem Corinna Maiers Geschichte erzählt wird, hat mich besonders berührt. Ihre Trauer und ihre Wut waren für mich greifbar. Natürlich darf Selbstjustiz nicht sein – keine Frage! Dennoch konnte ich ein Stück weit Verständnis für sie aufbringen und nachvollziehen, warum sie kein Vertrauen in die Justiz hatte und es aus ihrer Sicht keinen anderen Weg gab.

Markus Thiele zwingt den passionierten Strafrichter zum Grübeln über Schuld, Recht und Gerechtigkeit und lässt ihn reflektieren, welchen Stellenwert die Menschlichkeit bei aller Sachlichkeit hat, und ob es hinsichtlich einer Straftat wirklich immer nur die eine unumstößliche Wahrheit gibt oder ob Wahrheit nicht doch eine Frage der Perspektive ist. Gleichzeitig lädt der Autor auch den Leser ein, über diese Dinge nachzudenken und sich ein eigenes Bild zu machen.

„Die Wahrheit der Dinge“ hat mir sehr gut gefallen – ein tiefgründiger Roman, der dem Leser einen Blick hinter die Kulissen des Richteramtes gewährt und zudem die Grauzonen unseres Rechtssystems beleuchtet.

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Die Fahrt des Brautschiffes Tynemouth

Bevor ich dich traf von Jody Hedlund

England, Mai 1862. Mercy Wilkins ist im Londoner Armenviertel Shoreditch aufgewachsen. In der Hoffnung, sich selbst und ihrer in einem Arbeitshaus lebenden Schwester ein besseres Leben zu ermöglichen, beschließt sie, das Angebot der Columbia-Missionsgesellschaft anzunehmen und nach British Columbia auszuwandern.

Sie begibt sich an Bord der Tynemouth – dass es sich dabei um ein Brautschiff handelt und von ihr erwartet wird, nach ihrer Ankunft einen der unzähligen in der Kolonie lebenden ledigen Männer zu heiraten, erfährt Mercy erst, als sie bereits unterwegs ist…

Lord Joseph Colville ist Arzt geworden, weil er noch nicht bereit ist, sein Erbe anzutreten und den Platz in der Gesellschaft einzunehmen, der für ihn vorgesehen ist. Als Kapitän Alfred Hellyer ihm die Möglichkeit bietet, als Schiffsarzt auf der Tynemouth anzuheuern, sagt er daher ohne zu zögern zu…

Jody Hedlund wartet in ihrem Roman „Bevor ich dich traf“ mit einer wunderbaren Mischung aus Historie und Liebesgeschichte auf. Grundlage für diesen ersten Band ihrer Brautschiff-Saga sind die realen Begebenheiten rund um die Fahrt des Brautschiffes Tynemouth von England nach Victoria/British Columbia im Jahr 1862. Zudem widmet Jody Hedlund sich intensiv den gesellschaftlichen und sozialen Strukturen des 19. Jahrhunderts und zeigt auf, wie tief das Standesdenken in den Menschen verwurzelt war.

Der Autorin gelingt es ganz hervorragend, die schrecklichen Lebensumstände in Londons Armenvierteln mit wenigen Worten anschaulich zu schildern. Armut, Elend, Hunger, womöglich Prostitution – angesichts solch düsterer Zukunftsaussichten kann man gut nachvollziehen, dass eine junge Frau es vorgezogen hat, eine Reise ins Ungewisse zu wagen und sowohl die grausamen Strapazen einer monatelangen Überfahrt wie auch die Verpflichtung, einen völlig fremden Mann zu heiraten, in Kauf zu nehmen.

Die Geschichte von Mercy und Joseph wird fesselnd erzählt und steckt voller mitreißender Emotionen. Beide Protagonisten sind äußerst liebenswert – Mercy kümmert sich selbstlos um diejenigen, denen es noch schlechter geht, als ihr selbst. Sowohl in London wie auch auf dem Schiff ist sie für jeden da, der Hilfe braucht. Und Joseph legt keinen Wert auf die Privilegien seines Standes, sondern ist mit Leib und Seele Arzt und versorgt aufopfernd jeden Patienten, unabhängig davon, wer er ist und woher er kommt. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Jody Hedlund das Band zwischen diesen beiden Menschen, die aus so gänzlich unterschiedlichen Welten kommen, immer stärker werden lässt. Das gemeinsame Pflegen und Heilen der Kranken und Verletzten auf der Tynemouth schweißt Mercy und Joseph zusammen. Sie fühlen sich mehr und mehr zueinander hingezogen. Dennoch ist beiden bewusst, dass die Standesunterschiede eine gemeinsame Zukunft unmöglich machen…

„Bevor ich dich traf“ hat mir sehr gut gefallen - der lebendig erzählte Mix aus historischen Fakten und fiktiver Liebesgeschichte ist durchweg fesselnd und hat mich bestens unterhalten.

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Ein großartiges Nachschlagewerk

Alles, was wir wissen und was nicht von Christopher Lloyd

„Alles, was wir wissen und was nicht“ ist ein genauso informatives wie unterhaltsames Nachschlagewerk, das sich mit seinen farbenprächtig gestalteten Seiten von anderen Enzyklopädien abhebt. Herausgeber Christopher Lloyd möchte mit diesem Lexikon das Interesse an den unterschiedlichsten Themen wecken und Neugierige jeden Alters anspornen, die Welt zu erkunden.

Acht spannende Kapitel ermöglichen dem Leser/Betrachter einen facettenreichen Einblick in die Entstehung des Universums und das Leben auf der Erde. Man erfährt allerlei Wissenswertes über die Natur und Naturgewalten. Über Menschen und Tiere. Über die Entwicklung vom Altertum bis in die heutige Zeit. Und man kann einen Blick auf die Welt von morgen werfen. Jedem Kapitel ist eine kurze, neugierig machende Einleitung vorangestellt, so dass man sofort Lust bekommt, in dem Themenbereich zu stöbern.

Die mehr als 1000 Grafiken, Fotos, Karten und Zeichnungen sind übersichtlich angeordnet und mit prägnanten Erklärungen und Hinweisen versehen. Ergänzt werden die Abbildungen durch kurze, leicht verständliche Texte sowie Zeitleisten, Listen, erstaunliche Fakten und Kommentare von Experten. Eine großartige Vielfalt, so dass es auf keiner der fast 400 Seiten langweilig wird.

Neben der abwechslungsreichen Gestaltung haben mir die Querverweise am Ende jeder linken Seite besonders gut gefallen. Sie weisen auf verwandte Themen hin und laden zum weiteren Schmökern ein – es macht großen Spaß, durch das Buch zu „surfen“ und dabei immer wieder etwas Neues zu entdecken.

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Mord vor Sylt

Tödliche See von Sabine Weiß

Ein ungeklärter Todesfall auf der Versorgungsplattform eines Windparks knapp achtzig Kilometer vor der Küste Sylts wird für Liv Lammers und ihr Team zu einer besonderen Herausforderung. Nicht nur die ohnehin schon widrigen Bedingungen inmitten der tosenden Nordsee machen den Ermittlern zu schaffen, auch der Leichenfundort - der ermordete Taucher Dennis Marzen hängt im Gestänge unter der Plattform fest - erschwert die Spurensuche.

Zudem ist Eile geboten, weil der turnusmäßige Wechsel der 44-köpfigen Windpark-Crew kurz bevorsteht. Während Liv und Bente sich mit Hochdruck an die Befragungen der Mitarbeiter der Offshore-Anlage machen, begibt ihr Kollege Hennes sich nach Sylt und nimmt den Firmensitz des Windparkbetreibers genauer unter die Lupe…

„Tödliche See“ ist bereits der fünfte Fall für Liv Lammers von der Mordkommission Flensburg, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

Ich lese gern verzweigte Geschichten und mag es, wenn ich in einem Krimi nicht nur intensiv an den Ermittlungen teilhaben kann, sondern mir auch das Drumherum ausführlich geschildert wird. So ein abwechslungsreiches Geschehen hat mir Sabine Weiß in ihrem neuen Sylt-Krimi geboten – die Autorin wartet nicht nur mit einem äußerst spannenden Fall auf und lässt mich an den privaten Angelegenheiten des Ermittler teilhaben, sie ermöglicht mir auch vielfältige Einblicke in die Windindustrie. Neben den alltäglichen Abläufen und den Schwierigkeiten, mit denen die Belegschaft eines Offshore-Windparks ständig zu kämpfen hat, wird die gefährliche Arbeit der Berufstaucher besonders hervorgehoben. Die aktuelle Forschung sowie die technischen und wirtschaftlichen Aspekte der Windbranche werden erläutert und auch die Gegner der Windkraft kommen zu Wort, so dass man im Verlauf der Handlung ein umfassendes Bild zum Thema Offshore-Windenergie erhält.

Die Ermittlungen im Mordfall Marzen erweisen sich als äußerst knifflig und halten nicht nur Liv & Co., sondern auch mich als Leser durchweg in Atem. Warum wurde die Überwachungsanlage manipuliert? Was ist dran an den Mobbingvorwürfen gegen Marzen? Ist eine heimliche Beziehung der Grund für den Mord? Oder haben die Windkraftgegner ihre Finger im Spiel? Diese und zahlreiche weitere im Handlungsverlauf auftauchende Fragen haben mir viel Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln über Motiv und Identität des Täters gegeben. Falsche Fährten, viele Verdächtige, überraschende Wendungen sowie immer neue Anhaltspunkte und Ereignisse halten das Geschehen lebendig und sorgen dafür, dass die Sogwirkung des Krimis bis zum Schluss nicht abreißt.

„Tödliche See“ hat mir sehr gut gefallen - ein abwechslungsreicher, gut durchdachter Krimi, der von der ersten bis zur letzten Seite spannende Unterhaltung bietet.

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Knifflige Ermittlungen im Havelland

Finstere Havel von Tim Pieper

Potsdam/Havelland. Am Fähranleger bei Schmergow wird ein PKW aus der Havel gezogen. Hinter dem Steuer befindet sich die Leiche einer Frau. Während schnell feststeht, dass es sich bei der Toten um die 34-jährige Melanie Berndt handelt, herrscht über die Todesumstände Unklarheit - hat die junge Frau Selbstmord begangen? Ist sie einem Unfall zum Opfer gefallen? Wurde sie ermordet? Hauptkommissar Toni Sanftleben und sein Team wurden mit den Ermittlungen betraut und nehmen das recht harsche Umfeld der toten Wissenschaftlerin unter die Lupe…

„Finstere Havel“ ist bereits der fünfte Fall für Toni Sanftleben, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände gut verständlich.

Den Leser erwartet auch in diesem Band wieder eine vielschichtig angelegte Geschichte – die aktuelle Handlung mit den Ermittlungen im Fall Berndt und den privaten Angelegenheiten der Kommissare wird immer wieder durch Rückblenden unterbrochen, in denen man Melanie Berndt - die aufgrund ihrer Hochsensibilität große Schwierigkeiten hatte, ein normales Leben zu führen - kennenerlernt und außerdem verfolgen kann, was die Biologin und Mutter einer kleinen Tochter in den Tagen vor ihrem Tod erlebt hat. Die unterschiedlichen Handlungsfäden wurden von dem Autor dabei sorgsam miteinander verknüpft, so dass man dem lebhaften und abwechslungsreichen Geschehen problemlos folgen kann.

Tim Pieper versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser an der Nase herumzuführen. Die Suche nach der Wahrheit erweist sich als äußerst knifflig; immer neue Fakten und Ereignisse lassen nicht nur Toni Sanftleben, sondern auch den Leser durchweg über Zusammenhänge und Hintergründe grübeln.

Abgerundet wird die Krimihandlung durch eine kräftige Portion Lokalkolorit. Das Havelland wird mit seiner Vielfalt und seinen Besonderheiten interessant dargestellt, so dass man schnell von der Atmosphäre der Flusslandschaft eingefangen wird und sich die unterschiedlichen Schauplätze alle sehr gut vorstellen kann.

„Finstere Havel“ hat mir sehr gut gefallen - ein kurzweiliger Krimi, der mich mit spannenden Ermittlungen und einer facettenreichen Handlung bis zur letzten Seite gefesselt hat.

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Loretta ist wieder voll in ihrem Element

Schach mit toter Dame von Lotte Minck

In der Seniorenresidenz „Herbstglück“ geht es nicht mit rechten Dingen zu – davon sind die fidelen Schwestern Cäcilie und Käthe fest überzeugt. Die beiden sind sich sicher, dass ihr Mitbewohner Heribert eiskalt ermordet wurde und seine wertvollen Antiquitäten gestohlen und durch billige Imitationen ersetzt wurden.

Sie bitten Loretta Luchs um Hilfe. Damit Loretta Bewohner und Personal der Residenz unauffällig unter die Lupe nehmen kann, wird sie kurzerhand von Cäcilie und Käthe als Küchenhilfe eingeschleust…

Lotte Minck wartet auch in Lorettas mittlerweile dreizehntem Fall wieder mit einer abwechslungsreichen Handlung, spannenden Ermittlungen und wortwitzigen Dialogen auf. Die Krimödie ist auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich - schon nach wenigen Seiten ist man mittendrin im Geschehen und kann prima mit der munteren Hobbyermittlerin mitfiebern und miträtseln.

Loretta ist ruckzuck wieder in ihrem Element - während sie als Kaltmamsell und Servicekraft für das leibliche Wohl der Senioren sorgt, sammelt sie Hinweise, hört sich um und fragt sich durch, bringt dabei ihre hervorragende Beobachtungsgabe zum Einsatz und diskutiert und kombiniert mit ihren Co-Ermittlern Erwin, Dennis und Frank. Auch die quirligen Schwestern lassen sich das Abenteuer nicht entgehen – endlich passiert mal etwas Spannendes in ihrem ansonsten so langweiligen Seniorenheim! - und unterstützen Loretta im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Die Akteure haben alle ihre Eigenarten, Besonderheiten und Macken, sorgen durch ihr turbulentes Zusammenspiel für beste Unterhaltung und lassen den Roman damit zu einem kurzweiligen Lesevergnügen werden.

Loretta und ihre Mitstreiter geben in „Schach mit toter Dame“ wieder alles – ein herrlicher Krimi, randvoll mit guter Laune.

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