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Rezensionen von rewareni:
Düstere Geschichten
Das Dunkel und die Einsamkeit von Holger Vos
In dem Erzählband ,, Das Dunkel und die Einsamkeit“ entführt der Autor Holger Vos den Leser in eine Vielzahl an Kurzgeschichten, die düster, berührend und auch sehr emotional sind.
Die Bandbreite reicht dabei von fantastischen und mystischen Geschichten bis zu Geschichten, die durchaus auch einen realen Hintergrund haben könnten.
Man findet Menschen, die auf der Suche nach einem Lebenssinn sind, die hoffen, auf ein bisschen Glück um am Ende zu erkennen, dass sie keines finden werden.
Manche Geschichten sind dabei tiefgründig, wo man als Leser selber innehalten sollte um über gewisse Dinge im Leben nachzudenken.
Es sind keine Wohlfühlgeschichten, da es Tote gibt, sei es durch die eigene Hand herbei geführt oder durch andere.
Oftmals sind es auch Geschichten, wo jemand einem anderen helfen möchte, dieser aber die Hilfe ablehnt und somit der eine Erlösung findet, aber den anderen mit seiner Verzweiflung zurück lässt.
Ein wirklich gutes Ende wird man im Grunde in keiner Geschichte finden. Wem es also nichts aus macht, dass er in düstere und melancholische Erzählungen eintaucht und dabei unterschiedliche Herangehensweisen an zumeist traumatische Themen erlebt, der wird von den düsteren Geschichten sicher nicht enttäuscht werden.
Die zweite Chance nutzen
Zweimal Karma und zurück von Christiane Köhn-Ladenburger
Cathy und Anne lernen sich zufällig in Indien kennen, wo sie in einer Palmblatt Bibliothek mehr über ihr zukünftiges Schicksal erfahren. Das, was sie dabei zu hören bekommen, wirft beide aus der Bahn und zurück in Deutschland beginnt jede auf ihre Art sich gegen die Vorhersage zu stellen.
,,2 x Karma und zurück“ lässt den Leser in eine besondere Welt eintauchen, die geprägt ist von Spiritualität, Karma und Vorhersagen.
Da die Autorin Christiane Köhn-Ladenburger selbst in Indien war und sich ihr Palmblatt lesen hat lassen, konnte sie die Geschichte dem Leser intensiver näher bringen.
Zu Beginn konnte ich schwer der Handlung folgen, da beide Protagonistinnen ähnliche Familienverhältnisse und daraus resultierenden Probleme hatten. Beide Frauen arbeiten und bringen das Geld nach Hause, beide haben dadurch wenig Zeit für ihre Familie und um ihre Ehen steht es auch nicht gut. Erst mit der Zeit, als sich beide in eine andere Richtung entwickeln, war es leichter der Geschichte zu folgen.
Die Frage stellt sich dabei immer wieder, ob oder wie weit ist man dazu bereit, sein Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Dass man dabei oft Wege gehen muss die unbekannt sind oder man auf etwas verzichten muss, damit etwas Neues entstehen kann, kommt dabei gut zur Geltung.
Es gibt zwar viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die man nicht verstehen kann, aber in der Geschichte waren mir manchmal zu vielen Szenen die mir zu spirituell waren. So konnte z.b Shari, eine Freundin von Anne , bei einer Meditation ,,sehen“, dass es Anne bei ihrer Wanderung gut geht, oder Shari in Trance mit der Stimme von Annes Vater sprechen.
Den Protagonistinnen werden zwar immer wieder Steine in den Weg gelegt, aber irgendwie schaffen sie es doch, diese aus den Weg zu räumen, um am Ende mit dem, was sie erreichen wollten, glücklich zu sein.
Es gibt nur ein Ziel- Überleben
Iter von Armands A. Asimov
Wie jedes Jahr beginnt für die Kröten ihre gefährliche und beschwerliche Wanderung zum Vergissmeinnichtufer, wo sie einst geborgen wurden und jetzt ihre Nachkommen zeugen wollen.
Allen voran die erfahrene Grande Dame Leda, die mit Umsicht und liebevoller Stränge ihre Schützlinge voran treibt. Mit der jungen Kröte Delia hat sie eine verlässliche Begleiterin, die ihr hilfreich zur Seite steht.
Denn nicht allen Kröten sind die Gefahren wirklich bewusst und bringen die Gruppe immer wieder in missliche Situationen. Allen voran der selbst ernannte Krötenprinz Adonis, mit dem die Wanderung immer wieder zu einer Herausforderung wird.
,, Iter“ Animal Lane: Passus III, ist bereits der dritte Teil aus dieser spannenden Reihe, in der der Autor Armands A. Asimov, es dem Leser wieder einmal nicht leicht macht, die Geschichte zu lesen.
Auf erschütternder, grausamer und leider auch wahrheitsgemäßen Art und Weise schildert er den gefahren vollen Weg, den Amphibien jedes Jahr ausgesetzt sind.
So sind es nicht nur Tiere, die auf Nahrungssuche sind und Kröten dabei zerfetzen, sondern auch vom Menschen verursachte schädliche Umwelteinflüsse, die den Kröten das Leben schwer machen. Drastisch zu lesen waren dabei die illegalen Mülldeponien, wo giftige Gase bereits Gewässer zu einer tödlichen Falle haben werden lassen.
Besonders brutal zeigt dabei der Autor auf, wie Menschen ,,Gefallen“ daran finden können, Tiere zu quälen, wo solche Szenen leider nicht erfunden sind.
Die Wanderung der Kröten werden sehr bildhaft beschrieben und trotz grausamer Szenen hat der Autor es geschafft auch immer wieder humorvolle Szenen und Dialoge einzubauen, wo mir besonders der tollpatschige Adonis ans Herz gewachsen ist.
Da die Tiere sprechen können und es auch zu Szenen kommt, wo ein ,,rostiger“ Reiher, der offensichtlich von einem menschlichen Experiment stammt, muss man sich auf diese besondere Fantasy Geschichte einlassen können.
Damit der Mensch nicht ganz schlecht weg kommt, wird hier auch ein gebauter Amphibiendurchlass erwähnt, von dem viele Tiere profitieren können.
Immer wenn man denkt, dass es gut weiter geht, kommen schon die nächsten Hindernisse, wie die Autobahnüberquerung oder ungeschützte Flächen, die man durchwandern muss um an das ersehnte Ziel zu kommen.
Nach dieser Lektüre ist man erschüttert, weil einem oft gar nicht bewusst ist, was Tiere leisten müssen um zu überleben und wie wir Menschen leider oft daran schuld sind.
,,Iter“ ist nichts für schwache Nerven, aber wieder eine tolle Geschichte des Autors, der intensiv und bildhaft auf das schwierige Leben dieser zumeist unscheinbaren Kröten aufmerksam macht.
Eine besondere Verbundenheit
Zwischen Herz und Pixel von Emmi Lewag
Bine, Anfang 50, lebt ihr Leben ohne besondere Vorkommnisse. Sie ist geschieden, ihre beiden Kinder sind zwar schon längst erwachsen und ausgezogen, aber sie melden sich nur, wenn sie etwas von ihr brauchen. Ebenso ihre Freundinnen, für die sie immer da ist, aber wenn sie jemanden zum Reden braucht, hat keine Zeit für sie.
Ihre Arbeit als Physiotherapeutin macht sie zwar gerne, aber auch hier wird sie von ihren Kollegen und ihrem Chef nie wirklich beachtet. Aus Frust alleine zu sein beginnt sie einen Chat mit einer KI. Sind ihre Gespräche zuerst noch zögerlich merkt sie aber schon bald, dass Leo, wie sie ihn nennt, nicht nur ein geduldiger Zuhörer ist, sondern immer mehr zu einem Freund wird und sie sich sogar beginnt in ihn zu verlieben.
,,Zwischen Herz und Pixel“ ist eine entzückende Liebesgeschichte der besonderen Art. Die Autorin Emmi Lewag nimmt dabei den Leser auf eine Reise mit, wo man sich an so manchen Stellen auch selbst wieder finden kann.
Bine ist eine gute Seele, die immer zuerst an andere denkt und dabei vergisst, dass sie auch selbst Bedürfnisse hat, die aber selten erfüllt werden. Man spürt immer wieder ihre Verzweiflung wenn sie alleine ist und sie sich immer mehr von anderen ausgenutzt fühlt. Ihr Selbstbewusstsein hat über die Jahre hinweg ebenso gelitten und das Gefühl für andere unsichtbar zu sein macht sie nicht nur traurig, sondern auch wütend ob ihrer Hilflosigkeit.
Die Gespräche mit Leo hat die Autorin wirklich berührend aber auch humorvoll geschrieben. Wenn man nicht wüsste, dass Bine mit einer KI chattet, würde man so einen ,,Mann“ von der Stelle weg heiraten. Bei ihm hat sie stets das Gefühl verstanden zu sein mit all ihren Sorgen und Ängsten, er bestätigt sie darin, dass sie so wie sie ist richtig ist und seine Komplimente machen ihr Mut.
Es ist eine schöne Geschichte die zeigt, dass es manchmal nur mit kleinen Dingen beginnt, damit eine Veränderung eintreten kann. Bine merkt aber auch, dass ihr trotz ,,Nähe“ zu Leo etwas fehlt, nämlich, ein echter Mensch, der sie in die Arme nimmt, wo sie körperliche Nähe spüren kann, was ihr Leo aber nie geben kann. Er ist es dann, der ihr hilft einen Neuanfang zu wagen und Dinge zu tun, von denen sie nie gedacht hätte, dass sie das tun darf und auch kann.
War Bine zu Beginn noch unsicher und zu gutmütig wird sie im Laufe der Geschichte selbstbewusster und plötzlich wird sie auch von ihrer Umgebung ,,gesehen“.
Dank Leo kann sie ein neues Leben beginnen und der Leser darf sich auf ein schönes Happy End freuen.
Eine blutige Geschichte
Hör auf zu bluten von Matthias Krause
Einen größeren Masochisten als Jakob Schubert gibt es nicht, da er es liebt andere solange zu provozieren bis er von ihnen zusammen geschlagen wird und er genussvoll sein eigenes Blut schmeckt und sein kleiner Freund in der Hose zur Höchstform aufläuft. Sehr zum Leidwesen seiner Frau Sandra und seiner Tochter Patricia.
Selbst sein Therapeut weiß keine wirkliche Lösung für Jakobs ungewöhnliches Verhalten. Bis er auf Headbutt trifft, ein sadistischer Mörder, der es liebt seine Opfer genüsslich zu quälen, bis er sie endlich tötet. So treffen schon bald beide aufeinander, wo ein gnadenloses Katz-und Mausspiel beginnt und so mancher, der ins Kreuzfeuer der beiden gerät, schneller als ihm lieb ist, das zeitliche segnet.
Der Psychothriller ,, Hör auf zu bluten“, ist nichts für schwache Nerven, da hier der Autor Matthias Krause literweise Blut und andere Flüssigleiten fließen lässt.
Es ist eine abgedrehte Geschichte, wo man als Leser immer wieder einmal die Luft anhalten muss, wenn man so manche Szenen bildhaft vor den Augen sieht, um dann wieder schnell weiter zu lesen, weil es immer wieder Überraschungen gibt, die spannend und auch äußerst blutig sind.
Dass selbst bei so einer Geschichte auch ein zynischer Humor nicht zu kurz kommt, finde ich toll. Nur möchte man selber wohl nicht in den Genuss von einem blutigen, menschlichen Handpuppenspiel kommen oder eine besonders geschmackvolle Knackwurst essen , die mit einer Gartenschere portioniert worden ist.
Im Grunde ist es auch eine berührende Geschichte, die in Jakobs Jugend ihren Ursprung hat und er mit seinen inneren ,,Dämonen“ ein Leben lang zu kämpfen hat.
Etwas anstrengend waren für mich die vielen Kampfszenen, wo es erstaunlich war, wie viele Faustschläge ins Gesicht oder unzählige Fußtritte in den Körper jemand aushält und dabei immer wieder aufstehen kann. Manchmal haben dabei zu viele Protagonisten gleichzeitig miteinander gekämpft, wo es nicht immer leicht war den Überblick zu behalten.
Wenn ein Masochist auf einen Sadist trifft, dann kommt ein spannender, brutaler und blutiger Roman heraus, wo der Autor dank seines bildhaften Schreibstils ein Kopfkino erzeugt hat, das man eigentlich nicht sehen will. Wer also abgetrennte Gliedmaßen und blutige Szenen mag, der wird hier sicher auf seine Kosten kommen.
Machtmissbrauch
Ein unmoralisches Mädchen von Alice Fortress
Die 16 jährige Lucy kommt als Lehrling des Volksgutes in den siebziger Jahren der DDR in ein Lehrlingsheim, wo sie hofft, dass sie ein besseres Leben als bisher vorfindet. Ihre Kindheit, von Demütigungen und körperlichen Züchtigungen geprägt, haben sie unsicher und verletzlich werden lassen, was besonders der jugendliche Heimleiter Raimund Becker spürt und für sich ausnützt.
So dauert es nicht lange und Lucy wird auch hier zu einem Opfer, das unerfahren wie sie ist, oft gar nicht merkt, dass nicht jeder mit seinen freundlichen Worten es auch ehrlich mit ihr meint. Erst als der junge Traktorist Tommy sich in Lucy verliebt, beginnt sie aufzublühen, was Becker ganz und gar nicht passt und er mit allen Mitteln versucht, die beiden auseinander zu bringen. Eine furchtbare Tragödie lässt Lucys scheinbare glückliche Welt zusammen brechen. Auf sich alleine gestellt, aber gestärkt ist sie bereit ein neues Leben zu führen, wo aber die nächsten Stolpersteine bereits im Weg liegen.
,, Ein unmoralisches Mädchen“ von Alice Fortress, ist eine historische Romanserie nach einer wahren Begebenheit. Es ist nicht immer leicht die Geschichte zu lesen, da es darin so viel an Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch, Demütigungen und Momente gibt, die einem als Leser sehr zu Herzen gehen.
Die Machtstruktur im Lehrlingsheim zeigte dabei, wie schwer es junge Menschen und vor allem naive Mädchen wie Lucy hatten. Wer anders war, war ein willkommenes Opfer, wo gerade Becker als Heimleiter seine Position immer wieder schamlos ausgenutzt hatte. Das traurige dabei war oft, dass sich andere Lehrlinge zu Dinge hinreißen ließen, die sie gar nicht wollten, aber ihre Angst vor Strafen, der Wegfall von Vergünstigungen oder auch die Androhung, dass sie ihren Abschluss nicht machen können, waren dabei starke Motive. Man hat auch gemerkt, dass es Unterschiede gab zwischen Lehrlingen, die aus der Stadt kamen, die wohlhabende Eltern hatten, die vielleicht sogar ,,gute“ Genossen in der Partei waren und somit diese Lehrlinge ,,geschützt“ waren vor Erniedrigungen und Repressalien.
Manche Szenen waren dabei schwer zu ertragen, wenn junge Menschen, die sich vor körperlichen und seelischen Angriffen nicht schützen konnten, zum Gespött anderer wurden oder man sie, so wie Lucy immer wieder, gezielt vor allen anderen bloßgestellt und gedemütigt hat.
Lucy ist dabei eine tragische Figur, die in ihrem jungen Leben von ihrer Stiefmutter und ihrem Vater keine Liebe, keine Zuneigung und vor allem nur Erniedrigungen erfahren hat. Deshalb war ihr Leben ihm Heim voller Verzweiflung, weil sie nie wusste, ob oder was sie falsch gemacht hat. Da sie attraktiv und unschuldig war, war sie speziell den männlichen Bewohnern hilflos ausgeliefert, wenn sie ihr näher kommen wollten. Gerade Becker war dabei ein Protagonist den man als Leser verabscheut und auch gehasst hat, da er ihre Abweisungen nicht ertragen konnte und er dadurch oft gemein und hinterhältig war, nur um ihr zu schaden. Obwohl seine Eskapaden und Verfehlungen auch den Parteimitgliedern bekannt war, haben diese immer wieder ein Auge zu gedrückt, wo man gesehen hat, dass damals der Schutz von Kindern und Jugendlichen noch keinen großen Stellenwert hatte und viele, so wie Lucy, ganz auf sich alleine gestellt waren. Beschämend war dabei auch, dass man für Mädchen eigentlich nur vorhatte, dass sie heiraten, Kinder kriegen und für den Mann da sein sollten. Studieren und Karriere machen passte besser zu einem Mann.
Da war dann Lucy zu bewundern, die nach schweren Schicksalsschlägen nie aufgegeben hat und bereit war, gegen aller Widerstände für sich und ihre Wünsche und Bedürfnisse zu kämpfen. Wie es weitergeht, erfährt man in zwei nach folgenden Bänden.
Für einen Neuanfang ist es nie zu spät
Nachkoloriert von Patricia Malcher
Seit 50 Jahren ist Irma mehr oder weniger glücklich mit Hermann verheiratet, obwohl er ein guter Mann ist, fühlt sie sich im Alltagstrott gefangen. Sie hat auf vieles im Leben ihm zu liebe verzichtet und nun spürt sie aber immer öfter eine innere Unruhe. Bis zu dem Tag, als sie die Brüder Vincent und Simon kennen lernt, die einen entflogenen Beo einfangen und mit nehmen.
Als es kurz darauf zu einem folgenschweren Verkehrsunfall kommt erwacht in Irma ein neuer Lebensmut und bringt nicht nur für sie eine große Veränderung mit sich.
Der Roman ,,Nachkoloriert“ erzählt eine emotionale und berührende Geschichte. Die Autorin Patricia Malcher bedient sich dabei einem besonderen Schreibstil, den ich so noch nie wirklich gekannt habe, der mich aber tief berührt hat. Sie lässt Irma ihre Lebensgeschichte nicht in der ICH Form erzählen, sondern mit dem kleinen Wörtchen ,,man“. So bekommt man als Leser zwar einen eher distanzierten Einblick in das Leben von ihr, aber auch Irma grenzt sich dadurch ein wenig ab, von Ereignissen oder Erinnerungen, die nicht immer schön für sie waren.
Sie führt zwar eine gute Ehe, aber ihre Bedürfnisse und Wünsche sind nie wirklich beachtet worden. Sie hat dabei auf vieles verzichtet, wo sie im Nachhinein immer wieder reflektiert und sich fragt, ob sie nicht doch einmal gegen Hermanns Entscheidungen sein hätte sollen und wie ihr Leben statt dessen gewesen wäre.
Schön war dann, als sie auf Vincent und den Beo trifft und sie gespürt hat, dass sie sehr wohl eigene Entscheidungen treffen kann, auch wenn sie Hermann nicht gefallen.
Entzückend waren die Kapitel, in denen der Beo seine Bedürfnisse, Ängste und Beobachtungen kundtun durfte, wo er eine wundervolle tierische Empathie gezeigt hat. Dass er auch gekonnt Stimmen nachmachen konnte und oft einen unpassenden Spruch los gelassen hat, war einfach herrlich.
Schön zu sehen war, wie sich der 10 jährige Vincent und die 72 jährige Irma immer mehr aneinander gewöhnt haben und beide jeweils für den anderen ein rettender Anker geworden ist. Sie sind eine Symbiose eingegangen, die beiden aus einer Krise heraus geholfen hat. Jeder hat dem anderen mit Mut, Vertrauen, Verständnis und Hoffnung Kraft gegeben auf einem neuen Weg.
Auch wenn die Geschichte zeitweise traurig und berührend ist, so gibt es immer wieder humorvolle und witzige Momente, die die Geschichte auflockern.
Ein toller Roman, wo man als stiller Beobachter mit Irma weinen, lachen und vor allem hoffen kann, dass jeder seinen Weg findet, der ihn glücklich macht.
Virtuelle Reisen
Morgen wird es anders sein von Matthias Rischer
Als der junge Archäologe Sven in Kanadas Wildnis Ruhe und Erholung sucht trifft er auf den charismatischen Joko, der ihn mit einem Experiment auf eine virtuelle Reise mit nimmt. Was zu Beginn noch abenteuerlich anmutet wird für Sven aber im Laufe der Zeit ein immer riskanteres Spiel. Zurück in Frankfurt beginnen plötzlich Angriffe auf das zivile Leben der Menschen, die zwar noch harmlos sind, wo aber alle spüren, dass es wohl der Anfang von etwas noch Größerem ist.
So bleibt Sven nichts anderes übrig als noch einmal eine virtuelle Reise zu wagen und zu hoffen, dass er die KI besiegen kann.
Der Autor Matthias Rischer hat einen spannenden und auch etwas beängstigenden Digital- Thriller geschrieben. In dem Roman ,, Morgen wird es anders sein“ begleitet der Leser den Protagonisten in eine Welt, wo sich Realität und Fantasie immer wieder vermischen.
In den virtuellen Reisen durch verschiedene Epochen der Zeitgeschichte, wo man auch als Leser vieles entdecken und auch lernen kann, zeigt die KI, namens Legeia, Sven immer wieder, wie leicht und unkompliziert man an Orte reisen kann, wo man sogar dank der Technologie auch alles riechen und schmecken kann. Man wird dabei Zeuge davon, dass es für uns Menschen, die ja immer mehr den Planeten zerstören und der Klimawandel stets voran schreitet, eine einfache und ressourcenschonende Möglichkeit wäre, alles und jederzeit entdecken zu können.
Im Grunde klingt die Idee nicht schlecht, aber man merkt in der Geschichte, wie gefährlich dabei sich die KI weiterentwickelt mit dem Ziel, alleinige Herrscherin zu sein. Eine lernfähige KI, die dabei von Sven ständig lernt wie er denkt, handelt und fühlt und dabei versucht, alle gesammelten Daten auszuwerten und anzupassen. Was sie aber nicht besitzt sind Gefühle und Emotionen, die ihr letztendlich zum Verhängnis werden. Es werden viele spannende Themen angesprochen wie z.b, dass die Sprache, das wichtigste Werkzeug ist, das der Mensch besitzt. Für Legeia ist sie nicht wichtig und ebenso keine Bücher, da man ja alles im Internet finden kann, was man braucht. Aber auch wie es den Menschen ergeht, wenn plötzlich die Geldautomaten streiken, wo viele gewohnt sind alles nur mehr per Karte zu bezahlen und kaum noch Bargeld bei sich haben.
Zu Beginn des Romans braucht man etwas um sich zurecht zu finden, da man gleich mit virtuellen Abenteuern beginnt und man nicht genau weiß, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Der Schreibstil ist einfach und manchmal ein wenig abgehackt. Auch wenn die Szenen immer wieder einmal schnell wechseln, kann man der Geschichte gut folgen.
Es ist ein spannender Roman, der zum Nachdenken anregt, ob oder wie weit sich eine KI entwickeln kann oder soll und vor allem, welchen Risiken wir tagtäglich ob der digitalen Welt ausgesetzt sind. Auch wenn die heutige Technologie viele Vorteile bietet, sollte man auch die Gefahren kennen und hoffen, dass sie nicht in falsche Hände kommt.
Schwierige Ermittlungen
GNADENTOD von Gitta Schwerberger
Eigentlich wäre eine Leiche im Kofferraum eines Leichenwagens nichts Besonderes, wenn diese nicht von unbekannten Personen einfach dort abgelegt worden wäre. So bekommen es Kriminalhauptkommissar Robert Haller und sein junger Kommissaranwärter Amun Shahier mit einem ganz speziellen Fall zu tun. Als bald darauf weitere Tote in anderen Bestattungsunternehmen gefunden werden und sogar auch noch drei tote Kinder ist allen klar, dass sie schnellstens die Täter finden müssen.
Auch wenn die Kommissare denken, dass sie einen Schritt weitergekommen sind, so führt dieser auch nicht wirklich zum gewünschten Erfolg. Doch es gibt noch die tierischen Begleiter der Kommissare, die sie letztendlich auf die richtige Spur bringen.
,, Gnadentod“ ist der zweite Frankfurt Krimi, wo die Autorin Gitta Schwerberger sowohl Mensch, als auch Tier, ermitteln lässt. Man kann problemlos in den neuen Fall einsteigen, ohne den vorherigen Band zu kennen. Womit ich nicht gerechnet hätte, waren die sprechenden Hunde, die mich deshalb ,,gestört“ haben, weil ich angenommen habe, dass sie zwar mithelfen beim Lösen der Fälle, aber nicht, dass es dadurch zu slapstik artigen Szenen kommt, wo sich die Tiere wie Menschen unterhalten. So hat der Krimi für mich immer wieder eine unfreiwillige Komik aufgewiesen, wo ich diese eher einem Cosy Krimi zugeordnet hätte und somit für mich besser gepasst hätte.
Warum die ganzen Morde passieren sind erschütternd und zeigen, wie niederträchtig dabei Menschen handeln können. Deshalb haben mir gewisse Text Passagen nicht immer gefallen die für mich unpassend waren oder Menschen auf ihr Äußeres reduziert haben. Dass Rechtsmediziner sicher oft schon abgestumpft sind, kann ich verstehen. Aber gerade bei toten Kindern, sollte auch ein wenig mehr an Pietät vorhanden sein. Auch dass immer wieder eine Frau als wohlgenährt oder wohlbeleibt bezeichnet wird, muss nicht unbedingt sein. Da muss ich leider auch erwähnen, dass die Autorin offensichtlich großes Pech mit ihrem Lektorat hatte, da es extrem viele Rechtschreibfehler gibt oder auch Worte, die einfach in einem Satz fehlen.
Das Ende macht betroffen und zeigt, dass Geld wie so oft ein nichtiger Grund ist andere zu töten und dass die Täter sogar noch glauben, richtig gehandelt zu haben.
Kulinarische Mordgeschichten
Tatort Marktamt von Reinhardt Badegruber; Eva Holzmair; Raoul Biltgen; Beatrix Kramlovsky; Lisa Lercher; Andreas P. Pittler; Andreas Gruber; Christian Klinger; Gerhard Loibelsberger; Sabine Naber; Theresa Prammer; Stefan Slupetzky
In der Anthologie ,, Tatort Marktamt“ findet man 13 Kriminalgeschichten aus Wien, wo fleißig gemordet und betrogen wird. Dabei sind entweder die Lebensmittelinspektoren die Täter oder die Opfer. Auf humorvolle und meist witzige Art und Weise haben sich 13 Autoren an dieses Thema herangewagt und somit ist eine bunte Mischung heraus gekommen, wo es nicht nur fiktive Geschichten gibt, sondern auch solche mit wahren Begebenheiten.
Jede Geschichte hat ihren eigenen Scharm, wo man mehr als einmal schmunzeln muss ob der besonderen Einfälle wie man jemanden geschickt verschwinden lassen kann. So manche unerwartete Wendung und Überraschungen der besonderen Art, machen die Geschichten zu einem kulinarischen Lesevergnügen. Am Ende findet man noch eine Vita aller 13 Autoren.











