Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Norbi_liest:
Mordermittlungen zwischen Schnapsbrennerei und Dorfidylle
Mord mit Schwips von Eva Cramer
Schweinhütt wirkt zunächst wie ein Ort, an dem nicht viel Aufregendes passiert. Umso größer ist die Überraschung, als ein Mord die Dorfgemeinschaft erschüttert. Romy Fuchs gerät dadurch erneut in die Welt der Recherchen und Ermittlungen, obwohl sie eigentlich einen Neuanfang gesucht hat.
Die Handlung entwickelt sich in einem angenehmen Tempo und bietet immer wieder neue Hinweise und Verdachtsmomente.
Besonders gut gefallen hat mir, dass der Täter nicht sofort offensichtlich war und verschiedene Figuren als mögliche Verdächtige infrage kommen.
Romy und Ben bilden ein interessantes Gespann. Ihre gemeinsame Vergangenheit schwingt ständig mit und sorgt für zusätzliche Spannung neben den eigentlichen Ermittlungen. Gleichzeitig bleibt der Kriminalfall stets im Mittelpunkt.
Der Schreibstil ist klar, flüssig und sehr zugänglich. Die Kapitel lassen sich zügig lesen und die Handlung bleibt jederzeit nachvollziehbar. Auch die Rückblicke tragen dazu bei, die Hintergründe einzelner Figuren besser zu verstehen.
Die Atmosphäre des Bayerischen Waldes wurde überzeugend eingefangen. Man merkt, dass die Autorin ihre Schauplätze kennt und gerne beschreibt. Das stimmungsvolle Cover passt sehr gut zu dieser regionalen Kulisse.
Wer einen klassischen Cozy Krimi mit sympathischen Figuren, einer soliden Handlung und einer schönen Portion bayerischem Flair sucht, wird hier bestens unterhalten. Mich hat das Buch auf jeden Fall überzeugt.
Viel Potenzial im Chaos verloren
Chaos von Andréa Ager-Hanssen
Das Cover wirkt modern und zugleich etwas rätselhaft, was gut zur Grundstimmung des Romans passt. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die sich mit familiären Altlasten, persönlichen Krisen und den Folgen ihrer Vergangenheit auseinandersetzen muss. Die Autorin greift dabei anspruchsvolle Themen auf und zeigt eindrucksvoll, wie stark Kindheitserfahrungen das spätere Leben prägen können.
Besonders die Familiengeschichte rund um den Vater besitzt eine gewisse Faszination und verleiht dem Roman Tiefe.
Schwierigkeiten bereitete jedoch die Erzählstruktur. Die häufigen Wechsel zwischen verschiedenen Zeitebenen machten es nicht immer leicht, der Handlung zu folgen. Über weite Strecken fehlte ein klar erkennbarer roter Faden, sodass Zusammenhänge erst spät oder gar nicht greifbar wurden. Die Figuren blieben für mich überraschend distanziert. Vor allem zu Hedda konnte ich nur schwer eine emotionale Verbindung aufbauen.
Der Schreibstil liest sich grundsätzlich flüssig und enthält einige starke Beobachtungen. Gleichzeitig verstärkte die sprunghafte Erzählweise das Gefühl der Orientierungslosigkeit. Die beklemmende Atmosphäre ist der Autorin jedoch zweifellos gelungen.
Am Ende bleibt für mich ein Roman mit interessanten Ansätzen und wichtigen Themen, dessen Umsetzung mich jedoch nicht vollständig erreichen konnte. Wer experimentelle Erzählformen schätzt, wird vermutlich mehr Freude daran haben als ich.
Wenn Worte tragen und Liebe Halt gibt
Write Me for You von Tillie Cole
Write Me for You hat mich nachhaltig berührt und ist ein Buch, das noch lange nach dem Lesen im Kopf und im Herzen bleibt. Die Geschichte von June, die plötzlich mit einer schweren Diagnose konfrontiert wird, wird mit großer Ruhe und viel Feingefühl erzählt. Nichts wirkt überzogen oder effekthascherisch, stattdessen fühlt sich alles sehr menschlich und nah an.
Gerade diese ruhige Art des Erzählens macht die Geschichte so eindringlich.
Tillie Cole gelingt es, das Thema Krankheit und die damit verbundenen Ängste und Unsicherheiten realistisch darzustellen, ohne den Leser zu überfordern. Man bekommt Einblick in Belastungen und Nebenwirkungen, bleibt dabei aber immer dicht bei den Figuren und ihren Gefühlen. Der Fokus liegt klar auf dem Erleben von June und Jesse und darauf, wie sie versuchen, mit ihrer Situation umzugehen. Das verleiht dem Roman viel Authentizität und Tiefe.
Jesse nimmt dabei eine besonders wichtige Rolle ein. Seine Art bringt Wärme, Zuversicht und Menschlichkeit in die Geschichte. Die Beziehung zwischen June und Jesse entwickelt sich behutsam und glaubwürdig, ohne hastige Dramatik. Gerade dieses langsame Annähern macht ihre Verbindung so berührend und echt. Auch die Freundschaft mit Emma und Chris trägt viel zur Atmosphäre des Romans bei und zeigt, wie wichtig Zusammenhalt in schweren Zeiten ist. Die Freundesgruppe gibt der Geschichte Leichtigkeit und Halt zugleich.
Der Schreibstil ist gefühlvoll, aber nie kitschig. Vieles geschieht zwischen den Zeilen und genau das macht den Roman so wirkungsvoll. Besonders gefallen hat mir auch die zusätzliche erzählerische Ebene durch Junes Schreiben. Sie gibt der Geschichte eine besondere Tiefe und zeigt, wie Worte helfen können, Gedanken zu ordnen und Gefühle auszudrücken.
Write Me for You ist eine sehr emotionale und zugleich warme Geschichte, die traurig machen kann, aber auch Hoffnung schenkt. Für mich ist es ein Buch über Nähe, Liebe und Verbundenheit und darüber, wie wertvoll gemeinsame Momente sind. Eine Geschichte, die man nicht nur liest, sondern mitnimmt und die noch lange nachhallt.
Wenn die Vergangenheit nicht schweigt
Fünf Fremde von Romy Fölck
Im Sommer 1995 verschwinden während eines Schullandheimaufenthalts auf Neuwerk zwei Jugendliche. Ein Kind kehrt verstört zurück, das andere bleibt verschollen. Dreißig Jahre später führt ein stürmischer Oktobertag mehrere Menschen zurück auf die Insel, die damals Teil dieser Ereignisse waren.
Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Zeitebenen und aus wechselnden Perspektiven. So setzt sich nach und nach ein vielschichtiges Bild zusammen, in dem sich alte Erinnerungen, verdrängte Schuld und neue Bedrohungen miteinander verweben. Das Setting auf der abgelegenen Insel verstärkt die beklemmende Atmosphäre zusätzlich und verleiht der Handlung eine fast klaustrophobische Dichte.
Die Figuren tragen sichtbar an ihrer Vergangenheit und bewegen sich in moralischen Graubereichen. Gerade dieses Unausgesprochene zwischen ihnen erzeugt Spannung und macht die psychologische Ebene des Romans besonders reizvoll. Im letzten Drittel verschiebt sich der Schwerpunkt spürbar von der Zuspitzung hin zur Erklärung der Ereignisse. Einige Motive und Abläufe wirken dabei sehr gebündelt, sodass einzelne Details etwas knapper ausfallen, als es die zuvor aufgebaute Erwartung nahelegt. Dennoch werden die zentralen Fragen schlüssig beantwortet und die Fäden sinnvoll zusammengeführt.
Der Schreibstil ist klar, atmosphärisch und eindringlich, besonders in den Natur- und Wetterschilderungen. Das Cover greift diese düstere Grundstimmung wirkungsvoll auf und spiegelt die isolierte Insellage visuell wider.
Ein spannungsstarker und psychologisch geprägter Inselthriller, der eindrucksvoll zeigt, wie sehr vergangene Entscheidungen das Leben in der Gegenwart bestimmen können, auch wenn nicht jede Wendung völlig makellos erscheint.
Ein kleines Wichtelabenteuer mit großem Herzen
Der kleine Grimlin und das ganz große Herz - Eine Freundschaftsgeschichte von Barbara Rose
Das Cover wirkt wie ein Blick in eine warme, märchenhafte Welt, in der kleine Figuren große Geschichten erleben dürfen. Schon die farbenfrohen Illustrationen lassen erahnen, dass hier eine liebevoll gestaltete Vorlesereise beginnt. Barbara Rose erzählt gemeinsam mit den Bildern von Laura Bednarski eine Geschichte, die in einer ruhigen, naturverbundenen Wichtelwelt spielt und dennoch viele wichtige Themen berührt.
Im Mittelpunkt steht der kleine Wichtel Grimlin, der sein friedliches Leben zwischen Mooshäuschen, Freunden und süßem Mirabelmus genießt. Als ein fremder Zauberer namens Tjelle ins Dorf kommt, verändert sich die Stimmung schnell und aus Neugier wird Misstrauen. Die Gemeinschaft reagiert vorschnell und grenzt das Neue aus, ohne wirklich hinzuschauen.
Grimlin jedoch spürt, dass hinter den Gerüchten mehr stecken könnte und entscheidet sich, selbst nach Antworten zu suchen. Dabei begibt er sich auf eine kleine Reise, die ihn nicht nur durch seine Welt führt, sondern auch seine eigenen Ängste sichtbar macht. Begegnungen mit unerwarteten Figuren zeigen ihm, dass Freundschaft oft dort entsteht, wo man sie am wenigsten erwartet.
Die Figuren sind kindgerecht, liebevoll und mit viel Fantasie gestaltet. Besonders Grimlin wirkt nahbar und sympathisch, weil er nicht perfekt ist, sondern lernt, hinter die Dinge zu schauen. Auch die Nebenfiguren bringen eine spielerische Leichtigkeit in die Geschichte, die das Vorlesen lebendig macht.
Der Schreibstil ist bildhaft und gut verständlich, wobei einzelne Passagen etwas ausführlicher gestaltet sind und sich gut zum gemeinsamen Lesen eignen. Die Illustrationen ergänzen die Handlung wunderbar und schaffen eine warme, fantasievolle Atmosphäre. Besonders gelungen ist die Verbindung aus Abenteuer, Humor und leisen Botschaften über Mut und Offenheit.
Das Fazit fällt sehr positiv aus, da die Geschichte auf sanfte Weise vermittelt, wie schnell Vorurteile entstehen und wie wichtig es ist, ihnen mit Neugier statt Ablehnung zu begegnen. Gleichzeitig steht Freundschaft im Mittelpunkt und zeigt, dass Vertrauen oft dort wächst, wo man es nicht sofort erwartet.
Ein warmherziges Vorlesebuch, das kleine und große Leser in eine liebevoll gestaltete Welt mitnimmt und dabei ein großes Herz für wichtige Werte zeigt.






