Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Daggy:
Zum Kichern und Nachdenken
Der Hahn erläutert unentwegt der Henne, wie man Eier legt von Ella Carina Werner
Mich hat einfach der Untertitel „Feministische Tiergedichte“ sehr gereizt, das Buch zu lesen und der Titel beschreibt männliches Verhalten, wie ich es kenne.
Und es geht auch gleich handfest los, die Nachtigall verzichtet wegen des schlaffen Beckenbodens auf Nachwuchs, Schildkröten sind innerlich wild und die Ente bekommt im Gegensatz zum Erpel keine Rente.
Die Störchin lässt sich vom Kranich vernaschen und das schrille Bild zeigt die beiden im Nest. Das Gedicht vom gebärenden Seepferdchen ist schon etwas länger, während die meisten Gedichte mit zwei Zeilen auskommen. „Heute starb ihr zwölfter Mann – gezogen ihm des Lebens Stecker! Die Schwarze Witwe flennt zu Gott: Warum sind die Kerls so lecker?“ Neben der weinenden Spinne hängen die Bilder ihrer Verflossenen an der Wand.
Einige der Reime sind schon sind schon sehr handfest, so bietet der Rehbock der Ricke an, sie zu ficken, da sie dann selbst handelt möchte, verzichtet der Bock. Mir gefällt auch die Hummel gut, die keine Wespentaille braucht und deshalb auch kein Korsett trägt.
Wie die Autorin selbst im Nachwort schreibt, gibt es viele Tiergedicht, die von Männern geschrieben wurden. Und deshalb wurde es einfach Zeit für dieses Buch, das ist auch meine Meinung. Ob frivol, ob das Patriachat angreifend oder einfach nur witzig, mir haben die Gedichte durchweg gut gefallen und ich kann dieses Gedichtband nicht nur Frauen empfehlen. Neben dem Text ist aber auf jeden Fall auch der Illustratorin Lob auszusprechen, denn durch ihre Zeichnungen wird die Wirkung gut verstärkt.
Krabbel-Haus-Tiere
102 "Haustiere" von Nicole Röndigs
Wie fast alle Kinder wünscht sich Benno ein Haustier, doch seine sonst so idealen Eltern haben viele Gründe kein Tier anzuschaffen. Auf dem Cover sehen wir dann die Haustiere, die die nette Nachbarin Frau Professor Mahmudi ihm zeigt.
Mit einer Lupe taucht sie bei Benno in der Wohnung auf und es geht zunächst ins Bad, dort stoßen sie auf die kleinen Silberfische und was die Professorin darüber erzählt, ist schon sehr interessant.
Es gibt im Buch auch gleich einen Karteikarte der Tiere mit den wichtigsten Daten. Der Skorpion, der in den alten Büchern sitzt und der sich von Staubmilben und Läusen ernährt, ist schon sehr faszinierend. In der Blumenerde treffen sie auf den Springschwanz, der vergammelte Pflanzenreste mag. Die Kellerassel ist da schon nicht so ungewöhnlich, die findet man auch ohne Lupe.
Nach der Geschichte gibt es noch ein paar „Haustiere“ und auf den letzten freien Seiten können noch Eintragungen zu anderen Tieren gemacht werden.
Eine hervorragende Idee, diese kleinen „Haustiere“, die wir meist Ungeziefer nennen hier vorzustellen, denn das müssen wir feststellen, dass sie nicht nur nützlich und harmlos sind, sondern einige von ihnen verfügen sogar über Superkräfte.
Mit dem Buch hat man drei in einem, eine schöne Geschichte, viel Wissen und Illustrationen anhand derer man mit der Lupe auf die Suche nach eigenen Haustieren gehen kann.
Graben als Selbstzweck
Tomke gräbt von Lena Hach
Zartgrün ist das Cover und alles wirkt ein wenig verwaschen. Mit seiner Schüppe gräbt Tomke ein Loch in die Wiese.
„Tomke ist im Garten“ so beginnt das Buch und der Junge geht auf nackten Füßen und mit seiner Schaufel los. Opa und Oma, die auf ihre Liegen zu sehen sind, raten, warum er gräbt.
, doch Tomke schüttelt er nur den Kopf. Auch als der Rest der Familie überlegt, warum Tomke das Loch gräbt, gibt er keine Antwort. Die Nachbarinnen vermuten, dass Tomke einen Tunnel, vielleicht zur Eisdiele, gräbt. Das Bilde zeigt Tomke in einem verzweigten Tummelsystem. Nachdem auch der Erdkern zur Debatte steht, liegt Tomke mit geschlossenen Augen auf der Wiese, während die Familie wohl einen Grillabend einläutet. An einem Regentag sehen wir den Jungen mit Cape, er sammelt jetzt.
Ich muss leider gestehen, dass sich mir der Sinn dieses Bilderbuches nicht ganz erschließt.
Trotz der Bemühungen der Familie spricht der Junge nicht mit ihnen, keine Erläuterung und deshalb auch keine Unterstützung. Das macht mich eher traurig und der Junge tut mir leid.
Wie hinten auf dem Buch steht, reichte es Tomke, einfach nur zu graben. Meine Enkel (3 + 5) haben sich nicht zu der Geschichte geäußert.
Ein Kind erlebt die Trennung der Eltern
Einmal Doppelknuddel, bitte! von Alicia Acosta
Das Kind auf dem Cover hält die Hände seiner beiden Eltern und lächelt glücklich.
Dann zeigt es uns, wie der Doppelkuddel aussieht. Mama und Papa umarmen und küssen sich und das Kind ist zwischen ihnen eingeklemmt. Aber leider hat sich etwas im Verhältnis der Eltern geändert, sie streiten und geknuddelt wird nur noch einzeln.
Und dann ist es so weit die beiden trennen sich. Da sucht das Kind die Schuld bei sich und hat viele Fragen und die wichtigste lautet „Habt ihr mich etwas nicht mehr lieb?“ Beide Eltern erklären liebevoll, dass sie das Kind NIE allein lassen werden und es immer liebhaben. Danach kommt die Trauer, aber auch da finden die Eltern tröstende Worte. Danach versucht das Kind die beiden wieder zusammenzubringen und erklärt ihnen wie toll der jeweils andere ist. Aber trotzdem werden die Eltern zukünftig nur Freunde sein, was nicht bedeutet, dass sie nicht zusammen eine Familie bleiben werden.
Die Geschichte beschreibt aus Sicht des Kindes die Trennung der Eltern, mit allen Gefühlen, die dabei ein Rolle spielen. Die einfachen Zeichnungen auf weißem Hintergrund bilden sehr gut diese Gefühle ab. Da stehen die Eltern, die sich gerade noch schmatzend geküsst haben, Rücken an Rücken. Beide halten ein Smartphone in der Hand mit dem Icon „Mülleimer“. Da ist der traurige Mund des Kindes eine Schlangenlinie oder schreiend weit geöffnet. Oft ist es in Verkleidung zu sehen und ich kann nicht wirklich das Geschlecht festmachen, so werden sich alle Kinder angesprochen fühlen. Obwohl es hier um eine Familie mit Vater-Mutter-Kind handelt, werden andere Formen der Familie erklärt. Ein wirklich sehr gelungenes Bilderbuch zum Thema Trennung.
Grenzen setzten
Kalle will nicht knuddeln - Eine Geschichte zu Consent und Nein-Sagen ab 4 Jahren von Jule Wellerdiek
Mit großen runden Augen schaut uns Kalle vom Cover aus an. Seine Vorderpfote schaune aus einem grünen Anzug mit vielen bunten Stacheln hervor. Zwei andere Hundeschnauzen schauen ihn an.
Ale der kleine knuddelige Kalle in den Park kommt, laufen alle anderen Hunde auf ihn zu, sie rufen seinen Namen und nennen ihn „Kuschelfreund“ und rufen eine „Kuddelattackeee!“ aus.
Obwohl Kalle seine Freunde mag, möchte er am liebsten wegrennen. Wieder zu Hause sieht er im Spiegel, wie weich und flauschig er auf die anderen wirkt. Da fällt sein Blick auf den Kaktus auf der Fensterbank und er überlegt, dass den niemand knuddeln möchte. Deshalb betritt er am nächsten Tag mit den grünen stacheligen Anzug den Park.
Sowas kennen sicher die meisten Kinder, dass Erwachsene sie gerne drücken, ihnen über die Haar streicheln oder sie sogar küssen. Keiner überlegt, ob er das wohl gerne hätte, wenn andere das mit ihnen machen würden. Meine Enkel kuscheln alle gerne, aber es muss ihnen passen und das finde ich richtig so. Manchmal ist ihnen eben einfach nicht danach und das muss man als Erwachsener respektieren. Im Buch besprechen die Hunde Situationen, die ihnen auch nicht behagen und sicher können die Kinder noch viele davon nennen.
Ich denke, dieses Buch kann uns Erwachsenen Denkanstöße geben, den Kindern macht das Vorlesen der kurzen Texte und das Anschauen der liebenswertes Bilder einfach Spaß.
Ausbeuten der Schwester und der Natur
Moor Myrte und das Zaubergarn von Sid Sharp
Das Haus, in dem die zwei Schwestern wohnen sieht ein wenig unheimlich aus. Beatrice ist etwas fülliger und ein positiver Mensch, Magnolia dagegen ist dünn und ihre Mundwinkel könnten nicht weiter nach unten gehen. Da sie sehr arm waren, gab es Ratten und Kakerlaken zu essen. Zu den Spinnen, die es in Massen in dem alten Haus gab, hatten die Schwestern unterschiedliche Verhaltensweisen.
Während Beatrice sie gerne beobachtete, riss Magnolia ihnen die Beine aus. Während Beatrice gerne bastelte, erteilte Magnolia ihr in sehr bösem Ton Anweisungen. Weil es Magnolia so kalt war, wollte Beatrice ihr einen Pullover stricken, doch ihr erster Plan misslang und so stieß sie im Wald auf die „Moor Myrthe“. Sie ist ein eigenartiges Geschöpf mit Vampirzähnen, aber sie liebt, wie Beatrice, den Wald und so unterstützt sie Beatrice mit einem besonderen Geschenk.
Neben kleinen Texten besteht das Buch aus comicartig zusammengestellten Bildern mit Sprechblasen. Beatrice wird durch ihre erfindungsreiche, nette Art mit einer schönen Zukunft belohnt, wohin gegen ihre böse, habgierige Schwester ihre Strafe bekommt.
Ein schauriges Märchen über ungleiche Schwestern und das System der Ausbeutung der Arbeitskraft in ungewöhnlichen, faszinierenden Illustrationen erzählt. Ob es bei Kindern gut ankommt, wage ich zu bezweifeln, Erwachsene werden sicher in den beiden Bekannte, Vorgesetzte oder Kolleg*innen wiedererkennen.
So bunt wie das Leben
9 kleine Menschen von Regina Feldmann
Auf dem Cover sind die neun kleinen Menschen zu sehen, es sind Jungen und Mädchen mit unterschiedlicher Hautfarbe, zwei tragen Brillen und zwei nutzen Gehhilfen.
„Neun kleine Menschen kommen heute raus.“ War zunächst für die Kinder nicht so leicht zu verstehen, erst als ich auf die Bäuche der abgebildeten Frauen hinwies, bekam der Satz einen Sinn.
Auch die acht Frauen sind sehr unterschiedlich im Aussehen, eine sitzt im Rollstuhl, eine hat einen Hund dabei. Und dann sehen wir sie, die neun Babys, eine Frau hat Zwillinge bekommen. Schlafend, manche auf dem Arm ihrer Mütter, sind die satten Säuglinge abgebildet. Dann geht es mit Kinderwagen und im Tragegurt durch die Stadt, ein Kind wird vom Papa ausgeführt und ein anderes von der großen Schwester. In der Bahn sitzen alle auf dem Schoß. „9 kleine Menschen werden in Familien groß.“ bildet ganz unterschiedliche Familien ab. Im Laufe des Buches werden die Kinder größer und ein Gruppe im Kita-Alter lesen der Buch, dass wir auch lesen und wissen, dass sie Freunde fürs Leben bleiben werden.
Ganz kurze gereimte Sätze, die immer mit „9 kleine Menschen“ beginnen, machen der Buch zum Vorlesespaß für unsere Kleinen. Es gibt eine Menge zu entdecken, denn die Illustrationen zeigen die kleinen Menschen in den verschiedensten Situationen. Wir können ein bestimmtes Kind im Auge halten und auf jeder Seite suchen, die Mütter zuordnen und einfach schauen, was die neun so erleben.
Ein Pappbilderbuch, das jedes Kind kennen muss
Alle weg von Yvonne Hergane
Seit „Einer mehr“, dem absoluten Lieblingsbuch meiner vier Enkelkinder, warte ich auf ein gleichwertiges Buch. Mit „Alle weg“ hat Yvonne Hergane sich wohl noch gesteigert. Die wilden Kinder sind uns gleich ans Herz gewachsen. Auf dem Cover sehen wir Kai, der sich die Augen zuhält, während die anderen Kinder loslaufen, um sich zu verstecken.
Auf der ersten Doppelseite sehen wir dann auch alle „zehn wilde Kinder.“ Danach platsche alle mit nackten Füssen in einem Bach und jedes einzelne lohnt sich anzuschauen, so fröhlich sind sie unterwegs. Nachdem sich Lou hinter einem Stein versteckt, sind es dann nur noch acht und die gehen zu den Ziegen. Diesmal taucht Thea ins Heu ab und so kann der Text mit „Sieben wilde Kinder“ beginnen. Die Verstecke sind sehr einfallsreich gewählt und so verschwindet Jonas als letztes Kind hinter einer Tanne. Auf der letzten Seite geht Kai auf die Suche und hinter den Klappen finden sich die anderen Kinder. „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht und neun, hurra! Nach Kai dazu, zehn wilde Kinder. Alle wieder da!“
Neben den niedlich und doch frech wirkenden Kindern auf den Illustrationen, lieben wir alle die Reime, die so schnell ins Ohr gehen, dass alle Enkel (2 ½- 6 Jahre) den Text mitsprechen. Das fördert die Sprache, Wort und Bild werden verbunden und was das Wichtigste ist, wir haben alle einen Riesenspaß. Ich freue mich schon jetzt, wen ich das Buch bei Vorleseaktionen Kindern vorlesen kann. So haben wir jetzt wieder ein neues Lieblingsbuch“ Danke Yvonne Hergane und Christiane Pieper, ihr seid ein tolles Team.
Ein anderer Humor
Zu Hause ist es am schönsten, sagte die linke Hand und hielt sich an der Heizung fest von Navid Kermani; Mehrdad Zaeri
Der Schriftsteller schwärmt von einer Reise nach Afrika. Er stellt sich vor, was seine einzelnen Körperteile wohl dort besonders genießen werden. So freuen sich die Augen auf den Nil, die Ihren auf dem Jazz in Addis Abeba und die Nase auf den Duft der frischen Kräuter in Timbuktu. So machen wir mit seinen Körperteilen eine Reise durch den Kontinent.
Erst als er auf die linke Hand zu sprechen kommt, fängt die Geschichte an, denn diese Hand möchte nicht reisen. Deshalb hält sie sich an der Heizung fest. Der Mann ist nicht in der Lage seine Hand von der Heizung zu lösen. Sie mummelt immer wieder, dass sie nicht nach Afrika will. Die anderen Körperteile äußern sich und die Rechte Hand spricht sogar von Abschneiden. Die Lösung scheint zunächst, dass der Klempner die Heizung ausbaut und die mit der Hand ins Flugzeug muss. Doch die Hand findet einen neuen Halt und die verrückte Geschichte geht in die nächste Stufe.
Ich glaube, dass ich durchaus Humor habe und mich auch verrückte und skurrile Erzählungen ansprechen, aber mit dieser Geschichte kann ich leider gar nichts anfangen. Natürlich haben wir nicht alle die gleiche Sehnsucht nach der Ferne und Mensch, wie meine Mutter, sehen im Reisen generell keinen Sinn, wo es doch zu Hause so schön. Aber das einzelne Körperteile das Reisen verweigern, verwundert mich doch.
Überraschende Entwicklung
Atlas, Elena und das Ende der Welt von Anna Woltz
Elenas Mutter macht sich für einen Monat auf nach Indien und Elena muss zu ihrer Tante in die Einöde eines heruntergekommenen Bauernhofs. Ihr Quartier ist ein Raum in einem Holzschuppen, dass ihre „Cousine“ Kennedy mit Bildern aus einem Handwerkerkatalog verschönert hat. Überall im Haus gibt es Weihnachtssachen und Tante Maude leidet unter Long COVID, deshalb kann sich wenig um ihre neue Familie kümmern.
Neben ihrem zurückhaltenden Freud, gibt es noch Atlas, den 14jährigen Sohn.
Während Kennedy scheinbar lustig plappernd über alles berichtet, ist Atlas sehr verschlossen und schnell wird klar, dass er ein Geheimnis hat, denn er schleicht sich nachts immer aus dem Schuppen. Aber auch Elena hat einen Grund ihr Handy am Bahnhof zu entsorgen.
Es dauert einige Zeit, bis die beiden offen miteinander reden können und dann wird der Sommer doch noch schön, denn Mauds neuen Familie ist nicht creepy, trotz der eigenartigen Unterkunft und der komischen Namen.
Der Anfang des Buches hat mich zunächst ein wenig ratlos gemacht, denn die Geheimnisse der Jugendlichen sind schon ungewöhnlich, oder vielleicht sind sie das gar nicht? Es hat mir gut gefallen, wie sich die Geschichte und die beiden Protagonisten sich entwickelt haben.
Eine spannende, ungewöhnliche Geschichte voller Blamagen und mit noch mehr Gefühl.











