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Rezensionen von Irse:

Mutiges Epos aus dem Burgenland, die Autorin schafft es, Schönheit und Grauen lesbar zu zeichnen, wie aus der Vogelperspektive

Im Schatten der Kraniche von Németh Bernadette

„Im Schatten der Kraniche“ ist das bislang beste Buch der burgenländischen Autorin Bernadette Németh. Schon ihr Debütroman „Der Rest der Zeit“ war ein Dreigenerationenroman, allerdings fehlte mir da noch ein wenig die Kontinuität. Nach dem berührenden Liebesroman „Wunschnovelle“ und dem unterhaltsamen Krimi „Neusiedler Tod“ legt sie nun einen schweren Stoff vor: Die Geschichte der Sängerin Ida, die die Vergangenheit ihrer Großmutter aufdeckt.

Und die geschah in schwierigen Zeiten: Am Ende des 2. Weltkriegs wurden Zigtausende Zwangsarbeiter aus Budapest zur Arbeit am letzlich sinnlosen Südostwall ins Burgenland abkommandiert. Das Leben der Budapester Jüdin Éva und das der vom aufdringlichen Intendanten bedrängten Ida hängen zusammen, was sich in Idas rätselhaften Stimmverlusten äußert. (Ich will nicht spoilern). Doch das Buch unfasst noch viel mehr Themen als Shoah, „Me-too“ und transgenerationale Traumaweitergabe. Die lebensnahe Schilderung der Roma und Sinti im Burgenland ist sehr berührend, ebenso die Thematisierung der Schrecken der russischen Besatzung (dass die Russen nicht nur „Befreier“ waren, sondern Generationen von Frauen in Mitteleuropa traumatisiert haben, trauen sich ja heutzutage wenige Autorinnen zu schreiben, die Autorin zeigt somit ihre Vielschichtigkeit und Weitsicht). Besonders gut gefallen haben mir die regelmäßigen und damit übersichtlichen Zeitsprünge und der durchgehende Spannungsbogen trotz der Themenvielfalt. Mit psychologischer Akribie malt Autorin Németh ihre Figuren, vom weisen Rom über die Sängerin mit der goldenen Stimme, Menschen im Luftschutzkeller im zerbombten Budapest bis hin zu Schlimmerem. Bemerkenswert auch das Feingefühl, mit dem die Autorin sowohl das Grauen als auch Schönes zeichnen kann.
„Im Schatten der Kraniche“ ist wieder ein sehr schöner Roman von Bernadette Németh. Er ist nicht (nur) realistisch, sondern menschennahe. Schicksale werden seziert, Schicht für Schicht gelüftet und neu sortiert, so dass man neue Sichtweisen bekommt. Trotz der brutalen Ereignisse geht die Autorin besänftigend vor und ist immer auf der Seite der Schwächeren. Sie lässt die Leser nicht in einer hoffnungslosen Trauer zurück, sondern in Vertrauen. Sie lässt die Leser mitfliegen, und die Erde, die Ereignisse quasi aus der Vogelperspektive betrachten. Es gibt neue Maßstäbe zu suchen und zu finden. Sie baut zwischen Himmel und Erde eine liebevolle, sensitive Brücke.
Herzlichen Dank für dieses Buch!

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