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Rezensionen von Annabell95:
Dreikönigenschrein
Der Schrein der Könige von Sabine Weiß
Ein mächtiger Triumph des Kölner Erzbischofs Reinald von Dassel verändert die Geschichte: Nach der Einnahme Mailands bringt er die Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Köln. Die Stadt wird daraufhin zum Magneten für Pilger, die auf Wunder hoffen. Noch ruhen die Reliquien in einer schlichten Kiste, doch ihr Ruf verlangt nach einem würdigen Schrein.
Der berühmte Goldschmied Nicolaus von Verdun soll dieses einzigartige Kunstwerk erschaffen. Seine Berufung sorgt jedoch für Unmut, denn die Kölner Goldschmiede fühlen sich übergangen und sehen den prestigeträchtigen Auftrag an einen Fremden verloren.
Die Handlung ist so aufgebaut, dass man den einzelnen Protagonisten abwechselnd folgt. Das sorgt für Abwechslung und erhöht den Spannungsbogen. Historische Aspekte wie Kriege, Eroberungen und Raubzüge kommen erst später stärker ins Spiel, werden dann aber sehr gut in die Handlung eingewoben. Man lernt etwas, ohne von Fakten erschlagen zu werden.
Im letzten Drittel ging’s mir etwas zu schnell. Viele Nebenstränge wurden recht zügig abgehandelt. Und ich hätte mir mehr durchgehende Beschreibungen des Dreikönigenschreins gewünscht. Dieser steht am Anfang und Ende im Fokus, dazwischen aber weniger. Stattdessen stehen hier mehr die Schilderungen mittelalterlicher Lebensumstände sowie kirchlicher und politischer Entwicklungen im Fokus.
Im Mittelpunkt steht Nicolaus mit seiner Familie. Die Hauptcharaktere, aber auch die Nebencharaktere sind sehr facettenreich gestaltet. Es gibt Sympathieträger, zwielichtige Gestalten, Charaktere, die man gern begleitet und solche, die man am liebsten schütteln würde. Diese große Bandbreite macht die Figuren glaubwürdig und sorgt dafür, dass man mit ihnen mitfiebert, sich ärgert, hofft und bangt.
Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und so atmosphärisch, dass man sich mitten ins mittelalterliche Köln versetzt fühlt. Geräusche, Gerüche, Stimmungen – all das wirkt so lebendig und authentisch.
Mein Fazit:
Atmosphärisch stark, lebendig erzählt, mit tollen Figuren - absolut lesenswert.
Schachmörder
Blindspiel von Max Seeck
Ein junger Mann stiehlt einem Serienmörder eine Aktentasche aus dem Auto. Nur kurze Zeit später ist der Dieb tot. Kurz darauf gibt es ein weiteres Mordopfer, eine junge Frau. Ihr Körper wurde komplett mit weißer Farbe bemalt. Doch warum hat der Mörder ihre Leiche so inszeniert? Profiler Milo wird von der Kripo Helsinki hinzugebeten.
Milo bekommt eine anonyme Nachricht als Schachnotation aufgebaut. Er ahnt, dass er sich mitten in einem tödlichen Schachspiel befindet. Um den Mörder zu finden, muss er sich seinen eigenen Dämonen stellen und kontaktiert den Ex-Partner seiner Mutter, der ein versierter Schachspieler ist. Eigentlich wollte er ihm nie mehr begegnen, doch nun braucht er seine Hilfe.
"Blindspiel" ist der Auftakt in eine neue Reihe mit dem Profiler Milo.
Milo ist ein ehemaliger Ermittler und hat sich aus privaten Gründen aus dem Polizeidienst herausgezogen. Er ist eine eigensinnige Figur, die durch ihre eigenartige Art, das Leben zu sehen, auffällt. Sein Trauma aus der Jugendzeit wird hier mit reinspielen. Anfangs wirkt er etwas unsympathisch, ist aber dennoch authentisch gestaltet. Seine persönliche Geschichte nimmt allerdings teilweise zu viel Raum ein, was die Spannung etwas mindert und dadurch auch die Handlung an Tempo verliert.
Die anderen Charaktere sind sehr verschieden und ebenfallls gut ausgearbeitet. Jeder hat so seine eigenen Macken, was die Geschichte lebendig macht. Die finnischen Straßennamen und Ortsangaben sind teilweise schwer zu lesen. Teilweise sind sie recht nah beieinander gereiht, wodurch man etwas die Orientierung verlieren kann. Ich hätte mir hier eine Karte für einen besseren Überblick gewünscht.
Die Handlung wird in verschiedenen Perspektiven der Charaktere im Wechsel erzählt. Das sorgt für eine abwechslungsreiche und vielschichtige Handlung. Man bekommt dadurch aber auch Einblicke in die Gedankenwelt der Charaktere und wird geschickt auf falsche Fährten gelockt. Die falschen Fährten und unerwarteten Wendungen wurden geschickt platziert, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Doch der erhoffte besondere Nervenkitzel im Showdown blieb für mich leider aus.
Den Plot mit den Morden, aufgebaut nach einem Schachspiel, finde eine interessante und ungewöhnliche Idee. Der Schreibstil lässt sich angenehm flüssig lesen und ist bildhaft dargestellt, sodass sich auch eine düstere Atmosphäre erzeugt hat. Besonders die Dunkelheit, die Nässe und die Kälte im finnischen November trägt hier besonders zur Atmosphäre bei und passt auch zu dem düsteren Cover.
Mein Fazit:
Mit Milos Art bin ich noch nicht so ganz warm geworden, aber trotzdem fand ich den Thriller super spannend. Besonders gut gefallen haben mir hier die vielen falschen Fährten und unerwarteten Wendungen. So konnte man beim Lesen auch sehr gut miträtseln und wurde am Ende doch sehr überrascht. Bin gespannt wie es weitergeht und gebe für das Buch eine Leseempfehlung.



