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Rezensionen von marcialoup:

Eigene Welten gemeinsam in einem Haus

Pina fällt aus von Vera Zischke

Pina tut alles für Leo, ihren behinderten Sohn, der zwar schon zwanzig, aber stark auf Pina angewiesen ist. Pina weiß genau wie sie Leo vor Überbordendem retten kann, so dass sein Leben für ihn relativ normal abläuft. Aber es ist eine Anstrengung die Pina alles und mehr abverlangt.
Pina darf nie ausfallen, es würde Leos Welt auf eine nicht auszudenkende Weise auf den Kopf stellen, .

.. denkt Pina.
Und dann... fällt Pina ... aus...
Und Leo muss allein denken.

Da sind die Hausbewohner der anderen Etagen:
Inge, 86, geht nicht mehr aus dem Haus, will sterben weil alle, die sie kennt, auch schon tot sind. Pina kauft immer für sie ein, in der Zeit lässt sie Leo bei ihr... Bis sie eines Tages nicht mehr zurückkommt...
Zola, macht eine Ausbildung in einer Bäckerei, doch lieber verbringt sie ihre Tage mit Computerspielen, und auch ihre Nächte, weil ihr Vater, dem das ganze Haus gehört, immer arbeitet, immer... und sie so nicht werden möchte. Das muss und will Zola nicht. Deshalb schwänzt sie ihre Arbeitstage und sitzt statt dessen vor dem Computer oder lungert im Einkaufszentrum rum.
Woijtek, wortkarg, zurückgezogen, verliebt sich in eine Frau, die 13000 km entfernt in Russland wohnt und ihm per Internet alle möglichen Figuren, Kristalle und Sonstiges verkauft, obwohl Woijtek doch nur sie will.

Sie alle haben eigene Probleme und letztendlich eigene Welten erschaffen, in denen sie leben, die eigentlich genauso wenig mit der echten Welt "da draußen" zu tun haben. Nicht wirklich anders als Leo.
Und nun ist Pina weg.
Pina, die Leo's unruhiges Gehirn beruhigen konnte, Pina, die Leos Unordnung in Ordnung schaffen konnte, Pina, die alles für Leo ist, seine Mutsch!

Vera Zischke schreibt in erfrischend eigenem Stil eine berührende Geschichte über Miteinander, eigene Welten und wie alles zusammen verschmelzen kann.
Ihre Worte gehen nahe obwohl sie doch so locker durch die Seiten flocken. Gekonnt schreibt sie sich auch mit ihrem zweiten Roman nach AVA LIEBT NOCH ins Herz der Leser/innen und holt Gefühle und Gedanken hervor, über die man überrascht ist.
Vera Zischke gehört nun zu meinen Lieblingsautorinnen, deren Bücher ich immer wieder kaufen und sehr gern lesen werde.

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Kraftvoll, feinfühlig, Wert-voll, eine liebevolle Wandelzeit-Begleitung die Halt und Orientierung gibt

Wechseljahre - Befreiungsjahre von Silja Mahlow

Dieses Buch beruhigt das hüpfende Nervensystem und die Launen der Reizbarkeit, es repariert körperliche Bruchstellen, reduziert Hitzewallungen in Wärme, gleicht Schwankungen aus, streichelt die Seele und führt dich in deine vergessene Mitte, weil es DICH in den Fokus stellt.
DU bist ... ist Motto! Du darfst dich fühlen, darfst sein, ohne durchs Leben zu hetzen, ohne nur für andere da zu sein.

Einfach DU!

Dieses Buch ist nicht nur ein wertvoller Begleiter durch die Wechseljahre sondern auch auf dem Weg ins Älter werden. Und dadurch m.E. auch für Männer geeignet! Und Alter ist auch nur eine Zahl ...
Das Buch nimmt dich feinfühlig an die Hand und zeigt dir sanfte und kraftvolle, stärkende und loslassende Wege durch und aus den Wirren stürmischer Wechseljahre heraus.
Es mag der Einen eher esoterisch erscheinen, die Andere findet sich voll darin wieder oder kann Tipps hilfreich annehmen.
Die Autorin erzählt aus eigener Erfahrung! Dadurch fühlt man sich verstanden und aufgehoben. Und ja - genauso kann ich viele Punkte bestätigen, die Silja Mahlow so beeindruckend freundlich, liebevoll und zartfühlend, aber bestimmt, anspricht.
Ernährung und Sport helfen, sich jünger, gesünder und stärker zu fühlen. Einmal umgesetzt motiviert das, was daraus resultiert, weiter zu machen!
Beschäftigung mit sich selbst und Achtsamkeit lassen Gelassenheit zu. Alles zusammen macht glücklich.
Am Ende meiner Wandelzeit angelangt, war dieses Buch für mich ein Rückblick auf eine Zeit, durch die ich ohne Zeit fürs eigene Leben gehetzt bin und mir diesen Ratgeber gewünscht hätte - zum Innehalten, und um auf meinen Körper besser zu hören, der oft aufgeschrieen hat.
Auch "danach" findet man in diesen Buch noch Zuspruch, Trost und Mut. Denn man kann sich immer reflektieren, sich einlassen auf neue Stärken, Freiheit und körperliche Veränderungen. Die hören ja nach den Wechseljahren nicht auf.

Man findet in einem guten Wechsel Texte zu verschiedenen Themen, ansortiert nach Chakren, außerdem Interviews, Yoga- und Meditationsübungen sowie Themen-Fragen die man sich selbst stellt zum In-sich-kehren und sich besinnen auf innere Werte. Das alles ist gut aufeinander abgestimmt.
Aufgaben für kommende Tage vertiefen Gelesenes.
Gedankentexte sowie schöne Bilder bereichern das Buch und visualisieren Gefühle.

Etwas seltsam fand ich, dass die Übungen direkt in die Texten eingestreut sind statt am Ende eines Themas...

Alles in allem ein Buch, das gut tut und jede und auch jeden begleiten sollte!

So werde ich dieses Buch nun gern einer Freundin schenken, die gerade anfängt quasi "mit Vollgas durch die Wechseljahre" zu stürmen!

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Was ist schon "normal"?

Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher

Ozzy hat ADHS. Seine Mutter Ann tut alles, dass es ihm gut geht, er klar kommt, er in der Schule mitkommt. Und irgendwie scheint Ann einen gewissen Draht zu ihm zu haben, denn auch sie hat Anwandlungen die auf ADHS schließen, was nur früher, in ihrer eigenen Kindheit eher nicht von Bedeutung war und es dafür keine Diagnose gab.

Früher waren eher andere Krankheiten krank.
Und...
Warum muß man mit ADHS überhaupt als krank eingestuft werden?
Ist es nicht manchmal besser, anders zu sein als der Durchschnitt? Wer entscheidet überhaupt, was normal ist?
Mit diesen Aspekt ist dies ein ganz wichtiges Buch!

Die Geschichte startet mit dem Hasen in der Schule, dem Hausmeister der den Rasen mäht und der Tatsache, dass Ozzy nicht wollte, dass der Hase stirbt.

Ich kenne bisher die Bücher von Birgit Birnbacher nicht. Mir fällt ihre ruhige Erzählweise auf, die selbst bei Beschreibungen über ADHS Szenen weiß, wie man ansetzt, um den Stress nicht auf den Leser zu übertragen sondern klar die Szenen rüberbringt. Eine lockere und ausgewählte, formschöne Sprache mit einem österreichischen Flow, bisweilen witzig geprägt, gibt Halt in der Geschichte.
Die Autorin steuert damit auch die Gedanken und Taten von Ozzy und wie er die Welt sieht.
Man bekommt durch Ozzy und Ann einen Einblick in diese Welt, während man mit ihnen versucht, den Fokus zu halten.

Ozzy muss das mit dem toten Kaninchen noch beichten, doch da kommt das Verschwinden der Zillyoma, die aus dem Krankenhaus abgehauen ist, zuvor.

Mir gefällt der Klang der Autorin nicht so gut. Es ist ein reiner Erzählton, der nicht einmal wörtliche Rede zulässt. Der Ton verfällt in eine Art leichten Singsang, in dem man sich zwar zurechtfindet, der aber meines Erachtens zuviel Abstand hält zwischen Leser/innen und Figuren.

Das Cover finde ich sehr schön und ausdrucksstark. Es vermittelt eine Ahnung, ein sonniges Farbenspiel im Wald, der genauso bunt und dicht ist, wie manche Gedankenstrukturen von Ozzy. Passt auch zur Aussage, dass Ann keine Autobahnen im Kopf hat, sondern ihre Gedanken zu viele Abzweigungen und Seitenstraßen bilden.
Das Cover passt einfach gut zur Geschichte!

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Namen und ihre Auswirkungen

Die Namen von Florence Knapp

Eine erstaunlich wortintensive Sprache bereichert diesen interessanten Roman über Namen und was sie aus uns machen.

Es ist 1987.
Cora muss ihren Sohn traditionsgemäß Gordon nennen, so wie ihr Mann, dessen Vater und Großvater heißen.
Cora möchte ihren Sohn aber gern Julian nennen, was Himmelsvater bedeutet und sie hofft auf Verständis ihres Mannes, da er durch diese Bedeutung ja geehrt wird.

Coras Tochter Maia möchte ihren Bruder Bear nennen, weil er so kuschelig ist aber auch stark und klug sein wird, so sagt sie.

Nun liegt es an Cora, die richtige Entscheidung zu treffen. Für ihren Sohn... Für ihren Mann... Für ihr eigenes Leben...
Denn so wie sie ihren Sohn nennen wird, so wird ihr Leben in unterschiedliche Richtungen verlaufen.
Spannend und unfassbar, wie zu dieser Zeit noch ein Mann mit seiner Ehefrau umgeht...

Wir verfolgen im 7-Jahre-später-Rhythmus alle drei Richtungen und wie sich das Leben der Personen um Bear, Julian und Gordon herum verändert und wie der Sohn selbst sein wird.

Bear finde ich sehr sympathisch. Er hat eine starke Bindung zu seiner Schwester und tatsächlich einen starken Charakter und kuscheligen Ansatz. Er kann gut mit Menschen umgehen.
Julian finde ich eher zurückhaltend und blass.
Gordon nimmt unsympathische Züge an, hat aber auch eine schwere Kindheit, da er seine Mutter an eine Depression nach der Geburt verloren hat.
Es passiert sehr viel, sehr unterschiedliches mit allen Familienangehörigen und dem möchte ich nicht vorweggreifen weil es dieses Buch ausmacht.

Dicht und intensiv geschrieben ist es mitreißend und mitfühlend.
Persönlich hätte es mir besser gefallen, wenn die drei Leben von Bear, Julian und Gordon am Stück erzählt worden wären und nicht alle sieben Jahre hin und her sprängen.
Das ist aber auch meine einzige Kritik.

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Ins Herz geschlichen

Eine Maus namens Merlin von Simon Van Booy

Helen, 83, einst Herzchirurgin, ist von Australien wieder zurück in ihre englische Heimat gezogen, um in Ruhe dort sterben zu können. Freunde und Verwandte gibt es nicht mehr. Einsamkeit bestimmt ihre Tage...
Eines Tages wird sie durch verrückte Umstände zur Haustierbesitzerin einer Maus, die Helen nach anfänglichen Hürden, diese wieder loszuwerden, Merlin nennt.

Hier sei kurz erwähnt, dass der Name Merlin nicht an allen Stellen korrekt übersetzt wurde und die Maus zwischendurch Sipsworth bzw. Sips genannt wurde!

Entgegen Helen's anfänglichen Willen entwickelt sich daraus eine liebevolle Fürsorge und Helen erkennt, dass sie durch Merlin plötzlich in Kontakt mit der Außenwelt und anderen Menschen kommt, wo sie zuvor zurückgezogen und auf den Tod wartend gelebt hatte.
Und dann tritt ein Notfall ein, bei dem alles getan wird, um Leben zu retten.

Die ersten Seiten sind wenig dialogreich und etwas schleppend, Helen lebt in Erinnerungen... man wird aber bald schon belohnt, wenn man durchhält!
Merlin schleicht sich in Helens Herz und beide dann in unsere Herzen und entwickeln eine Verbundenheit, die berührend ist.

Das Cover ist herzallerliebst.
Eins unserer Kaninchen hieß auch Merlin und wusste genauso zu bezaubern wie die Maus von Helen.
Ich wünsche eine herzliche Lesezeit mit charmanten Protagonisten und dem immer wieder ergreifenden Blick auf das knuddelige Cover!

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Ein Roman mit Finger in den Wunden

Was ist in meinem Alter sonst noch üblich? von Wencke Mühleisen

Ein Roman über verbrauchtes Vertrauen und eine schmerzhafte Analyse der Fehler im Leben, oder dem Fehlen an sich.

Die Protagonistin Erika erfährt am letzten Abend ihres Urlaubs, dass ihr Mann Jan seit längerer Zeit schon eine Affäre hat. Sie selbst liebt ihren Mann und hätte gern viel mehr körperlichen Kontakt mit ihm als er es zuließ in den vergangenen Jahren.

Sie selbst hatte auch einmal eine Affäre, zu Beginn ihrer Beziehung... Nur nicht so intensiv wie Jan...
Beide sind nun Mitte 60 und blicken zurück auf ihr langes gemeinsames und ihr eigenes Leben. Nähe, die sie immer hatten, ließ Berührungen selten zu. Warum?
Alltag?

Es tut weh, mitzuerleben, wie sehr das Geständnis ihres Mannes Erika umhaut, ein großer, aber leiser Knall in ihrem Inneren, womit sie nicht gerechnet hat, vor allem, da sie gern mit ihm intim gewesen wäre, immer wieder, doch nun hat sie die Erklärung seiner Ablehnung.
Wie geht man damit um?

Eine Paartherapie soll helfen, aufgewühlte, verzweifelte, zerbrochene und doch immer noch liebevolle Gefühle aufzuarbeiten. Wir nehmen teil an den Sitzungen und es integriert uns an der ein oder anderen Stelle mit Sympathien für Erika oder für Jan oder für keinen von beiden.
Tiefschürfende Verletzungen mit klaffenden Wunden wühlen sich ans Licht.
Was hätte man früher tun können, als noch nicht alles ins Uferlose abgerutscht ist?
Erika verliert sich gern in ausweglosen Zukunftsgeschichten die sie vor sich sieht, aber auch in bildhaft schmerzvollen Vergangenheits- und Möglichkeitsgeschichten die sie sich erspinnt.
Jan bleibt zurückhaltend, schiebt seine Schuld in verschiedene Richtungen, zeigt sich als hilfsbereit bis auch bei ihm Gefühle aufbrechen.

Das missbrauchte Vertrauen schwebt über einer gescheiterten Beziehung die anstrengend versucht, sich noch zu retten.

Über den Klappentext hätte man etwas anderes erwartet. Als Studie einer alternden langjährigen Beziehung mit verbrauchtem Vertrauen liest es sich stellenweise wiederholend.
Das Buch hätte nicht länger sein müssen mit knapp 200 Seiten.

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Das Schweigen im Moos...

Moosland von Katrin Zipse

Es ist ein ruhiger Roman, der die Geschichte Elsa's beschreibt, die als eine von vielen Frauen nach dem zweiten Weltkrieg von Deutschland nach Island schifft, um dort auf einem Bauernhof zu arbeiten.
Natürlich sind Frauen auf der Insel begehrt, da Männer in der Überzahl auf heiratsfähige Kandidatinnen hoffen.

Doch Elsa führt so etwas gar nicht im Schilde...
Sie schweigt. Sie kann kein isländisch, auch englisch nicht so wie die Söhne des Bauern es hofften.
Das Schweigen Elsa's ist Merkmal des Romans, denn man kann ihn nicht gerade als dialogreich bezeichnen. Sehr wenige Worte fallen, und wenn, dann spricht die Familie natürlich isländisch untereinander. So lernt auch der Leser einige Worte isländisch. Elsa versucht klarzukommen. Naturverbunden liebt sie es, draußen zu sein. Auch hat die Autorin eine wortreiche Sprache, sodass man nicht stark auf Dialoge angewiesen ist, trotzdem hat man das Gefühl, dass sehr wenig gesprochen wird...
Dafür sind die Naturbeschreibungen fühlbar und intensiv. Das Leben zu der damaligen Zeit in einem hochnorddischen Land ist bildreich wiedergegeben.

Ich mochte das Buch stellenweise ganz gern. Elsa's Ankunft und Einleben in die Familie war nett zu lesen, aber im späteren Verlauf war ich dann irgendwie doch froh, bald die letzte Seite gelesen zu haben. Es hat mich also nicht vollends überzeugt...

Das Cover ist einfach gehalten, doch durch die verwischten Grüntöne und Pastellfarben passt es perfekt zum Titel MOOSLAND und vermittelt Weite und unberührte Natur.

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Ein mutiger, emotional starker Versuch

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve

Die Autorin hat einen sehr ehrlichen und offenen autobiografischen Roman geschrieben über den Tod ihres Mannes, der namenlos nur A genannt wird... und das Leben danach.
Es schweben Melancholie und Schwere in den Seiten, gespickt mit den Feinheiten der Zwischentöne, die zu Lebzeiten so oft überhört wurden sowie gefühlsintensive Momente, die an die Oberfläche strömen, weil sie zuvor unter dem Teppich der Distanz, der Entfremdung und des Alltags waberten.

Nur muss die Autorin dies alles allein erfühlen, da ihr Mann A. verstorben ist. Dabei erkennt sie, dass sie auch zuvor schon fast alles allein erfühlen musste, weil die Nähe zueinander leise davongewandert war.
Und nicht nur das. Als Ehe in den 70ern und folgenden Jahren erlebte die Protagonistin die Zeiten vor und während der Emanzipation, hatte sie doch einen sehr guten Job, ist Professorin und musste ob der geringen Wertschätzung der Frau trotzdem viel einstecken.
Rücksichtnahme.
Anpassung.
Patriarchat?
Was hatte sie alles aufgegeben in den ersten Jahren der Verliebtheit!
Wie sehr hatte sich das alles schleichend verändert!
Wie viele Ängste und Sorgen durchlebte sie allein, doch an der Seite ihres Mannes!
Wie sehr lief immer alles so wie ihr Mann es wünschte!
Wie sehr stellte er sich seinen eigenen Problemen nicht!
Und wie sehr muss sie sich jetzt neu definieren, sie... allein.

Sie durchwühlt neben ihren Gefühlen die Hinterlassenschaften ihres Mannes, räumt das Haus auf, das plötzlich eine andere Ausstrahlung ausübt, jetzt, da er nicht mehr da ist. Sie findet Dinge, die sie nicht kannte wie auch Bekanntes, das ihr fremd vorkommt.
Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit mit Ausblick auf eine eigene Zukunft... schmerzhaft, wütend, traurig, zaghaft, verständnisvoll und auch liebend. Wer wird sie sein? Wer war sie mit ihm und warum so? Wer war er?
Ihre Erinnerungen schwelgen in Schönem, das vernachlässigt wurde, schweifen ab in Probleme, die er hatte und ihr Verständnis dafür, ihre Sorgen und ihr Umgang mit allem. Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich ab, verschwimmen ineinander. So zeichnet die Autorin ein Bild von ihrem Mann, indem sie analysiert warum er zu dem wurde und war, und bildet dabei ein Bild auch von sich ab.

Ein emotional tiefgängiges, hinterfragendes Buch, das nachwirkt, das spiegelt, das weh tut.
Anfangs kommt das Buch etwas schwerfällig in Gang, die Autorin wirkt kühl und distanziert, doch die Mauer bröckelt und als Leser taucht man Schicht für Schicht tiefer ein. Auf subtile Art ist es rührend und herzzerreissend. Und dadurch sehr gelungen!

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Klares Nein und seine Folgen

Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross


Hazel sagt Nein... gleich zu Beginn, als erste Antwort auf die unglaubliche, absurde Frage ihres Direktors der neuen Schule, ob sie mit ihm Sex haben wird. Er ruft sie in sein Büro und erklärt ihr, dass er sich jedes Jahr ein Mädchen "aussucht" mit dem er Sex hat. Und das wird jetzt Hazel sein!
Allein diese Tatsache ist krass!
Hazel sagt klar Nein und erzählt es als erstes ihrer Mutter, denn diese bemerkt, das etwas nicht stimmt mit Hazel.

So etwas geht nicht spurlos an einem vorbei und zieht tiefe Schatten.
Das Familienleben wird in Mitleidenschaft gezogen, alles verändert sich, der Umzug in diese Kleinstadt wird in Frage gestellt, obwohl dies nun überall hätte passieren können.
Die Öffentlichkeit erfährt davon, Hazel ist Gesprächsthema. Doch es gibt nicht nur Unterstützung und Verständnis sondern auch Anfeindungen.

Die Kapitel sind unterteilt in die Protagonisten, so bekommt man immer abwechselnd Einblicke in die Gedanken von Hazel, ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder und die Geschichte selbst verliert dabei nie den Faden.
Allerdings verliert teilweise der Machtmissbrauch des Direktors den Faden, denn es schweift stellenweise ab, was sehr schade ist, da dies ein wichtiges Thema ist auf das man mehr den Fokus hätte legen müssen.
Manche Reaktionen und Verläufe während der Geschichte waren für mich nicht nachvollziehbar.

Zu Beginn hat das Buch seinen Reiz, aber schon bald war es für mich Überwindung weiterzulesen. Ich war froh als ich die letzten Seiten erreicht hatte...

Das Cover zeigt eine Kleinstadtidylle mit eigenem Häuschen, wo Zufriedenheit und Sorglosigkeit ein Zuhause haben könnten. Doch unter jedem Dach wohnt ein ach...

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Täterin oder Opfer?

Gelbe Monster von Clara Leinemann

Charlie nimmt an einem Antiaggressionstraining teil. Auch, weil ihre Freundin Ella bei der sie zeitweise wohnt, dies zur Bedingung macht, nachdem Charlie's Beziehung mit Valentin in die Brüche ging, genau deswegen.
Oder wer ist hier Täter/in und wer Opfer?
Denn Charlie taucht mit blauen Flecken und verletztem Herzen in der Antiagressionsgruppe auf.

Charlie, die trotz Widrigkeiten irgendwie auf ihre Art beinahe sympathisch ist, möchte man verstehen.
Warum hat sie diese Ausbrüche... Aussetzer? Ihre Wut ist offensichtlich und spürbar. Wäre sie in einer anderen Beziehung eine andere Charlie?
Wie trägt Valentin dazu bei?
Warum tut er sich das mit Charlie an?
Über das Beziehungsgefüge und die Entwicklung zwischen Charlie und Valentin kann ich nicht so viel sagen ohne zu spoilern, man muss es selbst erlesen, um zu verstehen.
Kann man das wirklich verstehen?
Zumindest hat Charlie Probleme in ihrem Selbstwert und vergleicht sich häufig mit anderen. Allerdings ist sie auch sehr präsent, immer im Vordergrund, irgendwie laut und polternd... während Valentin sehr still rüberkommt. Nicht viel sagt und dadurch auch dem Leser unzugänglich bleibt.

Ein kurzer Roman mit weniger als 200 Seiten handelt Themen der Abhängigkeit und Gewalt in Beziehungen ab, aber eben von der weiblichen Seite ausgehend.
Man hätte vielleicht noch mehr aus dieser Geschichte herausholen können.
Das Cover finde ich weniger ansprechend, die gelben Monster wurden auch nur ganz kurz im Buch erwähnt und sind, wie erwartet, symbolisch.

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