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Rezensionen von RosisLieblingsbücher:
Jean Willi: Die Nacht … Ein romantischer Beziehungsroman wird zum grandios erzählten Krimi.
Die Nacht erzählt uns ein Märchen von Jean Willi
Schon der Titel des im Knapp Verlag neu erschienen Romans „Die Nacht erzählt uns ein Märchen" nahm mich gefangen. Das Cover mit der goldgelben Mauer, dem Tor und dem nächtlichen Garten dahinter, gefiel mir gut. Der fadengeheftete Band mit den leicht getönten 185 Seiten ließ sich leicht aufschlagen und umblättern.
Das Epigraph stimmte mich nachdenklich und neugierig zugleich und die angenehm große Schrift ließ mich sofort mit der Lektüre beginnen.
Jean Willi, in Basel geboren und auf Ibiza lebend, wählte diese beiden Orte als Bühne seines in 3 Teile gegliederten neuen Romans. Als Autor, Maler und ausgezeichneter Beobachter, ist seine abstrakte Malerei wie auch sein literarisches Werk voll Farben, Formen, Strukturen in all ihren feinen Nuancen, voll der Blicke auf Vertrautes und Fremdes, Schönes und Hässliches. Banales wird oft überraschend wichtig und kostbar. Ich schätze die Phantasie, die realistische Darstellung, die emotionale Handlung, sowie die treffsicheren und oft auch witzigen Dialoge in all seinen Werken.
Teil 1: „Rick starrte seine Zehen an und verstand nicht, was er sah.“
Während er sich bemüht heraus zu finden, wie er seine seit einigen Jahren getrennte Beziehung retten könnte, betrachtet er die ihn irritierende Form seiner Zehen. Seit einer Woche bereitet er sich auf Ibiza im Landhaus eines Freundes auf die Ankunft seiner Frau Karin vor. Etwas ungelegen, meldet Tochter Tina ihr Kommen an, die sich ebenfalls wünscht, dass ihre Eltern wieder zusammen kämen. Ricks Hoffnung auf zauberhafte Ferien an diesem „magischen Ort der schönsten Zeit ihres gemeinsamen Lebens“ schwinden dahin, als auch noch Tinas neuer Freund Marc auftaucht.
Dann aber genießen vorerst alle das Inselleben, Karin und Rick führen intensive Gespräche und erinnern sich bei ihren Spaziergängen an frühere Zeiten. Auf einer der Wanderungen beobachten sie einen Mann, der sich verdächtig bei einem Haus umher treibt und sie später im Auto überholt, sodass Karin sein Gesicht in Erinnerung behält.
Im kurzen Teil 2 folge ich atemlos und etwas verwirrt den schnellen dramatischen Ereignissen. Schorsch, Hundefänger auf Ibiza, hat nicht zum ersten Mal ein junges Mädchen ermordet. Diesmal ist es eine Autostopperin. Als die Polizei die Leiche findet und nach dem Mörder sucht, befürchtet Schorsch, dass das vor kurzem begegnete Ehepaar ihn verdächtigen könnte. Er nimmt sich vor, sie unter die Lupe zu nehmen, trifft im Ferienhaus aber nur Tina und Marc an und gibt sich auf „seiner Insel der Toten" wieder der Ekstase von Eros und Thanatos hin. „Was immer er unternahm, es würde richtig sein und den Plan, den ein wahrscheinlich nicht existierender Schöpfergott sich ausgedacht hatte, zur Vollendung führen.“
Teil 3 schildert in eher melancholischer Stimmung das Leben des nach Basel zurückgekehrten Paares. 10 Jahre sind vergangen, Rick und Karin versuchen mit dem gewaltsamen Tod ihrer Tochter Tina fertig zu werden.
Dass Leben ein Ende hat, macht es erst kostbar. Nicht nur Glück, auch Unglück kann Menschen eng verbinden. Das Haus auf Ibiza hat Freund Alex verkauft. Das Verbrechen wurde nie aufgeklärt.
Rick widmet sich hingebungsvoll seiner Buchhandlung, als Farbe für die Schaufensterdeko hat er ein leuchtendes Gelb gewählt, weil es ihn an Tinas damals getragenen Schal erinnert. Ein Freundeskreis bringt Abwechslung ins Leben des Paares, auch den Versuch einer Psychotherapie. Rick begleitet seinen Freund Pierre gern auf dessen Hunde-Spaziergängen und als dieser ankündigt umzuziehen, beschließt Karin, ihrem Mann einen Hund zu schenken. Sie erinnert sich an den Hundefänger auf Ibiza und begibt sich auf Spurensuche …
Der Spannung wegen schließe ich hier und möchte nur noch den Schlusssatz des Romans zitieren: „Sie ging um den Glastisch herum, legte sich neben Rick auf die Couch und begann zu erzählen.“
Rosi Grieder-Bednarik, im März 2026


