Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von askyfullofpages:

Zuhause

Nach Hause kommen von Per Petterson

Werbung | Rezensionsexemplar

Liebe.
Familie.
Zuhause.

Ein sehr ruhiges, unaufgeregtes und emotional tiefgehendes Buch.

Mit „Nach Hause kommen“ ist dem Autor Per Petterson ein faszinierender Roman gelungen, der durch seine feine und ruhige Sprache die inneren Konflikte und zwischenmenschlichen Spannungen intensiv herausarbeitet.

Die Handlung selbst kommt ohne große Dramatik aus. Gerade die leisen Töne sind die große Stärke dieser Geschichte. Im Mittelpunkt stehen Liebe, Familie und die Frage, was Zuhause eigentlich bedeutet. Es geht um Entscheidungen, Sehnsüchte und Emotionen, die nicht immer einfach zu deuten sind. Vor allem die inneren Konflikte verleihen der Geschichte eine spürbare Intensität.

Die Charaktere wirken wie aus dem Leben gegriffen. Durch sie kommen ganz unterschiedliche Emotionen und Themen zum Vorschein: Liebe und Verliebtsein, Familie und Ursprungsfamilie, aber auch Resignation, Sehnsucht und Einsamkeit und schlussendlich die Frage, was Zuhause eigentlich bedeutet. Mich hat dabei besonders die Frage beschäftigt, was wirkliche Nähe ausmacht. Ganz gleich, ob in Elternschaft, Freundschaft oder Partnerschaft, ob bloßes Anwesendsein genügt oder ob es vielmehr darum geht, einander wirklich wahrzunehmen, einander zu sehen und eine tiefe Verbundenheit miteinander zu spüren.

Für mich ist „Nach Hause kommen“ ein leiser und tiefgehender Roman, der viele Fragen aufwirft und keine leichten Antworten liefert. Ich fand diesen Roman sehr stark und deswegen gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung.

Vielen herzlichen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages

Die Macht der Geschichten

Die Dichterin von Özge Inan

Werbung | Rezensionsexemplar
Dichterin.
Klassismus.
Journalistin.
Ich fand dieses Hörbuch richtig, richtig gut!

Mit Die Dichterin ist Özge İnan ein äußerst faszinierender Roman gelungen, der durch die brillante Hörbuchsprecherin Maximiliane Häcke noch einmal ganz besonders zur Geltung kommt.

Die Geschichte beschäftigt sich mit Klassismus, Privilegien und sozialer Herkunft. Die Macht von Geschichten und die Frage, wie schnell ein Mensch in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten kann, spielen ebenfalls eine große Rolle. Dabei verschwimmen immer wieder die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion. Ich fand genau diesen Aspekt besonders unterhaltsam.
Ich mag Charaktere mit Ecken und Kanten und die waren bei den Hauptprotagonistinnen dieses Romans sehr gut vertreten. Emma und Nazanin fand ich unglaublich interessant. Auf den ersten Blick könnten sie nicht unterschiedlicher sein. Beide sind sehr starke Persönlichkeiten und nicht immer unbedingt sympathisch. Ich mag solche vielschichtigen Charaktere aber sehr gern.
Ein großes Kompliment möchte ich auch der Hörbuchsprecherin Maximiliane Häcke machen, die den beim Hörbuch Hamburg Verlag erschienenen Roman wirklich großartig eingesprochen hat. Mit ihrer Stimme schafft sie es, die Komplexität der Themen wunderbar einzufangen. Sie hat den Figuren unglaublich viel Leben eingehaucht und mir ein tolles Hörerlebnis beschert.
Die Dichterin war für mich ein faszinierendes Hörerlebnis. Die Themen und ihre Umsetzung fand ich unglaublich spannend und auch als Hörbuch hat mich die Geschichte absolut überzeugt. Ich kann dieses Hörbuch wirklich wärmstens empfehlen.
Herzlichen Dank an den Hörbuch Hamburg Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unbeeinflusst.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages

Der Nazi und der Psychiater

Der Nazi und der Psychiater von Jack El-Hai

Werbung | Rezensionsexemplar

NS-Kriegsverbrecher.
Psychiater.
Zurechnungsfähigkeit.

Mit „Der Nazi und der Psychiater“ ist Jack El-Hai ein unglaublich verstörendes, aber auch faszinierendes und wichtiges Buch gelungen, das mich gerade auch als Ärztin sehr interessiert hat.

Die Verbrechen des Nationalsozialismus und insbesondere der Holocaust erschüttern mich immer wieder.

Dabei gibt es eine Frage, die mich seit Jahren beschäftigt: Wie können Menschen zu solchen Gräueltaten überhaupt fähig sein?

Genau dieser Frage wollte auch der amerikanische Psychiater Douglas M. Kelley auf den Grund gehen. 1945 wurde er nach Nürnberg geschickt, um die dort inhaftierten führenden NS-Kriegsverbrecher psychiatrisch zu untersuchen. Im Hinblick auf die bevorstehenden Nürnberger Prozesse war es von großer Bedeutung, ihre Zurechnungsfähigkeit festzustellen. Dem Psychiater ging es aber um viel mehr: Er wollte herausfinden, ob es so etwas wie eine „Nazi-Persönlichkeit" oder einen bestimmten psychologischen Typus gab, der all diese Männer miteinander verband.
Unter den Gefangenen befand sich Hermann Göring. Er war nach dem Suizid Adolf Hitlers der mächtigste Mann des NS-Regimes und nun der prominenteste Angeklagte in Nürnberg. Kelley führte zahlreiche Gespräche mit ihm und unterzog ihn verschiedenen Untersuchungen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine für mich nur schwer auszuhaltende Dynamik. Dem Psychiater saß ein intelligenter, selbstbewusster und charismatischer Mann gegenüber. Göring, dessen Leben vom Streben nach Macht geprägt war, versuchte auch in Gefangenschaft, seine Umgebung zu beeinflussen und zu kontrollieren.
Welche Erkenntnisse Kelley aus seinen zahlreichen Gesprächen, Beobachtungen und psychologischen Untersuchungen gewann und ob er den von ihm gesuchten „Nazi-Typus" tatsächlich fand, möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen.

„Der Nazi und der Psychiater“ ist für mich ein emotionales und verstörendes Buch. Es ist großartig geschrieben und äußerst interessant, aber auch schockierend. Das Buch richtet sich sicher an Leser*innen, die geschichtlich interessiert sind. Ich möchte aber noch viel weiter gehen und es wirklich allen ans Herz legen, weil ich es nicht nur unglaublich gut, sondern vor allem unglaublich wichtig finde. Denn: Nie wieder ist jetzt.

Vielen Dank an Die Andere Bibliothek für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages

Wie zerbrechlich Kinderseelen sind

Porzellanelefant von Ivonne Naumann

Tod.
Trauma.
Überleben.

Uff. Ein sehr gutes Buch, das aber tief unter die Haut geht.

Mit „Porzellanelefant“ ist Ivonne Naumann ein zarter, kompromissloser, emotionaler und unglaublich intensiver Roman gelungen, der mich nicht zuletzt durch die Parallelen zu meinem eigenen Leben tief berührt hat.

⚠️ Triggerwarnung: Das Buch behandelt sehr schwere Themen wie Verlust, Missbrauch, Gewalt und traumatische Erfahrungen.

„Porzellanelefant“ ist autobiografisch geschrieben und Ivonne erzählt darin von ihrer eigenen Kindheit. Sie beschreibt die liebevolle und tragfähige Beziehung zu ihrer Mama, bei der sie sich geborgen, geliebt und sicher fühlt. Leider verstirbt ihre geliebte Mama viel zu früh, wodurch Ivonnes Leben völlig aus den Fugen gerät. Es folgt eine Kindheit, die von Verlust, tiefen Verletzungen, zahlreichen Grenzüberschreitungen, schmerzvollen Beziehungen und traumatischen Erfahrungen geprägt ist.

Nach dem Tod ihrer Mama scheint Ivonne den Halt zu verlieren, den sie bis dahin in ihrem Leben hatte. Sie wird hin- und hergereicht und bekommt immer wieder das Gefühl vermittelt, nirgends wirklich gewollt zu sein. Menschen, die eigentlich für sie sorgen und sie beschützen sollten, überschreiten ihre Grenzen, enttäuschen ihr Vertrauen und nutzen sie auf unterschiedliche Weise aus. Selbst das Geld, das eigentlich für Ivonne bestimmt ist, wird anderweitig verwendet. Und als wäre all das nicht schon schlimm genug, gipfelt das Ganze schließlich in einem Missbrauch, der für mich nur schwer auszuhalten war.

Mich hat dabei besonders Ivonnes beinahe unstillbare Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und dem Gefühl, irgendwo wirklich dazuzugehören, berührt. Nach all den Verlusten und Enttäuschungen sucht sie immer wieder nach Menschen, die ihr genau das geben können. Sie möchte gesehen, geliebt und angenommen werden und gerät dabei leider auch an Menschen, die ihre Verletzlichkeit ausnutzen. Diese Suche nach aufrichtiger, wahrer Liebe und danach, wirklich angenommen zu werden, konnte ich so gut nachempfinden und hat mich wirklich tief getroffen.

Den Epilog fand ich besonders wertvoll. Ivonne geht hier noch einmal ganz gezielt auf das Thema Trauma und das Nervensystem ein. Diese tiefe und beinahe unstillbare Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Eine Sehnsucht, die sich manchmal wie ein Fass ohne Boden anfühlt. Ich konnte ihre Gedanken darüber, was Überleben überhaupt bedeutet, sehr gut nachvollziehen. Ich weiß genau wie Ivonne, dass Überleben manchmal einfach nur bedeutet, weiterzumachen. Als schwer traumatisierter Mensch lernt man weiterzuatmen, obwohl das Nervensystem ständig in Alarmbereitschaft ist.

Das bei BoD erschienene Debüt „Porzellanelefant“ war für mich ein sehr intensives Highlight. Die Geschichte spricht für sich selbst. Eines hat mir dieses Buch aber auch wieder sehr deutlich vor Augen geführt: Die Begriffe Trauma und Trigger werden heute teilweise sehr inflationär verwendet. Dieses Buch zeigt, was es wirklich bedeutet, traumatisiert zu sein und mit den Folgen dieser Erfahrungen weiterleben zu müssen.

Von mir gibt es unter Berücksichtigung der Triggerwarnung eine ganz klare Leseempfehlung für Leser*innen, die intensive autobiografische Romane zu schätzen wissen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages

Wundervolle Freundschaft

Honey und Blondie von Ubin Eoh

Freundschaft.
Körper.
Seelen.

Oh, was war das wieder für ein tolles Buch!

Mit „Honey & Blondie“ ist Ubin Eoh ein wunderbar feinfühliger, emotionaler und faszinierender Roman gelungen, der mich mit seiner Tiefe wirklich positiv überrascht hat.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Honey und Blondie.

Sie lernen sich schon als kleine Mädchen kennen und werden schnell beste Freundinnen. Wir begleiten die beiden durch ihr Leben. Ihre Freundschaft ist einzigartig. Es gibt zwischen ihnen eine Verbindung, die sich kaum erklären lässt. Sie verleiht der Geschichte etwas ganz Besonderes, fast Magisches.

Zwei extreme Gegensätze. Honey und Blondie könnten nicht unterschiedlicher sein. Sie passen aber perfekt zusammen. Honey, die eigentlich Hyunjeong heißt, ist schüchtern und zurückhaltend. Blondie ist mutig und selbstbewusst. Sie ergänzen sich perfekt. Die beiden bilden ein super Team und ich habe sie wirklich sehr ins Herz geschlossen. Ihre Freundschaft ist wundervoll.

Ubin Eoh greift viele wichtige Themen auf. Es geht um Familie, das unterschiedliche Aufwachsen, Körperbilder, Rassismus und rassistische Übergriffe. Aber auch um Ängste, das Überwinden dieser Ängste und Empathie. Diese Themen gehören zum Leben von Honey und Blondie. Sie geben der Geschichte wirklich unglaublich viel Tiefe.

Der Schreibstil von Ubin Eoh ist angenehm und sehr flüssig zu lesen.

Honey und Blondie, diese zwei Mädels haben mich unglaublich berührt. Mich hat ihre Geschichte so mitten ins Herz getroffen, dass ich manchmal wirklich weinen musste. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein und dennoch ergänzen sie sich einfach perfekt. Dieses tiefe Verständnis füreinander hat meine Seele berührt. Wer wünscht sich nicht so einen Gegenpart? Eine Beziehung, die auf tiefstem Verständnis und ganz viel Liebe basiert. Und dann ist da noch dieses Magische zwischen den beiden, das ihre Verbindung so besonders macht.

Der bei park x ullstein erschienene Roman „Honey & Blondie“ war für mich ein absolutes Highlight. Er besticht mit seiner Emotionalität und den krassen Gegensätzen. Eines kann ich sagen: So eine Freundschaft würden wir uns wohl alle wünschen. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung für Leser:innen, die Romane über tiefe Verbindungen und einzigartige Freundschaften schätzen und magischen Elementen gegenüber aufgeschlossen sind.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages

Förderung und Überforderung liegen nahe beieinander

Wer möchte nicht im Leben bleiben von Helene Bukowski

Fremdbestimmung.
Einsamkeit.
Spurensuche.

Ein sehr interessantes Buch, das mir richtig gut gefallen hat.

Mit „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ ist der Autorin Helene Bukowski ein faszinierender Roman gelungen, der durch die brillante Hörbuchsprecherin Sarah Dorsel noch einmal ganz besonders zur Geltung kommt.

Zu Beginn musste ich mich erst einmal ein wenig in der Geschichte zurechtfinden. Die Erzählweise ist außergewöhnlich und ich wusste anfangs nicht so recht, aus welcher Perspektive hier eigentlich erzählt wird. Doch genau das hat für mich auch einen gewissen Reiz ausgemacht.

Im Mittelpunkt steht eine junge, außergewöhnlich talentierte Pianistin. Leider sind mit diesem Talent auch sehr viel Druck und Fremdbestimmung verbunden. Der große Ehrgeiz ihres Vaters spielt dabei eine enorme Rolle. Auf der einen Seite stehen der Drill und das Talent und auf der anderen die damit einhergehende Einsamkeit, die mich beim Hören immer wieder sehr berührt hat. Die Geschichte zeigt sehr eindrücklich, wie schmal der Grat zwischen Förderung und Überforderung sein kann.

Die Geschichte beruht auf intensiven Recherchen und das fand ich ehrlich gesagt spannend. Helene Bukowski hat sich auf die Spuren dieser jungen Frau begeben und versucht, ihr Leben anhand verschiedener Dokumente und Erinnerungen zu rekonstruieren. Für mich bekommt die Geschichte dadurch noch einmal einen ganz besonderen Touch.

Christinas Vater hat mich beim Hören immer wieder beschäftigt. Im Grunde möchte er nur das Beste für seine Tochter. Er sieht ihr außergewöhnliches Talent und möchte dieses natürlich unbedingt fördern. Irgendwann verschwimmen jedoch die Grenzen zwischen Fördern und Fordern. Es ist nicht nur das Elternhaus, sondern auch ihre Ausbildung und das damalige System der DDR. Alles ist geprägt von Leistung und einem hohen Erwartungsdruck. Immer funktionieren, immer abliefern müssen, immer zu den Besten gehören. Wie viel kann ein junger Mensch wirklich aushalten? Und welchen Preis zahlt man für diesen Erfolg? Ich habe mich beim Hören immer wieder gefragt: Wo bleibt bei all dem eigentlich das Leben?

Ein ganz großes Kompliment möchte ich Sarah Dorsel machen, die das bei Hörbuch Hamburg erschienene Hörbuch sehr einfühlsam, ruhig, aber auch unglaublich eindringlich eingesprochen hat.

„Wer möchte nicht im Leben bleiben“ ist für mich ein emotionales und bewegendes Hörbuch, das mich noch lange beschäftigt hat. Ein großes Talent zu fördern und dabei die richtige Balance zwischen Leistung und Leben zu finden, stelle ich mir unglaublich schwierig vor. Den Erzählstil von Helene Bukowski fand ich sehr gelungen und kann das Hör-Buch aus diesem Grund wirklich sehr weiterempfehlen.

⚠️ Triggerwarnung: Suizid, psychische Belastung

Vielen Dank an Hörbuch Hamburg und NetGalley für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon wie immer unbeeinflusst.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages

Demokratie schützen

Widersetzt euch! von Michael Kraske; Dirk Laabs

Demokratie.
Schützen.
Jetzt!

Ein sehr wichtiges Buch!

„Widersetzt euch! Wie wir gemeinsam den neuen Faschismus besiegen“ von Michael Kraske und Dirk Laabs ist ein gelungenes und zugleich wichtiges Buch, das alle lesen sollten.

Michael Kraske und Dirk Laabs beschäftigen sich damit, warum rechte und rechtsextreme Kräfte wieder stärker werden, warum diese Parteien so extremen Zulauf haben und bei Wahlen immer mehr in den Mittelpunkt rücken.

Und mit der Frage, was das für unsere Demokratie bedeutet.

Die beiden beschränken sich aber nicht darauf, was gerade passiert und wie es überhaupt so weit kommen konnte, sondern beschäftigen sich vor allem auch damit, was wir selbst dagegen tun können. Jede*r Einzelne von uns. Denn Demokratie war für uns viel zu lange selbstverständlich. Jetzt gilt es, sie zu schützen!

Das Buch vermittelt eindrücklich, dass wir nicht nur zuschauen müssen, sondern aktiv widersprechen sollten. Wenn im Alltag, im Freundeskreis, in der Familie oder am Arbeitsplatz rassistische Äußerungen fallen. Wir dürfen nicht wegschauen, wenn Grenzen überschritten werden, sondern müssen Haltung zeigen. Auch wenn es sehr viel einfacher wäre, nichts zu sagen. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, das Richtige zu tun.

Solche Entwicklungen passieren nicht von heute auf morgen. Es beginnt oft viel früher. Mit Worten, mit Ausgrenzung und mit Vorurteilen.

Rechte Kräfte hat es immer gegeben. Aber sie waren lange nicht so laut und so präsent wie heute. Mittlerweile wird ganz offen Stimmung gemacht. Falschmeldungen werden verbreitet, gegen öffentlich-rechtliche Medien wird gehetzt und Fakten werden angezweifelt oder gleich als Lüge bezeichnet. Gleichzeitig stellen sich genau diejenigen, die diese Stimmung anheizen, selbst als Opfer dar.

Ich glaube, solche Situationen kennen wir alle. Wir lassen Aussagen einfach stehen. Ignorieren sie oder lächeln sie weg. Und irgendwann wird das Ganze zum Selbstläufer.

Ich finde besonders erschreckend, dass wir uns an Aussagen gewöhnen, über die wir uns vor einigen Jahren noch empört hätten. Sie werden lauter, häufiger und wirken dadurch normaler. ABER sie dürfen niemals zur Gewohnheit werden. Sie sind nicht richtig, sie bleiben nicht richtig und sie werden auch niemals richtig sein.

Dieses Buch hat mich auch aus einem ganz persönlichen Grund sehr beschäftigt.

Im Laufe meines Lebens habe ich zweimal ein Konzentrationslager besucht. Außerdem war ich in Schloss Hartheim. Ein Ort, den ich bis heute nicht vergessen habe. Dort wurden während des Nationalsozialismus tausende Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen ermordet. Menschen, deren Leben als nicht lebenswert angesehen wurde.

Dieser Besuch hat mich unglaublich schockiert, berührt und geprägt. Ich erinnere mich noch gut an das Café und daran, dass dort Menschen mit Behinderungen gearbeitet haben. Gerade an einem Ort, an dem Menschen aufgrund ihrer Behinderung ermordet wurden, hat mich das unglaublich berührt.

Heute bin ich selbst Ärztin, mittlerweile aber schwer krank und schwerbehindert. Und wenn ich daran denke, dass Menschen wie ich damals als „lebensunwert“ angesehen wurden, macht das etwas mit mir.

Gerade in den letzten Jahren haben sich noch lebende Zeitzeug*innen trotz ihres hohen Alters unglaublich bemüht, von dem zu erzählen, was damals passiert ist. Vom Schrecken. Von den Verbrechen. Vom Völkermord. Damit wir nicht vergessen. Damit auch die nächsten Generationen nicht vergessen. Und vor allem, damit so etwas nie wieder passiert.

NIEMALS hätte ich mir vorstellen können, dass rechte und rechtsextreme Kräfte wieder einen solchen Zulauf bekommen würden.

„Widersetzt euch!“ von Michael Kraske und Dirk Laabs ist im Kiepenheuer & Witsch Verlag erschienen. Ein Buch, das ich unglaublich wichtig finde. Gerade jetzt. Es macht deutlich, dass Demokratie uns alle angeht und dass wir sie unbedingt schützen müssen. Sie ist keine SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT!

Für mich eine ganz klare Leseempfehlung. Ein Buch, das ich wirklich allen ans Herz legen möchte.

DENN DIE DEMOKRATIE BRAUCHT UNS ALLE!

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages

So viel mehr als Worte

Ein ganz normales Wunder von Woody Brown

Autismus.
Alltag.
Kommunikation.

Sensationell!!! Ein wunderbares Buch. :)

Mit „Ein ganz normales Wunder“ ist Woody Brown ein unglaubliches, außergewöhnliches, herausragendes Meisterwerk gelungen. Dieses Hör-Buch ist für mich etwas ganz Besonderes.

Woody Brown ist selbst Autist und seine eigene Geschichte ist mindestens genauso außergewöhnlich wie sein Roman.

2022 schloss er als erster „minimale speaking“ Absolvent der UCLA sein Studium mit der höchsten Auszeichnung seines Fachbereichs ab und studierte danach an der Columbia University Kreatives Schreiben.

Ich habe das Buch streckenweise gelesen und gehört. Ein großes Kompliment möchte ich an Julian Mehne, Timo Weisschnur, Nora Schulte und Marian Funk aussprechen, denn sie haben das Hörbuch wirklich sehr gut eingesprochen.

In diesem Roman begleiten wir mehrere Menschen, deren Wege sich in einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderung kreuzen. Im Mittelpunkt stehen ihr Alltag, ihre Beziehungen und ganz unterschiedliche Formen der Kommunikation. Einige der Figuren sind nichtsprechend und wir bekommen Einblicke in ihre Gedanken und Perspektiven. Auch die Erfahrungen der Angehörigen und Betreuenden spielen dabei eine wichtige Rolle.

Woody Brown zeigt auf eine ganz besondere Art und Weise seine Figuren und ihr Innenleben. Durch die unterschiedlichen Perspektiven lernen wir die einzelnen Persönlichkeiten mit ihren Gedanken, Gefühlen und Wünschen kennen. Der Roman räumt mit so manchen Vorstellungen und Vorurteilen auf und macht deutlich, wie schnell Menschen unterschätzt werden können. Gerade die Gedanken und Perspektiven der nichtsprechenden Figuren haben mich sehr berührt.

Während des Lesens musste ich immer wieder an meine eigene Zeit in einer Tagesstätte denken. Vor vielen Jahren habe ich dort ein Praktikum gemacht und diese Monate gehören für mich bis heute mit großem Abstand zu den schönsten Arbeitsmonaten meines Lebens. Ich denke immer wieder an diese Zeit zurück. Für mich war es eine der menschlichsten und herzlichsten Erfahrungen in meinem bisherigen Arbeitsleben. Ich war damals unglaublich glücklich und kann mich heute noch sehr gut an die Menschen erinnern, die ich dort kennenlernen durfte. Die Herzlichkeit, das Vertrauen, die Wertschätzung, die Menschlichkeit und vor allem das liebevolle Miteinander haben diese Zeit für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht.

„Ein ganz normales Wunder“, erschienen im KiWi Verlag und als Hörbuch im Argon Verlag, ist für mich ein ganz besonderes Highlight. Auch Mona Lang, die dieses außergewöhnliche Buch als Lektorin begleitet hat, möchte ich unbedingt erwähnen. Ich bin von diesem Roman wirklich begeistert und finde kaum die richtigen Worte dafür, wie sehr mich diese Geschichte berührt und beeindruckt hat. Ein außergewöhnliches Werk, das ich von Herzen empfehlen kann.

Vielen herzlichen Dank an den KiWi Verlag, den Argon Verlag und NetGalley für die Rezensionsexemplare. Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unbeeinflusst.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages

Ein feiner, zarter Roman

Die Austernfischerin von Celine Edinger

Beziehungen.
Grenzen.
Fürsorge.

Ein wunderschöner, feiner, zarter Roman.

Mit »Die Austernfischerin« ist Celine Edinger ein wunderbar feinfühliger Roman gelungen, der mich mit seiner Zartheit wirklich positiv überrascht hat.

Die Geschichte ist schlicht, leise und ganz zart. Mich haben die behutsamen, wohlwollenden Begegnungen und dieses feine Kümmern am meisten beeindruckt.

Gerade weil Celine Edinger ihre Figuren so zart zeichnet, wirken die Momente, in denen Grenzen überschritten werden, umso heftiger.

Die Figurenzeichnung fand ich beeindruckend. Im Laufe der Geschichte entwickelt man ein ganz feines Gespür für die unterschiedlichen Charaktere, wie sie einander wahrnehmen und miteinander umgehen. Hier wird wenig artikuliert, vielmehr gespürt.

Im krassen Gegenzug zu all der Zartheit gibt es etwas Raues, Unberechenbares und teilweise auch Gewaltsames. Sowohl in der Natur als auch im Zwischenmenschlichen.

Ich finde den besonderen Schreibstil von Celine Edinger erwähnenswert. Die Dialoge kommen ganz leicht ohne die klassische Kennzeichnung aus.

Der im Kein & Aber Verlag erschienene Roman »Die Austernfischerin« war für mich ein richtiges Highlight. Er besticht mit seiner Zartheit und den krassen Gegensätzen. Eigentlich passiert in dieser Geschichte gar nichts Großartiges und trotzdem ist sie ganz großartig. Von mir eine ganz klare Leseempfehlung für Leser:innen, die zarte Romane zu schätzen wissen.

Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unbeeinflusst.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages

Wem glaubt man?

In Bloom von Liz Allan

[Unbezahlte Werbung | Rezensionsexemplar]

Missbrauch.
Freundschaft.
Loyalität.

Wow! Dieser Roman und dieses Ende hat es in sich.

Mit „In Bloom“ ist Liz Allan ein sehr berührender Roman gelungen, der stellenweise wirklich schwer zu ertragen ist. Gleichzeitig ist er locker und sehr flüssig geschrieben.

Ich fand dieses Buch intensiv, berührend und wirklich gut.

Im Mittelpunkt stehen Freundschaft und Zusammenhalt, aber auch schwierige und prekäre Familienverhältnisse, soziale Ungleichheit und Hoffnungslosigkeit. Die Musik wird dabei zu einem Ausweg und gibt den Jugendlichen Halt und Hoffnung. Doch dann steht plötzlich die Anschuldigung des sexuellen Missbrauchs im Raum und es geht um Vertrauen, Loyalität und die Frage, was das mit einer Freundschaft macht.

Die Figuren haben mir sehr gut gefallen. Alle haben ihr eigenes Päckchen zu tragen. In ihren Familien finden sie oft nicht den Halt, den sie brauchen. Stellvertretend dafür nimmt die Freundschaft der Jugendlichen einen wichtigen Platz in ihrem Leben ein.

Immer wieder steht die Frage im Raum: Wem glaubt man und wem nicht? Und das ganze Dorf scheint über die Freundinnen und die Situation mehr zu wissen als sie selbst.

Der im Unionsverlag erschienene und von Lisa Kögeböhn übersetzte Roman „In Bloom“ hat mich bis zum Schluss gefesselt und mit seinem Ende sprachlos zurückgelassen. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!

Vielen herzlichen Dank an den Unionsverlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt davon selbstverständlich unbeeinflusst.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von askyfullofpages