Kunden em pfehlungen
Rezensionen von froschman:
Ruhiger, aber spannender Krimi
Finster von Ivar Leon Menger
In Katzenbrunn, einem kleinen Dorf im Odenwald, verschwindet vom Jahrmarkt ein Dreizehnjähriger spurlos. Und er ist nicht der erste Junge, der hier vermisst wird. Kriminalkommissar a.D. Hans J. Stahl beginnt im Ruhestand zu recherchieren, hatte er ja seinen letzten Fall hier in Odenwald nicht lösen können, es sind auch noch ältere Fälle aufgetaucht.
Seine Nachforschungen führen ihn zurück in dieses Dorf, das vor allem durch seine Psychiatrische Klinik auf dem einen Ortsende und der Trinkerheilanstalt auf dem anderen bekannt ist. Gemeinsam mit der Wirtin Geli, bei der er Unterkunft genommen hat, stößt er auf diverse verstörende Geheimnisse, vor allem rund um die psychiatrische Klinik. Und da verschwindet ein weiterer Junge!
Die Handlung spielt im Jahr 1986, unmittelbar nach den Ereignissen um das Kernkraftwerk Tschernobyl. Zahlreiche zum Teil recht eigenwillige Personen des kleinen Dorfes spielen eine wichtige Rolle, fast könnte man meinen, jeder könnte der Täter sein. Die kurzen Kapitel, jeweils aus der Sicht der gerade wichtigen Person, und der flüssige Schreibstil erleichtern das Lesen. Insgesamt ein spannender Krimi, Als Thriller würde ich ihn jedoch nicht bezeichnen.
Morde an der Zonengrenze
Glutmoor von Lars Engels
Die beiden Kommissare Janosch Janssen und seine Schwiegermutter Diane Quester werden zu einem grausamen Mehrfachmord geholt – eine ganze Familie wurde brutal hingerichtet. Einzig die Tochter überlebte, da sie an diesem Tag im Krankenhaus Nachtdienst hatte. Sie war es auch, die ihre toten Angehörigen gefunden hatte.
Da in der gleichen Nacht in der Nähe eine Gedenkstätte für Grenztote beschmiert und beschädigt wurde, stellt sich die Frage, ob die beiden Taten etwas miteinander zu tun haben.
Mit Glutmoor hat Lars Engels einen atmosphärischen Krimi geschrieben, der trotz der zahlreichen Toten gleich zu Beginn nicht blutrünstig weiterging, aber trotzdem einen ständigen Spannungsbogen aufweist. Durch die wechselnde Erzählweise und dank einiger zum Teil überraschenden Wendungen bleibt das Buch bis zum Schluss spannend, auch die privaten Verwicklungen der beiden Ermittler tragen zum Lesevergnügen bei.
Feinfühlig bis brutal
Yoko von Bernhard Aichner
Nach dem frühen Tod ihrer Mutter wurde Yoko von ihrem Vater aufgezogen und erlernte bei ihm das Metzger-Handwerk von der Pike auf. Nach dem Tod ihres Vaters führt sie den Betrieb noch einige Jahre weiter, bis sie keine Tiere mehr schlachten wollte und gründete in den Räumen der Metzgerei eine Glückskekse-Fabrik.
Die Glücksbringer verkaufte sie an nahegelegene Chinarestaurants. Bei einem dieser Restaurants wurde sie Zeugin, als ein kleiner Hund zu Tode geprügelt wurde und mischte sich ein. Und hier beginnt Yokos Albtraum. Sie wird von den Übeltätern entführt und misshandelt. Noch ahnt Yoko jedoch nicht, mit wem sie sich da eingelassen hat, beginnt ihren Rachefeldzug, wird zu einer wahren Bestie, schlägt erbarmungslos zurück – nicht ahnend, dass sie dabei das Leben ihrer Liebsten in Gefahr bringt.
Bernhard Aichner hat mit diesem Buch wieder einmal den Beweis einer Meisterleistung erbracht, eine intensive Stimmung erzeugt. Von Anfang an spannend kann man das Buch nicht aus der Hand legen. Man möchte Yoko immer wieder an der Hand nehmen, um sie vor manchen Taten abzuhalten. Yoko wird als liebenswürdig bis rachsüchtig und erbarmungslos beschrieben, aber sie hat meine Sympathie.
Man kann sich jedenfalls schon auf den nächsten Band mit dem Titel John freuen, er soll im Juni 2025 erscheinen.
Bozen-Thriller
In Zeiten des Todes von Luca D'Andrea
Der neue Commissario Luther Krupp übernimmt gemeinsam mit der Streifenpolizistin Arianna Lici die Ermittlungen an dem Mord einer jungen drogensüchtigen Prostituierten, die in einer kalten Winternacht auf einem Parkplatz am Stadtrand von Bozen gefunden wurde. Sie wurde mit zahlreichen Messerstichen und einem Halsschnitt regelrecht hingerichtet.
Krupp ist noch relativ neu und will sich nicht an die Gepflogenheiten seiner Chefs und Kollegen halten, die den Fall gleich zu den Akten legen wollte, da die Tote sowieso nur Müll sei.
Bald wird Krupp und Lici jedoch klar, dass sie einem Serienmörder auf der Spur sein könnten, es gibt nämlich ähnliche Fälle, die ebenfalls abgelegt wurden und eine weitere Tote Prostituierte. Sie sind allerdings nicht allein, denn ein engagierter junger Reporter einer Stadtzeitung hat die gleichen Überlegungen angestellt. Da sie bei ihren Recherchen auf große Ungereimtheiten innerhalb der ermittelnden Behörden stoßen, begeben sie sich selbst auch in Gefahr.
Luca D’Andrea hat mit diesem nach einem wahren Kriminalfall geschriebenen Thriller sehr deutlich gemacht, was passieren kann, wenn ganze Einheiten der Exekutive an einem Strang ziehen, um die eigenen Interessen bzw. Verfehlungen zu schützen. Störend waren die vielen Wiederholungen, die zum Teil mantramäßig, teilweise sogar absatzweise, niedergeschrieben wurden. Die Gegend um Bozen herum wurde detailliert beschrieben, man bekommt Lust auf einen Besuch. Die kurzen Kapitel erweisen sich leserfreundlich, das Gewicht des Buches mit seinen 724 Seiten ist jedoch schwerwiegend.
Ein ungewöhnlicher Junge
Darwyne von Colin Niel
Der zehnjährige Darwyne lebt mit seiner Mutter Yolanda in einem Slum am Rand einer Stadt in Französisch-Guayana im Amazonasgebiet. Er war von klein auf anders als die anderen Kinder, musste etliche Operationen über sich ergehen lassen, damit seine Füße normal waren. Er wollte von seiner Mutter so geliebt werden, wie seine ältere Schwester Ladymia.
Und er hatte Stiefväter, derzeit die Nummer acht. Yolanda ist schön und klug, die Stiefväter dagegen meistens gewalttätig und daher nicht allzu lange bei ihr und kehrten nie wieder zurück. Aber Darwyne hat eine besondere Beziehung zur Natur, konnte mit den Tieren kommunizieren, er war also wirklich anders. Yolanda tut alles, damit Darwyne in der Schule mitkommt, macht mit ihm die Hausaufgaben, allerdings mit Druck der Messerspitze auf Darwynes Schulter, sie hält Darwyne für ein Monster, ein kleines Opossum. Die Sozialarbeiterin Mathurine soll sich nach einer anonymen Anzeige um ihn kümmern und erkennt Darwynes besondere Beziehung zur Natur. Sie nimmt ihn mit anderen Sozialfällen mit auf ein Wochenende in der Natur. Hier keimt in ihr der Verdacht auf, dass Darwyne etwas mit dem Verschwinden der Stiefväter zu tun haben könnte.
Colin Niel schildert die verzweifelten Versuche Darwynes, aus seiner Not zu finden, auch mit Hilfe der lokalen Mythologie mit den Waldwesen Maskilili und Curupira. Die unheimlichen Geräusche des Dschungels werden deutlich hörbar. Die Sozialarbeiterin Mathurine war die einzige Person, die Darwyne verstand, trotz ihrer privaten Probleme
Für mich war das eigentlich kein Thriller, sondern ein Buch mit fantastischen Einflüssen, aber mit einer starken Botschaft.
Die Vergangenheit holt dich ein
Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi von Maarten Vermeer
Nach einem missglückten Einsatz wird Liv de Vries, Hoofdinspecteur der Landespolizei, nach Zeeland versetzt, um die Ermittlungen in einem Vermisstenfall aufzunehmen. Da die einstweilige Versetzung von ihrem Freund kommt, nimmt sie diese Aufgabe an, obwohl es normalerweise nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt.
Gemeinsam mit ihrer neuen Kollegin Noemi Boogard kommt sie darauf, dass es vielleicht einen Zusammenhang mit einem Jahre zurückliegenden Fall geben könnte, bei dem Esmée, ein Mädchen mit surinamischen Wurzeln verschwunden ist. Der jetzt Gesuchte war in diesen Fall verwickelt, kam durch de Vries Chef in ein Zeugenschutzprogramm und ist seither mit einer neuen Identität untergetaucht. Doch anscheinend hat ihn die Vergangenheit eingeholt, da auch rechtsradikale Gruppierungen sind auf der Suche nach ihm sind.
Vermeer hat in flüssiger Schreibweise einen Spannungsbogen mit dem rätselhaften Verschwinden sehr gut aufgebaut und durch die ereignisreichen Ermittlungen auf einem hohen Niveau gehalten. Der Krimi entwickelt sich zu einer recht komplexen Geschichte, in die auch niederländische Rechtspopulisten eingebunden sind und mit einem fulminanten Finale endet. Die dramatische Auflösung lässt auf eine Fortsetzung hoffen.







