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Rezensionen von PMelittaM:
Leider wurde das Potential nicht ausgeschöpft
Der Sternenstaubdieb von Chelsea Abdullah
Loulie wurde als kleines Kind von dem Dschinn Qadir gerettet, seitdem sind die beiden zusammen unterwegs. Ein magisches Relikt bietet ihnen die Möglichkeit, andere Relikte aufzuspüren, die Loulie als Mitternachtshändlerin verkauft.
Mazen ist der jüngste Sohn des Sultans. Seine Mutter wurde von einem Dschinn getötet, seitdem hasst seine Vater diese Wesen und verbietet Mazen den Palast zu verlassen, aus Angst, ihn auch noch zu verlieren.
Omar, der älteste Prinz dagegen ist ein erfolgreicher Dschinnjäger. Ihm unterstehen weitere Jäger, die 40 Räuber, zu denen auch Aisha gehört.
Eines Tages wird Loulie vom Sultan ausgeschickt, ein besonderes Relikt zu finden. Eine gefahrvolle Reise beginnt.
Die Geschichte wird aus den Perspektiven Loulies, Mazens und Aishas erzählt. Leider gelingt es der Autorin nicht, den Protagonist:innen Tiefe zu geben, sie kommen mir dadurch auch nicht näher, ihr Schicksal berührt mich kaum. Lediglich Qadir fand ich nicht nicht nur interessant, mit ihm habe ich auch mitfühlen können. Neben ihm gibt es nur einen weiteren Charakter, den ich mag, und dessen weiteres Schicksal mich wirklich interessiert, nämlich der dritte Prinz, Hakim. Leider nimmt er hier nur eine recht kleine Nebenrolle ein.
Auch die Geschichte bleibt oberflächlich und erscheint mir nicht immer logisch. Oft hat man das Gefühl, dies oder jenes passiert nur, weil die Geschichte weiter fortgeführt werden muss, nicht, weil es sich aus dem Geschehen und den Charakteren heraus ergibt. Weitere Charaktere werden eingeführt, bleiben aber ebenso blass und uninteressant. Das alles ist schade, weil der Plot eigentlich interessant und vielversprechend ist. Teilweise wird recht langatmig erzählt, dann wieder überschlugen sich die Ereignisse, besonders während der Kämpfe wird es unübersichtlich. Unterm Strich lebte die Geschichte für mich nicht wirklich.
Das Setting zwar fiktiv, trägt aber orientalische Züge und erinnert immer wieder an die Geschichten aus 1001 Nacht. Geschichtenerzählen ist ein beliebter Zeitvertreib, Geschichtenerzähler sind geschätzt, und so sind zwischen den oben genannten Perspektiven auch ein paar Geschichten, die man sich in jener Welt erzählt, eingestreut. Das macht es authentischer, ebenso die eingestreuten arabischen Begriffe, die in einem vorangestellten Glossar erklärt werden. Besonders gelungen ist aber in meinen Augen auch das Worldbuilding nicht, hin und wieder gelingt es der Autorin aber doch, orientalisches Flair zu vermitteln, da werden Ortschaften oder die Wüste lebendig.
„Der Sternenstaubdieb“ ist der erste Band der Sandsea Chronicles, es sollen wohl noch zwei weitere folgen. Ob ich diese lesen möchte, weiß ich noch nicht. Einerseits möchte ich schon wissen, wie es weitergeht, zumal die Geschichte an einem interessanten Ort endet, andererseits hat mich die Geschichte bisher leider nicht wirklich überzeugen können.
Leider hat mich der Roman enttäuscht. Titel, Cover und Setting hatten mich sehr angesprochen, auch der Plot hat Potential, jedoch wurde dieses nicht ausgeschöpft, die Charaktere bleiben eher blass, ebenso die Welt und die Geschichte. Ich vergebe 2,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde.
Spannender erster Band einer Dilogie
Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie von Akram El-Bahay
Wer von uns Leser:innen möchte nicht einmal in einen Roman reisen? Eine kleine versteckte Buchhandlung in London macht es in diesem Roman möglich. Die Libronauten besitzen eine ganz besondere Stimme, die es ihnen ermöglicht, sich und andere in die Romanwelten zu lesen. Einer von ihnen ist Adam. Seine beiden letzten Buchreisen allerdings waren nicht ungefährlich, denn die Gäste hielten sich nicht an die Regeln und wichen vom Pfad ab.
Merkwürdigerweise fanden sie dabei eine Tür, die mitten in der Landschaft stand. Nicht nur die Frage nach der Tür beschäftigt Adam danach, er muss auch erkennen, dass in seinem Leben nicht alles so ist, wie er bisher dachte.
Vor einiger Zeit bin ich schon mit anderen Protagonist:innen in Bücher gereist, doch das Déjà vu, das sich deswegen einstellte, hat sich schnell wieder verflüchtigt, denn die Geschichte, die ich hier lesen konnte, nimmt einen ganz anderen Weg.
Wie von Akram El-Bahay gewohnt, ist dieser Weg sehr phantasievoll und die Geschichte sehr bildhaft erzählt, sie hat mich schnell gepackt. Der Autor hat eine interessante und sehr spannende Geschichte entwickelt, mein Kopfkino hatte viel zu tun. Wie immer ist auch wieder einiges an Mythologie verwoben.
Im Laufe der Geschichte betritt man mehrere Bücher und lernt eine Reihe Charaktere kennen, die nicht alle menschlich sind. Die Hauptcharaktere sind alle gut gezeichnet, vor allem Adam kam mir schnell nahe. Es gibt auch um ihn ein Geheimnis, über dessen Auflösung ich schon ein bisschen gerätselt habe, ich bin gespannt, was dahinter steckt. Die Antagonisten, bisher sind es nur Männer, geben auch Rätsel auf, denn man fragt sich schnell, warum sie so handeln, wie sie handeln, auch hier habe ich mir schon Gedanken gemacht.
Am Ende ist die Geschichte noch nicht auserzählt, denn es handelt sich um den ersten Band einer Dilogie. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.
Der Autor erzählt wie von ihm gewohnt phantasievoll, bildhaft und spannend eine originelle Geschichte. Genrefans sollten zugreifen.
Sehr empfehlenswert
Hilfen für Menschen mit Behinderung von Otto N. Bretzinger
Von Behinderung betroffen zu sein, macht das Leben schwerer, und so ist es gut, wenn man die Möglichkeit hat, sich schnell und kompakt über Hilfen, die man bekommen kann, zu informieren.
Genau das bietet dieser Ratgeber. Schon wenn man sich das Inhaltsverzeichnis anschaut, kann man erkennen, wie umfassend man hier informiert wird.
Sei es im Privaten, im Beruflichen oder im Finanziellen, sei es zum Thema Steuern, Mobilität oder Hilfsmittel, und vieles mehr, jedes mögliche Thema wird berührt.
Durch das ausführliche Inhaltsverzeichnis hat man die Möglichkeit, schnell zu dem Punkt zu gelangen, der einen gerade interessiert, man kann aber auch das Buch von vorne nach hinten durchblättern, und schauen, was man vertiefen möchte, woran man vielleicht noch gar nicht gedacht hat, oder wo das eigene Wissen vielleicht Auffrischung benötigt.
Zunächst erhält man eine Einführung, was überhaupt Behinderung und Schwerbehinderung ist, und wie man das feststellen lassen kann. Das ist wichtig, um die jeweiligen Hilfen in Anspruch nehmen zu können. Gut finde ich auch, dass man zu den einzelnen Themen zunächst einen Überblick erhält, und danach die einzelnen Unterpunkte ausführlich dargestellt werden.
Im Anhang findet man noch eine Übersicht, welcher Nachteilsausgleich bei welchem Grad der Behinderung und bei einem eventuellen Merkzeichen möglich ist, außerdem wichtige Adressen.
Dieser Ratgeber gibt ausführlich und umfänglich Tipps und Hilfestellung über Hilfen für Menschen mit Behinderung, ich kann ihn sehr empfehlen.
Brisant, hochaktuell und spannend
Von Schafen und Wölfen von Achim Zons
Die Redaktion einer deutschen Zeitung erhält eine äußerst brisante Information über den erst kürzlich nicht erneut gewählten usamerikanischen Präsidenten. Doch soll man diese wirklich veröffentlichen? Immerhin steht man kurz vor einer Fusion mit einem usamerikanischen Konzern, die vielleicht daran scheitern könnte.
Dies ist bereits der dritte Roman um den Journalisten David Jakubowicz, für mich allerdings der erste, mir war vor dem Lesen gar nicht klar, dass es sich um eine Reihe handelt. Man kann diesen Roman gut ohne Vorkenntnisse lesen, doch die vereinzelten Erinnerungen an frühere Ereignisse machen mich neugierig auf die Vorgängerbände.
David gefällt mir gut, er ist sympathisch, und lässt sich nicht gerne manipulieren. Von den Ereignissen, die hier geschehen, ist er auch stark persönlich betroffen. Zunächst ist man bei der Redaktionskonferenz dabei, bei der die bereits erwähnte Entscheidung getroffen werden soll, dann erfährt man nach und nach, wie es überhaupt so weit kam. Im Laufe der Erzählung gibt es ein paar Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen, anderes konnte ich dagegen ahnen.
Von der Vielzahl der Charaktere war ich zunächst ein bisschen erschlagen, doch nach und nach klärt sich das. Es gibt neben David ein paar andere wichtige Charaktere, teilweise wird aus deren Perspektiven erzählt wird. Nicht jede:r von ihnen ist mir sympathisch, aber interessant sind die meisten. Insgesamt verlangt der Roman schon eine gewisse Aufmerksamkeit, auch wegen der nach und nach aufgedeckten Erkenntnisse.
Das Thema des Romans ist hochaktuell und für sich schon sehr brisant. Tatsächlich stattgefundene Ereignisse spielen hier zudem eine wichtige Rolle, allen voran der Sturm auf das Kapitol am 06.01.2021. Ich finde die Verknüpfung der realen Ereignisse mit dem fiktiven Geschehen sehr interessant und spannend. Spannend ist auch der gesamte Roman, der für mich schnell zum Pageturner wurde. Hin und wieder gibt es für mich kleine Irritationen, am Ende habe ich ihn aber zufrieden zugeklappt.
Spannend, aktuell, brisant, der Roman war für mich ein Pageturner, der aber auch Aufmerksamkeit beim Lesen erfordert.
Gelungener Abschluss der Trilogie
Kerze & Krähe von Kevin Hearne
Der Siegelmagier Al MacBharrais ist aus Australien zurück in Schottland. Mit ihm gekommen ist die irische Todesgöttin Morrigan, die ihr Leben ändern möchte, und sich Unterstützung von Al erhofft. Auch sonst ist Als Leben alles andere als ruhig. Buck Foi, der Hobgoblin, der für ihn arbeitet, hat Probleme mit der Familie, Als Buchhalterin Nadia möchte eine neue Religion etablieren, und Al selbst endlich seine Flüche loswerden, auch, weil er sich in absehbarer Zeit zur Ruhe setzen möchte.
Der dritte Band der Reihe ist auch der Abschluss der Trilogie, schade, denn ich bin gern mit dem Siegelmagier Al unterwegs. Aber vielleicht trifft man ihn ja noch einmal wieder. Erst einmal bietet dieser Roman eine Menge Aufregung, für Al, aber auch für uns Leser:innen. Die Reihe zeichnet sich dadurch aus, dass es verschiedene Mythen und Religionen tatsächlich gibt, die entsprechenden Wesen und Götter mit den Menschen Verträge haben, die die Siegelmagier überwachen müssen. So muss Al hier zum Beispiel zwischen den Blauen Männern, eine Art Feenwesen, und der britischen Regierung vermitteln. Daneben gibt es auch ein paar Aktionen, die nicht ganz auf dem Boden des Rechts ablaufen, aber halt irgendwie nötig sind. Es gibt Tote, aber auch viel zu lachen.
Auch die Suche nach den Verursachern seiner beiden Flüche, ist alles andere als einfach, und bringt Al nicht nur in verschiedene Länder, sondern auch in akute Lebensgefahr. Als er dann endlich weiß, wem er die Flüche zu verdanken hat, wird es nicht leichter, eher noch schwieriger.
Die Trilogie spielt in der selben Welt wie die Romane über den Eisernen Druiden, dem Al in Band 2 bereits begegnet ist. Kevin Hearne hat eine interessante Welt gestaltet, die unsere mit den bereits oben erwähnten mythologischen Wesen und Göttern bereichert. Al selbst ist zudem Schotte, so dass auch das Schottische in den Roman Einzug hält. Im Anhang gibt es daher ein Glossar, in dem man auch Aussprachehinweise erhält. Natürlich wird auch Als Nachname nicht so ausgesprochen, wie man auf den ersten Blick denken könnte.
Gut passt auch, dass der Autor Al selbst in Ich-Form erzählen lässt. So sind wir immer nah dabei und erleben alles aus seiner Perspektive. Erzählt wird anschaulich und spannend. Die Charaktere rund um Al muss man einfach mögen, auch wenn manch eine:r zunächst etwas undurchsichtig war, mittlerweile kennt und mag man sie, auch über Gladys, die schon viel Schxxx erlebt hat (ja, so wird sie hier nun mal genannt), erfährt man endlich mehr.
Als Abschlussband bietet der Roman natürlich auch einen gewissen Abschluss für die einzelnen Charaktere, mir gefällt es gut, wie wir sie verlassen.
Die Triologie um den Siegelmagier Al MacBharrais endet gelungen, alle Charaktere sind an einem Punkt, an dem man sie gut alleine weitermachen lassen kann, ohne Möglichkeiten zu verspielen, sie vielleicht doch noch einmal wiederzutreffen. Ich freue mich aber auch schon auf all die anderen Werke, mit denen uns Kevin Hearne noch beglücken wird. Sehr gerne empfehle ich die gesamte Trilogie, die man am besten der Reihenfolge nach liest.
Hat meine Erwartungen nicht erfüllt
Hey guten Morgen, wie geht es dir? von Martina Hefter
Juno lebt mit ihrem kranken Ehemann Jupiter zusammen. Ihr Leben scheint sie nicht auszufüllen, nachts chattet sie mit sogenannten Lovescammern. Einer von ihnen, Benu, lässt sich auf eine längere Chatbeziehung ein, wohl wissend, dass Juno weiß, was er ist.
Ich hatte gewisse Erwartungen an den Roman, zum Beispiel dachte ich an eine humorvolle Erzählung, eine interessante Protagonistin und einen authentischen Pflegealltag.
Leider bekam ich all das nicht. Mit Juno wurde ich nicht warm. Man kann auch nicht behaupten, sie würde ihren Ehemann pflegen, Jupiter erledigt fast alles allein, was ihm nicht immer leicht fällt, mir tat er durchgehend einfach nur leid. Das Ehepaar lebt zudem eher nebeneinander her als miteinander. Ich habe selbst gepflegt und weiß, was das bedeutet.
Die Situation mit den Lovescammern hätte ich mir tatsächlich humorvoller vorgestellt, Juno erzählt diesen irgendwelche Geschichten über sich, die selbstverständlich nicht stimmen. Das hätte sehr (schwarz)humorig ausfallen können, ist es aber leider nicht, in meinen Augen sind die Chats, auch die mit Benu, eher banal. Ich konnte auch nicht so recht nachvollziehen, was sie sich von der „Beziehung“ zu Benu erwartete. Am Ende sind damit zwei Chancen verspielt worden, tiefer zu gehen, nämlich sowohl bezogen auf das Lovescammen als auch auf die Pflegesituation.
Etwas tiefergehend sind zwei andere Themen. Juno ist Tänzerin und Performancekünstlerin, das kommt im späteren Verlauf zum Tragen, wo man mehr erfährt über ihr Training und die Projekte, die sie verfolgt, während man zunächst eher das Gefühl hatte, Juno sitzt den ganzen Tag zu Hause und langweilt sich.
Außerdem hat Juno ein Faible für Tattoos. Obwohl das Geld kaum zum Leben reicht, lässt sie sich eines nach dem anderen stechen. Diese werden recht ausführlich beschrieben, und leiten den Roman sogar ein. Auch sonst scheint ihr Leben eher um sich selbst zu kreisen.
Manches in diesem Roman ist offensichtlich autobiografisch. So ist auch Martina Hefter Tänzerin und Performancekünstlerin und ihr Ehemann ist Autor und leidet an Multipler Sclerose. Nicht ganz nachvollziehen konnte ich die Namen der Charaktere, die alle aus dem Mythologischen entlehnt sind.
Meine Erwartungen waren groß, wurden aber nicht erfüllt. Leider kam mir auch die Protagonistin weder nahe noch war sie mir sympathisch, im Gegenteil. Die Geschichte empfand ich eher als banal.
Was für eine Geschichte!
Heir von Sabaa Tahir
Aiz ist eine Waise und wuchs in einem Kloster auf. Ihre Heimat Kegar verübt mit sogenannten Seglern Überfalle auf andere Länder, um Nahrung zu stehlen. Die Segler werden dabei mit einer Windmagie angetrieben. Auch Aiz wäre gerne Seglerin geworden, doch reichte ihre Magie nicht aus. So übt sie niederere Dienste aus.
Aiz trägt Rachegelüste in sich, und als sie diesen nachgeben will, geht das nicht gut aus.
Quil dagegen ist der Kronprinz des Imperiums. Doch er ist anders als man es von einem Prinzen vermuten würde, denn er wurde nicht privilegiert in einem Schloss erzogen, sondern hat Land und Leute gut kennengelernt, weil er dort mit ihnen gelebt hat, so sind Land und Leute ihm auch sehr wichtig. Ein Angriff auf die Hauptstadt führt ihn auf eine gefahrvolle Reise.
Sirsha hat eine besondere Affinität zu Elementen und wurde von ihrem Stamm verbannt. Sie hält sich mit Suchaufträgen über Wasser. Ihr neuester Auftrag, sie soll aufklären, wer hinter einer Reihe von Morden steckt, ist gefährlicher als zunächst vermutet.
Die Leben dieser drei Personen werden im weiteren Verlauf der Geschichte miteinander verquickt, wobei es immer wieder unerwartete Ereignisse und Erkenntnisse gibt.
Ruckzuck hatte mich der Roman in seinen Bann gezogen, und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Das liegt unter anderem an den interessanten Charakteren, neben den oben Genannten gibt es noch eine Reihe weiterer, die eine größere Rolle spielen. Alle Charaktere sind gut gezeichnet, man hat schnell das Gefühl, sie gut zu kennen, aber natürlich haben auch sie alle ihre Geheimnisse.
Auch die Welt ist sehr gut gelungen. Die Karte, die man in den inneren Buchdeckeln findet, habe ich gar nicht benötigt, um mir alles gut vorstellen zu können. Der Erzählstil der Autorin ist packend und sehr bildhaft. Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven der drei Protagonist:innen, es gibt auch ein paar Kapitel aus weiteren Perspektiven, die das Geschehen gut ergänzen.
Die Geschichte ist sehr spannend, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und die über 600 Seiten vergingen wie im Flug. Das Ende dieses Romans ist noch nicht das Ende der Geschichte, es wird einen weiteren Band geben, das Warten auf diesen wird schwer werden.
„Heir“ spielt im selben Universum wie die „An Ember in the Ashes“-Reihe, man muss diese aber nicht kennen, um „Heir“ zu verstehen. Zwar treten hier die Protagonist:innen von dort auch auf, aber nur am Rande. „Heir“ spielt Jahre später und hat eigene Protagonist:innen. Die Vorgängerreihe wird gerade neu aufgelegt, der erste Band liegt bereits hier, die anderen sind vorbestellt. Ich freue mich darauf, mehr von Sabaa Tahir lesen zu können.
„Heir“ ist für mich ein echtes Highlight, mit interessanten Charakteren, einer gelungenen Welt und einer spannenden Geschichte. Ich vergebe sehr gerne eine Leseempfehlung und volle Punktzahl.
Packend!
Allein gegen die Lüge von Alex Finlay
Stell dir vor, deine Eltern, deine jüngere Schwester und dein kleiner Bruder werden in ihrem Urlaub in Mexiko tot aufgefunden, und du musst deinen älteren Bruder, der wegen des Mordes an seiner Freundin im Gefängnis sitzt, darüber informieren. Genau das passiert Matt Pine, gerade war er noch in seiner Studentenbude, im nächsten Moment steht die FBI-Agentin Sarah Keller vor ihm und informiert ihn über die Todesfälle.
Und dann muss er auch noch nach Mexiko fliegen, damit seine Familie nach Hause überführt werden kann.
Matt Pine ist mir direkt ans Herz gewachsen, wahrscheinlich auch, weil ich mich viel zu gut in ihn hineinversetzen konnte, und mit ihm gelitten habe. Er ist aber auch ein netter Kerl. Seine Familie musste seit sieben Jahren mit der angeblichen Tat seines Bruders leben, sein Vater kämpfte von Anfang an um dessen Freilassung, und es gab sogar eine Dokumentationsserie darüber.
Erzählt wird nicht nur das aktuelle Geschehen, es gibt auch immer wieder Rückblenden ins Davor, wo man aus Perspektive der drei älteren Toten erfährt, was in den Tagen vor deren Tod passiert ist, am Ende erlebt man sogar die Todesnacht selbst mit, was mich sehr berührt hat. Dabei kommt das eine oder andere ans Licht, man lernt aber auch die vier Toten sehr gut kennen, so dass einen ihr Tod noch mehr mitnimmt, als es vorher schon der Fall war. Mir gefällt diese Erzählweise sehr gut.
Gut gefallen hat mir auch Sarah Keller, die eigentlich gar nicht für Todesfälle zuständig ist, aber auf andere Weise mit dem Fall verbunden ist. Auch sie und ihre Familie lernt man kennen und mögen. Sie steht an Matts Seite, das hat mir gut gefallen, und möchte den Fall, der nicht nur die Frage aufkommen lässt, ob es sich um Mord oder einen Unfall handelt, unbedingt klären. Ich könnte mir gut vorstellen, Sarah Keller in weiteren Werken noch einmal zu begegnen.
Auch andere Charaktere sind gut gezeichnet, ich mochte vor allem Matts Studienfreund:innen sehr, die sich rührend um ihn kümmern, jede:r ein ganz eigener Typ. Aber auch Matts weitere Familie, eine Tante und ein dementer Großvater, kommen einem nahe. So war ich von Anfang an emotional dabei und habe mitgelitten und mitgefiebert. Zusätzlich hat sich der Autor, der Anwalt ist, ein tatsächliches Problem des (usamerikanischen) Justizsystems vorgenommen, es spielt also auch eine gewisse Gesellschaftskritik mit hinein. Die Auflösung ist nachvollziehbar, und man erfährt auch noch ein bisschen Danach, was mir ebenfalls gut gefällt.
Das Debüt Alex Finlays hat es direkt in sich, es hat mich gefesselt und mich das Buch kaum aus der Hand legen lassen. Sehr gerne empfehle ich es daher für Thrillerfans, bin gespannt auf weitere Werke des Autors, und vergebe gerne volle Punktzahl.
Wieder spannend, aber nicht ganz so überzeugend wie andere Romane des Autors
Ein ungezähmtes Tier von Joël Dicker
Sophie und Arpad Braun scheinen alles zu haben, was man sich wünschen kann, eine liebevolle Beziehung, zwei Kinder, ein schönes Haus, gutes Einkommen, Zufriedenheit. Aber manchmal trügt der Schein – ob das in hier auch der Fall ist, davon erzählt dieser Roman.
Joël Dickers Romane zeichnen sich dadurch aus, dass man nie wissen kann, was passieren wird oder in der Vergangenheit passiert ist, immer wieder wird man überrascht, man kann sich nie sicher sein, alles kann über den Haufen geworfen werden, erst am Ende weiß man die ganze Wahrheit.
Ich mag es sehr und finde es spannend, erst nach und nach zu erfahren, was eigentlich ist. Auch in diesem Roman ist das wieder so, immer wieder springt die Erzählung in der Zeit, mal mehr oder weniger ausführlich erfahren wir, was vor Jahren oder manchmal auch nur vor Stunden passiert ist. Auch dieser Roman wurde für mich deshalb wieder zum Pageturner.
Aber dennoch hat mich dieser Roman nicht so gepackt wie die vorherigen Romane, die ich von Dicker gelesen habe. Zum einen liegt das wohl daran, dass mir dieses Mal keiner der Charaktere so richtig sympathisch war, manche sogar richtig unsympathisch, so konnte ich auch nicht ganz so mit ihnen mitfühlen, wie ich das gerne getan hätte. Zum anderen liegt das aber auch an der Geschichte, die zwar ihre Überraschungen zu bieten hatte, aber manchmal auch etwas vorhersehbar war, und zudem finde ich, dass es ist nicht ganz so raffiniert verwoben ist, wie man es von Dicker kennt.
Die Protagonist:innen sind zwar nicht gerade sympathisch, aber gut charakterisiert, neben Sophie und Arpad gibt es ein zweites Ehepaar, weniger gut gestellt, die sich mit den Brauns anfreunden, wobei das teilweise ein wenig ausartet. Alle haben natürlich ihre Geheimnisse, die nach und nach aufgedeckt werden.
Erzählt wird, wie schon erwähnt, mit einigen Zeitsprüngen. Der Roman ist in drei Abschnitte aufgeteilt, die jeweils einen Countdown haben. So darf man zusätzlich gespannt sein, was am Ende des jeweiligen Countdowns geschehen wird. Schließlich ist alles aufgelöst, wenn auch manches ein wenig überzogen, wie ich finde. Dennoch kann man es auf gewisse Weise nachvollziehen. Gut gefallen hat mir, dass man noch etwas vom Danach erfährt.
Joël Dicker hat mir wieder spannende Lesestunden beschert. Doch ganz so gut wie die Vorgängerbände hat mir dieser nicht gefallen. Wer Dicker mag, kann aber auch hier zugreifen. Wem Zeitsprünge und Aufmerksamkeit beim Lesen nicht stören und überraschende Wendungen zusagen, ist bei Dicker ebenfalls richtig.
Dritter Band einer sehr empfehlenswerten Reihe
Die Essenz des Bösen von Ambrose Parry
Edinburgh, 1850: Sarah Fisher ist auf Reisen, sie hofft, Elizabeth Blackwell zu treffen, die erste Frau, die ein Studium der Medizin abschloss. Auch Sarah möchte Ärztin werden, und setzt auf deren Unterstützung. Will Raven denkt in Sarahs Abwesenheit viel über ihre Beziehung nach, vor allem auch, ob es fair von ihm wäre, sie an sich zu binden, und damit ihren Traum unmöglich zu machen.
Als er die Arzttochter Eugenie Todd trifft, verliebt er sich in sie.
Dann stirbt überraschend ein hochrangiger Patient Cameron Todds. Dessen Tod wurde offenbar herbeigeführt, und schnell wird dessen Sohn verdächtigt. Eugenie Todd wuchs mit diesem auf, und bittet Will darum, Gideon zu entlasten.
Sarah kommt derweil desillusioniert zurück nach Hause, wo das neue Hausmädchen Christina ihr ihr Herz ausschüttet, Sarah versucht zu helfen.
Der dritte Band der Reihe hat es wieder in sich, nicht nur, dass man es mit verschiedenen Dingen zu tun bekommt, die es zu lösen gilt, es gibt auch wieder tiefe Einblicke in die historischen Hintergründe. Diese sind auch medizinischer Art, denn sowohl Will als auch Sarah leben im Haus James Young Simpsons, der die Anästhesie mit Chloroform begründete, und arbeiten auch mit ihm. Daneben gibt es Einblicke in das gesellschaftliche System jener Zeit, damit einhergehend einiges an Gesellschaftskritik. Dazu sollte man unbedingt auch das Nachwort des Autorenpaars lesen, zumal James Young Simpson nicht die einzige historische Persönlichkeit ist, die hier auftritt.
Sarah und Will konnte man bereits in den beiden Vorgängerbänden gut kennenlernen. Beide sind mir sympathisch, beide kommen aus niederen Verhältnissen und versuchen möglichst das beste aus ihrem Leben zu machen, wobei Will als Mann wesentlich bessere Möglichkeiten hat. Beide haben zudem Gefühle füreinander. Ihre Geschichte wird interessant weitererzählt.
Zu den Dingen, die es zu lösen gilt, gehören wieder verschiedene interessante Kriminalfälle, die es einem auch ermöglichen, miträtseln, die Auflösungen empfand ich als nachvollziehbar. Am Ende hätte ich am liebsten direkt den nächsten Band gelesen, denn auch die persönlichen Umstände der Charaktere sind interessant. Leider ist dieser auf Deutsch noch nicht erschienen, ich hoffe, ich muss nicht allzu lange darauf warten.
Der dritte Band der Reihe hat mir wieder sehr gut gefallen, ich mag das Ineinandergreifen der persönlichen Belange der Charaktere mit den historischen Hintergründen und den Kriminalfällen, die es zu lösen gilt. Meiner Meinung nach sollte man die Reihe, die ich sehr gerne weiterempfehle, unbedingt der Reihenfolge nach lesen.











