Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Bastian:

Vier Sprachen, viele Mängel - ein Wörterbuch ohne nennenswerten Praxiswert

Encyclopedic Dictionary of Landscape and Urban Planning von Klaus-Jürgen Evert

Die Bezeichnung „Dictionary“ ist etwas irreführend. Dieser viersprachige Wälzer ist mehr Lexikon als Wörterbuch. Als Lexikon, das Begriffe erklärt, ist es bedingt einsetzbar, als Hilfsmittel für schnelle und zuverlässige Übersetzungen taugt es jedoch wenig, die Zuordnung der Fachtermini ist in allen Sprachen fehlerhaft.

Zudem ist der Aufbau unübersichtlich, und zum Nachschlagen deutscher, französischer oder spanischer Stichwörter muss ein zweiter Band mit drei separaten Registern in die Hand genommen werden.

Unter 7144 nummerierten Einträgen sind Erklärungen zu jeweils einem Begriff in vier Sprachen als durchgehender Text aneinandergereiht, optisch nur durch das fettgedruckte Hauptstichwort in jeder Sprache getrennt, wobei nur die oberste Sprache (Englisch) wirklich ins Auge fällt. Synonyme zum Stichwort sind nicht hervorgehoben, sondern unscheinbar an die Begriffserklärung angehängt und gehen damit im Fließtext unter. In diesen sind überall Querverweise auf Ober- und Unterbegriffe an anderen Stellen eingestreut, die das Lexikonprinzip – alle Begriffe in einem Eintrag - wieder durchbrechen und die Orientierung im Text zusätzlich erschweren. Zwischen den nummerierten englischen Stichwörtern sind die englischen Synonyme und britischen/amerikanischen Varianten ohne eigene Nummer eingefügt und verweisen auf den jeweiligen Haupteintrag. Auch hier ist viel Blättern angesagt.

Viele Bezeichnungen sind schlicht erfunden und nicht gebräuchlich, wie z. B. „Hangabfahrt“ (für downhill ski run), „down mountain skiing“ (für Abfahrtslauf), „elevated hedgerow“ (für Feldhecke), „emergency lane“ (für Standspur), „fact-finding data collection“ (für Grundlagenermittlung), „semiadoquin de borde“ (für Randstein) oder „zone des variations du niveau des eaux“ (für Höhe der Wasserwechselzone).

Andere wiederum sind unvollständig – so wird „elevation“ lediglich mit „Ansicht“ übersetzt, korrekt wäre jedoch „Ansicht im Aufriss“. Veraltete Ausdrücke wie „Einfriedigung“ oder „developed for the handicapped“ werden als aktuell präsentiert. Ein- und Mehrzahl wird vermischt: Unter „development district“ (Einzahl) erscheinen als Synonyme „development area“ (Einzahl) und „assisted areas“ (Mehrzahl). Manchmal werden die Fachbereiche durcheinandergebracht: Bei Abwasser und Kanalisation wird etwa „drop structure“ mit „Einlaufbauwerk“ übersetzt, eine Bezeichnung, die zu Staudämmen gehört (richtig wäre „Mündungsbauwerk“). Britisches und amerikanisches Englisch wird immer wieder falsch zugeordnet – „dump“ und „environmental impact study“ werden z. B. als US-Englisch geführt, obwohl beide auch im britischen Englisch gebräuchlich sind.

Synonyme werden nicht konsequent in einem Eintrag zusammengefasst: die Synonyme „ecological amplitude“ und „ecological tolerance“ (ökologische Potenz) sind als getrennte Stichwörter verzeichnet, ebenso „Randausbildung“ und „Einfassung“ (edge design und edging). Andere werden fälschlicherweise als Synonyme ausgewiesen, etwa „spoil area“, „spoil bank“ (Bergbauhalde) und „dumpsite“ (Müllhalde).

Unterschiedliche Begriffe werden gleichgesetzt, z. B. Staubniederschlag, Staubablagerung und Staubeintrag in die Umwelt als Übersetzung von „dust precipitation“. Die Übersetzungen sind tendenziell ungenau – statt der exakten Entsprechungen werden nur ähnliche Bezeichnungen angeführt: „umgraben“ wird mit „to dig“ übersetzt (statt mit „to dig over“), „European Union Directive“ mit „EG-Richtlinie“ (statt mit „EU-Richtlinie“), „demographic pyramid“ mit „Alterspyramide“ (statt mit „Bevölkerungspyramide“) und „duration of insulation“ mit „Sonnenscheindauer“ (statt mit „Dauer der Sonneneinstrahlung“). „Semidetached house“ (Doppelhaushälfte) wird falsch mit „Doppelhaus“ übersetzt und mit dem amerikanischen „double house“ gleichgesetzt, „Feldhecke“ wird irreführend mit „quickset hedge“ (mit Stecklingen gepflanzte Hecke) wiedergegeben und mit norddt. „Knick“ (Wallhecke) gleichgesetzt.

In manchen Fällen sind die Übersetzungen sachlich grundfalsch, wenn z. B. „estimate of probable construction cost“ (ungefähre Kostenschätzung) zur „Kostenberechnung“ wird und „enabling act“ (Ermächtigungsgesetz) zur „Durchführungsverordnung“ oder wenn ein Bedeutungsunterschied zwischen „drainage“ und „Entwässerung“ konstruiert wird, den es nicht gibt.

In diesem Nachschlagewerk steckt unbestreitbar viel Arbeit. Als Wörterbuch ist es jedoch unverlässlich und voller Fehler und als Lexikon nur für eine kleine Zielgruppe interessant, nämlich jene, die gleichzeitig in zwei verschiedenen Sprachen im Bereich Raumplanung, Ausschreibungen und Landschaftsökologie tätig sind. Der Vorteil eines viersprachigen Nachschlagewerks wird durch den überladenen Aufbau und die Aufteilung auf zwei Bände wieder zunichte gemacht. Eine Beschränkung auf weniger Sprachen hätte die Handhabung deutlich vereinfacht – vor allem im Vergleich zu Onlinewörterbüchern. Angesichts der mangelnden Benutzerfreundlichkeit und der massiven übersetzerischen Mängel geht der praktische Nutzwert gegen Null.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bastian