Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Spannender zweiter Band
Das Alberdon Komplott von Matthias Lange
Die Inquisitorin Roslyn wird in der Stadt Alberdon zu einem merkwürdigen Todesfall hinzugezogen. Vor dem Haus des Stadtratmitglieds Marcus Remstieg wird ein Leiche gefunden, die Tote ist nicht eindeutig menschlich, sondern weist auch drakuide Züge auf, und ist offenbar vom Balkon des Anwesens Remstiegs gefallen.
Die Drachenreiterin Jiana ist mit dem Zwerg Balduin und dem Drachen Elias nach Alberdon unterwegs, sie vermuten dort Rubilon, von dem sie hoffen, dass er ihnen weiterhelfen kann. Die Drachin Frasla trifft derweil in ihrer Höhle auf zwei Zauberinnen.
Der zweite Band nimmt den Faden der Geschichte des ersten Bandes „Die Ankunft des Drachen“ wieder auf, gleichzeitig wird in Alberdon eine neue Protagonistin etabliert, deren Fall sich möglicherweise mit den Geschehnissen des Vorgängerbandes verzweigen könnte, immerhin hat auch sie es mit einer Art Drache zu tun.
Es ist schön, die Charaktere aus dem ersten Band wiederzutreffen, aber ich finde es auch spannend, neue kennenzulernen, zumal man in dem Spinoff „Das brennende Einhorn“ bereits die Inquisition kennenlernen konnte. Inquisition, ja, das ist ähnlich unangenehm, wie man es sich vorstellt, wenn auch ein bisschen anders als man es von unserer Welt kennt. Roslyn ist jedenfalls keine wirklich sympathische Protagonistin, anders als Derek, der Kommissar der Stadtwache, mit dem sie eine komplizierte Beziehung hat. Ihn mochte ich ziemlich schnell.
Das Problem, das sich bereits im ersten Band ergab, bekommt hier ein paar neue Aspekte, allerdings fand ich es ein bisschen schwierig, alle Zusammenhänge zu verstehen, aber, da die Geschichte ja noch weitergeführt werden wird, kann sich das zukünftig wieder ändern. Ähnlich wie in Band 1 empfand ich die Erzählung manchmal etwas holperig, was der Spannung aber nur marginal Abbruch tut. Auch hier habe ich wieder mitfühlen können, vor allem Frasla und Balduin habe ich, bereits seit dem ersten Band, sehr ins Herz geschlossen.
Es bleibt spannend, und auch mit diesem Band ist das Rätsel noch lange nicht gelöst, der Fall um die Tote aber schon, so dass die Geschichte in sich einen Abschluss erhalten hat. Durch das Setting in der Stadt hat der Roman eine andere Dynamik als der Vorgänger.
Der zweite Chroniken der Drachenreiterin-Band bringt die Geschichte voran, fügt neue Aspekte hinzu und hält die Spannung weiterhin. Man sollte aber vorher zumindest den Vorgängerband gelesen haben. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird.
Herrlich!
Asterix 40 von Fabcaro
Im Dorf der Gallier erscheint ein Besucher, Visusversus, eine Art Achtsamkeitsguru, dem es auch tatsächlich bald gelingt, nicht nur die Bewohner, sondern auch die Umgebung zu „beruhigen“. Aber was ist das gallische Dorf ohne seine Streitigkeiten? Asterix, Obelix, Miraculix und Majestix sind eher beunruhigt, zumal eines Tages Gutemine verschwunden ist.
Dieser 40. Asterixband hat einen neuen Texter bekommen, Fabcaro macht sich richtig gut, und kennt sich aus. Alles, was einen guten Asterixband ausmacht, inklusive der Piraten und einiger Anspielungen, ist enthalten – nur von den Galliern erhält man ein ganz neues Bild. Mir hat das wirklich gut gefallen, es ist ungemein witzig, vor allem, dass sogar die Wildschweine und die Römer betroffen sind.
Sehr witzig finde ich auch Gutemines Reise in einem Gefährt, das einem sehr bekannt vorkommt, und doch ganz anders ist. Das Gutemine einmal mehr in den Mittelpunkt rückt, finde ich auch sehr gelungen – und verdient.
Fabcaro und Didier Conrad haben einen sehr gelungenen Jubiläumsband aufgelegt, der wieder das Dorf der Gallier in den Mittelpunkt rückt, und sehr lustig ist. Unbedingt lesenswert!
Hatte mehr erwartet
Da bin ick nicht zuständig, Mausi von Conny from the block
Conny ist Beamtin in Berlin, um die 40, Single und erzählt aus ihrem Leben, vor allem, aber nicht nur, auf dem Amt. Dort ist sie eher weniger engagiert, ihr Beruf nicht gerade ihre Berufung, und auch ihre Kolleginnen sind nicht unbedingt mit dem Herzen dabei.
Conny from the block ist eine Kunstfigur.
Hinter ihr steht eine inzwischen ehemalige Beamtin, die auf humorvolle Weise „das Amt“ schmackhafter machen will. Man findet sie auf Instagram und TikTok, wo sie u. a. sehr humorvolle Videos online stellt, alle Charaktere darin stellt sie selbst dar, jeweils mit Filtern und Stimmen verfremdet, jeder hat seine eigenen Macken, alle sind sie auf ihre eigene Weise auch liebenswert.
Erzählt wird in Episoden aus Connys Behördenalltag, auch ihr Privatleben nimmt einen gewissen Raum ein. Für das Buch wurden leider nicht alle Charaktere aktiviert, man findet hier Petra, Gisela, Doris, Ronja, Dilara, und ein bisschen Maik, andere fehlen leider, oder tauchen, wie Orkan, nur ganz kurz auf. Gerade von Orkan hätte ich gerne mehr gelesen. Wobei das „Fortsetzung folgt“ am Ende auf künftiges Mehr hindeutet.
Leider funktioniert für mich das Buch sehr viel weniger gut als die Videos, die sind einfach pointierter und durch die verschiedenen dargestellten Charaktere witziger. Wo mich die Videos in der Regel abholen, hat mich das Buch auch manchmal gelangweilt. Natürlich habe ich auch hin und wieder geschmunzelt, aber doch weniger, als erwartet und gehofft.
Conny bzw. die Frau hinter ihr, bedient Klischees. Da jede:r in seinem Leben, in der Regel mehrmals, mit „dem Amt“ zu tun bekommt, hat natürlich auch jede:r seine eigenen Erfahrungen gemacht, zudem gibt es generell viele Vorurteile über Beamte. Hier im Buch finden sich eine Menge davon, und die meisten werden durch Conny und ihre Kolleg:innen bestätigt – leider.
Ich hätte mir für das Buch ein bisschen mehr gewünscht. Hier hätte man auch mit ein paar Vorurteilen aufräumen und vielleicht ein bisschen mehr Hintergrundwissen einfließen lassen können. So sind längst nicht alle Mitarbeiter:innen in Ämtern Beamt:innen. Viele, auch die älteren, sind sehr engagiert, und machen ihre Arbeit gerne, es gibt viel mehr Dilaras, als man denkt. Ich selbst war lange Zeit in einer Behörde tätig, und habe mich dort sehr wohl gefühlt, trotz Faxgerät. Gerade, weil die Autorin eigentlich mehr will, hätte ich hier auch mehr erwartet.
Da ich Conny from the block von Instagram kenne und mag, habe ich mich auf das Buch sehr gefreut, wurde aber eher enttäuscht. Vielleicht hätte ich eher zum Hörbuch greifen sollen, das Conny selbst mit den verschiedenen Stimmen eingesprochen hat – das hätte mir wahrscheinlich mehr von dem erwarteten Feeling geben können. Leider habe ich mich weniger amüsiert als gedacht, und auch nicht nur (negative) Klischées erwartet, sondern mehr positives „echtes Amt“.
Sehr lesenswert
Gebrauchsanweisung für Norwegen von Ebba D. Drolshagen
Norwegen – ein Land, das mich schon lange interessiert, über das ich allerdings bisher recht wenig wusste, das Übliche halt: Fjorde, Nordkap, Hurtigruten, Monarchie … Nun, das hat sich mit diesem Buch umfassend geändert, ich habe das Gefühl, ich weiß jetzt alles über Norwegen und die Norweger.
Die Autorin ist selbst Halbnorwegerin, was dem Ganzen schon einen gewissen Anstrich von Authentizität gibt. In diesem Buch, eine Neuauflage, hat sie wirklich alle möglichen Themen einbezogen, die bzgl. Norwegen und Norwegern relevant sein könnten. So erfährt man z. B. viel über die Trachten, das Essen, die Landschaft, die Kultur in verschiedenen Ausführungen, Gleichberechtigung, die Sprache(n), den Umgang mit dem Königshaus, dem Wetter, den Nicht-Norwegern und vieles mehr.
Das alles in einem gut lesbaren und humorvoll pointierten Stil, der auch schon mal auf den Arm nimmt, aber auch nicht an Kritik spart. Am Ende hatte ich wirklich das Gefühl, nun vollständig über Land und Leute informiert zu sein.
Was fehlt, sind Bilder (bis auf eine Karte von Norwegen), aber, was ich sehen wollte, habe ich mir dann eben ergoogelt. Für mich ist das Buch daher eher ein Sachbuch über dieses Land, aber kein Reiseführer, wie man es gewohnt ist, den braucht man meiner Meinung nach noch ergänzend, da hier z. B. auch keine Empfehlungen für Sehenswürdigkeiten, Restauranttipps u. ä. gegeben werden. Schlimm finde ich das nicht, denn kein Reiseführer hat mich bisher so umfassend über Land und Leute informiert.
Wer sich umfassend über Norwegen informiert werden möchte, kann hier bedenkenlos zugreifen.
Ein gelungener Abschlussband
Market of Monsters von Rebecca Schaeffer
Kovits „Ziehvater“ Henry hatte noch vor seinem Tod Videos von Kovit in verfänglichen Situationen an die INHUB, die internationale Polizei für nicht menschliche Wesen, weitergegeben, wodurch Kovit auf der Liste der gefährlichen Unnatürlichen gelandet ist. Das bedeutet nichts anderes, als dass er nun vogelfrei ist, und jeder ihn töten darf.
Kovit und Nita versuchen dennoch ihre (Rache)Pläne durchzuziehen, und reisen mit Fabricio nach Buenos Aires.
Der Abschlussband der Trilogie zieht noch einmal alle Gewaltregister. Die Triggerwarnung, die sich aus Spoilergründen am Ende des Buches befindet, aber direkt zu Beginn erwähnt wird, gibt es nicht umsonst. Alleine dadurch ist die gesamte Trilogie nicht für jeden etwas, auch, weil sowohl Kovit als auch Nita teils heftige Gewalt ausüben. Das hat natürlich seine Hintergründe, aber dennoch fällt es auch schwer, den beiden Sympathien entgegenzubringen. Dennoch kommt es auch immer wieder vor, dass man mit ihnen bangt und hofft. So wollte ich auf keinen Fall, dass Jagd auf Kovit gemacht oder er gar getötet wurde, und war auf Nitas Seite, wenn es um ihre Beziehung zu ihrer Mutter ging, die hier sogar noch auf ein neues Level gehoben wird.
Von Anfang an ist die Trilogie vor allem eines: Sehr spannend. Auch hier ist das wieder der Fall, auch wenn man durchaus froh ist, dass es nun zu einem Abschluss kommt. Und einen Abschluss gibt es, einen, mit dem ich zufrieden bin.
Der dritte Band dieser spannenden, aber auch sehr blutigen Trilogie schafft einen gelungenen Abschluss. Man sollte ihn aber nicht lesen ohne die Vorgängerbände zu kennen.
Vermittelt viel Wissen über diese beeindruckenden Tiere
Elefanten von Angela Stöger
Elefanten sind beeindruckende Wesen, sie sind die größten Landlebewesen unserer Zeit, sind sanftmütig, können aber auch gefährlich werden, ihr Lebensraum ist wichtig für sie, sie aber auch für diesen, am beeindruckendsten aber sind wohl ihr Sozialverhalten und ihre Kommunikation.
Angela Stöger erforscht seit über 20 Jahren Elefanten, und vermittelt in diesem Buch sehr viel Wissen über die Tiere, ihre Abstammung und Morphologie, das Zusammenspiel mit ihrem Lebensraum, und ihr Leben miteinander.
Das sehr ausgeprägte Sozialverhalten und die Kommunikation untereinander, die nicht nur aus vielfältigen Lauten sondern auch aus Gerüchen und Gesten besteht, zeigt, wie hochentwickelt diese Tiere sind. Tatsächlich könnten sie sogar ein großen Anteil am Schutz des Klimas haben. Leider wird ihr Lebensraum immer kleiner, der Mensch breitet sich aus, und so kommt es immer wieder zu Problemen zwischen Mensch und Tier. Die Autorin zeigt deshalb auch Thesen auf, wie man diese Konflikte lösen bzw. zumindest minimieren, und damit nicht nur die Elefanten schützen könnte.
Hier bekommt man viel Wissen über Elefanten, viele verschiedene Themen werden auf anschauliche Weise angesprochen, illustriert wird das Ganze mit zahlreichen farbigen Fotos. Besonders hervorzuheben sind die QR-Codes, die zu Ton- und Videoaufnahmen führen, die im Buch angesprochene Themen veranschaulichen.
Wer sich für Elefanten interessiert oder sich einfach nur über sie informieren möchte, erhält hier ein auch für Laien gut lesbares und anschaulich gestaltetes Buch, das dennoch viel Wissen vermittelt. Unbedingt lesenswert!
Faszinierend
Weil da war etwas im Wasser von Luca Kieser
Eine Riesenkalmarin berührt mit ihren Armen ein Tiefseekabel – und die Arme beginnen zu erzählen. Das alleine klingt schon fantastisch genug, oder?
Tatsächlich ist der Roman dann anders, als ich erwartet hatte. Die Arme, ein Kalmar hat zehn davon, zwei zu Tentakeln entwickelt, erzählen nämlich nicht nur ihre Geschichte bzw.
die ihrer Kalmarin, sondern auch die verschiedenster Menschen. Jeder Arm hat seinen eigenen Namen, es gibt den Armen Arm, den Hehren Arm, usw., sein eigenes Wesen und eine eigene Geschichte, die er erzählt, wobei diese immer mehr ineinandergreifen. Besonders gut haben mir die Fußnoten gefallen, die nicht etwa – nur – Erklärungen oder ähnliches liefern, sondern auch davon berichten, wie sich die Arme gegenseitig ins Wort fallen und zu ihren eigenen Geschichten locken wollen.
Ich habe mir sehr früh im Roman erst einmal Wissen über Kalmare angelesen, einfach, damit ich manches besser verstehe. Zunächst gibt es auch viel über das Tier zu erfahren, später dann immer mehr über die Menschen. Menschen allerdings, die in irgendeiner Weise mit Kalmaren zu tun haben, so z. B. Jules Verne, in dessen Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ ein solcher vorkommt, der aber auch noch eine andere Beziehung hat. Oder Peter Benchley, der nicht nur über einen Hai geschrieben hat. Und dann gibt es noch Sanja, die auf einem Krillfangschiff in der Antarktis unterwegs ist, hier u. a. kommt auch das Thema Klima zum Tragen. All dies und noch viel mehr ist irgendwie miteinander verbunden. Wie der Autor das alles in seinen Roman packt und entwickelt, finde ich ebenfalls sehr faszinierend.
Sicher ist der Roman nicht einfach zu lesen, man muss schon aufmerksam sein, und vielleicht auch ein bisschen Wissen mitbringen, allerdings nichts, was man nicht leicht recherchieren könnte. Ich hatte mir zwar mehr „Unterwasser“ erhofft, letztlich bin ich dennoch zufrieden mit dem Roman, auch, wenn ich noch manche Frage hätte. Dass nicht alles beantwortet wird bzw. das eine oder andere offen bleibt, ist aber sicher Absicht, und nicht nur ich werde noch ein bisschen länger über den Roman nachdenken.
Luca Kiesers Roman hat mich fasziniert und mich auf gewisse Weise gepackt. Man braucht zum Lesen Aufmerksamkeit und sollte offen sein für Unerwartetes. Ich bin gespannt darauf, mehr von dem jungen Autor zu lesen.
Spannend und sehr unterhaltsam
Die Mission des Goldwäschers von Ralf H. Dorweiler
Juni 1771: Magnus von Auenstein reist als Buchhändler viel um Bücher zu kaufen und zu verkaufen. Immer wieder findet er dabei besonders wertvolle Schätze. Dieses Mal ist es aber Eleonore, seine Tochter, die, ihn in Männerkleidung begleitend, einen besonderen Schatz findet, der noch dazu eine verborgene Botschaft zu enthalten scheint.
Leider können Eleonore und ihr Vater diese nicht alleine decodieren. Bei einem Aufenthalt in St. Gallen bitten sie einen kundigen Mönch um Hilfe, und tatsächlich, im Buch scheint es Hinweise auf einen Schatz zu geben. Zusammen mit dem Mönch Melchior begeben sich Vater und Tochter nun auf Schatzsuche, allerdings muss das Rätsel innerhalb kurzer Zeit gelüftet werden.
Frieder Fischer ist Goldwäscher im Rhein bei Neuenburg und findet eines Tages eine Leiche im Fluss, ganz offensichtlich wurde der Tote ermordet. Kurz darauf trifft er zusammen mit seinen beiden Freunden auf drei Reisende, die angegriffen werden und eilen zu Hilfe, nicht ahnend, dass damit für sie ein großes Abenteuer beginnen wird.
Ganz schnell hat mich dieser Roman gefesselt. Die Protagonist:innen gefallen mir gut, die Perspektivewechsel bringen Spannung mit sich, und der Schreibstil ist fesselnd, voller Überraschungen und oft auch humorvoll. Ich wurde von Anfang bis Ende gut unterhalten.
Die Protagonist:innen mochte ich schnell, auch wenn ich mir manchen, wie z. B. Magnus von Auenstein, etwas tiefer gezeichnet gewünscht hätte. Besonders gut gefallen haben mir Melchior, der zunächst nicht nach einem guten Weggefährten aussieht, mich dann aber mehr als einmal überrascht hat, und Frieder, den ich einfach von Anfang bis Ende mochte. Ein überraschender Weggefährte ist der Student Wolfgang, besser bekannt als Johann Wolfgang Goethe, der gleich auch ein bisschen Humor, und einige, bis heute bekannte, Aussprüche mitbringt.
Auch die Antagonisten sind erwähnenswert, aber auf deutlich negativere Weise, vor allem bei einem wurde mir regelrecht übel.
Die Schatzsuche besteht aus mehreren Rätseln, die Ralf H. Dorweiler alle gut gelungen sind, es macht Spaß, die Gruppe bei der Lösung zu begleiten. Der Autor erzählt sehr bildhaft und eindringlich, so dass manche Szenen bei mir sogar direkte Auswirkungen hatten, wie etwa eine, hoch oben, die mich schwindeln ließ. Auch Sätze wie dieser gefallen mir sehr gut: „Die Strömungen fühlten sich nicht mehr wie liebe Familienmitglieder an, sondern wie weit entfernte Verwandte“ (Pos. 287).
Goethe ist nicht die einzige historische Persönlichkeit, die hier auftritt, wie man auch dem Personenregister entnehmen kann, in dem diese besonders gekennzeichnet sind. Der Autor hat gut recherchiert, auch beim sonstigen historischen Hintergrund, und vor allem auch bei Frieders Beruf. Goldwaschen im Rhein war mir bis dahin unbekannt. Näheres zu den historischen Fakten kann man dem Nachwort des Autors entnehmen.
Das Ende der Schatzsuche hat mir sehr gut gefallen, ich hatte es so nicht erwartet, aber es war absolut passend. Auch sonst ist der Roman gut abgeschlossen, absolut rund.
Ich wurde sehr gut unterhalten, gut gezeichnete Protagonist:innen, mit denen man mitfühlen kann, ein interessantes Thema und eine fesselnde Geschichte haben mit sehr kurzweilige Lesestunden verschafft, und mich außerdem Neues gelehrt.
Davon hatte ich mir mehr versprochen
Bournville von Jonathan Coe
Bournville ist ein Dorf, das von den Eigentümern der Schokoladenfabrik Cadbury für ihre Mitarbeiter gegründet wurde. Schokolade spielt daher in diesem Buch eine gewisse Rolle. Im Mittelpunkt steht aber die Familie von Mary, die man vor dem Hintergrund von sieben historischen Ereignissen erlebt.
Nach einem Prolog lernt man die elfjährige Mary und ihre Eltern kennen, die in Bournville wohnen.
Es ist der 08. Mai 1945, das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Im späteren Verlauf wird Mary heiraten, Kinder, Enkel und Urenkel bekommen, das siebte Ereignis ist schließlich der 08. Mai 2020, der 75. Jahrestag des ersten. Da zu diesem Zeitpunkt die Pandemie herrscht, verläuft dieser Tag gänzlich anders als geplant.
Die sieben Ereignisse sind wichtige Daten für Großbritannien, u. a. erleben wir mit Mary und weiteren Familienangehörigen die Krönung Elisabeths II, die Fußballweltmeisterschaft 1966 und die Hochzeit von Prinz Charles und Lady Di. Es spielt dabei nicht nur die engste Familie eine Rolle, sondern auch angeheiratete und entferntere Verwandte, manche kennen Leser:innen des Autors bereits aus anderen Romanen. Um den Überblick über die Vielzahl an Charakteren zu behalten, gibt es einen Familienstammbaum. Die Ereignisse bilden die Kulisse und sind mehr oder weniger Teil des Geschehens. Ereignis Nummer 4, die Investitur Charles' als Prinz von Wales, spielt eher eine nachrangige Rolle.
Erzählt wird nicht in einem einheitlichen Erzählstil, mal gibt es Tagebuchaufzeichnungen, mal die Aufzeichnung der Gedanken aller Anwesenden, mal einen Brief, einen Bericht oder eine Rede, immer wieder aber auch normalen Fließtext. Auch die Perspektiven wechseln häufig.
Im Grunde hat dieser Roman alles, was mich unterhalten könnte, eine Familiengeschichte, historische Ereignisse, die ich teilweise selbst miterlebt habe, und interessante, abwechslungsreiche Erzählstile. Aber, leider konnte mich der Roman bereits von Beginn an nicht packen, und gerade die verschiedenen Erzählstile und Perspektiven zerreißen das Ganze eher.
Vor allem aber lag das daran, dass mir keiner der Charaktere, auch Mary nicht, nahe kam, so dass ich für ihre Geschichten nur wenig Interesse aufbringen konnte, dazu war das Erzählte einfach zu oberflächlich. Auch von den sieben Episoden habe ich mir mehr versprochen, am Ende hat mir der Roman keinen wesentlichen „Mehrwert“ gebracht. Leider ließ sich auch der (britische) Humor kaum sehen, zum Glück kam er aber doch hin und wieder hervor. Am besten gefiel mir eine Ausschussitzung der EU, bei der es um die Schokoladenrichtlinie ging, Cadbury-Schokolade wurde nämlich bereits von der EWG nicht als Schokolade anerkannt.
Leider hat der Roman für mich nicht gehalten, was ich mir von ihm versprochen habe. Ich kam den Charakteren nicht nahe, und verlor dadurch schnell das Interesse an ihnen. Hin und wieder wurde ich dennoch unterhalten, so dass ich 3 Sterne vergeben kann.
Ein neues spannendes Abenteuer in Kwertz
KoboldKroniken 2. Voll verschatzt! von Daniel Bleckmann
Nach den Abenteuern im ersten Band läuft das Leben von Dario, Lennard und Claudia-mit-C wieder in einigermaßen normalen Bahnen, Rumpel lebt nun als getarnter Austauschschüler bei Dario und seiner Familie, der Weg nach Kwertz ist verschüttet.
Doch dann hat Dario ein gruseliges Erlebnis und wird gefragt, wo der Schatz sei.
Welcher Schatz? An seinem 13. Geburtstag bekommt Dario einen deutlichen Hinweis, welcher Schatz gemeint sein könnte. Klar möchten er und seine Freunde den Schatz heben, doch der ist offensichtlich in Kwertz.
So beginnt ein neues Abenteuer für die drei jungen Menschen, den Kobold und die Glühis, die Claudia-mit-C mitgebracht hatte. Auch dieses wird wieder von Dario in Form eines Skizzenbuches selbst erzählt. Die Geschichte ist sehr spannend und bietet einige Überraschungen. Es macht wieder großen Spaß, sie zu lesen und sich die Illustrationen anzusehen, auch mir als Erwachsener.
Man muss nicht unbedingt den ersten Band kennen, oder gar Claudia-mit-Cs Soloabenteuer, auf das auch Bezug genommen wird, man erfährt genug in diesem Band, um zu verstehen, worum es geht. Schöner ist es natürlich, wenn man die beiden kennt.
Wieder haben Autor und Illustrator wunderbar zusammen gearbeitet und ein weiteres spannendes Abenteuer in Kwertz gestaltet. Gerne empfehle ich auch diesen Band weiter und vergebe volle Punktzahl.











