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Rezensionen von Peter Krackowizer:
Eine verständliche und umfassende Schilderung der Bauernkriege 1524 bis 1526
Rebellion 1525 von Robert Rebitsch
Damit man den Inhalt dieses Buches – die Bauernkriege 1524 bis 1526 im süddeutschen Raum, in der Grafschaft Tirol und im Erzstift Salzburg - besser versteht, erhält der Leser eine umfassende Einleitung: Wie stand es um den politischen und rechtlichen Stand der Bauern in Tirol um 1500, war es ein Krieg der Bauern oder die „Revolution des Gemeinen Mannes“, wie sah die geostrategische Lage aus und wie stand es um Tirol vor dem großen Bauernkrieg.
Das Leben des Stadthalters und Landesherrn Ferdinand I. wird beschrieben, der eine zentrale Rolle im Bauernkrieg hatte.
Dann nähert sich der Autor mit dem Aufstand der Knappen von Schwaz dem eigentlichen Bauernaufstand. Dieser begann im Süden der Grafschaft, im Hochstift Brixen (den Begriff Südtirol gab es damals noch nicht). In diesem umfangreichen Kapitel wird zunächst das Leben von Michael Gaismair, des Obristen (Oberst) Feldhauptmann, in zwei Teilen ausführlich geschildert. Wie konnte es sein, dass ein gebildeter Bergbauexperte und Verwaltungsbeamter, der in Brixen für den Fürstbischof tätig war, plötzlich sich auf die Seite der Aufständischen stellte?
Detaillierte Beschreibungen der Ereignisse 1525 im Fürstbistum Brixen und Trient folgen. Der Autor zieht ein Fazit der Aufstandswochen. Nach einem Frieden kam es zu Versammlungen und Landtagen mit dem Hofrat in Innsbruck und Ferdinand. Die Ergebnisse, die Landesordnung von 1525 und die „Empörungsordnung“ werden besprochen.
Diese Themen füllen die Hälfte des Buches. Die andere Hälfte befasst sich mit Michael Gaismair und seinen Versuchen, die Bauern von der Obrigkeit zu befreien, von seinem Einschreiten bei den Salzburger Bauernkriegen und der Belagerung von Radstadt. Gaismair wird zum Staatsfeind Nummer eins. Ferdinand I. setzt ein hohes Kopfgeld auf ihn aus. Daher hält sich Gaismair nur mehr im Ausland auf. Zunächst in Graubünden in der Schweiz, später als Condottiere der Markusrepublik im Norden Italiens. Dort wird er von Kopfgeldjägern erstochen. Doch die Täter werden nicht glücklich. Der Hofrat in Innsbruck verwehrt ihnen das Kopfgeld mit einer fadenscheinigen Erklärung.
Das Spannende an diesem Buch ist, dass der Autor zahlreiche historische Dokumente durchforstet hat und deren Inhalt schildert. So erlebt der Leser, wie die Aktionen, Kämpfe und Plünderungen vor sich gegangen waren, welche Überlegungen Gaismair angestellt haben könnte, wie die allgemeine Lage in den Teilen der Grafschaft und später in der Republik Venedig war. Alles wird verständlich erklärt: was ein Bauernhaufen ist, die Empörung, welche Bedeutung die Allmende für die Gemeinden hatte, was der Schwäbische Bund war, wie Gaismair über die Tauern nach Salzburg mit einem Heer zog und vieles mehr. Der Autor beschreibt lokale Umstände, weshalb es wo zu Gewaltausbrüchen gekommen war. Und er schildert, wie der Landesfürst versuchte, die Forderungen der Bauern abzuschwächen. Der Leser erhält eine, wenn auch grausame Vorstellung, wie kriegerische Aktionen abgelaufen sind und mit welcher brutalen Härte die Landesregenten die Kriege geführt und niedergeschlagen hatten.
Für mich als Salzburger besonders interessant sind Beiträge zum Salzburger Gewerken- (1525) und Bauernkrieg (1526) und die Mitwirkung von Michael Gaismair auf Salzburger Boden. Dazu muss man wissen, dass Teile des heutigen Nordtirols an den Salzburger Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg verpfändet waren und daher kriegerische Aktivitäten in diesen Gebieten für den Salzburger Landesfürst bedrohlich waren.
Dass es sich um ein fundiertes wissenschaftliches Buch handelt, zeigen die letzten rund 50 Seiten: 1227 Anmerkungen (Fußnoten), ein kleines Glossar (Begriffsdefinitionen), archivalische Quellenangaben, ein 16seitiges Literaturverzeichnis, Bildnachweis und Namensregister. In den vorderen beiden Klappenseiten gibt eine Karte der Tiroler und Salzburger Gebiete Übersicht über die Territorien, Bergarbeiterunruhen und den Bauernkrieg 1525, die beiden rückwärtigen Klappenseiten zeigen die Aktivitäten Michael Gaismairs in Salzburg 1526. Ein praktisches Lesebändchen hält die Seite des letzten Lesestands einfach fest.
Ich gebe gerne zu, dass es manche Seiten gab, die ich dann doch nur überflog, weil die Erläuterungen sehr ins Detail gehen. Aber ich habe das ganze Buch gelesen und greife jetzt immer wieder auf Daten darin zurück, die für die Salzburger Geschichte von Bedeutung sind.
Facetten- und Detailreich, nicht ausufernd und doch interessant geschrieben
Das große Buch der Päpste von Josef Gelmi
560 Seiten, 264 farbige Abbildung, alle 267 Heiligen Väter portraitiert vom führenden Papsthistoriker im deutschen Sprachraum Josef Gelmi. "Es wird nichts schöngeredet ... die durchaus auch eine Reihe von fragwürdigen, umstrittenen und zweifelhaften Gestalten aufweist ..." meint Autor Gelmi in seinem Vorwort.
Der erste römische Bischof, der unangenehm auffiel, war Viktor I. (189-199), die berüchtigte Marozia im 9. Jh. wurde u. a. "Mutter und Mörderin von Päpsten" genannt, im 13. Jh. stritten die Kardinäle in Viterbo um die Nachfolge von Papst Clemens IV. (1265-1268). Im zweiten Jahr der Wahl rissen die Behörden das Dach des Konklavegebäudes ab und setzten die die Wähler auf Wasser und Brot. Aber sie erreichten die Aufhebung der Sperre und erst 1271 einigten sie sich auf einen neuen Papst. Pius XII. (1939-1958), sein Verhältnis zum 2. Weltkrieg und Judenverfolgung und viele andere geschichtlichen Informationen im neuen Buch über alle Päpste. Noch ein paar Details aus dem Buch: Mit Innozenz III. (1198-1216) erreichte das Papsttum seinen absoluten Höhepunkt. Auf ihn geht der Titel Stellvertreter Christi zurück. Nach seinem Tod drangen Diebe in Kirche ein, rissen dem Papst die kostbaren Gewänder vom Leib und ließen den Leichnam halbnackt zurück. Clemens XII. (1730-1740) war zur Zeit seiner Wahl bereits ein kränklicher Greis und regierte die meiste Zeit vom Bett aus. Nach seiner völligen Erblindung konnte er ohne fremde Hilfe nicht einmal mehr ein Schriftstück unterzeichnen.
Naturgemäß gibt es über die Päpste des ersten Jahrtausend nur jeweils ein paar Zeilen zu berichten. Doch bereits mit Johannes XII. (955-964) werden die Beschreibungen umfangreicher und den Päpsten der Renaissance können Beiträge auch schon einmal ein paar Seiten umfassen. Dabei schildert der Autor interessant aus dem Leben der Päpste, bei vielen gibt es besondere Abschnitte, wie beispielsweise bei Pius VII. (1800-1823) über seine Papstwahl, dessen Rückkehr nach Rom und seine Verhandlungen mit Napoleon. Ab Beginn des 19. Jahrhunderts werden die Beschreibungen der Päpste schon recht umfangreich.
Das Buch ist bebildert mit Wappen der Päpste, Gemälden und Darstellungen in Kirchen von Päpsten, Grabdenkmälern und Fotografien. Gelmi schreibt gut lesbar und sich nicht in Details verlierend, sodass auch Laien mit dem Buch gut zurechtkommen. Bei jedem Papst findet sich sein weltlicher Name, Geburtsort, wann er gewählt wurde, wann er starb und wo er begraben liegt. Es ist durchaus ein Geschichtsbuch. Ich blättere gerne im Buch, lese die eine oder andere Lebensgeschichte und finde immer wieder interessante, ja sogar spannende Details.
248 Seiten interessante und verständlich geschilderte österreichische Geschichte
Die Tiroler Habsburger von Anton Prock
Dieses Buch ist eines der seltenen Geschichtsbücher, die für jedermann verständlich geschrieben sind. Und trotzdem fehlt es in diesem Buch nicht an Details und Erklärungen. Der Autor versteht es, dem Leser die Geschichte des Hauses Habsburg gut zu erklären. Ausgehend vom Stammsitz in der Nordschweiz erläutert er den Werdegang der Habsburgerherzöge, von Vorderösterreich, Tirol, „Oberösterreich“ (Vorarlberg), Innerösterreich (Steiermark) und Niederösterreich (mit Teilen des heutigen Oberösterreichs).
Dann folgen ausführliche Kapitel über Herzog Friedrich IV mit der leeren Tasche, Erzherzog Sigismund der Münzreiche, Kaiser Maximilian I., die Erzherzöge Ferdinand II., Maximilian III. der Deutschmeister, Leopold V. und Claudia de‘ Medici, Ferdinand Karl und mit Sigismund Franz das Ende der Tiroler Habsburger.
Das Interessante an diesem Buch sind die farblich hervorgehobenen Themen wie Eheschließungen in der beschriebenen Zeitepoche, über das Konzil von Konstanz, bei dem Friedrich IV. in Konflikt mit König Sigismund geriet, aber auch Reisebeschreibungen in den verschiedenen Kapiteln, wie lange wer wohin mit wie viel Gefolge unterwegs war, die Entwicklung Innsbruck zum Hof der Habsburger (wie wohnten und arbeiteten der Herzog und sein Personal?), über die Kunst zur Zeit Friedrichs IV., über Heiratsverhandlungen und wie viele Kapaune, Hennen und Eier für eine Herzoghochzeit notwendig waren, über Wirtschaft, Handel und Verkehr, über den Kenotaph Kaiser Maximilians I. in der Innsbrucker Hofkirche und wie es dazu kam, dass er dort nicht begraben liegt, über den Salinenarzt Dr. Hippolyt Guarinoni , der eine Kirche und ein Kloster in Volders errichten ließ und viele andere Details zum Bergbau, Schlösserbau und dem Leben in dieser Zeitepoche.
Aus Salzburger Sicht ergeben sich Bezugspunkte zum Zillertal, das bis 1816 beim Erzstift Salzburg war, zum Bistum Brixen, das erst nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Salzburger Metropolitanverband ausgegliedert worden war oder die ausführliche Beschreibung der Karriere des Kardinals Nikolaus von Kues, Bischof von Brixen und seine Streitereien mit Äbtissin des Klosters Sonnenburg und Erzherzog Sigmund dem Münzreichen.
Das Buch ist gut bebildert, am Ende gibt es eine Zeittafel zu den Tiroler Habsburgern und eine umfangreiche Literaturauswahl. Ein Leseband führt den Leser immer zurück zu seinem letzten Lesestand. Ich habe diesem Buch viele neue Informationen entnommen, verstehe nun den Zusammenhang der verschiedenen Habsburgerländer der Anfangszeit besser und habe viel gelernt über die Lebensweise in diesem Zeitraum. Ein sehr interessantes Buch, das ich mit gutem Gewissen empfehlen kann.




