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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von 19cici95:

Ich hätte mir mehr gewünscht

The Flamebearer Trilogy 1: The Witch in the Dead of Night von Charlotte Buckley

The Witch in the Dead of Night ist die Geschichte von Finn. Einer Hexe, die davon ausgeht, eine der letzten ihrer Art zu sein und dementsprechend unwissend durch ihre kleine Welt stapft. Finn arbeitet als Hausmädchen im Schloss des Vampirkönigs Mordric, der ihr nach ihrer ersten Begegnung verfällt.

Zumindest scheint es so. Schnell überhäuft er Finn mit viel Aufmerksamkeit und Liebe, schottet sie von ihren Freunden aus dem Bediensteten-Trakt ab und lässt ihre Hexenfähigkeiten von seinem Bruder trainieren.
Die erste Hälfte des Buchs fand ich wahnsinnig spannend. Es geht schnell zur Sache zwischen Finn und Mordric, doch unter dem liebevollen Deckmantel des Königs zeichnet sich eine toxische Beziehung ab. Diese ist so subtil geschrieben, dass die Lesenden im Ansatz nachvollziehen können, wie sich eine derartige Beziehungsdynamik auch in der echten Welt entwickeln kann.
Weniger gut gefallen hat mir die Naivität und Unwissenheit der Protagonistin. Ja, sie ist eine der letzten Hexen und niemand konnte ihr zeigen, wie ihre Macht funktioniert, doch so gar nichts über sein Wesen zu wissen, nicht mal wie lang die eigene Lebenserwartung ist, klingt in meinen Ohren nach schlechtem Worldbuilding.
Ein Plot ist in diesem Buch auch nahezu nicht vorhanden. Es verschwinden zwar ein paar Mädchen, doch das wird nie richtig zu einer Motivation für Finn. Auch die Politik im Königreich wird angeschnitten, doch mehr als den Wunsch des Königs an der Macht zu bleiben (ach was) bekommen wir hier auch nicht.
Einzig Enhart, der Bruder des Königs, der die unwissende Finn trainieren soll, wird genug charakterisiert, um ihn mögen zu können. Und das obwohl er natürlich gar nicht gemocht werden will. Und schon gar nicht von Finn ;)
Ich hätte mir hier einfach ein wenig mehr gewünscht. Mehr Charakter, mehr Story, mehr Gefühl. Hoffentlich kann der zweite Band hier mehr punkten.

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Mein Buch des Jahres?

A Song I Wrote for Charlotte von Caitlin Devlin

Auf den ersten Blick dachte ich, das Buch ist nichts für mich. Ich mag keine Coming-of-Age-Geschichten, bin zu alt für YA und mit Musik habe ich auch nichts am Hut. Außerdem finde ich das Cover leider gar nicht ansprechend. Doch der Insel-Verlag enttäuscht mal wieder nicht, nein, er schafft es hier sogar, einen starken Konkurrenten für mein Buch des Jahres zu veröffentlichen.

Connie hat ihr Leben durchgeplant und muss dann damit klarkommen, dass nichts nach Plan läuft. Das fällt ihr umso schwerer als sie eindeutig neurodivergent ist, was sie und ihre Eigenheiten wahnsinnig liebenswert rüberkommen lässt. Dann trifft sie auf die planlose Charlotte, die das Leben nimmt, wie es kommt und die Connie einfach als Freundin adoptiert. Bereits nach wenigen Seiten haben es Connie und Charlotte in mein Herz geschafft und auch die Nebencharaktere, wie ihre vier Mitbewohner und die Familie von Connie bleiben zu keiner Sekunde zu blass.
Connie muss mit den Erwartungen anderer und ihrer eigenen klarkommen, während Charlotte sich immer mehr in ihr Herz drängt. Doch auch Charlotte hat mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen und so nähern sich die beiden über ihre gemeinsame Liebe zur Musik immer weiter an.
Dieses Buch hat mich am Ende auseinandergerissen. Ich habe geheult vor Trauer und vor Freude, vor der Liebe zu den Charakteren und deren Found Family. Ich wollte das Buch sofort wieder von vorne anfangen und alles annotieren, was mir wichtig erscheint (wahrscheinlich sollte ich vorher mehr Post-ist kaufen).

Dieses Buch empfehle ich vor allem den Fans von John Greens Looking for Alaska und Die drei Leben der Cate Kay von Kate Fagan.
Lest dieses Buch!

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Viel Potenzial verschenkt

Ms Atkins und die Bibliothek der Träume von Vanessa Göcking

Dieses Buch hatte das Potenzial etwas ganz Großes zu werden. Stattdessen hat der Abklatsch der Mitternachtsbibliothek in beinahe allen Punkten unüberwindbare Schwächen.

Punkt 1 – die Charaktere: Auf ca. 320 Seiten vier (!!) Charaktere mit tragischer Hintergrundgeschichte, ausreichend Charakterisierung in der Gegenwart und genug Charakterentwicklung zum Ende zu schreiben, klingt nahezu unmöglich - und die Autorin Vanessa Göcking hat es nicht geschafft.

Die Protagonistin Ms Atkins, nach der das Buch ja immerhin benannt ist, hat keine weitere Charaktereigenschaft als die, die man bereits dem Klappentext entnehmen kann (gewissenhaft und regelkonform). Dass sie früher einmal anders war, bekommt man zwar gesagt, aber so richtig kann man den Schilderungen nicht glauben, denn die Rückblenden kommen viel zu kurz.
Die Wende, die sie am Ende ereilt, war zwar für ein Buch dieser Art erwartbar, aber man hat es dem Charakter einfach nicht abkaufen können. Denn natürlich kann Ms Atkins nur mithilfe dreier leidgeprüfter neuer Freunde aus ihrem starren Beamtenleben ausbrechen. Die Jugendlichen Henry und Xiao Mei, die ebenfalls mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben, sowie dem älteren Herrn Robert (der mir von allen Charakteren und Hintergrundgeschichten noch die liebste war). Am Ende bekommen zwar alle einen Abschluss, aber so richtig interessiert hat es mich bei keinem. Und dann noch der unnötige Epilog, der nochmal zwei neue Charaktere einbringt. Das ist auf 320 Seiten einfach zu viel.

Punkt 2 – der Schreibstil: ja, die Autorin hat bereits Bestseller geschrieben, doch die waren mehr oder weniger Sachbücher, was Ms Atkins zu ihrem Debüt in der Belletristik macht. Und das merkt man. Die Sätze sind teilweise unbeholfen, Dialoge wirken sehr gestelzt. Hier hätte man wahrscheinlich von einem guten Lektorat noch mehr profitieren können. Bei meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass dieses Buch unter dem eigenen Verlag der Autorin herausgegeben wurde.

Punkt 3 – die Themen: Das Buch beinhaltet sehr schwierige Themen, die teilweise den Verlauf der Handlung spoilern würden, wenn ich sie hier erwähnte. Diese werden teils gut rübergebracht, teils aber auch ziemlich schnell abgehandelt. Gerade Xiao Meis Geschichte kam mir viel zu kurz und hätte für den Plot auch komplett weggelassen werden können, wenn man dann die 320 Seiten besser auf nur drei Charaktere verteilen muss.

Gut gefallen hat mir die Atmosphäre in der Bibliothek (aber auch nur dort). Wie die altehrwürdigen Hallen und dann auch die Traumkorridore beschrieben waren, war sehr anschaulich. Leider bekommt man von den tollen Träumen fast gar nichts mit.

Alles in allem hatte mir das Buch zu viele Schwächen für das was es sein wollte. Wer eine ähnliche Thematik besser ausgearbeitet lesen will, dem kann ich die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig und Das erstaunliche Leben des A. J. Fikry von Gabrielle Zevin weitaus mehr ans Herz legen.

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Oh, die gute alte Schatzsucher-Zeit

Das verfluchte Gold von Hell Gate von Davide Morosinotto

Zuerst mal ein Riesen-Lob an die Cover-Gestalter:innen. Der halbe Schuber, der eine wunderschön illustrierte Streichholzschachtel darstellt, ist ein absoluter Hingucker. Ich bin eigentlich niemand, der Bücher nur aufgrund des Aussehens kauft, aber bei diesem kann man durchaus eine Ausnahme machen. Vor allem, weil der Inhalt ebenfalls absolut überzeugt.

Unsere Protagonisten, fünf Jugendliche, die fast unterschiedlicher nicht sein könnten, haben vor allem eine Gemeinsamkeit: sie sind Kinder von Einwanderern und leben in einem etwas ärmeren Viertel von New York. Und sie sind hungrig nach Abenteuern und dem fast naiv-kindlichen Wunsch (der allen Kindern zu Eigen ist) die Welt zu verändern. Wie sich herausstellt, erreichen sie am Ende beides.
Wer Stand by Me von Stephen King gelesen hat, fühlt sich durch den Beginn der Geschichte stark daran zurückerinnert. Die Jugendlichen machen sich auf den Weg eine Leiche anzuschauen und stoßen dabei auf ein Rätsel, das sie nicht nur mit der New Yorker Mafia in Kontakt bringt, sondern auch mit einem Leichenwagen, Booten und der U-Bahn in den frühen Jahren New Yorks. Die Stimmung der Stadt wird fantastisch eingefangen und dargestellt. Die Stadt steht noch zwiegespalten zwischen Pferdekutschen auf der einen Seite und dem modernen Automobil und der U-Bahn auf der anderen.
Eine weitere Reminiszenz an Stephen Kings Es ist eine rivalisierende Gruppe von Jugendlichen, die an einem Punkt mit Steinen in die Flucht geschlagen werden.

Die Jugendlichen handeln durchweg, wie man es von ihnen erwarten würde und sind daher ungeheuer greifbare Charaktere. Die Erkenntnis, dass ein Plan vielleicht doch nicht so gut ist, wie er sich anfangs angehört hat, ereilt die Charaktere immer wieder, wenn sie ihn schon halb ausgeführt haben. Als erwachsene Person ist das jedoch nicht nervig zu Lesen, sondern immer noch amüsant und spannend, was hauptsächlich am Schreibstil von Davide Morosinotto liegt.

Durch die Illustrationen im Buch ergibt sich teilweise fast eine zweite Geschichte innerhalb der Haupt-Geschichte. Meist erfahren wir durch die gestalteten Seiten mehr über die Vorfahren unserer Protagonisten oder etwas Hintergrundgeschichte zu anderen Nebencharakteren, auf die wir dann im folgenden Kapitel treffen. Hinten im Buch ist ein klarer Disclaimer zur Verwendung von KI in diesen Abbildungen abgedruckt. Ich befürworte zwar nicht die Verwendung von KI, stelle aber positiv heraus, dass hier die Verwendung zumindest offen kommuniziert wird. Der Text hingegen ist laut Angabe vorne im Buch völlig ohne KI erstellt worden.

Dieses Buch ist für mich eine absolute Empfehlung für Kinder und Jugendliche, die gerne spannende Abenteurerromane lesen, aber gleichzeitig auch für Erwachsene. Die Themen, für die es speziell eine Triggerwarnung im Buch gibt, werden gut aufgearbeitet, aber auch schonungslos dargestellt.

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Grandioses Konzept mit mangelnder Ausarbeitung

FIVE - Das Ticken der Zeit von Ilona Bannister

Die Autorin Ilona Bannister hat es mit diesem Buch wahrscheinlich geschafft, ein neues Subgenre von Thrillern zu erfinden. In Echtzeit werden auf 320 Seiten nur fünf Minuten erzählt.
Das Setting ist ein Bahnsteig in London (bestimmt einen Ausflug wert, sich genau diesen im Urlaub mal anzuschauen), die Charaktere lassen sich an einer Hand abzählen (wisst ihr, wegen fünf, haha) und sind ungefähr so sympathisch, wie ein Großteil der Pendler, die euch morgens im Zug gegenüber sitzen.

Drei der Charaktere kennen sich schon vorher, eine liegt im Sterben, ein anderer würde gerne. Sie alle haben mal mehr, mal weniger interessante Hintergrundgeschichten, die wir im Laufe des Buchs erfahren. Jeder der Charaktere kämpft mit seinen eigenen Problemen, teils wird die gesamte Kindheit aufgearbeitet.
Das Ende ist klar: einer der fünf stirbt. Und Ilona Bannister wendet sich mit einem Bruch durch die vierte Wand direkt an die Lesenden. Wer hat es verdient zu sterben? Wer hat genug schlimme Dinge getan? Wer hat sich vielleicht rehabilitiert?

Man muss dieses Buch selbst lesen, um die Fragen darauf zu beantworten, denn die Gefühle, die man beim Lesen bekommt, schwanken sehr durch die starke Charakterisierung durch die Autorin. Ich mochte besonders das Augenmerk auf Andersartigkeit und Zugehörigkeit, wie es Ilona Bannister es selbst in ihrer Vita angibt. Der Schreibstil ist leicht verständlich und flüssig zu lesen, nur das Ende hätte ich mir ein bisschen ausführlicher vorgestellt.
Schlussendlich war es ein interessantes Buch mit einem außergewöhnlichen Konzept, in dessen Art wir hoffentlich nochmal etwas lesen dürfen.

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Wer ein Fan von Found Familiy-Tropes ist, kann hier ein neues Lieblingsbuch finden

Eine kleine Schwindelei von Rosanna Pike

Dieser Debütroman von Rosanna Pike hat es mir schon gleich auf den ersten Seiten angetan. Der Schreibstil ist so außergewöhnlich und mal so etwas völlig anderes als bei anderen Büchern, die auch aus der Ich-Perspektive geschrieben sind. Man muss Bonnie Garmus wirklich Recht geben, wenn sie auf dem Cover sagt, dass Tibb Inglebys Stimme mitreißend und brillant ist.

Apropos Cover: das ist ja wohl auch wirklich einfach wunderschön. Und wenn man das Buch fertig gelesen hat, auch absolut passend.

Die erste Hälfte des Buches dreht sich noch hauptsächlich um das frühere Leben von Tibb und ihren Erfahrungen mit Müttern, Männern und Schwestern, bevor sie Ivo kennenlernt und wieder verliert. Diese Hälfte ist fast episodenartig erzählt, wir folgen keiner festen Struktur, eher einzelnen Tagen aus ca. zwei Jahren ihres Lebens. Erst danach kommt der Plot ins Rollen und die namensgebende Schwindelei wird ausgeheckt. Und ach Tibb, wie großartig intelligent und doch dumm du bist.
Dazwischen haben wir Kapitel aus einer anderen Sicht als Tibbs, die erstmal verwirren, sich aber später mit Tibbs Erzählungen zu einem Ganzen ergänzen.
Alle Charaktere sind liebenswert und mit so viel Hintergrund erdacht worden, dass ihre Beweggründe, wenn schon nicht für die anderen, dann wenigstens für sich selbst Sinn ergeben.
Zur Schwindelei an sich kann man leider gar nicht so viel sagen, ohne zu viel vorwegzunehmen. Nur so viel: es geht um Wunder, Milch und Nachttöpfe.

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Eine schrecklich dysfunktionale Familie

Sommerhaus von Rachel Joyce

Was wollte die Autorin Rachel Joyce mir mit dieser Geschichte sagen? 460 Seiten später weiß ich es leider immer noch nicht, denn Sommerhaus ist weder ein Krimi, noch ein Thriller, auch wenn der Klappentext das vielleicht vermuten lässt. Am ehesten passt das Label „Familien-Drama“ zu diesem Buch.

Denn wenn der 76-jährige Vater verkündet, eine 27-Jährige heiraten zu wollen und dann noch beim Schwimmen ums Leben kommt, kann man mit seinen Geschwistern schon mal auf Ideen kommen.
Allen voran die Älteste Netta, die als Anwältin eine Verschwörung aufdecken will. Susan hat hauptsächlich das leibliche Wohl der Sommerhaus-Gäste im Blick und Iris, die Jüngste, hat sowieso einen Schlag weg. Ach ja, und dann gibt es noch Gustav, der anfangs so wenig charakterisiert wird, dass er am Ende plötzlich der Hauptcharakter ist.
Die junge Ehefrau, die von den Geschwistern für den Tod und auch alles, was noch im Leben des Verstorbenen passiert ist, verantwortlich gemacht wird, vergeht entweder in Trauer oder ist so abgebrüht, dass sich die vier Geschwister allein durch ihre Anwesenheit gegenseitig zerfleischen. Aus Nichtigkeiten werden Katastrophen gemacht. Das Buch ergeht sich in Andeutungen, dass die Geschwister in der Zukunft nicht mehr miteinander reden, doch wenn man sich durch die teils langwierige Erzählung hindurchgearbeitet hat, wird man von der Auflösung enttäuscht. Es scheint, als folgt man vier verzogenen Gören, die von ihrem Vater vernachlässigt wurden, ihn aber trotz allem als Heiligen stilisieren. Eine zufriedenstellende Auflösung des Plots, sofern überhaupt vorhanden, gibt es nicht und auch die Charaktere haben mich am Ende einfach nur noch genervt.

Erzählt ist die Geschichte in teils sehr lyrischer Sprache. Rachel Joyce verwendet sehr viele Andeutungen, die dann aber den Lesenden im Folgenden erklärt werden. Diese Redundanz macht sich auch in den immer gleichen Konflikten zwischen den Charakteren bemerkbar und stört den Lesefluss und das Lesevergnügen deutlich.

Dieses Buch war absolut nichts für mich – leider weiß ich aber auch nicht, für wen sonst.

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Ein Buch thematisch so schwer wie die Tagesschau und so locker geschrieben wie ein Insta-Post

Most Hated Girl von Kirsty Lockwood

Odette ist eine junge Frau, die in den schwierigsten Verhältnissen aufgewachsen ist und sich nicht damit abfinden will. Trotz aller ihr in den Weg gelegten Widerstände, sei es durch ihre eigene Mutter und deren Freunde oder dem britischen Jobcenter, kämpft sie sich auf bewundernswerte Weise durch das Leben.

Über weite Strecken könnte Odettes Unfähigkeit sozial mit anderen Menschen zu verkehren, wie Neurodivergenz gedeutet werden. Dieses Thema wird zumindest aber nicht ausdrücklich aufgegriffen. Eher wird auf ihre verkorkste Mutter eingegangen, die Odette von anderen Menschen fern hält. Deswegen wünscht sie sich nichts mehr als Freunde – und zu Amos Verderben, findet sie welche.
Die Beziehung zwischen der 19-jährigen Odette und dem 80-jährgen Amos fängt unscheinbar an und entwickelt sich zusehends in eine Richtung, die von der Öffentlichkeit erst gefeiert und dann abgelehnt wird. Das Social-Media-Thema ist immer präsent, wird jedoch nie zum Hauptteil der Geschichte, was mir grundsätzlich sehr gut gefallen hat. Einzig die Darstellung der Entwicklung wie sich Odette ihre Kenntnisse über Social Media aneignet, kommt ein bisschen zu kurz. Dafür, dass sie lange Zeit nicht mal ein Handy besaß, weiß sie am Ende ziemlich gut, wie man im Livestream am besten viral geht.
Der Titel des Buches ist natürlich aufmerksamkeitsheischend gewählt. Der Hass, der Odette entgegenschlägt kommt aber leider nicht so wirklich rüber. Man kriegt einige Hasskommentare zu sehen, doch eine richtige hasserfüllte Stimmung ihr gegenüber will sich beim Lesen nicht wirklich einstellen. Dafür ist die Beziehung zwischen Odette und Amos sehr gut geschrieben. Bei jeder Seite und jedem Stimmungswechsel stellt man sich selbst und seine Empfindungen in Frage, und Amos und Odette gleich mit. Dadurch kann Odettes Reise mit Amos am eigenen Leib nachgefühlt werden. Auf die genaue Thematik will ich aus Spoilergründen nicht näher eingehen, doch ich empfehle das Buch ganz klar für Leute, die mal eine ganz andere Art Beziehungsroman lesen wollen, der unterhaltsam und spannend geschrieben wichtige Themen aufgreift.

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Leider enttäuschend

Die Villa von Markus Heitz

Als ich gesehen habe, dass der Meister des deutschsprachigen Fantasys einen Horror-Roman geschrieben hat, war ich total vorfreudig.
Die zentrale Figur ist hier ein Gebäude, in Anlehnung an die vielen Gothic Horror Novels, die ein ähnliches Motiv aufweisen.
Die erste Überraschung war dann die Kürze des Buches.

Nur knapp über 300 Seiten und dann noch mit einem Handlungsstrang in Deutschland und einem in England – man hätte stutzig werden können.

Die ersten Kapitel beginnen vielversprechend. Die Ersteherin der Villa wird vorgestellt (hier geht einmal vielen Dank raus für die Erwähnung des Berufs der Rechtspflegerin), dann die Funktionsweise der Villa und schließlich auch Tochter Marina. Der Plot geht flott voran (wie gesagt, kaum über 300 Seiten), manchmal passieren Zeitsprünge, auf die nicht näher eingegangen wird.
Und hier fangen dann auch die Probleme des Buches an. Sowohl die Protagonistin Doreen, als auch Marina sind als Charaktere kaum bis gar nicht zu greifen. Marina pubertiert und macht Musik und Doreen – ja, die wechselt ihre Meinungen mit dem Wind. Erst Villa verkaufen, dann wieder nicht, dann als sie schon halb fertig restauriert ist auf einmal doch wieder. Man weiß nicht woran man bei ihr ist und ich führe das auf eine Plot- und Pacing-Problematik zurück. Z.B. erfährt Doreen, dass ihr Nachbar gestorben ist und mehr als ein Schulterzucken hat sie dafür nicht übrig, sie geht zurück zur Party, die in diesem Moment der eigentliche Handlungsstrang ist. Für die Kürze des Buchs gibt es zu viele Charaktere (Immobilienhai, Schläger, englischer Mann) und zu viel Hintergrundstory. Das wäre alles super spannend gewesen, wenn es Zeit gehabt hätte, sich zu entfalten.

Die eigentlichen Horror-Szenen sind wie gewohnt gut geschrieben und haben während des Lesens wirklich Spaß gemacht. Einzige Kritik auch hierbei: sie waren zu kurz und wenig einflussreich auf die Handlung. Sobald der Horror vorbei war, war auch die ängstliche Stimmung vorbei. Ich habe nicht mit den Protagonisten mitgefiebert, deswegen war mir am Ende auch egal, was mit ihnen passiert.
Das Ende war okay, hätte aber besser als ein 08/15-Ende einer Horror-Geschichte sein können.

Alles in allem bin ich leider ziemlich enttäuscht von diesem Buch. Besonders, wenn man schon mehrere Heitz-Bücher gelesen hat und eigentlich weiß was er kann.

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Wer Travis Baldrees cosy Fantasys liebt, kann hier bedenkenlos zuschlagen

Cursed for Good – Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen. von Amy Coombe

Die Prinzessin Tandy ist eine People Pleaserin sondergleichen. Deswegen muss sie als Vertreterin der königlichen Familie durch das ganze Reich reisen und Städten ihre Aufwartung machen. Dabei schneidet sie Bänder zu Brückeneröffnungen durch, tanzt mit langweiligen Abgeordneten und segnet Einhörner.

Während sie einige Dinge an diesen Reisen ermüden, genießt sie jedoch die Zeit in der Kutsche, denn dann kann sie ihrer eigentlichen Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Lesen.

Ein Buch über Bücher, Buchhandlungen, magische Irrlichter, Flüche, eine Drakonin und einen Piraten. Mit Besagtem gibt es natürlich eine Liebesgeschichte, doch diese ist wirklich nur eine – zugegebenermaßen sehr süße – Fußnote in diesem Buch. Viel wichtiger sind die Beziehungen, die Tandy mit Sasha, der pubertierenden Drakonin, und anderen Bewohnern des Ortes aufbaut und die persönliche Weiterentwicklung, die sie dadurch erfährt, dass sie das erste Mal in ihrem Leben für etwas Eigenes verantwortlich ist.

Mit der Hilfe des halben Ortes (und des Piraten) verwandelt Tandy den Buchladen in ihr eigenes kleines Reich und muss sich am Ende etwas Großes eingestehen, um ihre Fluch zu brechen. Doch will sie die Buchhandlung überhaupt noch verlassen?

Der Schreibstil ist einfach und flüssig zu lesen. Mit Witz und Charme zieht uns Tandy auf ihre Seite. Es gibt weder große Überraschungen, noch Szenen, die zu Herzklopfen führen, doch genau das ist es, was den cosy vibe ausmacht. Die Geschichte mit den sieben Prinzen (m,w,d) ist natürlich obligatorisch für ein Buch, das einen Fluch zum Aufhänger macht. Die Umsetzung hat Spaß gemacht, auch wenn mindestens einer der Prinzen gekürzt hätte werden können.

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