Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Cxicken:

Der Weg in die Verzweiflung

Middletide - Was die Gezeiten verbergen von Sarah Crouch

Der Roman „Middletide“ von Sarah Crouch handelt von dem Leben Elijahs, der in seiner Jugend seine Heimatstadt Point Orchards verlässt, um sich seinen großen Traum in der Stadt zu erfüllen. Er kommt wieder und ist an seinem tiefsten Punkt im Leben angekommen, bis er seine Jugendliebe Nakita wiederfindet und beschließt für sie zu kämpfen.

Nach einigen Jahren gibt es jedoch einen Mord auf seinem Grundstück, bei dem die Indizien stark für Elijah sprechen.
Doch zunächst will ich auf das Cover und die Gestaltung eingehen. Der Sonnenuntergang auf dem See spielt wahrscheinlich auf den See auf Elijahs Grundstück an, was sich die Szenerie besser vorstellen lässt. Generell wurde das Buch hochwertig verarbeitet und hat eine schöne Haptik.
Die Verwendung von Zeitsprüngen, um den Mordfall aufzuarbeiten, finde ich sehr passend gewählt. Anfangs war es etwas verwirrend, da ich die ganzen Jahreszahlen noch nicht genau zuordnen konnte, aber nach kurzer Zeit war auch das einfach verständlich. Des Weiteren sind mir keine weiteren Fragen offengeblieben, war sehr mitgerissen und konnte manchmal das Buch einfach nicht aus der Hand legen.
Die Sprache ist sehr einfach zu verstehen und relativ einfach gehalten. Aber der Roman benötigt auch keinen komplexen Sprachstil, da der Handlungsstrang so einfacher nachvollziehbar ist.
Die meisten Figuren finde ich sehr authentisch, aber beispielsweise Manni oder Erin sind ziemlich oberflächlich gehalten. Hier kann ich mir aber auch vorstellen, dass es so gewollt ist, da sie eher oberflächliche Charaktere spielen, daher passt das.
Das Buch ist interessant für mich, da dieser Mordfall scheinbar so zufällig Elijah angehangen wurde, und es so scheint, als ob jede Person auf der Welt davon betroffen sein könnte.
Doch nun zu meinem Fazit: Das Buch war sehr leicht zu lesen und behandelte keine übermäßig schweren Themen. Jedoch war es sehr spannend und mitreißend.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken

verzweifelte Millennials

Dancing Queen von Camila Fabbri

In dem Roman „Dancing Queen“ von Camila Fabbri geht es um das Leben von Paulina, einer 35-jährigen Millennial-Frau, die ziemlich unglücklich mit ihrem Leben ist. Der Einstieg ist ein Autounfall, bei dem Paulina sehr verwirrt ist. Nur langsam kommen Fragmente ihrer Vergangenheit hoch und wir lernen ihr Leben wirklich kennen.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich das Cover nicht sehr passend und auch nicht sonderlich ansprechend finde. Es wirkt ziemlich 0815 und die Frau auf dem Titelbild ist nur von Freiheit trotzend. Paulina hingegen lebt in ihren selbsterschaffenen Zwängen, die ihr die Gesellschaft nur noch weiter aufdrückt. Ich empfinde das Cover ziemlich konträr zu dem Inhalt.
Die Geschichte finde ich hinsichtlich der wenigen Seiten -176- ausreichend umfassend und ansprechend formuliert. Mit der Zeit ergeben die Puzzleteile aus Paulinas Erinnerungen ein allumfassendes Bild und die Entwicklung bis hin zu dem Unfall wird deutlich. Außerdem werden viele wichtige Themen angesprochen: unerfüllter Kinderwunsch, Vergewaltigungen, Angst vor dem Älterwerden und die Ausnutzung der Machtposition von Männern. Gewiss werde ich über einige Aspekte noch lange nachdenken. Ein anderer Aspekt ist die andere Kultur. Die Autorin kommt aus Argentinien und das Buch ist aus dem spanischen ins Deutsche übersetzt worden. Daher sind auch viele kulturelle Aspekte in dem Roman enthalten, die von dem deutschen abweichen. Das hat mir sehr gut gefallen.
Die Charaktere finde ich leider nicht alle gut ausformuliert. Paulina lernen wir am stärksten kennen, da sie die Protagonistin ist. Meike hingegen hat, meines Erachtens, nicht viel Persönlichkeit. Sie ist auf die Bestätigung von Männern aus und dauerhaft unglücklich verliebt. Das hat nicht so sehr viel Tiefe. Aber mehr kann man auch nicht von der geringen Seitenanzahl erwarten.
Durch die kurzen Kapitel und den angenehmen Schreibstil hat sich das Buch sehr leicht weggelesen.
Ich kann den Roman an alle Menschen empfehlen, die sich vielleicht in einer ähnlichen Lebenslage befinden oder sich besser in andere Personen reinfühlen wollen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken

Menschlichkeit in grausamen Zeiten

Ginsterburg von Arno Frank

Der Roman „Ginsterburg“ von Arno Frank handelt von der fiktiven Kleinstadt Ginsterburg irgendwo in Deutschland, welche repräsentativ für viele Gemeinschaften während der NS-Zeit steht. Der Roman ist in drei Abschnitte unterteilt: 1935, 1940 und 1945 und zeigt damit gut die Veränderungen innerhalb der Gesellschaft auf.

Aber zunächst zu dem Cover: Es bildet ein fast schon idyllisches Dorf ab, wenn nicht daneben große Rauchwolken auftreten würden. Dies bildet das Thema des Buches auch schon passend ab. Wenn nicht der Krieg und das NS-Regime existieren würden, könnte es eine sehr traumhafte Geschichte werden. Die Nutzung von AI für die Gestaltung des Titelbildes ist mir auch erst viel später aufgefallen.
Das Thema finde ich sehr gut gewählt und ist leider immer noch hochaktuell. Es hat mir viel Stoff zum Nachdenken mitgegeben. Jedoch muss ich kritisieren, dass manche Personen auf realen Charakteren beruhen, wie Lothar Sieber. Dies war mir nicht bewusst und habe ich erst durch nachträgliche Recherche herausgefunden. Ich bin der Meinung, dass in einem Nachwort auf diese Verbindung aufmerksam gemacht werden sollte.
Mit dem Schreibstil musste ich erst einmal richtig warm werden. Der Roman beginnt mit dem Fragment des Absturzes eines Piloten namens Alfie. Erst am Ende der Geschichte wird klar, um wen es sich eigentlich handelt. Des Weiteren gibt es im Laufe des Romans viele Szenen, in denen Lieder eingebaut sind, was zunächst bei mir verwirrend gewirkt hat. Aber später fielen jene Aspekte nicht mehr so stark auf.
Durch die schiere Menge an Personen in Ginsterburg, konnten auch nicht alle sehr authentisch wirken. Auch am Ende des Romans musste ich mich häufig noch einmal fragen, wer genau der Charakter überhaupt ist.
Aber: der historische Roman von Arno Frank ist hochaktuell, ist an vielen Stellen sehr poetisch verfasst und regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken

von Notlage zum Internetphänomen

Only Margo von Rufi Thorpe

Der zeitgenössische Roman „Only Margo“, verfasst von Rufi Thrope behandelt die Geschichte einer Studentin, die von ihrem Professor geschwängert und sitzengelassen wird. Nach der Entscheidung, dass sie ihr Kind behalten will stellt sich die Frage, wie sie nun ihr Leben nun finanzieren kann. Dabei fällt ihr Blick auf die Erotik Onlineplattform „OnlyFans“.

Doch diese Entscheidung bringt nicht nur positive Aspekte mit sich.
Der Titel und die Covergestaltung gefallen mir sehr gut. Das Wortspiel Only Margo beschreibt den Inhalt des Romanes sehr gut. Auch auf dem Titelbild sind die wichtigsten Aspekte des Romanes abgebildet. Mir gefällt, dass das Kind nicht abgebildet ist, da es auch aus dem Internet herausgehalten wird. Das Symbolbild des Schnullers umgeht das direkte Abbilden des Kindes geschickt.
Die Themen sind hochaktuell - der Umgang mit Sexarbeiterinnen, die Ausnutzung von Machtpositionen, Drogenmissbrauch und Slut-shaming werden stark diskutiert. Die große Menge an Themen wurde aber äußerst geschickt zu einer Geschichte gestrickt, ohne dass es überladen oder verwirrend wirkt. Viele Stellen sind auch sehr spannend, von denen ich mich nicht losreißen konnte. So habe ich das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen.
Der Schreibstil ist sehr flüssig. Einige Abschnitte sind wie Chat-Nachrichten gestaltet, was den Roman noch authentischer wirken lässt. Bei vielen Stellen musste ich auch schmunzeln oder lachen.
Auch die Figuren sind sehr authentisch. Natürlich steht Margo im Vordergrund, weswegen ihr Hintergrund und ihre Anlässe zum Handeln am stärksten beleuchtet wird. Sie wird als impulsiv dargestellt, was aber auch an ihrem Alter und ihrer strapazierten Lebenssituation liegt, was wiederum sehr authentisch ist. Andere Figuren treten als Typ auf, da eigentlich keine anderen Informationen vorliegen, als wirklich nötig ist.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich der Roman gefesselt hat und allen empfehlen würde, die sich mit den angesprochenen Internetphänomenen befassen wollen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken

Eine unzerstörbare Frau

Not your Darling von Katherine Blake

Mit dem Roman „Not your darling“ kreiert Katherine Blake eine Geschichte einer jungen Frau in den 1950ern, die sich durch Hollywood durchschlagen muss, um ihre Ziele zu erreichen.
Die Farbgebung des Covers gefällt mir sehr gut. Die starken Farben, lila und orange, repräsentieren den Elan und die Stärke Lorettas.

Auch das ausdrucksvolle Bild der Frau, welches in schwarz-weiß gehalten wurde, zeigt eine starke Entschlossenheit. Durch diese Farbgebung wird der 50er-Charme übermittelt.
Nun zu dem Thema: Insbesondere die patriarchalen Strukturen wurden eindrücklich beschrieben. Auch Themen wie Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Prostitution wurden behandelt. Diese Bereiche sind auch heute noch äußerst aktuell, weswegen es mich sehr mitgenommen hat. Ich kann mir vorstellen, dass Hollywood sehr überspitzt dargestellt wurde, aber mir hat es gefallen auch einen kleinen Einblick in diese Welt zu gewinnen.
Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen durchgelesen, was dafür spricht, dass der Roman sehr flüssig geschrieben ist. Der Schreibstil sagt mir sehr zu, da das Buch viel zu früh zu Ende war.
Im Hauptaugenmerk des Romanes liegt Loretta, die man als einzige Person wirklich kennenlernt. Aber wirklich viel aus ihrer Vergangenheit wird auch nicht deutlich. Ich hatte das Gefühl, dass die Ereignisse, die ihr passieren, sehr übertrieben dargestellt werden. Entweder ist etwas krass gut oder unfassbar schlecht. Dies nimmt etwas Authentizität und Tiefe weg.
Fazit: Der Roman und die darin angesprochenen Themen haben mir wirklich gut gefallen. Jedoch fehlt es, meines Erachtens, an Tiefe. Für Hollywood und 50er-Jahre Liebhaber könnte der Roman jedoch wunderbar passen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken

Leider zu überladen

Leuchten am Meeresgrund von Brad Fox

Die Sachbuch-Belletristik-Mischung „Leuchten am Meeresgrund“ von Brad Fox behandelt die ersten Forschungen der Tiefsee mit dem Hauptcharakter William Beebe, einem Entdecker.
Zunächst will ich auf die positiven Aspekte eingehen: Das Cover gefällt mir wirklich sehr gut. Die verschiedenen Zeichnungen von den besprochenen Meerestieren ist inhaltlich sehr passend und sieht sehr interessant aus.

Auch die Farbseiten, mir der Abbildungen von den Zeichnungen hat mir gut gefallen. Damit konnte man immer einen Bezug zu dem gelesenen herstellen und sich die Verbildlichung anschauen.
Jedoch hat mich der Inhalt nicht abgeholt. Für mich war es sehr schwer, einen roten Faden zu erkennen. Fox ist immer von einem Aspekt zu dem anderen gesprungen. Eine wirkliche Chronologie oder ähnliches war nicht zu erkennen. Des Weiteren wurden wirklich sehr viele Namen erwähnt, wo auch am Ende des Buches nicht direkt klar war, wer das genau ist. Viele Nebengeschichten konnte ich auch nicht wirklich in Zusammenhang mit der Tiefseeexpedition bringen. Für mich war nicht klar, warum es wichtig ist zu erwähnen in welcher Konstellation Roosevelt und Beebe standen. Es kam so rüber, als ob Fox diese Informationen gefunden hat und jene einfach einbauen wollte, egal wie passend es für die Geschichte ist. Das finde ich schade. Daher fand ich es sehr überladen und verwirrend und habe, ehrlich gesagt, nicht viel mitgenommen.
Der Schreibstil hat mir nicht zugesagt, da vieles sehr poetisch ausgedrückt war, was sehr viel simpler hätte formuliert werden können. Insbesondere bei einem Sachbuch habe ich etwas ganz anderes erwartet. Gut fand ich jedoch, dass die Kapitel sehr kurz waren. So konnte man immer mal wieder eine Pause machen und den Inhalt verarbeiten.
Nun zu den Figuren: Authentisch sind sie schon, einfach, da es ein Sachbuch ist. Jedoch wurden die meisten Figuren, meines Erachtens, zu wenig ausformuliert, weswegen man jene schnell vergessen hat und zumindest keine Bindung aufbauen konnte.

Fazit: Mir hat das Buch nicht gut gefallen, da ich es als sehr chaotisch und verwirrend empfand. Wenn man jedoch stark Geschichts- und Zoologie interessiert ist, kann man sich den Inhalt zu gute führen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken

Auf der Suche nach Zugehörigkeit

Sing, wilder Vogel, sing von Jacqueline O'Mahony

Der historische Roman "Sing, wilder Vogel, sing", welcher von Jacqueline O’Mahony verfasst wurde, befasst sich mit Irland und den USA in den 1850er Jahren.

Die junge Honora wurde von ihrer Geburt an, als etwas Außenstehendes behandelt. Als sie denkt, dass sie endlich angekommen ist, wird sie und ihr Dorf von einer unbeschreiblichen Hungerkrise getroffen.

Als einzige Option sieht sie die Flucht in das freie Amerika. Doch wird dort ihr Leben anders? Oder wird sie immer weiter fliehen?
Trotz der schlichten Gestaltung gefällt mir das Cover sehr gut. Durch die Abbildung der Frau wird die Geschichte etwas greifbarer.
Die Themen finde ich wirklich sehr interessant. Ich wusste wirklich sehr wenig über die Hungerkrise in Irland um 1849 und die Überfahrt in die USA. Natürlich habe ich jetzt durch den Roman kein wirkliches Detailwissen bekommen, aber einen groben Überblick habe ich schon. Auch tabuisierte Themen wie die (gezwungene) Prostitution wurden umfassend aufgearbeitet, sodass man seine Sichtweisen durchaus erweitern kann.
Den Schreibstil finde ich großartig. Natürlich wird eine zeitgemäße Sprache verwendet, aber ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt.
Auch die Figuren empfinde ich als sehr umfassend ‚formuliert‘. Man hat einen guten Überblick über die Charaktere und man kann mit der Protagonistin sympathisieren und ihre Emotionen nachempfinden.
Der historische Roman ist interessant, da ich mich zum einen generell für diesen historischen Zeitabschnitt interessiere. Des Weiteren mag ich Romane, in denen eine Frau die Protagonistin ist.

Fazit: Ein wirklich toller historischer Roman, der die beschriebenen Ereignisse großartig aufarbeitet. Unbedingt lesen, wenn einem diese historische Epoche interessiert.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken

Ein durchrüttelnder Roman

Tage mit Milena von Katrin Burseg

„Tage mit Milena“ – Ein Roman über Aktivismus und zivilen Ungehorsam von Katrin Bursig.
Durch das Erscheinen von Luzie wird Annikas Leben komplett auf den Kopf gestellt. Luzie ist eine Klimaaktivistin von „der letzten Generation“ und Annika versucht sie von großen Fehlern abzuhalten. Annika selber war in den 1980er Jahren Hausbesetzerin und musste stark traumatisierende Erlebnisse durchmachen.

Das Thema des zivilen Ungehorsams finde ich sehr gut aufgearbeitet. Es werden die Frustration über den Staat als auch die Gefahren umfassend aufgezeigt. Dies ist ziemlich geschickt in die Geschichte eingesponnen, sodass es nicht störend auffällt. Aber nicht nur Klimaschutz und der Aktivismus sind große Themen – auch die Beziehung zwischen Matti und Annika steht im Vordergrund. Bei einigen Punkten habe ich mir gewünscht, dass ich mehr Informationen bekommen würde, aber im großen Ganzen war auch das ansprechend aufgearbeitet.
Die Charaktere habe ich gerade schon erwähnt, aber ich will noch dazu sagen, dass ich mir insbesondere bei Luzie mehr Hintergrundinformationen gewünscht habe. Zwar gehört es in gewisser Weise zu ihrem Charakter nicht viel herzugeben, aber es bleiben für mich einige Fragen offen. Das ist schade, da ich glaube, dass ich mich eigentlich ziemlich gut mit Luzie identifizieren kann. Die meisten Informationen hat man aus den Chatverläufen, die unregelmäßig erscheinen. Annika, Matti und Milena waren meines Erachtens weiter ausformuliert.
Zum Schreibstil will ich sagen, dass er mir meistens etwas zu sachlich war. Es gab ziemlich wenig emotionale Stellen, was ich etwas schade finde.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass „Tage mit Milena“ ein Roman ist, der auf jeden Fall zum Nachdenken anregt und auch viele Informationen zu den Geschehnissen der Hausbesetzerszene der 1980er Jahre gibt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken

Verwirrende Parallelwelten

Antichristie von Mithu Sanyal

In dem Roman „Antichristie“ von Mithu Sanyal gelangt die deutsch-indische Protagonistin Durga in eine Parallelwelt, die in 1906 spielt. Dort erlebt sie die Perspektive der indischen Widerstandsbewegung, die Gewalt nicht ausschließt. Neben Savarkar spielen auch Ghandi, Sherlock Holmes und weitere Aktionäre mit.

In der „Realität“ schreibt Durga ein Drehbuch für eine antirassistische Neuverfilmung traditionell britischer Romane.
Das Cover fand ich auf den ersten Blick schon sehr interessant. Ich fragte mich, was der Tiger mit der Queen zu tun hat. Darauf wird dann auch im Roman eingegangen, weswegen mich die Gestaltung sehr abholt.
Ich muss sagen, dass mich das Konzept nicht wirklich abgeholt hat. Ich empfand die Sprünge zwischen Realität und Parallelwelt immer als sehr verwirrend. Ich mochte die Erzählweise während der 1906-Abschnitte lieber und konnte mich dort besser hineinfühlen. Außerdem habe ich nach dem Buch das Gefühl, die Hauptbotschaft gar nicht verstanden zu haben.
Jedoch finde ich den Schreibstil sehr flüssig und humorvoll. Durch die Länge des Romanes muss ich jedoch auch anmerken, dass ich mich durch manche Abschnitte durchkämpfen musste. Besonders anstrengend fand ich die Teile, in denen es sehr viele Zeitsprünge gab.
Auch einige Charaktere waren nicht wirklich ausformuliert. Natürlich gibt es die Protagonisten, mit denen man nach einer Weile auch mitfühlen kann, jedoch gibt es so viele Nebencharaktere, dass ich auch zum Schluss immer nachschauen musste, wer genau das ist. Bei vielen Nebencharakteren, wie Rosa Luxemburg oder Karl Marx, zum Beispiel, wusste ich nicht genau, was der Zweck für die Einbringung derer gibt. Manchmal wirkte das alles sehr zufällig und Verwirrend.

Schlussendlich will ich noch erwähnen, dass es ein toller Roman über die Aufarbeitung der Britischen Kolonialisierung ist, aber eine Menge Vorwissen benötigt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken

Zwischen Verleugnung und Angstzuständen

Das Comeback von Ella Berman

Nach jahrelangem sexuellem und emotionalem Missbrauch durch Graces engste Bezugsperson erleidet sie einen Zusammenbruch. Sie verschwindet für ein Jahr und kommt dann in die Stadt zurück, wo alles passiert ist. Wird sie es schaffen, aus der Opferrolle herauszukommen und für Gerechtigkeit zu kämpfen?
Das Cover spricht mich an.

Auf den ersten Blick zeigt es den Glamour und die schönen Seiten Hollywoods, was ein sehr starker Kontrast zu dem Beschriebenen zeigt. Jedoch geht es auch darum hinter die Fassade zu blicken, also passt es sehr gut.
Das Thema finde ich sehr spannend und unbedingt diskutier würdig. Die ganze #MeToo-Bewegung verdient ihre Aufmerksamkeit. Mir gefällt an der Umsetzung, dass es nicht sehr viele Nebenstränge gibt. Die Handlungsabfolge ist klar, spannend und nicht verwirrend. Auch die Drogenabhängigkeit wurde meines Erachtens ausreichend aufgearbeitet.
Zu dem Schreibstil: ich finde ihn toll! Er ist wirklich sehr flüssig und ich bin überrascht, dass es wirklich der Debütroman von Ella Berman ist. Der Spannungsaufbau ist auch sehr gut in der Sprache inkludiert. An manchen Momenten habe ich wirklich laut „was?“ oder „nein“ gesagt. Auch Humor hat der Roman nicht zu wenig, ich habe sowohl gelacht als auch geweint.
Nun zu den Figuren: Mit Grace konnte ich mich zwar nicht richtig reinfühlen, da sie schlussendlich eine ganz andere Entwicklung hinter sich hat. Trotzdem habe ich viele Situationen mitgefühlt, da sie auch eine junge Frau ist. Mir gefällt Graces Entwicklung sehr gut. Die anderen Figuren finde ich auch authentisch.

Schlussendlich will ich zusammenfassen, dass der Roman sehr viele wichtige Themen der #MeToo-Debatte aufgreift und ich diesen Roman jeden und jeder empfehlen würde.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Cxicken