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Rezensionen von Petra Sch.:

außergewöhnliche Geschichte über die Freundschaft zwischen Samuel und Frida, dem kleinen Tod

Hey, ich bin der kleine Tod ... aber du kannst auch Frida zu mir sagen von Anne Gröger

Der 11jährige Samuel leidet seit seiner Geburt an einer Autoimmunerkrankung und lebt eigentlich seit immer im Spital. Er geht nicht raus - das ist alles viel zu gefährlich! Er hat bereits 7 Du-hast-überlebt-Medaillen.
Er hat auch immer sein Desinfektionsspray dabei und sein Schutzanzug samt Helm ist sein bester Freund.

Bis plötzlich Frida vor ihm steht, die der kleine Tod ist. Samuel will Frida natürlich so schnell wie möglich loswerden, und Frida Samuel auch - aber auf eine andere Art. Und so betreten die beiden jeweils eine Welt, die für beide neu ist...


Meine Meinung:
Die Geschichte ist berührend, emotional, witzig und sehr aufwühlend. Denn es wird ein erstes, trauriges Thema humorvoll verpackt. Diese Gratwanderung ist der Autorin meiner Meinung nach sehr gut gelungen.
Man denkt über sein Leben nach, und wie gut es einem eigentlich geht, wenn man keine ernsthaften Erkrankungen hat. Auch wenn man aktuell mit Desinfektion und Abstandhalten vertraut ist, ist es doch etwas anderes, als sein Leben lang damit zu tun haben. Immer in der Angst, sich etwas einzufangen, da aus einem einfachen Schnupfen leicht eine Lungenentzündung werden kann, an dessen Ende der Tod steht. So wie es bei Samuels bestem Freund Tobi geschehen ist.

Und als Samuel nach einer erfolgreichen Stammzellentransplantation nach Hause und ein "normales" Leben leben darf, tritt da plötzlich ein Mädchen in Samuels Leben, die mal der Nachfolger vom großen Tod werden will. Noch ist sie der kleine Tod, doch sie muss üben. Samuel hat natürlich Angst, dass sie nur gekommen ist, um ihn zu holen, und versucht alles, um sie wieder loszuwerden.
Doch Frida ist in ihrer Art so unbeholfen, sie muss erst lernen, Mensch zu sein und wie man sich als Mensch verhält, und sagt geradeheraus, was sie denkt und fühlt (außer eben, dass sie will, dass Samuel sich in gefährliche Situationen begeben soll), und diese Erlebnisse und ihre Aussagen, ebenso ihre Notizen, machen den Humor aus: so erbricht sie zum Beispiel auf Samuels Boden, weil sie ihm nicht glaubt, dass man nicht zig Pfannkuchen auf einmal essen kann. Und Samuel rennt mit Putzzeug hinterher...
Auch über Samuels Verhalten muss man oft lachen, zB als er gleich zu Beginn Schwester Ada einer Notfallübung unterzieht.
Natürlich ist Frida in ihrem Auftreten überzogen und unglaubwürdig dargestellt, aber ich finde das passt sehr gut, denn sie ist ja kein Mensch und ein derart ernstes Thema muss man für Kinder so humorvoll wie möglich aufbereitet werden.

Jedenfalls lernen beide doch einiges voneinander, und freunden sich langsam an - auch wenn Samuel das immer negiert. Doch nur durch Frida und ihre Hartnäckigkeit lernt er das Leben und andere Kinder kennen und hat auch mal Spaß. Traut sich etwas, wird mutig.
Das Buch beinhaltet wichtige Themen wie Freundschaft, Familie, Vertrauen, Respekt, Mut, Hilfsbereitschaft, Krankheit und Tod, und das ganze ulkig verpackt, sodass es Kinder zum Nachdenken anregt, aber nicht zu traurig macht.
Ich habe das Buch mit meiner 11jährigen Tochter gelesen und sie war von Samuel und Frida und dem Schreibstil sowie der Atmosphäre im Buch sehr begeistert.


Fazit:
Eine außergewöhnliche Geschichte, die gefühl- und humorvoll auf ein schweres Thema eingeht.

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vielschichtiger und komplexer Psychothriller

SCHWEIG! von Judith Merchant

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Esther, die mit Mann, Kindern und kurz vor Weihnachten extrem gestresst ist, fährt am Tag vor Weihnachten zu Sue, die geschieden ist, in deren Villa im Wald, da diese dort allein lebt und Esther sich um sie sorgt.
Sie bringt ein Geschenk und eine Flasche Wein mit, doch Sue will nichts lieber, als Esther sofort wieder loszuwerden.

Mit in die Stadt kann Esther Sue aber nicht nehmen, denn letztes Weihnachten ist etwas Schlimmes passiert. Doch Sue verheimlicht ihr bestimmt etwas, und als ein Schneesturm einsetzt, sprechen sich die Schwestern endlich Klartext mit ungeahnten Folgen...


Meine Meinung:
"Schweig!" ist ein außergewöhnlicher Thriller, von der ersten Seite an!
Abwechselnd aus Sicht der beiden Schwestern Esther und Sue erzählt, jeweils in ich-Form, kann man sich gut in die jeweilige Gefühls- und Gedankenwelt einfühlen.
Später kommt auch Esthers Mann Martin zu Wort, in erzählender Form. Diese Abwechslung macht den Kniff aus und packt einen total.
So erfährt man nach und nach über die komplett unterschiedlichen Leben der beiden Frauen, die kein gutes Verhältnis zueinander haben. Eigentlich gar keines.
Trotzdem fährt Esther auch dieses Jahr wieder am Tag vor Weihnachten in die einsame Villa ihrer Schwester mitten im Wald um nachzusehen, ob es ihr gut geht und ihr ein Geschenk zu überbringen. Doch auch dieses Treffen artet aus.

Ich finde das Verhältnis der beiden zueinander echt seltsam. Sie reden das ganze Jahr nicht, und wenn Esther zu Besuch kommt, wollen sie sich eigentlich nicht sehen. Warum sagt Sue nicht, dass sie den Besuch ihrer Schwester nicht haben will? Warum will Esther auf Biegen und Brechen bleiben?
Aufgrund der Erzählungen aus der jeweiligen Sicht erkennt man auch sehr schnell, dass beide aneinander vorbei reden. Und Dinge ganz anders empfinden. Tja, so entstehen Missverständnisse und Streitigkeiten.
Die Autorin hat es wunderbar geschafft, dass man beide Ansichten jeweils nachvollziehen kann. Man versteht sowohl Esther, die sich um die einsame und depressive Sue Sorgen macht; als auch Sue, die die Natur und das Alleinsein genießt und von Esther in Ruhe gelassen werden will.
Spannend fand ich, dass sich die Gefühle, die man anfangs den Schwestern gegenüber hat, nach und nach ins Gegenteilige drehen, je mehr man über die Schwestern erfährt.
Auch die Gründe für die jeweiligen Verhaltensmuster und das Verhältnis der Schwestern gegenüber kristallisieren sich nach und nach heraus. Und als dann auch noch Martin ins Spiel kommt, gibt es wieder neue Perspektiven, Inputs und Neues zu überdenken.

Die Geschichte fesselt von der ersten Seite an, und dass ich die knapp 350 Seiten an einem Tag druchgesuchtet hatte, sagt schon alles. Auf jeden Fall werde ich auch noch den anderen Thriller #Atme! der Autorin lesen.


Fazit:
Eine komplexe, toxische Schwesternbeziehung, die einen von Anfang an in seinen Bann zieht. Eindeutige Leseempfehlung!

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verhängnisvolle Vergangenheit; eher ein Krimi mit einigen Defiziten

Dein dunkelstes Geheimnis von Jenny Blackhurst

3,5 Sterne


Vor 25 Jahren hat Kathryns Vater Patrick Bowen ihre damalige beste Freundin, die 5jährige Elsie Button, getötet, wofür er lebenslänglich im Gefängnis sitzt.
Doch die Leiche von Elsie wurde nie gefunden, und jeden Monat besucht Kathryn ihren Vater im Gefängnis, um ihn zu fragen, wo sie ist; doch sie bekommt nie Antwort.

Bis am fünfundzwanzigsten Jahrestag wieder ein 5jähriges Mädchen, Abigail, aus Anglesey verschwindet, das Elsie Button zum Verwechseln ähnlich sieht - und deren Familie noch dazu im alten Bowen-Haus wohnt.
Kathryn lässt das alles keine Ruhe, und in der Hoffnung endlich Antworten zu finden, begibt sie sich auf die Insel und schließt sich dem Suchtrupp an.


Meine Meinung:
Die Geschichte ist abwechselnd aus Sich von Kathryn in ich-Form und teilweise aus Sicht der Polizistin Maggie in erzählender Form geschrieben.
Somit kann man sich einerseits besser in Kathryn hineinversetzen und ist andererseits als Leser direkt bei den Ermittlungen dabei - zumindest anfangs.
Der Aufbau und die Erzählweise waren wie von Jenny Blackhurst gewohnt sehr gefällig und schnell zu lesen, und auch wenn die Handlung nur langsam an Fahrt aufnimmt und es anfangs eigentlich gar nicht "spannend" im eigentlichen Sinn ist, will man doch unbedingt wissen, wie es weitergeht, und fliegt deshalb nur so durch die Seiten.
Doch leider ist der Plot diesmal nicht ganz ausgereift, es gibt zu viele Ungereimtheiten und offen gebliebene Fragen.
Die handelnden Personen sind gut aufgebaut; v.a. mit Kathryn sympathisiert man, denn sie ist psychisch kaputt, geht zur Therapie, und bekommt ihr Leben dennoch nicht richtig auf die Reihe. Ihren Vater hasst sie, denn sie ist der Meinung, dass dessen Tat ihr ganzes Leben negativ beeinflusst hat, und der sich dann nochdazu weigert, ihr zu verraten, wo Elsies Leiche ist. Ihre Mutter mag sie auch nicht; nur ihr Bruder kann sie immer wieder aufbauen.
Weiters ist der Part von Maggie eher sinnlos, zuerst wird man mit viel Sex zugespamt, der keinerlei Mehrwert für den Fall hat, und in der zweiten Hälfte der Geschichte tritt Maggie, von der man zuvor viel zu viele unnötige private Dinge erfuhr, kaum mehr in Erscheinung und die offiziellen Ermittlungen kommen viel zu kurz. Warum die Autorin also ausgerechnet diesen Part als erzählende Stimme gewählt hat, ist für mich schleierhaft.
Auch der Psychothrill fehlt meiner Meinung nach in dem Buch - es ist in meinen Augen eher ein Krimi, da einem von Anfang an klar ist, dass Patrick Bowen schuldlos im Gefängnis sitzt. Man fragt sich jedoch, wieso er dies tut und wen er dadurch schützt. Man rätselt, wer Abigail entführt hat und ob es einen Zusammenhang zu Elsie gibt. Man fiebert mit Kathryn mit, wer sie aus Anglesey vertreiben will und warum. Auch ist lange Zeit nicht klar, ob Elsie überhaupt tatsächlich tot ist, denn ihre Leiche wurde nie gefunden - gibt es die Möglichkeit, dass Elsie noch lebt?

Gegen Schluss wurde die Handlung dann zu hastig zu einem Ende geführt und konnte mich in der einen Hälfte der Auflösung leider nicht ganz überzeugen, da ich dies kurzzeitig schon befürchtet hatte, und es hier einige Logikfehler gibt und Dinge, die man nicht nachvollziehen kann bzw. die nicht aufgelöst wurden. Die andere Hälfte der Auflösung hat mich hingegen überrascht, und diese fand ich authentisch.


Fazit:
Die Geschichte ist zwar auf ihre Art fesselnd, weil man eben unbedingt wissen will, wie es ausgeht, und wer nun für das Verschwinden der kleinen Mädchen verantwortlich ist; aber es ist eben nicht das beste Buch der Autorin, da es etliche Defizite in Sachen Logik und nicht weiter ausgeführte Handlungsstränge und somit offene Fragen gibt.

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Julius konnte mich leider nicht wirklich packen trotz der schönen Sprache

Julius oder die Schönheit des Spiels von Tom Saller

Da ich früher gerne Tennis gespielt habe und mich die Zeit des Nationalsozialismus interessiert, habe ich mich schon auf Julius von Bergs Geschichte gefreut.
Leider bekam ich von Letzterem viel zu wenig, obwohl von Beginn an immer wieder Tagebucheinträge aus 1938 von Julius' Gefangenschaft eingeschoben waren.

Doch Anfangs dreht sich alles um Julius Kindheit, der im Gegensatz zu seinen Schwestern ein ruhiger Kerl war, dessen ganzes Leben sich um Tennisspielen dreht. Man bekommt viel Tennis und lernt viel über die Rheinische Geschichte.
Es ist faszinierend über das Leben der Familie zu lesen, die in einer Burg hoch über dem Rhein wohnt, und sogar einen eigenen Tennisplatz besitzt, auf dem die ganze Familie spielt. Und aufgrund des Vermögens kann es sich Julius auch leisten, das Studium abzubrechen und sich voll und ganz auf seine sportliche Karriere zu konzentrieren, für dessen Fairness und "Sportsmanship" er bekannt wurde. Damals gab es für die Turniere noch kein Preisgeld.
Leider konnte ich zu Julius keine richtige Bindung aufbauen, er war für mich nicht so wirklich greifbar.

Mit dem Schreibstil konnte ich anfangs nicht so ganz warm werden, auch wusste ich oft nicht, in welcher Zeit wir uns gerade befinden, da mehrere Jahre zusammengefasst waren, es Zeitsprünge gab und leider keine genaue Kennzeichnung.
Auch die Einschübe aus Sicht des "alten Mannes", der sich im Jahr 1984 auf die Spuren von Julius Leben begibt, kann man erst zum Schluss einordnen.
Erst ab der Hälfte wurde es dann für mich spannender, da hier auch der Schreibstil mitreißender war, die Kapitel kürzer, und man Julius endlich etwas besser kennenlernte, auch über seine Liebesbeziehungen zu (s)einer Frau und einem Mann, und über die NS-Zeit sowie Julius' Widerstand dagegen zu lesen bekam. Julius muss eine für ihn wichtige, aber folgenschwere Entscheidung treffen. "Tennis ist mein Leben. Und Tennis wird mein Tod sein."
Die Sprache im Buch ist sehr umschreibend, mit vielen schönen oder einprägsamen Zitaten. Ich fand auch jenes toll, welches Julius Schicksal beeinflusst hat: "Ich habe keine Lust zu gewinnen, wenn man es von mir verlangt."
Was mich fasziniert hat ist die Tatsache, dass die Geschichte auf einer tatsächlich lebenden Persönlichkeit beruht (Gottfried von Cramm), die Tom Saller mit schriftstellerischer Freiheit in einen fiktiven Roman umgewandelt hat.


Fazit:
Ein Buch, das eher schleppend beginnt, aber mit schöner Sprache und wichtigen Themen wie die Geschichte des Rheins, des Nationalsozialismus und Homosexualität.

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konnte mich leider nicht ganz so begeistern wie Teil 1

Nordstern - Die Nacht der freien Pferde von Karin Müller

Erla erwacht nach ihrem schlimmen mysteriösen Unfall aus der Bewusstlosigkeit. Flóki und Kadlin haben ihr Leben und das ihrer Stute Drifa gerettet. Doch Drifa geht es extrem schlecht, und Erla lebt nun in der Welt der Húldu, in der die Zeit anders schnell verläuft als bei den Menschen.
Kann Erla Drifa retten und ihre Mutter wiedersehen?


Meine Meinung:
"Die Nacht der freien Pferde" ist der zweite Teil der Nordstern-Reihe, der leider etwas brauchte, um an Fahrt zu gewinnen.

Die Geschichte schließt direkt an Band 1 an, den man zuvor gelesen haben sollte. Doch dadurch, dass man anfangs viel von Erlas Koma-Träumen und Erinnerungsfetzen liest, die aber nur abgehakt und nicht zusammenhängend sind und man diese - auch mit Kenntnis des Vorgängerbandes - nicht richtig zuordnen kann, ist es schwierig, so richtig in die Geschichte reinzukommen, da es keine "Geschichte" im eigentlichen Sinn gibt.
Wie im ersten Band wird abwechselnd aus Sicht von Erla in ich-Form und in erzählender Form aus Sicht von Flóki (in Kursivschrift) berichtet.
Man kann sich so gut in Erla hineinversetzen, denn sie kann sich nur schwer damit anfreunden, dass das unsichtbare Volk nun ihr neues Zuhause ist. Sie sehnt sich natürlich nach ihrer Mutter. Aber noch mehr danach, ihre Stute zu retten.
In diesem Band haben die Pferde mehr Stellenwert als im ersten Teil, denn es geht viel um Erlas Stute Drifa, der es es nach dem Angriff des Zwischenwesens sehr, sehr schlecht geht. Und als es Erla endlich wieder besser geht, will sie alles versuchen, um ein Heilmittel für Drifa zu finden, und stellt ihr eigenes Glück und ihre Gesundheit dafür hintan.

Isländische Magie und Mystik nehmen wieder viel Raum ein, denn Erla wird eine Weltenwanderin und Flóki hat nun auch endlich seine Gabe gefunden: er kann den Raum beugen. Und gemeinsam mit Flóki und Kadlin, die die Zeit beugen kann, kann Erla ihre Mutter wieder sehen - in der Zeit der Húldu sind nur ein paar Monate vergangen, doch als sie ihre Mutter trifft, die damals schwanger war, ist ihre kleine Schwester Edda bereits 2 Jahre alt. Das Widersehen fand ich sehr berührend, aber auch traurig - denn obwohl Erla ihre Mutsch 2,5 Jahre nicht gesehen hatte, kreist deren einziger Gedanke wieder nur darum, dass sie es nicht fassen kann, dass Erla "unsichtbare Dinge sieht" bzw. glaubt, sich einzubilden.
Und dann ist da noch der Brief, den Erla findet, den sie an Flóki geschrieben hat - datiert mit dem Jahr 1783 - doch mit diesem tut sich eine Lösung für Drifas Rettung auf, für die Erla jedoch ihr altes Leben und ihre Liebe zurücklassen muss und ihr Leben aufs Spiel setzt...

Toll sind die Beschreibungen der Landschaft Islands, die wilden Kräfte der rauen Natur und die ganze Mystik um das Húldufolk, was mir sehr gut gefiel.
Die Atmosphäre in der Geschichte ist jedoch durchwegs düster und beklemmend, das muss man mögen.
Da es wieder ein offenes Ende gab, bin ich nun schon sehr auf den Abschlussband gespannt!


Fazit:
Eine magische Geschichte um Erla, die leider erst nach einiger Zeit Fahrt aufnimmt, um das verborgene Volk, die raue Natur Islands und natürlich Islandpferde.

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Der Henker von Nürnberg

Angstrichter von Schütz Lars

In Nürnberg wird ein Mann gevierteilt. Von Pferden. Alles arrangiert von einem Mann in schwarzer Kapuze. Die Leichenteile werden an den vier Stadttoren befestigt, und kurz darauf taucht im Internet ein Livestream zu dieser Tat auf.
Bald darauf geschieht ein weiterer Mord des "Angstrichters": ein Mann wird gepfählt.

Die beiden Profiler Jan Grall und Rabea Wyler erkennen bald, dass dies mittelalterliche Bestrafungen für die Taten der Opfer sind. Doch wer ist der Scharfrichter und warum müssen genau diese Personen sterben?


Meine Meinung:
"Der Angstrichter" ist der vierte Teil um die Fallanalytiker Jan Grall und Rabea Wyler. Das Buch kann eigenständig gelesen werden, da der Fall in sich geschlossen ist und aus der Vergangenheit der beiden Fallanalytiker genug in der Geschichte integriert ist.

Der Schreibstil ist fesselnd, der Spannungsbogen konstant aufrecht und man kann das Buch kaum aus der Hand legen, denn man will unbedingt wissen, warum der Henker diese Bestrafungen durchführt. Bei Opfern, die ihre Strafe doch oft sogar schon durch die weltliche Gerichtbarkeit erhalten haben. Aber Achtung: das Buch ist nichts für Zartbesaitete, denn die Morde sind sehr brutal und blutig.
Mir hat besonders gut gefallen, dass man einiges über mittelalterliche Foltermethoden erfahren hat. Für jede Art von Vergehen gab es eine eigene Bestrafung dazu.
Weiters wird alles sehr bildlich beschrieben, auch Nürnberg und die Umgebung, man hat also Kopfkino pur.
Gelungen fand ich die Einbeziehung der Mittelalterexpertin Dr. Ellen Grafenberg, mit der sich nicht nur eine private Komponente entwickelt hat, sondern die das erste Mordopfer kannte und somit viel für die Auflösung des Falles beitragen konnte.
Toll fand ich, dass man so gut miträtseln konnte: wer ist der Scharfrichter? Warum tötet er diese Menschen? Und denkt er sich die Bestrafungen selbst aus oder gibt es Mittäter? Ich kann nur so viel sagen: einen kleinen Teil konnte ich enträtseln ;)


Fazit:
Blutiger 4. Teil der Reihe mit zwei außergewöhnlichen Profilern und noch außergewöhnlicheren Mordmethoden.

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aufregende Traum-Abenteuer mit Anouk

Anouk, die nachts auf Reisen geht (Anouk 1) von Hendrikje Balsmeyer; Peter Maffay

Die Geschichten um Anouk sind einfach herzerwärmend. Die 6jährige Anouk, die nicht gerne schlafen geht, weil sie noch üüüberhaupt nicht müde ist (woher kenne ich das nur? *lach*) erlebt in ihren Träumen aufregende Abenteuer.
In ihren Traumreise hilft sie - natürlich gemeinsam mit ihrem Freund, dem Kuscheltier Affi - verschiedenen Kindern, ihren Mut, ihre Talente und ihre Stärken zu finden.

So reist sie zu den Indianern, zu den Rittern, zu den Piraten, zum Zirkus uvm und unterstützt die jeweiligen Kinder bei ihren Schwierigkeiten, die ihr dafür ein Erinnerungsstück mitgeben.

Themen, die Kinder von klein bis groß beschäftigen, zB Mut, Freundschaft und Hilfsbereitschaft, werden in den Kurzgeschichten aufbereitet. Besonders wichtig ist die Geschichte, in der die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen gefordert wird.
Die Fantasie von Kindern wird auch besonders angeregt, denn welches Kind möchte nicht gerne mal aufregende Abenteuer erleben und dies wird besonders durch die "Mitbringsel" aus Anouks Träumen unterstrichen.

Der Schreibstil ist liebevoll und kindgerecht, in kurzen, leicht verständlichen Sätzen und viel direkter Rede. Auch werden verschiedene Begriffe in der Geschichte erklärt, zB was ein Adlerhorst ist. Die Kapitel haben eine geeignete Länge, um jeden Abend vor dem Schlafengehen eines vorzulesen (für Kinder ab4 Jahren) bzw. gut geeignet für ungeübte Leser.
Was mich jedoch sehr störte war, dass die Eltern von Anouk ihr nicht zugehört haben, als sie von ihren Abenteuern erzählen wollte. Sie haben sie sofort unterbrochen und gemeint "das war nur ein Traum" - ja, doch trotzdem: meine Tochter erzählt mir auch oft von ihren Träumen! Ich lasse sie erzählen und höre ihr dabei zu!! Anouk tut dies dann immer mit "Mama/Papa sind einfach schon viel zuerwachsen" ab, wobei man aber trotzdem merkt, dass sie gekränkt ist, weil ihre Träume/Abenteuer für ihre Eltern nicht wichtig genug sind, um ihr zuzuhören.

Was dieses Buch jedoch besonders aufpeppt, sind die niedlichen und liebevollen Illustrationen von Joëlle Tourlonias. Diese haben mich bereits auf dem Cover verzaubert und bereichern die Geschichten von Anouk ungemein!


Fazit:
Abenteuerliche Kurzgeschichten um Anouk, die die Fantasie anregen und wichtige Themen wie Mut, Freundschaft und Hilfsbereitschaft beinhalten. Leider fand ich nicht gut, dass Anouks Eltern sie nicht von ihren Träumen erzählen ließen; daher ein Stern Abzug. Ganz toll sind die Illustrationen!!

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Auftakt einer neuen Reihe um einen eigenwilligen Polizisten

Die Verlorenen von Simon Beckett

London. Jonah Colley von der bewaffneten Sondereinheit wird von seinem ehemaligen besten Freund Gavin McKinney, zu dem er seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr hatte, zu einem einsamen Lagerhaus am Slaughter Quay zu Hilfe gerufen.
Doch dort findet Jonah nur die Leiche von Gavin, und drei weitere Tote in Plastikfolie verpackt - vermeintlich illegale Einwanderer.

Doch als Jonah merkt, dass eine Frau noch lebt, wird er von hinten niedergeschlagen, sein Knie dabei zertrümmert. Er wehrt sich und tötet dabei den Angreifer, der laut DNA-Analyse der Verbrecher Owen Stokes ist, der vermeintlich etwas mit dem Verschwinden von Jonahs Sohn Theo vor 10 Jahren zu tun hatte.
Doch danach sind sowohl die Leiche von Gavin als auch die von Stokes verschwunden.
Wo sind die beiden Toten? Und wie hängt alles mit den Ereignissen vor 10 Jahren zusammen?


Meine Meinung:
"Die Verlorenen" ist der Auftakt um eine Reihe um Jonah Colley, den ich sehr eigenwillig fand. Einerseits stark, anderseits ging er mir mit seiner Sturheit und seinen Alleingängen, was ich sehr untypisch für einen Elite-Polizisten fand, sehr auf die Nerven.
Der Schreibstil von Simon Beckett ist auch in seiner neuen Thriller-Reihe gewohnt flüssig, fesselnd und mit konstant hohem Spannungsbogen.
Leider hat der Autor immer und immer wieder die Knieverletzung von Jonah wiederholt. Keine Angst, ich hätte das schon nicht vergessen. ;)

Mit Jonah konnte ich insoweit mitfiebern, da er nicht nur selbst in Verdacht gerät, sondern auch über seinen ehemals besten Freund immer mehr Details herausgefunden hat, was diesen in einem ganz anderen Licht erscheinen ließ.
Und natürlich die Sache mit seinem Sohn - das machte mich ganz traurig :( Und auch hier gab es immer mehr Erkenntnisse, sodass man mit Jonah mithofft: liebt Theo vielleicht doch noch?

Leider hat mich die Auflösung dann nicht so ganz überzeugen können, da ich das Motiv nicht 100% nachvollziehen konnte.
Trotzdem bin ich schon auf den nächsten Fall für Jonah Colley gespannt - und ob dieser auch so persönlich für ihn sein wird.


Fazit:
Reihenauftakt mit kleinen Schwächen: ein persönlicher Fall für einen eigenwilligen Polizisten, der spannungsgeladen zu verfolgen ist, dessen Auflösung mich leider nicht so ganz überzeugen konnte.

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ein witziger Gasperlmaier ermittelt während des Politgipfels in Altaussee

Letzter Knödel von Herbert Dutzler

Während des Polit-Gipfels in Altaussee liegt auf einmal die Hilfsköchin tot im Cateringzelt.
Kurz darauf wird auch der Koch tot aufgefunden.
Und später verschwindet die Freundin von Gasperlmaiers Tochter Katharina.
Hängen die Fälle zusammen? Vielleicht auch mit den Russen, die beim Politgipfel sind? Oder doch mit der Heimatpartei, deren Chef sich mit seiner Entourage ebenfalls zur gleichen Zeit in Altaussee aufhält?


Meine Meinung:
"Letzter Knödel" ist der neunte Fall für Franz Gasperlmaier, der sich in meinen Augen charakterlich sehr viel weiterentwickelt hat! Er weiß mit einem Smartphone umzugehen und dass seine Tochter eine Freundin hat, damit freundet er sich auch schnell an.

Bloß die Sache mit dem Opa-werden macht ihm Sorge ;)
Man trifft wieder auf alte Bekannte, zB Gasperlmaiers Frau Christine, mit der er sich leidlich wieder ausgesöhnt hat, und Frau Doktor Kohlross, die er aus Liezen für die Leitung des Falles anfordert.
Mangels Büroräumen (die wurden für die Polizisten für den Politgipfel beschlagnahmt) wird das Hauptquartier in Gasperlmaiers Wohnzimmer aufgeschlagen, was auch immer zu viel Chaos und Witz führt.

Das Buch verarbeitet neben viel Humor auch aktuelle politische und gesellschaftskritische Themen, wie heimatnahe patriotische Parteien, Geldannahme und heimliche Geschäftemacherei.
Was mich leider in Büchern immer stört, ist, wenn ständig getrunken wird. Zwar gehört ein Schnapserl hier und eines da sicher zur Mentalität vor Ort, doch ständig darüber zu lesen finde ich nicht gut.
Die Auflösung fand ich dann etwas unaufregend, aber eben deshalb authentisch.
Wie man hier merkt, ist der Lokalkolorit sehr gut dargestellt. Was mir besonders gut gefiel, waren die Beschreibungen der Landschaft, des Ortes und der gesamten Umgebung- ich hatte alles genau vor Augen.


Fazit:
Humorvoller Altaussee-Krimi mit viel Lokalkolorit und einem witzigen Gasperlmaier, der sich definitiv charakterlich weiterentwickelt hat. Ich freue mich schon auf einen weiteren Fall mit ihm!

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"Die Malkunst" - Original oder Fälschung?

Rochade von Reinhard Tötschinger

Wien, 2022: Professor Mag. Clemens Hartmann, Restaurator im Kunsthistorischen Museum, ist mit der Restaurierung des berühmten Werkes " Die Malkunst" von Jan Vermeer beauftragt worden, das bei einem Attentat im Ausland beschädigt wurde.
Hartmann war von Anfang an gegen einen Verleih, und soll nun plötzlich das Bild in 3 statt den geplanten 9 Monaten restaurieren, weil der Bundeskanzler es beim Staatsbesuch der Chinesen wirkungsvoll in seinem Büro in Szene setzen will.

Da eine Husch-Pfusch-Restaurierung das Bild nur beschädigt, kommt Hartmann mit Hilfe seines Assistenten Hubert Finning auf die Idee, dem Kanzler eine Fälschung unterzuschieben - der merkt das ja sowieso nicht!


Meine Meinung:
Die Geschichte ist komplett aus Sicht von Hartmann in ich-Form geschrieben, und anfangs erfährt man hauptsächlich über das Bild, das er restauriert, und erst so nach und nach auch über seine Person.
Obwohl die Sprache und die Geschichte ruhig ist, und ich auch keine besondere Kunstkennerin bin (über die "Malkunst" musste ich erst recherchieren), zieht einen alles in seinen Bann. Man ist fasziniert, wie Restaurierungsarbeiten vonstatten gehen, was keinesfalls langweilig ist!
Dazwischen sind immer wieder Briefe von den Grafen Czernin bzw. Tagebucheinträge von Hartmanns Großvaters, der Leiter der Gemäldegalerie zu Hitlers Zeiten war, eingeworfen, wo man über die Vergangenheit des Bildes erfährt - dieses war damals das Lieblingsbild des Führers. Und der Kanzler, der dieses Bild unbedingt in seinem Büro hängen haben will, erinnert in seinem Gehabe an ebenden.

Mit der Zeit beginnt Hartmann mit dem Bild zu reden - oder eher zu Vermeer. Der ihm auch antwortet. Fand ich schrullig, aber nachvollziehbar - wenn man monatelang nur mit einem Bild verbringt, beginnt man wohl gezwungenermaßen damit zu sprechen ;)
Auch die Politik und Wirtschaft aktueller Zeiten sind fesselnd dargestellt: muss doch Hartmann seine Arbeiten beschleunigen, weil das Museum viel weniger Geld vom Staat zur Verfügung gestellt bekommt; er darf nur mehr billige Pinsel verwenden und muss alle Arbeitsschritte dokumentieren (dabei hat mich aber verwundert, dass er jeden Tag nur bis 16 Uhr arbeitet)
Und durch das Verhalten des jungen Bundeskanzlers, der - ob gewollt oder ungewollt- an den aktuellen erinnert, der dieses Bild unbedingt in seinem Büro zu Repräsentationszwecken für die Chinesische Delegation hängen haben will, da das Bild das Teuerste der Republik ist, wird politische Kritik geübt; bes. in Verbindung mit den Rückblenden in die schlimme Vergangenheit. Und die Chinesen kommen schon in 3 Monaten-da ist es dem Kanzler auch egal, dass die "Reparatur" des Bildes, wie er es nennt, eigentlich mehr als doppelt so lange dauern würde. Typisch Politiker.
Und aus diesem Grund kommt Hartmann in diese Zwangslage, dem Kanzler eine Fälschung unterschieben zu müssen, was ihm mit Hilfe von Hubert zuerst auch prima gelingt, doch dann droht das Ganze aufzufliegen und es kommt dabei zu einem witzigen Verwechslungsspiel.
Die beiden Restauratoren wachsen einem übrigens total schnell ans Herz, und man fiebert mit ihnen mit.
Kleine Kritik meinerseits gibt es jedoch an dem nicht nachvollziehbaren Umstand, dass ein derart wertvolles Bild unbeaufsichtigt in einem Raum steht; und dass Hartmann - auch wenn er der bedeutende Restaurator ist - einfach so mit einem Bild aus dem Museum spazieren kann.
Trotzdem wurde ich von diesem ganz anderen und außergewöhnlichen Roman bestens unterhalten.

PS: Schande über mich, die ich noch nie im KHM war - doch nach dieser Lektüre werde ich "Die Malkunst" definitiv bald besuchen!!


Fazit:
Ruhiger Roman über die Fälschung der bekannten "Malkunst"; mit unterschwelligem Humor und Politik Kritik.

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