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Rezensionen von Ele:
Was vor "Ginsterhöhe" geschah
Perlenbach von Anna-Maria Caspari
Perlenbach, historischer Roman von Anna-Maria Caspari, E-Book von Ullstein eBooks.
Anna-Maria Caspari beschreibt in ihrem zweiten Eifelroman einfühlsam die Lebenswege dreier Menschen, die versuchen, den Zwängen in der Gründerzeit zu entfliehen.
Monschau, Ende des 19. Jahrhunderts. Dort treffen die Kinder Luise, Tochter des Arztes, Jacob, der Sohn eines Tuchfabrikanten und Wilhelm, ein armer Bauernsohn, aufeinander.
Zusammen verbringen sie ihre mehr oder weniger unbeschwerte Kindheit und auch die frühen Wege des Erwachsenwerdens, jeder träumt seinen Traum, doch die Lebensumstände sind so verschieden und bringen die Freunde in unterschiedliche Richtungen.
Ein wunderbares Buch, ich habe die Geschichte genossen. Weil ich auch Ginsterhöhe hervorragend fand, wollte ich es unbedingt lesen. Jetzt bin ich am überlegen, welcher der beiden Eifelromane mir wohl besser gefallen hat. Ich denke, beide sollten dringend gelesen werden, Perlenbach, wenn möglich sogar vor Ginsterhöhe.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert, die durch Zeitabschnitte gekennzeichnet sind. 32 Kapitel in angenehmer Länge, mit Ort und Datum überschrieben, machen das Lesen und das Zurechtfinden in Ort und Zeit leicht. Besonders schön fand ich am Ende das zusätzlich angefügte Kapitel: Die gute alte Zeit.... Das schafft die Verbindung zum nächsten Teil. Dort ist nachzulesen, was die Jahre im ausgehenden 19. Jahrhundert für eine Zeit der Widersprüche war, die relativ lange Friedenszeit zwischen dem deutsch-französischen Krieg und dem Ersten Weltkrieg. Die Gründerzeit, der Beginn der industriellen Revolution, geprägt von Erfindungen und Fortschritt in Medizin und Technik. In der jedoch die Bevölkerung noch gefangen war in Konventionen und Regeln. Die Kaiserzeit, als Frauen weder studieren noch eine eigene Meinung haben durften. Damals war die Eifel das Armenhaus Deutschlands, genau das ist hier auf überaus eindrucksvollste Art geschildert. Flüssig zu lesen, im auktorialen Stil, jederzeit ist der Leser also in der Lage, das Geschehen im Ganzen zu überblicken. Eine gründliche Recherchearbeit ist da Voraussetzung und das merkt man auch. Zeit- und auch Lokalkolorit sind überreichlich vorhanden, die Szenen haben mir bei der Lektüre, ständiges Kopfkino hervorgerufen. Dazu haben auch die Tagebucheintragungen von Frederike Linden beigetragen, immer wieder gab es interessante Beiträge zum Zeitgeschehen, die mich des Öfteren wirklich verblüfft haben.
Die Charaktere sind so echt beschrieben, dass man meinen könnte jeden Charakter persönlich zu kennen, auch Nebenfiguren z.B. die Patientin von Luise – Frau Flosdorff oder der Knecht Mathes. Am meisten habe ich Luise bewundert, weil sie m. M. nach die größte Weiterentwicklung gemacht hat, sie ist, finde ich ihren Zukunftswünschen am nächsten gekommen. Doch auch Wilhelm hat mich beeindruckt, er hat sich emporgearbeitet und es geschafft ein gutes Leben zu führen. Einzig Jacob ist die tragische Person in dieser Geschichte. Ich habe das Buch angefangen und nur wenn es dringend nötig war, habe ich es aus der Hand gelegt. In dieser Zeit sind mir die Begebenheiten in Monjoie und in Wollseifen jedoch nicht aus dem Kopf gegangen. So herzergreifend und flüssig erzählt, ein Lesegenuss. Ich hoffe, irgendwo zwischen Perlenbach und der Gegenwart ist noch ein wenig Platz für einen weiteren Eifelroman, den ich sofort lesen würde. Eine absolute Leseempfehlung, den Lesern denen Ginsterhöhe gefallen hat, will ich Perlenbach ans Herz legen. Alle anderen können, mit Perlenbach beginnen und dann Ginsterhöhe genießen. Ich vergebe dafür 5 Sterne.
Baumeister Fabrizio Mansani
Der Alchemist von Venedig von Anton Dellinger
Der Alchemist von Venedig, historischer Roman von Anton Dellinger, EBook im Gmeiner-Verlag.
Der Baumeister Mansani rettet seinem Bruder das Leben, er soll im Kanal ertränkt werden weil er die Tochter des Dogen geschwängert hat. Bei dieser Tat wird er beobachtet und hat sich so erpressbar gemacht. Der Stadtkämmerer Ducatini will dies ausnutzen und zwingt Mansani, ihm bei einem Täuschungsmanöver zu helfen.
Die beiden Gelehrten Newton und Leibnitz, die sich in Venedig aufhalten, sollen eine Sternwarte bauen, größer als die des Papstes. Doch Newton soll vor allem eines, Gold herstellen. Das kann nicht lange gutgehen. Denunzierungen im Bocca die Leone sind an der Tagesordnung.
Das Buch teilt sich in fünf lange Leseabschnitte/Kapitel, die mit einer Überschrift versehen sind, die auf den Inhalt eingehen. Der Autor schreibt aus der Sicht von Ducatini und auch Mansani, wobei er einzig letzteren im Ich-Stil erzählen lässt, das fand ich schon etwas gewöhnungsbedürftig. Bis auf Leibnitz und Newton sind alle Figuren fiktiv, wobei sich Newton niemals in Venedig aufgehalten hat. Da mich zu Beginn des Buches die vielen Charaktere verwirrt haben, war ich um die Personenübersicht im Anhang froh.
Viele Szenenwechsel und auch Begebenheiten, die schnell abgehandelt waren haben m. M. nach für unnötiges Durcheinander gesorgt, ständig hatte ich das Gefühl, dass ich Seiten ausgelassen habe. Etliche Zusammenhänge hätte ich mir ausführlicher erklärt gewünscht, der Sachverhalt war für mich schwer nachvollziehbar. Häufige Seitenwechsel der Charaktere haben mich verwirrt. Besonders vor dem letzten Kapitel war ein gewaltiger Sprung, da hatte ich Mühe dem Geschehen noch zu folgen. Ich denke. dass aus der Idee mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl eine tolle Geschichte hätte werden können. Ich finde den Titel auch etwas unglücklich gewählt, da der Alchemist hier Newton nur eine Nebenrolle spielte, „der Baumeister von Venedig“ wäre treffender gewesen.
Ich lese Romane die aus der glanzvollen Zeit von „La Serrenissima“ erzählen, eigentlich sehr gerne, hier fühle ich mich um meinen Lesegenuss gebracht, schade. Einzig jedoch, das Setting war gut beschrieben, das Verhältnis von Mansani und seiner Gemahlin fand ich angenehm beschrieben, insgesamt möchte ich jedoch keine Leseempfehlung aussprechen, denn zum gleichen Sujet gibt es bessere Werke. Von mir 2 Sterne.
Immer wieder Liebe
Vom Ende der Nacht von Claire Daverley
Vom Ende der Nacht, Roman von Claire Daverley, EBook, hanserblau-Verlag.
Eine Liebe die Jahrzehnte überdauert.
Will und Rosie fühlen sich zueinander hingezogen, schon als Teenager verlieben sie sich ineinander, obwohl sie so verschieden sind. Doch dann geschieht ein Unglück, was die beiden ganz weit auseinandertreibt.
Doch sie können sich niemals vergessen, so zieht es die beiden immer wieder zueinander und das Leben oder die Umstände trennen sie erneut. So geht es immer und immer wieder…
Das Buch teilt sich in achtzehn überschaubare Kapitel, obwohl auf weiten Strecken nicht sehr viel Spektakuläres passiert, das Leben einfach, hatte ich das Buch rasch gelesen. Die Autorin schreibt abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten, deshalb ist der Leser auch ständig informiert was im Leben der beiden so alles geschieht.
Besonders die Beschreibungen des Settings haben mich fasziniert, das konnte ich mir zu jeder Zeit ganz besonders gut vorstellen, die Figuren vor allem Wll und Rosie sind tiefgründig charakterisiert, ihre Handlungen waren nachvollziehbar wenn auch nicht immer vernünftig. Besonders gut hat mir die Grandma von Will gefallen, eine warmherzige und kluge Frau, wohingegen die Mutter Rosies m.E. sehr viel am Unglück ihrer Kinder Schuld war, diese kalte und auf Äußerlichkeiten fixierte Frau, mit ihr konnte ich einfach nicht warm werden.
Ich fand die Geschichte romantisch und traurig, wegen der fröhlichen und tiefgründigen Dialoge jedoch lebendig. Spannend fand ich, ob die beiden wohl am Ende zusammenkommen, das hat die Autorin bis zu den letzten Seiten gekonnt offen gehalten. Mit einigen Handlungen und Reaktionen der Charaktere war ich nicht einverstanden, ein paarmal zu oft hat sich die Geschichte auf die gleiche Weise in die Länge gezogen, da hatte ich das Gefühl es geht nichts vorwärts, wobei ich Rosie und Will am liebsten gepackt und geschüttelt hätte. Insgesamt gesehen, habe ich mich gut unterhalten gefühlt, eine romantische und unterhaltsame Lektüre.
Meine Empfehlung: Geeignet als Urlaubslektüre und von mir 4 Sterne.
Wohnmaschinen
Das Haus am Meeresufer von Joséphine Nicolas
Das Haus am Meeresufer, Roman von Joséfine Nicolas, 416 Seiten erschienen im DuMont Buchverlag.
Paris in den 1920er Jahren. Die Interieurkünstlerin Eileen Gray, inspiriert durch die selbstbewussten Frauen der Rive Gauche, mit ihrem außergewöhnlichem Gespür für die Formensprache der Zeit, begegnet dem um etliche Jahre jüngeren Architekturkritiker Jean Badovici, er macht sie mit der Bewegung des Bauhaus und De Stijl vertraut.
Bis dahin hatte sie eine amouröse Beziehung zur Chansonnière Damia, die sie beendet und eine Beziehung mit Badovici beginnt. So nimmt das Leben und Schaffen der Visionärin eine jähe Wendung. Ab 1926 errichtet sie dem Geliebten ein Haus an der Küste nahe Monaco. E 1027 wird Schauplatz von Neid und Selbstsucht, von Enttäuschung und Verrat.
Das Leben und Schaffen dieser wirklich talentierten und interessanten Frau hat mich gefesselt. Gerade in dieser Zeit des Aufbruchs in der Frauen es wahrlich schwer hatten mit den Männern zu konkurrieren. Eine höchst aufregende Zeit in der für Frauen alles möglich schien und doch fast unerreichbar war. Was Gray leistete und schuf, ihre innovativen Ideen haben mich begeistert, dieser aus der Sicht der Protagonistin geschilderte Roman, selbst das kapriziöse Liebesleben und die schwierige Beziehung zu Badovici waren unterhaltsam. Trotzdem hatte ich starke Schwierigkeiten mit der Lektüre. Zeitsprünge, abrupte Szenenwechsel haben mich anfangs ganz schwer in Lesefluss kommen lassen. Der poetische Schreibstil hat mich dermaßen verwirrt, es hat für mich einfach nicht zusammengepasst. Einerseits die Architektin die klare Linien, praktische Möbel einfache und fortschrittliche, avantgardistische Ideen hatte, andererseits dieser poetische Schreibstil, das hat mich abgelenkt. Dementsprechend lange habe ich für die Lektüre gebraucht. Mehr als 20 Seiten am Stück zu lesen war schwer. Ständig bin ich an besonders schwierigen Sätzen hängengeblieben musste sie immer wieder lesen um sie zu begreifen. Was ist wattiertes Licht? Gänge die vor Einsamkeit ermatteten? Oder Aussagen wie: „Ich betrachtete die Boote, sie seufzten schliefen im Schwarz.“ Oder „Wieder einmal zeigte sich meinem geistigen Auge das Elend als mächtiger weißer Tropfen vor dunklem Hintergrund, zäh.“ Verunsichert wusste ich oft nicht was ich in solche Abschnitte hineininterpretieren soll. Vermutlich war es einfach nicht mein Buch. Im letzten Drittel als die Protagonistin über ihre Schwierigkeiten mit Corbusier und die dadurch entstehenden Probleme mit Jean berichtet nahm die Lektüre Fahrt auf, das war mir zu wenig.
Insgesamt musste ich mich beim Lesen zum „Dranbleiben“ motivieren. Das bedauere ich, denn obwohl ich bis dato nichts über die multitalentierte Eileen Gray wusste, fand ich ihre Lebensgeschichte sehr interessant. Das Setting fand ich gut beschrieben und auch die Personen waren gut gezeichnet. In einem weniger poetischen Schreibstil hätte mir der Roman gefallen können. Ich empfand den Roman nicht als „Vereinigung“ von Architektur und Poesie sondern eher als „Dissonanz“ dazwischen.
Eine Empfehlung an die Leser*innen die sich für die Strömung der Moderne interessieren. Von mir insgesamt 3 Sterne.
Das Paradies ist die Hölle
Apfelmädchen von Tina N. Martin
Apfelmädchen, Thriller Debüt von Tina N. Martin, 512 Seiten erschienen bei Blanvalet.
Ein beeindruckendes Debüt.
Idun Lind arbeitet in der Abteilung für Kapitalverbrechen bei der Polizei im nordschwedischen Luleå. Eine Lehrerin wird ermordet aufgefunden. Sie ist auf brutalste Weise zur Schau gestellt, an der Decke hängend mit Nägeln in den Händen.
Zusammen mit ihren Kollegen Calle Brandt deckt Idun eine schockierende Familiengeschichte auf, dabei kommen die Ermittler selbst in Lebensgefahr.
Das Buch ist in überschaubare Kapitel eingeteilt, die mit Ort und Datum überschrieben sind. Als Erzählform hat die Autorin den auktorialen Erzählstil gewählt, verschiedene Ansichten waren sehr unterhaltsam und reizvoll zu lesen. Fallrelevante Bibelzitate sind hervorgehoben weil sie in einer anderen Schrift gedruckt sind. Die schlagfertigen Dialoge der Ermittler und auch die cleveren Verhöre haben mir Spaß gemacht. Verschiedene Erzählstränge und Zeitebenen, lassen den Leser immer näher an die Lösung des Falls kommen, den Ermittlern bei ihrer Arbeit über die Schulter sehen und mitraten hat mir gefallen. Durch die Kapitel die sich in der Vergangenheit abspielen, wird der Fall immer klarer. Motiv und Täter lassen sich bald ausmachen, was sich jedoch zum Schluss doch etwas anders gezeigt hat, das war wirklich gut gemacht. Der Spannungsbogen setzt hoch an und steigert sich kontinuierlich zum überraschenden und unvorhersehbaren Ende. Die Szenen als Idun und Calle nachts am Tatort unterwegs waren sind so spannend geschildert, dass ich sogar beim Lesen die Luft angehalten habe. Dabei hat es die Autorin gar nicht nötig grausame Gewaltszenen zu beschreiben, nervenzerreißende Spannung und Emotionen besonders um das Schicksal der kleinen Ellen war genügend vorhanden.
Ein wirklich gelungener Debütkrimi, die Figuren sind toll geschildert und hervorragend charakterisiert, sie sind vortrefflich und authentisch beschrieben. Die Ermittler handeln logisch und klug. Sie sind mir alle sympathisch und zu gerne würde ich sie bei einem anderen Fall wieder bei ihrer Arbeit begleiten. Dem Plot konnte ich zu jeder Zeit folgen und die Lösung des Falls stellt sich ganz klar dar. Kleinigkeiten die ich gerne noch erklärt gehabt hätte, sind ein wenig auf der Strecke geblieben. Z.B die Stieftochter des ersten Opfers, sie und ihr Verhältnis wurde aufwendig aufgebaut und dann blieben lose Enden übrig. Doch das ist nichts, was sich nicht beim nächsten Fall ganz einfach abstellen ließe. Der Titel „Apfelmädchen“ wurde irgendwann mit einem Halbsatz abgetan, das hätte ich mir besser ausgeführt oder einen anderen Titel für das Buch gewünscht. Außerdem ist die Ursache für den Tod eines Opfers nicht ganz geklärt.
Besonders freue ich mich auf den für den im November angekündigten nächsten Fall für Idun. Wie es mit Calle weitergeht und ob Tareq noch bei den Ermittlungen dabei sein wird, ist abzuwarten wünschen würde ich es mir. Von mir 4 Sterne.
Musik-Mord in Grödig
Salzburger Saitenstich von Katharina Eigner
Salzburger Saitenstich, Cosy-Crime von Katharina Eigner, Ebook, Gmeiner-Verlag.
Die Arzthelferin Rosemarie ermittelt erneut, ihr dritter Fall.
Im Almkanal treibt tot, der Lieblingshypochonder aus Rosemaries Praxis. Da sich Parallelen zu ihrer Herkunft ergeben, denn sie wurde dereinst als Findelkind entdeckt, bleibt Rosemarie quasi nichts anderes übrig, als dies nicht als schrecklichen Unfall abzutun.
Sie beginnt wieder zu ermitteln.
Das Buch teilt sich in 15 überschaubare Kapitel. Am Kapitelanfang befindet sich jeweils eine Zusammenfassung des Inhalts somit kann sich der Leser schon auf die Geschehnisse im bevorstehenden Kapitel einstellen, dies fand ich besonders angenehm. Die Autorin erzählt ihre Geschichte aus der Sicht der Protagonistin, jederzeit ist der Leser nah dran am Geschehen. Die Lösung des Krimis ist somit bis zum Schluss spannend. Die Figuren werden gut eingeführt, es handelt sich hier um den 3. Band der Arzthelferin-Reihe, kann jedoch als Einzelband sehr gut gelesen werden. Vorkenntnisse sind keine nötig. Fremdsprachliche Phrasen ganz besonders Anglizismen (wie latest news, fullhouse oder same procedure as…) werden gehäuft verwendet und machen das Buch lebendig. Dazu kommen die schlagfertigen Dialoge, die den Plot auflockern. Am Ende des Buches werden im Glossar noch salzburgische Ausdrücke erklärt.
Es ist ein fröhliches und trotz der überraschenden Todesfälle ein heiteres Buch, welches das Genre bestätigt. Flott zu lesen und unterhaltsam. Nichts desto trotz hätte ich mir die Ermittlungen weniger an den Haaren herbeigezogen und ernsthafter gewünscht. Was die Protagonistin tut, um an ihre Informationen zu kommen, ist zum Teil hanebüchen und überzogen. Ihre Schlussfolgerungen die zur Lösung des Falles führen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Auch fehlt mir der Durchblick zum Grund für die Verbrechen und die Zusammenhänge. Dass die Herkunft der Protagonistin geklärt wird, ist in diesem ganzen Stück eigentlich nur ein Randbefund. Mich hätte an ihrer Stelle auch die Identität des Vaters interessiert.
Alle Charaktere wirken auf mich überspannt und zu schrill um echt zu sein. Am liebsten mochte ich noch die Schwiegermutter Hermi, die einzige gefühlt authentische Figur im Krimi.
Für mich insgesamt zu wenig ernsthaft, unglaubwürdig und nicht nachvollziehbar, eine lustige Unterhaltung mit Cosy Crime Faktor allemal, deshalb eine Leseempfehlung für die Fans dieses Genres. Von mir 3 Sterne.
Bin begeistert
Dunkle Verbindungen von Gil Ribeiro
Lost in Fuseta:Dunkle Verbindungen, Portugalkrimi von Gil Ribeiro, ebook von Kiepenheuer & Witsch eBook
Leander Lost ermittelt, Band 6. Aufregender und actionreicher Krimi. Ein Wiedersehen mit den beliebten Charakteren, dem kleinen Fischerort Fuseta an der Küste Portugals und einem neuen spannenden Fall.
Nachsaison in Fuseta, eigentlich sollte es etwas ruhiger werden, Soraia und Leander sind in ein neues Haus umgezogen und wollen heiraten, doch dann überstürzen sich die Ereignisse. In einem Golfresort wird in einem Teich eine weibliche Leiche gefunden, gleichzeitig findet ein Überfall auf einen Werttransport statt. Dunkle Erinnerungen an einen alten Fall werden geweckt.
Das Buch ist aufgeteilt in sieben Tage der Ermittlungen, welche sich in 35 Kapitel gliedern. Wieder einmal konnte mich Gil Ribeiro mit einem Fuseta-Krimi restlos begeistern. So nebenbei werden die einzelnen Figuren zu Anfang wieder gut eingeführt, so dass es sich so anfühlt als ob man nie weg gewesen wäre. Oft wird die wörtliche Redet verwendet, die es schafft, mich vollständig in die Handlung zu involvieren. Auch in diesem Band konnte Senor Léxico wieder mit seinen besonderen Fähigkeiten überzeugen. Ein Extra-Highlight sind die am Anfang platzierten Karten vom Setting, wenn man sich die Karten in Farbe und zoombar ansehen möchte ist dies möglich, die Internetadresse ist angegeben. Auch mit der WLAN-Verbindung des Readers möglich.
Dieser Band hat mir ganz besonders gut gefallen. Die Spannung beginnt sehr hoch und konnte sich weiter steigern, unmöglich etwas anderes zu tun als weiterzulesen, bis zum fulminanten Ende.
Da Duarte bei einem Schusswechsel sein Gedächtnis verloren hat, kommt er bei Leander und Soraia im Gästehaus unter, neben dem äußerst raffiniert gestaltetem Verbrechen ist dieser Aspekt, nämlich die „Läuterung“ vom „Pavao“ zu einem liebenswerten Kollegen das, was mich in diesem Band am meisten beeindruckt hat. Die Szene am nächtlichen Strand mit den drei Kollegen war einfach toll. Auch die Parallelen zum alten Fall, bei dem Elias der Sohn der Rosados getötet wurde und Antonio im Rollstuhl landete und die menschlichen Abgründe die sich dadurch bei Graciana auftaten sind so überzeugend geschildert, einfach unglaublich gut. Selbst die Täter mit ihren Verbindungen zu- und untereinander sind jeweils sehr bildhaft lebendig und detailliert dargestellt. Situationskomik durch die Besonderheit von Lost, hat mich immer wieder schmunzeln lassen, dazu ein höchst raffiniert durchdachter Fall, besser geht’s einfach nicht. Für mich der bisher beste Band der Reihe.
Der ganze Plot ist authentisch und dabei raffiniert und unterhaltsam. Ein Chapeau an den Autor, für die Recherche über die Herstellung von Euroscheinen. Es war äußerst interessant. Eine direkte Lieblingsfigur außer natürlich dem Protagonisten, kann ich nicht bestimmen, alle Charaktere sind mir nahe, sie handeln authentisch. Ich konnte sie mir gut vorstellen. Eine Entwicklung ist festzustellen und auch noch weiter zu erwarten. Deshalb darf diese tolle Reihe ruhig noch fortgesetzt werden. Es ist noch lange nicht zu Ende erzählt.
Eine absolute Lese- und Kaufempfehlung, am besten beginnend ab Band eins. Und von mir für den vorliegenden Band wohlverdiente 5 Sterne.
Urlaub mit dem Ex
Happy Place von Emily Henry
Happy Place, RomCom von Emily Henry, Knaur Ebook
Harriet und Wyn sind schon seit Studienzeiten das perfekte Paar keiner weiß, dass sie sich schon seit einigen Monaten getrennt haben. Deshalb werden sie auch von Freunden zu einem gemeinsamen Urlaub in einer Hütte in Maine eingeladen in denen sich die Clique schon seit Jahren trifft.
Gemeinschaftliche Unternehmungen, schöne Erinnerungen und entspannte Urlaubsatmosphäre, ein gemeinsames Schlafzimmer dann steht auch noch die Hochzeit ihrer besten Freunde an. Da das Haus verkauft wird, wird es wohl der letzte gemeinsame Urlaub dort sein. Werden es Harriet und Wyn übers Herz bringen und den Freunden von ihrer Trennung erzählen? Sie entscheiden sich noch eine weitere Woche das Liebespaar zu spielen.
Das Buch teilt sich in 40 Kapitel in angenehmer Leselänge, die Autorin schreibt aus der Sicht von Harriet und erzählt die Geschichte in zwei Zeitebenen. Immer wieder blickt Harriet auf die vergangene Zeit mit Wyn und an ihre Happy Places. Die Orte in der Vergangenheit, an die Anfangszeit ihrer Liebe und auch wie sie sich langsam auseinanderlebten. Durch die Zeitwechsel, die ich anfangs nicht recht einordnen konnte, war es richtig schwer in Lesefluss zu kommen. Die Freunde und ihr Verhältnis zueinander konnte ich am Anfang auch nicht so recht durchschauen, da hätte ich mir die Personen besser eingeführt gewünscht.
Gestört hat mich auch, dass die Charaktere nach so langer Freundschaft überhaupt nicht ehrlich miteinander umgegangen sind, weder in der Partnerschaft der Protagonistin, noch im Verhältnis der Freunde untereinander. Auch die verwirrenden Ausflüge an die Happy Places konnten anfangs keine Klarheit ins Geschehen bringen. Als Wyn und Harriet endlich begannen miteinander zu sprechen begann die Geschichte Fahrt aufzunehmen. Tiefgründige Probleme kamen zur Sprache, ab der Hälfte des Buches konnte ich den Reader nicht mehr aus der Hand legen, von da ab war es wirklich sehr fesselnd. Einigen der Charaktere bin ich nicht genügend nah gekommen um die Beweggründe ihres Handelns nachzuvollziehen. Große Gefühle haben mich jedoch zum Ende überzeugt.
Insgesamt finde ich, dass der Roman am Anfang etwas gestrafft, eine tolle Geschichte abgegeben hätte. Romantik war durchaus vorhanden, die aufregenden Liebesszenen fand ich weder peinlich noch zu ausführlich, da hat die Autorin Fingerspitzengefühl bewiesen.
Leseempfehlung für Fans von Liebeskomödien. Von mir 3,5 bzw. 4 Sterne.
Eine große Liebe in stürmischen Zeiten
Sturmjahre von Lia Scott
Sturmjahre: Ein Gefühl von Unendlichkeit, Historischer Roman von Lia Scott, 495 Seiten erschienen bei Fischer Taschenbuch.
Auftaktband der Sturmjahre-Saga
Bonnie und ihre Familie, die Dennons leben an der Ostküste Schottlands, nahe Edinburgh. Sie ist dort Gemeindeschwester und Hebamme. Als drei ihrer Brüder mit dem neunten Bataillon der Royal Scotts in den ersten Weltkrieg ziehen, meldet sie sich freiwillig als Krankenschwester in einem Krankenhaus in London um verletzte Frontsoldaten zu pflegen.
Eines Tages trifft sie dort auf ihren ältesten Bruder Archie, der einen Arm verloren hat. Mit ihm sein Kriegskamerad Connor mit einer Beinverletzung, als sie nach Hause geschickt werden begleitet Bonnie die beiden. Zurück auf dem Land kommen sich Connor und Bonnie immer näher, doch Archie verbietet den beiden den Umgang miteinander. Langsam stellt sich heraus, dass Archie und auch Connor Geheimnisse verbergen. Kann es eine Zukunft für Bonnie und Connor geben?
Das Buch besteht aus 16 Kapiteln die in drei Teile gegliedert sind. Die einzelnen Kapitel sind in überschaubare Leseabschnitte geteilt, das ermöglicht ein flottes Lesen ohne die Übersicht zu verlieren. In der vorderen Umschlagklappe befindet sich ein Familienstammbaum, die das Verhältnis der Halbgeschwister zueinander klärt.
Die Beschreibung der Verletzungen und die Beeinträchtigungen der Psyche von Kriegsversehrten sind in diesem Buch ganz besonders gut beschrieben, auch die Maßnahmen bei der Versorgung der Grippeerkrankten sind nachvollziehbar und glaubhaft geschildert. Die einzelnen Personen in der Geschwisterreihe, ihr Umgang miteinander auch die Charaktere der anderen Figuren sind auffallend authentisch aufgezeichnet, somit wirken die Handelnden echt, sympathisch und wie aus dem Leben gegriffen. Für mich bezeichnend hier Blaire, die Zwillingsschwester von Archie, hier ist der Autorin eine tolle Nebenfigur gelungen. Auch Vika, Mairead oder Don konnte ich mir lebhaft vorstellen. Ganz besonders sympathisch die Hauptfiguren Bonnie die verantwortungsvolle und kompetente Krankenschwester, Connor ein wenig zwielichtig und doch ehrlich und gut, auch Archie zwar raubeinig aber innen drin mit einem weichen Kern. Sie alle habe ich liebgewonnen und deshalb werde ich die Sturmjahre-Saga auch weiterverfolgen. Dass das Buch in Schottland spielt habe ich auf jeder Seite gespürt und auch sehr genossen.
Die in diesem Band geschilderten Zusammenhänge und Ereignisse haben noch so viel Potential für weitere spannende Fortsetzungen, darauf freue ich mich enorm. Obwohl dieser Band in sich abgeschlossen ist, kann ich mir noch viele interessante Geschehnisse mit den agierenden Figuren ausmalen. In kürzester Zeit habe ich mich durch das Buch gelesen, der flüssige und bildhafte Schreibstil hat mir gut gefallen, hat mich mitgerissen, die Spannung hat bis zu den letzten Seiten angehalten, z.B. die Zeit während der Grippe-Epidemie, oder die Szenen in denen Bonnie als Geburtshelferin in Edinburgh agierte fand ich besonders aufregend hier war es mir unmöglich das Buch aus der Hand zu legen. Die Geheimnisse von Connor und Archie, ihre besondere Verbindung und die Dankbarkeit die sie sich gegenseitig schulden, wird im Buch langsam aufgedeckt und erklärt, selbst die dunkle Vergangenheit und die daraus folgende Abhängigkeit von Connor, das hat mich sehr beschäftigt mich neugierig und betroffen gemacht.
Insgesamt eine umfassende Leseempfehlung von mir. Dazu 5 Sterne.
Tilda und Ida
22 Bahnen von Caroline Wahl
22 Bahnen, Roman von Caroline Wahl, Ebook, Dumont Buchverlag.
Die Selbstermächtigung zweier Schwestern. Coming of Age - Roman
Tilda studiert Mathematik, schwimmt regelmäßig, arbeitet an der Supermarktkasse, kümmert sich daheim um den Haushalt, ihre alkoholsüchtige Mutter und erzieht nebenbei ihre Schwester Ida.
Nur eines kommt immer zu kurz, Tilda steht immer zurück, während Gleichaltrige und Freunde ihre Träume verwirklichen, nur Tilda ist zu Hause geblieben im traurigsten Haus in der Fröhlichstraße. Bis eines Tages ein Angebot für eine Promotion in Berlin winkt. Hin- und Hergerissen zwischen Verantwortungsgefühl und Freiheit verbringt Tilda einen Sommer, doch plötzlich kommt Viktor in ihr Leben.
Das Buch gliedert sich in drei Teile, es ist flüssig geschrieben und aus Sicht der Protagonistin verfasst, es liest sich tatsächlich fast von selbst. Dementsprechend war ich an einem einzigen Tag fertig. Die Geschichte ist zwar nicht nervenzerreißend spannend, doch macht es Spaß es zu lesen bis der letzte Punkt gesetzt ist. Emotional und herzerwärmend. Besonders hervorzuheben ist der aparte Schreibstil, alle Zahlen die im Buch erscheinen sind beharrlich als Zahlen gedruckt, ob dieses Detail dem Mathematikstudium der Protagonistin geschuldet ist, weiß ich nicht. Schnell habe ich mich daran gewöhnt und es hat mich nicht im Lesefluss gestört. Die Sprache ist modern, viele Wörter in der Umgangssprache, bzw. Jugendsprache z.B. cute, mega, weird wurden verwendet, dadurch, dass sehr oft wörtliche Rede im Drehbuchstil verwendet wird, kommt der Roman äußerst lebendig rüber.
Das Schicksal der beiden Mädchen hat mich sehr betroffen gemacht. Beide sind mir sehr ans Herz gewachsen, Tilda ob ihres Verantwortungsbewusstseins und ihrer selbstlose Dank- und Handlungsweise. Ich kann so gut verstehen, dass sie endlich auch einmal eine Chance ergreifen will, die ihr geboten wird, noch dazu bei ihrem Talent. Ida die kleine Schwester ist fabelhaft und man muss sie einfach liebhaben, sie hat die größere Entwicklung durchgemacht. Trotzdem sehe ich keine Möglichkeit ein kleines Mädchen mit einer Alkoholikerin alleine leben zu lassen. Warum sich Tilda nie Hilfe geholt oder sich ans Jugendamt gewendet hat, verstehe ich eigentlich nicht. Dies ist auch der einzige negative Aspekt im Buch. Ich würde mich tatsächlich über eine Fortsetzung freuen. Das Buch endet ja direkt an einem Punkt, der eigentlich ein Anfang ist. Beeindruckt hat mich bei diesem Debütroman, dass es die Autorin geschafft hat, den Schmerz der Protagonistin, ihre Sorgen und Ängste in Worte zu fassen, dass sie der Leser verstehen kann.
Von mir dafür 4 Sterne.











