Persönliche Lese- tipps
Nacht über Tanger
Nacht über Tanger von Mangan Christine
Tanger 1956, sengende Hitze & blauer Himmel. Abseits der Postkartenidylle brodelt es, die Unabhängigkeit liegt in der Luft. Auf diese Atmosphäre treffen Alice und John. Während er in Tanger aufblüht, isoliert sich die psychisch labile Alice. Eines Tages steht College-Freundin Lucy vor der Tür, doch über der Uni-Zeit schwebt ein dunkles Geheimnis.
Und wieder nimmt Lucy Besitz von Alice. Leicht und locker liest sich Christine Mangans Erstling, pendelt raffiniert zwischen Wahnsinn und Realität - leider zu spät als perfekte Strandlektüre.
Offener Brief an die Tiere und alle, die sie lieben
Offener Brief an die Tiere und alle, die sie lieben von Lenoir Frédéric
Frédéric Lenoir formuliert einen offenen Brief an die Tiere. Die Entwicklung des zwischentierlichen Zusammenlebens stellt die ausgiebige Einleitung dar, wobei tunlichst darauf geachtet wird, dass der Mensch nicht überhöht dargestellt wird. Nach der Abwendung von Gewalt gegenüber Tieren wird der Schutz der Arten ins Zentrum gestellt und die Gesetzeslage in verschiedenen Ländern beleuchtet.
Ein breit gefächertes Plädoyer. Eine durchdachte Konsumkritik. Vorschläge zu einem bewussten Miteinander.
Kriegslicht
Kriegslicht von Michael Ondaatje
Im London des Jahres 1945 werden der 14-jährige Nathaniel und dessen ältere Schwestern von ihren Eltern ver- und der Obhut zweier Zwielichtiger Männer überlassen. Aus der Distanz von Jahrzehnten erinnert sich Nathaniel und erzählt auf diese Weise nicht nur eine Coming of Age-Geschichte, die packend, poetisch und märchenhaft an Charles Laughtons filmisches Meisterwerk "The Night of the Hunter" erinnert, sondern schlägt auch ein finsteres bislang kaum bekanntes Kapitel der Nachkriegsgeschichte auf.
Die Glocke im See
Die Glocke im See von Mytting Lars
In das karge Leben einer ärmlichen, gläubigen Gesellschaft, deren höchstes Gut die Zeit ist, gerät ein junger Pfarrer, der sich mit seinem Modernisierungsdrang anfänglich nicht unbedingt beliebt macht. Sein Arbeitsplatz ist eine mittelalterliche Kirche, die über zwei besondere Glocken verfügt.
Ein Grabesgeschenk für zwei verstorbene Zwillingsschwestern. Die Präsenz des Todes und der winterliche Frost schüren die Sehnsucht nach menschlicher Wärme.
Robert Renk empfiehlt:
Adrian oder: Die unzählbaren Dinge
Adrian oder: Die unzählbaren Dinge von Angelika Stallhofer
Adrian und Anna leben zusammen und beide vom Schreiben. Während Anna aber die Freiheiten eines Schriftstellerlebens genießt, ist Adrian in der Werbebranche gefangen. Gefangen durch die monatlichen Zahlungen für das Heim, in dem sein Vater wohnt, zu dem er alles andere als eine friktionsfreie Beziehung hat.
Aber auch durch den Erfolg, den er hat.
Die Werbefigur, die er erfunden hat, übersiedelt in ein vollautomatisiertes, überwachtes Haus und er weiß nicht, was unheimlicher ist. Das Haus oder seine Verwandlung.
Robert Renk empfiehlt:
Grenzgänger
Grenzgänger von Borrmann Mechtild
Die Autorin von "Trümmerkind" legt nach. Behutsam und unaufgeregt macht Borrmann die frühen 50er spürbar, gibt den schwarz-weiß-Bildern wieder Farbe. Es geht um die 17-jährige Henni und ihre Geschwister. Henni kommt wegen Kaffeeschmuggels in eine Besserungsanstalt, ihre Geschwister, um die sie sich nach dem Tod der Mutter gekümmert hat, müssen deswegen in ein Kinderheim.
Dort stirbt der kleine Matthias. Das Leben ist nicht gerecht, schon gar nicht in den 50ern.
Eine düstere Zeit, aufwühlend beschrieben.
Dämmer und Aufruhr. Roman der frühen Jahre
Dämmer und Aufruhr von Bodo Kirchhoff
Bodo Kirchhoff. Deutscher-Buchpreis-Träger und Seelenerkunder zwischen Sexualität und Liebe, legt mit Dämmer und Aufruhr einen Schlüsselroman sowohl zu seinem umfangreichen Werk als auch zur Erkenntnis des Autors Bodo Kirchhoff vor. Schonungslos ehrlich und changierend zwischen den menschlichen Abgründen wie etwa sexuellem Missbrauch und einem ödipal-sexuellen Erlebnis mit der Mutter, bei dem das "gute Ende" eines Bleistifts eine Rolle spielt.
Auch eine Ahnung davon, wie man Schriftsteller wird.
Der Abgrund in dir
Der Abgrund in dir von Dennis Lehane
Knalleffekt in Satz 1: Eine Frau erschießt ihren Mann. Rückblende, 37 früher: Rachel wächst mit einer dominanten Mutter und ohne Vater auf, dessen Abwesenheit bestimmt Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden. Als Journalistin macht sie Karriere, nach Nervenzusammenbrüchen verliert sie Job, Mann und Lebensfähigkeit.
Ins Leben zurück holt sie Brian, ihr Held. Bis der Traum platzt, denn Brian ist nicht der, der er zu sein vorgibt.
Psychodrama, Charakterstudie, Thrill & Humor - ein ungewöhnlicher, aber meisterhafter Dennis Lehane.
Robert Renk empfiehlt:
Rückwärtsbuch
Rückwärtsbuch 06.02.2018. Hardback. von Beier Agnes
Entschleunigung. Das Wort der nahen Zukunft. Viele predigen es, eine schreibt es: Agnes Beier! Das Sich finden, das Einander finden, das die richtigen Worte finden, darum kreist die Geschichte rund um Lina und Romed. Der sehr eigene Ton der Erzählerin mischt den Stil mystischer Sagen und persönlich-literarische Traumsequenzen.
eine ganz direkte Ansprache an den Leser macht dieses Buch aus und das berührt. Zumindest mich! Eine Wortmalerin von archaischer Wucht, die aber auch wortzart zu erzählen weiß!
Grauvieh Tirol
Grauvieh Tirol Das Tier, die Region, der Mythos. 22.10.2018. Hardback. von Beier Agnes
Das Grauvieh ist in Tirol heilig. Das schimmert in diesem Prachtband zwischen den Zeilen mehr als durch, die Fotografien illustrieren den Mythos dieser urwüchsigen Kuhrasse ebenso wie die sie umgebende Kulturlandschaft. Frau Grau als Symbol für den Trend zur Entschleunigung, als Botschafterin der Behutsamkeit, dazu das Bedauern von Sepp Forcher darüber, dass der Herrgott den Menschen nicht zum Wiederkäuer gemacht hat.
Abgeschlossen wird das Buch sinnigerweise mit Rezepten bekannter Tiroler Köche.











