Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Gavroche:
Zu vorhersehbar
Fiese Brise in St. Peter-(M)Ording von Tanja Janz
Ich lese gerne mal einen cosy crime, gerne auch in einer schönen Umgebung und mit Regionalflair. Von Tanja Janz habe ich auch bereits einen Roman gelesen, der mir gut gefiel und somit war ich neugierig auf diesen Krimi. Den ersten Band aus dieser Reihe kannte ich nicht, aber das habe ich nicht als Problem empfunden.
Es beginnt auch gleich etwas mysteriös mit einem Prolog aus einer unbekannten Ich-Perspektive. Ein Dieb oder eine Diebin sucht etwas, findet es aber nicht. Diese Perspektive taucht immer mal wieder auf und gibt sich rätselhaft.
Die Polizisten Ernie und Fred werden von Helena angerufen, aus deren Schuppen ein Geschenk gestohlen wurde. Sie möchte aber nicht Anzeige erstatten, denn das jährliche Kegelturnier steht bevor. Ernies Schwester und Helenas Freundin, Ylva, die wohl schon im ersten Band ermittelt hat, will das natürlich nicht so stehen lassen. Schon bald überschattet jedoch ein Mord die Ereignisse und das Kegelturnier ist gefährdet.
Leider fand ich es es sehr offensichtlich, wer der Täter/die Täterin war und somit war die Auflösung keine große Überraschung für mich. Zwischendurch plätschert die Handlung so dahin und beschäftigt sich mit zu vielen Nebensächlichkeiten.
Schade, mir hat es leider nicht so gut gefallen, aber Geschmäcker sind eben verschieden und ich bin mir sicher, dass das Buch seine Liebhaber*innen hat.
Tolle Komposition
Lichte Tage von Sarah Winman
Die fünfzehn Sonnenblumen von Van Gogh auf dem Cover haben mich sofort neugierig auf dieses Buch gemacht und ich mag das Cover sehr.
Nach einem Prolog, der im Jahr 1950 spielt, "springt" der Roman in die 1990er Jahre und zur Geschichte von Ellis und Michael. Ich mag es, wenn das Cover im Roman eine eindeutige Rolle spielt und so ist es hier.
Für Dora und ihren Sohn Ellis ist das Bild wichtig und als Ellis Michael mit nach Hause bringt, sprechen sie oft über das Bild, van Gogh und die Provence. Die beiden Jungen fühlen sich zueinander hingezogen, aber in den 1990er Jahren ist dies nicht einfach. Sobald die beiden volljährig sind, brechen sie auf in die Provence und lassen Oxford hinter sich. Dort kommt bald eine Frau mit ins Spiel.
Ich möchte ungerne weiter auf den Inhalt eingehen, um nicht zu viel zu verraten. Dieses Buch hat mich auf jeden Fall sehr berührt und ich habe es gerne gelesen.
Daphne und Ajax
Fates & Furies 4. Doomed von Josephine Angelini
Nach vielen Jahren gibt es nun ein Prequel zur "Göttlich"- Reihe von Josephine Angelini. Die Geschichte spielt im New York des Jahres 1993. Immer wieder spielen Telefongespräche eine Rolle, oder eben der Wunsch nach einem Gespräch, aber gerade ist kein Telefon da. Heutzutage nicht mehr denkbar.
Aber nun zur Geschichte: Daphne ist die Erbin des Hauses Atreus. Sie hat das Gesicht ihrer berühmten Vorfahrin Helena von Troja. Dieses Gesicht wird über die Generation hinweg immer von der Mutter auf die Tochter übertragen. Außerdem kann sie über Blitze befehlen, da sie eine Tochter von Zeus ist, denn das göttliche Blut wird über die Generationen hinweg nicht verdünnt und ihr menschlicher Vater spielte hierbei keine Rolle. Ihre Mutter Elara hat sie verlassen und von ihrer Familie - der göttllichen - lebt nur noch ihr Onkel Deuce, der ihr beim Kampftraining immer noch viel abverlangt, obwohl er schon so alt ist. Daphne hat schon viele Umzüge hinter sich, denn ihr Gesicht macht den männlichen Teil der Menschheit verrückt. Sie kann zwar jedes weibliche Gesicht "anlegen", das sie möchte, aber nur für eine zeitlang und so muss sie sich in jeder neuen Schule mit ihrem wahren Gesicht zeigen. Freundschaften kennt sie nicht, denn die Mädchen können mit ihrer Anziehungskraft auf Männer und ihre Freunde nichts anfangen. Aber dieses Mal ist es anders, denn in Harlow findet sie eine Freundin. Als sie eines Tages in der U-Bahn-Station ein gespraytes Porträt von sich sieht, macht sie sich auf die Suche nach dem Künstler. Doch Ajax gehört zum Haus von Theben und wenn die beiden sich sehen, starten die Furien und sie wollen sich umbringen. Das ist die Last aller Scions.
Mehr möchte ich jedoch vom Inhalt nicht verraten. Eine interessante Göttergeschichte, die sicherlich zur richtigen Zeit erscheint, da das Thema griechische Mythologie gerade "in" ist. Mir gefielen die Anspielungen und Variationen der Mythologie und das Ende lässt auf eine Fortsetzung dieses Prequels hoffen. Auch gut zu lesen ohne die ursprüngliche Trilogie zu kennen, allerdings wird einiges klarer, wenn man diese kennt und es gibt auch eine unerwartete Begegnung.
Tote Liebe?
Dead Romantics von Ashley Poston
Bei diesem Buch mochte ich die Gestaltung des Covers sehr, bis auf die Hintergrundfarbe, die so gar nicht passte. Aber die beiden Hauptpersonen, die auf dem Titel liegen und jeweils ein Buch lesen und dann noch der äußerst passende Rabe, gefielen mir gut.
Florence Day ist Ghostwriterin von Liebesromanen, steckt allerdings in einer Schaffenskrise, denn ihrer Meinung nach ist die Liebe tot und sie will keine schmalzenden, triefenden Liebesromane mit Happy End mehr schreiben.
Auch ihr neuer Lektor Ben kann an ihrer Schreibblockade nichts ändern.
Dann muss Florence nach Hause, denn ihr Vater ist gestorben. Und er ist nicht der Einzige, denn auch Ben ist tot. Und damit beginnt die Geschichte erst so richtig.
Denn Florence sieht Geister, die noch eine Aufgabe zu erfüllen haben, genau wie ihr Vater es konnte. Tja, und dann erscheint Ben vor ihr. Das Problem: er ist auch ein Geist....
Eine etwas andere Liebesgeschichte.
Florenz und die Medici
Florentia - Im Glanz der Medici von Noah Martin
Die Autorin Noah Martin entführt uns in ihrem neuen Roman in das Florenz der Medici. Neben dieser Familie geht es aber auch um die Anfänge von Leonardo da Vinci und Sandro Botticelli. Das Buch fängt bereits sehr spannend mit einem Komplott an, der gegen die Medici gerichtet ist. Dann springt die Handlung acht Jahre zurück und erst gegen Ende des Buches erreicht man die Zeit des Prologs erneut.
Die wechselnden Perspektiven geben einen guten Überblick über die Geschichte der Stadt und über die Konkurrenz der Familien Medici und Pazzi - wobei die Missgunst eher von Letzteren auszugehen scheint.
Auch die junge Malerin Fioretta, die im Haus der Medici aufwächst, ist gut getroffen. Sie ist eine historisch bezeugte Persönlichkeit, von der jedoch nicht viel überliefert ist, so dass die Autorin hier recht frei mit ihrer Biografie umgehen konnte.
Ein toller, dicker historischer Schmöker, bei dem ich viele Kunstwerke nachgeschlagen habe.
Tilda, Benni und Anita
Chaoskrümel & Nervensäge - Die Hühner sind los! (Chaoskrümel & Nervensäge 1) von Tiina Nopola; Sinikka Nopola
Kein Wunder, dass diese Kinderbuchreihe in Finnland als "moderne Kinderbuchklassiker" gelten und höchste Zeit also, dass sie auch in den deutschen Kinderzimmern ankommt.
Benni, eigentlich Berenike, freut sich, dass die Sommerferien anfangen, auch wenn ihre Schwester Tilda darauf nur genervt reagiert, denn ihre Schwester geht ja noch gar nicht zur Schule.
Und wie es unter Geschwistern so ist, reitet sie natürlich darauf herum. Aber dann ist Tilda erst einmal weg, in einem Feriencamp. Zwar nur für ein paar Tage, aber Benni weiß trotzdem nicht, was sie anfangen soll. Da kommt die Einladung zu den Schwestern Pfannkuch gerade richtig. Herrlich, der Name passt so gut! Und auch die beiden Polizisten Plautzberger - mit großer Plautze - und Pliervogel, sein dünner Kollege.
Nach einer Stärkung mit einem großen Stück Kuchen, erfährt Benni die großen Neuigkeiten: Anita kommt und sie ist so alt wie Benni. Die Ferien sind gerettet! Aber dann die Enttäuschung: Anita ist ein Huhn. Aber ein ganz besonderes Huhn, mit dem nun viel erlebt wird.
Eine tolle Geschichte mit superguten Illustrationen und alles so lebensnah.
Nicht so schokoladig
Das Geheimnis der Schokomagie (Schokomagie 1) von Mareike Allnoch
Bei diesem Buch ist mir sofort das traumhaft schöne Cover ins Auge gefallen und als großer Paris- und Schokoladenfan war ich gespannt auf die Geschichte von Mila und den Duftsehern. Allerdings hatte ich insgesamt gesehen doch ganz andere Erwartungen an das Buch, denn die Magie der Schokolade spielt leider keine ganz so große Rolle im Buch.
Mila lebt zusammen mit ihrer Mutter in einer kleinen Wohnung in München. Die geliebte Großmutter ist vor ein paar Jahren gestorben und hat ihr eine Kette mit einer Kakaobohne vermacht und gesagt, dass sie eine Duftseherin ist. Aber Mila ist nicht darauf vorbereitet, was mit ihr kurz nach ihrem 14. Geburtstag passiert. Eigenartige Visionen, die sie überfallen, wenn sie Schokolade riecht. Aber steuern und so richtig deuten kann sie diese nicht.
Aber jetzt geht es erstmal auf nach Paris! 4 Wochen Austausch mit einer noblen Schule. Und mit ihrer Gastschwester Lou hat sie auch schon gut gechattet. Nur, dass Lou ein Junge ist und dann auch noch der Sohn des Präsidenten!
Liebe, Teeniedramen, Abenteuer, Geheimnisse, Paris,... Leider bliebt mir vieles davon zu oberflächlich und wurde nicht weiter thematisiert. Vor allem die Schokomagie kam mir zu kurz. Die Rezepte am Ende des Buches klingen lecker und bilden einen im doppelten Sinne süßen Abschluss.
Spatz und Krähe
Skyborn – Die Goldflügel-Prüfung von Jessica Khoury
In einer Welt, in der die Menschen auch Vögel sind, lebt Ellie, die ein Spatz ist und somit ganz weit unten in der Hierarchie steht. Außerdem ist sie eine Waise und hat ihre Eltern verloren, als diese sie verteidigt habe. Sie hat nur überlebt, weil ein weibliches Mitglied der Goldflügel-Ritter sie damals gerettet hat und seitdem verehrt sie die Goldflügel und möchte unbedingt an der Goldflügel-Prüfung teilnehmen, was noch nie ein Spatz gemacht hat.
Ausgerechnet ihr Freund nimmt sie nicht ernst. Allerdings schafft sie die Prüfung dann doch nicht, aber nur, weil sie einen Krähenjungen rettet, der ihr dafür jedoch überhaupt nicht dankbar ist, sondern einfach verschwindet.
Eine überaus interessante Geschichte, erzählt aus der Sicht von Ellie und aus der von Nox, der sich mit Gaunereien und als Dieb über Wasser hält. Eine Geschichte, bei der man hinter die Kulissen schauen muss und wo "nicht alles Gold ist, was glänzt".
Eine Bücherei in einer U-Bahn-Station
Die Bibliothek der Hoffnung von Kate Thompson
Ein Buch über eine Bücherei in einer U-Bahn-Station in London während des Zweiten Weltkrieges, die es tatsächlich gegeben hat? Das hat schon bei der Lektüre des Klappentextes meine Neugierde geweckt und als ich das Buch erhalten habe, habe ich mich auch sofort darauf gestürzt und es in nur anderthalb Tagen durchgelesen.
Mit leichtem Bedauern habe ich Clara und Ruby, aber auch alle anderen verlassen. Am Ende des Romans wird es noch einmal ganz besonders emotional, aber auch vorher gibt es viele Stellen, die mir sehr nahe gegangen sind.
Gut gefallen hat mir auch das Nachwort der Autorin mit den Fotos von der Bücherei und wie sie etwas zur reellen Geschichte dieser Bibliothek schreibt und was von ihr erfunden wurde.
Eine Leihbücherei im East End, die Leute hier sind arm und durch den Krieg wurden sie noch ärmer, aber ein Buch bedeutet so viel - und das hat auch die Bibliothekarin Clara festgestellt. Auch wenn sie immer wieder Widerstand von ihrem Chef bekommt, gibt sie nicht auf und fährt mit ihrer Freundin und Assistentin Ruby die Fabriken mit dem Bücherbus ab, macht Vorlesestunden für die Kinder und berät viele Frauen, denn es sind vor allem Frauen und Kinder, die zu ihr kommen, was die Männer nicht immer gerne sehen. Aber auch Clara hat es nicht einfach, ihr Mann Duncan ist tot, das Verhältnis zu Mutter und Schwiegermutter sehr schwierig. Die quirlige Ruby verbirgt auch ein schweres Trauma und kämpft sich durch, gibt sich stark, für ihre Mutter und auch andere.
Ein unglaublich starkes Buch.
Meisterhaft
Die spürst du nicht von Daniel Glattauer
Als ich gesehen habe, dass es einen neuen Roman von Daniel Glattauer gibt, habe ich mich schon sehr darauf gefreut.
Sophie Luise Strobl-Martinek kommt aus einem "guten Elternhaus" wie man es so umgangssprachlich nennt. Geld ist zuhauf vorhanden, aber Sophie ist in der Klasse eine Außenseiterin und hat sich mit Aayana angefreundet, die aus ihrem Heimatland Somalia geflüchtet ist und ebenfalls eine Außenseiterin in der Klasse ist.
Aayana darf mit in den Familienurlaub der Strobl-Martinek (allein dieser Name!). Doch der Urlaub in der Toskana, gemeinsam mit einer anderen Familie, gerät zur Katastrophe, als das Mädchen bereits am ersten Abend im Pool ertrinkt.
Aus immer wieder wechselnden Perspektiven und auch Presseberichten erzählt der Autor im folgenden wie mit dieser Katastrophe umgegangen wird. Schuld im juristischen Sinn, ja, aber auch die moralische Schuld spielt eine Rolle.
Eine neue Meisterleistung.











