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Rezensionen von Ele:
Wie es früher war
Die Welt war voller Fragen von Herbert Dutzler
Die Welt war voller Fragen, Roman von Herbert Dutzler, EBook erschienen im Haymon Verlag.
Siegfried ist ein aufgeweckter Junge, interessiert sich für die Wissenschaft ist gut in Deutsch und liest gerne. Vieles was in den 60er Jahren nicht für Kinderohren und Kinderaugen geeignet schien, entgeht seinem wachen Verstand nicht, er beobachtet die Erwachsenen seiner Umgebung ganz genau, und so fragt er danach – ohne Argwohn und böse Gedanken einfach nur weil er es wissen will, und so kommt der Junge in Schwierigkeiten, nicht nur in der Schule.
Eine Zeitreise in die 60er Jahre, nach Österreich.
Das Buch besteht aus 15 Kapitel die Kapitelüberschriften weisen auf den Inhalt hin.
Beim Ausräumen seines Elternhauses trifft der erwachsene Siegfried auf Stücke seiner Kindheit, darauf blickt er in Erinnerungen zurück. Die Rückerinnerungen sind aus der Sicht des Protagonisten in der Ich-Form geschrieben, deshalb ist es dem Leser möglich ganz nah auch an den Gedanken des jungen Siggis „dran“ zu sein. Sehr bildhaft erzählt, ich konnte mich z.B, in sein Elternhaus prima hineinversetzen, ganz besonders ansprechend auch das Zeitkolorit, viele Dinge z.B. das Anheizen des Badezimmerofens zum samstäglichen Bad, über diverse Sendungen im Fernsehen, bis hin zu den ersten Ausfahrten mit Papas erstem Wagen, zeigen mir ganz deutlich, dass Siggi nur ein paar Jahre älter als ich sein kann. Eine Kindheit, ohne Sicherheitsbindung an den Skiern und ohne Computerspiele, mit einem Buch zu Weihnachten, welches am 2. Feiertag schon ausgelesen war. Es ein Rückblick voller Nostalgie, Emotionen und Gemütlichkeit. Ich hab mich bei der Lektüre so wohl gefühlt und in die gute alte Zeit versetzt, sogar meine Oma hat so ähnliche Gerichte gekocht, natürlich auf ihrem Holzofen. Auch an die Szenen der Übertragung der Mondlandung kann ich mich noch gut erinnern, nur ist bei uns die gesamte Familie vor dem Fernseher gesessen, drei Generationen, aber keiner hat diese wichtigen Schritte verschlafen.
Mir haben aber auch die Szenen gefallen, die die Anfänge der moderne Zeit beschreiben, die Mutter will auch ohne die Zustimmung des Vaters arbeiten, die ersten langen Haare bei Männern, Miniröcke und die Beatles. Sehr gut nachvollziehbar und real beschrieben. Immer wieder habe ich vor Situationskomik geschmunzelt, oder vor mich hin gelächelt. Der Siegfried ist einfach zum Liebhaben. Deshalb ist er auch meine Lieblingsfigur im Buch. Alle Figuren sind hervorragend charakterisiert und richtig „echt“.
Erst nach der Lektüre habe ich erfahren, dass es auch ein weiteres Buch über die Familie Niedermayr gibt. „Die Welt war eine Murmel“, das will ich unbedingt auch lesen.
Wer in den 60ern geboren und aufgewachsen ist, wird an diesem Buch Freude haben, die anderen können darin entdecken wie es damals war. Von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Das weibliche Herz
Herzsprechstunde von Sandra Eifert; Suzann Kirschner-Brouns
Herzsprechstunde, Sachbuch von Prof. Dr. med. Sandra Eifert und Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns, Bertelsmann-Verlag.
Warum das weibliche Herz anders ist und wie es gesund bleibt.
Frauenherzen sind keine kleinen Männerherzen, die Herzchirurgin Prof. Dr. Sandra Eifert und die Medizinerin und Wissenschaftsjournalistin Dr.
Suzann Kirschner-Bouns haben mit viel Einfühlungsvermögen und leicht verständlich die wichtigsten Fakten über das weibliche Herz zusammengetragen.
Die beiden Autorinnen haben es geschafft, ihr Wissen rund um das weibliche Herz übersichtlich, informativ und leicht verständlich auch für medizinische Laien zu präsentieren. Eine interessante und wichtige Lektüre, es hat Spaß gemacht zu Lesen und ich konnte gar nicht mehr aufhören. Mir hat ganz besonders gefallen, dass dieses wichtige Buch von zwei Medizinerinnen geschrieben wurde. Man fühlt sich als Frau hier einfach ernst genommen. Übersichtlich ist der Inhalt in sechs Hauptthemen zusammengefasst, darum ist es möglich gezielt herauszupicken, was für den Leser besonders vorrangig erscheint. Trotzdem war es mir wichtig zuerst einmal alle Punkte der Reihe nach durchzulesen.
Zuerst einmal wird deutlich gemacht, wie wichtig es ist gerade in der Herzdiagnostik zu gendern, denn Frauenherzen schlagen tatsächlich anders, sie sind anderen Risikofaktoren ausgesetzt selbst Hormone und Vererbung spielen hier eine wichtige Rolle. Frauen sind z.B. viel anfälliger für emotionalen Stress. Ein wichtiger Punkt für mich, die Anzeichen einer Herzerkrankung richtig erkannt bei einer Frau. Andere Beschwerden bei einem Herzinfarkt bei einer Frau, sind weniger deutlich. Mich hat auch verblüfft, dass es bei Frauen nach einem Herzinfarkt viel länger dauert, bis sie ins Krankenhaus eingewiesen werden. Bei Männern wird die Spitzen-Medizintechnik schneller angewandt als bei Frauen, sie erhalten auch häufiger innovative und teurere Medikamente, das hat mich frustriert.
Erkrankungen des Herzens sind ein weiteres sehr wichtiges Thema, z.B. Herzrhythmusstörungen Herzschmerzen und Extrasystolen wurden gut beschrieben, hier wurde verständlich und übersichtlich argumentiert und erklärt. Verschiedene Herzmedikamente ihre Wirkung und vor allem die Unterschiede der Medikation zu männlichen Patienten waren aufschlussreich.
Der letzte Punkt und nicht der unwichtigste, was kann frau tun um ihr Herz zu schützen. Wie frau das Herz jung gesund und fit hält. Entspannung, herzstärkende Yogaübungen und Meditationen sind hier leicht erlernbar aufgeführt und präsentiert. Auch Achtsamkeit und Atemübungen, Entspannung für das Herz wurden angesprochen. Das hat mir sehr imponiert und gefallen.
Ich kann dieses sehr wichtige und interessante Buch nur jeder Frau dringend als Lektüre empfehlen. Ich habe sehr viel dadurch gelernt. Von mir 5 Sterne
Absolut kein Märchen
Rotkäppchen lügt von Elias Haller
Rotkäppchen lügt, Thriller von Elias Haller, 389 Seiten, Edition M
Auftaktband der Grimm-Thriller-Reihe
Sonderermittlerin Nora Rothmann ist beim LKA in Berlin zuständig für Korruptionsfälle in den eigenen Reihen. Dass sie sich damit nicht gerade beliebt macht bei den Kollegen, ist klar. Ihre laufenden Ermittlungen richten sich gegen den Ex-Polizeichef Tuchfeldt.
Doch bei seiner Vernehmung stirbt er. Das ist der Auslöser für eine ganze Reihe von grausigen Gewaltverbrechen.
Zu Anfang hatte ich etwas Mühe in Lesefluss zu kommen, denn viele Schauplätze, Chat-Verläufe aus dem Darknet, Szenenwechsel aus Vergangenheit und Gegenwart dazu eine Menge verschiedener Charaktere, stiften Verwirrung. Doch es hat mich erfasst und in einen Strudel hineingerissen, dem schwer zu entkommen war. Kurze gut überschaubare Kapitel, lebhafte Dialoge und ein flüssiger Schreibstil machten das Lesen leicht. Jedes Kapitel endet an einem äußerst spannenden Punkt, an dem das direkt folgende, nicht ansetzt. Das hat mein Lesetempo enorm gesteigert.
Der Leser dieses Buches sollte nicht allzu zart besaitet sein, denn der blutrünstige „Wolf“ mordet sich bestialisch durch Berlin. Haller schont seine Leser nicht denn die Phantasie wird mit detaillierten Schilderungen befeuert. Die Spannungskurve setzt hoch ein und steigert sich bis zum Ende. Irgendwann jedoch hoffte ich auf einen Schimmer einer Erkenntnis, ich rätsle mich gerne durch Krimis und freue mich über ungeahnte Wendungen, doch je weiter ich im Thriller vorwärtskam desto weniger hatte ich irgendeinen Verdacht oder Durchblick. Viele offene Enden und diverse Erzählstränge haben mich letztendlich verwirrt. Am Ende blieben genügend unbeantwortete Fragen und Erzählstränge mit losen Enden, das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass dieses Buch der Auftaktband einer Trilogie ist. Ich werde die Reihe wohl weiterverfolgen, denn gerne wüsste ich, wie sich das Ganze zu einer plausiblen und nachvollziehbaren Story vervollständigt.
Eine Lieblingsperson konnte ich nicht ausmachen, Nora Rothmann ist mir noch ein wenig fremd, sie ist eine schwierige Person, das ist sicher dem Tod ihrer Familie zuzuschreiben, den sie im Kindesalter erdulden musste. KK – Konrad König ist aktuell der beste Anwärter für eine „Lieblingsfigur“ kompetent und gerecht. Dafür gab es genügend Anwärter für unsympathische Charaktere. Die Figur „Manja“ z.B. ist mir gehörig auf die Nerven gegangen.
Eine gute Unterhaltung, ein gelungener Einstieg in die Trilogie, eine Leseempfehlung und vier Sterne.
Eine Männermörerin - Innenansicht
Rotkäppchen lügt von Elias Haller
Meine Männer, Roman von Victoria Kielland, Ebook, Tropen-Verlag
Die Geschichte von Belle Guness, neu erzählt.
Nach einer traumatischen Erfahrung, wandert die junge Brynhild nach Amerika aus und wird zur Massenmörderin.
Die Beschreibung dieses Buches hat mich neugierig gemacht. True-Crime Romane finde ich immer besonders spannend und aufregend.
Das hätte ich lt. Klappentext eigentlich erwartet.
Doch dieses Buch hat mich völlig ratlos zurückgelassen. Dem Beginn der Geschichte konnte ich noch mühelos folgen, obwohl ich die Sprache schon höchst poetisch fand und das m. M. bei einer True-Crime-Story Poesie das Letzte ist, was ich erwarten würde. Eigentlich genieße ich bei True-Crime- Thrillern die Nähe zum Täter und auch zu den Opfern, doch hier hatte ich ständig das Gefühl auf Abstand gehalten zu werden.
Ab der Emigration nach den Staaten, die völlig unvorbereitet und unbegründet vonstattenging, konnte ich dem Geschehen beim besten Willen nicht mehr folgen. Bis zum Ende war mir unklar, ob die Protagonistin gemordet hat, alle Männer oder nur die die sie am Ende auf ihren Hof gelockt hat? Auch wie die vermutlichen Taten durchgeführt wurden blieb meiner Ansicht nach im Dunkeln. Dem Geschehen konnte ich überhaupt nicht folgen. Selbst das Ende kam so verschwurbelt daher, dass ich das Buch total frustriert beendet habe. Sehr lange geschwollene, gekünstelte Sätze haben mich vom Verständnis des eigentlichen Inhalts abgehalten
Nach der Lektüre habe ich im Netz über Belle/Bella/Brynhild Guness recherchiert, da hat sich noch das eine oder andere erklärend gefunden. Sogar über ein Foto von ihr habe ich mich gewundert, denn lt. Roman habe ich mir die Protagonistin ganz anders vorgestellt.
Die Geschichte hätte Potential zu einem guten Plot abgegeben, das wurde m.E. vertan, schade.
Ich kann das Buch leider nicht mit einem guten Gefühl empfehlen. Von mir 1,5 Sterne, wo nötig 2 Sterne.
Neues von Andrea
Niemand kann sie brechen von Dania Dicken
Niemand kann sie brechen, Profiler-Thriller von Dania Dicken, EBook
Der achte Band der Profiler-Reihe.
Andrea und Joshua Carter sollen die Schuldfähigkeit eines jungen Mannes untersuchen, der seine Freundin und ihr ungeborenes Kind getötet hat. Derweil meldet sich Katie Archer mit erschreckenden Nachrichten, sie wird von einem unbekannten Stalker belästigt.
Andrea versucht die Gründe dafür herauszufinden. Weder die Behörden noch Katie und Andrea ahnen wie nahe der Stalker ihr wirklich schon gekommen ist.
Ich habe mich sehr über diesen zusätzlichen Teil über die Profilerin Andrea Thornton gefreut. Obwohl es schon eine Weile her ist, dass ich die Reihe gelesen habe, konnte ich mich sofort mit den Personen und den Umständen zurechtfinden, Lesefluss war da, an die Figuren und die wichtigen Ereignisse in den vorangegangenen Büchern konnte ich mich gut erinnern. Die Andrea Thornton Reihe hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Das ist nur dem eindrucksvollen, flüssigen, bildhaften und mitreißenden Schreibstil und den effektvollen Plots von Dania Dicken zuzuschreiben. Die Figuren haben Charakter, sind authentisch, der Leser ist ganz nah dran, sie sind greifbar und durchaus „echt“.
Im vorliegenden Fall, ist die Handlung dermaßen eskaliert, dass ich das Lesegerät unmöglich noch aus der Hand legen konnte. Der Fall baut sich zusehends auf, der Spannungsbogen auf gleichbleibend hohem Niveau, etliche ungeahnte Wendungen, nervenzerreißende Aktionen, lebhafte Dialoge bereichern das Geschehen, dass Ende fand ich sehr passend und genial ausgedacht. Bei der Lektüre habe ich mir gewünscht, dies als Film sehen zu können. Wieder einmal habe ich mich erwischt, dass ich Szenen zuerst schnell gelesen habe um zu erfahren was passiert und gleich darauf noch einmal um sie zu genießen. Meine Lieblingsperson in vorliegenden Band acht, war Katie Archer. Sie hat meinen vollsten Respekt verdient. Nachdem was sie als Kind durchgemacht hat und auch hier wieder einiges Schlimme erleben musste, hat sie stets Stärke bewiesen und die Zuversicht nie verloren, dass alles gut werden könnte. Ich denke, dass sie eher noch gestärkt aus dem Geschehen hervorgeht. Starke und tapfere Frauen die den Mut nicht verlieren, dazu der passende Titel, das gefällt mir.
Wie auch in den anderen Büchern von D. Dicken kann hier der Leser wieder enorm viel mitnehmen, psychologische Aspekte, modernes Profiling und speziell in diesem Fall über das Erscheinungsbild „Incel“. Besonders genossen habe ich die Begegnung mit Bekannten aus dem „Andrea-Universum“, z.B. die Familie Thornton.
Wer spannende Unterhaltung mit interessanten Informationen über Psychologie mag, ist bei D. Dicken und ihren Büchern gut aufgehoben. Für „Niemand kann sie brechen“ eine Leseempfehlung und 5 Sterne
Seuchendetektive
Die Formel der Hoffnung von Lynn Cullen
Die Formel der Hoffnung, Biografie-Roman von Lynn Cullen, Fisher Ebooks
Der verzweifelte Wettkampf der Medizinpioniere gegen Polio.
Dr. Dorothy Millicent Horstmann fällt auf, sie ist größer als die meisten ihrer männlichen Kollegen. Ihre wahre Größe jedoch zeigt sie bei ihrem erbitterten Kampf gegen die Kinderlähmung.
Als sie die Stelle im Vanderbilt-Hospital antritt, handelt es sich um eine Verwechslung. Ihre Vorgesetzten dachten Dr. Horstmann wäre ein Mann. Zeitlebens und ganz besonders bei ihrem unaufhörlichen Kampf gegen diese schreckliche Krankheit die die ganze Welt erschüttert, wird sie gegenüber ihren männlichen Kollegen zurückgesetzt.
Das Buch beinhaltet 40 Kapitel in angenehmer Leselänge. Das Personenregister am Ende war äußerst hilfreich, die vielen verschiedenen Ärzte haben mich verwirrt.
Die Polioepidemie erschüttert seit den 40er Jahren jeden Sommer die ganze Welt immer wieder kommt es zu schlimmen Ausbrüchen, Kinder sterben oder bleiben gelähmt. Die Behandlungsmaßnahmen sind grausam. Dass Frauen in der Wissenschaft arbeiten, ist in dieser Zeit nicht vorgesehen, sie sollen Kinder gebären darauf aufpassen und ihren großartigen Männern zur Seite stehen. Doch Dr. Horstmann lässt sich nicht unterkriegen, trotz schrecklicher Rückschläge und gegen die Zweifel ihrer Kollegen und Vorgesetzten, die sie immer wieder um die verdienten Lorbeeren bringen, findet sie den entscheidenden Ansatzpunkt, dass ein Impfstoff gefunden werden kann. Dafür opfert sie sogar ihr privates Glück. Ich habe diese Frau bewundert. Obwohl ihre männlichen Kollegen ihre Forschungsergebnisse für die eigenen ausgaben, oder sie, um die ihr zustehende Anerkennung betrogen wurde. Sie hat niemals verzagt. Deshalb ist Dr. Dorothy Horstmann meine Lieblingsfigur im Roman.
Hier wird der Kampf um die verheerenden Folgen von Polio und die Arbeit der Medizinpioniere, dass endlich ein geeigneter Impfstoff gefunden werden kann, sehr lebendig dargestellt. Die Autorin hat eine hervorragende Recherchearbeit geleistet. Die Lektüre setzt, finde ich, ein gewisses Maß an medizinischer Vorbildung voraus. Allen voran die beiden Mediziner Salk und Sabin werden ebenfalls gut charakterisiert. Das Ringen darum als Erster einen wirksamen Impfstoff zu finden ist wirklich sehr dramatisch dargestellt. Trotz der Wichtigkeit der Menschheit zu helfen, sind die Hahnenkämpfe darum der Erste zu sein, wirklich deutlich hervorgehoben. Die parallel geschilderte private Liebesgeschichte von Dorothy wäre nicht nötig gewesen.
Auch heute noch sind die Namen Dr. Jonas Salk und Dr. Albert Sabin ein Begriff beim Thema Polio, die Frauen die bei dieser epochalen medizinischen Erfindung beteiligt waren, werden nach wie vor unter den Tisch gekehrt. Auf der berühmten Polio Wall of Fame, einer Ansammlung von siebzehn Bronzebüsten von Personen die die Entwicklung des Impfstoffs vorangebracht haben ist wirklich nur eine einzige Frau abgebildet.
Die Entdeckung der Schluckimpfung hat weiteres Leid verhindert, Poliomyelitis ist noch nicht ausgerottet. Die Krankheit kann nicht geheilt, nur durch die Impfung verhindert werden.
Eine Leseempfehlung an die Leser die sich für Medizingeschichte interessieren. Serologische Vorbildung, bzw. medizinisches Wissen ist hilfreich. Stellenweise war die Ausführung schon etwas langatmig. Von mir 4 Sterne.
Henriettes neues Leben
Henriette lächelt von Andrea Heinisch
Henriette lächelt, Roman von Andrea Heinisch, 207 Seiten erschienen im Picus Verlag.
Einblick in das Leben der stark übergewichtigen 50jährigen Henriette
Henriette ist 50 Jahre alt und wiegt 190 kg, sie verlässt ihre Wohnung nicht mehr und arbeitet im Homeoffice, ihr einziger Kontakt ist ihre Mutter, die sich ständig in ihr Leben einmischt.
Doch eines Tages geschieht etwas und langsam verändert sich ihr Leben.
Ich habe den Roman in einem einzigen Tag ausgelesen. Die Seitenzahl ist nicht gerade umfangreich. Die einzelnen Kapitel sind kurz, auch die Sätze sind kurz manchmal zu abgehackt. Der Schreibstil ist flüssig. Doch irgendetwas störte mich an der Lektüre. Die Geschichte ist aus der Sicht Henriettes geschildert, ich hatte jedoch immer das Gefühl es wird von einem außenstehenden Erzählerbeschrieben, der jedoch genau weiß wie es in Henriette aussieht. Wo in ihrem Herz die Margerite wächst, was sie fühlt und denkt. Dabei habe ich mich immer eine Spur unwohl gefühlt, voyeuristisch. Ich hatte den Eindruck auf Abstand gehalten zu werden. Die Wörtliche Rede ist ohne Satzzeichen, auch das fand ich etwas befremdlich.
Nicht immer hatte ich das Gefühl, dass Henriette ganz bei Sinnen ist, die Gedanken waren wirr und kamen aus dem nichts, zu unterscheiden was Realität und was Wahrheit ist fiel mir schwer. Ganz besonders ihre Mutter, die Stimme, ihre Gemeinheiten, wie sie ihre Tochter behandelt hat. Wie lange hat Henriette sich ihre Anwesenheit, ihre Stimme nur eingebildet? Auf alle Fälle vermute ich, dass die Mutter nicht unschuldig an der Lage ihrer Tochter ist, was ist Henriette als Kind angetan worden? Genau wurde dies nie angesprochen. Eine Lieblingsfigur hatte ich leider nicht, denn anfangs hat mich Henriette eher abgestoßen. Ihre Mutter fand ich auch unmöglich, doch auch Martin ist nicht gut ausgeführt, authentisch fand ich keinen der Akteure, dafür ist keine der Figuren gut genug charakterisiert.
Wegen ihres Gewichts schafft Henriette ihr Leben nicht mehr, sie ist ungepflegt und ihre Wohnung scheint auch ein Saustall zu sein.
Doch dann ändert sich plötzlich alles. Und ab da habe ich das Buch ehrlich gestanden genossen. Gerne hätte ich mir da etwas mehr gewünscht, wie es in Henriettes Leben weitergeht. Hat es mit den neuen Nachbarn, oben und unten zu tun, oder liegt es an Martin dem Arbeitskollegen von Henriette? Henriette greift an und öffnet sich ganz langsam zum Leben. Respekt! Das hat sie mir letztendlich noch sympathisch gemacht.
Dafür eine Leseempfehlung und von mir 3 Sterne.
Tolle Fortsetzung
Sturmjahre von Lia Scott
Sturmjahre – Das Versprechen einer neuen Zeit, Historischer Roman von Lia Scott, Ebook von FISCHER E-Books.
Band zwei der Sturmjahre-Saga, voller Liebe, Hoffnung und starker Familienbande.
Nach dem Ende des großen Weltkrieges, versuchen sich die Menschen wieder zurück in den Alltag zu kämpfen.
Auch für die Familie Dennon, beginnt wieder die Normalität. Archie hat einen Arm verloren, seine Brüder haben den Krieg unversehrt überstanden. Doch die seelischen Folgen machen ihm schwer zu schaffen. Immer wieder holen ihn die Kriegserlebnisse ein. Längst schon merkt er wie sehr er Vika liebt, doch er bringt es nicht fertig ihr das zu zeigen. Auch Vika, die ihn ebenfalls liebt, hat mit der Zeit den Glauben an ein gemeinsames Glück verloren. Sie verlässt zusammen mit ihrem Sohn Arch, Foxgirth und versucht in Glasgow ein neues Leben zu beginnen. Wird ihr das gelingen?
Das Buch besteht aus 18 Kapiteln die in drei Teile gegliedert sind. Übersichtlich und in angemessener Länge. Wieder besticht die Autorin mit ihren herrlichen bildhaften Beschreibungen, der Landschaft und Orte. Große Emotionen vor atemberaubender Kulisse. Doch auch die Figuren sind gut gezeichnet, jeden einzelnen, auch die Nebencharaktere konnte ich mir gut vorstellen. Lia Scott hat die einzelnen Bände ihrer Sturmjahre-Saga, der Liebesgeschichte eines Paares gewidmet, diesmal handelt es sich um Archie und Vika. Voller Spannung erwarte ich, dass auch die anderen Geschwister der Dennon Familie, Hauptfiguren in den weiteren Bänden sind. Andeutungen im vorliegenden Band lassen darauf vermuten. Dabei handelt es sich hier nicht nur um einen Liebesroman, das Leben, die Armut in den Glasgower Elendsvierteln, das einfache Leben auf dem Land, dies alles hat Lia Scott hervorragend beschrieben und zeugt für eine gründliche Recherchearbeit.
Schon zu Beginn war es leicht in Lesefluss zu kommen. Zum einen, weil mir die Figuren vom ersten Band noch hervorragend in Erinnerung waren. Zum anderen, schließt die Handlung direkt am Ende des Vorgängerbands an. Einmal begonnen, konnte ich das Buch ganz schlecht wieder aus der Hand legen. Ungeahnte Verwicklungen und ein überraschendes Ende habe ich genossen, habe mit den Figuren mitgelitten, gehofft und gebangt. Ich werde die Sturmjahre-Saga sicher weiterverfolgen und hoffe, dass die Abstände zwischen den nachfolgenden Teilen, nicht zu lang sind.
Mir hat besonders gut gefallen, dass es hier vordergründig um das harte Leben der Frauen in dieser Zeit geht. Frauen mussten während des Kriegs, die Arbeit von Männern erledigen und nun da die Männer zurückgekehrt sind sollen sie wieder in die zweite Reihe zurücktreten. Dieses Sujet beschäftigt mich z. Z. literarisch enorm und es gefällt mir, darüber zu lesen. Deshalb ist auch Blaire eine meiner Lieblingsfiguren, doch auch Vika und ihre Schwester Shona sind tapfer und verdienen meinen Respekt. Archie, trotz seinen inneren Kämpfen, ich vermute eine posttraumatische Belastungsstörung, ist ein einnehmender Charakter. Außer Tante Geillis, waren mir alle Figuren sympathisch, sie handeln authentisch und nachvollziehbar.
Am liebsten würde ich sofort weiterlesen. Eine absolute Leseempfehlung. Sturmjahre Bd.2 kann man gut als Einzelband lesen, viel schöner aber ist es wenn man den Vorgängerband kennt. Von mir volle Punktzahl, 5 Sterne.
Und es blühte die Wüste
Wenn du erzählst, erblüht die Wüste von Rafik Schami
Wenn du erzählst, erblüht die Wüste, Roman von Rafik Schami, Ebook, Carl Hanser Verlag.
Eine Sammlung von wunderbaren Geschichten wie aus tausendundeiner Nacht.
Jasmin die einzige Tochter des weisen Königs Salih versinkt durch den Tod ihrer Mutter in tiefe Melancholie. Ihr Vater ahnt auch nicht, dass sie sich in einen armen Fischer verliebt hat.
Verzweifelt sucht er Heiler die der Tochter helfen können. Karam der Kaffeehauserzähler beschließt die Prinzessin zu heilen. Und so versammelt er zehn Abende lang erzählfreudige Menschen im Palast, um die traurige Prinzessin mit den schönsten Geschichten aus ihrer Traurigkeit herauszuholen. Geschichten von Mut und Feigheit, von Freundschaft und Feindschaft, von der Liebe und der Weisheit des Herzens. Eine Hommage an das Erzählen.
Rafik Schami, einer meiner Lieblingsautoren, hat es mit dieser Anthologie geschafft, mich völlig zu begeistern. Eine Illusion ähnlich wie in tausendundeiner Nacht. So viele Märchen und Erzählungen, traurig, lustig oder nachdenklich machend, auch vereinzelt mit einem Hauch Frivolität, kurze und längere, eingebettet in eine Rahmenhandlung die mich ebenfalls berührt hat. Der Ursprung dieses
Werkes stammt aus einem Buch, welches von der Zerstörung durch den Krieg, aus der Bibliothek seines Vaters gerettet wurde. Eingeteilt sind die Erzählungen nach Themen, für jeden Abend der Erzählrunde ein anderes Thema. Die einzelnen Geschichten mit einem fett gedruckten Titel passend zum Inhalt überschrieben, sodass man einzelne Märchen immer wieder schnell finden kann. Ganz sicher werde ich das immer wieder tun.
Bildmalerisch erzählt im orientalischen Stil und voller Poesie. Ich habe das Buch begonnen und war sofort gefesselt. In der Hälfte des Buches habe ich begonnen, ganz langsam zu lesen, ich wollte einfach nicht, dass das Buch zu Ende geht. Wieder einmal habe ich gemerkt, was für ein begnadeter Erzähler der Autor ist, er bringt mit seinen Worten die Wüste zum Blühen.
Ganz besonders schön fand ich die Geschichten über die Liebe, sie haben mich vereinzelt zu Tränen gerührt, mich im Innersten getroffen. Aber alle waren es wert in diese Sammlung aufgenommen zu werden. Ich habe mich daran erfreut, sie haben mich getröstet, mich zum Schmunzeln gebracht oder belehrt. Ich kann dieses Buch einfach nur Jedem ans Herz legen. Die Leser, die orientalische Geschichten mögen, oder wie ich Fans des Autors sind, sollten es unbedingt lesen und genießen. Eine einmalige Gelegenheit Rafik Schami und seine Kunst kennenzulernen. Ganz besonders finde ich diesen Band auch als Geschenk geeignet, ich werde das ganz sicher tun.
Von mir volle Punktzahl, fünf Sterne.
Das Gefühl von Schuld
Porträt auf grüner Wandfarbe von Elisabeth Sandmann
Porträt auf grüner Wandfarbe, Familienroman von Elisabeth Sandmann, EBook von Piper ebooks.
Eine faszinierende Spurensuche mit starken Frauenpersönlichkeiten und besonderen Schicksalsorten, eine Geschichte über Hoffnungen und Träume, Schuld und Vergebung.
Gwen erhält einen Anruf von ihrer Tante Lily, ob sie mit ihr eine Reise in die Vergangenheit der Familie unternehmen will.
So gerät Gwen tief in die Geschehnisse über eine komplizierte Freundschaft sehr unterschiedlicher Frauen die Jahrzehnte übersteht, Geheimnisse offenbart und dramatische Familienzusammenhänge aufdeckt.
Umfangreiche Kapitel sind mit Schlagworten die den Inhalt zusammenfassen überschrieben. Tagebucheinträge und Briefe erscheinen kursiv deutlich gemacht. Mehrere Zeitebenen und Rückblicke ziehen sich durchs ganze Buch, durch den Wechsel wurde die Spannung zusätzlich befeuert. Hauptsächlich erscheint die Erzählung aus der Sicht von Ella und Gwen. Die Autorin schreibt flüssig und mit viel Gefühl für die jeweilige Epoche, besonders gut gefallen haben mir die Schilderungen vom Setting, die Landschaften, die Städte und Gebäude, doch auch die handelnden Charaktere hatte ich direkt vor Augen.
Hier handelt es sich um eine extrem komplexe Geschichte, die sehr langsam in Fahrt kommt. Zusammen mit den Tagebüchern von Ella bin ich mit Gwen in die Familiengeschichte eingetaucht. Anfangs hätte ich es sehr hilfreich gefunden ein Personenregister zu haben um dort die Vielzahl der Personen überblicken zu können. Ich habe mir selbst auf einem Zettel die Zusammenhänge und Familienverbindungen notiert um mich besser zurechtzufinden. Was am Anfang im Zusammenhang noch sehr verwirrend ist, klärt sich jedoch im Laufe der Lektüre. Insgesamt fand ich jedoch, dass es sich hier um ein wenig zu viele Lügen, Geheimnisse und dunkle Verstrickungen gehandelt hat. Etwas weniger davon, wäre nachvollziehbarer gewesen. Und immer wenn es eine Phase gab, in der Gwen die Zusammenhänge nicht mehr überblicken konnte war da ein verstaubter Koffer eine vergessene Truhe, ein vergilbter Brief oder in einem Versteck ein Puzzle-Teilchen, wie aus dem Hut gezaubert. Ich empfand es insgesamt ein wenig zu dick aufgetragen. Da wäre weniger mehr gewesen.
Trotzdem hat die Geschichte einen starken Sog auf mich ausgeübt, sie war voller Emotionen, Gefühle und vor allem haben mich die starken Frauen beeindruckt. Außerdem fand ich sie faszinierend, weil ich selbst gerne in alten Briefen Fotoalben und Familiengeschichten stöbere. Das große Familienrätsel, blieb bis zum Ende spannend. Meine Lieblingsfigur war Ella, sie hat mit Abstand die größte Entwicklung gemacht. Auch Jola Frau Huber und Onkel Theo konnte ich gut leiden. Nimmermüde hat Ella es aus ärmlichsten Verhältnissen nach oben geschafft, einzig mit der aussichtslosen Liebe, bzw. Bewunderung für Jacob hat sie mich enttäuscht, er hatte stets nur Augen für Eine, Ella wurde m. E. nur ausgenutzt. Ilsabé scharfzüngig und verletzend mit ihrer Oberflächlichkeit, ihrem Standesdünkel und ihrem Egoismus fand ich unerträglich, trotz Altersmilde fand ich sie immer noch unsympathisch.
Insgesamt habe ich das Buch genossen, interessante Figuren, spannende Familienheimlichkeiten, erschütternde Schicksalsschläge, die Autorin hat wirklich keine Begebenheit in der Zeitgeschichte ausgelassen, das zeugt von einer gründlichen Recherche. Deshalb eine Leseempfehlung, für die Fans von spannend erzählter Weltgeschichte entlang Familiengeheimnissen.
Von mir dafür 4 Sterne.










