Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Nele33:
sehr gut
Nicht tot zu sein, ist noch kein Leben von Lou Bihl
Mit "Nicht tot zu sein, ist noch kein Leben" hat die Autorin und Medizinerin Lou Bihl in meinen Augen ein sehr wichtiges Buch geschrieben.
Wie lebt es sich mit einer finalen Diagnose? Diese Thematik hat sie in die Geschichte der beiden Freundinnen Marlene und Helena beschrieben. Sie kennen sich seit dem Studium, verlieren sich nie aus den Augen, auch wenn Marlene nach San Francisco gezogen ist.
Da beschränkt sich der Kontakt dann allerdings eher auf Feiertage. Nach einem Schicksalsschlag kommt Marlene zurück nach Deutschland und der Kontakt intensiviert sich wieder. Nachdem Marlene die Diagnose Brustkrebs erhalten hat, ändert sich das Leben Freundinnen fundamental.
Die Themen Leben und Sterben, besonders die Selbstbestimmung zum Ende des Lebens nimmt plötzlich viel Raum ein. Was für Marlene eine Erleichterung darstellt, macht Helena als Palliativmedizinerin eher Unbehagen und Angst.
Die Debatte um assistierten Selbstmord ist in Deutschland leider nicht wirklich zu Ende geführt und macht mir persönlich Bauchschmerzen, auch wenn ich Mitglied bei der DGHS geworden bin.
Die Autorin beleuchtet in Romanform ein wichtiges Thema und hat für mich auch sehr gut recherchiert. Prima finde ich das Glossar mit den medizinischen Fachbegriffen für Laien.
Ein nachdenklich, aber ebenso mutmachender Roman.
Erwartungen erfüllt
Todesstimme von Elias Haller
"Todesstimme" des Autors Elias Haller ist der zweite Band um die Ermittler Tara Kromberg und Gabriel Schneider. Ich liebe die Thriller von Elias Haller und habe bisher alle Reihen von ihm regelrecht verschlungen.
Nach dem ersten Band war ich sehr gespannt auf die Fortsetzung.
Tara Kromberg und Gabriel Schneider bekommen es diesmal mit mysteriösen Selbstmorden und einem verstörenden Podcast zu tun.
Eine 16-jährige Schülerin wird tot in einem leerstehenden Fabrikgebäude aufgefunden. Auf den ersten Blick deutet alles auf Selbstmord hin, untermauert wird diese These durch kryptischen Text an der Wand. Bei weiteren Recherchen und Selbstmorden stoßen die beiden Ermittler des Sonderdezernats Signalrot jedoch auf einen Podcast "Totgeburt", dessen Betreiber sich Kadaver nennt und nicht aufzufinden ist. Es scheint, als würde er suizidgefährdete Menschen gezielt in den Selbstmord treiben. Bringt sich doch der jeweilige Interviewpartner kurz nach dem Interview mit Kadaver um.
Einzig bemängeln würde ich bei diesem Band die Ausschweifungen zur Außendiensttauglichkeit von Gabriel, auch wenn sich dies im Laufe des Buches dann doch noch einmal erklärt. Aber damit ist diese Baustelle dann hoffentlich abgeschlossen.
Es gibt zum Ende hin eine gute Auflösung und der Spannungsbogen hat mir gut gefallen. Nach den Andeutungen zu neuen Möglichkeiten in weiteren Fällen freue ich mich schon auf weitere Bände mit dem Team.
gute Recherche
Protokoll eines Verschwindens von Alexander Rupflin
"Protokoll eines Verschwindens" ist das Debüt des Autors Alexander Ruplin. Ich bin ein großer Fan von True Crime und fand die Leseprobe zu dem Buch sehr interessant.
Gabriel, ein Brasilianer, ist nach seinem Umzug in Hamburg angekommen. Nachdem er eine Weile bei seiner Schwester Isabella, einer Kardiologin, gelebt hat, freut er sich, dass er nun einen festen Job, eine Wohnung und anscheinend auch eine neue Liebe gefunden hat.
Doch auf einmal verschwindet Gabriel, obwohl er doch mit seiner Schwester zum 60. Geburtstag seiner Mutter Manuela nach Rio fliegen wollte. Das Flugticket war bereits gebucht. Als Isabella ihren Bruder vermisst meldet, reagiert die Polizei nicht: Schließlich sei Gabriel erwachsen.
Auf der anderen Seite ist da Fabio, ein italienischer Pfleger, der versucht sein homosexuelles Leben auf die Reihe zu bekommen.
Alexander Rupflin hat einen distanzierten, aber dennoch detaillierten Schreibstil, der mir die Situation, in der sich die beteiligten Personen befanden, sehr nahe gebracht hat. Die Recherche war anscheinend sehr gut und ausführlich. Besonders die unterschiedlichen Aussagen, die Fabio tätigt, die Unsicherheit und Zweifel des Erzählers haben mich berührt.
Ich habe schon viele True-Crime-Romane gelesen und kann diesen hier aufgrund des doch anderen Aufbaus nur empfehlen.
ungewöhnlich
Die Ausweichschule von Kaleb Erdmann
Im Jahr 2002 erschütterte der Amoklauf am Erfurter Gutenberg Gymnasium das ganze Land. Der Autor Kaleb Erdmann lässt seinen Erzähler, der damals 11-jährig die Schule besuchte und evakuiert wurde, seine Eindrücke, Gefühle und die daraus resultierenden Auswirkungen auf sein weiteres Leben verarbeiten.
Der Schreibstil war zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, konnte mich aber im Verlauf immer mehr in seinen Bann ziehen. Die geschaffene Metaebene in der Geschichte ließ mich ganz nah am Geschehen und den Gedanken sein, sodass ich teilweise das Gefühl hatte als Beobachter neben dem Autor zu stehen. Besonders als er damit began seine Erinnerungen zuzulassen, dass nicht aufgefangen werden nach dieser unbegreiflichen Tat. Zu dieser Zeit gab es genau eine ausgebildete Traumatherapeutin und so gut wie keine geschulten Polizisten, die die betroffenen Schüler in den Wochen nach dem Attentat verhörten. Dies führte in der logischen Konsequenz zu erneuten Traumatisierungen.
Mich hat die Gestaltung durch den Autor, der tatsächlich zu dieser Zeit das Gutenberg Gymnasium besuchte und Teil des Ganzen war, sehr bewegt.
Ich empfehle das Buch uneingeschränkt weiter.
komplex und spannend
Chromosom von Karsten Lehmann
Nach einem etwas schleppenden Einstieg in die Geschichte hat mich " Chromosom: Das verschlüsselte Paradies" in seinen Bann gezogen.
Es war für mich nicht das erste Buch des Autors Karsten Lehmann und die Komplexität, mit dem hier gesellschaftliches, mit Wissenschaft, Medizin und Ethik verknüpft wird.
Durch die lebendige Schreibweise hatte ich das Gefühl ganz nah am Geschehen zu sein und mit den Protagonisten mitzufiebern. Das Szenario wirft einen Bild auf die Vergangenheit, die schwierige Gegenwart und eine ungewisse Zukunft.
Die gesellschaftlichen Spaltungen, der Umgang miteinander werden in einen geschichtlichen Kontext, der sehr lesenswert ist, gesetzt.
Es handelt sich um ein abgeschlossenes Buch, auch wenn einige der Personen schon in vorangegangenen Büchern des Autors in Erscheinung getreten sind.
Ein schwieriges Thema, sehr komplex, dabei aber von Anfang bis Ende spannend erzählt.
perfekt
Die Unbußfertigen von Elina Penner
Ich hatte das Vergnügen "Die Unbußfertigen" der Autorin Elina Penner als Hörbuch genießen zu dürfen. Perfekt eingelesen von der Sprecherin Jana Kozewa. Die Betonung der Sprecherin ist wunderbar auf die einzelnen Protagonisten abgestimmt.
Ich hatte im Vorfeld ein Interview der Autorin gelesen, in dem mich diese 2 Zitate sehr neugierig auf das Buch gemacht haben:
"Während des Schreibens passte sich die Realität gespenstisch meiner Geschichte an.
"
"Social Media hat zu viel normalisiert, ich wünschte Menschen würden sich mal ab und zu wieder schämen-für das eigene Verhalten, wohlgemerkt."
Das Setting zu dem Roman war für mich ungewohnt, die Idee dahinter allerdings genial. Eine App (heimelig?) lädt 10 unterschiedliche Personen, die alle in Social Media zu Hause sind, dies aber auf unterschiedliche Weise für sich nutzen. Die Aufregung bei den Eingeladenen ist groß, erwarten sie doch ein tolles und geheimes Event. Kurz nach der Anreise in das pompöse Herrenhaus, in dem es keinen Empfang gibt, werden sie mit einem für sie vorsintflutlichen Medium, einer Kassette auf das Wochenende eingestimmt. Es werden von allen Anwesenden die tiefsten und dunkelsten Geheimnisse offenbart. Die App weiß alles. Social Media ist jetzt nicht mein gewohntes Umfeld, darum waren mir manche Begriffe und Gedanken etwas fremd. Die Autorin hat so viele unterschiedliche und dabei alle gleich wichtige Themen in dieses Buch gepackt, sodass mir manchmal der Kopf, allerdings auf angenehme Weise, regelrecht schwirrte.
Als Fan der "Trueman Show" konnte mich das Buch in jeder Hinsicht überzeugen, alles konsequent auf unsere Gegenwart weitergedacht und mit ausreichend Satire-Elementen gemischt.
Hier gebe ich gerne eine Leseempfehlung für interessante Lebensstunden.
gewohnte Spannung
Dunkler Sog von Leo Born
Mit "Dunkler Sog" ist der mittlerweile 10. Band um die Ermittlerin Mara Billinski, genannt die Krähe des Autors Leo Born erschienen.
Seit dem ersten Band bin ich Fan von Mara, die aus dem Pool der Ermittlerinnen positiv hervorsticht. Dies nicht nur, weil sie eine beeindruckende Aufklärungsquote hat, sondern eher wegen ihrer unkonventionellen Einstellung zum Leben und der Arbeit.
Sie passt sich nicht an, macht regelrecht ihr eigenes Ding nach ihrem eigenen Kopf. Gerade das macht diese Figur so äußerst spannend und in diesem neuen Fall leider auch unberechenbar.
In einem Frankfurter Altenheim wird ein ehemaliger Arzt gefoltert und anschließend mit Colchicin vergiftet und muss einen qualvollen Tod erleiden. Mara, die noch nicht wieder ganz in der Spur ist, nachdem ihr Partner Jan Rosen das Dezernat gewechselt, übernimmt den Fall dennoch. Unterstützt wird sie von ihrem neuen Kollegen Tobias Cromberg, der sich mit allen Mitteln beweisen will. Kenner der Reihe, ahnen wahrscheinlich schon, wohin dieser falsche Ehrgeiz führen wird. Noch während der Ermittlungen taucht die verstümmelte Leiche einer Journalistin auf und Mara muss ihre Ermittlungen bis in den Schwarzwald ausdehnen, um den Täter zu fassen. Das Geheimnis liegt wie so oft in der Vergangenheit. Als Cromberg in die Fänge des Täters gerät, wird Mara vom Fall abgezogen und hat einmal mehr mit ihrer eigenen Art zu kämpfen.
Leo Born hat es wieder geschafft, mich mit "Dunkler Sog" von der ersten Seite an zu fesseln. Mara als Figur bleibt für mich auch nach diesem Band einzigartig, auch wenn ich sie ob ihres Verhaltens manches Mal gerne schütteln würde.
Es gibt einige Überraschungen und ein stimmiges spannendes Ende.
Ich hoffe auf weitere 10 Bände des Autors mit spannenden Fällen.
harte, sehr gute Kost
Haus zur Sonne von Thomas Melle
Das Buch "Haus zur Sonne" des Autors Thomas Melle habe ich, als Hörbuch eingelesen von Jens Harzer, gehört.
Erzählt wird in der Ich-Perspektive, was den Protagonisten für mich sehr nahbar und authentisch machte. Nach dem Erfolg seines Buches "Die Welt im Rücken" knüpft die vorliegende Erzählung kompromisslos an.
Er schildert seine bipolare Störung so nachvollziehbar, dass es mir teilweise den Boden unter den Füßen wegzog und ich eine Pause benötigte. Als dem Protagonisten nach einer langen manischen Phase nichts mehr bleibt, außer der tiefe Depression, die ihn nur noch zur Beendigung seines Lebens drängt, scheint durch einen Flyer des "Haus zur Sonne" sein Wunsch in greifbare Nähe zu rücken. Eine staatliche Einrichtung für suizidale Menschen, denen dort letzte Wünsche einschließlich des Abschiedes vom Leben möglich gemacht werden sollen,
Zusätzlich zum Wunschessen gibt es Wellness-Behandlungen, doch in erster Linie arbeitet das "Haus zur Sonne" mit virtuellen Simulationen, in denen einfach alles möglich ist. Erinnerungen wieder zu erleben, sogar seinen eigenen Todeswunsch inkl. Todesart hautnah zu erfahren. Der namenlose Protagonist analysiert dort sein Leben, von dem ihm die Krankheit das meiste gestohlen hat und denkt an die vielen Menschen, einst Wegbegleiter und nun auch verloren. Mit jedem Satz und Gedanken wird die Scham, die Reue, aber auch die Verletzlichkeit und Verlorenheit, verursacht durch eine Krankheit, überdeutlich und eindringlich transportiert.
Der Sprecher unterstützt durch seinen sehr guten Lesefluss die qualvollen Gedanken außerordentlich gut.
Dieses Buch ist zu Recht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und ich wünsche dem Autor, dass er ihn diesmal bekommt.
überzeugt
Lügennebel von Viveca Sten
Mit Spannung habe ich den neuen Band um die Ermittlerin Hanna Ahlander der Autorin Viveca Sten erwartet.
In Lügennebel geht es um eine Gruppe Studenten, die sich ein paar schöne Tage mit Skifahren im beliebten Skiort Åre machen wollen. Sie sind im Ferienhaus von Wille`s Eltern, der auch gleichzeitig wie der Anführer der Clique wirkt.
Sie genießen den Luxus und lassen es ziemlich krachen und der Alkohol fließt in Strömen. Fanny, die beste Freundin von Olivia ist ziemlich von Amir angetan und scheinbar kommt sie ihrem Ziel, Amir für sich zu gewinnen an dem Alkohol- und Drogen getränktem Abend näher.
Am nächsten Morgen folgt jedoch ein grausames Erwachen für die Gruppe:
Fanny liegt tot im Schnee.
Hanna, die Urlaub hat, um mit ihrer neuen Liebe ihren Geburtstag zu feiern, geht nicht von einem Unfall aus und bricht ihren Urlaub ab.
Die nun einsetzenden Ermittlungen von Hanna und Daniel werden durch die fehlende Mitwirkung der Gruppe und Beschuldigungen erschwert.
Mich hat der vierte Band um die Åre Morde mehr als der letzte Band überzeugt, da die Ermittlungen mehr im Mittelpunkt standen und die Privatsituationen von Daniel, Hanna und Anton nicht zu viel Raum einnahmen.
Die Autorin versteht es einen guten Spannungsbogen aufzubauen und diesen bis zum Schluss aufrechtzuerhalten und sogar noch zu steigern.
Nun freue ich mich schon auf den nächsten Band um das Ermittlerteam.











