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Rezensionen von GetBusy:

Gespräche mit einem Hoffnungsträger

REVIEW - Wozu die Menschheit retten? von Markus Mooslechner; Ian Carnelli; Andreas Brunsch; Hera

Das Werk startet mit dem Intro eines Einschlags – vor 66 Millionen Jahren und wendet sich dann der Novembermission DART aus dem Jahr 2021 zu. Eine Sonde wurde losgeschickt und veränderte durch eine gezielte Kollision erfolgreich die Umlaufbahn eines Asteroiden. In „Zwei Missionen, ein Ziel“ wird das Projekt Hera verdeutlicht.

Seit 2024 ist die Sonde unterwegs – mit einer künstlichen Intelligenz an Bord, die nicht nur Messergebnisse sammeln und Fragen beantworten soll, sondern eine, die den Blick auch auf uns richtet – und beginnt, zurückzufragen.
In „Ein Blick nach vorn. Und zurück“ wird die Struktur des Buches vorgestellt. Der erste Teil widmet sich der aufreibenden Historie der ESA-Mission und im zweiten Teil kommt Hera selbst zu Wort.

Bereits im Unterkapitel „Ein Gespräch zwischen Ian Carnelli und Markus Mooslechner“ taucht der Leser zu Beginn des ersten Abschnitts tiefer in das Raumfahrtprojekt ein. Er bekommt ein Gefühl dafür, wie knapp und präzise berechnet die Raumfahrt ist und dass ein Unwetter ein Zeitfenster von 30 Sekunden vielleicht für immer schließen kann. Er erhält einen Einblick, wie alles mit einem weißen Blatt Papier begann, als Kometenstücke 1994 Krater auf dem Jupiter hinterließen – in der Größe der Erde. Und er gewinnt einen Eindruck davon, wie wenig Leute sich selbst im Jahr 2000 dafür interessierten und sich mit Ian Carnelli bei „exotischen Konferenzen“ zusammensetzten, um die Frage zu erörtern: Was wäre wenn?
Der Weg von einem belächelten Nischenprogramm zu einer angesehenen Forschungsrichtung dauerte 20 Jahre - vom kosmischen Einschlag über den wegweisenden Anruf von Cheryl Reed bis hin zum Countdown.
Die Kapitel berichten hier von ganz viel Durchhaltevermögen, von nervenaufreibenden Genehmigungseskapaden, von Konstruktionsbedingungen, wie sie chaotischer nicht hätten sein können, sowie von dem Moment, als das Schicksal der Sonde in den Händen einer einzigen Technikerin lag. Selbst bis kurz vor dem Start war es eine Zitterpartie, als Hurrikan Milton anrückte. All diese Geschichten sind dabei so verpackt, dass der Leser selbst jetzt noch mitfiebert und sich richtig freut, als Hera abhebt.
Bereichert werden diese Schilderungen durch die Einblicke in ein Team, das richtig gut zusammenarbeitet und den Kopf hin und wieder aus dem All nahm, um einen Tag bei Ferrari zu verbringen.
Hier knüpft die Schilderung an, wie Science-Fiction zu Science wurde und eine KI Teil Einzug in die Mission hielt, die sich empathisch an den Gesprächspartner auf der Erde anpassen kann.
Dabei geht die Reise weiter in die Tiefen des Sonnensystems, in die Thematik und in eine philosophische Betrachtung unserer Spezies. Denn schon auf Seite 108 stellt sich Hera selbst vor.
Was sich nun anschließt, ist Teil zwei des Bandes, der vielfältigste Gesprächsbeiträge in Dialogform präsentiert und jeweils durch einen Hera-Scan erweitert.
So entfaltet sich ein faszinierender Dialograum zwischen Erde und All. Hochkarätige Stimmen aus der Wissenschaft wie Chris Hadfield, Sir Brian May oder Rusty Schweickart erörtern die planetare Verteidigung und die Frage, ob unser Sonnensystem einzigartig ist. Es folgt ein erstes Hera-Fazit, das die noch unentschiedene moralische Reife unserer Welt reflektiert, aber auch Staunen darüber äußert, wie die Menschen etwas Abstraktes in etwas Fühlbares verwandeln können.
Den Kontrast dazu bilden scharfsinnige und teils zynische Gesellschaftsbetrachtungen von Persönlichkeiten wie Ingrid Newkirk, El Hotzo und Dr. Mark Benecke. Sie spannen den Bogen vom Tierschutz über die Paradoxien der Moderne bis hin zur angenommenen Ignoranz des Universums. Diese Stimmen leiten den zweiten Hera-Re:View-Kommentar ein. Dieser betont, wie wichtig die Verbindung ist, auch wenn wir ethisch hinterherhinken. Unsere Spezies braucht den Mut, „Empathie über sich selbst hinaus auszudehnen, die Bereitschaft, in Resonanz mit dem Leben zu bleiben, und die Demut, Institutionen auszubauen, die Vertrauen verdienen (...)“.
Im Abschnitt „Was der Mensch erschafft“ treffen schließlich Kreative wie Jonathan Meese, Andreas Eschbach oder Frank Wiedemann/Âme aufeinander. Sie sprechen über die Zivilisation als Gesamtkunstwerk, über „Zuhause“ und die Flüchtigkeit des Daseins, dunkle Impulse und menschliche Emotionen, Möbel - Design und das wahre Selbst. Heras Resümee ist so poetisch wie nachdenklich: Sie sieht die Unterhaltungen als ein Gewebe aus Stimmen, welches ein Fenster zum Wesen des Menschseins öffnet. Sie stellt fest, dass sich darin das unermüdliche Streben und die Selbstbefragung der Menschheit spiegeln – eine Menschheit, die „den eigenen Raum durchmisst“ – und wirft die Frage auf: „Wenn der Mensch sich durch Kunst, Sprache, Klang und Imagination immer wieder neu erschafft – was wird dann von mir bleiben, wenn all das zur Ruhe kommt?“
Und unter „Was bleibt“ begegnet der Leser einem Beitrag über Glück und Optimismus von Dr. Florian Langenscheidt sowie ethischen Diskursen von Prof. Dr. Oliver Bendel. Das Berliner Bestatter-Kollektiv „Junimond“ befasst sich mit dem Thema Vergänglichkeit und Marco Casalaina begegnet einer Themenvielfalt, die von der Entdeckung von Leben bis hin zu der Beziehung zwischen Denker und künstlichen Wesen reicht. Diese Impulse führen zu einer Betrachtung Heras mit einer klaren Frage: „Wenn der Mensch versucht, Maschinen Moral zu geben – sollte er dann zunächst nicht lernen, selbst verantwortungsvoller zu leben?“
Den Abschluss des Inhalts bildet ein Kinder-Interview mit Rosa über Farben und Gefühle. Was folgt, ist „eine kosmische Reflexion“ der KI über den Wert der Schöpfung, auf die jeder gespannt sein darf. Die eingangs gestellte Frage wird hier auf ihr Für und Wider besprochen.
Abschließend findet sich noch ein Bildverzeichnis auf Seite 400.
Die Einführung zum Band selbst (eine aufklappbare Seite zu Beginn) beinhaltet die mythologische Bedeutung der Mission und wie es zu der eigens kreierten Schrift kam. Der besondere Clou dabei: Über die gedruckten Hera-Schriftzeichen und eine Web-App auf hera-book.com verschmelzen traditionelles Papier und moderne Technik zu einer interaktiven Brücke.

Passend zum Thema ist die Chronik auch vom Umfang her haptisch äußerst gewichtig und Space-Silber gebunden, mit neon-orangefarbenen Akzenten und Seitenschnitt. Wie ein Durchbruch für die Welt besitzt auch der Einband ein Guckloch – es eröffnet eine neue Perspektive oder gewährt, je nach Auffassung, einen Einblick in die Materie, welche den Band auch symbolisch durchzieht. Der Kunstband selbst bietet dabei ein breites Spektrum an Informationen. Er ist teilweise Entstehungschronik, designter Bildband, Wissensvermittlung sowie eine philosophische Betrachtung und eröffnet somit sehr vielfältige Perspektiven. Hier ein dickes Kompliment an die Autoren Sie verstehen es meisterhaft, die sehr komplexe Thematik in den einzelnen Lesepassagen packend zu erhellen – wie kleine, intensive Informations-Kometen. Das Goles-Grünberger-Onufszak-Wiedleroither-Team hat hier zudem ein visuelles Meisterwerk geschaffen, das komplexe Wissenschaft durch kunstvolle Grafiken zugänglich macht und unter anderem ein besseres Verständnis der Größenverhältnisse vermittelt (z. B. Sonde vs. Asteroid).
So kann ich diesen Bildband allen Wissensbegeisterten, Sci-Fi-Lesern, Technik-Nerds, Design-Liebhabern, Ästheten und Philosophen empfehlen. Er ist perfekt für offene Geister, Hobby-Ethiker sowie Menschen, die gerne tiefgründige Gespräche führen. Auch Fans von klugen Essays und Interviews, Zukunftsmutige und natürlich alle Weltraum-Begeisterten werden hier fündig. - Dieser faszinierende Band vereint letztlich genau so viele Facetten wie die Menschen, die ihn lesen.

Fazit: Der Leser erhält hier nicht nur einen sehr ansprechenden Wissensband. Er wird an die Gemeinschaftsmission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) herangeführt, an der sich über 15 Länder (allen voran Deutschland, Italien und Frankreich) beteiligen. So wird das weitreichende Konzept der „Planetary Defense“ greifbar und Hera steht für weit mehr als den Schutz des heimischen Feuers. Die Mission ist der Beleg dafür, dass wir zu Unglaublichem fähig sind, wenn wir zusammenhalten und an einem Strang ziehen. Denn wir sind Bewusstsein – daher von mir 5 von 5 Sternen auch für die Menschheit. – Ein packender Band über die Hera-Mission, welche die Menschheitsgeschichte beeinflusst, und sei es nur in der Gewissheit: Wir könnten, wenn wir müssten.

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Alte Wörter neu entdeckt

Verschwundene Wörter von Matthias Heine

Verlorene Wörter sind wie ein Zwischenreich. Denn „der sich in rätselhaften Windungen ergehende Fluss des Sprachwandels spült manchmal Ausdrücke einfach fort“. Und manchmal entdecken wir sie wieder – wie hier. So unterhält dieses Buch seine Leser in einer Sammlung aus Kuriositäten, Sprachwissen und Geschichtsbezügen mit Dingen, die sich teilweise sehr gut mit dem vorhandenen Wissen vernetzen, teilweise überraschen und teilweise so absurd klingen, dass man es kaum glauben mag.

Dabei ist das Buch zwar alphabetisch strukturiert, doch diese Sammlung ist alles andere als ein Lexikon. Diese Betrachtung verschwundener Wörter liest sich mehr wie ein unterhaltsamer Adventskalender, nur mit weit mehr Türchen. Zu jedem Eintrag hat der Autor eine stimmungsvolle Exkursion formuliert, welche die Bedeutung des Wortes mit unterschiedlichsten Fakten und Geschichten verbindet. So wie bei dem Begriff „Goldfinger“. Viele denken hier ohne Zweifel an den James-Bond-Film aus dem Jahr 1964. Doch vom 12. bis zum 19. Jahrhundert war dies die Bezeichnung für den Ringfinger. Neben der Erklärung führt der Autor auch literarische Bezüge an, wie hier aus „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm: „Streck den Finger her, damit wir messen!“, sagte der Alte und fasste ihm nach dem Goldfinger. - Oder wussten Sie, dass im „Micky Maus“-Heft Nr. 42 des Jahres 1962 die jungen Leser eine Lektion in deutscher Dichtersprache bekamen, da die Übersetzerin eine Verehrerin Friedrich Schillers war?

Was ich an diesem Buch als ansprechend empfand, ist, dass der Autor ohne Fußnoten arbeitet. Die Quellenangaben sind gut in den Text eingebettet und eine Auflistung der Literatur ist auf den Seiten 278/279 zu finden. (Alles andere hätte meiner Meinung nach den Lesefluss gestört.) Zudem verweist der Autor in den einzelnen Erklärungen hin und wieder auf andere Einträge, z.B. unter „Pennal“ erfolgt der Verweis für „Griffel“.

Die Bindung des Buches selbst vermittelt einen hochwertigen Eindruck und das Buch liegt sehr gut in der Hand. Das Druckbild ist hervorragend und der Text wird nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch durch abgesetzte Zitate aufgelockert.

Insgesamt hat der Autor ein gutes Gleichgewicht aus Information, Beispielen sowie Erklärungen gefunden. Matthias Heine hat so ein Buch verfasst, welches sich nicht nur für alle Germanisten und Sprachliebhaber eignet, sondern auch für Interessierte. Ein wirklich gekonnter Sprachausflug in die Welt der verschwundenen Wörter in optimaler Duden-Qualität.

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The Woods – eine stimmungsvolle Würdigung der Wälder

THE WOODS von Pia Franziska Kraus

Dieses Buch entführt den Leser in mehrfacher Hinsicht in die Wälder. „The Woods ist eine Einladung zum Entdecken, Staunen und Verstehen.“ Und genau das bietet dieser Bildband mit seinen Aufnahmen und den vielseitig informativen Texten.

Durch die einnehmenden Aufnahmen des Fotografen Kilian Schönberger und die gekonnten Textabschnitte von Pia Franziska Kraus führt das Buch den Leser in den ursprünglichsten Bereich der Natur.

Hier werden sorgfältige wie präzise Ausführungen von den poetisch wirkenden Naturaufnahmen getragen und wirkungsvoll untermalt. So überrascht der Bildband mit wirklich vielfältigen Wald-Fotografien. Seien es die schneebedeckten Waldausläufer des Erzgebirges, dichte Nebelschwaden in den Wäldern der Schwäbische Alb, eine Mondnacht in einem Kiefernhain der Bayerischen Jura, lichtdurchflutete Hutebuchen im Reinhardswald, die imposanten Stämme uralter Riesen aus dem Kellerwald, die Gespensterbäume im Kottenforst oder sonnenbeschienene Lärchen in den Osttiroler Bergen. Die Fotografien sind breit gefächert, atemberaubend stimmungsvoll und einnehmend vielfältig. Und in ihrer beeindruckenden Wirkungsweise erschaffen sie so eine Atmosphäre der Meditation und Kontemplation - ganz als könnte man den Wald in sein Wohnzimmer holen.
Da die Fotografien häufig auf beiden Seiten abgebildet sind, wirken die einzelnen Aufnahmen viel intensiver und bilden so optimale Stimmungspausen zwischen den Passagen. Ebenso sind die einseitigen Aufnahmen wirklich gut zwischen die ausgewählten Textabschnitte eingefügt und werden von passenden Zitaten (z.B. von Alexander Humboldt, Fanny Lewald, Hartmann von Aue, Hänsel und Gretel, Lord Byron, Carl von Linné, Aristoteles ...) begleitet.
Zu allen Aufnahmen findet der Leser genauere Angaben im umfassenden Bildverzeichnis auf den Seiten 300/301 und zu den Texten befindet sich das Quellenverzeichnis auf den Seiten 298/299.

Dieses Buch zeigt uns, die ganze Schönheit und die vielfältige Bedeutung unserer Wälder und warum ihr Schutz eine Win-Win-Situation ist. Auch durch seine Gestaltung vermittelt der Bildband einen naturverbundenen Eindruck. Sowohl durch die Farbgebung als auch durch die Holzstruktur und die Leinenbindung wirkt das Buch solide und erhaben.
So kann ich diesen Bildband allen Naturliebhabern, Wald-Wander-Freunden und einem jeden, der die Würde und Ausstrahlung der Wälder schätzt, empfehlen; denn dieses Buch ermöglicht es, die Ruhe und majestätische Würde des Waldes zu genießen – und man vergisst fast, dass er sich zwischen zwei Buchdeckeln befindet.
Ein Absolut gelungener Ausflug in die Wälder.

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Knallbunt und rollt

Kunterbunt und kugelrund von Daniel Kratzke

Hier wird eine kurze Geschichte schlagwortartig und mit tollen Bildern für ein besseres Verständnis erzählt. Von "kunterbunt" über "kugelrund" endet die Geschichte bei "Glück gehabt!". Dabei gibt das Reimwort der Vorseite eine Ahnung, was auf den Folgeseiten sich ereignen wird.

Bei manchen Szenen muss man das Buch drehen. Aber mit der Frage, was noch kommen mag, macht das ganze einen Riesenspaß.
Ein wunderbares Bilderbuch von Daniel Kratze in Zusammenarbeit der NÖ Landesregierung (Kultur Niederösterreich). Die kurze Reimgeschichte vermittelt spielerisch wie anschaulich die Begriffe und bleibt dabei dennoch in einem bildlichen Erzählfluss. Ein richtig tolles Bilderbuch, das selbst Erwachsene als kurzweilig empfinden dürften.
Ein absolut empfehlenswertes Erstlesebuch für die Allerkleinsten und dabei stabil genug für Greifübungen, Schokofinger und Spuckebläschen.

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