Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PMelittaM:
Spannend und rasant
Lieferdienst von Tom Hillenbrand
In einer nicht näher datierten Zukunft ist Berlin einer Katastrophe zum Opfer gefallen. Da der Wiederaufbau nicht so richtig in die Gänge kam, wurde das zunächst als vorübergehender Behelf gegründete Berlin 2.0 zur neuen Heimat der Einwohner. Einkäufe laufen mittlerweile über Lieferdienste, die alles per 3D-Drucker auszudrucken und dann zustellen.
Unter den verschiedenen Lieferdiensten herrscht ein harter Konkurrenzkampf.
Arkadi Schneider ist einer der Bringer des Lieferdienstes Rio. Eines Tages muss er ein Attentat auf einen Kollegen miterleben. Danach scheint der Wurm drin, er macht eine merkwürdige Entdeckung, einige seiner Kund:innen sterben, und auch sein eigenes Leben scheint in Gefahr.
Der Roman ist nicht gerade lang, hat es aber in sich. Tom Hillenbrand skizziert die Welt, in der Arkadi lebt, sehr schnell, man kann sie sich gut vorstellen, und auch der technische Hintergrund ist vorstellbar, auch als mögliche Zukunft. Der Autor lässt Arkadi selbst in Ich-Form erzählen, man ist somit mitten im Geschehen, und spürt die herrschende Atmosphäre und die Gefahr deutlich. So drückt man Arkadi auch schnell die Daumen, und hofft, dass er das Ganze heil übersteht. Erzählt wird so rasant, wie Arkadi mit seinem Hooverboard durch beziehungsweise über Berlins Straßen rauscht, die Geschichte ist spannend.
Arkadi war mir schnell sympathisch, auch seinen Freund Ufuq mochte ich. Ich könnte mir gut eine weitere Geschichte mit den beiden vorstellen.
Sehr gut haben mir die Anspielungen gefallen, nicht nur, dass Straßen und Orte nach heute bekannten Persönlichkeiten benannt sind, die oben schon erwähnte mehr als lange Dauer des Wiederaufbaus von Berlin, nämlich nie, ließ mich zum Bespiel an den Bau des Berliner Flughafens BER denken.
Die Geschichte liest sich spannend und rasant und hat mich gut unterhalten.
Gut geeignet
Craniosacral-Selbstbehandlung von Daniel Agustoni
2012 kam ich das erste Mal mit der craniosacralen Behandlung in Berührung, und seitdem gehört sie mit zu meiner Physiotherapie. Das Wort „Selbstbehandlung“ im Titel lockte mich, wäre es nicht schön, zusätzlich auch noch selbst Hand anlegen zu können?
Das Buch scheint mir dazu gut geeignet, ich habe aber den Eindruck, man sollte schon ein bisschen Hintergrundwissen haben, sowohl anatomisches als auch in der Weise, dass man weiß, wie es sich anfühlt, craniosacral behandelt zu werden.
Ich bin übrigens alles andere als esoterisch eingestellt, aber, ich probiere gerne aus, und merke dann auch schnell, was mir hilft. Und, siehe oben, hier wusste ich es bereits nach einer Behandlung.
Man bekommt einen guten Einblick in die Theorie, und eine Menge Übungen zum Ausprobieren, die auch auf gewisse Weise aufeinander aufbauen, es macht für mich Sinn, sie, zumindest am Anfang, der Reihe nach anzugehen. Natürlich habe ich noch nicht alle Übungen durch, das dauert seine Zeit, aber ich kann sagen, dass sie gut erklärt sind, und durch die zusätzliche Illustration mit Bildern anschaulich dargestellt werden. Besonders gut finde ich die farbige Darstellung am Knochen, so dass man ganz genau weiß, welche Stelle(n) man berühren soll. Ob sie einem wirklich helfen können, muss jede:r für sich selbst feststellen, denn es gehört auch dazu, dass man sich auf sie einlässt. Einen Versuch ist es aber allemal wert.
Viel Vorbereitung braucht man zudem nicht, die Übungen können auch zwischendurch gemacht werden, man kann sitzen oder liegen, teilweise auch stehen. Für manche:n mag es etwas zu viele medizinische Fachbegriffe geben, diese sind aber, wenn nicht direkt im Text, im angehängten Glossar erklärt. Auch ein Literaturverzeichnis und eine Internetadressenliste findet man dort.
Die Übungen in diesem Buch können nicht nur der Gesundheit dienen, sondern unterstützen auch die Achtsamkeit. Dadurch kann Stress reduziert werden, man wieder ein bisschen mehr zu sich selbst finden und seinen Körper neu kennenlernen.
Klassischer japanischer Kriminalroman
Tokio Express von Seicho Matsumoto
Am Strand der Bucht von Hakata wird ein totes Paar gefunden, die Polizei tippt schnell auf Doppelselbstmord. Doch der altgediente Polizist Jutaro Torigal ist nicht ganz überzeugt, denn für ihn gibt es ein ungeklärtes Detail. Da der tote junge Mann eine gewisse Rolle in einem Korruptionsfall hatte, ist man bei der ermittelnden Dienststelle in Tokio nicht sehr glücklich über seinen Tod, doch Torigals Zweifel stößt auch hier neue Ermittlungen an.
Diese Ermittlungen Kiichi Miharas sind von Höhen und Tiefen geprägt, immer wieder steht er mit vielversprechenden Ansätzen vor dem Nichts, gibt aber nicht auf, so dass er am Ende den Fall zufriedenstellend lösen kann. Da das Ganze viel mit Zugfahrplänen zu tun hat, die erste deutsche Übersetzung 1958 hatte daher auch den Titel „Spiel mit dem Fahrplan“, kann das manchmal beim Lesen etwas verwirren, ein bisschen Aufmerksamkeit ist da schon von Nöten. Dann kann man als Leser:in aber auch miträtseln, und vielleicht selbst hinter das eine oder andere Geheimnis kommen. Dennoch gibt es natürlich auch hier unerwartete Wendungen und Sackgassen. Die beiden Karten zu Beginn des Romans erleichtern es, den diversen Reisebewegungen zu folgen.
Der Protagonist ist eindeutig Kiichi Mihara, auch wenn dieser nicht von Anfang an dabei ist. Er war mir schnell sympathisch, und ich habe mit ihm mitgefühlt, wenn er das Gefühl hatte, nicht weiter zu wissen. Auch Jutaro Torigal lernt man ein bisschen besser kennen, großen Raum im Roman nimmt er zwar nicht ein, dafür bringt er wichtige Ideen ein. Weitere Charaktere bleiben blass, spielen aber auch nur Nebenrollen. Man muss auch bedenken, wie kurz der Roman ist.
Mich hat neben dem Titel auch das Cover angesprochen, erst im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass der Roman bereits fast 70 Jahre alt ist, das Original wurde 1958 veröffentlicht. Es handelt sich also um einen klassischen japanischen Kriminalfall, der produktive Autor ist zudem in Japan sehr bekannt, wurde bisher aber noch wenig auf Deutsch veröffentlicht. Vielleicht ändert sich das nun.
„Tokio Express“ ist ein älterer Kriminalroman, der nun neu aufgelegt wurde. Im Grunde erscheint er mir zeitlos zu sein. Ich habe ihn gespannt gelesen und hoffe auf weitere deutsche Veröffentlichungen Seicho Matsumotos.
Ich bin gegeistert!
We hunt the Flame von Hafsah Faizal
Früher gab es in Arawiya Magie, doch dann verschwand diese und verschiedene Flüche kamen über die Kalifate. Gleichzeitig entstand der Arz, ein Wald, in dem Finsternis herrscht, wer in ihn geht, kommt normalerweise nicht mehr heraus.
Das Kalifat Demenhur ist die Heimat Zafiras, hier herrscht nun Kälte und Schnee.
Zafira gelingt es als einzige, den Arz zu betreten und ihn heil wieder zu verlassen. So wurde sie zum Jäger, der seine Leute mit im Arz gejagtem Wild versorgt. Dass sie eine Frau ist, muss sie verheimlichen, denn Frauen sind in diesem Kalifat wenig wert.
Nasir ist der Kronprinz von Sarasin, aber auch der Prinz des Todes, denn er wurde zum Haschaschinen, zum Meuchelmörder ausgebildet, und wird von seinem Vater, dem Sultan, auf dessen Feinde angesetzt.
Beide, Zafira und Nasir, erhalten jeweils den Auftrag ein Buch von der Insel Sharr zu holen, eine Insel voller Monster. Nasirs Auftrag enthält außerdem den Tod Zafiras.
Der Roman spielt in einem orientalischen Setting und erzählt die Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven Nasirs und Zafiras. Die Autorin geht dabei tief in beider Gedanken und Emotionen, so dass man ihnen sehr nahe kommt, auch Nasir, denn hinter ihm steckt mehr als nur ein Mörder.
Neben den beiden gibt es weitere Charaktere, über die man ebenfalls viel erfährt, und die durchaus auch Überraschungen zu bieten haben. Im Laufe der Geschichte habe ich immer mehr gehofft, dass alle das Geschehen heil überstehen. Haben sie das? Nun, am besten lest ihr selbst die Geschichte.
Eine Geschichte übrigens, die sehr spannend ist, hatte mich zunächst vor allem das Setting gepackt, war es auch bald die Entwicklung, die die Erzählung nimmt. Es handelt sich hier übrigens um den ersten Band einer Dilogie, so dass die Geschichte am Ende noch nicht auserzählt ist. Zum Glück ist der zweite Band ebenfalls schon erschienen, so dass man direkt weiterlesen kann.
Neben den einführenden Charakterillustrationen zu Zafira und Nasir gibt es eine Karte, und im Anhang ein Glossar, in dem auch die Personen und die Orte aufgeführt sind. Die Illustrationen hatte ich schnell vergessen, und mir die Charaktere selbst anders vorgestellt. Das Glossar kann hilfreich sein, im Text gibt es zum Beispiel immer wieder orientalische Worte. Allerdings werden diese entweder direkt erklärt, ihre Bedeutungen ergeben sich aus dem Kontext oder können leicht erraten werden.
Der erste Band der Dilogie punktet mit einem interessanten Setting, gelungenen Charakteren und einer spannenden Geschichte. Ich bin begeistert!
Wunderschön
Das letzte Einhorn Das letzte Einhorn von Peter S. Beagle; Peter B. Gillis
Ich glaube, die Geschichte um das vermeintlich letzte Einhorn und den Roten Stier kennt jede:r, oder? Ich verzichte also dieses Mal auf eine Kurzzusammenfassung.
Bisher kannte ich selbst nur den Film, mehrfach gesehen, immer sehr gemocht, auch wenn er manchmal bedrückend ist, aber auch einfach schön.
Auch die Animation an sich mochte ich immer sehr. Den Roman habe ich bisher noch nicht gelesen, wird aber sicher nicht mehr lange dauern, denn nun bin ich wieder einmal sehr neugierig auf ihn.
Auch diese Graphic Novel ist wirklich wunderschön, die Zeichnungen erinnern an den Film, haben aber auch ihren eigenen Charme. Schnell haben sie mich gefangen genommen, und viele Panele würde ich mir so direkt an die Wand hängen. Die Zeichnungen sind sehr ausdrucksstark, und vor allem das Einhorn, in seinen zwei Formen, wunderschön. Auch wenn man die Geschichte ja schon kennt, liest und schaut man hier sehr gerne.
Über die Geschichte muss man wohl nichts mehr sagen, sie ist einfach schön und geht ans Herz, das wird hier auch noch einmal deutlich.
Am Ende gibt es ein paar Extras: Zeichnungen und Interviews mit Peter S. Beagle und Peter Gilis.
Die Graphic Novel zu Peter S. Beagles Geschichte um das letzte Einhorn ist wunderbar gelungen, schöne, ausdrucksstarke Zeichnungen machen sie zu einem wahren Schmuckstück.
Lesenswerte Anthologie
Sternenglut - Überleben auf dem schwarzen Planeten von Szosha Kramer; O. E. Wendt; Mary Stormhouse; R. M. Amerein; Matilda Best; Aybiline I. Dahlson; Katharina Maier; Alexander Lenz
Die vierte Sternenglut-Anthologie enthält acht Geschichten bereits aus den Vorgängern bekannter Autor:innen. Dieses Mal ist das Thema „Überleben auf dem schwarzen Planeten“, welches auf vielfältige und interessante Weise verarbeitet wurde.
Wie meist bei Anthologien, hat mir nicht jede Geschichte gut gefallen, die meisten aber schon.
Besonders gut fand ich zum einen „Sturmreiter“ von R. M. Amerein, in der die Menschheit nur noch in einer einzigen Stadt wohnen kann, der Rest der Welt ist verbrannt. Aber auch diese Stadt ist in Gefahr, denn immer wieder gibt es neue Feuerstürme, die bekämpft werden müssen, und obendrein feurige Monster mit sich bringen. Der Protagonist erzählt seine bedrückende Geschichte in Ich-Form, so dass man als Leser:in nicht nur dicht dabei ist, sondern auch sehr berührt wird.
Auch sehr gut gefallen hat mir „Freiheit heißt Licht! von Aybiline I. Dahlson, deren Protagonistin sich als Mensch auf einem Planeten ohne Licht als Diebin durchschlagen muss. Als sie einen besonders reichen Besucher des Planeten bestiehlt, wird ihr Leben auf den Kopf gestellt.
Besonders originell ist Alexander Lenz‘ „Das letzte Level“, der das Thema mit einem Computerspiel verbindet, das aus den Fugen gerät. Eine weitere Geschichte hat mir gut gefallen, das Ende aber gar nicht, da es mir ein großes Fragezeichen bescherte, hier fragte ich mich, ob es sich womöglich um den Beginn einer längeren Geschichte handeln könnte, was ich ohne verständliches Ende nicht gutheißen würde.
Nur eine Geschichte hat mir gar nicht gefallen.
Auch die vierte Anthologie der Autor:innen-Gruppe ist wieder lesenswert, auch wenn mir nicht jede Geschichte gut gefallen hat, unterm Strich haben mich die meisten aber gut unterhalten.
Ein wichtiges Buch
Den Bach rauf von Robert Habeck
Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Kanzlerkandidat und Buchautor, hat ein neues Buch geschrieben. Schon am Titel erkennt man den Optimismus, den Robert Habeck hier vermitteln möchte. Die Zeiten, ich schreibe dies Anfang Februar 2025, sind düster, Neuwahlen stehen an, man weiß nicht, was kommen wird, da braucht es einen Silberstreifen am Horizont.
Robert Habeck ist für mich nicht nur sympathisch, sondern auch klug, kompromissbereit, kompetent und integer, er hat Visionen, die mich ansprechen, er weiß komplexe Sachverhalte gut zu vermitteln und er verfällt nicht dem Populismus, der leider derzeit umgeht. Er gibt viele Fakenews um ihn und seine Politik, er muss Hass und Hetze aushalten, und gibt dennoch nicht auf, im Gegenteil, für ihn zählt offenbar jetzt erst recht.
Dies kann man auch diesem Buch entnehmen. Er zieht nicht nur Bilanz, sondern gibt auch Fehler zu, benennt, wie man es hätte besser machen können, sieht aber auch, dass man nicht immer alles vorausahnen kann, man auch Kompromisse eingehen muss. Zeigt auf, wo gute Dingen gelungen sind, und wie man, vielleicht noch besser, in die Zukunft starten könnte. Denn die Zukunft ist etwas, was man immer im Blick haben muss, nicht nur für spätere Generationen, sondern auch für uns selbst, denn wir leben ja nicht nur heute.
Mir gefällt auch gut, dass er, auch negative, Beispiele bringt und Geschichten erzählt, die ihm selbst passiert sind. Und dass er Lösungen sucht, die gemeinsam angegangen werden können, denn auch die Probleme betreffen ja alle. Man muss es nur wollen, miteinander sprechen und eben auch mal Kompromisse finden. Das kann anstrengend sein, aber auch befriedigend. Und manchmal eben auch etwas erzeugen, was nur halbgut ist, aber besser, als gar nichts gemacht zu haben.
Ich finde, dieses Buch sollte jeder lesen, auch, wenn man kein Fan Robert Habecks ist. Einfach mal den Mann selbst sprechen lassen, statt nur die anzuhören, die über ihn sprechen, wäre doch eine Option, oder? Vielleicht wandelt sich die Einstellung ja, zumindest etwas? Wer Robert Habeck sowieso schon mag, erhält vielleicht ein paar neue Argumente, auch gegen Populisten und Demokratiefeinde.
Sehr spannend, aber auch sehr blutig und nicht immer realistisch
Die Blutliste von Rainer Löffler
Auf dem Friedhof in Köln Worringen wird ein bestialisch ermordeter Toter im Grab einer vor Jahren ermordeten jungen Frau gefunden, ihre Leiche dagegen fehlt. Die Kölner Kriminalpolizei ruft wieder einmal den Fallanalytiker Martin Abel zu Hilfe. Eigentlich reist er nicht gerne nach Köln, doch schließlich wird der Fall ihn unerwartet persönlich treffen.
Vor ein paar Jahren las ich den ersten Band der Reihe, der mir gut gefallen hat. „Die Blutliste“ ist bereits der vierte Band, was aber nicht weiter stört. Der Roman hat mich schnell gepackt und entwickelte sich zum Pageturner, der mich abends länger lesen ließ als geplant. Bereits relativ früh, bei etwa Zweidrittel des Romans, erfährt man als Leser:in, wer der Täter ist und damit auch seine Vorgeschichte und Motivation. Tatsächlich ist er jemand, für den man auch Mitleid empfinden kann, trotz der furchtbaren Dinge, die er tut. Diese Dinge erfährt man im Roman recht ausführlich, wodurch er sich nicht für zartbesaitete Naturen eignet, zumal hier auf sehr extreme Weise gemordet wird.
Die Charaktere sind okay, Martin Abel ist mir recht sympathisch und die aus Gummersbach hinzugezogene Kollegin Doris Stange ein guter Sidekick. Da ich selbst schon sehr lange in Köln lebe, mag ich es immer wieder gerne, Romane zu lesen, die hier spielen, vor allem, wenn ich Örtlichkeiten kenne und Wege nachvollziehen kann, wie das hier der Fall ist.
Leider, muss ich sagen, dass der Roman öfter unrealistisch wirkt, auch nicht immer logisch, und es recht viel Zufälle gibt. Das hat der Spannung zwar nicht sehr geschadet, unterm Strich hat es mich aber doch gestört. Manche Frage ist in meinen Augen zudem nicht oder nicht ausreichend beantwortet worden, dafür hatte ich manches schon vorher geahnt, wenn auch lange nicht alles. Was mich auch gestört hat, ist die Sache mit dem Wolf, die ich aus Spoilergründen hier aber nicht näher erklären kann,. Für mich war das eine nicht nur sehr unrealistische sondern vor allem auch nicht notwendige Storyline.
Der Roman ist zwar so spannend, dass er mich vom Schlafen abgehalten hat, aber auch sehr unrealistisch und zufällig, so dass ich keine volle Punktzahl geben möchte. Allzu zartbesaitet sollte man als Leser:in nicht sein, denn es wird sehr blutig und grausam.
Vor allem an der Protagonistin hapert es für mich
Tod am Semmering von Beate Maly
Österreich 1922: Für den Apotheker Anton Böck und seine Mieterin Ernestine Kirsch, Lehrerin im Ruhestand, ergibt sich die Gelegenheit, an den Semmering reisen und dort im berühmten Hotel Panhans an einem Tangolehrgang teilnehmen. Nicht lange nach der Ankunft stirbt ein Teilnehmer, der sich vorher schon durch seine Art unbeliebt gemacht hatte.
Leider ist das Hotel mittlerweile durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten, so dass Ernestine es übernimmt, schon einmal mit den Ermittlungen zu beginnen.
Dies ist der erste Band einer Reihe um Anton und Ernestine, die mittlerweile bereits einige Bände verzeichnet. Vieles erinnerte mich an einen Agatha Christie-Krimi, nicht nur Setting, auch die verschiedenen Charaktere könnten einem dieser Romane entsprungen sein. Ernestine hat zwar eher weniger Ähnlichkeiten mit der Miss Marple aus den Romanen, aber, auch durch ihren Begleiter, mehr mit Margaret Rutherfords Miss Marple-Darstellung.
Mochte ich zunächst Ernestine ganz gern, ging sie mir leider schnell auf die Nerven, ihre überbordende Neugier, die mich sogar einmal regelrecht anekelte, ihr ebenso übertriebener Aktionismus, mit dem sie nicht nur sich selbst in manch peinliche oder gar gefährliche Situationen brachte, sagen mit einfach nicht zu. Ganz anders Anton, der einfach nett ist, unter Ernestines Aktionismus mehr als einmal zu leiden hat, und der gerne isst, wodurch man erfährt, welche Leckereien das Hotel auftischt. Die anderen Charaktere eignen sich fast alle als Täter:innen, so dass man selbst ständig am Rätseln ist. Die Auflösung sagte mir persönlich, obwohl sie nicht unlogisch ist, nicht zu, ich fand sie etwas zu weit hergeholt.
Das Setting, das eingeschneite Luxushotel mit einem überschaubaren Figurenensemble hat mir gut gefallen, zumal das Hotel keine Erfindung der Autorin ist. Die Atmosphäre von Eis, Schnee und Kälte, und des Eingesperrtseins mit jemandem, der mordet, ist gelungen.
Leider hat mich der Roman unterm Strich nicht so überzeugen können, wie ich es mir gewünscht hätte. Das Setting und die Atmosphäre sind gelungen, aber die Protagonistin ging mir schnell auf die Nerven, die Auflösung mochte ich persönlich nicht, so dass ich wahrscheinlich auf weitere Bände dieser Reihe verzichten werde.
Ein Buch, das von vielen gelesen werden sollte
Du hast die Wahl SPIEGEL Bestseller Platz 1 von Marc Raschke
Marc Raschke ist ausgebildeter Journalist, studierter Politik- und Kulturwissenschaftler sowie Historiker, außerdem ist er ein sogenannter Politik-Influencer. Er kennt sich also aus. Ich folge ihm schon länger auf Instagram, weswegen ich bei diesem Buch auch direkt zugegriffen habe.
Der Autor will sozusagen Wahlhelfer sein, und den Lesenden befähigen, sich gegen den Rechtsruck, den es in Deutschland leider gibt, zu stellen.
Zu Beginn gibt er das Versprechen, mehr Orientierung für die vorgezogene Bundestagswahl 2025 zu geben, dafür sollen die Lesenden ihm versprechen, zu wählen. Ich hoffe, das werden sie auch tun.
Rechtsruck ist leider aktuell nicht nur auf die AfD gemünzt, sondern auch auf die CDU/CSU. Aktuell, ich schreibe diese Rezension Ende Januar 2025, wird das leider sehr deutlich. Marc Raschke stellt in diesem Buch heraus, wo es gerade heftig schiefläuft. Da gibt es falsche Informationen beziehungsweise Fake News, da wird gehetzt und werden Dinge hochgespielt, um andere, womöglich wichtigere, zu übertönen, dafür anderes einfach ignoriert. Da wird sich einer zumindest in Teilen gesichert rechtsextremen Partei angebiedert und deren Narrative übernommen. Populisten übernehmen das Feld. All das belegt Marc Raschke über Fußnoten beziehungsweise im Anhang mit Quellen, die jede:r nachprüfen kann. Somit erhält man auch Argumente gegen Fake News und Populisten.
Was sollte wichtig sein, für die Entscheidung, wen man wählt? Welche Partei ist für Deutschland, für die Menschen, die hier leben, am besten, lässt man mal all den Populismus und die Fake News beiseite? Am Ende des Buches sollte eigentlich jede:r zumindest darüber sinnvoll nachdenken können.
Mir und vielen anderen macht es Angst, was derzeit in unserem Land passiert, und auch, wie schnell es soweit kommen konnte. Hoffen wir, dass wir noch rechtzeitig die Reißleine ziehen können. Vielleicht kann dieses Buch seinen Teil dazu beitragen, es muss nur von vielen gelesen werden!











