Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Hat mich, bis auf einen gelungenen Twist, nicht überzeugt
Finster von Ivar Leon Menger
1986 verschwindet in Katzenbrunn ein dreizehnjähriger Junge. Dies passiert in den kleinen Dorf nicht das erste Mal, vor zehn Jahren hatte sich Kriminalhauptkommissar Hans J. Stahl noch geschworen, den, Greifer genannten, Täter zu fassen, doch ein schwerer Unfall hinderte ihn daran. Nun ist Stahl, mittlerweile pensioniert, zurück, um seinen Schwur endlich in die Tat umzusetzen.
Katzenbrunn ist ein winziges Dorf mit weniger als zwanzig Häusern, es gibt keine Kinder im Dorf, aber eine psychiatrische Klinik. Die Stimmung im Ort hat etwas düsterers, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass alle Einwohner:innen etwas auf dem Kerbholz zu haben scheinen, jedenfalls diejenigen, die man näher kennenlernt. Der Autor legt damit einige Fährten, der Greifer könnte auf jeden Fall einer von ihnen sein.
Leider bleiben alle Charaktere recht blass, unsympathisch sind die meisten sowieso. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, auch der Greifer ist dabei, sympathischer wird dadurch niemand, eher im Gegenteil. Auch Stahl kam mir nicht nahe. Im Grunde benehmen sich alle außerst merkwürdig, Logik ist nicht wirklich angesagt, auch die Polizei, die erst spät ins Spiel kommt, scheint eher inkompetent, wenn man bedenkt, was ihnen als Beweis ausreichen würde.
Spannung kam für mich kaum auf, am ehesten noch durch die Frage, was man wohl noch alles für Abgründe erfährt. Und dann hat mich der Autor doch noch kalt erwischt, den Twist hatte ich nicht kommen sehen und habe die entsprechende Szene zweimal lesen müssen, um es tatsächlich zu begreifen, rückblickend ist der Twist übrigens nicht unlogisch. Unterm Strich bleibt aber daneben wenig übrig, das mich begeistern konnte.
Leider hat mich der Roman nicht überzeugt. Lediglich der erwähnte Twist konnte mich kurzzeitig überraschen, dafür aber so richtig, daher vergebe ich doch noch 2,5 Sterne, die ich, wo nötig, aufrunde.
Spannender und fantasievoller erster Band
Royal Institute of Magic, Band 1 - Die Hüter der verborgenen Königreiche von Victor Kloss
Ben Greenwoods Eltern sind seit einiger Zeit verschwunden, was sein Leben sehr verkompliziert hat. Doch nun hat er eine Spur gefunden und macht sich mit seinem Freund Charlie auf, dieser nachzugehen. Überrascht stellt er fest, dass seine Eltern Geheimnisse vor ihm hatten.
Der erste Band der Kinderbuchreihe führt nicht nur die Protagonist:innen gut ein, man lernt auch schon einiges über die Welt, die sich der Autor ausgedacht hat.
Neben unserer gibt es eine ganze Reihe verborgener Königreiche in denen neben Menschen auch allerlei Fantasywesen leben wie zum Beispiel Kobolde, Zwergen und Dunkelelfen. Daneben findet sich auch eine fabelhafte Tierwelt mit Drachen, Greifen und anderen aus Legenden und Mythen bekannten Tieren. Diese dienen auch der Fortbewegung, so kann man auf dem Cover schon die Drachenbahn bewundern, die Ben und Charlie mehrmals nutzen werden.
Auch das Royal Institut of Magic ist interessant, es scheint recht bürokratisch aufgebaut, besonders gut gefallen hat mir, wer hinter seiner Gründung steckt, da mich diese Person schon immer interessiert hat. Die Art der Magie ist fantasievoll, vor allem, dass keine Zauberstäbe sondern etwas anderes benutzt wird. Fantasie hatte der Autor, der leider jung verstorben ist, wirklich viel.
Ben und Charlie werden nach einiger Zeit von Natalie begleitet, die die verborgenen Welten und das Institut schon länger kennt, durch sie erfahren die beiden und mit ihnen die Leser:innen viel Interessantes. Zu dritt erleben sie zudem einige Abenteuer, die spannend erzählt sind, und auch mich als Erwachsene gefesselt haben. Zum Glück hat der Roman einen gewissen Abschluss und endet daher nicht mit einem gemeinen Cliffhanger. Trotzdem bin ich nun sehr gespannt, wie es weitergehen wird.
Victor Kloss hat im ersten Band seiner Kinderbuchreihe die Weichen für die Nachfolger gestellt und gleichzeitig einen spannenden und fantasievollen Roman geschrieben. Die Protagonist:innen sind sympathisch und bieten Identifikationsmöglichkeiten, die Welt ist gut gestaltet. Auch ich als Erwachsene habe den Roman gerne gelesen, so dass ich ihn auf jeden Fall weiterempfehlen kann.
Ein Roman, der berührt
Am Himmel die Flüsse von Elif Shafak
Elif Shafak erzählt die Geschichte dreier ganz verschiedener Menschen, deren Leben aber dennoch verwoben sind, auch, aber nicht nur durch einen Regentropfen, der bereits dem assyrischen König Assurbanipal ins Haar gefallen war.
Arthur wird 1840 zwar in bittere Armut geboren aber mit erstaunlichen Fähigkeiten.
Schon früh entwickelt er ein großes Interesse für die assyrische Stadt Ninive. 2014 lebt das ezidische Mädchen Narin mit ihrer Großmutter in Hasankeyf, doch ihre Heimat soll einem Staudamm weichen. 2018 treffen wir die Hydrologin Zaleekhah, die jung ihre Eltern verloren hat und bei ihrem Onkel aufwuchs.
Elif Shafaks Roman hat mich schnell gefangengenommen, besonders Arthur und Narin wuchsen mir schnell ans Herz, während das bei Zaleekhah nicht ganz gelang. Arthur ist der einzige, dessen Leben wir von Anfang bis zum Ende miterleben, es ist einzigartig, und hat, wie wir im Anhang erfahren, sogar ein reales Vorbild. Ein Thema des Romans ist Wasser, dem oben genannten Regentropfen werden wir noch öfter begegnen, das alte Mesopotamien, das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris ist immer wieder Thema, ebenso die Themse und die vielen verborgenen Flüsse, wie es sie nicht nur in London gibt. Ein anderes Thema sind die Eziden und ihr Schicksal, das auch heute noch schlimme Auswirkungen hat. Dies alles ist so gelungen miteinander verbunden wie die Leben der drei Protagonist:innen.
Erzählt wird sehr eingängig, bildhaft und teilweise poetisch. Auch die Charaktere konnte ich mir sehr gut vorstellen, auch wenn nicht alle tiefgängig gezeichnet sind. Der Roman enthält zusätzlich ein paar Illustrationen, die vor allem die antiken Statuen und Texte betreffen. Sehr lesenswert sind auch die Anmerkungen der Autorin.
Am Ende wird man vielleicht manches anders sehen, hat einiges gelernt und ist emotional berührt.
Elif Shafak ist ein Name, den ich mir merken werden. Ihr Roman hat mich sehr berührt und wird lange nachhallen.
Ein spannender und ziemlich düsterer Pageturner
Bis in alle Endlichkeit von James Kestrel
Privatdetektiv Lee Crowe findet während er an einem Fall arbeitet, eine tote Frau, offensichtlich von einem Gebäude herabgestürzt. Die Polizei denkt schnell an Selbstmord, doch Olivia Gravesend, die Mutter der Toten, glaubt nicht daran und engagiert Lee, den Grund für Claires Tod zu finden. Mit seinen Ermittlungen sticht Lee in ein Wespennest und ist bald selbst in großer Gefahr.
„Fünf Winter“ war für mich ein großartiger Roman und so war ich sehr gespannt auf das nächste Werk James Kestrels. Nun, „Bis in alle Endlichkeit“ ist ganz anders, hat mir aber auch sehr gut gefallen.
Dieses Mal befinden wir uns nicht in der Vergangenheit, sondern im heutigen Kalifornien. Lee ist ein gelungener Protagonist, erinnert schnell an die Detektive des Crime noir, und hat das Zeug zum Reihenhelden. Wenn ich mir das Ende anschaue, und die Anmerkung des Autors im Nachwort, könnte es vielleicht wirklich zu Nachfolgebänden kommen, ich würde mich sehr freuen.
Der Fall entwickelt sich ganz anders, als zunächst gedacht, und als Lee eine junge Frau trifft, die der Toten sehr ähnelt, fängt man als Leser:in so richtig an mitzurätseln. Es gibt viele spannende Wendungen, viel Action und einen Protagonisten, den ich immer mehr ins Herz geschlossen habe. Auch andere Charaktere sind interessant und nicht immer gleich durchschaubar. Mit Lee zusammen ist man auch selbst ständig misstrauisch und auf der Hut. Trotzdem hat er natürlich seine Leute, auf die er sich verlassen kann, auch, weil er sie bezahlt. Im Grunde ist er aber mehr der Typ einsamer Wolf, seine Fälle sind oft brisant.
Das Ende hat es in sich, und geht vielleicht noch ein Stück weiter, als manche:r erwartet. Wie der ganze Roman ist es ausgesprochen düster, und würde Lee nicht in Ich-Form selbst erzählen hätte ich wahrscheinlich noch mehr um ihn gebangt. Ob er aber wirklich überlebt, verrate ich hier natürlich nicht.
James Kestrel ist wieder ein richtig guter Roman gelungen, mit einem spannenden Fall, einem Protagonisten, mit dem man schnell mitfühlt, und vielen überraschenden Wendungen. Ich warte gespannt auf mehr von diesem Autor.
Wieder ein ganz besonderes Buch
Verborgene Fabelwesen der Meere von Florian Schäfer
1865: Eigentlich würde Konstantin O. Boldt lieber in seinem Refugium für Fabelwesen bleiben, doch einer dringenden Aufforderung Otto von Bismarcks kann er sich nicht widersetzen, und so bricht er schon kurz nach der Letho-Expedition wieder auf, um Fabelwesen zu finden und zu erforschen, dieses Mal allerdings im Meer mit dem Unterseeboot Nautilus.
Da die Angriffe riesiger Seeungeheuer, einen hat Boldt selbst nur knapp überlebt, wie wir in „Fast verschwundene Fabelwesen“ miterleben konnten, stark zugenommen haben, soll die Bathys-Expedition auch herausfinden, warum das so ist. Neben Boldt sind wieder einige weitere Expert:innen mit an Bord, eine davon kennt man bereits aus dem Vorgängerband. Die Intentionen sind dabei durchaus unterschiedlich, nicht jede:r ist für eine friedliche Forschung, manch eine:r möchte auch am liebsten die Vernichtung der, oft gefährlichen, Wesen. Und so entwickelt sich die Expedition nicht nur wegen der Fabelwesen, von denen einige mehr als riesig sind, gefährlich.
Fabelwesen sind faszinierend, und die, die man hier mit den Expeditionsteilnehmer:innen zusammen entdeckt, sind es in besonderem Maße, denn ihre Ausmaße, ich habe es oben schon angedeutet, sind mitunter enorm. Natürlich sind auch Wesen dabei, die deutlich kleiner sind, wie Nixen und Meermänner. Es sind insgesamt nicht ganz so viele Wesen wie im Vorgängerband, dafür sind wieder einige dabei, die ich vorher nicht kannte.
Konstantin O. Boldt erzählt erneut selbst in Tagebuchform, wobei er einen Teil Jahrzehnte später anfügt, auch wegen der geheimen Art der Expedition. Das Besondere sind aber auch hier wieder die vielfältigen Illustrationen Elif Siebenpfeiffers. Da gibt es nicht nur Zeichnungen mit zum Teil ausführlichen Informationen, sondern unter anderem auch „Fotos“, Karten, verschiedene Zettel mit unterschiedlichen Handschriften, oft „benutzt“ wirkend, verschmutzt oder mit Tassenrändern zum Beispiel. Das macht die Erzählung zusätzlich sehr authentisch.
Wie schon „Fast verschwundene Fabelwesen“ ist auch dieses Buch besonders, ein Schatz, der nicht nur eine spannende Geschichte erzählt, sondern viel mehr bietet und dadurch sehr authentisch wirkt.
Gelungener Mix aus Kriminalfällen, Historie und Privatem
Ein Fremder hier zu Lande von Ralph Knobelsdorf
Berlin 1856: Wilhelm von der Heyden hat sich als Kriminalkommissar etabliert, mit seinem Kollegen Vorweg arbeitet er sehr gut zusammen. Derzeit sind es drei Fälle, die zu bearbeiten sind, einer davon entwickelt sich sehr brisant, denn ein Serienmörder scheint in Berlin umzugehen.
Bereits der erste Band der Reihe konnte mich schnell überzeugen, und auch dieser zweite packte mich nach kurzer Zeit.
Ralph Knobelsdorf gelingt es wieder sehr gut, den historischen Hintergrund, das private Leben der Ermittler und spannende Kriminalfälle so zu verbinden, dass man den Roman kaum aus den Händen legen mag. Jedes dieser Teile ist dabei wichtig für die Gesamtgeschichte, wie etwa der reale Duelltod des Polizeipräsidenten, der Umstrukturierungen nach sich zog, und auch an Wilhelm und Vorweg nicht vorbeigeht. Oder die technischen und forensischen Entwicklungen, die in Berlin noch nicht ganz angekommen sind, aber sich schon abzeichnen, und so trifft man auch auf manche historische Persönlichkeit, wie Rudolf Virchow und sogar Prinz Friedrich Wilhelm, der tatsächlich einen wichtigen Part innehat.
Dass dabei die Kriminalfälle manchmal etwas in den Hintergrund treten, finde ich persönlich nicht schlimm, im Gegenteil, ich schätze es an historischen Kriminalromanen sehr, wenn auch die Historie selbst ein Teil der Geschichte ist. Am Ende werden alle Fälle natürlich nachvollziehbar aufgeklärt.
Dieses Mal erfährt man auch ein bisschen mehr über die privaten Hintergründe Vorwegs, sogar sein Vornamen wird endlich aufgedeckt. Nein, ich verrate ihn hier nicht, ich empfehle, das Buch zu lesen.
Wilhelm, Vorweg, Wilhelms Zimmerwirtin, und einige andere Charaktere, die man schon bereits im Vorgängerband kennengelernt hat, muss man einfach mögen, dem Autor ist es auch gut gelungen, ihnen Tiefe zu geben. Aber auch mancher Gegenspieler, wie etwas Wilhelms Kindheitsfreund, mit dem ihn nun eine erbitterte Feindschaft verbindet, ist wieder dabei. Am Ende ergeben sich private Entwicklungen, über die ich unbedingt in einem weiteren Band mehr lesen möchte, abgesehen davon, dass ich mir auch weitere interessante Romane erhoffe.
Erzählt wird vor allem aus den Perspektiven der beiden Ermittler, aber auch ein Täter kommt Wort. Es gibt einige überraschende Wendungen, insgesamt ist der Roman sehr gut zu lesen, wie auch das Nachwort des Autors, das manches noch vertieft, Fiktion von Fakten trennt, und weitere Hintergründe zu Geschehnissen und Personen liefert.
Auch der zweite Band der Reihe hat mir sehr gut gefallen, ich hoffe, es gibt noch viele weitere Bände, denn ich mag die gelungene Mischung aus Kriminalfällen, Historie und Privatem, die beiden Ermittler und ihr Umfeld sowie die spannenden Kriminalfälle.
Band 4 bringt nicht nur einen Drachen mit
KoboldKroniken 4. Drachenjagd im Dunkeln von Daniel Bleckmann
Dario und seine Freunde sollten sich vielleicht auf das vorbereiten, was vor ihnen liegt, aber derzeit klappt das nicht so richtig, Dario fühlt sich sogar ziemlich allein, zumal Rumpel in Kwertz geblieben ist. Doch dann geht es doch schneller als erwartet, und Dario landet wieder in der Koboldwelt.
Der vierte Band der Reihe bringt wieder alles mit, was schon die Vorgängerbände auszeichnete, neben einer spannenden Geschichte und phantasievollen Wesen liest es sich auch dieses Mal wieder wie ein Tagebuch inklusive „eingeklebter Mitbringsel“, Fotografien, Zeichnungen und ähnlichem, auch optisch hat dieser Band wieder viel zu bieten, Autor Daniel Bleckmann und Illustrator Thomas Hussung sind ein eingespieltes Team, das die Reihe immer wieder zu etwas besonderem macht, das Leser:innen aller Altersgruppen gefallen kann.
Die Geschichte wird, man ahnt es schon beim Titel, spannend weitererzählt, und dieses Mal ist er endlich auch dabei, der Drache. Obwohl, ein bisschen dauert es schon noch, bis er auftaucht, erst müssen noch ein paar andere kleine Abenteuer bestritten werden. Dario ist dieses Mal zunächst auf sich alleine gestellt, und das, obwohl sie ja zu Siebt sein sollen. Für das siebte, bisher noch unbekannte, Mitglied gibt es gleich mehrere Möglichkeiten, nicht nur der Drache ist neu im Spiel. Mir hat besonders gut der Porling gefallen, den man auch auf dem Titelbild bewundern kann, aber ob er Nummer 7 sein wird, verrate ich natürlich nicht. Apropos Titelbild: Auch dieses Mal gibt es wieder den „Überraschungseffekt“ mit dem ausgeschnittenen Teil, das gehört halt einfach dazu.
Dario und Kwertz, das ist eine besondere Verbindung, die weiter ausgearbeitet wird. Dazu gibt es ein Wiedersehen mit dem einen oder anderen bekannten Gesicht, nicht über alle freut man sich, außerdem lernen wir einen neuen Teil Kwertz' kennen.
Band 4 bringt die Geschichte gut voran, ist spannend und hat ein paar neue Wesen an Bord. Auch die besondere Buchgestaltung weiß wieder zu gefallen. Wer gute Kinderliteratur sucht, die auch Erwachsenen gefallen kann, ist hier auf jeden Fall richtig.
Joan Weng erinnert in diesem Roman an eine einst berühmte, heute leider fast vergessene Modeschöpferin
Die Modeschöpferin von Manhattan von Joan Weng
New York 1939: Daisy Goldenblatt arbeitet als Saleslady für Valentina Schlee, einer bekannten Modeschöpferin, die viele Berühmtheiten unter ihren, im übrigen streng limitierten, Kundinnen hat und für jede Gelegenheit das passende Kleid entwirft. Daisy liebt ihren Job, doch ihre Familie erwartet, dass sie bald Alistar Fraser heiratet, der wie sie aus den Südstaaten kommt.
Sie möchte ihre Familie nicht enttäuschen, wünscht sich aber eigentlich ein anderes Leben.
Joan Weng hat mit diesem Roman Berlin verlassen und den großen Teich überquert, ist sich aber sonst treu geblieben. Frauen stehen im Mittelpunkt ihrer Geschichte, aus ihren Perspektiven wird auch erzählt. Hauptfigur ist Daisy, aber man lernt auch eine Reihe anderer Frauen gut kennen. Eine davon ist natürlich die titelgebende Valentina Schlee, damals berühmt, heute leider so gut wie vergessen. Auch wenn sie etwas zu kurz kommt, erfahren wir einiges über sie und lernen eine Reihe ihrer Kundinnen kennen, wie zum Beispiel Greta Garbo und Mercedes de Acosta, aber auch für Valentina eher untypische wie Eleanor Roosevelt, die einige wunderbare Szenen bekommen hat. Wichtig sind auch Katej, Daisys lebenslustige Kollegin und beste Freundin, sowie Daisys Tante, bei der sie wohnt, und die einer lieblosen Ehe gefangen ist.
Joan Weng erzählt gewohnt leicht, locker und humorvoll, es macht Spaß, den Roman zu lesen. Die Charaktere sind gut gelungen, man kann sie sich vorstellen, und hätte Lust, die eine oder andere persönlich kennenzulernen. Ich könnte mir auch vorstellen, sie noch einmal wieder zu treffen, vielleicht kommt die Autorin ja noch einmal zurück nach New York.
Der Roman entführt einen in das New York jener Zeit, man kann die Atmosphäre spüren. 1939 ist zudem historisch gesehen kein uninteressantes Jahr, New York zwar weit weg von den Geschehnissen in Europa, dennoch bleiben diese nicht ohne Auswirkungen auf die USA. Zudem gibt es mit Christopher Flanagan einen Charakter, der überlegt, als Kriegsberichterstatter nach Europa zu fahren, etwas, was auch direkte Auswirkungen auf Daisy hat, die mit Christopher befreundet ist und tiefere Gefühle für ihn hat. Insgesamt merkt man, dass Joan Weng wieder gut recherchiert hat, ihr Nachwort sollte man unbedingt auch lesen.
Joan Wengs Roman erinnert an eine leider mittlerweile fast vergessene Modeschöpferin und erzählt um diese herum einen locker leichten Roman, der gut unterhält.
Entwickelt sich in eine unerwartete Richtung
Ich fürchte, Ihr habt Drachen von Peter S. Beagle
Prinz Reginald hat es nicht leicht, sein Vater besteht darauf, dass er auf eine Abenteuerreise geht um ein Held zu werden, etwas, was ihm so gar nicht liegt.
Prinzessin Cerise soll heiraten, eine Menge Prinzen freien um sie, doch keiner erfüllt ihre Erwartungen. Als Prinz Reginald, mit ganz anderer Absicht, am Hof auftaucht, verliebt sie sich in ihn.
Robert Thrax hat ganz andere Sorgen. Er hat die Nachfolge seines Vaters als Drachenjäger angetreten, eine Aufgabe, die ihm gar nicht liegt.
Kurze Zeit später sind Reginald, Cerise und Robert unterwegs, einen größeren Drachen zu jagen und zu töten, wobei letzteres natürlich Reginald zufallen soll. Man wird schnell fündig, doch dann läuft die Sache stark aus dem Ruder.
Der Titel und der Klappentext lassen einen leichten Roman mit Humor erwarten, jedenfalls war das beim mir der Fall. Peter S. Beagle ist bekannt als Autor von „Das letzte Einhorn“, von dem ich allerdings bisher nur die Verfilmung kenne. Diese hat aber auch traurige und tragische Töne, die man letztlich auch hier finden kann. Zu Beginn ist der Roman tatsächlich leicht und auf gewisse Weise humorvoll, doch nach einiger Zeit ändert sich der Ton, es wird gefährlich und auch blutiger. Ich fand es dennoch passend, und auch im weiteren Verlauf mochte ich die Geschichte, auch wenn ich ihre Entwicklung so nicht erwartet hatte. Ein Roman, der überraschen kann und nicht vorhersehbar ist, ist oft ein guter Roman, dies empfand ich auch hier so.
Die drei Protagonist:innen sind sehr unterschiedlich, am nächsten kam mir Robert, den man auch im Kreis seiner liebenswerten Familie und Freunde kennenlernt, und dessen Emotionen man gut nachvollziehen kann. Cerise hat mich ein bisschen genervt, aber eine Prinzessin, die sich selbst das Schreiben beibringt, hat auch meinen Respekt verdient, ganz abgesehen von ihrem Mut. Reginald ist der, den man am wenigsten greifen kann, er scheint vor allem nicht besonders talentiert. Ihn lernt man auch zunächst, im Gegensatz zu den beiden anderen, nicht im privaten Umfeld kennen. Doch auch in ihm steckt mehr als zunächst vermutet.
Peter S. Beagles Welt ist mittelalterlich und an unsere angelehnt, es gibt aber Magie und vor allem Drachen. Die meisten davon sind klein, weniger gefährlich, eher lästig, und werden Drachlinge genannt. Diese sind überall in der Stadt und am Hof zu finden, größere gibt es weiter draußen. Es gibt viele verschiedene Arten, manche davon findet man auf der Illustration des Vor- und Nachsatzpapiers. Die Geschichte ist märchenhaft und glänzt mit einigen herrlichen Satzbildungen, wie zum Beispiel: „Stattdessen verneigte sich Kronprinz Reginald vor König Antoine und Königin Hélène mit aller Gravitas seiner illustren Abstammung und sank mit der Zielsicherheit und Anmut eines Sonnenuntergangs auf die Knie. Der dunkle Stoff seines feinsten Umhangs senkte sich um ihn wie abendliche Wolken über dem Meer“ (Seite 118).
Der Roman entwickelt sich anders als erwartet, die märchenhafte Geschichte wird düsterer und gefährlicher. Mir hat das gut gefallen. Ich mochte auch den Erzählstil, der gut zur Geschichte passt, hin und wieder mit herllichen Sätzen punktet und verschiedene Perspektiven liefert. Und nun habe ich Lust, weitere Romane Peter S. Beagles zu lesen.
Originell
P.S. Morgen bist du tot von Vera Kurian
Chloe ist eine von sieben Psychopath:innen, die in eine anonymen klinische Studie an der John Adams University in Washington aufgenommen wurden und dafür die Studiengebühren erlassen bekamen. Doch Chloe hat mehr im Sinn als zu studieren, sie will sich endlich für etwas rächen, das man ihr vor Jahren antat.
Doch dann werden andere Studienteilnehmer ermordet und plötzlich ist Chloes eigenes Leben in Gefahr.
Chloe ist nicht die einzige Teilnehmerin der Studie, die man näher kennenlernt, neben ihr neu am College ist Andre, der sich mehr oder weniger in die Studie hineingeschummelt hat, Charles dagegen ist schon im dritten Jahr und stammt aus reicher Politikerfamilie. Erzählt wird aus den Perspektiven dieser Drei, jedoch nur Chloe erzählt in Ich-Form selbst. Weitere, aber seltenere Perspektiven sind die des Studienleiters und dessen Doktorandin.
So lernt man vor allem die oben genannten Drei gut kennen. Chloe, die sehr selbstbewusst ist, sich aber immer wieder überschätzt, Andre, der intelligenteste der Drei und mir am sympathischsten, der aber immer sein Geheimnis hüten muss, und Charles, der sich ganz gut in seinem Leben eingerichtet hat, nun aber auch in Gefahr schwebt. Natürlich gibt es auch offizielle Ermittler, die nach den Morden eingesetzt werden, diese sind aber nur Nebenfiguren, wir Leser:innen folgen den Ermittlungen, die Chloe, Andre und Charles gemeinsam anstellen, immer vorsichtig den anderen beiden gegenüber, den der/die Täter:in könnte selbst aus der Studie stammen.
Die Erzählform gefällt mir sehr gut, so hat man ganz verschiedene Einblicke, auch auf die einzelnen Protagonist:innen. Und auch wenn ich es mir hin und wieder etwas an Logik fehlte, vor allem gegen Ende, habe ich den Roman gefesselt gelesen und eigene Überlegungen angestellt, wer hinter allem stecken könnte, und die Lösung sogar vor den Protagonist:innen entdeckt. Es steckt auch eine gewisse Faszination darin, dass es sich sowohl bei den Opfern als auch dem/der Täter:in um Psychopath:innen handelt, die eben nicht immer „normal“ handeln, das hat die Autorin auch ganz gut dargestellt.
Psychopath:innen als Protagonist:innen sind besondere Charaktere, die Autorin hat sie, meiner Meinung nach, gut gezeichnet. Die Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven, nur eine davon in Ich-Form, gibt dem Roman etwas besonderes und hat mich sehr angesprochen. Das Geschehen fand ich hin und wieder etwas überzogen oder auch unlogisch, das hat meine Leselust aber nur wenig gehemmt. Unterm Strich ist der Roman originell und ich könnte mir sogar vorstellen, die drei Protagonist:innen in einer Fortsetzung wiederzutreffen.











