Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ecinev:
Zwischen Nachkriegszeit und Wiederaufbau
In den Scherben das Licht von Carmen Korn
1946, die 14jährige Gisela verläßt den Bunker auf der Suche nach einer neuen Unterkunft. Dabei stößt sie auf ein vermeintlich leerstehendes Haus und kriecht durch das Kellerfenster hinein. Ihr Schreck ist groß als sie dort auf den 16jährigen Gert trifft der seit einiger Zeit mit Duldung der alternden Schauspielerin Fried im Keller lebt.
Die beiden freunden sich an und auch Friede erlaubt es Gisela im Keller zu wohnen und gelegentlich für alle in der Küche zu kochen. In der ersten Zeit dreht sich viel um Schwarzmarktgeschäfte um in den kargen eiskalten Tagen über die Runden zu kommen. Gert ist häufiger Gast in der Suchdienststelle um nach seiner Familie zu suchen bevor er als 'Kanonenfutter' in den letzten Kriegstagen eingezogen wurde. Gisela hat keine Erinnerungen an ihre Familie und findet sich damit ab. Friede Wahrlich lebt in ihrer eigenen Vergangenheit und gibt die Hoffnung auf eine bessere Zeit nicht auf.
Es kommen eine Menge Personen in diesem Buch vor und der häufige Wechsel bringt den Lesefluss zum stocken. Immer wieder muss man sich auf neue Erlebnisse einlassen. Der Schreibstil ist sehr detailreich und bildhaft. Man kann sich gut in die Personen hineinversetzen und erlebt mit ihnen die Zeit nach dem Krieg bis hin zum Wiederaufbau.
Cold Case im Morning House
Death at Morning House von Maureen Johnson
Marlowe ergattert einen Ferienjob mit einer Freundin in einem Eissalon und hofft Akilah dort näher zu kommen. Gleichzeitig hütet sie das Haus eines Professorenehepaars und darf sich dort aufhalten. Doch bestimmt nicht um dort mit Akilah Kerzen abzubrennen und das Haus in Brand zu setzen.
Die Möglichkeit dieses peinliche Ereignis zu vergessen erhält sie nachdem sie auf einer abgelegenen Insel im Sankt Lorenz Stroms Besucher durch ein leerstehendes Haus führt.
1930 lebte dort der Arzt und Eugeniker Ralston mit seiner Frau und 6 Kindern die er selbst auf die Welt geholt und auserwählt hat. Das strikte Leben der Famile während der Sommermonate endet plötzlich mit 2 Todesfällen die bis heute ungeklärt sind.
Auch heute werden Leute in Gruppen durch das leerstehende herrschaftliche Anwesen geführt bis es dabei auch zu einem Unglück kommt.
In 2 Zeitebenen wird hier die Vergangenheit und Gegenwart verwebt. Es ist mein erstes Buch von Maureen Johnson und mir als Erwachsene hat die Geschichte gut gefallen. Auch wenn es etwas an Spannung fehlt sind die Personen gut ausgearbeitet und die Themen reichen von Erster Liebe bis hin zu einem streng geregelten Tagesablauf 1930. Der Schreibstil ist lebendig und an heiteren Abschnitten mangelt es nicht. Ein nettes Buch für zwischendurch das man recht schnell fertig hat. Für die Zielgruppe denke ich muss man schon ein Faible fürs Lesen haben denn sonst ist ein Buch mit 400 Seiten schnell zu lang.
Eigenwillige Frau
Mein Name ist Emilia del Valle von Isabel Allende
Emilia del Valle wird 1866 als Tochter einer irischen Nonne und eines chilenischen Aristokraten geboren. Liebevoll von ihrem Papo aufgezogen in einem ärmlichen Teil von San Francisco. Eigensinnig wie sie ist möchte sie schreiben. Unter männlichem Pseudonym veröffentlich sie Groschenromane deren Handlung sich die Mutter ausgedacht hat.
Sie hat einigen Erfolg, möchte jedoch mehr. Schließlich gelingt es ihr als Auslandskorrespondentin bei einer Zeitung sogar Artikel unter eigenem Namen zu schreiben. Zusammen mit ihrem Kollegen Eric wird sie nach Chile geschickt um von dem dortigen Bürgerkrieg zu berichten.
Der chilenische Bürgerkrieg wird eindrucksvoll, lebendig aber auch teilweise grausam beschrieben. Trotz der Kriegswirren gelingt es ihr zum chilenischen Zweig ihrer Familie Kontakt zu ihrem leiblichen Vater herzustellen der sie kurz vor seinem Tod als leibliches Kind anerkennt. Er vermacht ihr sogar ein Grudstück am äußersten Zipfel von Chile im Gebiet der Mapuche.
Auch in diesem Buch beweist Isabel Allende ihr Talent, Statt trockener Geschichtsstunde wird hier die Zeit des Bürgerkrieges 1890 lebendig beschrieben. Auch die Personen werden gut dargestellt. Emilia erscheint mir jedoch sehr aus der Zeit gefallen und fast modern. Der Schreibstil ist wie immer beeindruckend, kurze klare Sätze und kaum Längen. Ich bin immer wieder aufs neue beeindruckt von den Büchern Allendes.
keine leichte Lektüre
We Burn Daylight von Bret Anthony Johnston
Waco, eine amerikanische Kleinstadt in Texas und noch immer ein wunder Punkt in der amerikanischen Geschichte der Sekten. In einer Mischung aus Erzählung und Podcast wird hier die Geschichte einer fanatisch christlichen Sekte und ihren charismatischen Anführer 'The Lamb' kennen dem die Leute bedingslos und fast blind folgen.
Die Mutter von Jaye ist dem Charme des Anführers bald erlegen während Jaye die Teenager Tochter da weitaus näher an der Realität bleibt. Daneben ist Roy, Sohn des Polizei-Sheriffs von Waco der als Hobby Schlösser knackt und dessen Familie immer noch um den älteren Bruder trauert der im Irak Krieg gestorben ist. Bei einer für Amerika typischen Waffenschau treffen sich die beiden Teenager und eine zarte Romanze entsteht.
Dem Schreibstil ist anfangs nicht leicht zu folgen, es dauert etwas bis man in die Geschichte hineinfindet. Dem Buch liegt eine wahre Begebenheit zugrunde über die ich hier das erste Mal erfahren habe.
Zwigespalten
Gesellschaftsspiel von Dora Zwickau
Isabelle, ihre Schwester Annika und die Tante Dagmar treffen am Sterbebett der Mutter wieder auf einander. Die 3 Frauen sind sich fremd geworden. Annika ist magersüchtig und lebt in den USA, Dagmar ist Professorin an einem Lehrstuhl, Isabelle Lehrerin an einer Schule und Mutter eines Sohnes. Jetzt ist die Mutter nach einem Schlaganfall hirntot, am Leben erhalten damit die Familie Abschied nehmen kann.
Daneben versetzt eine Meldung die Welt in Aufregung, ein Tech Milliadär plant eine Umgestaltung der Gesellschaft. Dafür hat er sich ausgerechnet Weimar ausgesucht, der Heimatstadt der 3 Frauen und historisch bedeutsam. Als Mittel gibt es dazu eine App die Millionen Nutzer sofort laden und sich ihre Meinung bilden.
An sich eine gute Idee für ein Buch in der heutigen Zeit. Allerdings bleibt sowohl die Familiengeschichte als auch der Utopie Teil mit der Gesellschaftsumgestaltung nur halb erzählt. Das Ende war für mich unbefriedigend. Überhaupt bleiben die Personen farblos, ohne viel Tiefgang. Die Absätze mit den kurzen Email und WhatsApp Posts finde ich verwirrend und ohne Aussage.
Das Buch macht deutlich die übermäßige Handynutzung in unserem modernen Alltag.
sensibles Thema
Eden von Jan Costin Wagner
Alles fängt so gut an, Sofie, behütete Tochter von Markus und Kerstin, bekommt von ihren Eltern eine Konzertkarte für ein großes Konzert. Doch bei dem Konzert wird sie Opfer eines islamistischen Selbstmord Anschlags. Wie sollen die Eltern mit dem Verlust klarkommen? Der Schmerz der Eltern ist fast körperlich greifbar.
Während die Mutter den Halt verliert, beschäftigt sich der Vater sehr intensiv mit dem Täter und möchte alles über den Hintergrund wissen und wie es zu dessen Radikalisierung kam.
Eindrucksvoll wird der Schmerz der Eltern dargestellt was das Buch traurig macht. Der Schreibstil ist sensibel. Das Thema Tod und Trauer werden gut aufgearbeitet. Allerdings nehmen die vielen Monologe und die politischen Überlegungen einen großen Raum ein was das Lesen nicht einfach macht. Auf alle Fälle kein Buch für sensible Menschen.
Auf den Punkt gebracht
Ihr habt es gut, ihr habt ja mich von Renate Bergmann
Mit einem harmlosen Anruf ihres Neffen Stefan fängt es an, die Mutter seiner Frau ist von der Leiter gestürzt und hat sich beide Arme gebrochen. Klar, dass Ariane den Vater mit seinem Sanitär Handel unterstützen muss. Stefan ist ja auch alleine recht selbständig, besser aber wenn Oma Renate da ein Auge drauf hat.
So zieht es die rüstige Rentnerin raus aus der Großstadt ins idyllische Spreeweide, Brandenburg.
Doch auch auf dem Land kann Oma Bergmann nicht ruhig bleiben wenn die Mülleimer überquellen, der Bus nur unzuverlässig fehlt, es an Bänken fehlt um sich mit anderen zu treffen. Der Bürgermeister reagiert mit den Worten, dann lassen sie sich doch selbst wählen. Und tatsächlich, Oma Bergmann beschließt, sie hat lange genug in Berlin gewohnt, jetzt ist die Einliegerwohnung im Hause des Neffen ihr neues Domizil und sie tritt bei der Gemeinderatswahl an.
Gekonnt wie immer wird hier der Finger auf die Wunde der Politik gelegt. Da ist es egal ob Berlin, Brandenburg oder der Rest der Republik. Überall herrschen ähnliche Probleme. Der Schreibstil ist gewohnt kurzweilig mit der ihr eigenen Rechtschreibung. Ich bin gespannt auf weitere Bände der Erfolgsreihe.
Bewegende Schicksale
Wir sehen uns wieder am Meer Die Großmutter-Reihe von Trude Teige
1944, Birgit geht als Krankenschwester nach Bodo. Dort trifft sie auf die junge Nadja die aus der Ukraine kommt und in der hiesigen Fischfabrik hart arbeiten muss. Das Birgit russisch spricht macht bald die Runde und sie hilft mit russische Soldaten im Verborgenen zu versorgen. Dabei verliebt sie sich in einen Verwundeten der monatelang verborgen auf dem Dachboden der Klinik wieder zu Kräften kommen muss.
Sie schließt sich dem Widerstand an und gibt Botschaften über tote Briefkästen weiter bis sie kurz vor Kriegsende auffliegt. Eine starke Frau die ihren Weg in diesen schweren Zeiten zu gehen weiß und Misshandlungen zu trotzen vermag. Auch die Freundschaft mit Nadja und Tekkla hält sie aufrecht.
Obwohl dieser Abschlußband das erste Buch ist, welches ich von Trude Teige habe, konnte ich mich gut in die Personen und Geschehnisse einfinden. Ich hatte das Hörbuch und konnte der Geschichte gut folgen. Der geschichtliche Hintergrund von der Rolle Norwegens zum Ende des 2. Weltkrieges war mir bislang nichts bekannt und ich konnte noch Neues dazu lernen. Auf alle Fälle werde ich mir noch die ersten beiden Bände anschauen.
Schwarzwaldidyll
Schattengrünes Tal von Kristina Hauff
Das in die Jahre gekommene Hotel 'Zum alten Forsthaus' kämpft um jeden Gast. Umso erstaunter sind Lisa und ihr Vater als eine alleinstehende Frau nach einem Zimmer fragt und länger bleiben möchte. Was führt Daniela in das abgelegene Nest, was hat sie vor? Lisa, wie immer besorgt um das Wohlergehen der Gäste, gelingt der Kontakt zu Daniela und merkt nicht, wie sie von dieser manipuliert wird.
Sie fügt sich nahtlos in das Dorfgeschehen ein und hilft bald mit im Hotelalltag.
Dagegen steht es mit der Ehe von Lisa und Simon, einem Förster, nicht zum besten. Simon ist wortkarg und hat nur wenig Sinn für die Aufopferung von Lisa.
So nimmt Daniela immer mehr Platz ein im Leben von Lisa und bald wird klar was sie wirklich hierher geführt hat.
Der Schreibstil ist ruhig mit einer subtilen Grundspannung. Leider gibt es doch einige Längen in der immer wieder kehrenden Beschreibung der Situationen und wirkt stellenweise recht konstruiert. Die Personen werden psychologisch gut dargestellt. Das Ende ist allerdings recht aprupt und hat mich etwas verwundert zurückgelassen.
Wenn Mauern sprechen könnten
Treppe aus Papier von Henrik Szántó
In ungewöhnlicher Erzählweise wird hier die Lebensgeschichte eines 100 jährigen Mietshauses und deren Bewohner erzählt. Vom Eigentümer, einem jüdischen Uhrmachers der 1941 gezwungen wird das Geschäft einem windigen Arier zu verkaufen bis hin zur inzwischen 16jährigen Nele die mit ihrer Familie nun in dessen Wohnung wohnt und die Geschichtshausarbeit durch die Erzählung der 98jährigen Irma aufwertet.
Hier trifft man auf die Vergangenheit und der Familie von Irma als klassisch deutsches Kind entsprechend streng erzogen wird und Ruth, Kind der jüdischen Eigentümer Familie die sich nicht mit Irma anfreunden darf. In der Gegenwart versucht Nele mit ihren Eltern über die Zeit der eigenen Großeltern im 3. Reich zu sprechen was kein leichtes Unterfangen ist.
Der Wechsel der Zeiten ist fließend was nicht immer leicht einzuordnen ist. Der Schreibstil aus Sicht des Hauses ist eigentümlich und wirkt seltsam distanziert. Hier gibt es keinen lebendigen Wortwechsel was den Einstieg nicht leicht macht. Wenn man sich darauf eingelassen hat, findet ein nachdenklich machendes Buch.











