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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von nessabo:

Eine gut konstruierte, menschliche Geschichte

Frau Yeoms kleiner Laden der großen Hoffnungen von Kim Ho-yeon

Ich habe schon einige Werke dieser Art gelesen und fand die qualitativen Unterschiede schon deutlich. Bei einigen der neueren Bücher ging es mir einfach oft zu sehr in eine spirituelle Richtung, die Figurentiefe und authentische Menschlichkeit vermissen ließ. Doch nicht so hier - Kim Ho-yeon hat einen geschickt konstruierten Roman geschrieben, der mich besonders durch seinen feinen Humor und die profilreichen Figuren beeindruckt hat.

Besonders positiv bewerte ich die zentrale Figur Dok-go, da er als ehemaliger Obdachloser eine Gesellschaftsgruppe in den Fokus nimmt, die literarisch so ungefähr nie eine Rolle spielt. Ob die daran anknüpfende Inspirationsgeschichte den eigenen Geschmack trifft, muss jede Person für sich entscheiden. Ich bin da auch schnell abgeneigt, wenn es mir zu platt ist. Hier war das für mich nicht der Fall, denn auch wenn Dok-go sicherlich als Aufhänger für Inspiration dient, speist sich diese aus reiner Freundlichkeit und einem echten Schicksal, ohne dass er dabei wie ein Engel wirkt.

Weiter gefestigt wird meine positive Bewertung durch die vielen Nebenfiguren, die jeweils ein eigenes Kapitel bekommen. Mir ist es in südkoreanischer, vietnamesischer oder japanischer Literatur oft begegnet, dass die Figuren sehr höflich und dadurch glatt wirken, was meinen Geschmack nicht so gut trifft. Ich mag kantige Charaktere, die verschiedene Emotionen nicht nur erleben, sondern auch zeigen. Und das hat Ho-yeon hier ganz lobenswert geschafft. Begeistert hat mich dabei besonders die Nebenfigur der Autorin, die der Handlung eine kurze Meta-Ebene hinzufügt.

Dok-go selbst bekommt im letzten Kapitel noch einmal Raum und wir dürfen seine Vorgeschichte erfahren. Diese zeigt vor allem: Obdachlosigkeit kann alle treffen. Für diesen politischen Grundton, die angenehme Situationskomik, die charakterstarken Figuren und die humanistische Moral behalte ich die Geschichte in bester Erinnerung. Sie mag keine literarische Höchstleistung sein, aber in der Sparte warmherziger Inspirationsromane ist es wirklich einer der besten.

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Kein klassisches Highlight, aber eine Wucht von Buch

Die Riesinnen von Hannah Häffner

Ich mag Generationsromane, die sich über eine längere Zeit erstrecken, wirklich gern. Deshalb hatte ich auch große Lust auf „Die Riesinnen“ und wurde nicht enttäuscht. Obwohl sehr intensiv mit einer poetischen Sprache geworben wird und ich mit einer solchen selten viel anfangen kann, hatte ich nahezu durchgängig eine tolle Lesezeit mit diesem atmosphärischen Roman.

Wir dürfen drei Generationen der Riessberger-Frauen begleiten, die im dörflichen Setting des Romans über lange Zeit wie Aussätzige behandelt werden. Was alle drei Protagonistinnen jedoch vor allem eint, ist ihre Stärke. Diese ist dabei ganz unterschiedlich zu verstehen. Mal liegt sie darin, dass Liese in den 60er-Jahren nach dem Tod ihres Mannes dessen Metzgerei übernimmt und sich in einer frauenfeindlichen Arbeitswelt behaupten muss. Oder darin, dass Cora eisern ihren Weg geht, ohne eine Abkehr davon als Niederlage zu empfinden. Und schlussendlich zeigt sie sich darin, dass Eva beginnt, das Schweigen zu brechen und alte Umstände nicht einfach als gegeben hinzunehmen.

Auffällig ist die Sprache und Erzählstruktur der Geschichte. Stilistisch und sprachlich wählt die Autorin nämlich stets einen nahtlosen Übergang zur nächsten zentralen Hauptfigur und damit Generation. Erzählerisch finde ich das wirklich großartig und innovativ gemacht, denn es erfordert ein aufmerksames Lesen, um den Wechsel bewusst wahrzunehmen. Was zuvor noch poetisch und naturnah war, ist dann z. B. auf einmal direkter und irgendwie wütender - weil die nächste Generation die Geschichte weitererzählt.

Die Figuren werden vielschichtig beschrieben, zum Teil auch noch im Nachhinein durch die Perspektive der späteren Protagonistin. Das ist klug gemacht, sehr detailliert und gleichzeitig feinsinnig - erfordert aber auch hier wieder aufmerksames Lesen. Ich bin Fan davon, wenn Figuren über eine weite Strecke der Geschichte hinweg immer feiner gezeichnet werden. Es erfordert aber definitiv auch die richtige Stimmung und Konzentration auf die Handlung.

Die Sprache unterstreicht stets den Inhalt, die Atmosphäre ist wechselnd und wirklich unglaublich greifbar geschrieben. Und auch, wenn es sprachlich schon stellenweise sehr poetisch wird, verfestigt das in diesen Momenten einfach noch einmal die Verbundenheit mit der Natur und konkret dem Wald. Es bleibt mein least favourite Sprachstil, aber trotzdem fand ich es hier treffend umgesetzt und außerdem nicht zu ausschweifend, sodass ich immer wieder gut in die Geschichte zurückgefunden habe. Somit war es für mich äußerst positiv, dass sich die sehr deutliche Bewerbung der Poesie nicht in dieser Intensität bestätigt hat.

Der Fokus liegt sehr deutlich auf den Protagonistinnen und deren Beziehung zueinander. Nebenfiguren finden kaum statt, was eine akzeptable Entscheidung der Autorin ist, auch wenn ich mir zu einigen Nebencharakteren doch mehr Informationen gewünscht hätte. Hier bleibt die Autorin, sicherlich bewusst, oft sehr vage. Leerstellen und Schweigen spielen eben eine große Rolle in der Geschichte, aber ich fand es fast immer gut gelöst, weil Häffner an den relevanten, also die Familie betreffenden, Stellen zwischen den Zeilen detailliert genug ist, um alles verständlich zu machen - wenn aufmerksam gelesen wird. Außerdem ist sie wirklich Herrin der zahlreichen Erzählstränge und kann viele von ihnen am Ende geschickt miteinander verflechten.

„Die Riesinnen“ ist ein dichtes Werk, das aufgrund seiner vielen Details viel Fokus erfordert. Ich habe den Roman eher langsam gelesen und das war gut so, denn er ist gleichermaßen gewaltig wie subtil und ruhig. Manche Abschnitte waren sprachlich nicht so meins, insgesamt fand ich die Vereinigung von Form und Inhalt aber einfach richtig hochwertig. Einen großen Pluspunkt bekommt das Werk von mir - und das ist ein kleiner Spoiler - weil die Frauen sich bewusst gegen feste Beziehungen mit Männern entscheiden und ihnen fehlt NICHTS. Ich liebe das und will so etwas wirklich noch viel öfter lesen.

4,5 Sterne

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Breit gefächerte Beiträge für einen guten Einstieg ins Thema

Unlearn Patriarchy von Lisa Jaspers; Naomi Ryland; Silvie Horch

Essaysammlungen sind immer eine Sache für sich und naturgemäß sprechen eine*n manche Texte mehr an als andere. Ich fand die Zusammenstellung hier aber wirklich gut gelungen, wenngleich mir der Zusammenhang zum Titel nicht immer ganz deutlich erschien. Vielleicht liegt das aber auch nur an meiner Aufmerksamkeit und die Zusammenhänge erschließen sich beim erneuten Lesen.

Ich kenne einige Autor*innen bereits aus ihren eigenen Werken, sodass nicht besonders viele neue Impulse für mich in den Texten steckten. Das liegt sicherlich auch an meiner bereits recht tiefgehenden Beschäftigung mit vielen der thematisierten Aspekte. Für Menschen, die sich diesbezüglich aber noch eher am Anfang befinden und dennoch vielschichtig eintauchen wollen, empfehle ich das Werk in jedem Fall.

Die Vielfältigkeit der Texte hinterlässt mich mit einem guten Gefühl für das große Ganze und damit auch mit ein wenig Hoffnung - dazu haben die Schreibenden mit dem ein oder anderen konkreten Handlungsimpuls auch ganz klar beigetragen. Die meisten Beiträge fand ich zudem wirklich zugänglich geschrieben, nur wenige waren mir etwas zu zäh und kompliziert. Rundum eine gute gewählte Zusammenstellung an Personen und damit auch Themen, die mein Wissen angenehm aufgefrischt und an manchen Stellen sogar erweitert hat.

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Der Titel ist hier wirklich Programm…

Die Schrecklichen von Pia Klemp

Eigentlich hat mich der Klappentext trotz des negativen Titels positiv gestimmt. Denn Bücher mit politischer Botschaft mag ich gern und dass sogar Tierrechte mitgedacht werden im menschlichen Befreiungskampf, hat mich erst recht überzeugt.

Und ich runde auch wohlwollend auf für das explizit Politische dieser Geschichte.

Denn gerade weil die Aussagen sicherlich vielen Menschen aufstoßen werden, bewerte ich diesen Grenzgang positiv - Bücher sind schließlich auch dafür da, unseren Horizont aufzubrechen, so schmerzhaft das manchmal ist.

Aber darüber hinaus kann ich leider nicht viel Positives nennen. Gorgo ist wirklich durch und durch misanthrop. Das alleine wäre sicherlich weniger ein Problem, wenn sie charakterlich eine Entwicklung durchmachen würde oder zumindest zu ihren Freund*innen eine Beziehung aufbauen könnte. Doch abgesehen von ein paar wirklich lieben, solidarischen Momenten konnte ich da nicht viel spüren.

Den Schmerz der Protagonistin, die in ihrem politisch so aufgeklärten Freund*innenkreis immer wieder ihren Veganismus verteidigen muss, kann ich sehr gut nachvollziehen. Und auch die rotzige Widerständigkeit der Protagonistinnen inkl. wirklich inspirierender Protestaktionen hat mich gepackt. Aber die Geschichte hängt einfach so sehr an der Protagonistin Gorgo und die hat mich ehrlicherweise vor allem deprimiert.

Auch sprachlich war der Text nicht mein Fall. Pia Klemp arbeitet mit extrem vielen Metaphern, Bildern und Assoziationen. Das alleine gefällt mir üblicherweise schon nicht so sehr, aber die schiere Masse und Aneinanderreihung dieser Stilmittel war mir noch einmal deutlich zu viel.

Der Roman hätte meiner Meinung nach richtig viel Potenzial gehabt, wenn female rage und solidarische Verbundenheit besser in Balance gewesen wären. Auf die hier vorliegende Art war er für mich aber vielmehr eine Enttäuschung.

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Ein herzzerreißend gutes Jahreshighlight

Da, wo ich dich sehen kann von Jasmin Schreiber

Das ist das im besten Sinne schlimmste Buch, welches ich 2025 gelesen habe. Dass Jasmin Schreiber, die ich schon als meine Lieblingsautorin bezeichnen würde, großartig schreiben kann und meine Emotionen kitzelt, war mir völlig klar. Aber dieser Roman hat all meine Vorstellungen und Erwartungen zu Sternenstaub werden lassen.

Keiner anderen Person würde ich beim Romanthema „Femizid“ auch nur annähernd so vertrauen wie Schreiber. Denn sie schreibt gleichermaßen messerscharf wie streichelnd zärtlich und geht damit genau dahin, wo es wehtun muss, damit sich etwas verändert. Und das allerwichtigste: Sie gibt dem Täter entgegen so vielen Berichten, Podcasts oder Dokus KEINE Bühne und fokussiert sich auf die, die in den Schatten der Tat rutschen: die Hinterbliebenen.

Schreiber legt den Finger wieder und wieder und wieder in die Wunde, findet dann weitere wunde Stellen und legt ihren Finger auch auf diese. Doch gleichzeitig nimmt sie ihre Lesenden durch die Solidarität sowie das Mitgefühl ihrer Figuren in den Arm und schafft es so, dass es beim Lesen zwar so so weh tut, aber gleichzeitig eben nicht zu sehr. Ich habe mich beim Lesen in so vielen Facetten gespürt: Wut, Trauer, Zuneigung, Verzweiflung, Freude - alles war da und hat mich lebendig fühlen lassen. Keine andere Autor*in schafft das bei mir so zuverlässig wie Schreiber.

Doch auch stilistisch und literarisch ist das Werk makellos, es hat ein gutes Tempo mit Entschleunigung an den richtigen Stellen. Manchmal brauchte ich eine kurze Pause, um alles sacken zu lassen und auch das ging problemlos. Außerdem sind die Figuren so vielschichtig, dass wir dadurch automatisch jegliches Schwarz-Weiß-Denken links liegen lassen und Menschen in der Fülle ihrer Menschlichkeit sehen müssen. Der Hass auf den Täter steht neben der Zuneigung zu ihm, gemeine Gedanken den Eltern des Täters gegenüber neben eigenen Schuldgefühlen als Elternteil der Verstorbenen. Alle Hinterbliebenen sind mehr als ihre Trauer, auch wenn diese viel und vielschichtig Raum einnimmt.

Deren Leben sind durch die Tat von verschiedenen Folgebelastungen geprägt: Zwangs- und Angststörungen, Depressionen, Erschöpfungszustände. Schreiber beschreibt feinfühlig, dass kein Mensch Schuld hat außer dem Täter und dass es leider sehr wahrscheinlich ist, dass die Betroffene nicht gerettet werden kann. Denn „Männer töten Frauen, weil sie es wollen und weil sie es können“. Damit beschreibt sie einen Verlust des Vertrauens gegenüber Männern und damit auch eines Sicherheitsgefühls - denn woher willst du schon wissen, wie er wirklich ist und ob er Frauen nicht doch genug hasst, um sie auch zu töten?! Bestimmt kennen viele Menschen diese Gedanken und es ist zu schrecklich, dass sich diese wohl auch nicht so bald in Luft auflösen werden.

Die Auseinandersetzung mit Schuldgefühlen kann hier auch auf alle möglichen anderen Szenarien übertragen werden, sodass mich das emotional wirklich zerstört hat. Schreiber ist einfach abgrundtief ehrlich, auch in Bezug auf Therapie. Die spielt eine zentrale Rolle im Trauerprozess verschiedener Figuren, was ich unglaublich wichtig finde. Es geht aber auch um männliche Nebenfiguren, die Therapie aus anderen Gründen in Anspruch genommen haben und um Figuren, die ihre eigenen Vorurteile gegenüber Therapie hinterfragen. Gleichzeitig ist sie eben auch kein Allheilmittel, vieles bleibt schlimm, aber doch oft die beste Chance von Menschen in schwierigen Lebenslagen.

Sie findet ebenso klare Worte für True Crime Podcasts und Thriller (oft von Männern geschrieben), in denen Gewalt an Frauen nur der Unterhaltung dient oder auch gern die Charakterentwicklung des männlichen Protagonisten untermauert. Ich möchte, dass einfach alle Menschen mit entsprechenden Kapazitäten dieses Buch lesen. Es ist unglaublich hart, aber mindestens dreimal so wichtig. Natürlich werden es wieder vor allem Menschen lesen, die sich mit den Themen Femizid oder patriarchale Gewalt schon auseinandergesetzt haben - also wahrscheinlich wieder mehrheitlich Betroffene. Doch auch als Person, die in diesem Bereich schon sensibilisiert ist, habe ich noch mal einiges dazugelernt und meine Sichtweise festigen können. Vor allem aber ist es eines dieser Bücher, die uns ins Fühlen zwingen und trotzdem auch sanft wieder heraus führen.

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Eindrücklich, lehrreich und ermutigend

Chile ist aufgewacht von Su Rivas

Ich habe die erste Auflage des Sachcomics gelesen, also ohne die aktuellen Entwicklungen. Die erste Auflage endet nämlich ziemlich hoffnungsvoll und der Gedanke daran, was aus dem neuen Verfassungsentwurfs dann geworden ist, hat mir echt das Herz gebrochen.

Nichtsdestotrotz finde ich das Buch wirklich ganz toll und optimal, um niedrigschwellig etwas über Chile und seine jüngste Vergangenheit sowie Gegenwart zu lernen.

Durch ein gutes Verhältnis von Text zu Bild ist das Buch weder zu überladen noch zu vereinfachend. Natürlich dient dieses Format eher einem ersten Eintauchen, aber das hätte nicht besser gemacht werden können.

Ich bewundere die Menschen Chiles sehr für ihren Mut, sich dem diktatorischen Regime und seiner Verfassung entgegenzustellen. Der paritätische Verfassungskonvent und der von ihm entwickelte Verfassungsentwurf zeigen trotz ihres Scheiterns, dass Menschen viel erreichen können, wenn sie mit- statt gegeneinander arbeiten.

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Eine weihnachtlicher, queerer Safer Space voller Warmherzigkeit

Ein Weihnachtswunder für uns von Lizzie Huxley-Jones

Ich mochte schon die vorangegangene Weihnachtsgeschichte von Lizzie Huxley-Jones sehr gern, weil sie (abgesehen von den ständigen Beschreibungen tierlicher Ausbeutungsprodukte, die unbedingt verzehrt werden müssen) ein echter Safer Space in Romanform war. Auch dieses Buch konnte meine entsprechenden Erwartungen wieder erfüllen.

Enemies-to-Lovers ist nicht mein liebster Trope und ich würde auch sowieso nicht von einer echten Feindschaft sprechen, aber Huxley-Jones hat das wirklich gut gemacht. Es ist einfach spürbar, dass they einen hohen Anspruch an die Inklusivität der Geschichte hat. Nicht nur ist Nash ein transmännlicher Protagonist, er hat auch eine Behinderung - beide Elemente seiner Lebensrealität werden gleichermaßen respektvoll wie unaufgeregt thematisiert. Die Kommunikation zwischen den Protagonisten hätte für meinen Geschmack zwar gern etwas direkter sein dürfen, aber ich drücke hier ein Auge zu, weil ich die beiden einfach lieb und unterhaltsam fand.

Nebenbei ist das Setting ganz toll! Zum einen finde ich lobenswert, wie hier walisische Sprache und Kultur zumindest ein bisschen Präsenz bekommt. Zum anderen liebe ich die dörfliche, manchmal etwas raue, aber im Endeffekt doch einander zugewandte Atmosphäre sehr. Die Dorfmenschen sind stellenweise reserviert und ruppig, aber in letzter Konsequenz solidarisch und warmherzig. Damit hat Huxley-Jones erneut einen Ort geschaffen, an dem Weihnachten ein angenehmes Fest für alle sein kann. Auch das Nachwort bzgl. der Beschreibung von trans* Körpern sowie dem realen transfeindlichen Klima fand ich wichtig.

Positiv aufgefallen ist mir zudem, dass der Geschichte zwar immer noch speziesistisches Gedankengut zugrundeliegt (wo dem Kätzchen geholfen wird, wird das Lamm gegessen), aber zumindest vegane Optionen beim Essen thematisiert werden. Vielleicht kommen wir irgendwann dahin, dass wir auch Tiere in unserem Kampf gegen Diskriminierung mitdenken. Trotz dieses erneuten Wermutstropfens empfehle ich den Roman gern für alle, die sich beim Lesen eines Weihnachtsromans sicher oder sogar gesehen fühlen wollen.

4,5 Sterne

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Bissig, pointiert und hochgradig unterhaltsam

Die Unbußfertigen von Elina Penner

Mein erstes Werk von Elina Penner und dann gleich so ein Banger! „Die Unbußfertigen“ war unglaublich unterhaltsam, süchtigmachend und gleichzeitig so spitzzüngig wie gesellschaftskritisch. Die Autorin hat es mit ihrem zugänglichen Schreibstil geschafft, sehr viele Gleichzeitigkeit in einen Roman zu packen.

Die Idee, verschiedene Internetstereotype in Protas zu verwandeln und sie selbst à la „Die Truman Show“ in eine Art Reality-Format zu setzen, finde ich an sich schon total aufregend. Doch Penner schafft es auch darüber hinaus wunderbar, die Stereotype weiterzudenken und sie nicht platt erscheinen zu lassen. Sicherlich spielt hier aber auch meine feministische Ader eine große Rolle, weil die cis-männlichen Teilnehmer deutlich schlechter wegkommen als die cis-weiblichen.

Um aus dem Format, von dem alle sehr lange gar nicht wissen, dass sie sich in ihm befinden, herauszukommen, müssen sie büßen - was quasi bedeutet, sich verletzlich zu zeigen. Die Männer, die verschiedene Vergehen/Verbrechen begangen haben, eint ihre misogyne Grundhaltung. Und ihnen gegenüber stehen moralisch zwar durchaus auch problematische Frauen, die aber allesamt willensstark sind und die Männer mit pointierter Schärfe an bzw. über ihre Grenzen bringen.

Das Unterhaltungsformat sowie die zugrundeliegende Gesellschaftskritik inklusive einiger Real-Life-Referenzen haben mich gefesselt, die teils erbarmungslosen Frauenfiguren begeistert. Penner behandelt eine Vielzahl internetbezogener Problemfelder wie esoterische Heilsversprechen, das Präsentieren der eigenen Kinder auf Social Media oder die Verbreitung rechtsnationalistischen Gedankenguts. Dadurch werden (sicherlich nicht sonderlich tiefgründig, dafür aber greifbar) die Wirkweisen menschenfeindlicher Propaganda verdeutlicht. Und ich habe mir z. B. noch nie dediziert Gedanken darüber gemacht, warum die sogenannte „Friendzone“ im Kern so unglaublich misogyn ist.

Die Auflösungen zur Vorgeschichte der jeweiligen Figuren sind, sicherlich bewusst, kurz gehalten und brechen Cliffhanger-mäßig ab. Das passt hervorragend zur Form des Romans, ich wäre da aber wirklich gern noch tiefer eingetaucht. Nichtsdestotrotz ein echter Lichtblick dieses Jahr, der als Buch und Hörbuch gleichermaßen großartig funktioniert. Die vielschichtigen, ambivalenten Figuren fordern ihre Leser*innen heraus, ohne dabei an Unterhaltungswert zu verlieren. Wie Elina Penner Leichtigkeit und satirischen Tiefgang miteinander kombiniert, ist wirklich bemerkenswert.

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Bissig, pointiert und hochgradig unterhaltsam

Die Unbußfertigen von Elina Penner

Mein erstes Werk von Elina Penner und dann gleich so ein Banger! „Die Unbußfertigen“ war unglaublich unterhaltsam, süchtigmachend und gleichzeitig so spitzzüngig wie gesellschaftskritisch. Die Autorin hat es mit ihrem zugänglichen Schreibstil geschafft, sehr viele Gleichzeitigkeit in einen Roman zu packen.

Die Idee, verschiedene Internetstereotype in Protas zu verwandeln und sie selbst à la „Die Truman Show“ in eine Art Reality-Format zu setzen, finde ich an sich schon total aufregend. Doch Penner schafft es auch darüber hinaus wunderbar, die Stereotype weiterzudenken und sie nicht platt erscheinen zu lassen. Sicherlich spielt hier aber auch meine feministische Ader eine große Rolle, weil die cis-männlichen Teilnehmer deutlich schlechter wegkommen als die cis-weiblichen.

Um aus dem Format, von dem alle sehr lange gar nicht wissen, dass sie sich in ihm befinden, herauszukommen, müssen sie büßen - was quasi bedeutet, sich verletzlich zu zeigen. Die Männer, die verschiedene Vergehen/Verbrechen begangen haben, eint ihre misogyne Grundhaltung. Und ihnen gegenüber stehen moralisch zwar durchaus auch problematische Frauen, die aber allesamt willensstark sind und die Männer mit pointierter Schärfe an bzw. über ihre Grenzen bringen.

Das Unterhaltungsformat sowie die zugrundeliegende Gesellschaftskritik inklusive einiger Real-Life-Referenzen haben mich gefesselt, die teils erbarmungslosen Frauenfiguren begeistert. Penner behandelt eine Vielzahl internetbezogener Problemfelder wie esoterische Heilsversprechen, das Präsentieren der eigenen Kinder auf Social Media oder die Verbreitung rechtsnationalistischen Gedankenguts. Dadurch werden (sicherlich nicht sonderlich tiefgründig, dafür aber greifbar) die Wirkweisen menschenfeindlicher Propaganda verdeutlicht. Und ich habe mir z. B. noch nie dediziert Gedanken darüber gemacht, warum die sogenannte „Friendzone“ im Kern so unglaublich misogyn ist.

Die Auflösungen zur Vorgeschichte der jeweiligen Figuren sind, sicherlich bewusst, kurz gehalten und brechen Cliffhanger-mäßig ab. Das passt hervorragend zur Form des Romans, ich wäre da aber wirklich gern noch tiefer eingetaucht. Nichtsdestotrotz ein echter Lichtblick dieses Jahr, der als Buch und Hörbuch gleichermaßen großartig funktioniert. Die vielschichtigen, ambivalenten Figuren fordern ihre Leser*innen heraus, ohne dabei an Unterhaltungswert zu verlieren. Wie Elina Penner Leichtigkeit und satirischen Tiefgang miteinander kombiniert, ist wirklich bemerkenswert.

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Ein hartes, aber wichtiges Buch

Klimaungerechtigkeit von Friederike Otto

Friederike Otto hat hier ein Werk geschrieben, das es auf gerade einmal 300 Seiten schafft, die Komplexität des Klimawandels sowie der Wirkweise des ihm zugrundeliegenden kolonialfossilen Narrativs abzubilden. Ich war sehr beeindruckt, inhaltlich aber phasenweise auch wirklich ganz schön überfrachtet.

Dabei möchte ich das nur in geringem Maß der Autorin selbst anlasten, denn sie schreibt überwiegend gut verständlich. Aufgrund des Themas und seiner inhärenten Schwere wirkt der Text jedoch immer wieder auch niederschmetternd. Der Fokus auf die Betroffenen verschiedener Extremwetterereignisse und die ihnen gegenüberstehenden Ausschlüsse bei internationalen politischen Entscheidungsprozessen ist absolut richtig gesetzt und hat mich gleichzeitig belastet.

Ich durfte aber auch wirklich Grundlegendes lernen. Die Autorin lenkt das Zentrum unserer Bemühungen sehr eindringlich auf die Beseitigung des kolonialfossilen Narratives, das den Klimawandel in seiner aktuellen Form erst verursacht hat. Nur ein Abwenden davon wird uns den Raum für gerechte Lösungen eröffnen - viel mehr, als wenn wir uns nur auf den konkreten Klimawandel konzentrieren. „Es [reicht] längst nicht, die globale Erwärmung aufzuhalten.“ - die Erkenntnis hat mich sehr bereichert, zeigt sie doch, dass der Klimawandel weniger ein physikalisches als ein Gerechtigkeitsproblem ist. Für diesen Systemwandel brauchen wir neue Erzählungen, die das kolonialfossile Narrativ eben nicht als einen Heilsbringer sehen, wodurch ein Abwenden davon mit Verzicht und Rückschritt einhergehen würde. Stattdessen könnte es ja sein, dass wir gerade in einer Welt voller Verzicht leben und der eigentliche Wohlstand erst noch kommt - wenn es mehr um Gemeinschaft und Mitgefühl mit allen/allem geht als um neoliberalen Erfolg. Und an der Stelle sind vor allem wir gefragt, die das Gespräch shiften und damit Politik, Justiz sowie Medien beeinflussen können.

Auch lehrreich fand ich den Fakt, dass sich neben der politisch ziemlich präsenten Vermeidung neuer Treibhausgasemissionen vor allem auch auf die Anpassung an neue klimatische Bedingungen sowie die finanzielle Abgeltung seitens des globalen Nordens für Schäden und Verluste im globalen Süden fokussiert werden sollte. Besonders beim zweiten Punkt trägt zwar auch die Lokalpolitik des jeweiligen Landes eine Verantwortung, doch die darf von den Hauptverursachern des Klimawandels nicht allein gelassen werden.

Trotz der guten Strukturierung in vier verschiedene übergeordnete Wetterereignisse, fand ich die untergeordneten Absätze nicht immer schlüssig. Ein wenig mehr logische Struktur hätte mir hier besser gefallen. Dass vor allem diejenigen betroffen sind, die am wenigsten zum menschengemachten Klimawandel beigetragen haben, dürfte den meisten bekannt sein. Und Otto geht immer wieder auf die zugrundeliegende, (post-)koloniale sowie patriarchale Ungerechtigkeit ein, aber das hätte für mich noch deutlicher sein dürfen.

Vielleicht verlange ich da aber bei diesem komplexen Thema auch zu viel, denn die Autorin bildet hier auf beeindruckende Art die Vielschichtigkeit der wirkenden Narrative ab. Und ich bewundere sie sehr dafür, dass sie besonders im letzten Viertel des Buches hoffnungsvoll auf die Zukunft blicken kann, ohne vereinfachte Handlungsanweisungen zu geben. Aber sie sieht eben sehr wohl unsere gesellschaftlichen Möglichkeiten bei all den multiplen Krisen aktuell - weil wir in der Vergangenheit auch scheinbar unumstößliche Narrative pulverisiert haben.

Wer tiefer und sehr konkret in die dem Klimawandel zugrundeliegende Ungerechtigkeit eintauchen will, ist hier an der richtigen Adresse. Wissenschaftliches Vorwissen bietet sich schon an, denn ich empfand einige Formulierungen als eher akademisch. Und auch, wenn mensch beim Lesen die Schwere des Themas aushalten muss, hatte ich am Ende richtig Gänsehaut, weil die Autorin mir wirklich Mut gemacht hat - das hätte ich nach den Kapiteln davor nicht erwartet.

4,5 Sterne

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