Kunden em pfehlungen
Rezensionen von froschman:
Antiquierter britischer Krimi
Mord in der Charing Cross Road von Henrietta Hamilton
In einer alteingesessenen antiquarischen Buchhandlung in der für Buchhandlungen bekannten Charing Cross Road in London wird der unbeliebte Victor Butcher, der etliche Mitarbeiter mobbte, erstochen an seinem Schreibtisch aufgefunden. Der Verdacht richtet sich automatisch auf die Belegschaft. Als Tim, der Neffe des Buchhändlers, in den Fokus der Ermittlungen gerät, beginnen der Juniorchef Johnny Heldar und die Buchhändlerin Sally Merton auf eigene Faust zu ermitteln.
Zahlreiche mysteriöse Vorgänge, auch in der Vergangenheit, als das Gebäude noch einen Pub beherbergte und in Butchers jetzigem Büro einige Leute ermordet wurden, Geisterscheinungen sowie verschwundene alte Bücher, auch in den anliegenden Buchhandlungen laden zum Miträtseln ein. Zwischen dem Juniorpartner Johnny und Sally bahnt sich eine Romanze an und gemeinsam gelingt es ihnen, den wahren Täter zu überführen.
Dieses Buch, im Original veröffentlicht im Jahr 1956, weist allein auf dieser Tatsache auf eine antiquierte Sprache hin, die nicht jedermanns Sache ist. Für Nostalgiker ein gut gelungener britischer Krimi und Auftakt einer neuen Krimireihe
Japanische Geheimnisse
Invictum von Danielle Trussoni
Nach einem Unfall leidet Mike Brink am Savant-Syndrom, einem Phänomen, dass er in Sekundenschnelle die schwersten Rätsel auflösen lässt. Dies hat der japanische Kaiser Naruhito zum Anlass genommen, Mike nach Japan einzuladen, damit er das Geheimnis der sagenumwobene Drachenschatulle im Rahmen eines Wettbewerbes löst.
Dieser findet nur alle 12 Jahre im Jahr des Drachens statt. Alle bisherigen Versuche scheiterten, die beteiligten Personen sind allesamt gestorben! Die kunstvoll gefertigte Holzbox kann nur durch das Lösen von zahlreichen Rätseln geöffnet werden, doch jedes Rätsel könnte tödlich enden, wenn man falsch denkt!
Nach dem großen Erfolg des Thrillers Ingenium hat Danielle Trussoni den zweiten Teil ihrer Thriller-Reihe mit dem genialen Rätsellöser Mike Brink vorgelegt. Diesmal ist Japan, in dem Trussoni einige Jahre verbrachte, Mittelpunkt des Geschehens. Man erfährt vieles über die Geschichte Japans und ihre sagenumwobene Kultur. Im Stile eines Indiana Jones muss Mike die ihm gestellten Rätsel lösen, wohl wissend, dass jedes sein letztes sein könnte. Das Vorgängerbuch muss man nicht gelesen haben, um Invictum zu verstehen, es werden alle wichtigen Zusammenhänge kurz angerissen. Ein gut gelungener, spannender Thriller.
Italienische Verhältnisse
All das Böse, das wir tun von Sandrone Dazieri
Die Anwältin Francesca Cavalcante hat vor dreißig Jahren vergeblich Contini, genannt „der Perser“, verteidigt, der zu Unrecht des Mordes an drei Mädchen verurteilt wurde. Der unschuldige Contini stirbt im Gefängnis. Die korrupte Polizistin Itala Caruso, die damals Contini verhaftet hat, leidet seitdem daran, da sie sicher ist, dass der falsche verurteilt wurde.
Nach dreißig Jahren verschwindet Amala, die Nichte Cavalcantes, spurlos. Ob die beiden Fälle zusammenhängen, weiß man nicht. Cavalcante macht sich auf die Suche nach Amala und erhält dabei Unterstützung von Gerry, ein ehemaliger israelischer Soldat, der sie ebenfalls sucht. Auch Caruso will ihr Gewissen beruhigen, indem auch sie sich an der Suche beteiligt, allerdings behindern sich die verschiedenen Personen gegenseitig, sind sich allerdings einig, dass es sich jetzt um den Perser handelt.
Dazieri hat einen Thriller mit zu vielen beteiligten Personen geschrieben sowie Zeitsprünge zwischen den beiden Handlungssträngen, die es teilweise schwierig machen, sich richtig zu orientieren. Die beschriebene Korruption, die anscheinend bei den italienischen Staatsorganen üblich ist oder war, hat mich erschüttert. Zahlreiche Wendungen haben mich aber überzeugt, es ist trotz anfänglicher Probleme ein guter Thriller geworden.
Einblicke in die Rechtsmedizin
Mit kaltem Kalkül von Michael Tsokos
Im Berliner Stadtteil Neukölln verschwindet der achtjährige Yasser spurlos. Zur gleichen Zeit findet man zwei ältere in Samt gekleidete Personen, die in einem Wald auf einem Gestell aufgehängt wurden. Folierte Wegweiser, die erst kürzlich montiert wurden, führten zu den Toten. Die Spezialeinheit für Extremdelikte mit Dr.
Sabine Yao untersucht diese beiden Fälle. Aber nicht nur Dr. Yao, sondern auch der ehemalige jordanische Geheimdienstler Khalef, den die Mutter von Yasser beauftragt hatte, ist auf der Suche nach dem Jungen. In einer nahegelegenen illegale Bauwagensiedlung wird ein Mann tot aufgefunden, im Bauwagen befanden zahlreiche Kinderspielzeuge. Yao, die Ermittlerin der Mordkommission Monica Monte und auch Khalef kommen bei den Untersuchungen darauf, dass Yasser nicht das erste verschwundene Kind aus Neukölln ist.
Tsokos schreibt in kurzen Kapiteln, die aus verschiedenen Perspektiven gesehen sind, auch aus der Sicht des achtjährigen Jungen. Diese Sichtwechsel steigern die Spannung bis zum großen Finale. Die detailreiche Beschreibung der Obduktionen ist nichts für schwache Nerven. Die Wiederholungen der Eigenschaften einiger Charaktere wie „der ehemalige jordanische Geheimdienstler“, die „italienischstämmige Ermittlerin“ sind überflüssig. Aber diesem Manko zum Trotz ist es wieder einmal ein sehr gelungener Thriller.
Inselyoga
Still ist die Nacht von Sandra Åslund
Die Kriminalinspektorin Maya Topelius nimmt sich nach einer schwierigen Phase, sowohl privat als auch dienstlich, eine Auszeit und nimmt an einem Yoga-Urlaub ihrer Freundin Emely auf Svartlöga, einer abgelegenen Schäreninsel östlich von Stockholm, teil. Als sie die Teilnehmerliste sieht, wird ihr unwohl, ihr Exfreund Jonas nimmt auch an diesem Retreat rund um die Sommersonnenwende teil.
Die ganze Insel ist auf den Beinen und es wird um die Mittsommerstange getanzt. Allerdings sind nicht alle Inselbewohner, die sich hauptsächlich nur im Sommer auf der Insel aufhalten, von dem Yogaretreat angetan, sie fürchten um die Idylle des Eilandes.
Am nächsten Morgen wird Carl Wallensteen, einer der Bewohner, tot im Schilf aufgefunden. Maya ist jedoch inkognito hier und will das auch so weiterbehalten, sodass sie ihre Kollegen vom Festland zu Hilfe rufen muss. Das Wetter verschlechtert sich, sodass keine Fähre mehr ablegen kann und alle auf der Insel bleiben müssen, auch der Täter! Maya beginnt verdeckt zu ermitteln und taucht mehr und mehr in das Inselleben ein, die Idylle ist trügerisch.
Sandra Åslunds neues Buch ist ihr wieder gelungen. Gut ausgearbeitete Charaktere, leicht zu lesende Schreibweise und bildhafte Inselbeschreibungen. Die Yoga-Anteile sind etwas zu ausführlich, was aber dem Urlaubsziel entsprechend war. Am Anfang allerdings etwas langatmig steigerte sich die Spannung jedoch bis zum Schluss und einem unerwarteten Ende.
Von der Vergangenheit eingeholt
Blutbuße von Viveca Sten
Hanna Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog werden zu einem Mordfall in der Kleinstadt Åre gerufen. Die Stockholmer Immobilienentwicklerin und Investorin Charlotte Wretlind wird in ihrem Bett einer Hotelsuite brutal erstochen aufgefunden. Sie wollte das seit Jahren stillgelegte Hochgebirgshotel in Storlien, in dem sie viele Jahre mit ihren Eltern geurlaubt hatte, abreißen und ein größeres Luxushotel samt Spa-Bereich errichten.
Aber nicht alle sind von diesem Projekt begeistert. In WhatsApp-Gruppen wurde sie sogar massiv bedroht. Während die Untersuchungen noch laufen, wird eine zweite Frau auf dem Hotelareal ermordet aufgefunden und bringt dadurch das Ermittlerteam in Bedrängnis.
Wie immer versteht es Viveca Sten, einen Spannungsbogen aufzubauen, der bis zum Ende ansteigt. Durch die kurzen Kapitel gelingt es ihr, dass man das Buch kaum aus den Händen legen kann. Leider hat Veveca diesmal sehr viel in der privaten Beziehungskiste gekramt und große Teile des Privatlebens von Hanna und Daniel niedergeschrieben. Dieser Teil ist zu ausführlich und hat ihr diesmal die Bestbewertung genommen!
Niemand ist unverdächtig
Letzte Lügen von Karin Slaughter
GBI-Ermittler Will Trent und seine Lebensgefährten Sara Linton, Gerichtsmedizinerin ebenfalls beim Georgia Bureau of Investigation, haben es endlich geschafft und haben geheiratet. Die Flitterwochen verbringen sie in der abgelegenen Ridgeview Lodge am Beginn des Appalachian Trails. Maximal 12 Personen können gleichzeitig die abgelegenen Hütten buchen.
Beim gemeinsamen Abendessen im luxuriösen Familienbetrieb werden sie Zeugen eines heftigen Streites. Und in der ersten Nacht werden sie akustische Zeugen eines Mordes, eine Frau wird brutal erstochen aufgefunden. Auf einmal sind sie trotz ihrer Flitterwochen wieder in Mordermittlungen. Als dann auch der 16-jährige Sohn der Toten verschwindet, wird es ein Rennen gegen die Zeit, um weitere Opfer zu verhindern.
Dieser Thriller von Karin Slaughter ist wieder einmal richtig gut gelungen. Schon allein die Location in der Einsamkeit der Berge und der Abgeschlossenheit und damit auch das Wissen, dass der Täter unter den Anwesenden zu finden sein muss, macht es richtig spannend. Nach einem etwas langatmigen Beginn steigert sich durch raffinierte Wendungen die Handlung bis zum finalen Ende.
Mord im Porno-Milieu
Wintersonnenwende von Pascal Engman; Johannes Selåker
Kommissar Thomas Wolf, selbst von seinem Trauma in Mitleidenschaft genommen, muss mit seinem Partner Zingo in einem grausamen Mord ermitteln. In der Silvesternacht 1994 wird ein Mann in einem Bordell mit einem Kopfschuss hingerichtet, die Prostituierte Lucy kann nackt in die eiskalte Luft Stockholms entkommen, der Täter ruft ihr jedoch vom Fenster mit ihrem richtigen Namen nach, den eigentlich niemand kennt! Der Fall entwickelt sich zu einem komplexen Fall, in dem Geheimdienste mitwirken.
Die Journalistin Vera Berg, die sowohl in der Arbeit als auch privat mit Problemen zu kämpfen hat, ermittelt ebenfalls, sie hat Thomas in Verdacht, beim Verschwinden seines Bruders eine Rolle zu spielen. Was verbirgt Thomas? Als jedoch ein weiterer Mord geschieht, müssen sich die beiden trotz ihrer Differenzen arrangieren, um das Leben von Lucy zu retten.
Das Duo Engman und Selaker hat wieder ein Buch geschrieben, in dem sich die Spannung bis zum Schluss steigert. In kurzen Kapiteln wechseln die Akteure und Perspektiven. Mit dem Untergang der Estonia-Fähre wurde ein reales Ereignis eingearbeitet. Die sehr brutalen Schilderungen des Geschäfts der Sexarbeiterinnen sind nichts für zartbesaitete Leser!
Ruhiger, aber spannender Krimi
Finster von Ivar Leon Menger
In Katzenbrunn, einem kleinen Dorf im Odenwald, verschwindet vom Jahrmarkt ein Dreizehnjähriger spurlos. Und er ist nicht der erste Junge, der hier vermisst wird. Kriminalkommissar a.D. Hans J. Stahl beginnt im Ruhestand zu recherchieren, hatte er ja seinen letzten Fall hier in Odenwald nicht lösen können, es sind auch noch ältere Fälle aufgetaucht.
Seine Nachforschungen führen ihn zurück in dieses Dorf, das vor allem durch seine Psychiatrische Klinik auf dem einen Ortsende und der Trinkerheilanstalt auf dem anderen bekannt ist. Gemeinsam mit der Wirtin Geli, bei der er Unterkunft genommen hat, stößt er auf diverse verstörende Geheimnisse, vor allem rund um die psychiatrische Klinik. Und da verschwindet ein weiterer Junge!
Die Handlung spielt im Jahr 1986, unmittelbar nach den Ereignissen um das Kernkraftwerk Tschernobyl. Zahlreiche zum Teil recht eigenwillige Personen des kleinen Dorfes spielen eine wichtige Rolle, fast könnte man meinen, jeder könnte der Täter sein. Die kurzen Kapitel, jeweils aus der Sicht der gerade wichtigen Person, und der flüssige Schreibstil erleichtern das Lesen. Insgesamt ein spannender Krimi, Als Thriller würde ich ihn jedoch nicht bezeichnen.
Morde an der Zonengrenze
Glutmoor von Lars Engels
Die beiden Kommissare Janosch Janssen und seine Schwiegermutter Diane Quester werden zu einem grausamen Mehrfachmord geholt – eine ganze Familie wurde brutal hingerichtet. Einzig die Tochter überlebte, da sie an diesem Tag im Krankenhaus Nachtdienst hatte. Sie war es auch, die ihre toten Angehörigen gefunden hatte.
Da in der gleichen Nacht in der Nähe eine Gedenkstätte für Grenztote beschmiert und beschädigt wurde, stellt sich die Frage, ob die beiden Taten etwas miteinander zu tun haben.
Mit Glutmoor hat Lars Engels einen atmosphärischen Krimi geschrieben, der trotz der zahlreichen Toten gleich zu Beginn nicht blutrünstig weiterging, aber trotzdem einen ständigen Spannungsbogen aufweist. Durch die wechselnde Erzählweise und dank einiger zum Teil überraschenden Wendungen bleibt das Buch bis zum Schluss spannend, auch die privaten Verwicklungen der beiden Ermittler tragen zum Lesevergnügen bei.











