Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Marvin:
Was für eine Reise!!!
Die Bruchstücke des Königsmondes von Thomas Oberacher
Wer Abenteuerreisen liebt, kommt nicht um dieses Buch!
Wenn vier Monde um einen Planeten kreisen, weckt das bei Fantasyfans immer Interesse. Wenn es mit Seefahrten und verschieden großen und kleinen Bedrohungen einhergeht, sollte jede Hand schon im Bücherregal stecken.
Wir verfolgen Nero und Erik, wie sie nach einem Aufklärungsauftrag in ihr Reich zurückkehren, um einen besonders delikaten Fund dem Rat vorzulegen.
Wie es nun mal kommen muss, verbirgt sich noch mehr dahinter, als erstmals angenommen.
Ohne zuviel vorweg zu nehmen, handelt es sich bei der Reise um eine Verfolgungsjagd in den wir die Handlung aus zwei Handlungssträngen verfolgen. Dieser Aspekt hat mir besonders gut gefallen. Man fiebert mit und hofft mit den Charakteren, die mit ihren eigenen Konflikten daherkommen, die neben dem großen Spektakel auch kleinere Streitereien und Konflikte aufweisen, die die Reise zu einem nachvollziehbaren Trip machen. Wer kommt sich nicht in die Quere, wenn man lange Zeit auf kleinem Raum miteinander verbring?
Die Konflikte wirken größtenteils glaubhaft, und auch die unterschiedlichen Figuren und Handlungsstränge fügen sich gut in die Geschichte ein. Die größte Stärke des Romans liegt für mich jedoch eindeutig im Worldbuilding. Man merkt, dass Thomas Oberacher sich bei seiner Welt und ihren zahlreichen Details viele Gedanken gemacht hat. Die einzelnen Elemente greifen ineinander, ergänzen sich und ergeben ein weitgehend stimmiges und kohärentes Gesamtbild.
Vor allem gegen Ende merkt man, wie fließend die Bausteine ein großes Ganzes ergeben. Für ein Erstlingswerk absolut meisterhaft!
Nimmt man dazu die bildhaften und lebhaften Beschreibungen der Umgebung, sowie die emotionalen Tiefen der Charaktere, kommt man auf ein tolles Gesamtwerk, das sich nicht verstecken muss!
Ausbaupotenzial sehe ich persönlich vor allem im Lektorat beziehungsweise in der erzählerischen Struktur. Einige Rückblicke wurden unnötig verwirrend in die Handlung eingebunden, wodurch es stellenweise schwerfiel, die zeitliche Einordnung sofort zu erfassen. Außerdem verschwimmen innerhalb mancher Kapitel die Perspektiven ineinander. Eine klarere Trennung hätte den Lesefluss verbessert und einige Situationen einen noch bessere Wirkung gegeben. Dies sollte aber mit einem intensiveren Lektorat beim zweiten Teil ein schwindendes Element werden.
Übrigens: Es wird einen zweiten Teil geben. Das Ende baut herrlich auf die aufgelösten Fäden auf und verwebt sie ganz hervorragend in eine neue Problemstellung, sowie ganz neuen Ausgangspositionen für die Fortsetzung der Reise. Darauf freue ich mich schon sehr und ist mein persönlicher Pflichtkauf!
Insgesamt ist Die Bruchstücke des Königsmondes ein beeindruckender Fantasyroman, ein noch besseres Erstlingswerk, dessen fantasievolle Welt und durchdachtes Worldbuilding nachhaltig in Erinnerung bleiben.
Ich gebe 4,5 Sterne, die allein die Erwartungshaltung, sowie den Weg nach oben symbolisieren sollen und keineswegs eine Abwertung der Storyqualität ausdrücken. Wenn Thomas Oberacher dranbleibt und die Leidenschaft, die man in jedem Buchstaben der knappen 540 Seiten spürt, weiterführen kann, dann gibt es zukünftig noch einige Epen aus der Feder dieses Neuautoren!
Tiroler Mythen in einem neuartigen Fantasysetting
Sturmtänzer von Matthias Daxer
Schon die ersten Seiten haben mich richtig mitgezogen. Mitten in der realen Kleinstadt Innsbruck begleitet man Leon in der heutigen Zeit. Sofort nimmt einen die Geschichte mit, als der Tod seines Großvaters einige dubiose Fragen aufwirft und Geheimnisse sowie neue Erkenntnisse der bestehenden Welt aufdeckt.
Gemeinsam mit seinen Freunden stößt Leon auf einen Dämon - den Avergeist-, und im Laufe der Handlung erfährt man, dass die Menschenwelt nicht die einzige ist.
Die unverbrauchte Aufteilung in sieben Welten, die enormes Potenzial für nicht nur einen zweiten Teil, sondern auch für Spin-Offs bietet, zeugt von erzählerischer Originalität. Dieser Mix aus Alpenmythen, Fantasy und Abenteuer hat mir richtig Spaß gemacht.
Besonders stark fand ich die Wendung in der Mitte des Buches. Sie ist zwar nicht vollkommen neu, wird aber geschickt aufgebaut und funktioniert hervorragend. Ich war durchweg bestens unterhalten, da die Charaktere glaubwürdig agieren und emotional greifbar sind. Einzig das Machterhältnis der gegeneinander kämpfenden Fraktionen gegen Ende erschien mir etwas unausgeglichen, und trotz stimmiger Erklärungen hatte ich zeitweise ein leichtes Gefühl von „Plot-Armor“. Das war nicht wirklich störend, ließ aber auf den letzten Seiten ein wenig die Dramaturgie vermissen.
Was ich mir zusätzlich gewünscht hätte: Die offene Prämisse, die in der Mitte so stark eingeführt wird, hätte für mich auch am Ende des Buches ihren Platz haben sollen. Dort wirkt es, als wäre sie in den zweiten Teil verschoben worden – und so ging für mich etwas von ihrer Wirkung aber vor allem der Wichtigkeit verloren. Das schmälert den Lesespaß zwar nicht, macht die Fortsetzung aber umso notwendiger.
Das Buch lässt sich leicht lesen. Trotz seiner über 420 Seiten verschlingt man jede Zeile, die dank der angenehm entzerrten Gestaltung und der großen, schreibmaschinähnlichen Schrift wohl auch auf 350 Seiten Platz gefunden hätten.
Der Schreibstil ist locker und unverschachtelt, zieht einen in den schnellen Szenen mühelos mit, wirkt durch kurze Sätze an den richtigen Stellen bedrückend und entfaltet in idyllischen Momenten durch die fein beschriebenen Szenographien zusätzliche Wirkung.
Alles in allem ein packender Auftakt, der mich neugierig auf mehr gemacht hat – ich freue mich schon sehr darauf, mit Teil II wieder in diese Welt einzutauchen und zu sehen, wie die offenen Punkte aufgelöst werden.



