Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Arambol:
Gelungene Fortsetzung
Südlich von Porto wartet die Schuld von Mariana da Silva
"Es gibt Träume, für die man bereit ist, auch über seinen größten Schatten zu springen."
Wer den ersten Band der "Südlich von Porto"-Buchreihe gelesen hat, fühlt sich schon nach wenigen Seiten wieder in Torreira heimisch. Alle aus Teil eins bereits bekannten und liebgewonnenen Protagonisten sind wieder mit dabei.
Diese sind auch im zweiten Portokrimi facettenreich mit ihren individuellen Stärken und Schwächen charakterisiert und wirken deshalb absolut authentisch und gleichzeitig sehr lebendig.
Allgegenwärtig ist erneut die knisternde Spannung wischen Ria Almeida und Joaquim Baptista, und das sowohl in ihrer Rolle als Ermittlerteam als auch in ihrer privaten Beziehung zueinander.
Um vollends in die unterhaltsame Geschichte einzutauchen zu können, empfehle ich unbedingt zunächst die Lektüre des ersten Teils.
Eine nahezu perfekte Kombination aus dem Gefühl einer irgendwie entspannt gemütlichen Lebensart und interessant
abwechslungsreichen Ermittlungen.
Die sehr entspannt und gemächlich erzählte Kriminalgeschichte ist dabei in sich schlüssig und rund, die Charaktere erscheinen glaubwürdig und sind allesamt sympathisch.
Erstaunt hat mich allerdings, dass Ria als erwachsene Frau eine Wohnung anmietet und es dann Freunden und Familie überlässt, diese nach deren Geschmack einzurichten ohne dass sie diese Wohnung während der über zweiwöchigen Renovierungsarbeiten auch nur ein einziges Mal betritt.
Ungewöhnlich.
Mariana da Silva versteht es ganz wunderbar, den Leser mit ihrem sehr bildhaften und flüssigen Schreibstil auf eine Reise in ihr Portugal mitzunehmen. Mein Fernweh ist mal wieder geweckt, "muito obrigado" für diese Fortsetzung.
Rezensionen von Lesendundspielenddurchsleben :
Meine Träume fliegen hoch von Cori Doerrfeld; Zuckersüß Verlag
Dieses Bilderbuch erzählt die Geschichte eines Kindes, das einen Papierflieger baut und ihn fliegen lassen möchte. Eigentlich keine große Sache, waren da nicht viele Vögel, die alle was zu merken haben....
Mit Toni ist ein Charakter geschaffen, den man männlich oder weiblich lesen könnte und der damit jedem und jeder eine Identifikationsfläche bietet.
Dieser Charakter ist wundervoll illustriert, dass man sich gut in Toni hineinversetzen kann. Die Geschichte ist Recht kurz erzählt, die Bilder sind sehr großflächig und nehmen mehr Platz ein als der Text. Die Geschichte selbst hat mir auch sehr gut gefallen, vor allem auch der Schluss. Die Botschaft ist dadurch nämlich nicht, "Mach alles allein" und "Die anderen sind böse "... Lest einfach selbst dieses bezaubernde Bilderbuch!
Rezensionen von melanie82:
Eine besondere Freundschaft
Das Fenster zur Welt von Sarah Winman
Das wunderschöne Cover hat mich direkt angesprochen und auch der Klappentext klang vielversprechend, wenngleich ich oft von historisch angehauchten Romanen dann doch eher enttäuscht bin. Irgendwas hat mich aber so gereizt, dass ich „ Das Fenster zur Welt“ dennoch lesen musste - zum Glück! Die gut 500 Seiten zeichnen die besondere Freundschaft zwischen Ulysses und Evelyn nach, die sich in den schwierigen Zeiten der 1940er Jahre kennenlernen.
Obwohl sie beide so verschieden sind, entsteht daraus eine lange Freundschaft, die aufzeigt, dass es nicht nur auf Gemeinsamkeiten ankommt, sondern gerade in den Unterschieden das Besondere liegt, aus dem beide etwas schöpfen können. Die Themen Freundschaft, Liebe und Familie und Schicksal, die die beiden bei allen Unterschieden verbinden, stehen im Zentrum und machen deutlich, dass genau das die zentralen Werte sind, die für uns alle besonders wichtig sind. Die Schreibweise lässt eine besondere Stimmung entstehen - das Buch ist nicht laut, sondern lässt den Leser durch seine leise Poesie ganz eintauchen und mitfühlen. Eine wunderschöne Sommerlektüre für alle, für die es dabei auch weniger oberflächlich sein darf.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Frauen im Widerstand
Wir waren nur Mädchen von Buzzy Jackson
Verzet! Widerstand! Bliif menslik - Bleib menschlich
“Wir waren nur Mädchen” ist das Erstlingswerk der amerikanischen Autorin Buzzy Jackson und wurde von Christine Strüh ins Deutsche übersetzt. Das Buch ist die belletristische Biografie von Jannetje Johanna „Jo“ oder Hannie Schaft (1920-1945), die in den Niederlanden als Widerstandskämpferin gegen die Besatzung der Nationalsozialisten bekannt ist.
Anders als Anne Frank kennt man Hannie Schaft außerhalb der Niederlande kaum, was sich mit diesem biografischen Roman bestimmt ändern wird.
Zunächst ist Hannie eine eher schüchterne Jura-Studentin, die es gewöhnt ist, das zu tun, was man von ihre erwartet. Doch als sie die Repressalien der deutschen Besatzer gegen die jüdische Bevölkerung Amsterdams hautnah miterlebt, denn ihre besten Freundinnen Sonja und Philine sind Jüdinnen, weiß sie, dass sie etwas dagegen tun muss. Sie arbeitet zwei Mal in der Woche als Freiwillige im Flüchtlingskomitee. Dort lernt sie Schwester Dekker kennen, die für den Widerstand arbeitet.
Langsam beginnt ihre Wandlung von der schüchternen, beinahe unsichtbaren Studentin zum „Mädchen mit dem roten Haar“, das bis zu ihrer Verhaftung 1945 zahlreiche Anschläge auf die verhassten Besatzer begeht.
Allerdings weigert sich Hannie ebenso wie Truus Oversteegen ein Bombenattentat gegen das Amsterdamer Kaufhaus zu unternehmen, da viel zu viele Zivilisten dabei sterben würden. Ebenso waren die beiden Widerstandskämpferinnen nicht dafür zu haben, die Kinder von Arthur Seyß-Inquart zu entführen: „Wir sind nicht wie die Nazis. Wir gehören zum Widerstand und töten keine Kinder.“
Meine Meinung:
Mir ist der Name Hannie Schaft bereits früher, als Mitglied einer kommunistischen Widerstandsgruppe untergekommen. Allerdings habe ich bislang wenig Gelegenheit gehabt, mich mit ihr auseinanderzusetzen. Der Mann meiner Freundin ist Niederländer und hat mir bei unserem Treffen vor einigen Wochen von „Het meisje met het rode haar“ („das Mädchen mit dem roten Haar“) erzählt. Da musste ich doch zu diesem Buch greifen.
Die historischen Fakten zu dieser Romanbiografie sind penibel recherchiert. So ist auch die Geschichte der beiden Schwestern Truus (1923-2016) und Freddie (1925-2018) Oversteegen, die ebenfalls in der Widerstandsgruppe „Raad van Verzet“ tätig waren, in den Roman eingeflochten. Dennoch handelt es sich hier ausdrücklich um keine Biografie, da es zahlreiche Lücken im kurzen Leben der Hannie Schaft gibt, die Buzzy Jackson behutsam mit schriftstellerischer Freiheiten auffüllt. Daher ist es unbedingt notwendig, das Nachwort zu lesen, denn hier enthüllt die Autorin was Fakt und Fiktion ist. Sie berichtet auch über das weitere Schicksal von Sonja, Philine sowie den anderen echten Personen des Buches.
Dass Hannie Schaft einige der verhassten Besatzer töten konnte, liegt vor allem daran, dass die Nazis Frauen und Mädchen nichts oder nur sehr wenig zugetraut haben. Doch als sie Ende März 1945 verhaftet wird, bekommt sie die volle Macht des NS-Regimes zu spüren. Sie wird tagelang gefoltert und am 17. April 1945 in den Dünen von Bloemendaal erschossen, obwohl es ein Abkommen gab, keine Hinrichtungen an Frauen (mehr?) vorzunehmen.
Nach dem Selbstmord Hitlers und der Kapitulation Nazi-Deutschlands am 8. Mai 1945 werden wenig später am Strand von Bloemendaal die Leichen von 422 Widerstandskämpfern geborgen, darunter jene von Hannie Schaft, der einzigen Frau unter ihnen.
Fazit:
Dieser Romanbiografie, die Jannetje Johanna „Jo“ oder Hannie Schafts Wandlung von der schüchternen Jura-Studentin zur Widerstandskämpferin eindrucksvoll nachzeichnet, gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von miriamB:
Gestern... heute... morgen?
Das andere Tal von Scott Alexander Howard
Der Autor hat in seinen ersten Roman wirklich viel hineingepackt:
- Er erzählt die Geschichte des Erwachsen-werdens von Jugendlichen, der Unsicherheit dieser Zeit, die erste Liebe. Das Buch hat Anteile eines Jugendromans, der dann aber auch die weitere Entwicklung der Protagonisten verfolgt.
- Gleichzeitig erzählt er aber auch die Dystopie einer Gesellschaft, die streng hierarchisch geordnet, voller Regeln und Gesetze über jeden einzelnen wacht, bzw jeden einzelnen überwacht.
Diese Schilderungen sind großartig düster und beklemmend.
- Und dann ist es auch eine philosophisches Gedankenspielerei, denn in diesem Tal sind ja Zeitreisen in die Vergangenheit und in die Zukunft möglich. Welche Konsequenzen hat eine kleine Änderung in der Vergangenheit für die Zukunft? Und: würde man die Vergangenheit ändern, wenn man es könnte? Ist Zeit nur eine Illusion? Und was ist dann Realität?
Eine komplexe Geschichte, beeindruckender Stil – und trotzdem konnte sie mich nicht 100%ig fesseln. Ich vermute allerdings, dass dies eher an mir liegt, als an dem Buch: Zeitreisen sind einfach nicht mein bevorzugter Lesestoff!
Der Autor ist es allerdings wert, gemerkt zu werden - vielleicht wird sein nächstes Buch ja eine für mich interessantere Gedankenakrobatik:-)
Rezensionen von Kwinsu:
Schmerzhafte Dekadenz
Wo Milch und Honig fließen von C Pam Zhang
Die namenlose Erzählerin befindet sich in einer Zeit, in der ein furchtbarer Smog die Erde überströmt und den Großteil von Flora und Fauna ausgelöscht hat. Die Menschheit überlebt, doch muss sie sich fast ausschließlich von Mungobohnenprotein ernähren. Einzige Ausnahme ist ein Berg in Italien: hier haben sich super Reiche angesiedelt, die neben frischer Luft auch viele Tierarten zur Verfügung haben, die dort durch ein Labor wieder zum Leben erweckt werden.
Die Reichen in ihrer Dekadenz essen was ihnen unter die Finger kommt, seien es die letzten noch lebenden Schimpansen oder längst ausgestorbene Mammutüberreste. Die Erzählerin arbeitet dort als Köchin und letztlich auch Schauspielerin, muss sie doch die Frau jenes Mannes mimen, der allen Reichen Investitionen in eine Insel der Seligen abluchsen will. Und sie fängt eine ungestüme Affäre mit dessen Tochter Aida an. Sie arbeitet nur einen Sommer dort, doch dieser sollte den Rest ihres Lebens verändern...
"Wo Milch und Honig fließen" ist eine Dystopie, die dystopischer kaum sein könnte. Doch irgendwie ist sie anders. Die Menschen scheinen kaum Interesse daran zu haben, den Zustand der Erde wieder zu verbessern. Nein, die Reichen wollen unter sich bleiben und alle anderen scheinen sich mit der Situation abgefunden zu haben. Doch die Welt als Gesamtes hat in dieser Geschichte ohnehin nicht viel Bedeutung, viel mehr beschreibt die Erzählerin ihren Alltag am Berg - das Zubereiten von den verschiedensten Tieren, das Verschwenden von Nahrungsmittel, die dekadentesten Abendmahle, das grausamste Gesicht der Menschen, denen es nur um ihr eigenes Wohl geht. Am Berg gibt es ein ganz eigenes System und die Erzählerin passt sich - zwar nicht bereitwillig aber doch - an dieses an, fügt sich, lässt alles geschehen. Zentral ist ihre Beziehung zu Aida, die zerstörerisch, aber leidenschaftlich ist. Schmerzhaft ist die mutmaßliche Empathielosigkeit und Gleichgültigkeit, sowohl von der Erzählerin, als auch von allen anderen beschriebenen Charakteren. Ich konnte das Buch nicht auf einmal lesen, sondern brauchte Monate dafür - so mitgenommen war ich oft von der Dekadenz und der Wurschtigkeit. Aber loslassen konnte ich das Buch trotzdem nicht. Es ist in einer genialen Sprache verfasst und die Charaktere und Atmosphäre sind so speziell, dass sie sich nachhaltig ins Gedächtnis brennen. Die Geschichte plätschert dahin, ist langatmig und der Alltag scheint sich in einem Fort zu wiederholen. Doch der letzte Teil ist dann rasant, mit vielen Wendungen und einem grandiosen Finish. Plötzlich versteht man alles und weiß, dass es doch um so viel mehr ging, als nur um den einem Sommer am Berg.
Mein Fazit: "Wo Milch und Honig fließen" ist wahrlich kein einfacher Roman. Es ist eine Dystopie, welche die dunkelsten Seiten der Menschheit aufzeigt. Die Autorin brilliert mit einer ganz speziellen, etwas trägen Sprache und versteht es schräge Charaktere einprägend zu beschreiben. Das Lesen tut oft weh, aber das grandiose Finale belohnt einen fürs Durchhalten. Ein wirklich spezieller Lesegenuss!
Rezensionen von Kwinsu:
Schein und Sein
Fucking Famous von Anne Hashagen
Lotte fehlt der Kick in ihrem Leben - ihr Bürojob langweilt sie und enttäuscht muss sie feststellen, dass ihr Sachbuch über Tinder floppt. Ihre Freundin Tessa hat die zündende Idee - sie will Lotte zu einer angesagten Influencerin machen. Und tatsächlich gelingt der Plan, wenn auch anders, als Lotte sich das gedacht hat.
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Ich bin mir ehrlich gesagt nach wie vor nicht sicher, was ich von diesem Roman halten soll... Den Titel und das Cover finde ich eher furchtbar, nichtsdestotrotz habe ich in das Buch reingelesen und fand den Schreibstil, den Aufbau und das Thema der Geschichte irgendwie reizvoll. Ich habe es gern gelesen, war fasziniert von dieser absurden Influencer-Welt, und bin mir doch nicht sicher, was dessen Kernaussage sein soll (wenn eine solche überhaupt intendiert ist). Nach Beendigung und einigen Tagen des Nachdenkens darüber hab ich immer noch etliche Fragezeichen im Kopf...
Die Protagonistin lässt sich von ihrer Freundin instrumentalisieren und digital bearbeiten - eigentlich ist ihr klar, dass das Online-Ich mit dem realen Ich nur sehr wenig zu tun hat. Sie lässt sich in diese Welt der Oberflächlichkeiten hineinwerfen, spielt mit, hat (wie der Titel schon sagt) doch auch sehr Spaß dabei, reflektiert diese (Schein-)Welt aber auch treffend, teils sarkastisch, und belächelt das ganze. Zudem trinkt Lotte ziemlich viel Alkohol, schießt damit oft über das Ziel hinaus, sodass ich mir nicht sicher bin, ob sie das macht, um tatsächlich den Spaß zu haben, den sie will oder doch um diese jämmerliche Welt von Sein und Schein erträglicher zu machen... Die Freundschaften, die sie hat oder hatte, scheinen ebenso auf Oberflächlichkeiten zu beruhen, anders kann ich mir nicht erklären, weshalb sie diese auch so sang und klanglos vergehen lässt. Andererseits hat Lotte viel Mitgefühl, was ihr nicht so nahestehende Menschen betrifft. Ihre Analysen der Social Media- und Influencer:innen-Welt sind treffend und ihr scheint sehr bewusst zu sein, dass es dort eigentlich nur um Manipulation und Geschäft geht. Schließlich: "Nur Aufmerksamkeit hat noch einen Wert." (S. 292) Trotzdem spielt Lotte mit, lässt sich sogar von ihrer Freundin überwachen, ohne dies groß zu hinterfragen. Kommt schlussendlich in eine äußerst brenzlige Situation, die sie kaum tiefer sinken lassen kann. Doch das Ende ist irgendwie genial und das Ziel der beiden Freundinnen scheint erreicht zu sein...
Der Roman ist eine Mischung aus Gesellschaftsbeobachtung und philosophischen Gedankengängen, gepaart mit einem sich Aneignen und Leben von Oberflächlichkeit und scheinbarer Beliebtheit. So kommen schlaue und schwarzhumorige Aussagen wie "Nein, die Looser [sic!], die Zurückgelassenen, die Ewig-Zweiten, die, die im Schatten stehen, die sind ironisch, nämlich um ihre Position der Schwäche ein wenig erträglicher zu gestalten. Ich verdränge den Gedanken gleich wieder, denn Ironie ist mein Steckenpferd." (S. 86) genauso vor wie irritierende Vorurteile wie "[...] und wir stoßen nochmal an mit den Skinny Bitches. [...] Alkohol, der gut für die schlanke Linie ist, einfach großartig. Ich muss an Adipöse denken, die sich ihren Schokoladenkonsum schönreden, weil Kakaobohnen so gut fürs Herz sind. Jeder lebt in seinem eigenen Märchen." (S. 101)
Genau dieser Wiederspruch zwischen genialen Analysen der (Online-)Gesellschaft und dem mutmaßlichen Anbiedern an Oberflächlichkeit und Ruhm machen "Fucking Famous" für mich so ungreifbar. Und ich frage mich: ist das alles nur ein schlechter Scherz oder doch ein scherzhaft vorgehaltener Spiegel? Eins ist jedoch sicher - so schnell vergessen werde ich dieses Buch sicher nicht!
Rezensionen von Lealein1906:
Hat mich nicht ganz abgeholt
Das andere Tal von Scott Alexander Howard
Leider hat mich dieses Buch nicht ganz abgeholt, obwohl ich die Idee sehr gut fand. Aber ich fand es sehr schwierig, immer wieder einen Anreiz zum Lesen zu finden und habe ungewöhnlich lange dafür gebraucht. Trotzdem glaube ich, dass das Buch durchaus seine Leserschaft hat.
Es geht um ein Tal, das im Osten und Westen jeweils eine Vergangenheits- und eine Zukunftsform hat.
Reisen dorthin gibt es aber nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen und Beobachtung. Wir begleiten Odile zunächst als junges Mädchen an der Schwelle zum Arbeiten und lernen mit ihr das Tal kennen.
Wie gesagt, finde ich die Idee zu diesem Buch sehr gut, das hat mich sehr angesprochen. Auch die Charaktere sind nicht schlecht, gerade die Jugendlichen sind sehr unterschiedlich und bilden einen guten Mix. Odile ist als Hauptcharakter okay, auch wenn ich mich nicht 100 Prozent in sie reinversetzen kann. Ich kann auch noch nichtmal genau sagen, wo es bei mir hängt, aber irgendwie dauern mir die gesamten Prozesse zu lange, vielleicht hätte für mich doch noch etwas mehr passieren müssen.
Was mich wirklich gestört hat (vor allem, weil ich darin einfach keinen Sinn sehe) ist, dass keine Anführungszeichen verwendet werden. Ob gerade jemand redet, muss man sich selbst aus dem Kontext erschließen. Man gewöhnt sich zwar dran, aber trotzdem ist es für mich einfach nervig. Auch in Literatur-Bücher gehören meiner Meinung nach Anführungszeichen. Der Schreibstil sonst ist auch okay, hat mich aber eben nicht sonderlich am Lesen gehalten.
Für mich war das Buch also nicht ganz so geeignet, deswegen die niedrige Sterne. Wer aber viel im Literatur-Bereich unterwegs ist, kann dem Buch sicher mehr abgewinnen als ich, deswegen würde ich dieser Leserschaft trotzdem eine Leseempfehlung geben.
Rezensionen von Sago:
Ödlandweh
Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland von Sarah Brooks
"...Er spricht von einer Krankheit namens Ödlandweh...Der Patient ist möglicherweise überzeugt, dass er verfolgt wird und umgehend den Zug verlassen muss. Es kann sein, dass er vergisst, wer er ist, wie er heißt und warum er sich überhaupt in dem Zug befindet. Bei umgehender Behandlung kann er wieder zu sich gebracht werden, aber es gelingt nicht bei jedem.
Es gibt keinerlei körperliche Anzeichen der Krankheit, sie ist heimtückisch - ein Entgleiten des Verstandes, wie Rostow es nennt."
Mit dem Ödland schafft Sarah Brooks eine fiktive, von Mauern umschlossene Landschaft zwischen China und Russland, die nur der Ödlandexpress der Transsibierien Kompanie durchqueren darf, schwer gepanzert und mit besonderem Sicherheitsglas versehen. Obwohl der Reiseschriftsteller Rostow in seinem Handbuch für den vorsichtigen Reisenden vor den Gefahren des Ödlandes warnt, weiß im Grunde niemand, wie es wirklich beschaffen ist und was bei der letzten Durchquerung des Zuges geschah. Doch nun macht sich der Ödlandexpress erneut auf die Reise und seine Passagiere ebenso wie die Crew haben ebenfalls manches zu verbergen. Und wie schon Nietzsche wusste, wenn du in den Abgrund blickt, blickt der Abgrund irgendwann auch in dich....
Es ist immer ein besonderes Lesefest, wenn ich auf einen Roman stoße, der sich einer herkömmlichen Klassifizierung entzieht. Er ist zwar einerseits schön, aber auch so unscheinbar verpackt, dass ich nur durch Zufall darauf gestoßen bin, was für wunderbare fantastische Elemente er enthält. Insofern hoffe ich, dass er trotz dieser fehlenden Information im Klappentext das richtige Publikum finden wird.
Sarah Brooks erzählt aus wechselhaften Perspektiven von dieser ungewöhnlichen Reise und versteht es meisterhaft und atmosphärisch dicht, die Grenzen der Realität erst allmählich, dann immer drängender verschwimmen zu lassen. Mit der tatsächlichen Beschaffenheit des Ödlandes weiß sie ebenso zu überraschen wie mit dem Ende des Buches. Ob das Ödland vielleicht eine Anspielung auf Tschernobyl und das Ende eine Anspielung auf das zeitgenössische Russland sind, kann jeder Lesende für sich entscheiden. Dieses hervorragende Debüt hat sich für mich jedenfalls als als andere als öde erwiesen.
Rezensionen von Lealein1906:
Wenn alles stimmt
Die Blumentöchter von Tessa Collins
Bei diesem Buch stimmt für mich einfach alles: die wechselnden, atemberaubenden, schön beschriebenen Plots, Geheimnisse aus der Vergangenheit, die nun langsam aufgelöst werden, tolle Charaktere, viel Familienbindung, Liebe und eine spannende Geschichte (und ein Farbschnitt) - was will man mehr. Klare fünf Sterne für dieses Buch und ich kann die Fortsetzung kaum erwarten.
Wir lernen noch kurz Rose kennen, die Großmutter, die die Familie zusammenhält, schade, dass sie dann stirbt. Aber das bereitet den Weg für die Geschichte mit Dalia, ein ganz toller Charakter, mit dem ich mich sofort identifizieren konnte. Man erlebt das Buch, die Geschichte, die Reise gerne mit ihr. Die Familie hat mich sofort fasziniert, der Stammbaum am Anfang des Buches hilft, alle zuordnen zu können, weil es ja doch recht viele und vor allem weibliche Figuren gibt. Dalia ist auf der Suche nach ihrem Vater, von dem sie eigentlich dachte, niemand weiß, wer es ist. Nun muss sie sich auf eine aufregende Suche begeben.
Der Schreibstil ist sehr schön leicht, die perfekte Sommerlektüre. Es gibt tolle Beschreibungen und man fühlt sich in dem Buch einfach sofort heimisch. Zum Glück ist das erst der Auftakt zu einer tollen Serie, auf die ich mich schon unheimlich freue.










