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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von 19cici95:

Wer ein Fan von Found Familiy-Tropes ist, kann hier ein neues Lieblingsbuch finden

Eine kleine Schwindelei von Rosanna Pike

Dieser Debütroman von Rosanna Pike hat es mir schon gleich auf den ersten Seiten angetan. Der Schreibstil ist so außergewöhnlich und mal so etwas völlig anderes als bei anderen Büchern, die auch aus der Ich-Perspektive geschrieben sind. Man muss Bonnie Garmus wirklich Recht geben, wenn sie auf dem Cover sagt, dass Tibb Inglebys Stimme mitreißend und brillant ist.

Apropos Cover: das ist ja wohl auch wirklich einfach wunderschön. Und wenn man das Buch fertig gelesen hat, auch absolut passend.

Die erste Hälfte des Buches dreht sich noch hauptsächlich um das frühere Leben von Tibb und ihren Erfahrungen mit Müttern, Männern und Schwestern, bevor sie Ivo kennenlernt und wieder verliert. Diese Hälfte ist fast episodenartig erzählt, wir folgen keiner festen Struktur, eher einzelnen Tagen aus ca. zwei Jahren ihres Lebens. Erst danach kommt der Plot ins Rollen und die namensgebende Schwindelei wird ausgeheckt. Und ach Tibb, wie großartig intelligent und doch dumm du bist.
Dazwischen haben wir Kapitel aus einer anderen Sicht als Tibbs, die erstmal verwirren, sich aber später mit Tibbs Erzählungen zu einem Ganzen ergänzen.
Alle Charaktere sind liebenswert und mit so viel Hintergrund erdacht worden, dass ihre Beweggründe, wenn schon nicht für die anderen, dann wenigstens für sich selbst Sinn ergeben.
Zur Schwindelei an sich kann man leider gar nicht so viel sagen, ohne zu viel vorwegzunehmen. Nur so viel: es geht um Wunder, Milch und Nachttöpfe.

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Eine schrecklich dysfunktionale Familie

Sommerhaus von Rachel Joyce

Was wollte die Autorin Rachel Joyce mir mit dieser Geschichte sagen? 460 Seiten später weiß ich es leider immer noch nicht, denn Sommerhaus ist weder ein Krimi, noch ein Thriller, auch wenn der Klappentext das vielleicht vermuten lässt. Am ehesten passt das Label „Familien-Drama“ zu diesem Buch.

Denn wenn der 76-jährige Vater verkündet, eine 27-Jährige heiraten zu wollen und dann noch beim Schwimmen ums Leben kommt, kann man mit seinen Geschwistern schon mal auf Ideen kommen.
Allen voran die Älteste Netta, die als Anwältin eine Verschwörung aufdecken will. Susan hat hauptsächlich das leibliche Wohl der Sommerhaus-Gäste im Blick und Iris, die Jüngste, hat sowieso einen Schlag weg. Ach ja, und dann gibt es noch Gustav, der anfangs so wenig charakterisiert wird, dass er am Ende plötzlich der Hauptcharakter ist.
Die junge Ehefrau, die von den Geschwistern für den Tod und auch alles, was noch im Leben des Verstorbenen passiert ist, verantwortlich gemacht wird, vergeht entweder in Trauer oder ist so abgebrüht, dass sich die vier Geschwister allein durch ihre Anwesenheit gegenseitig zerfleischen. Aus Nichtigkeiten werden Katastrophen gemacht. Das Buch ergeht sich in Andeutungen, dass die Geschwister in der Zukunft nicht mehr miteinander reden, doch wenn man sich durch die teils langwierige Erzählung hindurchgearbeitet hat, wird man von der Auflösung enttäuscht. Es scheint, als folgt man vier verzogenen Gören, die von ihrem Vater vernachlässigt wurden, ihn aber trotz allem als Heiligen stilisieren. Eine zufriedenstellende Auflösung des Plots, sofern überhaupt vorhanden, gibt es nicht und auch die Charaktere haben mich am Ende einfach nur noch genervt.

Erzählt ist die Geschichte in teils sehr lyrischer Sprache. Rachel Joyce verwendet sehr viele Andeutungen, die dann aber den Lesenden im Folgenden erklärt werden. Diese Redundanz macht sich auch in den immer gleichen Konflikten zwischen den Charakteren bemerkbar und stört den Lesefluss und das Lesevergnügen deutlich.

Dieses Buch war absolut nichts für mich – leider weiß ich aber auch nicht, für wen sonst.

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Ein Buch thematisch so schwer wie die Tagesschau und so locker geschrieben wie ein Insta-Post

Most Hated Girl von Kirsty Lockwood

Odette ist eine junge Frau, die in den schwierigsten Verhältnissen aufgewachsen ist und sich nicht damit abfinden will. Trotz aller ihr in den Weg gelegten Widerstände, sei es durch ihre eigene Mutter und deren Freunde oder dem britischen Jobcenter, kämpft sie sich auf bewundernswerte Weise durch das Leben.

Über weite Strecken könnte Odettes Unfähigkeit sozial mit anderen Menschen zu verkehren, wie Neurodivergenz gedeutet werden. Dieses Thema wird zumindest aber nicht ausdrücklich aufgegriffen. Eher wird auf ihre verkorkste Mutter eingegangen, die Odette von anderen Menschen fern hält. Deswegen wünscht sie sich nichts mehr als Freunde – und zu Amos Verderben, findet sie welche.
Die Beziehung zwischen der 19-jährigen Odette und dem 80-jährgen Amos fängt unscheinbar an und entwickelt sich zusehends in eine Richtung, die von der Öffentlichkeit erst gefeiert und dann abgelehnt wird. Das Social-Media-Thema ist immer präsent, wird jedoch nie zum Hauptteil der Geschichte, was mir grundsätzlich sehr gut gefallen hat. Einzig die Darstellung der Entwicklung wie sich Odette ihre Kenntnisse über Social Media aneignet, kommt ein bisschen zu kurz. Dafür, dass sie lange Zeit nicht mal ein Handy besaß, weiß sie am Ende ziemlich gut, wie man im Livestream am besten viral geht.
Der Titel des Buches ist natürlich aufmerksamkeitsheischend gewählt. Der Hass, der Odette entgegenschlägt kommt aber leider nicht so wirklich rüber. Man kriegt einige Hasskommentare zu sehen, doch eine richtige hasserfüllte Stimmung ihr gegenüber will sich beim Lesen nicht wirklich einstellen. Dafür ist die Beziehung zwischen Odette und Amos sehr gut geschrieben. Bei jeder Seite und jedem Stimmungswechsel stellt man sich selbst und seine Empfindungen in Frage, und Amos und Odette gleich mit. Dadurch kann Odettes Reise mit Amos am eigenen Leib nachgefühlt werden. Auf die genaue Thematik will ich aus Spoilergründen nicht näher eingehen, doch ich empfehle das Buch ganz klar für Leute, die mal eine ganz andere Art Beziehungsroman lesen wollen, der unterhaltsam und spannend geschrieben wichtige Themen aufgreift.

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Leider enttäuschend

Die Villa von Markus Heitz

Als ich gesehen habe, dass der Meister des deutschsprachigen Fantasys einen Horror-Roman geschrieben hat, war ich total vorfreudig.
Die zentrale Figur ist hier ein Gebäude, in Anlehnung an die vielen Gothic Horror Novels, die ein ähnliches Motiv aufweisen.
Die erste Überraschung war dann die Kürze des Buches.

Nur knapp über 300 Seiten und dann noch mit einem Handlungsstrang in Deutschland und einem in England – man hätte stutzig werden können.

Die ersten Kapitel beginnen vielversprechend. Die Ersteherin der Villa wird vorgestellt (hier geht einmal vielen Dank raus für die Erwähnung des Berufs der Rechtspflegerin), dann die Funktionsweise der Villa und schließlich auch Tochter Marina. Der Plot geht flott voran (wie gesagt, kaum über 300 Seiten), manchmal passieren Zeitsprünge, auf die nicht näher eingegangen wird.
Und hier fangen dann auch die Probleme des Buches an. Sowohl die Protagonistin Doreen, als auch Marina sind als Charaktere kaum bis gar nicht zu greifen. Marina pubertiert und macht Musik und Doreen – ja, die wechselt ihre Meinungen mit dem Wind. Erst Villa verkaufen, dann wieder nicht, dann als sie schon halb fertig restauriert ist auf einmal doch wieder. Man weiß nicht woran man bei ihr ist und ich führe das auf eine Plot- und Pacing-Problematik zurück. Z.B. erfährt Doreen, dass ihr Nachbar gestorben ist und mehr als ein Schulterzucken hat sie dafür nicht übrig, sie geht zurück zur Party, die in diesem Moment der eigentliche Handlungsstrang ist. Für die Kürze des Buchs gibt es zu viele Charaktere (Immobilienhai, Schläger, englischer Mann) und zu viel Hintergrundstory. Das wäre alles super spannend gewesen, wenn es Zeit gehabt hätte, sich zu entfalten.

Die eigentlichen Horror-Szenen sind wie gewohnt gut geschrieben und haben während des Lesens wirklich Spaß gemacht. Einzige Kritik auch hierbei: sie waren zu kurz und wenig einflussreich auf die Handlung. Sobald der Horror vorbei war, war auch die ängstliche Stimmung vorbei. Ich habe nicht mit den Protagonisten mitgefiebert, deswegen war mir am Ende auch egal, was mit ihnen passiert.
Das Ende war okay, hätte aber besser als ein 08/15-Ende einer Horror-Geschichte sein können.

Alles in allem bin ich leider ziemlich enttäuscht von diesem Buch. Besonders, wenn man schon mehrere Heitz-Bücher gelesen hat und eigentlich weiß was er kann.

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Wer Travis Baldrees cosy Fantasys liebt, kann hier bedenkenlos zuschlagen

Cursed for Good – Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen. von Amy Coombe

Die Prinzessin Tandy ist eine People Pleaserin sondergleichen. Deswegen muss sie als Vertreterin der königlichen Familie durch das ganze Reich reisen und Städten ihre Aufwartung machen. Dabei schneidet sie Bänder zu Brückeneröffnungen durch, tanzt mit langweiligen Abgeordneten und segnet Einhörner.

Während sie einige Dinge an diesen Reisen ermüden, genießt sie jedoch die Zeit in der Kutsche, denn dann kann sie ihrer eigentlichen Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Lesen.

Ein Buch über Bücher, Buchhandlungen, magische Irrlichter, Flüche, eine Drakonin und einen Piraten. Mit Besagtem gibt es natürlich eine Liebesgeschichte, doch diese ist wirklich nur eine – zugegebenermaßen sehr süße – Fußnote in diesem Buch. Viel wichtiger sind die Beziehungen, die Tandy mit Sasha, der pubertierenden Drakonin, und anderen Bewohnern des Ortes aufbaut und die persönliche Weiterentwicklung, die sie dadurch erfährt, dass sie das erste Mal in ihrem Leben für etwas Eigenes verantwortlich ist.

Mit der Hilfe des halben Ortes (und des Piraten) verwandelt Tandy den Buchladen in ihr eigenes kleines Reich und muss sich am Ende etwas Großes eingestehen, um ihre Fluch zu brechen. Doch will sie die Buchhandlung überhaupt noch verlassen?

Der Schreibstil ist einfach und flüssig zu lesen. Mit Witz und Charme zieht uns Tandy auf ihre Seite. Es gibt weder große Überraschungen, noch Szenen, die zu Herzklopfen führen, doch genau das ist es, was den cosy vibe ausmacht. Die Geschichte mit den sieben Prinzen (m,w,d) ist natürlich obligatorisch für ein Buch, das einen Fluch zum Aufhänger macht. Die Umsetzung hat Spaß gemacht, auch wenn mindestens einer der Prinzen gekürzt hätte werden können.

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YA als Adult verkleidet

The Rainshadow Orphans von Naomi Ishiguro

Das Cover dieses Buches ist einfach nur wunderschön und regt allein dadurch schon zum Lesen an. Mit 640 Seiten ist es auch eher ein längeres Buch, das mit dem Klappentext eine spannende Fantasystory mit drei Hauptcharakteren verspricht.

Der Beginn des Buches hat dabei einen guten Grundstein gelegt.

Man lernt Toshiko kennen, die mit ihren zwei Geschwistern in der futuristischen Welt von Rainshadow City lebt. Die anderen zwei Protagonisten sind jedoch nicht die Geschwister, sondern der Kaiserinnensohn Haru und der Flüchtige Theo. Anfangs folgt man diesen dreien auf ihren jeweils eigenen Wegen. Diese Wege und ihre eigenen Geschichten sind unterhaltsam erzählt und lassen auf eine spannende Wendung der Story hoffen, wenn sie sich endlich begegnen.
Doch gerade dann fängt die Geschichte für mich an abzuflachen. Toshiko gibt es quasi immer nur im Dreierpack mit ihren Geschwistern, die zwar eigene Charakteristika haben, aber dennoch nur Nebencharaktere sind, die in der Geschichte irgendwie mitgeschleift werden müssen. Haru, der dagegen als spannender Charakter angefangen hat, verliert seinen diesen völlig, als er seinen Palast verlässt und plötzlich nicht mehr der Sohn der Kaiserin ist. Und Theo, der scheinbar eine spannende Gabe hat, darf diese immer nur nutzen, wenn er für andere etwas tun soll und verzettelt sich in seiner Loyalität. Von der reingeflanschten Lovestory und seiner Hintergrundgeschichte mal ganz abgesehen.

Der Plot an sich ist irgendwie unpassend. Einerseits haben wir ein Kaiserreich, andererseits Roboter wie in iRobot und dazu noch eine Untergrundorganisation a la Six of Crows.
Ich hatte mich hier auf eine spaßige Geschichte gefreut, doch ab der Hälfte war das Tempo so raus, dass mich die Story leider nicht mehr interessiert hat. Dazu waren die Charaktere zu eindimensional und wenig greifbar, als dass mich der Untergang der Rainshadow City noch interessiert hätte. Für weitere Bände bin ich leider raus.

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Horrorbuch des Jahres

Yesteryear von Caro Claire Burke

Die Prämisse des Buches ist so simpel wie genial. Die Tradwife-Influencerin Natalie wird aus ihrem voll organisierten Haushalt mit sechs Kindern, zwei Nannys, einer Produzentin und einem Haufen mexikanischer Ranch-Arbeiter in die Vergangenheit transportiert und muss fortan tatsächlich ihr Sauerteigbrot selbst backen und nicht nur ein Video darüber drehen.

Immer abwechselnd durch Kapitel in der Influencer-Zeit und der Vergangenheits-Zeit lernen wir die Protagonistin zusehends besser kennen. Hier sei bereits ein kleiner Hinweis angebracht: Wer eine Protagonistin unbedingt mögen muss, um ein Buch gut zu finden, ist mit Yesteryear schlecht beraten. Ist Natalie am Anfang komisch und unsympathisch, wird sie am Ende zum absoluten Monster.
Außer einzelner Kinder sind alle (ja, wirklich alle!) Charaktere auf ihre eigene Art unsympathisch. Da haben wir den nichtsnutzigen Ehemann Caleb, den trumpschen Schwiegervater, die drogenabhängige Schwiegermutter, Fremdgeher, wütende Weiber und Anwälte.
Das Buch rechnet mit den aktuellsten Themen auf eine Weise ab, die uns unglaublich abgedreht erscheint, beim Blick über den Tellerrand (und ggfs. den Kontinent) hinaus, aber in Begriff sind, Realität zu werden. So werden im Homeschooling so unwichtige Themen wie Meere und Ozeane nicht angesprochen, Religion und deren Hass auf queere Personen verherrlicht und die perfekte Doppelmoral in der Politik gepusht.
Wir folgen Natalie von ihrer Zeit im College, über die frühe Heirat mit Caleb, bis hin zum Höhepunkt ihrer Karriere. Und dann steil in ihren eigenen Abgrund hinein.

Dieses Buch tut weh auf eine Weise, wie es nur ein absolutes Fünf-Sterne-Buch kann. Ungeschont werden die Lesenden mit Wahrheiten konfrontiert, sei es über die Influencer-Szene, über Frauen, Männer und Politik. Dieses Buch ist aktueller, wie kaum ein zweites und hat jeden Hype verdient, den es bekommt. Selbst wenn einem das Ende nicht gefällt (ich fand es großartig), kommt man nicht umhin, Caro Claire Burke eine Riesenportion Anerkennung und Respekt zu zollen. Was sie hier geschaffen hat, wird uns wahrscheinlich noch lange begleiten.

Für ein Debüt ist dieses Buch der absolute Wahnsinn. Sobald Caro Claire Burke etwas Neues ankündigt, wird auch dieses Buch sofort gelesen werden müssen. Wir sind hier eventuell auf Gold gestoßen.

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Was passiert, wenn man einfach nur mal Urlaub machen will

Düster von Ivar Leon Menger

Ivar Leon Menger ist seit seinem ersten Buch ein absoluter auto-buy Autor für mich geworden. Mir hat jedes Buch von ihm grandios gut gefallen. Der erste Teil von Düster ist dabei mein Lieblingsbuch bisher. Deshalb war ich umso glücklicher, als ein zweiter Teil um Kommissar Stahl und seine Geli angekündigt wurde.

Noch dazu in einem Hotel-Setting auf einer Insel. Das ist für mich ein Garant für großartige Unterhaltung. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Wie schon in Finster ist die Struktur des Buches sehr ungewöhnlich aufgebaut. Man folgt nicht nur dem Protagonisten und Ermittler Stahl, sondern auch so ziemlich allen anderen Bewohnern und Gästen der Insel. Dabei kann es sein, dass einzelne Perspektiven auch rein gar nichts mit dem Fall zu tun haben und nur eine falsche Fährte legen wollen. Durch diese Erzählstruktur sind die Kapitel kurz und man kann gar nicht aufhören weiterzulesen, weil immer etwas Neues passiert. Und das ganz ohne billige Cliffhanger am Ende eines Kapitels (iykyk). Ich habe bislang für keinen Menger länger als einen Tag zum Lesen gebraucht.
In kleinen Ausschnitten aus den jeweiligen Leben der Charaktere, sowie zwei unterschiedliche Zeitlinien, folgen wir einem Vermisstenfall auf der Insel. Der Aufbau dafür erschien mir leider etwas konstruiert, aber tut dem Fall an sich keinen Abbruch.
Menger schafft es meisterhaft falsche Fährten zu legen. Wenn man tief drin ist, im Krimi- und Thriller-Genre, kann man schon davon ausgehen, dass man gerade aufs Glatteis geführt wird, doch die Auflösung ist jedes Mal wieder eine Überraschung. Manchmal größer, manchmal kleiner, doch immer gut für eine Wendung, die nicht zu weit her geholt und immer noch nachvollziehbar ist.
Im Großen und Ganzen hat Düster auch wieder super viel Spaß gemacht, kann aber mit Plot und Twist nicht ganz an seinen Vorgänger heranreichen. Zugegebenermaßen hat dieser die Latte aber auch ganz schön hoch, wenn nicht unerreichbar gesetzt.

Mit Kommissar Stahl und seiner Geli haben wir auch zur Abwechslung mal ein älteres Ermittlerpärchen, die einfach nur mal Urlaub machen wollen. Die Beziehung zwischen den beiden ist dabei aber genauso süß geschrieben, als wären sie junge Erwachsene. Das lässt einen doch fürs Alter hoffen.
Und da Stahl jetzt seine Abneigung gegen Urlaub abgelegt hat, freuen wir uns alle schon auf eine Fortsetzung an der Cote d'Azur.

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Ein Apfel als Zeichen der Rebellion

Wenn die Bienen schweigen von Caryl Lewis

In einer Mischung aus Tribute von Panem ohne Spiele und Der Report der Magd erzählt die Autorin Caryl Lewis vorliegend über das Ende der Welt und wie diese Katastrophe mal wieder auf dem Rücken von Mädchen und Frauen ausgetragen wird.
Das Buch ist insb. gut geeignet für eine jüngere Leserschaft.

Die Protagonistin Jess und auch die meisten aus ihrer Gruppe sind 13 bis 16 Jahre alt. Sie sind verantwortlich für die Bestäubung von Pflanzen und damit der Ernährung des ganzen Landes und natürlich auch für die Reproduktion der Menschheit selbst. Sie werden zwangsverheiratet und kommen von einem Leben harter Arbeit in ein vielleicht noch schlimmeres.

Jess und ihre beste Freundin Cass, die ich im Laufe der Geschichte sehr lieb gewonnen habe, stellen sich nicht nur dem Regime entgegen, sondern auch den gemeinen Mädchen aus ihrer Gruppe. Doch müssen sie feststellen, dass jede mit ihren eigenen Dämonen, eigenen Problemen und der eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat.
Vereint sind sie alle nur in den Bildern, die Jess malt. Durch einen glücklichen Zufall fallen ihr Farbe und Pinsel in die Hände und sie entfacht einen Funken Revolution und die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Der Schreibstil von Caryl Lewis ist leicht und einfach verständlich, perfekt für die oben angesprochene Leserschaft. Die Geschichte verläuft sehr geradlinig, war mir am Ende aber ein bisschen zu schnell vorbei. Gerne hätten es noch bis zu 100 Seiten mehr sein dürfen. Vor allem weil so viele wichtige Themen angesprochen werden: Klimawandel, Bücherverbrennungen, Frauenrechte, um nur einige zu nennen.
Und am Ende bleibt man mit der Frage zurück, wie sich unsere eigene Welt entwickelt. Denn diese zeitlose Geschichte kann genauso gut in 15 oder 500 Jahren Wirklichkeit werden – je nachdem, wie die Menschheit sich heute entscheidet.

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Feen-Action mit Molli Mandala

Die gute Fee mit der schlechten Laune (1). Der Wunschperlen-Auftrag von Emma Flint

Der Titel ist ein Eye-Catcher. Wer möchte denn nicht wissen, worüber eine Geschichte über eine schlecht gelaunte kleine Fee handelt?

Feen sind allgemein ja eher als gut gelaunte Wesen bekannt und so werden sie auf der Feenschule auch erzogen. Doch Molli kann mit der ganzen guten Laune und dem glöckchenhellen Lachen überhaupt nichts anfangen.

Nachdem Molli etwas Verbotenes aus einem Menschenbuch zaubert, wird sie mit dem titelgebenden Wunschperlen-Auftrag in die Menschenwelt geschickt. Alle anderen Feen dürfen dort richtig zaubern, nur Molli muss froh sein, dass sie überhaupt zu den Menschen reisen darf.
Doch nicht mal diesen einfachen Auftrag bekommt sie hin. Und ihre Laune wird immer schlechter.

Die Autorin Emma Flint schreibt sehr gut einfach und verständlich für junge Kinder. Obwohl das Cover und die Feen-Thematik wahrscheinlich eher Mädchen ansprechen wird, ist die Geschichte an sich auch für Jungs geeignet. Spätestens, wenn Molli in die Menschenwelt kommt und dort Fabio kennenlernt.
Gespickt mit liebenswerten Nebencharakteren und netten Zeichnungen auf jeder Seite, die immer genau zum jeweiligen Text passen, macht dieses Buch Spaß zu lesen. Für mich eher nervig waren die vielen zusammengesetzten Ausrufe der Feen, „Mucksmäuschenachtschattenstill“ zum Beispiel. Doch da diese Begriffe auch in einer anderen Schriftart geschrieben wurden, trägt es zu der wunderlichen kleinen Feen-Atmosphäre auf jeden Fall bei.

Das Ende fand ich ein bisschen schnell, auch dass es für Molli nach der Rückkehr in die Feen-Welt keinerlei Konsequenzen für ihr nicht regelkonformes Handeln gibt. Und so schlecht gelaunt ist Molli alles in allem auch gar nicht. Ich fand sie im Vergleich zu den Nebencharakteren eher langweilig und nervig und hätte lieber mehr von Pepito gesehen. Oder mehr von anderen Feen außer ihre Beschreibungen mit bunten Haaren. Da es ja aber noch mehr Bücher in dieser Reihe gibt, habe ich noch Hoffnung auf mehr Feen-Action.

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