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Rezensionen von wolkenbücherwelt / Mythynk:

Mit Charme, Chaos & … Chemie

A Business Proposal 1 von Haehwa

Eine Buchvorlage zu einem K-Drama?! Oh ja, bitte!
Ich liebe K-Dramen und da ich die Serie sogar schon angeschaut hatte, war ich super neugierig auf das Buch. Und genau so hat sich A Business Proposal dann auch gelesen: unterhaltsam, oft humorvoll und einfach angenehm leicht für zwischendurch - mit genau diesem leicht überdrehten K-Drama-Charme, den ich wirklich gerne mag und bei manchen Szenen direkt wieder vor Augen hatte.

..Aber vielleicht lag genau da für mich auch ein kleiner Minuspunkt. Da ich das K-Drama schon kenne, kam mir im Buch so einiges weniger intensiv rüber. Weniger Gefühl, weniger Verbindung zu den Figuren und stellenweise auch weniger von dieser Dynamik, die mich in der Serie so gut unterhalten hat.

Trotzdem hatte ich beim Lesen Spaß. Die Grundidee mit dem Blind Date, der falschen Identität, dem Chef-Angestellten-Ding und all den daraus entstehenden Missverständnissen funktioniert einfach - auch wenn man natürlich schon ziemlich früh merkt, wohin das Ganze ungefähr führen wird... aber ehrlich, genau das gehört bei so einer RomCom ja auch irgendwie dazu :D

Hari mochte ich grundsätzlich und auch Taemu hat seine Momente. Gerade ihre gemeinsamen Szenen funktionieren, aber ja, ich hätte mir an manchen Stellen einfach mehr Tiefe und doch ein bisschen mehr-mehr Chemie zwischen den beiden gewünscht.
Auch manche Dialoge waren mir ein bisschen zuuu überspitzt - gerade wenn man bedenkt, dass wir hier von, wenn auch fiktiven, erwachsenen Figuren mit Jobs und Verantwortung reden. Andererseits passt genau dieses Übertriebene natürlich auch wieder ziemlich gut zu dem K-Drama-Stil, den die Geschichte mitbringt. Da die richtige Waage zu treffen, ist wahrscheinlich gar nicht so leicht - bei mir hat es im Buch jedenfalls nicht immer ganz gepasst.

Der Schreibstil selbst liest sich sehr leicht und schnell weg, gerade dadurch ist das Buch wirklich angenehm für zwischendurch und auch an einigen Stellen zum Schmunzeln. Gleichzeitig hätte ich mir aber gewünscht, dass manche Szenen dann doch ein bisschen mehr Raum bekommen und die Figuren etwas stärker ausgearbeitet werden - also einfach mehr Tiefe, mehr Gefühl, mehr Vibes.

Vor allem im Vergleich zur Serie hatte ich das Gefühl, dass dort einfach mehr rüberkam - mehr Emotion, mehr Spannung zwischen den Figuren und irgendwie auch mehr Persönlichkeit in den einzelnen Momenten.

Aber trotzdem bin ich wirklich neugierig auf Band 2! Spätestens nach diesem Ende sowieso...
Die Geschichte hat genug Charme, dass ich die Figuren grundsätzlich gerne weiter begleiten möchte. Und ja, parallel werde ich wohl die Serie nochmal starten müssen :D

Für mich war A Business Proposal deshalb ein wirklich guter 3,5-Sterne-Read: süß, unterhaltsam, angenehm leicht und mit einer doch spürbaren Portion K-Drama - aber eben auch bissschen oberflächlicher und weniger intensiv, als ich es mir erhofft hatte.

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Dunkles Erbe & Tödliche Wahrheiten

Death's Daughter von S. A. Barnes

Atmosphärisch, spannend und ein Schreibstil, weder zäh noch langatmig, durch den sich das Buch wirklich richtig gut durchsuchten lässt - und dazu noch der Mystery-Anteil… und genau damit hat mich Death’s Daughter bis zum Schluss überzeugt!

Die Grundidee rund um die Tochter des Todes hat mir von Anfang an sehr gefallen und zusammen mit dem Dark-Academia-Setting entsteht so eine leicht düstere Stimmung, die für mich erstaunlich gut funktioniert hat - stellenweise hatte ich sogar ein wenig Buffy-Nostalgie-Vibes :)

Bei dem ganzen Murder-Mystery-Part hatte ich erst leichte Bedenken, dass alles zu offensichtlich sein könnte, aber man konnte mitfiebern, miträtseln, ich hatte durchaus manche Vermutungen und wurde bei einigen Dingen dann trotzdem noch überrascht.

Genau das mochte ich ziemlich gerne, weil man nicht komplett im Dunkeln tappt, aber eben auch nicht schon viel zu früh alles durchschaut.

Jo bzw. Jocasta selbst fand ich im Allgemeinen wirklich interessant und zum Teil auch ein klein wenig frustrierend.

„Ich bin, wer ich bin, trotz meiner Abstammung und nicht wegen ihr.“

Ihre Probleme, Wünsche und vor allem diese ständige Zerrissenheit haben für mich gut funktioniert: auf der einen Seite ihr Wunsch, ihre Menschlichkeit zu bewahren und sich eben nicht nur über ihre Abstammung definieren zu lassen, auf der anderen das, was nun einmal ebenfalls in ihr steckt. Gerade die Einblicke in ihre Vergangenheit haben dabei geholfen, ihre Entscheidungen und Gedanken besser zu verstehen oder zumindest verstehen zu wollen. Die Einschübe waren im Buch gut gewählt und auch nie zu lang, sodass sie den Lesefluss nicht ausgebremst haben.

Und trotzdem hätte ich mir gerade bei Jo noch ein wenig mehr gewünscht. Weniger dauerhaftes Kämpfen gegen sich selbst, dafür irgendwann vielleicht etwas mehr wirkliche Akzeptanz dessen, was sie nun einmal ist. So ein bisschen mehr Bada*ss-Vibes, etwas mehr Egoismus an den richtigen Stellen und ehrlich gesagt auch ein paar Momente, in denen sie wirklich „kurz davor ist, sich zu verlieren“. Gerade weil so viel in ihr steckt, hätte ich ihre „dunklere Seite“ gerne noch deutlicher gesehen.

Beim Worldbuilding wollte ich ebenfalls irgendwann einfach mehr. Es werden so viele spannende Dinge eröffnet, dass ich gerne noch tiefer in diese „andere Welt“, ihre Regeln und Strukturen und vor allem die verschiedenen Figuren und Verbindungen eingetaucht wäre. Gerade die Uralten und ihre Nachkommen bzw. Sprösslinge machen mich unglaublich neugierig. Ich hoffe wirklich, Band 2 wartet vielleicht sogar mit einer Art Stammbaum auf, damit man jeden Spross und auch dessen Kraft zuordnen kann.

Den Romance-Anteil fand ich angenehm anders - für mich weniger klassische Romance und eher eine Mischung aus Forbidden Love und dieser etwas eigenartigen Nicht-Beziehung-Beziehung… gerade zwischen Jo und Carter spielt dieses „eigentlich sollte das so nicht sein“ ja durchaus mit hinein.
Grundsätzlich fand ich diesen kleinen Tanz aus Nähe und Distanz passend, auch wenn ich mir stellenweise noch ein wenig mehr Spannung und Chemie gewünscht hätte - also ja, so ein bisschen mehr Knistern hätte ich definitiv genommen.
…und dann taucht Devon auf und wirbelt alles einmal ordentlich durch…

Dass ich Band 2 lesen werde, steht jedenfalls fest - allein schon, weil ich von gewissen Figuren definitiv mehr brauche. Gerade der so beherrschte Carter ist eine der Figuren, von denen ich unbedingt noch mehr sehen möchte. Ich mochte ihn leider, da bin ich ehrlich, schon ziemlich früh :)
Auf seine Rolle, seine Entscheidungen und darauf, was bei ihm vielleicht noch unter der Oberfläche liegt, bin ich besonders gespannt.

Und auch wenn das Ende für mich etwas schneller kam, als ich es mir gewünscht hätte, war es trotzdem stimmig umgesetzt und insgesamt rund genug. Gleichzeitig bleibt genug offen, um mich ziemlich neugierig darauf zu machen, welche Konsequenzen das alles noch haben wird.

Also für mich war Death’s Daughter damit ein sehr guter 4-Sterne-Read. Atmosphäre, Mystery, Grundidee und Lesefluss haben richtig gut funktioniert. Für die volle Punktzahl haben mir vor allem noch mehr Worldbuilding, ein bisschen mehr Tiefe und ehrlich gesagt auch mehr Dunkelheit, Schmerz und Kontrollverlust gefehlt.

Für Band 2 wünsche ich mir deshalb: mehr von Jos „dunkler Seite“, mehr von den Uralten und ihren Sprösslingen, mehr Zerrissenheit - und ja, bitte sehr viel mehr Carter.
(und ein Ahnenbuch oder einen Stammbaum!)

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Dunkle Versprechen und der Preis der Geheimnisse

Weavingshaw von Heba Al-Wasity

..manche Geheimnisse sollten verborgen bleiben. Andere kosten uns alles, wenn sie ans Licht kommen..

Moore, Geister, dunkle Geheimnisse, ein verfluchtes Anwesen und ein morally grey Charakter? - ja, manchmal reicht wohl schon eine Handvoll Schlagworte, damit ein Buch genau meinen Nerv trifft. Und Weavingshaw hat genau das geschafft.

Besonders die Atmosphäre hat mich schnell für sich eingenommen. Die Autorin erschafft eine düstere, stellenweise fast melancholische Stimmung, die immer wieder an die Grenze des Beklemmenden reicht … und irgendwo unter der Oberfläche lauert noch etwas, etwas nicht ganz Greifbares…

Gerade das Anwesen Weavingshaw, die umliegenden Moore und die Schatten verleihen der Handlung dabei eine ganz eigene Präsenz, die perfekt zu dieser Gothic-Romantasy passt.
Auch die Idee, mit Geheimnissen zu handeln, fand ich unglaublich spannend. Worte haben Gewicht, Wahrheiten haben Konsequenzen - und genau das macht die ganze Idee hinter dieser Welt so spannend.

Leena mochte ich dabei auch sehr. Sie wirkt stark, ohne so unnahbar zu sein, mutig, entschlossen und nicht perfekt, was sie für mich greifbar macht. Vor allem aber versteht man schnell, warum sie tut, was sie tut… denn.. wie weit würde man selbst gehen, wenn es um die Menschen geht, die man liebt?
Und Saint Silas? Nun, ich bin für morally grey Charaktere ohnehin immer zu haben - sie sind wirklich meine Schwäche (wenn sie gut durchdacht sind!) und er ist bis jetzt nah dran, so eine Figur für mich zu sein. Mit seiner verschlossenen Art, seinen Geheimnissen und all den Dingen, die er offensichtlich nicht ausspricht, hat er mich jedenfalls sehr neugierig gemacht. Ich hoffe sehr, dass die Geschichte seine Grauzonen weiter auslotet und uns noch tiefer blicken lässt!

Dazu kommt der bildhafte Schreibstil, der die Welt für mich lebendig werden lässt - stimmungsvoll und genau richtig für diese Geschichte. Die Autorin nimmt sich Zeit für ihre Welt, für ihre Figuren und für all die Dinge, die zwischen den Zeilen verborgen liegen - und genau das hat dafür gesorgt, dass ich immer mehr wissen wollte. Für mich lebt Weavingshaw aber vor allem von seiner Atmosphäre, seinen Figuren, den vielen offenen Fragen und dem Gefühl, dass hinter allem noch mehr verborgen liegt.

Also für mich ein wirklich gelungener Auftakt mit viel Potenzial. Je mehr man über diese Welt erfährt, desto mehr neue Fragen tun sich auf. Und genau deshalb möchte ich wissen, welche Wahrheiten noch verborgen liegen - und welchen Preis am Ende wirklich dafür bezahlt werden muss. (Starke 4,5 Sterne)

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Der Preis schöner Versprechen

Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain von Sasha Peyton Smith

„Wenn man erst einmal eine Ewigkeit lang existiert hat, gibt es nur noch Langeweile oder deren Abwesenheit.“

Ein Krieg, mit dem alles begann, ein unbedachter Handel, eine Fae-Königin regiert über das Menschenvolk - wer bezahlt am Ende den Preis?..

Die Mischung aus London 1848, dem Volk der Fae und dieser fast schon düster-glamourösen Heiratssaison hat mich doch schon neugierig gemacht.

Also wir bekommen Regency-Vibes kombiniert mit Fantasy? Ja, ja bitte! Und obwohl ich anfangs ein wenig skeptisch war, ob diese Mischung wirklich für mich funktionieren kann, hat mich ‘The Rose Bargain‘ doch überraschend schnell mitgerissen.

Besonders die Darstellung der Fae - allen voran der Fae-Königin - hat mir richtig gut gefallen. Ihre Wirkung auf die Menschen, diese Mischung aus Schönheit, Gefahr und Macht, wurde wirklich faszinierend und gleichzeitig beunruhigend eingefangen.
In der ganzen Geschichte wird sehr deutlich: Worte haben Bedeutung, Worte haben Macht - und jeder Handel fordert einen Preis. Ob Erinnerungen, die Fähigkeit zu träumen oder der Verlust eines Sinnes … vieles wirkt zunächst klein oder sogar bedeutungslos - und genau das verleiht der Geschichte eine angenehm düstere Atmosphäre, denn wie unbedeutend ist ein kleiner Teil seiner Selbst wirklich?

Auch die Dynamik und die einzelnen Beziehungen zwischen den Favoritinnen mochte ich wirklich gerne. Jede bringt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Beweggründe und Unsicherheiten mit hinein, wodurch sich der Wettstreit doch überraschend lebendig angefühlt hat.
Ivy selbst war stellenweise zwar sehr ich-bezogen, auch die Beziehung zu Emmett und Bram konnte ich anfangs noch nicht ganz erfassen - aber gleichzeitig versteht man mit der Zeit immer mehr, warum sie so handelt. Gerade ihr familiärer Hintergrund und der Druck, unter dem sie steht, machen sie greifbarer und letztendlich ist sie eben noch jung und wird viel zu schnell in eine Rolle gedrängt, in der sie funktionieren und schnell agieren muss.

„Das ist doch ein Anfang“, sage ich leise.
„Gut. Denn es war nicht mein Ansinnen, dass dies bereits das Ende ist.“

Ja, gerade durch solche kleinen Szenen und den angenehmen Schreibstil ließ sich die Geschichte wirklich gut lesen und besonders halt die Mischung aus höfischen Intrigen, Bällen, Geheimnissen und dieser stetig düsterer werdenden Stimmung hat für mich richtig gut funktioniert.
Auch wenn ich manche Entwicklungen bereits geahnt habe, hat das meinem Lesespaß nicht geschadet - besonders das Ende hat für mich nochmal einiges herausgerissen und sorgt definitiv dafür, dass ich Band zwei schnell lesen muss. Die letzten Entwicklungen machen mich jedenfalls sehr neugierig darauf! - und erst recht, wohin uns die Autorin noch führen wird. Also ja - ich hoffe sehr, dass die Fortsetzung uns noch tiefer in die dunkleren Seiten der Fae eintauchen lässt, uns noch mehr Intrigen zeigt und sich nicht davor scheut, wirklich grausam und herzzerreißend zu werden. Denn genau darin liegt für mich gerade der Reiz dieser Geschichte: nicht zu wissen, wem man eigentlich vertrauen kann und welches Wort unbedacht gesprochen wurde und welchen kleinen Hinweis man vielleicht trotz aller Vorsicht übersehen hat.

Für mich ein atmosphärischer Auftakt mit ab und an kleinen Schwächen, aber einer Welt, in die ich sehr gerne zurückkehren werde - und zum Glück lässt Band zwei nicht allzu lange auf sich warten. Starke 4 bis 4,5 Sterne.

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Legenden, Stürme und ein Meer voller Dunkelheit

Born of Salt and Storm von Sophia Reynard

„So ist das Leben. Manchmal wirft es uns dorthin, wo wir nicht sein wollen.“

Aber genau in diese Geschichte wollte ich - und das schon nach wenigen Sätzen. Ich wollte tiefer eintauchen, verweilen, den aufkommenden Stürmen trotzen, das Salz auf meinen Lippen schmecken, den Grund des Meeres erforschen und in den Legenden leben - sie erleben.

Ich habe die Segel gerne gesetzt, das bedrohlich schwankende Deck unter meinen Füßen gespürt und dem Flüstern der Wellen gelauscht - ich war mittendrin, Teil von vielem, Teil von allem.

Wir haben hier einen spannenden Start - ein Prolog, der sich am Ende wunderbar schließt, ein starkes Worldbuilding und eine dicht gewebte, raue, intensive Atmosphäre. Ein wirklich gelungener Auftakt in eine Welt, aus der man sich nicht so leicht wieder lösen kann, in der man sich schnell verfängt - wie in einem Netz, in dem man sich unweigerlich verstrickt und je mehr man sich bewegt, desto dichter und tiefer wird sein Sog.

„Was willst du von mir hören? Ich bin Fischerin, unbedeutend, ein Niemand.“

Tavi ist eine Protagonistin, die bei weitem keine klassische Heldin ist - und auch keine sein will. Sie ist stellenweise naiv, handelt impulsiv, manchmal geradezu egoistisch, aber genau das macht sie so greifbar, glaubhaft und erfrischend. Ihre Handlungen sind nicht immer leicht nachzuvollziehen und doch versteht man sie, baut Verständnis auf, weil wir ihre Vergangenheit kennenlernen… man versteht, warum sie handelt, auch wenn man nicht immer mit ihr mitgeht und ja - auch ich war mehr als einmal kurz davor, wegen Tavi die Augen zu verdrehen.
Die Dynamik zwischen ihr und Eero hat mir ebenfalls richtig gut gefallen: Misstrauen, Widerstand, unausgesprochene Spannungen - ein nicht nur anfangs stetiges Gegeneinander, das sich langsam entwickelt, ein Schlagabtausch, der gerne auch weiterhin bestehen bleiben darf! Und dazu ein Romance-Anteil, der dabei angenehm im Hintergrund bleibt - ein Slow Burn, der sich Zeit lässt und genau dadurch funktioniert.

Der Schreibstil war für mich ein echtes Highlight. Bildgewaltig, lebendig, stimmungsvoll - fast schon fordernd. Ja, man muss sich am Anfang ein wenig einfinden, man muss es mögen - viele Begriffe, viel Welt, viel Input, viel Komplexität. Aber genau das macht diese Geschichte auch aus. Für mich hat sich alles stimmig angefühlt, durchdacht und atmosphärisch dicht. Ich habe mich freiwillig in die Fluten geschmissen, um in diese Geschichte zu versinken, bin regelrecht in den Worten untergegangen - im besten Sinne.

Wer sich nicht vor komplexem Worldbuilding, Begriffen, Strukturen, verschiedenen Perspektiven und einer Geschichte scheut, die sich Zeit nimmt - und dabei Legenden, Intrigen, Ängste und einen nahenden Krieg miteinander verwebt und das alles erleben möchte, der sollte hier unbedingt an Bord gehen. Denn nicht in diese Geschichte einzutauchen, wäre fast so, als würde man das Meer nur vom Ufer aus betrachten - statt sich von den Wellen tragen zu lassen.

Meine Segel sind auf jeden Fall gesetzt - und zwar auf Band zwei.
Denn ich will zurück auf dieses schwankende Deck, zurück in diese Welt und hoffe auf mehr Antworten, auf Vergebung, auf weitreichende Entscheidungen, auf mehr Legenden - die zu echt sind, zu bedeutend -, auf Stärke, Verlust, Rache und Verbundenheit.
Ich hoffe auf eine schicksalshafte Reise, auf tosende Stürme und darauf, mich wieder von den Wellen dieser epischen Welt mitreißen zu lassen.


Kurzfazit:
Atmosphärisch dicht, bildgewaltig - eine Geschichte wie ein Sturm auf offener See: rau, intensiv und voller Tiefe. Für mich ein Highlight, in dem ich nur zu gerne untergegangen bin.

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Alte Wunden - Neues Blut: Ein Kampf ums Überleben

We Who Will Die von Stacia Stark

„Der erste Tag von egal was ist für gewöhnlich der schlimmste.“

Der Einstieg in "We Who Will Die - Empire of Blood“ konnte mich direkt überzeugen und hat mir sogar noch besser gefallen als der Auftakt der anderen Reihe der Autorin. Der Schreibstil lässt sich wirklich angenehm lesen und sorgt dafür, dass man schnell in die Geschichte eintaucht und einfach dranbleiben möchte.

Auch wenn der viele Input zur Welt am Anfang - und stellenweise auch im Verlauf der Story - für manche vielleicht etwas zu viel sein könnte, empfand ich das alles als sehr ansprechend.

Besonders das vom antiken Rom inspirierte Setting hat mir richtig gut gefallen. Die Welt wirkt düster, lebendig und ungeschönt - gerade die Erbarmungslosigkeit und die Brutalität der Kämpfe, des Überleben-wollens, verleiht der Geschichte eine gewisse Härte, die einfach passt. Auch Arvelles innere Gedanken, vor allem die Flashbacks in ihre Vergangenheit, haben mich emotional abgeholt und sie für mich noch greifbarer gemacht.
Das Magiesystem rund um die Sigillen empfand ich als erfrischend und spannend. Es kommen viele verschiedene Elemente zusammen - Vampire, Intrigen, Götter, Machtspiele, innere Kämpfe, Egoismus - und trotzdem wirkt es an sich nicht überladen, sondern genau dadurch lebendig, glaubwürdig. Für mich hat gerade diese Mischung, dieses „Viele“, die Geschichte richtig getragen.

Auch die Nebencharaktere haben bei mir Eindruck hinterlassen. Gerade Maeva und Leon fand ich wirklich gelungen - beide sind mir schnell ans Herz gewachsen und ich hoffe sehr, dass wir noch mehr von ihnen sehen werden.
Und Rorrik…ja Rorrik.. ich muss gestehen, er ist für mich bisher der spannendste Charakter. Unberechenbar, kalkuliert, düster, perfide, irgendwie immer einen Schritt voraus, nicht ganz greifbar, ruchlos.. - und genau das macht ihn so interessant.
„Es überrascht nicht, dass du Leute siehst, die sich amüsieren, und den Drang verspürst, das zu ruinieren.“
Und genau dieses Zitat, dieses Gefühl, fasst ihn für mich ziemlich gut zusammen - unberechenbar, interessant und definitiv jemand, bei dem ich noch sehr viel mehr erwarte und erhoffe!!

Ein wenig gefehlt hat mir stellenweise die wirklich greifbare, spürbare Tension zwischen Arvelle und Tiernon sowie ein klarerer roter Faden, da sich der Band teilweise wie ein längerer Einstieg in die eigentliche Handlung angefühlt hat. Mich persönlich hat das aber nicht wirklich gestört - im Gegenteil, ich mochte es, dass sich hier anders Zeit für Welt und Charaktere genommen wurde - für mich hat das so als Reihenauftakt dadurch gut funktioniert.

Ich freue mich auf jeden Fall auf mehr schmerzhafte Zerrissenheit, mehr Einblicke, mehr Verwundbarkeit und Stärke und darauf, noch tiefer in diese Welt einzutauchen.
Also ja - für mich war Band 1 ein gut stimmiger, dichter Auftakt mit spannender Welt, starken Ansätzen, einem (vielleicht) moralisch verwerflichen Lieblingscharakter und viel Potenzial für die Fortsetzung - knappe, aber gute 4,5 von 5 Sternen.

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Rache, Risiko und ein Spiel im Nebel

The Crane and the Nightjar von Ada Bailey

Der Einstieg konnte mich wirklich packen - düster, mystisch angehaucht und mit dem Versprechen einer rauen Fantasy-Geschichte. Auch das Tempo zu Beginn hat mir gefallen - wir lernen Crane und Zara ohne große Umschweife kennen, auch wenn „kennenlernen“ fast schon zu viel gesagt ist, denn Fragen gibt es von Anfang an natürlich mehr als Antworten.

Leider konnte das Buch meine anfängliche Faszination nicht ganz so halten. Während ich anfangs noch sehr gut durch die Seiten geflogen bin, hat es mich besonders in der Mitte ein wenig verloren - und auch zwischendrin immer mal wieder. Der Schreibstil, der zu Beginn noch angenehm „schlicht“ wirkte - also nicht überladen und eigentlich passend für das Setting - war mir auf Dauer dann doch nicht bildlich genug und stellenweise etwas zu „holprig-knapp“. Ein wenig mehr Umschreibungen hätte es insgesamt runder gemacht.

Crane und Zara sind beide interessante Charaktere (Crane vielleicht noch einen Hauch mehr) aber irgendetwas hat mir hier trotzdem gefehlt. Vor allem die Dynamik zwischen den beiden blieb für mich schwer greifbar, geradezu distanziert. Auch den Romance-Anteil konnte ich bis zum Ende hin nicht wirklich spüren, obwohl ich ein großer Fan von Slow Burn bin - hier fehlte mir jedoch irgendwie einfach die knisternde, verständliche, sich richtig anfühlende Chemie. Und das Thema „morally grey“ blieb für mich deutlich hinter meinen Erwartungen zurück - wurde aber dennoch stimmig eingebaut.

Was ich dagegen aber wirklich spannend fand, war das Magiesystem und die Grundidee der Welt. Wir befinden uns schnell in einem gefährlichen Spiel um Freiheit und Überleben, in dem Misstrauen eine große Rolle spielt und nie ganz klar ist, wem man eigentlich trauen kann. Diese düstere, teils bedrückende Atmosphäre hat für mich gut funktioniert und zieht sich auch durch große Teile der Geschichte.
Niemand ist hier wirklich perfekt - alles fühlt sich wie ein falsches, makabres Spiel an: jeder gegen jeden und gleichzeitig geht es doch irgendwie um Freiheit, um mehr, um sich selbst… vielleicht auch um andere, vielleicht sogar um alle und vielleicht um so viel mehr…

Immer wieder gab es dann Momente, die mein Interesse geweckt haben, stark formuliert waren -nur um mich an anderer Stelle wieder etwas zu verlieren - wie ein kleiner Schlagabtausch, ein Auf und Ab. Manche Entwicklungen gingen mir zu schnell, während mir gleichzeitig an vielen Stellen mehr Details und Tiefe gefehlt haben. Gerade die Welt an sich - da hätte ich mir einfach mehr, viel mehr Hintergrund gewünscht. Mehr Einblicke, mehr Lebendigkeit.
Auch die Perspektivwechsel haben mir grundsätzlich gefallen, weil sie einfach andere Einblicke geben - aber dann waren sie mir stellenweise fast wieder etwas zu viel. Hier hätte ich mir gewünscht, öfter länger bei einer Figur zu bleiben. Und der Plot-Twist konnte mich nicht ganz so überraschen - gut gefallen hat er mir trotzdem!!

Zusammenfassend lässt mich die Geschichte - auch wenn vieles noch offen ist oder vielleicht gerade deswegen - nicht ganz los. Vielleicht, weil ich finde, dass noch so viel Potenzial darin steckt. Ich bin neugierig, wie es weitergeht und hoffe, dass Band zwei mehr Tiefe, mehr Details und vor allem mehr greifbare Momente für Alles und gerade für Zara und Crane mit sich bringt.

Also.. insgesamt ist es für mich ein solider Auftakt, der mich nicht durchgehend überzeugen konnte, bei dem ich aber über einiges hinwegsehen kann, weil mein Interesse genug geweckt wurde, um weiterzulesen!

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Wellen, Schatten und verlorene Träume

Nightweaver von R. M. Gray

„Es gibt eine Zeit zum Kämpfen und es gibt eine Zeit zum Überleben.“

Der Anfang von “Nightweaver“ katapultiert einen direkt ins Geschehen. Schlag auf Schlag ziehen einen die ersten Seiten in die Welt von Aster hinein. Viele Namen, viele Figuren, einiges an Informationen - aber alles nur angerissen, sodass man sich zunächst selbst orientieren muss.

Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, komplett allein gelassen zu werden. Die wichtigsten Figuren werden früh eingeführt und auch erste Informationen über die Welt werden angenehm in die Handlung eingestreut, ohne dass es direkt überladen wirkt.

Genau dieser schnelle Einstieg hat mir zunächst wirklich gut gefallen. Es hat sich so stark nach Meer, Schiffen und Abenteuer angefühlt - sodass ich jedenfalls sofort bereit war, an Bord zu gehen.

Ein wenig wurde ich dann jedoch überrascht - oder vielleicht auch leicht enttäuscht - denn ich hatte mir erhofft, dass sich ein größerer Teil der Geschichte wirklich auf See abspielt. Dass wir auf den Wellen unterwegs sind, wir mitgerissen werden, das Schiff unter unseren Füßen schwankt, die See tobt und wir uns mitten im Sturm behaupten müssen. Doch tatsächlich spielt nur der Anfang richtig auf dem Wasser und an Bord - kein Kielwasser, das unsere Kleidung durchnässt und keine erbarmungslose Sonne, die unser Gesicht zusätzlich zum rauen Wind wetterhart gerbt.

Danach verbringen wir deutlich mehr Zeit an Land - oder zumindest auf einem Land, das sich für jemanden, der sein Leben lang nur die Bewegungen des Meeres kennt, immer noch ungewohnt schwankend anfühlt. Auch wir schwanken in diese neue Welt hinein, mit vielen Eindrücken.

Hat das der Geschichte geschadet?
Nicht wirklich. Es war eher meine eigene Vorstellung davon, wo die Reise hingehen würde. Und gerade das ab und an Einstreuen der Geschichten ihres Lebens an Bord und das Ende des Buches haben meine Hoffnung auf ein wenig Me(e)hr - im wahrsten Sinne des Wortes - dann doch wieder aufleben lassen.


„Sie schenkt mir ein herzzerreißendes Lächeln, so voller Enttäuschung, wie sie nur jene kennen, die es jemals gewagt haben zu träumen.“

Sehr viel Freude hatte ich am Schreibstil der Autorin. Die Formulierungen sind atmosphärisch und tragen einen angenehm durch die Geschichte. Auch mit vielen der Charaktere hatte ich Spaß - wobei ich mir bei einigen hier und da noch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte. Allerdings begegnen uns auch sehr viele Figuren, viele Namen und Familienverbindungen, die ihren Platz in der Geschichte haben und ihre Rollen spielen müssen, wollen und sollen. Umso dankbarer war ich für die Namensübersicht von Asters Familie am Anfang des Buches, denn selbst gegen Ende der Geschichte habe ich dort immer mal wieder nachgeschaut, wer genau nochmal dazu gehört - und auch die Weltkarte hinten im Buch war für mich ein kleines Highlight - ich liebe Weltkarten!

Und mein liebster kurzer Auftritt war übrigens ganz klar Captain Shade.
Im Verlauf der Geschichte - besonders nach etwa der Hälfte - wurde der Plot für mich deutlich interessanter (wenn auch nicht allzu überraschend an mancher Stelle, aber an anderer dann doch auch wieder sehr erfrischend, gerade was Will betrifft).

Der vordere Teil hatte stellenweise ein kleines Tief, auch wenn ich trotzdem nur so durch die Seiten geflogen bin und gar nicht richtig bemerkt habe, wie viel ich bereits gelesen hatte. Woran genau dieses Gefühl oder dieses vermeidbare Tief lag, kann ich gar nicht konkret benennen - irgendetwas hat mir kurzzeitig gefehlt, auch wenn der Lesefluss selbst nie ins Stocken geraten ist.

Nach dem Beenden des Buches habe ich der Geschichte erst einmal ein paar Tage Zeit gegeben, um zu wirken. Mein anfängliches Gefühl, vielleicht ein wenig zu viel Aster erlebt zu haben - und sie kurzzeitig sogar an der Grenze dazu war, leicht ‚nervig‘ zu wirken - hat sich danach deutlich relativiert.

Denn wenn man ihre Situation betrachtet, ergibt ihr Verhalten durchaus Sinn: Aster ist fast siebzehn Jahre alt, wird aus ihrem bisherigen Leben gerissen und findet sich plötzlich in einer Welt wieder, die sie aus Geschichten nur als bedrohlich kannte - sie muss mit Verlust, neuen Gefühlen, Geheimnissen, Ängsten und einer völlig neuen Realität umgehen - natürlich hinterlässt das Spuren - natürlich macht es einen unsicher, zerrissen, manchmal mutig und manchmal überfordert es einen. Und genau diese Zerrissenheit hat die Autorin für mich glaubwürdig dargestellt.

Gerade deshalb freue ich mich und hoffe ich in den nächsten Bänden auf eine spannende Weiterentwicklung ihres Charakters - ebenso auf eine stärkere Ausarbeitung des angeteaserten Tropes „morally grey heroes“, der für meinen Geschmack hier noch nicht stark genug zur Geltung kam.

Kurz nach dem Beenden des Buches war ich zunächst geneigt, “Nightweaver“ mit drei Sternen zu bewerten. Doch nachdem ich die Geschichte einige Tage habe sacken lassen und noch einmal darüber nachgedacht habe, bin ich letztlich bei vier Sternen gelandet.
Denn der Kern der Welt, die Idee hinter der Geschichte und der Beginn von Asters Reise haben mich doch mehr beschäftigt, als ich zunächst gedacht hätte. Außerdem bin ich - ganz ehrlich - ein wenig in den Prinzen verliebt, in sein Auftreten und in seinen Charakter. Während ich Will dagegen nicht wirklich leiden kann oder eher: ihm absolut nicht vertraue.

Auch die Intrigen, die Ungerechtigkeiten dieser Welt und die vielen offenen Fragen - auch über Asters Familie - haben mein Interesse geweckt. Aster selbst ist eine dieser offenen Fragen. Die Handlungen des Prinzen eine weitere. Die Kräfte und Wesen werfen weitere auf - und Will…

Gerade weil noch so vieles ungeklärt ist und ich unbedingt mehr über die Beweggründe ihrer Eltern erfahren möchte, greife ich sehr gerne zu Band zwei - zumal es auch mindestens noch zwei weitere Charaktere gibt, die ich näher kennenlernen möchte.

Wer sich also darauf einlassen kann, dass wir hier einer jungen Protagonistin folgen, deren Gedanken und Gefühle entsprechend geprägt sind, und wer Lust auf eine Fantasy-Geschichte mit Intrigen, Geheimnissen und einer Welt hat, die sich vermutlich erst noch vollständig entfalten wird, der könnte hier ein spannendes Leseabenteuer finden.

Ich bin gespannt, wohin die Reise im nächsten Band führen wird und sehne mich jetzt schon nach dem Wind in meinen Haaren und dem Schwanken des Schiffes unter meinen Sohlen.

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Freiheit. Rebellion. Wenn ein Vogel nicht fliegen darf.

To Cage a Wild Bird von Brooke Fast

„Ich schätze, wer so närrisch ist, einen wilden Vogel einzusperren, sollte nicht damit rechnen, dass der Vogel im Käfig singt.“

Bewusst habe ich diesmal zu einer Dystopie gegriffen - und ja: Das Genre darf doch gerne öfter bei mir einziehen.

Die Grundidee rund um das Leben in Dividium, Raven und das Haftanstalt-Setting hat mich sofort abgeholt.

Diese düstere, bedrohliche Atmosphäre gerade von den tödlichen Spielen - die das Gefühl von Überleben um jeden Preis und alle gegen alle hervorruft - hatte definitiv Sogwirkung. Somit war ich schnell in der Geschichte drin und habe das Buch die Tage auch nicht aus der Hand legen können.

„Alle Verbrechen stören die Ruhe. Und Unruhe führt zu Chaos, Chaos führt zu Krieg.“

Raven als Kopfgeldjägerin bringt eigentlich fast alles mit, was ich an starken Protagonistinnen bevorzuge ... und doch hätte ich mir ihr toughes, abgeklärtes Auftreten an manchen Stellen noch viel präsenter gewünscht. Ihre überspielte Angst wurde zwar glaubwürdig eingebaut, aber gerade in entscheidenden Momenten hätte ich mir mehr Konsequenz oder Schärfe gewünscht.

Denn was mir insgesamt etwas gefehlt hat, war Tiefe. Die Welt, das System, die verschiedenen Gesellschaftsschichten, die Dynamiken - da steckt so viel Potenzial drin, dass ich mir wirklich 200 Seiten mehr gewünscht hätte, damit alles wirklich Raum bekommt. Ich wollte so viel mehr wissen, viel mehr Einblick, viel mehr verstehen.
Gerade das dystopische Setting hätte für mich noch stärker ausgearbeitet werden dürfen, auch wenn wir bisher „fast nur“ das Gefängnis erlebt haben. Für komplette Genre-Neulinge ist das aber sicher ein guter Einstieg - wer allerdings schon viele Dystopien gelesen hat, könnte hier an der einen oder anderen Stelle merken, dass es nicht ganz so tief geht und manches doch etwas vorhersehbar bleibt. Aber da es bisher Band 1 war, hoffe ich sehr, dass Brooke Fast in den weiteren Bänden mehr von der Welt offenbart und tiefere Einblicke gewährt!

Jedenfalls war der Romance-Anteil für mich etwas dominanter als erwartet. Ich hätte mir hier tatsächlich weniger „sofort“ und mehr Slow Burn gewünscht - gerade im ersten Band und in einem so gefährlichen Setting, in denen unsere Charaktere überleben müssen. Also weniger Fokus auf Romantik, mehr auf Überleben, Intrigen, Planung, andere Häftlinge und die Rebellion hätte für mich die Spannung noch intensiver gemacht.

Und trotzdem: Ich hatte wirklich gute Lesestunden mit dem Auftakt. Ich habe mich absolut nicht gelangweilt - vielleicht ab und an die Stirn gerunzelt und wollte eingreifen, unsere Protagonistin doch gerne mal leicht schütteln - aber ich musste weiterlesen!

Das Ende öffnet für mich nun viele Richtungen und birgt (hoffentlich) einiges an dramatischem Potenzial für den zweiten Band.

Für zwischendurch und als Einstieg ins Genre würde ich das Buch definitiv empfehlen. Wer jedoch eine sehr komplexe, politisch tiefgehende Dystopie erwartet, sollte die Erwartungen etwas anpassen - oder auf die weitere Entwicklung der Reihe warten.

Gute 3,5 von 5 Sternen - mit leichter Tendenz zur 4 - gibt es von mir.
Und Band zwei steht trotzdem schon auf meiner Wunschliste - ich hoffe sehr, dass das Warten darauf nicht allzu lange dauert!

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Zwischen Traum, Schatten und der Wahrheit

Tale of Sun and Night 1: Tale of Sun and Night von Magdalena Gammel

„Ich hatte Heimweh, nach einem Ort, an den ich mich nicht erinnern konnte.“
… und den ich als Leserin gerade erst kennenlernen durfte.

Ich bin berauscht, fasziniert und verzaubert - nicht nur von dem Traumstaub, den man zwischen all den schönen Wörtern schweben spürt, sondern erst recht von dem Worldbuilding, den Charakteren, der Atmosphäre, der ganzen Geschichte!

Mich hat das Buch so überrascht.

Die Kurzbeschreibung hatte mein Interesse längst geweckt - denn so gut, wie es klang, erhoffte ich mir einiges, wünschte ich mir alles.. Doch ich wollte diese Hoffnung nicht zu groß werden lassen, nicht so laut, dass sie mir die Geschichte vorwegnehmen würde. Ich wollte unvoreingenommen lesen, ohne meine eigenen Vorstellungen über alles zu legen. Und dann, ja dann, wurde ich aber so positiv überrascht!
Bitte, Magdalena Gammel - was hast du hier für eine zauberschöne Geschichte für uns gewoben?! Ich war so gefangen in deinem „Erzähl-Mandala“, das du großzügig über uns ausgebreitet hast, dass ich mich als Teil der Gruppe fühlte. Mit Lio, Izan, Bria, Kasmar und Haze saß ich am Lagerfeuer, war ebenfalls zu „Pferd“ unterwegs, stellte mich dem Training und machte beim herzlichen Geplänkel mit, habe Anjul jedes Mal aufs Neue bewundert und wünsche mir nun, ja ehrlich, ebenfalls einen sarkastischen Nyxan an meiner Seite.

Auch bin ich hin- und hergerissen, welcher Weg der richtige ist und welche Seite gut oder böse sein soll - oder sind beide Wege vielleicht „einfach nur“ grau? Dunkelgrau, Hellgrau..? Einfach beide Wege mit so unterschiedlichen Farbabstufungen, immer mal heller, immer mal dunkler - aber jeder mit ihrer eigenen (selbsterklärten) Daseinsberechtigung?

An manchen Stellen war das Gefühl von „zu viel“ Beschreibung präsent, doch, wenn man sich aber fallen lässt und dem wirklich großartigen Schreibstil erliegt, wirkt alles einfach genau richtig. Der bildhafte Stil trägt die Geschichte mit der passenden Intensität an die richtigen Orte. Er passt, weil alles von Magie durchzogen ist - die Welt, die Magdalena Gammel geschaffen hat, funktioniert genau so und bringt all das glaubhaft rüber. Das gesamte Buch funktioniert genau so - von der Gestaltung, den Illustrationen, Karte, Farbschnitt und Glossar bis hin zu Wörtern, Orten, Kreaturen, Wesen und Charakteren - Alles hält für mich eine wunderschöne Balance - sodass dieses „zu viel“ sich am Ende genau richtig anfühlt.

Die Amnesie von Lio, die uns Stück für Stück durch die Geschichte führt, ihre glaubwürdige Entwicklung, die Dynamik zwischen den einzelnen Figuren, das Machtspiel der unterschiedlichen Parteien, der sich stetig steigernde Spannungsbogen, die Intrigen, das Geheimnisvolle - und Izan, der mehr ist und mehr handeln muss, auch wenn es vielleicht nicht das vermeintlich Richtige ist, sondern das Richtige in diesem Moment. Das Richtige für die Sache. Das Richtige für Alle und Alles..?

Für mich ist die Welt, die Magdalena Gammel geschaffen hat, nicht nur ein Lesehighlight, sondern ein echtes Fantasy-Erlebnis: ein frisches Setting, ein starkes Magiesystem, überzeugende Charaktere, und Wesen, die man fürchten sollte. Und sie lässt mich nicht nur mit großer Vorfreude auf Band 2 zurück, sondern auch mit der Frage:
Stecken wir vielleicht in einer Traumsequenz fest; und wenn ja - wem gehört sie?

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