Kunden em pfehlungen
Rezensionen von bakerstreetbabe:
Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte
Peggy Guggenheim von Mona Horncastle
Das Buch verspricht, Peggy Guggenheims Geschichte abseits aller Klischees zu erzählen. Da ich ihre Lebensgeschichte nun vor allem aus diesem Buch kenne, kann ich das zwar nicht abschließend beurteilen, doch hatte auf jeden Fall den Eindruck, dass neutral ihr Wirken in der Kunstförderung und -bewahrung, aber auch ihre schwierigen Seiten aufgezeigt hat.
Die jeweiligen Kapitel sind kurz gehalten, und erzählen jeweils einen Abschnitt aus ihrem Leben, sodass man gut mitkommt und wenn man - wie ich - Sachbücher eher Stück für Stück liest, passende Sinneinheiten findet. Darüber hinaus gibt es viele Bilder, die dem Leser Peggy und andere Protagonisten ihres Lebens näher bringen. Durch die vielen Literaturverweise fällt es auch leicht, tiefer einzusteigen.
Einziger Kritikpunkt: Es wird hier sehr viel mit Namen um sich geworfen. Natürlich ist es interessant zu sehen, mit wem Peggy Guggenheim Kontakt hatte, aber bei 5 verschiedenen Namen in einem Abschnitt fiel es mir manchmal schwer, noch zu folgen. Hier wäre vielleicht weniger manchmal mehr gewesen. Eine Hilfestellung ist aber das umfassende Personenregister am Ende des Buches.
Insgesamt ein wunderbares Sachbuch für alle, die sich für Kunstgeschichte, aber auch feministische Geschichte interessieren, da Peggy sich nicht nur vor allem auch für die Förderung von Künstlerinnen einsetzte und mit vielen Sammlerinnen Kontakt pflegte, sondern sich leider auch im Laufe ihres Lebens immer wieder mit sexistischen Aussagen auseinandersetzen musste. Auch ihr Leben wurde im Nachhinein vor allem aus dem Blickwinkel männlicher Biografen bewertet, weshalb dieses Buch eine Bereicherung in den Werken über ihr Leben darstellt.
Die ??? sind zurück
Die Auferstehung von Andreas Eschbach
Als eingefleischter ??? Fan habe ich mich riesig gefreut, dieses Buch lesen zu dürfen. Wir begleiten die drei Fragezeichen viele Jahre nach ihrer Zeit als Jugenddetektive. Jeder der drei geht seinen eigenen Weg - doch ein mysteriöser Fall bringt sie wieder zusammen. Können Sie das Rätsel um die Auferstehung einer jungen Frau lösen?
Bereits in der Leseprobe wurde deutlich, dass die drei Fragezeichen in dieser Interpretation der Detektive eine sehr andere Entwicklung genommen haben, als man vermuten würde.
Auch wenn es im Hinblick auf die Hörspiele nicht ganz schlüssig scheint, hat es für mich zu dem etwas erwachseneren Ton der Gesamtgeschichte gepasst, denn auch bei den ??? kommt eben das Leben dazwischen. Nur Peters Lebensweg erscheint mir wirklich etwas arg an den Haaren herbei gezogen.
Die Geschichte nimmt jedoch schnell fahrt auf und die ersten Rätsel wollen gelöst werden. Es hat mir gut gefallen, wie die drei doch wieder in einen Fall verwickelt werden und sich nach und nach alle Wege und Handlungsstränge treffen und miteinander verweben. Dabei treffen wir immer wieder alte Bekannte und Fans werden sich sicher über die eine oder andere Anspielung freuen.
Auch der Schauplatz Rocky Beach wird aus meiner Sicht wunderbar zum Leben erweckt. Es fühlt sich wirklich an, als würde man mit den dreien, besonders Justus, die Gegend erkunden, wo viel noch immer beim Alten geblieben ist - selbst Tante Mathilda. Diese, wie auch die anderen Charaktere, werden vom Autor gut zum Leben erweckt und viele Interaktionen fühlen sich so an, als könnten sie auch in den Hörspielen so stattfinden.
Die Geschichte an sich ist etwas vorhersehbar, aber dennoch spannend und vor allem leicht zu lesen. Selten habe ich ein Buch so schnell beendet.
Alles in allem ein rundum gelungenes Leseerlebnis für Fans der ???, wenn man sich auf die etwas andere Interpretation der Zukunft unserer Lieblingsdetektive aus Rocky Beach einlässt.
Ein neues Holmes Abenteuer
Holmes & Moriarty von Gareth Rubin
Als großer Fan von allem, was mit Sherlock zu tun hat, musste ich unbedingt dieses Buch lesen. Holmes und Moriarty arbeiten zusammen? Wie kann das funktionieren? Und was soll ich sagen: Es funktioniert gut!
Zum Grundaufbau sei gesagt, dass das Buch abwechselnd aus den Perspektiven von John Watson (ich denke, hier bedarf es keiner Vorstellung) und Moran, dem "Handlanger" von Moriarty, geschrieben ist.
Besonders die Perspektive von Moran war für mich gewöhnungsbedürftig, da er eine sehr derbe / unangenehme Ausdrucksweise und Perspektive auf die Welt hat. Auf der einen Seite macht es das natürlich glaubwürdiger, zum anderen wurde es hier teilweise meiner Meinung nach zu weit getrieben, weshalb ich auch nur 4 statt 5 Sterne vergebe.
Doch alles andere hat mich wirklich begeistert: Fans der originalen Geschichten werden viele Anspielungen, Formulierungen und Gewohnheiten wiederfinden, und es fühlt sich tatsächlich ein wenig an, als würde man einen neuen Roman aus der Feder von Doyle lesen. Dabei wurde hier ein guter Weg gefunden, ein Mysterium aufzubauen, dass bis zum Ende unterhält. Man kann auf die Lösung kommen, indem man kombiniert, aber es fühlt sich nicht zu offensichtlich an. Hinzu kommen einige spannungsgeladene "Action-Szenen" und eine winterliche Atmosphäre. Neu ist natürlich die anders geartete Dynamik mit Moriarty. Doch auch das wurde gut erklärt und wirkte so nicht fehl am Platz. Im Gegenteil: Die Schlagabtausche zwischen den Charakteren verliefen genauso, wie ich es erwartet hätte und haben mich oft laut auflachen lassen.
Wer also bereits alle Abenteuer von Sherlock Holmes kennt, der kann seine Sehnsucht definitiv mit diesem Buch stillen. Ich werde auf jeden Fall auch das nächste Buch der Reihe lesen, denn: Das Spiel geht weiter.
Mord auf dem Campingplatz
Mord im Himmelreich von Andreas Winkelmann
Mord im Himmelreich hat mich aus verschiedenen Gründen sehr interessiert. Zum einen habe ich schon einige Bücher von Andreas Winkelmann gelesen und zum anderen spielt das Buch nicht weit weg von meiner Heimat entfernt. Dementsprechend waren meine Erwartungen auch recht hoch und ich wurde nicht enttäuscht.
Winkelmann zeigt mit dem Auftakt seiner neuen Reihe, dass er auch Cosy Crime kann. Von Kupernikus , dem Tatort Schauspieler im Ruhestand, hätte ich mir noch ein bisschen mehr Tiefgang gewünscht, aber seine Begleiterin Annabel war sehr sympathisch und gemeinsam hatten sie eine gute Dynamik. Etwas gestört haben mich ein paar der anderen Charaktere, die teilweise doch schon arg überzeichnet waren, insbesondere wenn es um die Verwendung von Jugendsprache geht.
Auch äußerlich passt das Buch gut zu Cosy Crime. Das Cover ist sehr liebevoll gestaltet und auf der Innenseite findet sich sogar eine Karte des Campingplatzes. Außerdem erwartet den Leser am Ende noch ein wahrer Schatz: Annabel Schäfers lustige Rezepte. Ich werde sicher einmal eins davon ausprobieren und mich dann auch kulinarisch noch einmal zum Campingplatz Himmelreich begeben.
Der Campingplatz ist auch insgesamt ein schöner Schauplatz, der mir bisher in nur wenigen Büchern begegnet ist. Besonders im Sommer eignet sich das Buch bestimmt auch gut als Literatur für den eigenen Campingurlaub.
Schön ist auch, dass man als Leser mitraten kann, und das Ende nicht so weit hergeholt ist.
Insgesamt ein sehr schöner Cosy Crime Roman mit sympathischen Charakteren, von denen ich gern noch mehr lesen möchte!
Wettlauf auf den Spuren der eigenen Vergangenheit
Stalker - Er will dein Leben. von Arno Strobel
Da ich die meisten Bücher von Arno Strobel in kurzer Zeit verschlungen und sehr gemocht habe, war ich auch auf dieses Buch sehr gespannt. Das Stalking-Thema, kombiniert mit der Welt des Schauspiels und des Theaters, klang vielversprechend: Eric Sanders erlebt nach seiner ersten größeren Rolle im Tatort eine bisher nie dagewesene Menge an Aufmerksamkeit, die ihn hoffnungsfroh auf die Zukunft schauen lässt, aber auch einige Neider hervorbringt.
Einer davon erstellt ein Fakeprofil unter seinem Namen und beginnt, seine Identität anzunehmen. Doch dabei soll es nicht bleiben.
Nach einer kurzen Einführung steigen wir recht schnell und intensiv in die Handlung ein. Eric Sanders erschien mir als eher sympathischer Hauptcharakter, wobei er und auch seine Familie eher ein bisschen blass blieben. Dadurch, dass sich die Spannung und Bedrohungslage aber Stück für Stück steigern, konnte ich kaum aufhören zu lesen. Gemeinsam mit Eric setzt man sich mit seiner Vergangenheit auseinander, rätselt mit und versucht, den Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Anders als bei Geschichten mit ähnlichen Themen fand ich auch die meisten seiner Handlungen zumindest weitestgehend nachvollziehbar.
Allerdings muss man sagen, dass, um die Auflösung der Geschichte nicht zu früh offensichtlich zu machen, die Vorgehensweise von einigen Personen in Erics Vergangenheit etwas weit hergeholt ist, für mich hat es sich aber noch in einem Rahmen bewegt, der für einen Thriller glaubhaft ist.
Die Spannung gipfelt schlussendlich in einem intensiven Finale, dass mir zunächst sehr gut gefallen hat. Es löst viele Elemente der Geschichte gelungen auf und schließt sie schlüssig ab. Dann kommt allerdings der Nachschub, welcher leider den gesamten Spannungsaufbau und die Charakterentwicklung für mich zerstört hat. Mein Eindruck war, dass man hier nochmal bewusst für einen Schockmoment sorgen wollte, der aber so aus dem Nichts kam, dass er sehr gekünstelt wirkte. Für den Leser war das in keinster Weise erahnbar, was für mich einen guten Plottwist ausmacht – zwar sieht man ihn nicht kommen, aber im Anschluss wird einem alles klar und vorherige Andeutungen ergeben einen Sinn. Das war bei dieser Geschichte leider nicht der Fall.
Insgesamt ist es eine unterhaltsame Thrillergeschichte mit vielen Wendungen, aber einem für mich eher enttäuschenden Ende.
Cosy Crime
Der falsche Vogel von C.L. Miller
"Der falsche Vogel" von C. L. Miller verspricht eine humorvolle Kriminalgeschichte mit britischem Flair. Die Hauptcharakterin ist Freya, die gerade mitten in einer unangenehmen Scheidung steckt, als sie notgedrungen in ihre alte Heimatstadt zurückkehren muss. Grund ist der überraschende Tod von Arthur, bei dem sie nicht nur alles über ihren früheren Beruf als Antquitätenfanderin lernte, sondern der auch der beste Freund ihrer Tante Carole war, welche Freya nach dem Tod ihrer Eltern großzog und aufnahm.
Doch die einst enge Beziehung zu Arthur wurde durch dramatische Ereignisse beendet, die auch dazu führten, dass Freya den Job als Fanderin aufgab. Doch nachdem Arthurs Tod immer weniger wie ein Unfall erscheint, ist Freya gezwungen, wieder in die Welt der Antiquitäten einzutauchen und herauszufinden, was passiert ist.
Der Vergleich mit Büchern wie Donnerstagsmordclub und anderen humorvollen britischen Krimireihen hatte mich sofort angesprochen und neugierig auf die Geschichte gemacht. Tatsächlich erleben wir mit Freyas Tante Carole einen amüsanten Charakter, während alle anderen Protagonisten, einschließlich Freya, aus meiner Sicht etwas blass wirkten. Über Freya erfahren wir viel, jedoch habe ich mich ihr dennoch nicht sehr nah gefühlt. Alle anderen Charaktere bergen viele Geheimnisse, weshalb sie erst zum Schluss des Buches, dann aber gehäuft, mehr Tiefe bekommen.
Gut gefallen haben mir die Schauplätze der Geschichte, allen voran ein altes Herrenhaus, in dem ein Großteil der Geschichte spielt. Hier treffen die verschiedenen Charaktere aufeinander und es gilt, herauszufinden, wer von ihnen etwas verbirgt. Da dabei die Zeit begrenzt ist, die Freya und Carole zum ermitteln haben, baut sich schnell Spannung auf. Doch die Puzzleteile, die nach und nach aufgedeckt und zusammengefügt werden, waren aus meiner Sicht oft recht weit hergeholt, bzw. stand die Frage im Raum, warum bestimmte Charaktere so gehandelt haben sollten, wie es beschrieben wird. Bis zum Ende hatte ich gehofft, dass noch ein Aha-Erlebnis kommt und sich alles komplett schlüssig zusammenfügt, aber die finale Erklärung erschient leider immer noch nicht vollkommen logisch und wirkte auch etwas konstruiert.
Daher führte der angenehme Schreibstil, das gemütliche Setting und das interessante Thema zwar gut durch das Buch, aber der Versuch, einen Sinn in das Geschehen zu bringen, riss mich immer wieder aus der Geschichte. Insgesamt würde ich das Buch dennoch als unterhaltsam beschreiben und auch dem bereits stark angedeuteten zweiten Band eine Chance geben, um zu sehen, ob hier die kriminellen Handlungen schlüssiger erscheinen.
Eine bewegende Familiengeschichte
Annas Lied von Benjamin Koppel
Annas Lied erzählt die Geschichte von Hannah Koppelmann, von ihrer Kindheit in der großen und turbulenten Familie, bis zu den späteren Jahren. Wie der Titel des Buches bereits verrät, ist Musik ihre größte Leidenschaft und bleibt in ihrem bewegten Leben eine beruhigende Konstante.
Mit Annas Lied erzählt der Autor Benjamin Koppel auch seine eigene Familiengeschichte anhand des Lebenswegs der Protagonistin Anna.
Dieser ist von den traumatischen Erfahrungen der Flucht während des Kriegs, aber auch einer großen Einsamkeit geprägt. In kurzen Ausschnitten erleben wir Annas Entwicklung, ihre Sehnsüchte, Ängste und - natürlich - ihre Träume, die seit ihrer Jugend eine besondere Rolle für sie spielen.
Leider konnten der Schreibstil und die Art der Erzählung diese bewegende Geschichte aus meiner Sicht nicht optimal rüberbringen. Der Autor beschreibt Annas Emotionen oft, zeigt sie aber wenig. Einige Erlebnisse, die große Veränderungen in Annas Leben bedeuten, werden nur am Rande und in wenigen Sätzen abgehandelt. Dadurch entstand für mich eine Distanz zur Protagonistin. In Kombination mit den von ihr getroffenen Entscheidungen, die zwar aufgrund ihrer Vergangenheit und Prägung nachvollziehbar sind, war es teilweise etwas frustrierend, der Handlung zu folgen.
Dennoch ist Annas Lied eine lesenswerte Geschichte über Verlust, Einsamkeit und dem Verzicht auf die eigene Selbstentwicklung zugunsten anderer Werte.








