Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Tom89:
Eine kreative Welt, in der man sich verlieren kann
Arasis von Marvin Bensi
„Arasis: Identität“. Gehen wir rein.
Das Cover ist verträumt und diese Haltung findet sich absolut im Roman wieder. Aber ich wurde hier auch überrascht. Damit meine ich, dass es eben auch Kapitel gibt, die sehr düster und beklemmend sind. Aber der Reihe nach.
In Arasis begleiten wir Favon, einen angehenden Gardisten.
Mit seinem fliegenden Luchs Nappa bildet er ein Team, dem man beim Lesen einfach folgen will. Für mich waren es vor allem die kleinen Gesten, die diese zwei so real werden ließen. Sie vertrauen einander, und dieses Vertrauen ist bei dem, was auf sie wartet, auch bitter notwendig. Ich war jederzeit an ihrem Schicksal und dem Weg, der durch einige erdrückende Täler führt, interessiert.
Wenn ein Roman es schafft, dass du abends, am knisternden Lagerfeuer und mit Schürfwunden an Armen und Beinen, dabei bist und das kuschelige Fell des fliegenden Luchses neben dir regelrecht spüren kannst, dann macht er für mich so einiges richtig. Denn das ist es doch, worauf es beim Lesen ankommt. Vielleicht lässt sich das am besten in einem Wort festhalten: Immersion.
Dazu gibt es Figuren, die, wenn sie in Erscheinung treten, die Szene an sich reißen können. Die Dialoge sind dann pointiert, direkt, manchmal hart, aber immer unterhaltsam. Hin und wieder fliegen auch Schimpfwörter. Das war jetzt nicht unbedingt etwas, was ich immer passend fand. Aber man fiebert mit, weil gefühlt alles Mögliche geschehen könnte. Hier fühlte ich mich fast wie bei einem Bühnenstück. Und das meine ich absolut positiv.
Auch die Welt empfand ich als sehr reichhaltig. Fliegende Inseln, fliegende Tiere, Schiffe, die auf den Fäden von riesigen Spinnen dem Sonnenaufgang entgegensegeln, der mysteriöse Nebel, der unter den Inseln seine Bahnen zieht, oder natürlich der magische Rohstoff „Arasis“ – all das lässt das Fantasy-Herz höherschlagen. Für meinen Geschmack waren vielleicht etwas zu wenig Hintergrundinformationen vorhanden. Beim Lesen stellten sich mir doch Fragen, weshalb gewisse Dinge so sind, wie sie eben sind. Ja, der mystische Stoff „Arasis“ kann als Erklärung herangezogen werden. Aber dennoch war es mir einen Tick zu unkonkret. Gerade weil ich die Welt so aufgesogen habe, wollte ich mehr wissen.
Die Geschichte bietet neben Favon noch eine weitere Perspektive: Reika. Sie ist so ziemlich das exakte Gegenteil: Hart, vulgär, dreckig und rachsüchtig. Aber äußerst unterhaltsam. Wenn die Stränge spät im Roman enger rücken, zieht die Story nochmal anständig an. Dann werden offene Fragen sehr zufriedenstellend geklärt.
Der Schreibstil passt wunderschön zu dem, was der Roman erzählen will. Malerische Beschreibungen der himmlischen Welt wechseln sich mit düsteren, verruchten Schauplätzen ab. Manche Szenen sind derart konkret und intensiv, dass ich kurz innehalten wollte, um alles wirken zu lassen. Nur in wenigen Fällen war mir das eine Spur zu viel des Guten.
Fazit: „Arasis: Identität“ hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Endlich eine Welt, in der sich ein kreativer Geist voll ausgelebt hat. Die Figuren hoffen, leiden, träumen und scheitern.
Ich will wissen, wie es mit Favon, Reika und den anderen weitergeht. Und ich will sehen, was uns der Autor noch mit dem namensgebenden Arasis für Überraschungen bescheren kann.
5 von 5 Sternen.
Sattelt auf Gardisten – der Himmel ruft!


