Kunden em pfehlungen
Rezensionen von trebor:
Gut genug - geht das ?
Nie gut genug von Thomas Curran
Der Psychologieprofessor Thomas Curran befaßt sich in seinem Werk "Nie gut genug" mit dem Zeitgeistphänomen Perfektionismus in all seinen Facetten.
Der Autor unterscheidet zwischen selbstorientiertem, fremdorientiertem und sozial vorgeschriebenem Perfektionismus.
Hilfreich für das Verständnis dieser Theorie eines 3-Facetten-Modells ist eine grafische Darstellung im 2.
Kapitel. Auch weitere wichtige Studienergebnisse werden im Verlauf des Buches mittels Diagrammen veranschaulicht.
Um zu unterscheiden zwischen Perfektionismus und lediglich einem außerordentlich hohen Anspruch ( an einen selbst oder an andere ) ist ein defizitäres Grundgefühi, also nicht gut genug zu sein, welches mittels Perfektionismus ausgeglichen werden will.
Der Autor befaßt sich außerdem damit, wie sehr Perfektionismus uns krank machen kann, und zeigt ein komplexes Gefüge von Ursachen auf. Besonders aufschlussreich fand ich hierbei das Kapitel zum Zusammenhang von Social Media und Perfektionismus.
Gegen Ende des Buches beschreibt er Gedankenmuster, wie wir der Perfektionismusfalle entkommen können.
Es ist kein üblicher oberflächlicher Ratgeber mit schlauen Sprüchen, sondern eine komplexe und tiefergehende wissenschaftliche Auseinandersetzung, die überraschende Erkenntnisse zu bieten hat.
Einziges Manko, die meisten Erfahrungsberichte und Studien beziehen sich auf Großbritannien oder USA, was den inhaltlichen Thesen allerdings keinen Abbruch tut.
Nervenkitzel mit Humor, Hirn und Herz
Lenny Hunter - Die magische Sanduhr (Bd.1) von Thilo
Ein sehr aufwändig gestaltetes großformatiges Kinderbuch durfte das Autorenteam Thilo ( Texte ) und Silvio Neuendorf ( Illustrationen) mit „Lenny Hunter - Die magische Sanduhr“ verwirklichen.
Der Genuß beginnt bereits auf dem Cover im Glanz - Matt - Kontrast mit fühlbarem Reliefdruck und setzt sich ohne Pause im Inneren des Buches fort.
Denn die Charaktere der Geschichte werden bereits steckbriefhaft auf den beiden Vorsatzseiten vorgestellt.
Die vielen ganzseitigen und teilweise auch doppelseitigen Zeichnungen beeindrucken durch ihren Detailreichtum, so ist es auch möglich für Vorschulkinder, den Inhalt der Geschichte zu erahnen, ohne den Text lesen zu können.
Der volle Genuss entsteht natürlich beim Lesen der spannenden Texte, da hier der feine Humor zum Tragen kommt, der die Erlebnisse begleitet.
Ein Werk voller Phantasie, origineller Ideen, überraschender Details, hervorragend gezeichnet, anspruchsvoll, intelligent und bereichernd. Ein Nervenkitzel der besonderen Art.
Thunfische und Harmonie
Mattanza von Germana Fabiano
Der Roman "Mattanza" von Germana Fabiano ist ein schön geschriebenes Dokument, welches den traditionellen Thunfischfang auf einer kleinen italienischen Insel namens Katria anschaulich beschreibt.
Auch wenn die Thunfischjagd nur einmal im Jahr stattfindet, so ist alles Leben und Treiben die ganze verbleibende Zeit auf diesen Moment, der Versorgung und Einkommen der Inselbewohnenden sichert, ausgerichtet.
Ich hatte gehofft, ganz nebenbei so etwas wie eine Kulturgeschichte der Thunfischjagd vorzufinden mit noch detaillierteren Schilderungen der jährlichen Vorgänge. Die Skizze der Tonnara am Schluß des Buches ist sehr aufschlußreich, mehr in der Art hätte das Buch bereichert.
Die Charaktere des Buches werden zwar lebendig beschrieben, aber eine Naturverbundenheit, die ich bei diesem Thema erwarte, spüre ich nicht. Insbesondere angesichts der ökologischen und wirtschaftspolitischen Veränderungen im beschriebenen Zeitraum zwischen 1960 und 2012.
Insgesamt ist mir die Geschichte zu harmonisch trotz radikaler Veränderungen, die schicksalsergeben hingenommen werden. Weder äußere Konflikte noch innere Kämpfe werden in diesem Werk ausgetragen.
Plädoyer für Eigenwilligkeit
Mieko tanzt von Mariko Miyata-Jancey
"Mieko tanzt" ist ein Plädoyer dafür, bereits im frühen Kindesalter ganz eigene Wünsche und Vorstellungen entwickeln zu dürfen, um später eigene Wege im Leben gehen zu können.
Ein besonderes Buch, auch grafisch sehr eigenwillig, hat die norwegische Autorin Mariko Miyata-Jancey zusammen mit der Illustratorin Marianne Gretteberg Engedal da geschaffen.
Somit spiegelt sich die Botschaft des Werkes in der Darstellungsweise wieder. Pastellig zart und bunt zugleich, die Bilder brechen jegliche Regeln, mal perspektivisch, mal flächig und das innerhalb einer Zeichnung, wir treffen auf Menschen mit merkwürdigen Gummiarmen und verkorksten Proportionen. Irgendwie ist alles falsch und doch alles richtig : die Gefühlswelten.
Die Gefühle von Beklemmung und Freiheit, von Lebensfreude und Verliebtsein, von Enttäuschung, Wut und Zweifel werden deutlich herausgearbeitet.
Dieses Buch kann sicherlich dabei helfen, ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln sowie Vielfalt zu erkennen, zuzulassen und Toleranz zu vermitteln.





